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Full text of "Klinische Terminologie"

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Klinische 
Terminologie 



Otto Roth 







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tfred. Em. CHANDLiiK. 

Klinische 

Terminologie. 

> 

Zusa m m e n s t e 1 1 u n g 

der 

zur Zeit in der klinischen Medizin 

gebräuchlichen technischen Ausdrücke 

mit 

Erklärung 1 ihrer Bedeutung und Ableitung 

von 

weil. Dr. Otto Roth. 



Vierte vermehrte und verbesserte Auflage. 

— TXROW 

p- : ? - , r -.. • » >- ' 

5 As! L'-;: $'.. HuTiSJ!. i»Si 

LEIPZIG. 

Verlag von Eduard Besold. 
(Arthur Georgi). 

1893. 



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* 



Alle Rechte vorbehalten. 



K. b. Hof- u. Univ.-Buehdruckem von Fv. Junge (Junge & Sohnl, Erlangt-n. 



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Vorwort zur ersten Auflage 



Den hauptsächlichsten Inhalt dieses Werkes bildet die 
Terminologie der Pathologie. Ausgeschlossen ist die 
Terminologie aller derjenigen Zweige der Medizin, welche 
sich mit normalen (physiologischen) Verhältnissen beschäf- 
tigen, wie die Anatomie, Histologie, Physiologie, welche viel- 
mehr als bekannt vorausgesetzt ist. Da nun die Pathologie 
das weitaus wichtigste und ausgedehnteste Gebiet der klini- 
schen Medizin bildet, und da ich ausserdem noch zahlreiche 
technische Ausdrücke aus der operativen Chirurgie, klinischen 
Diagnostik, medizinischen Physik und allgemeinen Therapie 
hinzugefügt habe, so halte ich den Titel „Klinische Termi- 
nologie" für genügend gerechtfertigt, obgleich zwei der kli- 
nischen Medizin ebenfalls angehörige Disziplinen, die Materia 
medica und die pathologische Chemie unberücksichtigt ge- 
blieben sind. 

MeineTerminologia clinica erstreckt sich also gerade 
auf denjenigen Teil der medizinischen Wissenschaft, dessen 
Nomenklatur bekanntlich noch am wenigsten festgestellt, 
geordnet und vereinbart ist, weshalb eine Sammlung der in 
den verschiedenen zur Zeit massgebenden Fachwerken und 
in der periodischen medizinischen Tageslitteratur zerstreuten 
technischen Ausdrücke eleu Ärzten und Studierenden vielleicht 
willkommen sein dürfte. Ein Vorzug, auf welchen diese 
Zusanmienstellung jedenfalls Anspruch machen darf, ist der, 

1* 



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Vorwort. 



durchaus modern zu sein, denn die darin enthaltenen Aus- 
drücke sind nur den neuesten und gangbarsten, weil aner- 
kannt vorzüglichen Hand- und Lehrbüchern, sowie den 
medizinischen Journalen der letzten zehn Jahre entnommen. 
Von älteren Werken, Enzyklopädien und Wörterbüchern ist — 
ausser für den etymologischen Teil das „Kritisch etymolo- 
gische medizinische Lexikon" von L. A. Kraus (1844) — 
kein einziges benutzt, was meiner Arbeit wohl mehr zur 
Empfehlung als zum Nachteil gereichen dürfte. 

Als diejenigen Werke, denen die hier zusammengestellten 
technischen Ausdrücke vorzugsweise entnommen sind, sind 
vor allem zu nennen: 

1. Für die allgemeine und spezielle Pathologie, 
pathologische Anatomie, pathologische Histologie, 

Teratologie. 

v. Ziemssex, Handbuch der speziellen Path. und Ther. [ZH|. 
Leydex, Klinik der Rückenmarkskrankheiten. 
1 los EN th A L, Klinik der Nervenkrankheiten. 
Heuka u. Kaposi, Lehrbuch der Hautkrankheiten. 
Wagner, Allgemeine Pathologie. 
Birch-Hirschfeli), Lehrbuch der pathol. Anatomie. 
Rindfleisch, Lehrbuch der pathol. Gewebelehre. 
Förster, Missbildungen des Menschen. 

2. Für die Chirurgie, 
v. Pitha u. Bielroth, Handb. d. allgem. u. spez. Chirurgie. 
Billroth, Die allgemeine chir. Pathologie und Therapie in 

r>0 Vorlesungen. 
König, Lehrbuch der spez. Chirurgie. 

Heineke, Kompend. der chir. Operations- u. Verbandlehre. 

8. Für die Ophthalmologie. 
Stellwag, Lehrbuch der Augenheilkunde und 
Gräfe u. Sämisch. Handbuch der ges. Augenheilkunde. 



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Vorwort. 



V 



4. Für Geburtshilf e und Gynäkologie. 

Schröder, Lehrbuch der Geburlshilfe, im<l 
Schröder, Haiulb. der Krankheiten der weibl. Geschlechts- 
organe (X. Band von ZH). 

ö. Fü r die Otiat rie. 
v. Tröltsch, Lehrbuch der Ohrenheilkunde. 

(>. Für die Psychiatrie. 

* 

Griesinger, Die Pathologie und Therapie der psychischen 
Krankheiten. 

M.udsley-Böhm, Die Physiologie und Pathologie der Seele. 

7. Für die Diagnostik. 

Gerhardt, Lehrbuch der Auskultation und Perkussion. 
P. Niemeyer, Physikalisehe Diagnostik. 

Ausserdem habe ich noch einzelne kleinere oder grössere 
Monographien, unter welchen ich hier die „Sammlung klini- 
scher Vorträge" von Volkmann hervorheben will, benutzt 
und zahlreiche Einzelheiten, natürlich nicht ohne kritische 
Sichtung, den verschiedensten medizinischen Journalen vom 
Jahre 1 StiS an entnommen. 

In Rücksicht darauf, dass die Kenntnis der Ableitung 
der technischen Ausdrücke nicht nur sehr oft das Verständ- 
nis ihres Begriffes erleichtert, sondern auch ein wesentliches 
Hilfsmittel für das Gedächtnis ist, habe ich durehgehends 
auch eine Erklärung der Ableitung beigegeben. 

Ebenso habe ich in der Überzeugung, dass eine Samm- 
lung der modernen Ausdrück«' erst durch Hinzufügung ihrer 
Begriffsbestimmung Wert erhalten würde, wo es möglich 
war, auch die Definition oder, wo der gegenwärtige Stand- 
punkt unserer Wissenschaft eine präzise Definition nicht er- 
möglichte, die kurze Beschreibung, eine Zusammenfassung 



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VI 



Vorwort. 



der wesentlichsten Züge des Krankheitsbildes etc. beigefügt. 
Dabei bin ich mir freilieh der grossen Ungleichmässigkeit 
der Bearbeitung der einzelnen Gegenstände bewusst, indem 
l)ald mehr der pathologisch-anatomische, bald mehr der histo- 
logische, bald mehr der klinisch-symptomatische Standpunkt 
berücksichtigt worden ist. Immerhin glaube ich aber im 
allgemeinen diejenigen Gesichtspunkte am meisten hervor- 
gehoben zu haben, durch welche die betreffenden ("regenstände 
am besten veranschaulicht werden konnten. Hypothesen 
suchte ich möglichst zu vermeiden, wo sie aber berücksichtigt 
werden mussten , habe ich sie gewöhnlich auch als solche 
kenntlich gemacht. 

Die Definitionen und Erklärungen sind teils den oben 
angeführten Werken entnommen, und bei mehr oder weniger 
wörtlichen Anführungen ist die Quellenangabe gewöhnlich 
auch im Texte wiederholt*), zum grossen Teil jedoch sind 
sie das Produkt eigener freier Bearbeitung. Für diese habe 
ich zwar im allgemeinen die oben genannten Werke zu 
Grunde gelegt, aber auch häufig den Auffassungen anderer 
Autoren und insbesondere den in Journalen erschienenen 
neueren und neuesten Veröffentlichungen über die gleichen 
Gegenstände Rechnung getragen. 

*) Ausser bei den Hautkrankheiten, Logopathieu und Missbildungen, 
für welche ich fast ausschliesslich die betr. Werke von HEBRA und 
Kaposi, Kussmaul [in ZH] und Förster benützt habe. — Leider 
habe ich früher bei der Sammlung meiner Notizen , so lange der Ent- 
schluss zur Veröffentlichung nicht feststand , nicht streng beachtet, die 
betr. Quellen mit zu notiren, so dass sich allerdings mitunter wörtliche 
Anführungen ohne Angabe der Quellen finden dürften, deren Wieder- 
aufsuchung mir bis jetzt nicht möglich gewesen ist. Sollte es mir 
vergönnt sein, eine neue Auflage dieses Wcrkchens auszuarbeiten, so 
werde ich mir alle Mühe geben, diesen mir bedauerlichen Mangel mög- 
lichst zu beseitigen. Einstweilen muss ich für die betreffenden Stellen 
auf die allgemeine Quellenangabc im Vorwort verweisen. 



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Vorwort. VII 

Die Erklärungini erscheinen munilich zwar als der 
wesentlichste Inhalt des Werkes, und ich wäre wohl aucli 
berechtigt gewesen, für dieses einen ähnlichen Titel wie Galen 
für seine "Oqoi laxQixol oder Definitiones niedicae zu 
wählen; dennoch ist der Titel „Terminologie" der zutreffen- 
dere, denn der ganze Inhalt des Werkes ist doch nur durch 
terminologische Gesichtspunkte bestimmt, und nur solche 
Ausdrücke sind aufgenommen, für die ein eigentlicher Ter- 
minus technicus gebräuchlich ist, während klinische Bezeich- 
nungen, für die ein solcher nicht existirt, gar nicht oder nur 
gelegentlich berücksichtigt sind. 

Bei manchen Wörtern mit ganz unzweideutigen selbst- 
verständlichen Begriffen, zumal bei klinisch unwichtigeren 
Gegenständen, habe ich eine förmliche Definition weggelassen. 
Solche überflüssige Ausführlichkeit würde das Buch nur 
zwecklos verdickt und verteuert haben. 

Dass überhaupt die klinisch wichtigeren Gegenstände 
im allgemeinen ausführlicher behandelt sind als die weniger 
wichtigen, entspricht dem Zweck dieses Werkchens, ein kli- 
nisches Taschenbuch vor allem für den Studiren- 
den zu sein. Vielleicht gilt ein wenig auch von meinem 
Werkchen, was Galen in der Einleitung zu seinen Defini- 
tiones medicae (Vers, lat.) sagt : „De inedicis finitionibus 
opus cum medicis omuibus. turn iis potissimitm, qui 
ad medicinam introdueuutur, adolescentibus quam uti- 
lissimum coltigere et scriptis mandare decreri. Qu um 
ertim ars medica ritae s-it utilis et ad kominum salutem 
inventa ac tnulta praeclara theoremata habeat eaque 
adoptionis arduac esse rideantur, utilissimae erunt 
finitiones, quae paucis multa docere possunt. Optima 
namque omnibus in artibus ac scientiis doctrina est, quae 
non multis et uumensis, sed paucis perbelle dignoscitu)\ u 



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VIII 



Vorwort. 



Diesen Worten eines der berühmtesten unter den alten 
Heroen unserer Wissensehaft lasse ich diejenigen eines der 
berühmtesten unter den neuen folgen, die Worte R. Virchow's, 
der sich „Über ärztliche Terminologie" in Nr. 5 der 
Berliner klin. Wochenschrift vom Jahre 1875 also äussert: 
„Sollte es nicht gerade in der heutigen Zeit, wo dem ärzt- 
lichen Stand so viele Gefahren drohen, gerechtfertigt sein, 
daran zu erinnern, dass die wirklichen Ärzte jede Anstrengung 
darauf verwenden müssen, auch in den kleinen Dingen ihre 
wissenschaftliche Stellung zu zeigen? und ist es nicht das 
erste Zeichen eines wissenschaftlichen Mannes, dass er die 
Sprache der Wiss ensehaft zu reden versteht? Durch 
nichts bezeugt der Sachverständige deutlicher seine Befähigung 
als durch den korrekten Gebrauch der technischen Ausdrücke, 
durch nichts imponirt er mehr und nützt er mehr. Möchten 
diese Zeilen dazu beitragen, diese Auffassung recht allgemein 
werden zu lassen!" 

Mit dem Wunsche, dass meine Arbeit dazu dienen 
möge, einer einheitlichen Auffassung und korrekten Anwen- 
dung der technischen Ausdrücke unsei er medizinischen Wissen- 
schaft einigermassen förderlich zu sein, übergebe ich die- 
selbe mit der Bitte um Nachsicht für ihre vermeidlichen 
sowohl als unvermeidlichen Mängel der Öffentlichkeit. 

Gütige Beiträge von Seite der geehrten Herren Kollegen 
und Philologen zur Ergänzung und Verbesserung des Werkes 
würden von mir oder der Verlagsbuchhandlung mit grossem 
Dank entgegengenommen werden. 

Wiesbaden, im Mai 1878. 

Dr. med. Otto Roth. 



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Vorwort zur zweiten Auflage 



Einer durch Horm Obermedizinalrat Professor Dr. 
von Zikmssex vermittelten Aufforderung der Verlagsbuch- 
handlung Folge leistend, habe ich die Herausgabe der zwei- 
ten Auflage der Terminologia clinica übernoinmen. 
Eine Anzahl neuer Artikel hat das Werk vergrössert, 
während ich mir es in Bezug auf die Artikel des verstorbe- 
nen Autors zum Grundsätze gemacht habe, dieselben, wo 
irgend möglich, in ihrer alten Gestelt beizubehalten und nur 
die durch den Fortschritt der medizinischen Wissenschaften 
bedingten Änderungen zu treffen. Möge das Buch sich in 
seiner zweiten Auflage ebensoviele Freunde erwerben, wie 
dies bei der ersten der Fall war. 

München, im Herbst 1883. 

Dr. Hermann Gessler. 



Vorwort zur dritten Auflage. 

In Vertretung des Verfassers der zweiten Auflage, 
meines Freundes Herrn Privatdozenten Dr. H. Gkkslek, der 
in der Rekonvaleszenz von einer längeren Erkrankung nicht 
in der Lage war, die neue Bearbeitung bis zu dem vom 
Herrn Verleger gewünschten Zeitpunkt allein fertig zu stel- 



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X 



Vorwort. 



len, habe ich es auf Wunsch des letzteren unternommen, in 
Gemeinschaft mit Herrn Dr. Gessler die dritte Auflage 
der „Klinischen Terminologie" zu besorgen. 

Die Fortschritte unserer Wissenschaft erforderten manche 
Änderungen und Verbesserungen, sowie eine VergrÖsserung 
des Gesamtumfanges. In Form und Ausstattung wurde das 
bewährte Kleid des Werkes unverändert beibehalten. 

Als Litteratur zur Neubearbeitung dienten ausser den 
im ersten Vorwort aufgeführten Werken und den gelesensten 
Archiven, Zeit- und Wochenschriften, vorzugsweise die fol- 
genden Werke: Ziecjllr's Lehrbuch der allgemeinen und 
speziellen pathologischen Anatomie (4. Auflage), die Lehr- 
bücher der inneren Medizin von Ln: rkemei.ster, Jür<;ensen, 
Strümpell, Fi ..eisch er, Bizzozeros's Klinische Mikroskopie, 
ferner Winckel's Lehrbücher der Geburtshilfe 1 und der 
Frauenkrankheiten, Vossius' Lehrbuch der Augenheilkunde, 
Kräpelin's Psychiatrie, C. Frank ki/s Grimdriss der Bak- 
terienkunde. 

Eine Bereicherung hat die neue Auflage endlich noch 
erfahren durch eine sprachliche Einleitung, welche der Feder 
eines auf diesem Gebiete erfahrenen Forschers, des Herrn 
Dr. Zimmerer, Studienlehrers in Bamberg, entstammt. Der- 
selbe hatte auch die Güte, den etymologischen Teil einer 
verbesserndem Durchsieht zu unterziehen. 

München, im März ISN!). 

Dr R. Stintzing. 



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Vorwort zur vierten Auflage. 



Auf besonderen Wunsch des Herrn Verlegers habe ich 
in Gemeinschaft mit Herrn Dr. Gessler in Stuttgart die 
„klinische Terminologie 4 ' auch in der vierten Auflage bearbeitet. 

Erfindungslustiger Wetteifer hat auch in den letzten 
Jahren wieder ein wahres Füllhorn von sprachlichen Neu- 
geburten über die schon längst überfliessende klinische 
Nomenklatur ausgegossen. Wiewohl wir bemüht waren, alle 
neuen Bezeichnungen ohne Auswahl einzufügen und den 
neueren Forschungen durch Änderungen und Zusätze gerecht 
zu werden, so ist es uns doch durch vielfache Kürzungen 
gelungen, die unvermeidliche Umfangszunahme des Buches 
in engen Grenzen zu halten. 

Als Quellen für die neue Auflage dienten ausser den 
schon in früheren Vorworten aufgeführten Werken und den 
gelesensten deutschen Archiven, Zeit- und Wochenschriften 
und Centraiblättern noch die folgenden Lehr- und Hand- 
bücher: E. Albert's Lehrbuch der Chirurgie (4. Aufl.), 
Michki/s Lehrbuch der Augenheilkunde (2. Aufl.), Gowers' 
Lehrbuch der Nervenkrankheiten 1892, Pozzi's Lehrbuch 
der Gynäkologie 1892, Zwei fei/s Lehrbuch der Geburtshilfe 
1892, Bürknkr's Lehrbuch der Öhrenheilkunde 1892 u. A. 

Herrn Dr. Zimmerer in München verdanken wir, wie 
in der vorigen Auflage, die Durchsicht der etymologischen Er- 
klärungen und die sprachliche Einleitung. 

Jena, im Juli 1898. 

Dr. R. Stintzing. 



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Sprachliche Einführung. 



Die Sprache der Heilkunde ist das Ergebnis ihrer geschicht- 
lichen Entwicklung. 

Es ist offenbar, dass ihr die Spuren dieser langwierigen und 
nicht immer heilsamen Einflüsse unverkennbar und vielleicht auch 
unverwischbar aufgedrückt sind. Wie jedoch fast unsere gesamte 
abendländische Gesittung aus dem Boden des griechisch-römischen 
Altertums erwachsen ist, so ist auch der Hauptbestand des 
naturwissenschaftlichen Sprachvorrates in dem Umfange der klas- 
sischen Sprachen enthalten. 

Die Schriften des Hippokrates, Aristoteles und Galenos, 
wie des Celsus, Plinius und Vegetius sind und bleiben für den 
Gelehrten die Grundlage und der Prüfstein zur Beurteilung der 
Sprachrichtigkeit und Keinheit griechischer und lateinischer Ter- 
mini der naturwissenschaftlichen Disziplinen. 

Dadurch gewinnen diese Wissenschaften auch heute noch ein 
gemeinsames, einfaches und völkerverbindendes Gepräge. 

Dadurch wird aber auch die Kenntnis dieser beiden Sprachen 
dem Arzte und Naturforscher zur unerlässlichen Pflicht. 

Ohne Verständnis der Etymologie und der Gesetze der 
Wortbild u ugsl ehre haftet das Wort nicht im Gedächtnisse, 
bleiben Sinn und Form, Unterschied und Verwandtschaft der Aus- 
drücke unerkannt und dunkel, sind der Willkür falscher Deutungen 
und sprachlicher Missbildungen Thür und Thor geöffnet. 

Die \V or t b i ld u ngsl eh re umfasst zwei Gegenstände: a) die 
Bildung der Wörter durch Ableitung. Dcrivatio; b) die durch 
Zusammensetzung nach gewissen Gesetzen, Compositio. Der ganze 
Wortvorrat einer Sprache in ihrer unendlichen Mannigfaltigkeit 
lässt sich auf eine verhältnismässig geringe Anzahl von Wur- 
zeln zurückführen. Unter Wurzel versteht man denjenigen be- 
deutungsvollen Lautkomplex, welcher an einer Wortform nach 
Ablösung alles Formellen übrig bleibt, z. B. in den Wortformen 
reg-o, rec-s (nx), rey-is, reg-ina, rector , rtc-trix, rec-tm, rec- 



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Sprachliche Einführung. 



XIII 



tura, reg-io, reg-imen, reg-imentum, Xiy-w, Xex-ato (/J~a>), Xe^ig, 
Xzx-tog, did-Xfx-rog, Xex-rtxdg, Xex-rgov, X6y-og, öid-X^og, Xdy-iog, 
Xoy-txog, Xoy-ixn'uo, Xoy-i6-xt)g, Xoy-idiov, Xoy-ievg, Xöy-ifiog, Xoy-i^co, 
Xo}>-io/nog, Xoy-iori'jg, Xoy-töxr)g, Xoy-ioztjgi'a, -taztjgiov, Xoy-ioxixog, 
Xoy-taz8V(o, Xoy-dg, Xoy-dw, Xoy-dZco, Xoy-dt)t)v, Xoy-abtxog, Xoy-dgiov, 
Xoy-agid^co, Xoy-agiaofidg, Xoy-rvo), Xoy-rvg, Xov-F.ia, X<ry-e?ov, Xotiag 
sind reg und Xey die Wurzeln, alles übrige aber Formelles, das an 
die Wurzeln reg und Xey angetreten ist. Diejenigen Wörter, welche 
unmittelbar aus der Wurzel hervorgehen, werden Wurzel Wörter 
oder auch Stammwörter, Vocabula primitiva, genannt und 
um diese war es uns bei Feststellung der Etymologie eines Wortes 
in den meisten Fällen zu thun ; denn die Wurzeln selbst hätten 
gar zu oft uns den Versuch nahe gelegt, den Ursprung derselben 
bis auf die älteste Form der indogermanischen Schwestersprachen, 
das Sanskrit, zurückzuführen. „Solitc jemand damit noch nicht 
zufrieden gestellt sein, sondern weiter nach der eigentlichen Be- 
deutung der Wurzel forschen, so fragt er bereits nach dem Ur- 
sprung der Sprache. Auf diese Frage erteilen uns die Sprach- 
philosophen die Antwort, dass das primitivste Material der Sprache 
Reflexlaute — begleitet von Gebärden — gewesen sind 4 * (s. Pre l- 
WiTZ, Etymologisches Wörterbuch der griech. Spr. 1892). 

Ein Stammwort hat zwei Bestandteile: die Wurzel und die 
Flexious- oder Formationsendung. 

Unter Flexionsendungen verstehen wir erstens die Perso- 
nalsuffixe des Verbum: o, i-s, i-t, o>, Fig, fi u. s. w. — Durch 
den Antritt dieser Suffixe an die Wurzel gestaltet sich diese zu 
einem Zeitwort, also reg, reg-o, reg-is, reg-it, Xey, Xey-o>, Xsy-Ftg, 
Xcy-et u. s. w. Zweitens das Nominativzeichen -s ; durch den An- 
tritt desselben an die Wurzel gestaltet sich dieselbe zu einem Sub- 
stantive der sog. III. Deklination, also reg, reg-s = rex, leg, 
leg-s = lex, oder zu einem Pronomen, also *\ i-s, 6, ö-g. 

Unter den F o r in a t i o n s e n d u n g e n verstehen wir a) solche 
Suffixe, durch welche einfach bezeichnet wird, dass das Wurzel- 
wort ein Wort der sog. L, II., IV. und V. Deklination ist, also 
scrib-, scriba, ygay-, yoarpv), hort-us, jopr-o;, bon-us, dya&-6g, 
{dulc-is, yXvx-vg). ac-us, (dx-k), qen-u, (yov-v), di-es, tiT-oc; b) solche 
Suffixe, durch welche dem Worte eine besondere Bedeutung ge- 
geben wird, z. B. reo, rec-tor Lenker, Xr.y, Xoy-evg Redner, reg-io 
Richtung, /JS-ig Rede, reg-imen Lenkung, Xeg-ixöv Wörterbuch, 
frag-Uis zerbrechlich, Xrx-nxdg gesprächig, luc-idus leuchtend, 
(pav-egog. 

Den Wurzel Wörtern steheu die von denselben abgeleiteten 
Wörter, Vocabula derivata, gegenüber. So wird aus cap-ere, 
cap-tare, cap-tatio, cap-tator, cap-tivus, Xey-to, Xoy-i£to, Xoy-toudg, 
Xoy-toTi'/g, Xoy-iouxdg, aus serv-us, serv-ire, öorX-og, ÖorX-Fro), aus 
gen-us, Gen. gen-eris, gen-er-are, yh-og, ytr-Fog, yer-Fotg, yrr-väto 
u. s. w. 



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XIV Sprachliche Einführung. 

Die Ableitung der Wörter von den Wurzeln oder von bereits 
gebildeten Wintern mittels der antretenden Suffixe ist eine Art 
von Flexion, unterscheidet sich aber dadurch von dersell>en, dass 
sie nicht wie diese die wandelbaren Beziehungen ein und dessel- 
ben Begriffes, sondern die aus der W T urzel oder einem bereits fer- 
tigen Worte gebildeten neuen Wortformen für neue Begriff s- 
formen l>czeiclinet. Der Wurzelbegriff ist freilich in allen seinen 
Ableitungen und Weiterbildungen erkenntlich und vorherrschend, 
ist aber in jeder derselben auf eine besondere Weise gestaltet und 
tritt daher auch in einer l>esonderen Wortform hervor. So z. B. 
zeigt das Suffix -tor, griech. -t?/o, den Begriff einer thätigen Per- 
son an, als rec-tor Leiter, Äoy-ta-Ttjg Berechner, das Suffix tio den 
abstrakten Begriff einer Handlung, als rec-tio Leitung, das Suffix 
-'Iis den Begriff einer Fähigkeit, als frag-ilix zerbrechlich, das 
Suffix -tarc den Begriff einer intensiven Thätigkeitsäusserung, als 
captare haschen. 

Betrachten wir nun die Suffixbildungen in ihrer Anwen- 
dung auf unsere medizinischen Termini, so ist weitaus 
das häufigste dem Arzte gebräuchliche 

1. das Suffix auf i-tis. Dasselbe ist zunächst nichts an- 
deres als die gewöhnliche Femininendung zu den Substantiven auf 
-r>;> und besonders zu den Adjektiven auf a-rt/g, e-rt]c, t-r?/s, 
ro r>/c, z. B. tgyunjg der Arbeiter, iyyäris Arbeiterin, Ixht}; schutz- 
flehend (ixe ic), üeofiwTii* gefesselt (deoiiwri*), re y o<V/;c nicreuähn- 
lich IreqHjtrig), 

Die Zahl der Wörter auf -'Y*/c belauft sich ohne die Gentilia, 
welche eine Herkunft oder die Bewohner von Städten bezeichnen, 
auf circa 400. 

Diese Wörter sind durch ein Sekundaer Suffix i-rtjc gebildet. 

Den griechischen Formen entsprechen im Lateinischen Bil- 
dungen auf itis, z. B. Quin'tts und Samnitis. 

Man darf annehmen, dass sich das ableitende Suffix -nj- 
später gern zunächst an adjektivische Formen auf -io anschloss, 
z. B. d.-xix)j- («jt<o- Birne), r,/Jji)~ sonnenartig (fj/.io- Sonne), nji'rr]- 
die Flotte betreffend (r>,/o- zum Schiffe gehörig), oxoo.ihrj Skor- 
pionstein (axno.-Tto- Skorpion) u. s. f. 

Verwandt sind diese Bildungen mit den zahlreichen Zeit- 
wörtern auf -i^o>, welche eine Neigung zu ihrem Stammworte 
bezeichnen, z. B. r/./.tjr-uto bin hellenisch gesinnt, //?/<$-<'.>> etc. 

Das zahlreichste Kontingent aber liefern sie für die Wörter 
aus dem Naturreiche, zumal Steine, Weinarten, und — Krank- 
heiten, besonders Entzündungen, weil das Suffix eine er- 
höhte Bethätigung des im Stammworte liegenden Begriffes be- 
zeichnet, z. B. u/iiiinjc Sandstein (ä/iftoc), ßuToayht/g froschgruner 
Stein, yfoavt'njg Kranichstein, xtyyginjg hirsenähnlicher Stein, x»/- 
om/c WachssteLu, tti/.iurjg Rötelstein (m'Xroc), .-rgaantj^ Lauchstein, 
.-rvom^ Feuerstein, ouagayStrt^ smaragd färben, avxirijc feigenfarbig, 
/(uxirtj^ Kupferstein, y/.cogirtjg grasgrüner Stein, artj/urtje Säulen- 



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Sprachliche Einführung. 



XV 



stein, fSornvirt^ Traubcncdelstein , nitiaxixtj^ Blutstein, yu/.uxxixtjg 
Milchstein, 7 Fyyixt^ I^euchtstein. 

Weinarten: fmgn&gixxjg aus Fenchel (tidoadgor) bereitet, 
uti/.t'rt)c Apfelwein (ufjlov/, ftvgxixt]* Myrthemvein, vugdixqc mit 
Norden bereitet, ntiq-axin^ aus unreifen Trauben (dtttfnx-), &vit- 
/Wr#/c über Saturci (f)i'ftßnu) abgezogen, mnoht^ mit Pech ver- 
setzt i.-xiaoa), orjTirhtjc nach Harz schmeckend u. a. m. 

Auf Krankheiten bezüglich: degTzi* (scilicet roaog), at/tuxTxtg, 
dttrydu/.Tztg, drbgtoftxtc, dritguxirtg, dgtoftuxtxig, yu/.uxxTxtg, AovaxTxtg, 
iyyaozoTn^, ^.Tartnc, ih'/.axTxt^ , Dmgaxtxig , xugdtxig, xovdv/Jxtc, Äf<//o>- 
vTtu , juvgittjxtris , drvytxt-;, .'xagt/ovi'xig , .udaxtrt* , .~ToixiÄetfio)rTzic; f 
.-jvgntc, ntoyioviris, ngtortxtj, axv/MXtxt±, oxta/.tjxixt*, n.T/.tptxtg, 7 gering, 
ya/.xtdixtc, wrtxtg ; .-xrtytztg, XFouttixtg, nuylxtc, dttaOtxu, duxFi.txiz, 
dgOgtxtz, dr/gtxic, dyrgtxt^ , ßakavTxtg , ßvdTrit , Aaxxr/.Trig , dFtxvTxtg, 
FXiox/.ijgiuc, F.HTol-iTt*, ^Ftj i-ofnc, T)?ATiz, ijftiornt*;, xgoxuy Txtg, XMVlTtg, 
/.fxtItic, tmgtmgtxig, itFoo^AFigtTt^, ttFxa/./.tztg, vf rotzig, (rFf/gTrtg, 
VFßgTztg), vtjotztg, rtzgTztg, nFzu/.tzig, ru/.Tztg, rjF/./.iztg, rf/.orhtg, %A<o- 
gtztg, yot-AgTxtg. 

Dazu kommen analoge Neubildungen späterer Zeit 
wie yayyhortTtc, ekrroTrtg, ditf-ÜFoTrtz, F.-ziox/.t)gtxtg, xrnztztg, xto/Jztg, 
xgtwTzig, fttjzgtztg, (j/.Fßtxtg, yogdtztg, tmoziztg, xrx/.tztg, oaA.ityytzig, 
.-TFgtvayinitts, dgayiTztg (dgdyrtor) , adenitia, bronchiolitis, bronchi- 
tia, orgtjOgTztg , ozonuztztg , arrovitis, zvtf/.Tztg, teatitis, bursitis t 
yktoootztg, yovtztc, xoXxtztg, /.ugryyiztg, /urtootztg, caremitis, (jingi- 
ritis, enteritis und gar duodenitis. 

Diesem gebräuchlichsten aller Suffixe schliefst 
sich 

2. das Suffix auf -ia und -aia an. -ia, -in, -Ft'a, -o/n ist 
die gewöhnlichste Endung, mit welcher Substantiva von Adjek- 
tiven abgeleitet werden, um die Eigenschaft als abstraktes Sub- 
stantiv zu bezeichnen, im Deutschen -heit oder -keit. 

Im Deutschen erleiden sie in der Aussprache mannigfache 
Veränderungen, besonders die auf -gonie, -phorie, -skopie, -metrie, 
-logie, -sophie, -rhythmie. -pathie und -mathie, -graphie, -kratie. — 
Während die einfachen Wörter wie -ntuiu, -.-nW«, -ßltffagia, 
-.-rnOtu, -xgnviu, -Äoyt'n, -yga<{ia f -xgazia, -aÖFiia, to.-zia, yFVFaia, 
-yoviu, -ytovia, tfogiu, -to.-ti'u , -ttFzgin , (moxin, 00 ia, -gi'ftttiu, 
-nxcK-xiu, -xottiu, -rftovia thatsächlich nicht als Substantiva vorkom- 
men, sondern meist auf Adjektiva wie /.dytoc, to'.t/oc, uhotog, gvft- 
tnog, zdutog, yeriatag zurückgehen, treten sie im Zusammenhange 
mit dem d privativum oder ('ompositis oder anderen Substantiven 
sehr gewöhnlich auf, also dv-aemia, d.-xmüt, dßÄFCfagiu, dkkoxaOia, 
dxgait'a, tho-ynria, XFxgu-yt»tin (Viereck), yotrto-itFxgia, .trgo-tf ogia, 
xado-koyia (seil, zFyvtf), dvtgtoia, u-uvonOh'ftu, uiuo-r/ tkia, dfißkrco- 
.tittj .la/.tyyFVFot'a, yeat-ttFxgia, oztjflnoxo.Tia, dra-rottia, .~xokrr/ orria. 

Neubildungen sind: ukyiu, d-/.F$iu, oi-g-atnia, drjtero- 
xagöia, ixxo.-xia, xokrtiaaOia etc. 



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XVI 



Sprachliche Ein f ühruug. 



Die griechischen Ärzte hatten nur ein eiuziges, einen krank- 
haften Ausfluss ausdrückendes Wort, welches mit goia (rhoea 
Fluss) zusammengesetzt ist. Dieses Wort ist aiftögnota. Alle 
anderen Worte in -rhoea, welche in der Medizin so zahlreich 
angetroffen werden, sind Neubildungen. Ist das Vorwort eines 
solchen Kompositunis eine Flüssigkeit, so kann die Neubildung 
zugelassen werden, wie Blennorrhoea, Spermatorrhoea , Galaetor- 
rhoea, Dacryorrhoea etc. , denn sie entspricht dem griech. Vor- 
bilde Haemorrhoea. Ist aber das Vorwort keine Flüssigkeit, son- 
dern ein Organ, dann sind alle diese neuen Worte Barbarismen 
wie Phallorrhoea, Balanorrhoea, Metrorrhoea, Proctor rhoea, Otor- 
rhoea u. s. w. ; (s. Hyrtl, On. an. p. .'»IM). 

Sehr häufig schliesst sich das weibliche -ia au präsentische 
Partizipformen auf -nt, wie in audentia Dreistigkeit audens, 
audent- wagend, audientia Gehör, benefleentia, benevolentia. bre- 
viloquentia, cohaerentia, conjidentia, conscientia, eonsequentia. 
constantia, conti nentia } convenientia, despicientia , dehiscentia, 
extutnescentia, flatulent ia etc. etc. 

Neubildung: latentia, diese werden alle wie „Latenz" 4 im 
Deutschen gesprochen. 

Die Substantiva auf -mt entstanden aus -na, gehen entweder 
aus Nomiualformen hervor wie dyvtoot'a von aj-iro-roc, xwijyF-ota 
von xvrnye-Ttj;, dxaOag-oia, dxdOag-rog, oder von Verbalfonucn 
wie yvfivaoia (yvftvd^ofiai), doxtfta-ota (floxiud^o)), Ftxaoia (eixd^o)), 
axFvaoia (axFrd^co). 

Unter den zahlreichen Wörtern auf 

• 

3. -is. -sls, welche eine einfache Weiterbildung des Grund- 
begriffs sind, eine Handlung oder den Eintritt eines Zustande.« 
bezeichnen, kurz den abstrakten Hegriff der Thätigkeit des Sub- 
stantivs ausdrücken (-om) und im Deutschen entweder durch den 
zum Substantiv erhobenen Infinitiv oder durch die Endung 
-ung wiedergegeben werden, d/.iarn'aotz , xvoeotg (deutsch Pyrese 
falsch ausgesprochen), drd/^irtjaic (deutsch Anamnesel), Neu- 
bildung: xEvxnoi? , dxftpaXoxvaug (deutsch Kysti) 

sind die zahlreichsten die auf 

-foote und -u)fia, welche meist eine Fülle bedeuten und von 
Verben auf -6m abstammen, z. B. eixtofia, f/.xumh; von f/.xoio, 
skxog, Ulcus, f/.xa>, lacio; — odgxoyfta, oaoxdio , oaoe; ).evxo>ua, 
kevxoo), Aei'xdg, /.fi'ooo), luceo, /»'•£, lux. 

Dabei findet eine erhebliche Differenz der Aussprache zwischen 
dem Accentton im Griechischen und der Quantitätsbetonung im 
Deutschen statt. 

Die meisten der Verba auf -dot kommen von Nominibus, be- 
sonders Adjektiven der II. Deklination und bedeuten gewöhnlich 
das hervorbringen, was das Stammwort bezeichnet, z. B. dyxr/.öo) 
krümme, dyxvloc krumm, dyxrhöfia, dyxv/.o>atc, draarditowt^ (dva- 
oTou-d«) öffne den Mund). 



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Sprachliche Einführung. XVII 

Die Substantiva in -i<o)ua geben das Vollbrachte oder das 
Ergebnis der Handlung, die Wirkung. — 

Beispiele: atftdrtootg, ug&gtoatg (Arthrose) v. dgOgdco, dr&gd- 
xmoig (Anthrakose) V. uvOgaxdto, draorofKootg, Ogöfißcooig, iydv(ooig, 
xagxircootg, xrqrtoaig, uvtootg, rexQtoatg, $>]gtooig, oxo/.uomg, xg(y<omg, 
zvotamg, y'/.dytoaig, yotofHiKoaig, yotUootg. 

Analoge Neubildungen: axuvbwatg, dvdarwatg, Athetösel, 
ßÄunrcoatg, Dextrose /, Dermatonosis, Fxyorügajoic, FxyvfKoaig, xvra)- 
oig, xiogoyoic, xiggdrtootg, /.t.Kopdroyotg, Ijupinose ! , fivxcoaig, vev- 
gcootg, reygwoig, öyx(ontg, nvvdox(oaig, Tubercttlosi S ! , va/.ivcoaig, 
vögagyvgcoatg, v.tFgiviootg, vdgcootg, ydkioaig. — 

•Oma. xovdrkwfia (xovÖv/.dco) Geschwulst, uviuopa, öyxcofia, 
ovuxTO)-ua. — 

Neubildungen: dbi)r<oua, dxFoxtofin (Akestöm) dyyelmfia 
(Angiöm) V. dy/Fiov), atftdxcoun, dxdrttcojna, y'/.oUopa, xvortofia y Ai- 
ncoua, fivcofta, SSdrrmfta, oxFarco/ia (v. armidt» werde ZU Talg), 
niffiovoifta (Siphonom), yorbgfopa, yÄwgcofia, ja sogar adipoma, 
cavernom^ßbrom, gramäoma, lymphoma. 

Alle Arzte reden von ># Neurosen als „Nervenkrankheiten a . Das 
sind sie wahrlich nicht. Arzte und Anatomen bildeten mit vevgov 
eine Legion von neuen Worten, welche, weil das alte vePoov Sehne 
bedeutet, das neue aber Nerv, wahrhaft komische Sinnverwir- 
rungen mit sich brachten. Alle Substantive in -roaig kommen von 
Zeitwörtern in -d«>. vevgt'm heisst nun bei den Griechen „den 
Bogen mit der Sehne bespannen", somit revgcaaig „die Be- 
spannung des Bogens". In den medizinischen Lexicis wim- 
melt es von solchen Wortungeheuern (s. Hyrtl, On. an. S. 353). 

4. Wörter mit dem Suffix -(a)tio -a-t-io. Viele Wörter 
auf -io, -s-io. -t-io, -a-t-lo, welche, wie im Deutschen die Sub- 
stantiva auf -ung, eine Handlung als geschehend, zuweilen jedoch 
auch ein durch die Handlung Bewirktes, ein Ergebnis bezeichnen, 
sind bei uns durch das Romanische auf dem Umwege über Frank- 
reich eingeführt worden und lauten dann auf - o n , z. B. Luxation, 
Nation, Passion, Retorsion, Version etc.; ablactatio, Subluxation 
subfocatio, subpuratio, sus-pensio. Die Wörter auf -atio und 
-sio gehen natürlich auf Verbalstämme zurück, ablactare, lux-are, 
tor-qu-crc, luxa-tio. tor(c)-sio etc. 

Analoge Neubildungen: angustatio, taute risatio, sple- 
nisatio. vasatio, vascularisatio. 

5. Wörter auf -tas, griech. -njg, Gen. -r//roc. Auch sie be- 
zeichnen in der Regel einen abstrakten Begriff, von substantivi- 
schen und adjektivischen Stämmen auf und von Adjektiv- 
stämmen auf -l, -s, z. B. civi-tas, aevi-tas, im-muni-tas, venus-tas, 
hones-tas, faeul-tas. 

Neubildungen, venositas (Gen. venös itat-is), deutsch ge- 
geben: Venosität (vena, venosus). 

6. Auf -mus, griech. -uog. Substantive von Verbalstämmen 
durch Anhängung der Silbe -itog abgeleitet, die gewöhnlich den 

II 



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XVIII »Sprachliche Einführung. 

abstrakten Begriff der Thätigkeit, seltener die intransitive Be- 
ziehung des Verbums ausdrücken. Es ist dies die regelmässige 
Ableitung bei den Verbis auf -^i», leirra-pfc (Hippokr.), Teurs- 
mus, Albinismus (albin-us weisslich), «e'w, grena, geviiax^ü), 

gtVfJfXTlO-UOC. 

Neubildungen: Albin ismus, Ergotismus, Mutacismus (v. 
mutus), vni'ontn^og (v. vxvmtu«), vxroco); ein dygaftuaunfui^ gibt 
es nicht im Griechischen, wohl aber dygatutaTta und äyoayfa. 

7. -ior, -iuin (-ius, -ia, -iuin); z. B. remigium (remex, remig-is 
Ruder), prineip-ium, fastid-ium, stilli-cid-ium (stilla, -ca-do). 

8. -yus, -va, -Iva, -ua, -uuui, -uus: acer-vus (actis, aecr-is 
Spreu), cater-va, Miner-ra, ging-iva Zahnfleisch, sal-iva Speichel, 
noct-ua Käuzchen, patr-uus Onkel, tonitr-uum Donner. 

9. Die Subst. mit dem Suffix -airo sind aus dem Verb 
agere gebildet, mit Steigerung des Vokals ä in ä und mit der 
Bedeutung des Bewirkens, Darstellens, Ahniichmachens, z. B. 
im-ago (tm-itari) Bild, vor-ago Schlund, lapp-ago {lappa Kette), 
carr-ago Wagenburg, lumb-ago [lumbus Lende) L.-Lähmung, cori- 
ago Hautkrankheit (corium), citr-ago (citrus Zitrone), mucil-ago 
(mueus Schleim, mungo), plumb-ago (plumbum Blei), aur-ago 
Gelbsucht, vir-ago Mannweib, farr-ago Mengfutter (far), sart-ago 
Tiegel. 

In den Suffixen -igo und -ugo hat sich das ursprüngliche a 
des Suff, -ago zu / und u abgeschwächt. 

Statt -ago findet sich auch -1-airo in einigen Wörtern wie 
sah-i-l-ago Salz-ig-keit (salsus), ossi-l-ago Knochenhärte. 

Ferner: or- Ijro, prur-igo, pet-igo Räude (petere), vert-igo, 
elaudi-go Hinken (claudus), surd-igo (surdus), lent-igo linsen- 
förmige Flecken (lens, lent-is) ; /«w-ujro (Flaum, lana), alb-ugo 
weisser Fleck (albus), aur-ugo Gelbsucht (aurum), sals-ugo Salz- 
gehalt {sal, salsus), ferr-ugo Eisenrost (ferrum), vesper-ugo 
Abendstern (vesper), rubigo, Rost (ruber), aer-ugo Erzrost (acs). 

Neubildung: serpigo, mellago. 

10. Die Formen auf -ber, -bra, -bruui, -bris, -bre sind 
zurückzuführen auf fer-o trage (deutsch: -bar, z. B. f nichtbar); 
candela-brum Kerzenträger, lugu-bris, fa-ber, salu-ber, cre-ber 
(cresco), cele-ber, frugi-fer, q oooc, z. B. yon-q ögo^, ,-rvgo-t/ ögo; etc. 

11. Die Suffixe -cei\ -cris, -erc, -era, -crus, -cruiu kom- 
men von der Sanskritwurzel kar „machen"; volu-cer, ludi-crus, 
lava-crum bade-bereitend, sepul-crum. 

12. -ter, -tru, -truui. Sanskritwurzcl tar = vollbringen, 
fere-trum Bahre, spec-trum Schauen bewirkend, ras-trum (rad-o), 
ros-trum (rod-o), claus-trum (claud-o), vi-trum (Video), mulc-tra 
(mulc-eo). Das Werkzeug oder Mittel zu einer Handlung be- 
zeichnet -rgo, -xgov, ago-rgor Pflug, aratrum, Är-rgov Lösegeld, 
fit'Öax-rgov Lehrgeld, -rga, Srarga Striegel (Si'io), den Ort: dgyi/o- 
rga Tanzplatz, .la'/.ai'-n-rga Ringsehule (von ngyeto und jra/.nuo). 

13. Die Bildungen auf -tura sind im Lateinischen sehr ge- 



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Sprachliche Einfühlung. XIX 

wohnlich und manche sind auch unter ihnen, neben denen die 
einfachen Formen auf -tor gar nicht mehr auftreten, nur ge- 
folgert werden können ; pressura (pressor, premo) , fractura 
(fractor, frango), punctura (punctor, pungo) , sectura (sector, 
secö), tonsura (tonsor, tondeo), unctura (unctor, ungo), Utura 
(lino) t junctura (jnngo), genitura (genitor, gig[e]no) y mensura 
(mensor, metior). 

14. -o rhi in, -tor ium, gr. -rygior, -soriuin, (franz. -oi)r, zur 
Bezeichnung von Örtlichkeiten, Werkzeugen und ähnlicher Dinge: 
promunt-onum, tent-orium, accub-i-torium, suda-torium, ad-ju- 
torium, ses-sor-ium, dever-sorium, terr-i-torium, calca-torium, 
emunc-torium, tec-torium, dxgoa-n/giov audt-torium, 6ixaa-x})gtov 
Gerichtsstätte (bixatw). 

Neubildung: decoctorium. 

15. Eine grosse Rolle spielen in der Medizinersprache die 
Demi mit iva. 

Sie sind etweder solche, welche das Stammwort als 
klein bezeichnen: xaift-ior, puer-ulus (Tat*), xrjx-iov, fiort- 
ulus (^//-toc), oix-'diov Häuschen (oixog), xaifi-dg 10 v Knäbchen, 
fiek-vöoiov Liedchen (W/o,-), ix-vk?.ior (£-ro?), fiö-r/.ktov Idyll, 
Bildchen (ftdoz), rear-i'n x o s * adolescent-ulus, xaib-iax i) Mädchen, 
varr-iÄoc (vavrt)*), dxavO-vllig (axavda), {legaxatv-lz (Jlegdsiatra), 
agellus (ager-ulu.s), serv-ulus, bu-c~idus junger Stier, glori-ola, 
car-unc-ula Stückchen Fleisch, aren-ula feiner Sand, *farfur-ic- 
nla feine Kleie; 

oft auch eine Liebkosung bedeuten: xog-doiov (xogij), 
y>vy-dgiov (v*7V), fieigdxiov, fieigaxiaxoz, /letgaxr/.ktor (fitt'oaiU 
f.-r.-rdgtov (?'t.to>), xwibiov (xvon'), ßli-ola, uxor-c-ida, amic-ulus, 
oc-ellus (aus ocul-id-us), lect-ulus; 

etwas Bedauernswertes, Verächtliches: dvOgwn-dgior, 
drdgcoji-ior, -i'oxoz, }.ayo>ftiov (/.aycog), yrv-atov, yvvr-ig, yvvaix-ia^, 
yvraix-dgtov (yvr/j), ^TW-r/ tor (Zujov), homuiic-ulas, as-ellus {asiu- 
ulus), pleb-cc-ida, mulier-c-ula , liipula Dirne, meretric-ula, 
len-unc-idus Kuppler. 

Suffix -Iiis, -la, -Iura mit dem Bindevokal u f in -u-lus, 
verlängert in -c-ulus : fasci-cidus, folli-culus, ßos-culus, os-culum 
Mäulchen. 

Das Suffix -Odilia, haben mehrere Namen von Tieren, be- 
sonders Vögeln: acr-edula Käuzchen. fic-edula Feigenschnepfe, 
mon-edula Dohle, nit-edula Haselmaus, querqu-edula Krickente. 

Die Suffixe auf -cllus und -illus sind aus der Verbindung 
zweier Deminutivformen -idus und -Im entstanden, indem sich 
das erstere u des ersteren Suffixes zu e oder i abschwächte 

e i 

und das letztere u ausfiel, also ul(u)lus, id(i<)li<*; agnus, agnidus, 
agnulidus, agnellus, anellm, cateUus, baciilum, axäla, ma.ciUa 
(maxla, mag, udaouy kaue). 

Vereinzelte Formen sind: scutri-scum (scutra Schüssel) 

II* 



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XX 



Sprachliche Einführung. 



wie im Griechischen die auf -iaxog, -'axn. -t'axor; -leiis statt -Ins: 
equulens, hinnulem, nucleus ; tocullio Wucherer, röx-oc Wucher, 
(«dax-dov Weieh-ling, dnÄ-ao-xuov Jämmer-ling (?), homun-cio 
Mensch-lein, sen-c-cio, mat-ellio (matula Nachtgeschirr), rub-ellio 
rötlicher Fisch (Röt-ling), pinguecida von pinguim. 

Die Bildung der Deminutiva scheint vorzugsweise in der 
Volkssprache ihren Ursprung zu haben, und so erklärt es sich 
auch, dass in der neugriechischen wie in den romanischen 
Sprachen ganz gewöhnlich die Deminutivform statt der Stamm- 
form gebraucht wird, als //an, du Minor (oujua), ,-mtdi, xatAtov, 
(o.t/'t/, hospitnun), dort, dgrwr (dorog), 7 //./' (7 t'/uor). ?./»<»// 1 ijuoutor 
(ymtiog) ; dafür lagen schon im Altertum Vorbilder vor wie 
ßtß/.t'ov V. ßiß/.og, ihjgiov V. #7/0, ygvoior V. jrgvadg, ototnor v. otg- 
m«. — Im Romanischen soleil = = aieul = avus, ucetto 
(ital.) = aucella — avi-cella = avicida -- avis, corbcille = cor- 
bicula = v.orbis. 

Sehr häufig sind Deminutiva als technische Ausdrücke in 
einer Bedeutung, die von der des Stammwortes wesentlich ver- 
schieden ist, wie dent-i-culm Zahnschnitt, capitulum Kapital, 
mus-culus Muskel. 

113. Die Adjectiva auf -ax drücken eine Geneigtheit oder 
Fähigkeit aus, z. B. vap-ax, ten-ax. 

Hierher gehören wohl auch die Substantiva auf -aculum. 

Unter der Schar der lateinischen Nomina instrumenti sind 
tenaculnm und retinaculum jedenfalls mitzuzählen, aber sie 
stehen unter dieser Schar als falsche Analogie nach dem 
Bildungsgesetze von gubcrn-a-culuin von giibemare, während sie 
in Wahrheit ihre Abstammung von den Adjektivstämmen 
tenac- und retinae- nicht verleugnen können (Osthoff, Forschungen, 
1875, S. 56). 

17. Im Zusammenhange stehen damit die Adjektive auf -accus 
(griech. -a~, -(1x10$, -dxwv) ; saeta-veus (mala Borste), herba-ceus 
grasartig, hedera-ceus (Epheu), ampulla-ceus (Flasche), Membrana- 
ceus (Haut), rosa-ccus, vreta-ceua (Kreide), papyra-ceus, arundina- 
ceus (arundo Rohr), pavona~ceus (Pfau), hordea-ccus (Gerste), 
farra-ceus (Spelt), gallina-ceus (Henne). Natürlich wird das e 
in -ms kurz gesprochen. 

18. Die Adjekt. auf -ilis zeigen eine passive, selten aktive 
Fähigkeit oder Tauglichkeit an, z. B. ßss-ilis spaltbar. 

19. -(i)cus, -(<)y.(k, -aticus. An Nominalstämme angehängt 
bildet -ixog Adjektiva, die wie die Adjektive auf -tog den deutschen 
Endungen -ig, -lisch, -lieh und -isch entsprechen und anzeigen, 
dass etwas zum Nomen gehört, dasselbe betrifft, davon her- 
kommt, z. B. dnek( f -txög von dbüfftK etc., divic-us, uephritica, 
revoiTixdg, rfvgixög, analeptica, analgetica, antemetica, antidys- 
krativa, epileptica, galactica, hydropica, seil, remedia. 

20. -uns und -ivus haben passive imd intransitive Bedeutung; 
nat-iviis, vot-ivus, 2 )as *~ tVUi! > aest-ivus, captivus, fugitivus. 



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Sprachlich»' Einführung. XXI 

Neubildung: entero-raptiv und romüuritivuft (vomiturio, 
vomo), 

21. -biimlus, -cuiidus und -undus drücken eine Eigenschaft 
oder Fertigkeit aus; furi-bundus, mor-i-bundus, fc-cundus (feo 
gebäre). 

22. -iioiis, rrng, fag-i-neus buchen = 7 ,:y-i-re<K , bezeichnen 
wie -y(e)nus, gincus (gigno) den Stoff und die Herkunft; un ige nus, 
unigenitus, benignus, malignus, indi-gena, terrigena, alicgnus. 

-aiicus, -an ns ebenfalls die Herkunft; casteU-anus, pistanus 
Pfeilkraut, fontanus, humanus, nrbanus, mundanus, decanus, 
membrana, quartana, alt-anus Seewind, sol-anus Ostwind. 

Neubildung: vielan-vus, fte/Arroc statt iiF/.aaita. 

iroc dient zur Bildung temporaler Adjektiva /Orn-irrk liest er- 
nus gestern, iao-tvö* vemus , wHinj-ink nocturnus , /a7.w>-/r«V 
vespertinus. 

-iuus Tiernaraen; agninus, anguinus, aprinus, caninus, Icpo- 
rinus, honinus, asininus, porcinus, equinus. 

Neubildung: Dextrin, Krgotin (i'jy<»). Morphin, Cocain, 
JSolanin, Strychniu, Mar garin (Fettsubstanz, v. gäoyaoov = nao- 
yaomis Perle, wegen des Glanzes). 

Neubildung: intra-, sub~ und per-cutanus (cutis Haut). 

-actis und -cus. 

Ist das Beiwort griechischen Ursprungs und wurde es 
aus einem griechischen Hauptworte, durch Umwandlung der End- 
silbe desselben in -uik gebildet, wie y'/.ovuvo^, .troomto*, .to»W foc, 
oßr/aauK, arerfaratoi u. s. w., so kann und darf es im Lateinischen 
nur als glutaeus, peronaeus, podiaeus, obcliaeus (sagittalis), 
stephaniaeus (coronalis) geschrieben werden. 

Ist aber das Hauptwort ein lateinisches, wie pecten, bra- 
chium, poples, femur, tibia, crus, solea und cubitus, so darf auf 
keinen Fall pectinaeus, brachiaeus etc., sondern es muss pectinöus, 
brachialis, popliteus, femoralis, tibialis, cruralis, soletts und 
cubitalis gesagt werden. Bei allen Adjektiven in e~us ist das 
c kurz, „quia vocalis ante vocalem corripitur". 

23. Suffix -dus, -da, -dum, von Wurzel da geben; luc-i-dus 
lichtgebend, frig-i-dus. 

24. auf -osus bezeichnet eine Fülle; aren-osus, lapid-osns, 
erythematosus, nodosus. 

Neubildungen: corymbosus, nummulosus, phlegvwnosus, 
crouposus. 

25. Abgeleitete Denominativa auf -cus, -y.og (spnrcus, pau-cus. 
//a/a-*oV); liiul-cus klaffend (von hiol-us, Mo, hiare), juven-cus 
(juvenis), petul-cus stossend (pet-ulus , petere), pris-cus (pris = 
2)rius), moll-us-cus (moll-is), past-i-cus gemästet (pastus, pascor), 
bubul-cus Ochsenknecht (bubulus), subul-cus (subulus Schwein, sus). 

26. -alis, Suffix der Zugehörigkeit : ßor-alis, austr-alis, natur- 
alis, mort-alis, fat-alis. 



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XXII 



Sprachliche Einführung. 



Neubildungen: cordialis, pulmonalis, lan/ngealis, synochal. 

27. Bildungen auf -tu in sind natürlich gewöhnliche Verbal - 
Adjektive auf -oc vom Stamme zrurto schneide, also eigentlich 
dva-TOfi o c. 

28. Die Adjektiva auf -ulus drücken eine Neigung aus, z.B. 
aem-ulus. 

Neubildung: vohulus. 

Auffälliger sind die Weiterbildungen der Komparativform 
fortiusculus ein wenig stärker, grandiusculus, unetiusculus, pin~ 
guiusculus, minusculus, plusculus, duriuseulus. 

Neubildung: depressiusculus. 

29. Die Adjektive auf -orilis stammen von Substantiven auf 
-tor und -sor ; amator-ius, uxorius. 

suspensoriu* und depletorius [depleo schöpfe aus] sind Neu- 
bildungen, (deutsch: depletorisch). 

30. -tus, -atus, -itus, -ntus, -otus zur Bezeichnimg eines 
Versehenseins mit etwas; ansa-tus (Henkel), barba-tus, ala-tus, 
pennatus, aqua tus, lupatus (mit Wolfszähnen), rostratus, cordatus, 
tepor-atus lauwarm, auritus, pcllitus, crinitus, fellitus, mellitus, 
eornutus, hirsutus, nasutus, aegrotus. 

31. auf -olentus, -olens, -ulus, ulus, -ulens; caer-ulus, 
bub-ulus (bos, bo-vis), opulens, opulentus, violens, riolentus, san- 
guinolentus, sonst nur -ulentus, truc-ulentus, op-ulentus, corp- 
ulentus, pot-ulentus, fraud-ulentus, esc-ulentus, luc-ulcntus, lut- 
ulentus, pulver-ulentus, turbulentus, poculentus, rorulentus betaut, 
purulentus eiterig, temulentus berauscht (tan Stamm, wie tem- 
er-arius), virulentus (virus Gift), frustulentus voller Stückchen, 
macilentus mager, mustulcntns mostreich, pisculentus, aquilentus, 
bucculentus pausbackig. Später sind: carmdentus (Fleisch), 
faeculentus (Hefe), farintdentus (Mehl), febriculentus (Fieber), 
ßorulentus (Blume), foetuientus (stinkend), ghbuhntus (klumpig), 
jurulentus (jus Brühe), marculentus (welk), meriüentus (trunken) 

i 

merus Wein), muculentus rotzig, rosulcntus rosig, somnulentus 
schlaf trunken, sordulentus schmutzig, suculentus saftreich, terru- 
lentus irdisch. 

Grac-ilis z= grac-ilentus führt uns auf die Herkunft des Suf- 
fixes -leutus, welches natürlich mit einem Verb oleo (olens, olen- 
tus) nichts zu schaffen hat; pcstilens = pestilentus. Diese latei- 
nischen Bildungen auf -lens. -lentus mit dem Bindevokal ?, o, u 
(ilentus, olentus, ulentus) hängen enge zuammen mit denen 
auf ilis. 

32. Adjektiva auf -o$ werden einfach aus dem Griechischen 
herübergenommen und latinisirt; dyJ^akos: ohne Kopf akephalus, 
freilich wieder mit Veränderung der Betonung, axoöownoz 
ohne Gesicht aprosopus, a.tov$ ohne Fuss opus, «/logyoc, formlos, 
amorphus. 



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* Sprachliche« Einführung XXIII 

Neubildungen: ür6t{ dax/t oc ohne Auge anophthalmus, 
«lieAog ohne Glied amelus, axoofiog ohne Rumpf acormus, äronru- 
xef/a?.oc, aioi)Tux6onog, ayvaüoc ohne Kinnlade agnathun. 

33. Weitaus das häufigste aber unter allen Adjektivsuffixen 
der medizinischen Terminologie ist das Suffix auf -idetis = 
-o-Fiöfc. Hyrtl hat sie in wünschenswerter Vollständigkeit für 
die Anatomie zusammengestellt ; aden-o-ideus , allant-o-ideus, 
arachn-o-ideua, arytaen-o-ideus, ex-o-ideus (alter Name für epi- 
stropheua), bathin-o-ideus, (sinus-artig, von dem Hippokratischen 
Worte ßai)uk Gelcnkgrube) etc. etc. 

Alle diese Wörter sind latinisirte Griechen auf eib/jg mit 
dem Bindevokal o. 

Als lateinische Epitheta kamen sie erst im 17. Jahrhundert 
in der Anatomie zur Aufnahme, meistens durch J. Riolanus. 
Viele dieser Worte stehen jetzt noch im Gebrauch. Die be- 
treffenden griechischen Adjektiva enden mit -ndt'/c. Es steht 
den Lateinern zu, den Diphthong n in 7 zu kontrahieren und 
die Endsilbe ->/c in -eus zu verwandeln, so dass z. B. <\bfv-o-nbi)s 
durch aden-o-ideus ausgedrückt werden kann. In diesem adenoi- 
den* ist das /' lang, weil es für n steht, und das e kurz, wie in 
allen Adjektiven auf eu.s (aureus, argentcus, ferrens, plumbeus 
etc.). Man darf also nicht anders als adenoidem, sagen, wie 
denn auch in den dem Griechischen nachgebildeten Worten 
adenoid, alealoid, sareoid, myxoid etc der lange Accent auf das 
/ fallen gelassen wird. Es ist aber leider zur allgemeinen 
Unsitte der Anatomen geworden, die Betonung gerade 
umzukehren; dass es nicht mehr geschehe, müssen alle Sprach- 
kundigen wünschen. 

Neubildungen sind z. B. Jibroid, desmoid, dermoid, dis- 
coid, fuugoid, celtuloid, alkaloid, f/eoid u. a. 

34. Zu erwähnen ist noch die Sitte, die lateinischen imd 
griechischen Adjektive auf -ius f -icus und -/oc, -tx6± mit der 
deutschen Endung -isch zu geben, also für depletor-ius deple- 
torisch, creticus kretisch, drväptw, «^ rn/noc, dynamisch, adyna- 
misch, qwrs.oc physisch , aflh'tos athenisch, ia«xn'c optisch zu sagen. 

-lex-, -ficus und -lic-ax sind Endungen der Wurzel fac von 
facere, z. B. arti-, auri-, carni-, dapi-, opi-, ponti-fex; bene-, 
grati-, honori- , horri-, mannt', male-, min'-, muni-f icus; 
efficax. — Beliebt sind in der Medizin die Zusammensetzungen 
mit -Ä*enUS, -a*Cna, -yorog, -yevi'js [und -y<orog] v. ytyvofiat, 
Stamm yev-, gi-g[e]no), z.B. alieni-geuus, caeli-genus, indT-genus, 
terri-gena, priri-gnus, pyro-gon, pytho-gen , endo-gen, oxy-gen 
{o$vytvt)i), pyo-gen, sapro-gen, hydro-gtn, amphi-gen { tfiu tyfrt/g) f 
pentagon {.-rerrä-ycorog) , ytorog = ytovia (Winkel, Eck), tri-gon 
u. s. w. 

So wird on gebraucht, um anzudeuten, dass gewisse Gegen- 
stände in Mehrheit vorhanden sind (Benzon) ; bei an, en ist nichts 
dergleichen nachweisbar. 



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XXTV Sprachliche Einführung. 

Viele dieser Endungen sind ganz willkürlich und werden für 
Ixistimmte Klassen von Körpern mit Vorliebe angewandt z. B. 
in zur Bezeichnimg des Stoffes, der Alkaloide, der in vielen 
Pflanzen vorkommenden Gifte: Morphin, Cocain, Solan in, Strych- 
nin . Ergotin {><r;<o). Mar gar in (udoyngor = uagyngh)^ Perle, 
wegen des Glanzes). 

Neujrebildete Endungen erklären sich wie 

-yl vom Griechischen vhj Stoff, z. B. Methyl (hftu nach), 
„Nachstoff" (LiebiCt), Acthyl (aii)t'jg), Propyl [prope nahe bei), 
Butyl (iovrrgor), Amyl (Vt/zr/o»). 

-oi von 'oleum. Öl, z. B. Benz-ol, PJun-ol, Toi u -61. 

-al abgekürzt aus Alkohol (!), z. B. Chlor-al, Aeth-al. 

-at, -ate nach dem Griechischen «r*;,-, z. B. carbon-ate, Sulf- 
ate u. a. m. 

35. Wichtig sind für die Zusammensetzungen, Compositiones, 
die Gesetze des Bindevokals und der Yokalabstufung. Den 

ersteren, der meist euphonisch zum Zwecke des Wohllautes ge- 
setzt ist, haben wir im Griechischen in dem enthetischen -o-, im 
Lateinischen als -u- und -/- erkannt, z. B. d^y-o-no/ t> \ luc-u-len- 
tus, luc-\-dus, rerm-i-formis. Der Umlaut und Ablaut tritt 
wie im Deutschen in „bauer", „bäuerisch", haus, häuslich, ost, 
östlich, nacht, nächtlich, singe, sang, gesungen etc. beim Laut- 
wandel infolge nachfolgender, anders tönender Silben ein, z. B. 
y.et'ga), d-xag-ij* , qrgt», q dgog , yrroc, y<'ro;, (y «///), 7 ijiti, ff ton}, 
J.eiJTco, /.ot.ToV, roeq o>, rgoq <>>, twk/ )/, irgdq ijv, aepel-io, sc pul- er um , 
rey-o, rog-us. tego, toga, fero. fors. 

Dieser Bindevokal ist oft ausgelassen in Neubildungen , 
wie a-rhin-cnkcphalic statt d-givo-ryxrq a/.ia, Atmiatrie statt utiio- 
taroeur. 

36. Eine gewisse Aufgabe hat auch in der Sprache der 
Medizin das d privativuin zu erfüllen. Das ä/.qu privativum 
drückt eine Verneinung oder Verschlechterung des nachfolgen- 
den Begriffes aus, wie lateinisch in (gratus, in-gratus), deutsch 
un, vor Vokalen heisst es «r, z. B. a-p'aroc ungangbar, d-ßdraro^ 
unsterblich, d-ßov'/.oc schlimm l>eraten, ar-ugtitpo; unzählig, in- 
numer abilitt. 

Das d privativum wird missbräuchlich sogar lateinisch ge- 
braucht, z. B. a-reflexie, anacididact (!) — Statt d-iiro-rgoqia er- 
wartet man ftr-argoq m, statt d-firo-ot)frfia, ftr-aoOtreia. 

Neubildung: dv-nxovnia, dv-igdSia. 

Davon zu unterscheiden ist das « collectivum oder 
intensiv um, das eine Gemeinschaft h-äo/ik Gemahlin, eine 
Gleichheit, d-rd/Mtro^ die Wage haltend, eine Versammlung, 
d-Dooo^ zahlreich, oder eine Verstärkung bezeichnet ä-wfe stark 
gespannt. dv-ei>gioua V. dvevpvrto, rvgv;, 

37. Häufige Zusammensetzungen geschehen mit di v dis, <5<» 
und A»v. 



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Sprachliche Einführung. 



XXV 



Die Bedeutung von di, dis, bvc ist eine den nachfolgenden 
Begriff zersetzende, auflösende oder verschlechternde. 

did geht gewiss auf einen Nominalstanim (vgl. fn'ya) zurück, 
welcher Zwei hei t bedeutete, hiess also ursprünglich „bei oder 
mit Zweiteilung" , das ist „z w i s c h e n u . 

ot(?) heisst eigentlich zweimal = lat. bi oder bis, also M-coto* 
mit zwei Ohren. 

dis = zer, auseinander , bleibt unverändert vor Vokalen und 
k. Vor Konsonanten teils dis, teils di. 

6vs, untrennbare Vorsilbe wie das deutsche miss oder un, 
bezeichnet das Missliche, Schlechte; vor Wörtern, die mit ni) 
und oi anfangen, fällt das o gewöhnlich fort. Hierher gehören 
auch Bildungen wie ve-sanus und ve-cors, vc-stigium nach vi-dua, 
vi-ginti etc. 

37. Abgeleitete Verba. — Ein Buch für sich würde 
das Kapitel über die Verba beanspruchen. Doch kommen sie für 
uns wenigerem Betracht, da wir es hier hauptsächlich mit den 
Nomina zu thun haben. Abgeleitete Verba werden auf sehr ver- 
schiedene Weise aus Nominalstämmen gebildet. Die wichtigsten, 
ihrer Bedeutnng nach wenig von einander verschiedenen Endungen 
der abgeleiteten Verba sind, nach der Präsensform geordnet, 
folgende: 1. 6<» z. B. fiioftdt», (uiaßdj Lohn). 2. «w, z. B. rijtuot 
(Tifip'j Ehre). 3. f<», z. B. dotihtixo, (don')fidc Zahl). 4. fvo), z. B. 
ßaotXevo) (tiam).F,vz König). 5. /'Cto, z. B. f).xuu> (fIxU Hoffnung l. 
6. d£(o z. B. AixdZto (bixq Recht). 7. aiv<o z. B. nij/tat'vco (nf/ua 
Zeichen). 8. »Vw z. B. f/Svro) (>/(V'c süss). 

Eine bestimmte, nämlich desiderative, Bedeutung kommt 
den Verben auf ofuo, sowie mehreren auf du>, u'uo zu: yF/.aaFt'co, 
es lächert mich, boaarito habe Lust zu thun, qnrdto bin mord- 
gierig, xlnvmdo) bin weinerlich gestimmt. Die Verba der beiden 
letzten Ausgänge bezeichnen auch häufig eine körperliche Sucht 
oder Krankheit: w/mdo) habe die Bleichsucht, d(fi)a).[tidio leide 
an den Augen. 

Ähnlich steht es im Lateinischen. Verba werden entweder 
abgeleitet von anderen Verbis oder Nominibus und zwar unter- 
scheidet man / requent ativa, Verba der Wiederholung oder 
Verstärkung des Primitivuni z. B. clamo, clamito; domo, domito; 
adjuvo, adjuto; curro, cur so, cursito; dico, dicto, dictito; de f endo, 
defenso, defensito u. s. w. oder verba des i der ativa z. B. edo, 
esurio oder deminutiv a z.B. canto, cantillo; conscribo, conscri- 
billo; sorbeo, sorbillo u. a. oder inc ho ativa auf sco, caleo, calesco. 
u. s. w. 

Von Nominibus abgeleitet führen wir au, ftos, florere; albus, 
albare; stirps, stirpare; u. s. w. — 

38. Von den griechischen Präpositionen und Partikeln ist 
zu merken: dvd hinauf, y.ard hinab, <</m zugleich = 6uov , üid 
durch, biya zweifach, fiFrd mit und nach, sehr häufig = Ver- 
änderung um, .-raod daneben, entgegen, v.td darunter, h^efe darin, 



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XXVI Sprachliche Einführung. 

hinein, <Lto weg, d/iffi um, herum, Lii darauf, mii entgegenen, ex, 
i$ heraus. 

Neubildungen: Verdoppelung der Präposition wie in .too«- 
.-fdg-ratz, contra-ex-tension. 

Von den lateinischen ab, a, abs; die Grundform ist ab, 
grieeh. <Lt©. 

ab steht vor Vokalen und h, kann aber auch vor allen Kon- 
sonanten stehen wie a. 

Die Form abs (aps) findet sich vor c, p, t, abs-tineo, abs- 
traho. abs-cedo, abs-que. 

Verkürzt in as, as-pello. as-porto. 

Die Form au in au-fero, au-fugio geht entweder aus dem 
Sanskrit ara, ahd. aba — von herab, oder aus der Präposition 
af — au = au hervor. 

Die altlateinische Präposition am, an entspricht dem grie- 
chischen du<pt, amb-io, amb-ire, am-plector, an-fractus, skr. abhi, 
alte, umbi, ahd. umpi. Viele Zusammensetzungen A-geben sich 
mit dem Präpositionaladverb versus (von verto) ,,wärts" adver - 
sus, aliorsum, deorsum, dextrorsum, introrsum, prorsum, rursum, 
retrorsum, seorsum, sinistrorsum, sursum (sub-vorsum). Die 
Präpositionen sub unter, super über, subter unterhalb werden in 
ihrer Funktion als bekannt vorausgesetzt. 

39. Höchst auffallend und barbarisch sind die Zwitter- 
bildungen, Voces hybridae, welche aus den beiden Sprachen 
Worte oder Endungen zusammensetzen, z. B. dextero-xagdia, 
xegaro-globus, veo-natus, lact-äy<oy(n<:), .tegi-vaginitis, xavTtjg-isatio y 
ox/.rjv-üatio, avv-ovitis, avvoy-al, q agryy-ealis, amoeno-fiavia , arr- 
acidus, avzo-transfusion, cavern-ioua (cavernom), dextr-motc, 
(dextrose), egvdt]ua-tosum, rj.-mr-t'satio, lupin-wotz (lupino8e),tuber~ 
Cltlose, uov-oculus, q /.vxTatr-tila, q /.vxTatv-ulosa, q Äey uor-osa, 

Wortvcrstiiiiiuieluniren wie pelys statt pelvis, panaritium 
statt paronychmm. (xagtovrytu), athetose statt dderrjotc;, antimoni- 
um verderbt aus dem arabischen al-ithmidum, bracherium statt 
brachionarium, myrinx statt /if/vty$ etc. 

Willkürliche Verkürzungen wie Achrupsie statt d/ow/ia- 
xoxpla, Akiurgie statt dxidoegyi'a, dxibovgyia, Chrupsie statt /ooo- 
ftoyna, Kinatsthesie statt xirijaiatodrjata, Syndektomie statt ovv~ 
öfOftoFXTOfria, Metopaqie statt fieT<o.~roxayia u. s. w. 

40. Uber Neubildungen des späteren Griechisch und Lateinisch 
der Latinobarbari haben wir oben schon öfter gesprochen; es ver- 
steht sich, dass diese Sammlung sich ins Unendliche vermehren 
liesse. Berechtigt sind Neubildungen wie ßov-xryuia, nach 
Analogie von ßov-ßgwoug , Stierhunger, („Wolfshunger"), = ßov- 
hfu'a, ßov-fiaodos sc. attxe/.os, ßov-vfßgo$, ßov-xai$, ßov-.ia/.is, ßov- 
tfdakftov. 

In das Heer von neuen Bildungen in der Sprache der Natur- 
wissenschaften läset sich nur schwer Ordnimg uud System bringen. 
Doch ergeben sich folgende Gesichtspunkte: 



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Sprachliche Einführung. XXVII 

a) nach Eigennamen von bestimmten Personen, Erfindern, 
z. B. : Columbium, Galvanismus , Hausmannit, Humboldit, 
Mikrohm (Ohm), Mikrofarad (Farad,) pasteurisieren, Chinin etc. ; 

b) nach Gottheiten aller Mythologien, z. B. : Pelopium, 
Niobium, Kastor, Pollux, Titanit, Atropa, Sisyphus (Pillenwälzer), 
Geokronit (Kronos) etc.; 

c) nach Ländern und Orten der Herstammimg: Tabak, 
Achat, Cognac, Uralit etc.; 

d) nach der Herstammung von einem Naturkörper, z. B. 
Kreatin, Ptomain, Allyl, Papaverin etc.; 

e) nach einer Ähnlichkeit: Selenoid , Krystalloid, Geoid, 
Hippuris etc.; 

f) chemische und physikalische Eigenschaften, z. B.: 
Chlor, Brom, Glycerin, Haematoxylin, Auripigment', 

g) Zweck oder Wirkung, z. B.: Pyknometer, Rheometer, 
Antifibrin ; 

h) nach einem System: Schwefel, Kupfer, Äther etc., z. B.: 
Di-methyl-amidoazo-bcnzol-mono-carbon-säure (ei n Wort!) ; 

i) Öriginalbenennungen nach Eisen, Blei, Gold; 

k) willkürliche zweifelhaften Ursprungs, z. B.: Amalgam, 
(ua/.ayfia), Paraffin (parum affine), Merkaptan (Mercurio aptuml), 
Aldehyd (Alkohol dehydrogenatum) , Phenol (ycuVw oleum), 
Acetal (acetum und Alkohol!), Äldoxim (Hydroxylam in- Aldehyd), 
Aroph (Aroma philosophorum ! !). Olm (Molch). — Dem Bätsei 
der Sphinx vergleichbar sind Namen wie Mangan, Opodeldok 
(Geheimname?), Galmei, Theodolith, Schocrl, Annali n u. s. w. 

Oft aber sind Endungen ohne Rücksicht, ob das Wort 
einem griechischen Etymon entspricht, von griechischem Charakter 
gebildet, z. B. Haemo-ptoe (von alfia Blut imd xiv<o speie) statt 
des richtigen af/iojirvaig. Denn das Wort ai/uomota ist nicht vor- 
handen (etwa entsprechend einem Ötaggota Durchfluss) und -ptoe 
oder -ptöe wären von xtvco nicht richtig gebildet. — Ferner 
pell-dyga ist nach Analogie von jiod-dyoa und fuhr-dyga geformt, 
melaneus, ue/.dreog statt ftekaatta. 

Spätgriechisch sind ürflrjfia (Anthem), neugr. i£dvdnpa 
v. ärdho, drOt), ärüoc. Ferner baryekoia und dysekoia v. ßaqv- 
rjxoog, dvs-t'ixooz dvg-nxota, V. dxovo) XL. s. W. 

Aus dem Spätlateinischen erwähnen wir noch Worte 
wie aeuitas, (Akuitaet), aplanatio (planus), anteflexio, axialis, 
(axis), bursa, borsa, brunescens (v. brunesco. bruniis), cera- 
tinare (keratiniren , xegdrivog) , cystin(us), congelo (gefriere), 
crampus, crispatura tendinum, contra-extension, dentinum, des- 
odorisantia, duodenum, ergotinum, extravasatio, fracturosa 
pelvis, herpeticum, inositus (Tg, ivdgl), obductio(n), morbilli, 
(Masern), raspatorium scarlatina, sporulatio(n). 

Dann steigt die Sprache in das Romanische herunter in 
Wörtern wie bastoria (bistouri), cliciuetis, dengue, mandrin, 



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XXVIII 



Sprachliche Einführung. 



massage, rabot-odonto-triteur , sowie (sub-unda) , spara-drap, 
tcndon u. a. m. 

Vereinzelt existiren natürlich auch noch Überreste aus dem 
Arabischen, Hebräischen, Althochdeutschen und 
Angelsächsischen, ja selbst dem Persischen, Hindostan und 
Japanischen, den Sprachen der Eingeborenen Afrikas und Ameri- 
kas, die sich aber unter keinen der obigen Gesichtspunkte bringen 
lassen. Siehe J. Hyrtl, Das Arabische und Hebräische in der 
Anatomie (Wien 1879, Braumüller), und von demselben Verfasser: 
Die alten deutschen Kunstworte der Anatomie (ebd. 1884). 

41. Die meisten Uarbarisinon und Neubildungen verdanken 
den Ärzten des späteren Mittelalters ihren Ursprung, Miss- 
hilri untren sprachlicher Art auch manchen Spezialisten unserer 
Zeit, von denen Hyrtl behauptet, dass sie ausser von ihren 
Erfindern von niemand gebraucht würden. Wahr ist, dass mit 
der Kenntnis der Gesetze der Sprache und Wort- 
bildung eiue Barbarei, wie sie Arnobius gemeint (Adrersus 
gentes lib. I, 59) : Barbar ismis et soloecismis obsitae sunt res 
vestrae, et vitiorum deformitate polhitae, künftig unmöglich sein 
wird. Möchte doch dieser unser schwacher Versuch ein kleines 
Scherflein hierzu beigebracht haben! 

Wir schliesson mit den Worten des Meisters der romanischen 
Sprachforschung: (Diez, Etymol. Wörterb. 5. Aufl. Leipzig 1887 
p. VII.) „Das Höchste, was der Etymologe erreicht, ist das Be- 
wusstsein, wissenschaftlich gehandelt zu haben; für absolute 
Gewissheit hat er keine Gewähr, eine unbedeutende Notiz 
kann ihm das mühsam Erworbene zu seiner Beschämung unver- 
sehens unter den Füssen wegziehen. Dergleichen wird bei jeder 
Forschung vorkommen, bei der etymologischen gehört es zu den 
täglichen Erfahrungen, die auch dem Scharfsinnigsten nicht er- 
lassen werden. Darum Bescheidenheit, selbst wo Alles 
unsere Deutungen zu unterstützen scheint!" 

Als Hilfsmittel für die sprachliche Einleitung und die Ety- 
mologien des Wörterbuches dienten dem Verfasser ausser den 
medizinischen Schriftstellern des Altertums (Medicorum graecorum 
opera omnia, graece et latine ed. KÜHN. Lips. 1S21— 30. 28. vol.) 
— Kclogae physicae ed. J. G. Schneider. Jena 1800. 2 vol. — 
Physici et medici graeci minores ed. Iseler. Bcrol. 1842. 2 vol. 
die Glossare zu Hippokrates und Galenos ed. Klein. Lips. 
1865. — H. N. Anke, lexikograph. Bern, (mediz.-philol. Inhaltes. 
Philol. 32) — die römischen u. griech. Litteraturgesch. von Teuffel, 
Müller-Heitz, Christ, Gesch. der Medizin von Hirschel, 
Sprengel, Häser, August Hirsch (1893), die unübertreffliche 
Onomatologia anatomica v. Jos. Hyrtl (Wien 1880), Eulen- 
burg's Realencyklopädie der ges. Heilkunde (Bd. I — XVI, Wien 
1888), A. Villaret, Handwörterbuch der ges. Medizin. Stutt- 
gart 1888, die Grammatiken von G. u. L. Meyer, Hatzidakis, 
Kühner und Schuchhardt, die Grundzüge der griech. Etymologie 



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Sprachliche Einführung. 



XXIX 



von G. Curtius, das etymologische Wörterbuch von Pape, Prell- 
witz (1892), der deutschen Sprache von Kluge (1889), Duden, 
Bauer-Fromann (1893), die Lexika von Vanicek, Zehetmayr, 
Suhle und Schneipewin, Kumanudes, Skarlatos, Georges, 
Ducaxge, Diefenbach, Diez, Saohs-Villate, Chamber's Ety- 
mohgical Dictionarif of English Languaye (London 1884) und 
viele Monographien, darunter das dem Studierenden empfehlenswerte 
Büchlein von B. Schwalbe, griech. Elementarbuch, Grundzüge des 
Griechischen zur Einführung in die aus dem Griechischen stam- 
menden Fremdwörter (Berlin, Beimer 1887). 

München, Juli 1893. 

Dr. Heinrich Zimmerer, 

kul. «iyninasiallehrer am kgl. Maxiniilians-Gymnasium. 



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XXX 



Adj. 

augin. 

ef. 

Dem. 

engl. 

frz. 

l'req» 

tut. 

gen. 

«rv 
r> • 

II. 

in sp. 
Intens, 
i. e. 
i. ij. 
Kkh. 
1., lat. 
n. 

n. A. 
plur. 
pr„ priv. 



s. 
sc. 
8. il. 
St. 

8t. 

gyn. 

Tert. comp, 
u. A. 
u. z. 
v. 
vd. 
verw. 
Vors. 
Wal. 



Abkürzungen. 

= Adjektivuni 

= augmentativum 

= confer 

= Deminutivuin 

= englisch 

= französisch 

z= Frequentativum 

= Futurum 

= (ienitivus 

— griechisch 
= Hauptwort 
= in specie 
= Intensivum 
= id est 

= id quod 

= Krankheit 

= lateinisch 

— nach 

= nach Anderen 

= Pluralis 

= privativum 

= sive 

= scilicet 

= siehe dort 

= Stamm 

= statt 

= synonym 

— Tertiuni comparationis 
= und Andere, unter Anderem 
= und zwar 
= von 
=- vide 
= verwandt 
= Vorsilbe 
= Wurzel. 



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jJlred. Em. CHANDLEK. 



Terminologia eliniea. 



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Abasie (d ptiv. u.St.ßa von ßaivw gehen) Unfähig- 
keit zu gehen, eine funktionelle Störung , bei welcher ebenso 
wie bei Astasie (s. dort) alle sonstigen Einzelbewegungen mit nor- 
maler Kraft uud Koordination möglieh sind. 

Charcot unterscheidet eine A. trepidans (Unfähigkeit 
zu gehen wegen desZitteras der Beine) ; eineA. paralytica (bei 
welcher die Beine dem Körpergewicht nachgeben) und eine A. 
atactica (durch eine krankhafte Ungeschicklichkeit und Un- 
sicherheit der Bewegungen charakterisirt). Der von Jaccoud, 
Charcot u. A. begründete Symptomenkomplex ist meist hyste- 
rischen Ursprunges, viel seltener durch cerebrale (Läsion des Geh- 
zentrums) oder spinale Affektionen bedingt. 

cf. Astasie; Astasie- Abasie. 

Ablatio (aufero trage weg) die Abtragung, gebraucht 
wie Amputatio (s. d.). 

A. retinae i. q. Sublatio retinae. 

Ablepharia (d priv. u. x6 ßXiyaQov Augenlid v. ßkijuo 
blicken) Mangel der Augenlider, kommt vor als A. adnata 
oder a c q u i s i t a , partialis oder totalis. 

cf. Lagophthalmus , Mikroblepharie, Schizoblepharie, Kryptoph- 
thalnius. 

Abolitionismas {abolüio v. ab-oleo schaffe ab) eine 
(von England ausgehende) Bewegung, welche die geregelte sanitäts- 
polizeiliche Kontrole der Prostitution zu beseitigen strebt. 

cf. Prostitution. 

Abortus (aborior abgehen) Fehlgeburt, unzeitige 
Geburt, Fausse-couche der Franzosen, die Ausstossung der 
Frucht vor vollendeter Bildung der Placenta (vor der 16. Woche, 
nach Anderen vor der 28.). Am häufigsten durch Erkrankungen 
des Chorion (bei Syphilis, Blasenmolenbildung), seltener durch 
Reize, welche direkt oder reflektorisch Kontraktionen des Uterus 
auslösen oder durch eine Auflockerung der Verbindimg des Eies 
mit der Uteruswand (Bluterguss zwischen Uterus und Eihäute) 
bedingt. Im Gegensatze zum natürlichen A. (A. spontaneus) steht 
der A. artificialis, welcher ärztlicherseits aus irgendwelchen Gründen 
oder verbrecherischer Weise zur vorzeitigen Unterbrechung der 
Schwangerschaft hervorgerufen wird. 

Roth' s Klinische Terminologie. 4. Aufl. 1 



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2 



Abortus 



Habitueller A. wiederholte Unterbrechung der Schwanger- 
schaft findet sich l>ei Erkrankungen des Uterus (Fihroidc, Retro- 
flexion, chronische Endometritis) und »Syphilis. 

cf. Partus immaturus und praematurus. 

Abortiva s. Pellentia (sc. remedia) Mittel zur Hervor- 
rufung von Abortus. 

abortiv nennt man den Verlauf von Krankheiten, wenn 
dieselben in gewöhnlicher Weise und Intensität beginnen und eine 
Zeit lang verlaufen, dann aber plötzlich zu einer ungewöhnlich 
frühen Zeit in Besserung und Genesimg übergehen. 

So nennt man auch die Behandlungsmethoden, welche 
einen solchen Verlauf erzielen oder die Krankheit „coupiren". 

cf. Febricula. — ektrotisch. 

A brach ins (« priv. u. 6 ßgayitav Arm) angeborener 
gänzlicher Maugel beider Oberextremitäten, 
cf. Monobrachius, Pcrobrachius, Apus. 

Abraslo (ab-rädo ab- oder wegkratzen) Bezeichmuig 
eines mit dem Schabeisen oder scharfen Löffei geübten chirur- 
gischen Verfahrens. 

cf. Erosio, Evidement. 

AbscesKii* (abs-cido weggehen, sich abscheiden) 
s. Apostema, Abszess, ein zirkumskripter mit Eiter gefüllter 
Binnenraiun des Körj>crs. 

cf. Pus, Pustula. 

Je nachdem die Abszesse rasch mit den Erscheinungen 
akuter Entzündung oder durch chronische Entzündung all- 
mählich entstehen, spricht man von heissen und kalten Abs- 
zessen (A. calidus et frigidus). 

A. metastaticus s. einbolicus (uezaoxauxoz von /<e#<brty/M 
stelle um, verändere, Zußokov Pfropf, Keil, ipßokixos v. 
FfißdkXm werfe ein) sekundäre bei Pyämic u. ulzeröser Endo- 
karditis, nicht aber bei Septikämie vorkommende Abszesse, die, 
wie für die bei Pyämie häufigen Lungeuabszesse nachgewiesen ist, 
durch mykotische von der Wundstelle verschleppte Emboli hervor- 
gerufen werden. 

cf. Metastase, Infarkt, Pyämie. 

A. congestlonis (con-gero häufe an) Kongestions-, 
Senkungs- oder wandernder A. kommt zu stände, wenn der 
Eiter an der Stelle seiner Entstehung wegen zu grossen Wider- 
standes der Umgebung (Faseien) sich nicht ansammeln kann, son- 
dern teils der Schwere, weit mehr aber dem lockeren Bindegewebe 
folgend, an anderen Stellen, der Grenze der Faseien etc. zum 
Vorschein kommt. Der häufigste dieser Abszesse ist der Psoas- 
abszess. 



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Acarus 3 

A. retro-nharyngealis (retro zurück, rückwärts, pha- 
rynx Schlundkopf ) Eitcransammlung zwischen Wirbelsäule und 
hinterer Pharynxwand, entweder primär infolge phlegmonöser Ent- 
zündung, häufiger als Kongestions- A. bei Caries der obersten 
Halswirbel oder der Schädelbasis (Caries s. Arthrokaee atlantico- 
occipitalis). 

A. stercoralis {stercus, -öris Kot) Kotabszess, A. mit 
kotigem Inhalt, z. B. bei Fistula ani incompl. interna. 

A. sudoriparus (sudor u. pario) Schweissdrüsenabszess 
vd. Hidradenitis. 

A. follicularis Vereiterung einzelner Schleimhautfollikel. 
cf. Ulcus follicul., Akne. 

Absinthismns (aynvdtor Wermut) die Absinth- 
Intoxikation, charaktcrisirt durch plötzlich auftretende Schwindel- 
anfälle, epileptische Attacken, halluzinatorische Delirien mit Be- 
wusstlosigkeit und Erinnenmgslosigkeit nach den Attacken. 

Man unterscheidet einen erworbenen und einen hereditären 
(bei Kindern von Absinthsäufern) A. 

Absorbentia (absorbere abschlürfen) i. q. Antacida. 

Abnlie (ä priv. u. ßovXo^tai wollen) krankhafter Mangel 
der zentralen Willenserregungen, z. B. bei gewissen Geisteskrank- 
heiten, Hysterie. 

Acardiacus (a priv. u. »y xagöta Herz) herzlose stets 
sehr unvollkommen entwickelte Missbildung, die entweder mit 
der wohlentwickelten Frucht nur durch die Plazenta verbunden 
oder in grösserer oder geringerer Ausdehnung direkt vereinigt ist. 
Man unterscheidet: 

A. amorph us (flogst) Gestalt) unförmlicher Klumpen, nur 
mit Rudimenten von Organen. 

A. acormns (xognos Stamm, Rumpf) Kopf ausgebildet, 
Brust u. Bauch fehlend oder rudimentär. 

A. acephalus (xstpah) Kopf) Kopf fehlt, Thorax rudimentär, 
Becken u. anliegende Teile ausgebildet. 

A. anccps (ambo u. caput doppelt) : Rumpf entwickelt, 
Kopf und Extremitäten rudimentär, ebenso Herz [Ziegler's 
Pathol. Anatomie]. 

cf. Acephalus, Akormus, Monstrum, Teratom. 

Acarus (lat. v. t6 äxagt Milbe v. dxagi)g winzig, 
urspr. vom Haar, das zu kurz ist, um es zu scheren, 

xeigco). 

A. folliculorum Haarsack- oder Komedonen-Milbe in 
den Talgdrüsen der Haut, bes. des Gesichtes und äusseren Gehör- 
ganges, in Komedonen und Aknepusteln lebendes, 0,2 mm langes, 
schmales Tierchen. 

1* 



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4 Acarus 

A. hordci s. Krithoptcs inomtngieiiloKiis |Gkbkr] {xoi&t) 
Gerat© = hordeum, v. horrere) eine in der Gerste vorkommende 
Milbe, welche den urtikariaartigen Ausschlag der Schnitter her- 
vorruft. 

A. scabiel s. Sarkoptes seabiei s. hominis Krätzmilbe, 
deren Ansiedelung und Vermehrung unter der Epidennis die aus- 
schliessliche Ursache der Krätze ist. 

Accoitimodation (aecommtidare anpassen) die An- 
passungsfähigkeit, gebraucht insbesondere von der Einstellung 
der Augen zum Sehen in die Nähe und in die Ferne, sowie beim 
Fixiren dunkler und heller Gegenstände (Erweiterung und Ver- 
engerung der Pupillen etc.). Störungen der A. < Accommodations- 
anomalien) können entweder Lähmungen (A.-Paresen) oder 
Krämpfe (A.-Spasmen) sein. 

cf. Cykloplegia. 

Aeephalocystensäcke (« priv. i) y.eyah'j Kopf, 
»5 xvaxig Blase) Echinokokkussäcke ohne Entwickelung von Toch- 
terblasen u. ohne Brut. 

Acephaluw Missgeburt ohne Kopf oder nur mit einem 
Rudiment desselben (immer zugleich Acardiacus). 

A. synipus (ovv zusammen, 6 jtovs Fuss): der Unter- 
leib geht wie bei der Sirenenbildung in eine lange konische Spitze 
aus, an deren Ende ein oder zwei Füsse sitzen. 

A. monopus (novog allein) und dipus (Si± zweimal) eine 
oder zwei mehr oder weniger entwickelte Unterextremitäten mit 
einem herzlosen Rumpf. 

Syn. Acephalopodic. 

A. monobrach i us und dibrachius (d^WArm): ausser 
den bei der vorigen Form gebildeten Teilen findet sich noch eine 
Halswirbelsäule und eine oder zwei Oberextremitäten. 

Syn. Aesphalobrachie. 

A. paracephalus (Paracephalus und Hcmiacephalus 
St. Hilairk's) die vorige Form mit mehr oder weniger ausge- 
bildeten Schädelknochen, offener oder geschlossener Schädelhöhle, 
die aber meist nur Bindegewebsmasse oder Serum enthält. 

Weitere Anomalien dieser Art sind: Acephalogastrie an- 
geborener Mangel des Kopfes und der oberen Bauch teile, Ace- 
phalorhachie — der Wirbelsäule und Acephalothoracie — 
des Rumpfes. 

cf. Mylacephalus, Anencephalus. 

Acervulug cerebri (Dem. v. acervus Haufen) Hirn- 
Band vd. Psammom. 

Aeetonämie (ro af/m Blut; Aceton lat. acetum Essig, 
von aceo bin sauer, ein Abkömmling der Essigsäure, 
wahrscheinlich in der Leber aus Traubenzucker ge- 



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Achor granulatus 



bildet) Aeetongehalt dos Blutes, auch dos Urines (Acetonurie) 
und der Kxspirationsluft, welcher bald nervöse Depression, bald 
Exzitation zur Folge hat und in vorgeschrittenen Stadien des 
Diabetes mellitus, bei Magen- und Dannerkrankungen, bei 
Eklampsie und als vermutliche Ursache der diabetischen Terminal- 
dyspnoe beobachtet worden ist. Nach Fleischer ist die Ursache 
der Aceton reaktion des diabetischen Harns (braunrote Färbung 
desselben auf Zusatz von Eisenchlorid) nicht in dem Aceton, 
sondern in einem anderen noch unbekannten Körper zu suchen. 

Acetonasthma Anfälle von Atemnot, ähnlich dem urä- 
mischen Asthma, verbunden mit Unruhe, Kopfschmerz, Übelkeit, 
Erbrechen, vorübergehender Amaurose u. Acetonurie, wahrschein- 
lich in kausalem Zusammenhang mit letzterer i Autointoxikation). 

( Acetonurie vd. Acetonaemie. 

Aehilia (« priv., ro zeZXoc; Lippe) angeborener Mangel 
der Lipjien. 

r _2 Aehillodynie (y «Arn; Schmerz) [K. Almert). Vor- 

läufige Bezeichnung für einen von Albert in Wien beobachteten 
Symptomenkomplex, der in nur beim (Jchcn oder Stehen auf- 
tretenden heftigen Schmerzen an der Insertion der Achilles- 
sehne besteht. Objektiv findet sich eine kleine, auf Druck wenig 
empfindliche Geschwulst der Achillessehne, mitunter eine anschei- 
nende Auftreibung des Knochens. 

O Achilloraphie (odstto) nähen) Naht der Achilles- 

sehne. Verfahren von 0. Bayer an Stelle der Durchschneidung 
C (Achillotomie s. d.), behufs Verlängerung der Sehne. Diese 
wird freigelegt, fler I>änge nach halbirt, das ol>ere Ende einer — , 

|i! das untere andrerseits quer durchschnitten und die beiden Schnitt- 
flächen durch Naht vereinigt. 

Acliillotomie (tinvro schneiden) subkutane Durch- 
9*^ schneid ung der Achillessehne. 

Achims (d priv., y yelg Hand) Individuum mit ange- 
borenem vollständigem Mangel der Hände <xlcr Füsse. 
cf. Perochirus, Apus. 

Acholie (« priv., i) x 0/r 'l Gallo) mangelhafte Gallen- 
bildung. Kommt namentlich bei schweren ausgedehnten Leber- 
leiden vor, bei welchen die Leber nach Faerichs keine (lalle 
mehr bilden kann. Die Umsatzprodukte der letzteren gehen in- 
folge davon ins Blut über und führen zur Cholämie (s. dA 

Achor granulatus (« aywo Grind, Schorf [Galen]; 
seit Willan versteht man unter „Achor" eine beson- 
dere Art von Pusteln (s. d.), die sehr klein sind, bes. 
an behaarten Stellen vorkommen und zu einer gelb- 
lichen honigartigen Kruste eintrocknen) s. Tinea 



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Ii 



Achor granulatus 



granulata rote Hülsende iuid blutende Wucherungen der be- 
haarten Kopfhaut von Kreuzer- bis Thalergrösse, besonders bei 
Pediculi capitis beobachtet, 
cf. Pustula. 

Achorion Schoenleinii der Favus -Pilz, 1830 von 
Schön lei x entdockt. Der neuerdings von Grawitz besonders 
studirte Schimmelpilz bildet ein ausserordentlich dichtes, aus 
kurz verzweigten, vielfach gebogenen Fäden bestehendes Myzel- 
geflecht, zwischen welchen runde oder ovale Sporen in grosser 
Menge liegen. Die kleinen, etwas ausgehöhlten Scheiben (Scutulac 
t^childchen) des Favus stellen förmliche Reinkulturen des Pilzes dar. 

cf. Favus. 

Achromatia (« priv. ™ yo i7 >! in Farbe) vd. Leuko- 
pathia. 

Achromatopsie (/} « v »*s Sehen) verk. Achrupsie die 

Farbenblindheit, die angeborene oder erworbene (progressive 
Sehnervenatrophie) Unempfindlichkeit der Netzhaut für Farben- 
eindrücke. Mau unterscheidet: 

1. partielle A., bei welcher nur Ein Paar dem normalen 
Auge komplementärer Farben als Weiss oder Grau erscheint, und 

2. totale A., bei welcher alle Farben mit Weiss oder Grau 
verwechselt werden, also nur Helligkeitsuuterschiede bestehen 
[nach Gräfe u. SXmisch[. 

cf. Acyanoblepsie, Anerythropsie, Chromatoriysopsie, Daltonismus, 
Xanthocyanopsie. 

Achromatosis vd. Chromatosis. 

Achroodextrin (von «/ooo>- farblos « priv., « *ot«k, 
poet yooöq Farbe, Dextrin von dexter, weil ein nach, 
rechts drehender Körper) Übergangsprodukt bei der Um- 
wandlung der Stärke in Zucker durch die Speichelverdauung, da- 
durch eharakterisirt , dass es zugesetzte Jodlösung gar nicht 
verfärbt, ebenso wie Maltose imd Dextrose. Das Ausbleiben der 
Verfärbung im filtrirten Magensaft soll mindestens eine Stunde 
nach der Mahlzeit eintreten und ist ein diagnostisch verwertbares 
Zeichen dafür, dass der Prozess der Verzuckerung im Mund und 
Magen normal von statten gegangen ist. 

cf. Erythrodextrin. 

Achylia gaatrica (d priv. 6 z*'tä Saft [M. Einhorn]) 
das vollständige Versiegen des Magensaftes, welcher Zustand, da 
kein völliger Schwund der Schleimhaut (Anadenie) besteht, der 
Besserung fähig sein soll. 

Acne, Acnitis etc. s. Ak. . . . 

Aeormns vd. Akormus. 

Acria (sc. remedia) seharfstoffige, irritirende Arzneimittel. 



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Adenoma 7 

Acuclausur (actis Nadel, claudere schliessen) Helten 
mehr geübtes Verfahren zur Blutstillung, wobei das blutende Ge- 
fäss mit Hilfe einer einige Tage in der Wunde verbleibenden 
Nadel geschlossen erhalten wird. Sie umfasst die folgenden: 

Acupressur (premo drücke). Hiebei wird die Nadel auf 
der einen Seite neben dem Gefässe in die Weichteile einge- 
stochen, über das Gefäss hinweggeführt, etwas gesenkt und dann 
wieder in die Weichteile auf der anderen Seite eingestochen. 

Acutorsion (torqueo drehe). Man durchsticht das Gefäss 
quer, dreht es dann mit Hilfe der Nadel mehrmals um seine 
Axe und stösst darauf die Spitze der Nadel in die benachbarten 
Wcichtheile. 

Acupunktm* (pungere stechen) das zu verschiedenen 
diagnostischen und therapeutischen Zwecken geübte Verfahren, 
wobei eine lange Nadel in die Teile eingestochen wird. 

cf. Akidopeirastik, Elektropunktur. 

Acyanoblepsie (« priv., xvdvsoc blau, ß)J.no sehen) 
Blaub lindheit, partielle Farbenblindheit in Bezug auf 'die 
hlaue Farbe und das komplementäre Gell). 

cf. Achromatopsie, Erythrochloropie. 

Adaptation (adaptare anpassen) Anpassung, gebraucht 
von der Veränderung der Netzhautempfindlichkeit. 
Diese wird im Dunkein mit einer schwachen, aber veränderlichen 
imd messbaren Lichtquelle bestimmt. Sie nimmt anfangs rasch, 
später langsamer zu. 

Addison'schc Krankheit vd. Morbus. 

Adenie (6 <W t v Drüse) i. q. Pseudoleukämic. 

Adenitis Drüsenentzündung im allgemeinen. 

Adeiiocarcinom (grossalveoläres A.), eine Form des 
Zylinderepithclkrebses, dessen Zellennester grossen Drüsenbeeren 
gleichen. 

cf. Carcinom. 

Adeno-Lymphocele (v xifiy Bruch) in der I^eisten- 
gegend beobachtete Geschwulst von der Konsistenz einer Hydro- 
cele und von wechselndem Umfang, bedingt durch Vorfall einer 
Drüsengeschwulst (Lymphangiom) mit Austritt von Lymphe. 

Adenoma geschwulstförmige, nach dem Typus der Drüsen 
gebaute Neubildung, von den glandulären Hyi)erplasien durch 
ihre Emanzipation vom Mutterboden unterschieden; knotige Ge- 
schwülste, die sich hauptsächlich in Leber, Mamma, Ovarkun, 
Schwei**- und Talgdrüsen und im Darmtraktus entwickeln. Wäh- 
rend die reinen Adenome gewöhnlich keine Metastasen bilden, 
finden sich solche bei den bösartigen Adenomen des Magens und 



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8 



Adenoma 



Darms. Diese werden deshalb als Adcnonia destrueiis oder 
Adenocarei noiu (s. d.) bezeichnet und können in Careinom 
übergehen. Die Anordnung der massenhaft produzirten Zellen 
erinnert an den ursprünglichen Bau der tubulösen und azinösen 
Drüsen, indem eine deutliche Zentralaxe, aber ohne Lumen vor- 
handen ist. In der Gefässannut der grossen Zellenmassen liegt 
die Ursache des späteren Zerfalles. 

Mit dem Namen A. fibrosum, sarcomatosum, myxomatosum 
bezeichnet man fibröse, sarkomatöse <xler myxomatöse Neubil- 
dungen im Stroma einer Drüse. Besondere Können sind noch 
das A. sebaceum und A. sudoriparum . welche von den Talg-, 
bezw. Schweissdriisen ausgehen. 

A. diffusum Kalle von Sehlcimhauthyi>crplasicn mit stärkerer 
Beteiligung der Drüsen. 

A. polyposuin (jto^'.twc) polypöse Bildungen, welche im 
wesentlichen aus gewucherten Drüsen l>estehen. 
cf. Cystadenoma, Neoplasma. 

Adenoinyxo§arkoma (vd. Myxoma u. Sarkoma) eine 
seltene Kombination maligner Geschwulst formen (am Cervix uteri 
beobachtet) ein primäres Adenom mit sekundärer sarkomatöser, 
schliesslich myxomatöser Degeneration des Stromas. 

Adesmosen (d priv., 6 Stopfe Binde öfo/u'kü fesseln 
hier Bindegewebe) (Auspitz] mit Schwund des Bindegewebs- 
lagers oder angeborener mangelhafter Entwicklung desselben ein- 
hergehende Hautkrankheiten. Die l>eiden Können der A. sind: 
Liodennia essentialis (s. d.) und die Striae atrophicae cutis (s. d.). 

Adhäsion Adj. ad hören t (adhaerere hangen, an- 
kleben) die Anheftung, gebraucht für pathologische Verwach- 
sungen. 

Adipocele (Barb. adeps, -ipis Fett fj x/jb] Bruch) 
Kettbruch, d. h. ein echter Bruch mit Bruchsack, dessen In- 
halt nur aus Kettgewebe besteht. 

Adipoma i. q. Lipoma. 
Adiposität i. q. Obesitas. 

Adstringentia (sc. remedia, ad-stringere zusammen- 
ziehen) s. Myptica Mittel, welche eine „zusammenziehende" 
Empfindung im Munde hervorbringen und auch thatsächlich kon- 
trahirend auf die Gewebe und Blutgefässe einwirken oder die 
Gerinnungsfähigkeit des Blutes vermehren. 

Adynamisch oder asthenisch (a priv., tj övvaptg 
oder to odhog die Kraft) bezeichnet ursprünglich einen durch 
Altersschwäche oder durch allgemeine Schwächung des Organis- 
mus hervorgerufenen Zustand von allgemeiner Kraftlosigkeit. Bei 



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Aesthesioneurosis 9 

fieberhaften Krankheiten spricht man dann von einein advna- 
mischen oder asthenischen Charakter derselben, wenn sie, ohne 
besonders intensiv zu sein, mit schweren Allgemeinerseheinungen 
(Herzschwäche, Kollaps, Delirien) einhergehen, 
cf. athenisch, Pneumonia asthenica. 

Aegilops (o atytitoy Thränenfistel v. aTyiho* Ziegen- 
kraut, 01? Ziege, w V . Gesicht [Dioscorides] vd. Dakryops. 

Aegophonie (rj a<£ gen. alyog Ziege, v ffon n Stimme) 

M e c k e r s t i m m e . meckernder oder zit ternder Widerhall der 
Stimme, ist eine besondere Form der Bronchophonie und entsteht 
wahrscheinlich in durch Kompression abgeplatteten, noch nicht 
ganz luftleeren feinen Bronchien, deren Wände durch die Schall- 
schwingungen erzitternd sich zeitweise berühren [Gerhardt]. 

Aequivalente (aequus gleich, valire gelten, wert 
sein) psychisch -epileptische, anfallsweise auftretende 
Zustände von psychischer Verwirrtheit oder Aufregung, deren 
Gleichwertigkeit und Zusammenhang mit epileptischen Anfällen 
nur daran erkennbar ist , dass letztem zu anderen Zeiten auf- 
treten. 

et*. Epilepsie. 

Ae'robier. Aerobiose (6 «tg Luft, 6 ßia* Leben) 
gebraucht von Bakterien, die nur bei Anwesenheit von Sauerstoff 
sich entwickeln können. 

cf. Bakterien, Anaerobier. 

Aerocele i. q. Tracheocele. 

Aeropliobie (6 r f 6ßoQ Furcht, Scheu) ein gleich der 
Hydrophobie bei der menschlichen Wut vorkommendes Symptom, 
eine Folge der hochgradigen Hyperästhesie der Wutkranken, wo- 
bei die geringste Lnftbewegung reflektorische Schling- und In- 
spiratiouskrämpfc und grösste Aufregung hervorruft. 

Ae'ro-Urethro&kop (orgtjßga [ovgeu>, orga] Harn- 
röhre, axonei» sehen, untersuchen) eine v. Antal ange- 
gebene Modifikation des GRÜJf FELD'schen Endoskops 
mit einer Vorrichtung zur Dilatation der Harnröhre durch Ein- 
blasen von Luft, wodurch eine grossem Schleimhautfläche be- 
sichtigt werden kann. 

cf. Endoskop. 

Aesthesiodermien (>} aToOijnis Empfindung t<) Mepa 
Haut) i. q. Aesthesionosen oder Neurodermatosen. 

Aesthesiometer (ro fthgor Mass) dem Tasterzirkel 
analoges Instrument zur Ermittlung der geringsten Distanz, bei 
welcher zwei von einander entfernte Tasteindrücke noch als ge- 
trennt zur Empfindimg kommen, woraus Schlüsse auf die Tast- 
empfindlichkeit gezogen werden. 

cf. Therm- u. Barästhesiometer. 

Aesthesioneurosis — Sensibilitätsneurose. 



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10 Aesthesionosen 

Aesthesionosen (// »«W die Krankheit» |Arsi»rrz] 
die Erkrankungen des Tastsinnes der Haut, 
cf. Hyperaesthesie, Anaesthesie, Paraesthesie. 

Aetiologie (tj airia Ursache, 6 /.»Vo,- Lehre) die Lehre 
von den Krankheitsursachen, 
cf. Pathogenese. 

Agalaktie (l priv. U. ro yä/.a, ydi.uxroc Milch) der 
vollständige Mangel der M i Ich a b so n d e r u n g bei Wöch- 
nerinnen. 

Agenesie (a priv. u. t) yh-foi* v. ylyvouai) unterbliel>ene 
embryonale Bildung von Organen oder Körperteilen. 

cf. Aplasie, Atresie, Hypoplasie, Monstra per defectum. 

Agensis, Ageusie (\ priv, t) yrvo^ Geschmack) 
s. Anacstlicsia gustatoria Verlust des Geschmacks, d. h. 
der Unterscheidung von bitter und süss, salzig und sauer, während 
die Nichtempfindung des Aroma der S|>eise der Anosinie auge- 
hört. Die An. gustatoria hat ihre Ursache in peripherischen oder 
Leitungsanästhesien der Geschmaeksnerven (Trigemin. , Glosso- 
pharyng., Chorda tymp., Teile des Facialis) oder in einer Läsion 
des Geschmackszentrums (Gyrus uncinatus?). 

Agglutination (adglutinan: anleimen, (fluten Leim) 
das Ankleben, Methode zur Entfernung von Fremdkörpern 
aus dem Ohr und anderen Organen. 

Aggravation (aggravare v. gravis) schwerer machen, 
verschlimmern) U e b e r t r e i b u n g , insl>csondcre ophthahnolo- 
gisch gebraucht von dem Vortäuschen eines höheren Grades von 
bestehender Sehwachsichtigkcit. 

Agnat hie (<l priv., t) yraftot Kinnbacken) angel>orener 
Mangel des Unterkiefers; derselbe beruht auf einem fötalen 
Defekt der Unterkieferfortsätze des ersten Kiemenbogens, womit 
auch gewöhnlich eine mangelhafte Entwicklung der Oberkiefer- 
und Gaumenforteätze und des Keilbeins verbunden ist. Die 
beiden Sehläfenl>cinc sind so nahe nach der Mittellinie zu gerückt, 
dass sie sich gegenseitig berühreu, weshalb auch die äusseren Ohr- 
gänge und Ohren ganz nahe aneinander zu stehen kommen 
<Sy not ic). 

cf. Monstrum. 

Agonie ('/ dyotvia Angst , 6 ayd>v Kampf V. vgl. 
lat. agonia Opfertier) der Todeskampf. 

Agoraphobie (v dyood Marktplatz, <> (fdßos Furcht) 

die Platzangst, eine besondere Art der Sch windelaugst (Aura 
vertiginosa — s. d.), welche durch das Betreten oder blosse Sehen 
von freien Plätzen hervorgerufen wird, ein Symptom, das nicht 
selten bei neuropathischen Individuen ohne sonstige Krankheitser- 
scheinungen vorkommt, gewöhnlich aber mit anderen neurastheni- 
schen Symptomen verbunden ist. 



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Akanthosis 11 

Agraiiimatisiiius (o priv., rö yoäufta Buchstabe, v. 
yoa(püi schreiben) das Unvermögen, die Wörter grammatisch 
richtig zu formen, eine Art der Aphasie. 

et'. Akataphasie. 

Agrapliia (« priv., yod< f <» schreiben) Verlust der Fähig- 
keit, Worte niederzuschreien, l>ei sonst erhaltenen Geisteskräften 
und ohne Vorhandensein mechanischer Hindernisse. 

A. literalis, absolute A., wobei der Kranke nicht einmal 
mehr einzelne Buchstaben sehreiben kann. 

A. verbalis wobei der Kranke zwar Buchstabenreihen fertig 
bringt, die aber keinen Sinn haben. 

Sie ist, wie die Aphasie, entweder auch eine ataktische 
^die Kranken hal>en die Technik des Schreilicns verlernt), oder 
eine amnestische (die Vorstellung des Schriftbildes ist nicht 
mehr vorhanden). 

cf. Paragraphie. 

Agrypnia auch Insomnie, Pervigiliuin { v/o-wog schlaf- 
los [Hippokrates] von ayotto = aioito nehme, raube und 
o Pnvos der Schlaf) die Schlaflosigkeit. Symptom eines 
cerebralen Reizungszustandes, häufig als A. senilis. 

Aidoiomanie («/VWoc verschämt, ta alöoTa die Ge- 
schlechtsteile, »/ //«im Rasen) Wollusttrieb, ein krankhafter 
Trieb, eine Monomanie. 

Ainhnm eine der afrikanischen Rasse (neuerdings auch 
einmal in Oanada beobachtete) eigentümliche Krankheit, welche 
in kartoff eiförmiger Verdickung und allmählicher vollständiger 
Abschnürimg und Abstossung der kleinen oder vierten Zehe hinter 
der verdickten Stelle besteht. 

cf. Daktylolysis. 

Akantliia leetnlaria /. q. Ctmex lectularis. 

Akantholysis (<> uxav&os Stachel, Dorn, Distel, 
y kvai; Losung) s. Anakant liosis vd. Akanthosis. 

Akanthom alveoläres [Auspitz] Bezeichnung für die 
verschiedenen Formen des Hautkrebses. 

Akanthopelys (peluis, pelvis Becken) das Stachel- 
becken, gebildet durch scharfe Kanten imd Spitzen, welche am 
Pecten pubis, Promontorium, an der Artieulatio sacro-iliaca oder 
an den foramina ovalia hervorstehen. 

Akanthosis [ Auspitz j eine Epidennidosc, die in einer 
Wachstuinsanomalic der Stachelschicht der Oberhaut besteht. 

Die verschiedenen Formen sind: 

Hyperakanthosis abnorme Wucherung der Stachelschicht; 
Typus: Warze und Kondylom. 



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12 Akanthosis 

Akantholysis Atrophie der Stachelschieht; Typus: Pem- 
phigus. 

Parakanthosis paratypisches Wachstum der Stachelschicht; 
Typus: die „alveolären Akanthome", der Hautkrebs. 

Akataphasle (« priv. u. xarayants Bejahung, von 
xanuitjfti bejahen) das Unvermögen, die Wörter syntaktisch im 
Satze zu ordnen, eine Form der Aphasie. 

cf. Agrammatismutt. 

AUe*tom (axeauona, «xfororo, axeank heilbar, tixtouat 
heilen) das aus jungen Zellen bestehende flcischwärzehenähnliche 
(geschwulstähnliche) Granulationsgewebe, junge Narbengewebe, 
woraus sich die spätere Narlie bildet. Hypertrophische Können : 
das „wilde Fleisch", Caro luxurians (s. d.). 

Akiclopeirastik (// axiq Spitze, Nadel; .Tfio«J>>, .-tfiquo) 
versuchen) die von Middeldorf empfohlene Acupunktur 
der Herzspitze bei zweifelhaftem Tode; — auch das „Har- 
puniren" tieferer Teile zu diagnostischen Zwecken. 

Akinesis (« priv. u. jJ xh rjotg Bewegung v. xiviw) Un- 
beweglichkeit i. e. Lähmung, 
cf. Paralyse, Hyperkinese. 

Akinesia aljrera (fdyrjgog schmerzvoll) [Möbius] eine 
funktionelle bei erblich belasteten und Neu rast heni kern und 
Hysterischen beobachtete Erkrankung, die in einer Bewegungs- 
losigkeit infolge von unerklärlichen Schmerzen bei 
Bewegungen besteht. 

Akim*£ie {eigentlich axiborgyla, t) äxk Spitze, ygy<o 
thun) derjenige Teil der Chirurgie, der die vulnerireiiden 0]>e- 
rationen umfasst (welche mit stechenden und schneidenden Instru- 
menten ausgeführt werden). 

cf. Chirurgie, Desmurgie. 

Akme {fj axtn) Spitze) Höhepunkt einer Krankheit, 
Stadium aemes. 

cf. Stadium, Fastigium. 

Akne (verk. v. r\ axtu) Spitze, Blüthe, ? ny^n Spreu) 
Entzündung der gemeinschaftlichen Haar- und Talgfollikcl und 
ihrer Umgebung (F o 1 1 i c u 1 i t i s). 

Akne disseminata (seinen) einzelnstehende rote, hirsekorn- 
bis bohnengrosse konische Erhabenheiten auf der Haut des Ge- 
sichts, der Brust und des Rückens jugendlicher Individuen, ent- 
weder mit Komedonen, oder örtlichen Hautreizen, oder allgemeinen 
inneren Ursachen zusammenhängend. 

A. (diss.) vulgaris der gewöhnliche, stets mit Komedonen 
zusammenhängende Finnenausschlag, entweder in Form zer- 
streuter kleiner roter Knötchen (A. punctata), oder grösserer 



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Akorie 



13 



Knoten, die entweder eitern (A. pustulosa), oder, so lange die« 
nicht der Fall ist, als härtere Protuberanzen erscheinen (A. in- 
d u r a t a). 

A. varioloif onni s, A. frontalis [Hebra] tritt auf in 
Form mehr flacher, hanfkorngrosser Knötchen, oder sofort als 
Pusteln, ohne einen Komedo zu beherbergen. An der Spitze 
trocknet ein flaches, scheibenförmiges Krüstchen ein, welches später 
unter das Niveau des übrigen Knötchens einsinkt und mit einer 
leicht vertieften Narbe heilt. 

Die zwei folgenden Formen kommen ohne Komedonen am 
ganzen Körper vor: 

A. cachecticoru m bei skrofulösen und kachektischen 
Personen. 

cf. Liehen scrofulosorum . 

A. artifi cialis durch äussere Reize (z. B. Teer-Akne etc.) 
am Ort der Einwirkimg, oder durch innere Mittel (Jod-Akne, 



A. syphilitica Syphilid (s. d.) mit akuter Eiterung im 
Follikel in Form zerstreuter spitzer Pustelchen auf kupferfarbiger 
Basis. 

Akne eiliaris (cilium = xrkov Augenlid) vd. Blepharitis. 

Akne mentagra vd. mentagra = Folliculitis barbae, vd. 
Sykosis. 

Akne rosäeea, Gutta rosacea, Kupfer- Gesicht, -Roge, 
ein durch übermässigen Alkoholgenuss bedingtes, oder mit Stö- 
rungen in der weibl. Genitalsphäre, oder mit Krankheiten der Ver- 
dauungsorgane (Pfortader) zusammenhängendes, nur im Gesicht 
vorkommendes Leiden. Der I. Grad besteht in intensiver Rötung 
durch bedeutende Vaskularisirung und Entwicklung von Telan- 
giektasien, auf welcher Basis als häufige Komplikation A. pustu- 
losa und indurata vorhanden ist. Der II. und III. Grad (nur 
bei Potatoren) besteht in Entwicklung verschieden grosser, kuge- 
liger, bindegewebiger Wülste (Rhinophym ata s. d.) auf jener 
Basis, mit deren übermässiger Wucherung schliesslich eine mon- 
ströse Verunstaltung der Nase und anderer Teile der Gesichts- 
haut zu stände kommt. 

Akne sebaeea (sebiim Talg) vd. Seborrhoea sicca. 

Aknitis eine eigenartige, wahrscheinlich auf Infektiou be- 
ruhende, der Akne ähnliche disseminirte allgemeine Hauterkrankung, 
verbunden mit Anaemie, meist zur Vereiterimg der Knötchen und 
Narbenbildung führend [Barthelemy). 

Akorie (fj dxogta v. xoQewvfti sättige) die Unersätt- 
lichkeit, Mangel an Sättigungsgefühl, eine Form von visceraler 
Anästhesie. 

cf. Bulimie. 




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14 



Akormus 



Akormns (d prh\ t « xoo/toc Rumpf) rümpf lose Miß- 
geburt (Acardiacus), nur aus einer rundliehen, mehr oder we- 
niger deutliehe Gesichts- und Sehädelfonneu darstellenden Masse 
mit Insertion der Nabelschnur in der Halsgegend bestehend. 

cf. Acarcliacus, Anideus. 

Akratothermen («-*««roe ungemischt v. xeimrvrfu ; 
tu öcQftd warme Bäder) die Wildbäder, Thermen, die sich 
durch Freisein von mineralischen Bestandteilen, ausserordentliche 
Reinheit und Weichheit des Wassers auszeichnen. 

Akrochordon (r) axooxoQ&otv Saitenwarze v. uxq<k 
äusserst, u. 17 x°e^n Barm, Darmsaite oder Würstchen) 

kleiner, oft lang gestielter, herabhängender (wie am Ende einer 
Saite aufgehängter — ? oder an der Spitze einem Würstchen ähn- 
licher — ?) Polyp der Haut, bes. der Augenlider, 
cf. Akrothyinion, Verruca, PolypuB. 

Akrodynie (ä*Qo$ äusserst, hier auf die Extre- 
mitäten bezüglich, y ddvry Schmerz — „mal des mains et 
des pieds") s. Erythems epidemieum ein i. J. 1828 u. 1829 in 
Paris, später noch anderweitig epidemisch beobachtetes Leiden,, 
das Ähnlichkeit mit der Kriebelkrankheit und mit Pellagra hat. 
Die Krankheit beginnt mit gastrischen Beschwerden, auf welche 
ein an den Extremitäten auftretendes, oft über Rumpf, Gesicht 
und den ganzen Körper sich verbreitendes Erythem folgt, das von 
Ameisenkriechen, Taubheitsgefühl und heftigen Schmerzen in den 
Extremitäten begleitet ist. Die Ursache dieser Affektion ist un- 
bekannt. 

Akromegalie (fieyag gross) wörtlich: Vergrösserung 
der äussersten Enden , eine von P. Marie aufgestellte Krankheit, 
krankhafter Riesenwuchs, ein gewöhnlich im jugendlichen 
und mittleren Alter langsam und schleichend sich entwickelndes 
Leiden, bei welchem die Füsse und Hände grösser, plumper und 
iinförmlieh („tatzenartig") werden, auch die Fuss- und Hand- 
gelenke, sowie die Unterschenkel imd Vorderarme an Umfang zu- 
nehmen. Bald gesellen sich dazu noch Veränderungen des Ge- 
sichts, wie Vergrösserung der Nase, der Lippen und der Zunge. 
Vortreten des Unterkiefers, wobei das Gesicht eine längsovale Form 
annimmt. Die Ätiologie des Leidens ist bis jetzt völlig dunkel. 
Anatomisch fand man bisher: Hyperplasie des Gehirns und vieler 
Nerven, namentlich auch des Sympathicus, konstante Hyperplasie 
der Hypophysis, gewisse Veränderungen der Thyreoidea, Persistenz 
imd Hyj)erplasie der Thymus [Erb]. 

Akromikrie (^ixgck klein) von Stembo vorgeschlagene 
Bezeichnung für eine der Sklerodaktylie ähnliche Affektion, bei 
welcher im Anschluss an Geschwürsbildimg eine Verkürzung der 
Hände und Füsse eintritt. 



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Albinismus 15 

Akroparaesthetrie [Fr.Schx'LTZeJ Bezeichnung für einen 
Symptomenkomplex, der durch schmerzhafte Parästhesien in 
den Händen und Fingern, seltener in den Füssen charak- 
terisirt ist, die hauptsächlich des Nachts und des Morgens (vor- 
wiegend bei Frauen nach dem 30. Lebensjahre) auftreten und mit 
einem Gefühl von Steifigkeit einhergehen. Die Ursache des Lei- 
dens ist dunkel. Es handelt sich entweder um eine vasomotorische 
Neurose [Nothnagel] oder um eine Neuritis. 

Akrothymion (das Wort ist ebenso gebildet, wie 
Akrochordon, und die einfachste Erklärung beider 
Benennungen ist wohl die, dass man die eine Neu- 
bildung wegen ihrer Verzweigung an der Spitze [äxga] 
einem Taxusbaum [t6 üvfuov] verglich, während die 
andere rundlich endigt, wie ein Würstchen; ßvftiov = 
ouT/mS = cunila bei Harpocration : Feigwarze) vd. Papillom. 

Aktiii omyces (fj äxrts, Tvog Strahl, 6 frixyg Pilz) der 
Strahlenpilz, ein von Bollinger entdeckter von Harz be- 
nannter am Vorder- u. Hinterkiefer des Rindes auftretender Pilz, 
charakterisirt durch die strahlenförmige Anordnimg der gabiig 
verzweigten , keulenartig angeschwollenen Fäden, die von einem 
Mittelpunkte ausgehen. Der Pilz ist die Ursache der: 

Aktinomykosis eine zuerst beim Rinde entdeckte, am 
Kiefer in Form einer als Osteosarkom gedeuteten Geschwulst auf- 
tretende Krankheit, die von Israel, Johne u. Ponfick auch beim 
Menschen nachgewiesen ist. Sie verursacht wie beim Rinde Schwel- 
lung der Kiefergegend und ausgedehnte phlegmonöse Eiterung 
mit metastatischen Abszessen in verschiedenen Organen (Lunge), 
schleichender Pleuritis oder Peripleuritis u. chronischer Peritonitis 
u. allgemeinem Marasmus. Die Infektion überträgt sich wahr- 
scheinlich nicht vom Thier auf Mensch, sondern es ist eine ge- 
meinsame Infektionsquelle durch verschiedene Pflanzen, auf denen 
der Pilz vorkommt, anzunehmen. 

Alalia (d priv. y y XaXul Reden v. XaXsTr) das gänz- 
liche Unvermögen, artikulirte Laute zu bilden. Syn. von Aphasie 
(s. d.). 

cf. Dyslalie, Mogüalie, Paralalie. 

Albinismud (v. albus weiss) eine angeborene oder 
erworbene Pigmentatrophie der Haut. 

I. A. congenitus s. Leukopathia congenita, Leukoderma; 

zu unterscheiden : 

a) A. partialis angeborene Pigmentlosigkeit einzelner Teile 
der Haut in Form weisser, unregelmässig begrenzter Flecke 
erscheinend. Besonders charakteristisch sind die Farben Ver- 
änderungen der Haare (häufig bei Negern beobachtet, El- 
sterneger). Die Haare sind weiss und sitzen entweder auf 



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IG 



Albinismus 



pigmentieren oder normal pigmenti rten Hautstellen auf (Po- 
liosis circumscripta). 

b) A. universalis s. Leukopathia universalis vollkommene 
Pigmentlosigkeit der Haut, der Zustand der Albinos oder 
Kakkerlaken (Dondos, Leukacthiopes). Die Pigment- 
losigkeit erstreckt sich ausser auf Haut und Haare, auf die 
Chorioidea und Iris, wodurch die Pupillen infolge des 
Durchscheinens der Blutgefässe rot erscheinen. Zugleich 
l>esteht undeutliches Sehen (Nachtmenschen) und in höheren 
Graden Nystagmus. 

II. A. aequisitus s. Leukopathia acquisita i. qu. Vitiligo. 

Albuminimeter {Albuinen Ei weiss, ro fthgov Mass) 
graduirter unten geschlossener hohler Glaszylinder (nach Esbach) 
zur quantitativen Bestimmung des Eiweissgchaltes im Harn. letz- 
terer wird mit einer Iwstimmten Lösung von Pikrinsäure und Zi- 
tronensäure in einem an der Skala des A. angegebenen Mengen- 
verhältnis versetzt , und die Menge des ausgefallenen Ei weisses 
nach 24 Stunden an der Skala abgelesen. 

Albuminurie (ro ovgov Urin) Eiwei ssharnen, Über- 
tritt von Ei weiss des Blutserums in den Harn, entweder infolge 
abnormer Steigerung des Blutdruckes in den Nieren, oder infolge 
veränderter Beschaffenheit oder Innervation der Gefäss Wandungen 
(transitorisch z. B. während des epileptischen und eklamptischen 
Anfalls), am h<X'hgradigsten bei den parenchymatösen Nieren- 
entzündungen. Von Leube sind vorübergehende oder chronische 
Albuminurien bei gesunden Individuen beobachtet worden. 

et'. Nephritis, Hydrops. 

AI I) u in on u rie Ausscheidung von Albumosen im Harne, 
soll bei Erkrankungen, die mit Eiterungen, Rückbildung und Zer- 
fall von Geweben verbunden sind, vorkommen. 

cf. Peptonurie. 

Alexie (d priv., f\ ?J&s v. Xfyto sammeln, lesen) Ver- 
lust des Verständnisses für Schriftzeichen, der Aphasie analog, 
cf. Paralexie. 

Alexipliarmakon (/; äXeSis Abwehr, ™ (fdg/naxor 
Arzneimittel) i. q. Antidot. 

Algesie, Algie (ro älyog Schmerz) Hyperästhesie, in- 
soweit sie die Schinerzempfindung betrifft; selten statt Neuralgie, 
cf. Analgesie. 

Algesinieter, ein von Björnström angegebenes Instru- 
ment zur Prüfung der Schmerzempfindung. Durch das von dem- 
selben Autor erfundene Algeaichronometer wird die Lei- 
tung der Schmerzeindrücke, unabhängig von dem Tasteindruck, 
in ihrer Zeitdauer gemessen. 



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Allotriophagie 17 

Algola £iiie (f/ layvsla Ausschweifung in scxu) { v. Schrenck- 
Notzing] eine sexuelle Perversität, bei der zugefügte oder erlittene 
Schmerzen eine Rolle spielen. — Sadismus u. Masochismus. 

Algor (lat. v. algeö) Kälte, z. B. A. mortis. 

A. progressivus i. q. Sklerema neonatorum. 

Algosig, Erkrankuug verursacht, durch Algen. A. faucium 
leptothricia i. q. Mykosis tonsillaris benigna (vd. Leptothrix). 

Alienatio mentis i. q. Psychosis. 

Alkaptonurie (Alkali, xanroa begierig verschlucken) 

Ausscheidung von Alkapton im Harne, eines von Bödeker ent- 
deckten chemischen Körpers, ohne pathologische Bedeutung. 

Alkoholismus (vom Arab. Kohol mit dem Artikel 
<il: das sehr Feine, gew. in der Bedeutung: der ge- 
reinigte feine Weingeist) Alkoholintoxikation. 

A. acutus — levior die Trunkenheit, und gravior die 

akiute lebensgefährliche Alkoholvergiftung. 

A. chronicus zerfällt in das Delirium tremens (s. d.) 
und die Alkoholdyskrasie , den eigentl. chron. A., in den ver- 
schiedenartigen Symptomen einer allgem. Erkrankung des Nerven- 
systems, sowohl seiner psychischen, als seiner somatischen Sphäre, 
in fettigen Degenerationen der Organe, Sehstörungen (Äm- 
blyopia alcoholica s. d.), gastrischen Störungen etc. bestehend. 

cf. Crapula, Dipsomanie, Tremor. 

Allantiasis (6 ä)läg, uvrog Wurst) i. q. Botulismus. 

Allocheirie s. Allochirie (alXo? anderer, fj x^'J 
Hand) eine von Obersteiner beschriebene Sensibilitätsstörung, 
welche darin besteht, dass die Empfindung eines Reizes, statt in 
die gereizte, in die kontralaterale Extremität verlegt wird. 

Allorhythmia (6 ov&ftos Rhythmus) pathologische 
Veränderung des Rhythmus der Herzbewegungen. 

Allotriogensie (dUorgioc fremd, »/ yevois Geschmack) 
Geschmackstäuschung, entweder in Verwechslung der Ge- 
schmacksempfindungen, oder in Geschmackshall uz inationen, 
ohne Vorhandensein von Geschmacksobjekten, bestehend. Sie kam» 
bei Neurosen auftreten, gewöhnlich aber wird sie durch krank- 
hafte Zustände der Mundhöhle und chemische Veränderung ihrer 
Sekrete bedingt [ZH]. 

cf. Ageusie, Kakosmie. 

Allotriophagie (cfayelr essen) das Essen ungeniessbarer 
Dinge; ausserdem einer der vielen Namen, unter denen die Geo- 
phagie oder Anchylostomenkrankheit (s. d.) beschrieben worden ist. 
cf. Malacia, Picae, Skatophagie. 
Roth 's KliniPcho Terminologie, i. Aufl. 9 



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18 Alopecia 

Alopecia (»} axw.Tfxm Fuchsräude, v. 17 aXiox*)* Fuchs) 
lückenhafterHaar wuchs. Michelpon in ZH. unterscheidet 
folgende Formen: 

1. A. t-ona*enira Depilatio congenita, Oligotrichia, 
Atrichia, Calvities» adnata, entweder die gesainte Haut 
betreffend (A. universalis eongeu.) oder auf einzelne 
Herde beschränkt (A. localis s. areata congen.). Patho- 
genese nicht bekannt. 

2. Ä. synptomatiea Ausfallen der Haare durch ortliche Ur- 
sachen und an begrenzten Hautstellen. 

3. A. senilis u. praesenilis, durch Abnahme der Zirkulation 
in den Hautgefassen bedingt. 

4. A. pityrodes charakterisirt durch eine fortschreitende Al>- 
nahme des Längs-, später des Dickenwachstums der Haare, 
verbunden mit einer ausgebreiteten Pityriasis <s. d.). Man 
unterscheidet eine A. pityrodes capillitii u. universalis. 

5. A. Simplex Haarschwund ohne gesteigerte Abschilferung 
der Epidermis u. vermehrte Sekretion von qualitativ verän- 
dertem Sebum. 

6. A. areata, Area Celsi, A. circumscripta, aecidentalis, 
Porrigo s. Tinea decalvans, Teigne- Belade, Pelade(frz.) 
Haarausfall an zirkumskripten, scharfbegrenzten Hautstellen 
ohne nachweisbare anatomische Veränderungen der Haare. 
Zu unterscheiden eine benigne, wieder heilende und eine 
maligne, fortschreitende Form. Während wohl ein Teil 
flieser Affektionen durch Parasiten bedingt ist (Trichomy- 
kosis circinata, Mikrosporon Audouini), ist die überwiegende 
Mehrzahl auf eine Störung der Innervation zurückzuführen. 

7. A. neurotiea durch Haarausfall im Verbreitungsbezirk ein- 
zelner Hautnerven bedingt, Folge von peripherischen oder 
zentralen Nervenaffektionen. 

Eine Teilerscheinung der Syphilis ist die 

8. A. syphilitica der im Verlauf der Syphilis dauernd oder 
vorübergehend sich einstellende ausgedehntere Haarverlust, 
der ebenfalls mit einer Seborrhoe und Schuppenbildung im 
Zusammenhang steht, abgesehen jedoch von der durch sy- 
philitische Ausschläge und Geschwüre bewirkten Verödung 
der Haarfollikel. 

cf. Calvities, Deflavium capillor. 

Alterantia (sc. remedia, alterare ändern) die Konsti- 
tution ändernde, umstimmende Mittel, von denen man annahm, 
dass sie von besonderem Einfluss auf die Mischung der Säfte 
seien. 

cf. AntidyskraticA. 

AltroiBiims (alter) psychiatrische Bezeichnung für die 
einzelnen Geisteskrankheiten eigene krankhafte Fürsorge und Be- 
sorgtheit für Andere. 



I 

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Amaurosis 19 

Aluminoais pnlmonnm (Alumina hydrica, alumen 
[cUum] Alaun, Aluminium-Oxyd, Alaun- oder Thonerde) 

vd. Pneumonokoniosis. 

Alveolarektasie (alvus [alo] Bauch, alveus Dem.: 
alveolu8 Mulde, Höhlung, ixteivw ausspannen) Erweiterung 
der Alveolen sc. der Lungen, i. q. Emphysem. 

Amara sc. remedia bitterstoffige Arzneimittel. 

Amastla (d priv. 6 /moroV weibliche Brust) ein- oder 
doppelseitiger Mangel der Brustdrüse, angeboren, verbunden 
£j mit gleichzeitigem teilweisem Mangel der Brustmuskeln u. Rippen, 
cf. Amazia, Polymastie, Polythelie. 

Amaurosis (gr. H. v. fiavp6a> oder mit d protheticum 
m äfitavQÖü) verdunkeln) wahrscheinlicher ist die Herkunft von 
w Wurzel /tag glänzen und d priv. also ä-ftavgog nicht glänzend), 
9~ s. Gutta Serena der schwarze Star, totale Aufhebung der 
_ Funktion des Sehnerven (in chron. Fällen: Sehnervenatrophie). 
^ cf. Cataracta nigra, Amblyopia, Retinitis, Neuritis optica. 

A. ex haetnorrhagia eine unheilbare, eigentümliche und un- 
erklärte, jedenfalls nicht nur von der Anämie abhängige Form 
von plötzlich auftretender Blindheit nach (hauptsächl. Magen-) 
Blutungen. 

A. hysterfea A. als vorübergehende hysterische Affektion 
ohne pathol.-anatom. Veränderungen. 

A. interinittens typische A. als Komplikation der Febr. 
interm. oder statt des Fiebers als Interm. larvata. 

A. partialis fugax, Hemianopsia tempuralis, Teiehopsie 
Flimmerskotom, anfallsweise auftretende, meist mit anderen 
nervösen Störungen, bes. Hemikranie, verbundene, Minuten bis 
Stunden dauernde Sehstörung;, darin bestehend, dass peripherische 
Teile des Gesichtsfeldes in der Nähe des Fixationspunktes durch 
ausgedehnte, meist einseitige Skotome eingenommen werden, 
welche zittern oder sich langsam weiter bewegen. 

A. progressiva ist fortschreitende Atrophie der intraokulären 
Sehnervenendigungen , welche unter anfänglicher Gesichtsfeld- 
beschränkung zu allmählicher Erblindung führt. 

A. refleetoria Rcflex-A., z. B. bei Trigeminusreizung durch 
Zahn- und andere Krankheiten, Wurmreiz etc. 

A. saturnina scheint durch direkte Einwirkung des Bleies auf 
die Nervensubstanz des Optikus, in manchen Fällen durch davon 
herrührende Neuritis optica bedingt oder Teilerschcinung der 
Encephalopathia saturnina zu sein. 

cf. Nephritis interstitialis, 

A. uraemica plötzlich auftretende, in der Regel aber nach 
kurzer Zeit vorübergehende A. im Gefolge der akuten Urämie 
durch Affektion der Zentralorgane des Sehnerven bedingt (zentrale 
Amaurose). 

2* 



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20 



Amazia 



Ama/ia (d pr., o uruös Brustwarze) s. Dcfcetus mam- 
anarum, i. q. Amastia. 

Amblyopia (gr. H. v. a///?Ärc stumpf, 1) <»ij>, (b*6g t 
das Auge [selten]) undeutliches Sehen infolge von Funktions- 
störung des lichtempfindenden Apparates, Stumpf sichtigkeit. 

cf. Amaurose, Hemeralopie. 

A. ex anopsia (a pr. y >) öyn? das Sehen) A. aus Nicht- 
gebrauch, infolge lange fortdauernder willkürlicher (z. ß. Strabis- 
mus monolatcralis) oder passiver X T nthätigkcit (Schhindemisse). 

A. alcoholica s. potatoruin s. crapulosa (crapula, xQaixaky 
Rausch) Abstumpfung des zentralen Sehvermögens, oft mit 
Farbenblindheit, infolge Alkoholwirkung auf den Sehnerv, die mit 
der Zeit zu dessen Atrophie (atrophischer Verfärbung der Pa- 
pille) führt. 

Auch eine Tabaks -A., Chinin-A. etc. kommt vor, alle 
diese unter dem Namen Intoxikationsanibl yopien. 

A. hysterica ein leichterer Grad der hysterischen Schstörung, 
cf. Amaurosis hyst. 

A. criiciata, gekreuzte A. stets durch eine Gehirnläsion 
"bedingt, wobei auf dem der Läsion entgegengesetzten Auge eine 
Verdunkelung mit Einengung des Gesichtsfeldes besteht. 

Ambustio s. Coinbustio, Dermatitis ambustionis (ambüro, 
us8t ustum verbrennen, amb = äpqn) Verbrennung — so- 
wohl der Akt als die Folgen derselben, welche im allgemeinen als 
Shock, örtlich als verschiedengradige Hautentzüudung auftreten. 
Am zweckmässigsten erscheint die folgende Gradeinteilung:* 

1. Erythem -Bildung, Dermatitis ambustionis erythematosa; 

2. Blasen -Bildimg, D. a. bullosa; 

3. mehr weniger tiefe E sc hara- Bildung, D. a. escharotica; 

4. vollständige Verkohlung. 
cf. Congelatio. 

Amelns (d pr., xb ftüog Glied) angeborener Mangel sämt- 
licher Extremitäten (lebensfähig), 
cf. Peromelus. 

Amenonianie (franz. aus amoenus heiter u. Manie) 

Monomanie mit einem Delirium von mehr freudigem Charakter, 
cf. Lypemanie. 

Amenorrhoe (d priv., 6 fit ]V Monat, gorj Fluss, qbco 
fli essen) das gänzliche Fehlen der Menstruation , wohl 
zu unterscheiden von dem als A. obstructive bezeichneten Fehlen 
der Menses durch Retention (bei Atresie u. s. w.). Man spricht 
von einer primären oder permanenten A. auch Emansio 
mensium genannt, bei welcher die Regel überhaupt nie erscheint, 
und von einer sekundären, transitorischen oder acciden- 
t eilen A., Suppressio mensium, meist im Zusammenhang mit 
Anämie. 

cf. Menstruatio vicaria, Ikterus menstrualis, Suppressio mens. 



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Amöboid 



21 



Amentia (lat.) die Verwirrtheit. 

Ametropie (o priv., ro /uhgov Mass y <oy> Sehen) 
derjenige Zustand des Auges, bei welchem der natürliche Brenn- 
punkt des dioptrischen Apparates (im Gegensatz zur Enimetropic) 
so viel von der Stabschichte der Retina abweicht, dass entfernte 
Objekte bei Akkommodationsruhe nur in undeutlichen Zerstreuungs- 
bildem gesehen werden. Formen der A. sind Myopie, die eigentl. 
Hypermetropie und Presbyopie. 

cf. Astigmatismus, Anisometropie. 

Amimie (d priv., ftiumftai nachahmen, 6 /uttog Schau- 
spieler) Verlust der Fähigkeit, sich durch richtige Mienen und 
Gebärden auszudrücken, ein der Aphasie analoger Zustand. 

cf. Asemie. 

Amnioniäniie (v. Ammonium Gummiharz, aus einem 
Baume in der Amnions Oase träufelnd [Celstjs], aun<o- 
vciovj äfiitoiviaxov [Galen-Dioscor], Salz aus der Oase des 
Zeus Hammon, rd aifia Blut) die Überladung des Blutes mit 
kohlensaurem Ammoniak als Zersetzungsprodukt des Harnstoffs 
bei Nierenkrankheiten und Harnstauung. Nach Frerichs u. a. 
soll diese Zersetzung im Blute selbst zu stände kommen und die 
Ursache der Urämie bilden. Nach Treitz kommt die Ammoniämie 
durch übermässige Zersetzung des Harnstoffs zu kohlensaurem 
Ammoniak an der Schleimhaut des Magendarmtraktus oder durch 
direkte Resorption ammoniakalischen Urins zu stände. Ammo- 
niämie und Urämie wurden von den einen Autoren zusammen- 
geworfen, von den anderen streng getrennt. 

cf. Urämie, Pyelitis, Hydrothionämie. 

Amnesie (d priv., i) fivfjaic; Erinnerung) Verlust des 
Gedächtnisses (fast stets nur teilweise), 
cf. Logopathie. 

Amniotom (t6 duvlov Schaf haut, to/i St. von reuvuy 
schneiden) ein Instrument zum Eröffnen der Eihäute (zur 
künstlichen Blasensprengung), angegeben von Wexck. 

Amoeba coli (die Amöbe ,äuotß6$ abwechselnd v. üfietßa> 
wechsle, ist eines der im Wasser lebenden, auch 
im menschlichen Dickdarm gefundenen niedersten 
Protozoen, aus kernhaltigem Protoplasma ohne Mem- 
bran bestehend und einen beständigen Formwechsel 
zeigend) eine bei Dysenterie im Dann und in Leberabszessen ge- 
fundene A. 

Amöboid (tidto ähnlich sein) „der Amöbe ähnlich 44 nennt 
man einfache Zellen (Leukocyten, Eiterzellen), welche im leben- 
den Zustande ihre Gestalt wechseln und dadurch sich aktiv fort- 



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22 Amorphus 

bewegen, durch Membranen, in die Gewebe und selbst in andere 
Zellen hinein wandern können (Wände rzellen). 
cf. Inflammatio ioterstitialis. 

Amorph (a priv., ij /«wv Gestalt) i. q. Anideus. 

Ainotio (H. v. amovire wegschaffen) retinae i. q. Sub- 
latio retinae. 

AmphoriMcli (6 ußiipogevs Krug, G-efäss mit zwei 
Henkeln, so dass es auf beiden Seiten getragen wer- 
den kann, v. äfi<fi und qsQto) nennt man eiu bei der Auskul- 
tation hörbares Atmungsgeräusch, welches durch mehrfaches Re- 
flektiren der Schallwellen in glattwandigen grossen Hohlräumen 
entsteht, ähnlich wie in einem Gewölbe oder leeren Kruge her- 
vorgebrachte Töne oder Geräusche. 

cf. Timbre m&allique, Resonatio. 

Amputatio {ampüto rings herum abschneiden, pu- 
tare beschneiden verw. m. purus rein) Abtrennung oder Ab- 
setzung von Körperteilen, namentlich von Gliedern. 

Im engeren Sinn versteht man darunter die Abtrennung in 
der Kontinuität, gegenüber der Exartikulation. 

A. spontanea (spontanem freiwillig) embryonale Abschnü- 
rung von Extremitäten durch Nabelschnur oder Eihautbrücken. 

Amnsie (Knoblauch t) d^ovaia Mangel an Bildung, 
besonders an musikalischer Bildung) Störung des musi- 
kalischen Ausdrucksvermögens, eine Form der Aphasie (s. d.). 
Hei der Paramusie t>a»a neben) werden falsche Töne und 
Intervalle hervorgebracht, die Fähigkeit des Singens ist aber er- 
halten. 

Amyelencephalie (vd. Amyelie, 6 syxfyaAtK Gehirn) 
angeborener Mangel von Rückenmark und Gehirn. 

Amyelie (u priv., 6 iufaos Mark) angeborener Mangel 
des Rückenmarks. 

Amygdalitis {*) duvyödb) Mandel) i. q. Tonsillitis. 

Amyloid {Amylum St&rkmehl, gr. r6 ä- f ivXov Sata- 
mehl, das ohne Mühle — pvln — bereitet ist, u. eXboy 
ähnlich sein) nennt man diejenige Entartung (Speck- oder 
Wachsentartung), wobei in die Parenchymzellen gewisser Organe 
(Nieren, lieber, Milz — Sagomilz — , Darmwand), sowie auch in 
ändert», nicht zellige Texturelemente, besonders und am frühesten 
in die (Masshautc, ein Eiweisskörper von homogenem, farblos 
durchMcluMiiendem Aussehen aufgenommen (infiltrirt) wird, der eine 
ähnliche .lodreaktion gibt wie Pflanzenstärke. Die Amyloidentartung 
tritt stets sekundär nach chronischen Eiterungs- und Ulzerations- 
prozessen (Phthise, Caries u. s. w.) auf. 

cl*. Infiltration, Degeneration, Corpora amylacea, Hyalinose. 



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Anämie 



23 



Amylolyge (Amylum vd. amyloid, »J Äro«; Losung) die 
Verdauung der Stärke zu Traubenzucker durch den Speichel. 

Amyosthenie (Boüchut statt Myoasthenie — v. 6 pivi, 
fivos Maus u. Muskel, u. Asthenie — b. d.) Muskel- 
schwäche. 

Amyotrophia, statt Myatroplüa (Atrophia s. d.), Atro- 
phie der Muskeln bei Lähmungen nach akuten Krankheiten, Pa- 
ralysies amyotrophiques [GublerJ, und l>ci einer Erkrankungs- 
form der spinalen Seitensträugo , Nekrose laterale amyotrophique 
[Charcot], vd. LateralskleroHe. 

Anacidität (d priv., acidus sauer) besser I nacidität (s. d.). 

Anadenie (d priv., 6 dA»jv Drüse) Mangel bezw. 
Schwund der Drüsen, gehraucht insbes. als A. ventriculi s. 
Phthisis ventricidi, der vollständige Schwund der Magenschleim- 
haut, ein Zustand der unter dem Bilde der j>erniciöscn Anämie 
verläuft. 

cf. Achylia. 

Anämie (u priv., n) alun) Blutleere — ist entweder 
eine absolute und dann immer nur lokale, oder gewöhnlich eine 
relative, also eine Oligämie oder Blutarmut. Die Anämie ist 
eine sekundäre Erkrankung des Blutes, die sich au Blutverluste 
(durch Ulcus ventriculi u. a. oder durch Parasiten, wie Anchy- 
lostomum duodenale s. d.) oder an erschöpfende Krankheiten, 
bei denen Verdauung und Assimilation darniederliegen (fieber- 
hafte Erkrankungen, Phthise. Krebs etc.) vorübergehend oder 
dauernd anschliesst. Klinisch ist sie charaktcrisirt durch Ver- 
minderung der Zahl der roten Blutkörperchen und dieser parallel 
gehende Abnahme des Hämoglobingehaltes im Gegensatz zur 
echten Chlorose, bei welcher nur der letztere, nicht aber die Blut- 
körperchenzahl herabgesetzt ist [E. Giiaeber]. 

A. progressiva perniciosa (s. essentialis febrilis s. idio- 

pathica nach Addison) solche Fälle von schwerer, wahrschein- 
lich primärer Bluterkrankung, welche regelmässig unter Fieber- 
erscheinungen, ohne ausgesprochenen Marasmus, unaufhaltsam 
dem tödlichen Ausgang zueilen, und bei welchem bisher keine 
Ursache für jene Malignität der Verlauf sweise bekannt ist. — 
In allen obduzirten Fällen war eine fettige Entartung der Or- 
gane, besonders des Herzens, konstant, 
cf. Poikilocytoae, Pseudoleukämie. 

A. spleniea vd. Pseudoleukämie. 

A. tropica die Fonn der A.. welche namentlich bei Euro- 
päern durch die Uebersiedelung in tropische Gegenden als Effekt 
eines Eingeweidewurmes (Anchylostomum duodenale s. d.i, wie 
bei uns die A. der Gotthardtunnelarbeiter, der Ziegelbrenner, Berg- 
werksarbeiter, hervorgerufen wird. 

cf. Chlorosis (tropica). 



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24 



Anaerobier Anaerobiose 



Anaerobier, Anaerobiose (« priv., « dtjo Luft, 6 ßfo; 
lieben) gebraucht von Bakterien, die in sauerstoffhaltiger Um- 
gebung absterben oder doch in ihrer Entwicklung stehen bleiben. 

cf. Aerobier, Bakterien. 

A nästhesie (a priv., alnddvouai) die E m p f i n d u n g s - 
lähmung. Man unterscheidet zunächst eine inkomplete und eine 
koniplete A. (Gefühlsparese und Gefühlsparalyse). 

Je nachdem die funktionelle Störung die sensiblen Nerven 
der Haut, oder der Muskeln, oder der inneren vegetativen Organe, 
oder die spezifischen Sinnesnerven betrifft, unterscheidet man 
kutane, muskuläre, viscerale und scnsuale A. 

Ausserdem unterscheidet man [Erb]: 

totale A., wenn sie sich auf alle Empfindungsqualitäten er- 
streckt, partielle A., wenn nur einzelne Empfindungsqualitäten 
z. B. einzelne Tastempfindungen oder einzelne Gemeingcfühle, ver- 
mindert oder ganz aufgehoben sind. 

Je nach ihren verschiedenen Ursachen (aufgehobene Erreg- 
barkeit der sensibeln Nervenendigungen, aufgehobene Leitungs- 
fähigkeit der sensibeln Nerven und aufgehobene Erregbarkeit der 
Empfindungszentren) ist die Anästhesie eine peripherische, Lei- 
tung*- oder zentrale A. 

A. dolorosa Schinerzempfindung in anästhetischen Teilen, 
durch zentrale Reizungszustäude der betreffenden Nervenfasern 
bedingt, hauptsächlich bei Kompression des Kückenmarks und 
Neurosen vorkommend. 

cf. Analgesie, Hypästhesie, Parästhesie, Hyperästhesie, Ageasie, 
Hypogeusie, Anosmie, Apselaphesie. 

Anästhetiea {sc. remedia) Mittel, welche die (Schmerz-) 
Empfindung aufheben und teils von allgemeiner, teils von Ört- 
licher Wirkimg sind. 

cf. Anodyna, Narkotica (vd. Narkosis). 

Anakrotie (<lvd, 6 xq6to$ Schlag) das Auftreten von 
Elastizitätsschwankimgen im aufsteigenden Schenkel der Pulskurve, 
das sich konstant beim. Venenpulse findet und beim Arterienpuls dann, 
wenn die Systole des linken Ventrikels so lange dauert, dass die 
Wandungen der Arterien während der Diastole in Oszillation ge- 
raten [Landois] bei Hypertrophie und Dilatation des linken 
Ventrikels (Aorteninsuffizienz). 

Anakusie (d priv. dxbvoia, dxovio hören) Aufhören 
der Gehörsempfindung bedingt entweder durch Labyrinth- 
erkrankungen (Labyrinth -Taubheit) Läsionen des Nervenstammes 
(auch bei Tabes beobachtet), Erkrankung der Kerne des N. acus- 
ticus, Läsionen oberhalb derselben oder durch funktionelle 
Störungen (Hysterie). 

cf. Hyperakusis, Dysaknsis; Tinnitus anriuni. 



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Anasarka 25 

Analeptica (sc. remedia; nvab^rixd^ stärkend, v. 
avakaußavto in die Höhe nehmen, wieder zu sich bringen) 

wiederbelebende Mittel, welche besonders klüftig auf die Zentren 
der Atmung*- und Herzthätigkeit einwirken und bei Asphyxie und 
rasch eintretenden Schwäehezuständcn (Kollaps) in Anwendung 
kommen. 

cf. Excitantia, Tonica, Nervina. 

Analgesie (d priv., ro ä).yo$ Schmerz, dvakytjota, dkyeto 
schmerzen) diejenige Form von partieller Anästhesie, bei der 
die Schmerzempfindung aufgehoben ist, während andere Gemein- 
gefühle, sowie die Tastempfindung erhalten sein können. 

Anamnese (nvä-ftvrjoi;, ava-ßtftvi)ox<o sich erinnern) 

die Mitteilungen, welche der Kranke selbst oder dessen Ange- 
hörige über den bisherigen Verlauf der Krankheit und vorausge- 
gangene Zustände machen. 

Anaphalantiasis (»} draffakavTtamc Kahlköpfigkeit 

ava-(p(davTog, cpaloc licht) Syn. von Alopecia. l>csonders für das 
Fehlen oder Ausfallen der Augenbrauen im Gebrauch. 

Anaphrodisia (»/ ä<pgodioia Verliebtsein) Mangel oder 
Herabsetzung sexueller Triel>e und Empfindungen. 

Anaplaatie (dvd, .-rldoo«) bilden) das Aufheilen abge- 
trennter Körperteile (Zehen, Finger) auf ihre alte Stelle. 

Anarthria (« priv,, ro aoOoov Gelenk oder Glied, 
also das ungegliederte Sprechen) oder Dysarthrie, 

Störung der Artikulation d. i. des motorischen Aktes der 
äusseren Sprachwerkzeuge, deren Integrität zu den geordneten 
inneren und äusseren Bewegungen notwendig ist, durch welche 
Laute, Silben und Wörter in die Erscheinung treten. 

A. litcralis s. Psellismus s. BSaesiras (y*eXX6g stammelnd, 
= ßXaiaog, blaesus) das Stammeln, Störung in der literalen Laut- 
bildung. Dieselbe ist entweder eine zentrale (Bulbärparalyse 
etc.), oder eine periphere (Affektion des Hypoglossus, Facialis), 
oder dyslalische <vd. Dyslalie). 

A. syllabaris (ov).-Xa(ißdvo) zusammenfassen, sc. Konsonan- 
ten und Vokale) das Stottern, Haesitatio linguae, eine spastische 
Koordinationsneurose, welche die Aussprache der Silben durch 
krampfhafte Kontraktionen an den Verschlussstellen des voka- 
lischen und konsonantischen Artikulationsrohres besonders beim 
Aussprechen der Explosivlaute (p, b, t, d, k, g) behindert; oder: 
spastische Störung des harmonischen Zusammenwirkens der exspira- 
torischen, vokalischen und konsonantischen Muskelaktionen. 

cf. Aphthongie, Dyslalie, Alalie, Lalopathie, Bradylalie, Angophrasie. 

Anasarka (eig. vfigoty ävä adgxa Waesersucht 
durch die Gewebe hin — wofür die Laien stets die 
allgem. Bezeichnung „Fleisch" gebrauchen — wohl 



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2ü 



Anaspadie 



im Gegensatz zu den Sackwass ersuchten für die 
diffuse Wasseransammlung gebraucht, welche am 
auffallendsten in dem lockeren Unterhautzellgewebe 
erscheint, daher:) Hautwassersucht, Hydrops in- 
tercus (v. inter u. cutis), hydropische Infiltration des Zellge- 
webes, besonders des Unterhautzellgewcbes. 
cf. Hydrops, Gedern. 

Anaspadie i. q. Epispadie. 

Anchlorhydrie und Hypochlorhydrie (d priv., 
vjco unter, t6 vdtog Wasser, also Chlorwasserstoff i. e. 
Salzsäure) vollständiger Mangel bezw. Verminderung 
der Salzsäure im Magensaft. 

cf. Inacidität, Subacidität, Hyperchlorhydrie. 

Anchylose oder Ankylose (v. ayxvk6u> krümmen, 
angulus) cigentl. Winkelstellung, mehr aber im Sinn der meist 
damit verbundenen Verwachsung und Steifigkeit der Gelenke. 
Diese wird unterschieden [nach Pitha u. Billroth] in 

A. intracapsularis Verwachsung der Gelenkenden durch 
Knochen-, Bindegewebe- oder Knorpclmasse. 

A. capsularis durch narbige Schrumpfung der Kapsel. 

A. extra capsularis durch narbige Stränge in den an der 
Aussenseite der Kapsel gelegeneu Teilen. 

A. muscularis durch Muskelkontrakturen. 

Dann hat das Wort durch Übertragung die Bedeutimg Ver- 
wachsung überhaupt erhalten, so in den Zusammensetzungen 
Ankyloblcpharon, Ankylochiiie etc. 

Anchylostomum (s. Ankylostomuin) duodenale 

{ayxvXog gebogen, krumm, t6 oio/m Mund, wahrschein- 
lich so benannt, weil das schräg abgestumpfte Kopfende 
mit der Mundglocke nach der Bückenfläche hin gebogen 
ist) ein in tropischen und subtropischen (Ägypten, Brasilien) 
Ländern imd in Italien vorkommender, im Duodenum imd Jejunum 
des Menschen lebender, (i — 18 mm lauger, ziemlich dicker Rund- 
wurm mit einem Saugapparat, womit er nach Art der Blutegel 
Blut saugt und die Ursache der Chlor osis tropica oder 
Geophagic (s. d.) abgibt. In neuerer Zeit wurde der Parasit als 
Ursache schwerer Anämie entdeckt bei den Gotthaidtunnel- 
arbeitern, bei Ziegelarbeitern [Leichtexstern], bei Bergwerks- 
arbeitern [Masius und Francotte]. 

Syn. Dochini us s. Strongylus duodenale. 

cf. Helminthiasis. 

Androgynie (6 ärdgo-ywos männlich u. weiblich zu- 
gleich v. dvtjg u. yvvt)) eine Form von partiellem Pseudoherm- 
aphroditismus, bei welcher die äusseren Genitalien männlich (es be- 
steht Monorchidie oder Kryptorchidie und rudimentäre Entwickelung 



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Aneurysma 



27 



des Penis) sind, jedoch bei starker Entwickclung der Brüste durch 
die mediane Furchung des Scrotum Schamlippen vorgetäuscht 
werden. 

cf. Hermaphroditismus. 

Anelekt rot onus (ava hinauf, i. e. stromaufwärts 

und Elektrotonus s. d.). 

Anencephalim (a priv., 6 iy-xfrpakog Gehirn) Missge- 
burt ohne Gehirn (infolge allmählicher Vermehrung der in einer 
.gewissen Fötalperiode in den Gehirnblasen befindlichen Flüssig- 
keit, während gleichzeitig Hydramnion zu bestehen pflegt). 

Nur teilweiser Gehirnmangel wurde als Anencephaloid, 
und der Zustand, wobei das Gehirn in einem Tumor neben dem 
Kopfe sich befindet, als Exencephalie bezeichnet. 

cf. Hydrocephalus, Acephalus, Notencephalie, Arhinencephalie. 

Anerythropsie (Goethe — d priv., tovOgos rot, 17 oty<? 
Sehen) s. Daltonismus, Rotblindheit, das Unvermögen, 
rote Farbe, sowie das komplementäre Grün zu unterscheiden. 

cf. Achromatopsie, Daltonismus. 

Aneurysma (gr. H. v. äv-cvgiwo erweitern) partielle 
Erweiterung arterieller Gefässe oder der Herzwand. 

A. verum wahres Aneurysma, das überall noch von 
einer oder mehreren Arterienhäuten gebildet ist. Unwesentlich 
sind die Unterscheidungen nach der Form in A. diffusum, 
cylindricum, f u si forme (spindelförmig) , sowie circuni- 
scriptum und sacci forme. Zwei besondere Formen des 
Aneurysma verum sind: 

A. dissecans (dissecare zerschneiden), welches dadurch zu 
stände kommt, dass der Blutstrom nach Zerstörung der Tunica 
intima die Muskelfasern der Media auseinanderdrängt imd ent- 
weder in den Schichten dieser einen Blutsack bildet oder sie 
durchbricht und die Adventitia aneurysmaartig abhebt. 

A. miliare: höchstens stecknadelkopfgrosses, stets multiples 
A. an den kleinsten Arterien des Gehirns, deren Ruptur konstant 
den spontanen Hirnhämorrhagien zu Grunde liegt. Nach Zenker 
finden sich bei denselben hügelige Verdickungen der Intima und 
die sonstigen Veränderungen, die der Arteriosklerose eigen sind. 

A. spurium (spurius unehelich v. spemo v e r s c h m ä h e n) 
falsches A., die pulsirende Blutbcule, ein mit einer 
Arterie kommunizirendes Hämatom. Je nachdem es durch Ver- 
wundimg der Arterie entstanden oder aus einem wahren A. durch 
allmähliche Usur der A.-Wand hervorgegangen ist, so dass benach- 
barte Organe einen Teil der A.-Wand bilden, nennt man es A. 
8p. traumaticum oder consecuti vum. 

A. arterioso-venosum Kommunikation einer Arterie mit 
einer Vene., entsteht, wenn nach gleichzeitiger Verwundimg beider 
eine gegenseitige Verwachsung ihrer Wundränder eintritt. Weiter 
wird noch unterschieden: 



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28 Angina 

A. varicosum, wenn die Kommunikation durch einen 
zwischen beiden ( Tetassen liegenden lx\sondcren Sack stattfindet, und 

V a r i x anour y s m a t i e u s , wenn sie unmittelbar stattfindet, 
und der Druck des arteriellen Blutes die Vene varikös erweitert. 

A. cirsoideuin (6 xiooog der Blutaderknoten. e?do> gleichen) 
s. Varls arterialis Ranken-A., nicht zu verwechseln mit dem 
Ranken-Angiom, dem es ähnlich sieht. Ks besteht in einer von 
einem echten A., z. B. am Kopfe, ausgehenden, auf das Arterien- 
rohr und seine Seitenäste, sowie die damit anastomosirenden 
Nachbararterien sieh erstreckenden Gefässausdchnung. 

A. cordis aneurysmatisehe Ausbuchtung der Herz wand, 
kommt entweder in akuter Weise bei Endokarditis und Myo- 
karditis durch Einreissen des Endokard oder bei schwieliger 
Myokarditis in chronischer Weise zu stände. — Auch an den 
Herzklappen kommen aneurysmatisehe Säcke von den Ventrikeln 
nach den Vorhöfen zu vor. 

Thoma teilt die Aneurysmen nach der Genese in Dila- 
tation s - und R u p t u r a neur y s m e n und stellt folgende Können auf : 
I. A. congeDitum, in der Fötalperiode oder zur Zeit der Geburt 
entstanden. 

II. A. arterioscleroticum (ox/.rjgo* hart) 

a) per dilatationera : 

1. A. diffusum, 

2. A. fusiforme simplex, 

3. A. fusiforme multiplex, 

4. A. saeeiforme, 

5. A. skenoideum; 

b) per rupturam: 

1. A. dissecans, 

2. A. saeeiforme, 

3. A. varicosum (Einbruch in eine konsekutiv erweiterte Vene). 

III. A. trauinaticum: 

1. A. diffusum, 

2. A. circumscriptum, 

3. A. varicosum, 

4. Varix aneurysraaticus. 

IV. A. embolicum: 

1. simplex, 

2. infectiosum. 

V. A. per arrosionem. 
VI. A. cirsoideum. 

cf. Atherom, Varix, Hämatom, Angiom, Usur, Apoplexie, Ektasie, 
Phlebarteriektasie. 

Angina (lat. H. von uyyj» verengern, einschnüren 

ayxövr) = xvvayyrt] = avvdyxv vd, Synanche) alle mit Erschwe- 
rung des Sehlingens, Kauens und Sprechens verbundenen Er- 
krankungen des Isthmus faucium (Gaumen und Mandeln), also 



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Angina 



29 



nicht mit Pharyngitis zu verwechseln, die allerdings oft gleich- 
zeitig vorhanden ist. 

A eatarrhalis s. superficialis s. erythematosa Gaumen - 
katarrh. 

a) acuta eine sehr häufige, nach Erkältungen, örtlichen 
Reizen etc. und symptomatisch l>ei anderen Erkrankungen vor- 
kommende katarrhalische Entzündung. 

b) chronica (spez. Bezeichnungen: A. elerieorum, canta- 
torum, potatorum) meist mit chronischem Rachenkatarrh kompli- 
zirte Form. 

A. syinptoinatlea als Symptom oder Teilerscheinung anderer 
Krankheiten in verschiedenen Formen auftretende A., z. B. A. 
morbillosa Masern-A. mit ähnlichen Flecken wie auf der 
^ äusseren Haut; A. scarlatinosa, klinisch von der diphtheri- 
Q sehen A. nicht unterschieden, von der bloss katarrhalischen bis 
£p zur gangränösen Form vorkommend; A. variolosa mit Blattern- 
pusteln; A. erysipelatosa bei Erysipel des Gesichtes; A. 
-<J pemphigosa Pemphigus des Gaumens; A. herpetica (vesicu- 
V-H losa) Herpesbläschen des Gaumens, gewöhnlich in Verbindung 
mit Herpes labialis oder facialis, A. aphthosa mit Bildung von 
Aphthen an Pharynx und Tonsillen einhergehend, A. rheu- 
niatica komplizirt mit Rheumatismus der Muskeln oder Gelenke. 

A. phlegmonosa tiefergehendc Entzündung des mukösen und 
r „ «ubmukösen Gewebes mit entsprechend starker ödematöser Schwcl- 
liuig imd grösseren subjektiven Beschwerden. 

• A. gangraenosa Brand des weichen Gaumens, kommt sehr 

""Ö .selten primär als eine Art Noma vor, häufiger sekundär bei 
& hochgradigen phlegmonösen, skarlatinösen und diphtherischen 
Anginen. 

A. erouposa et diphtheriea vd. Diphtherie. 

A. syphilitica kommt in akuter und chronischer Form, 
als Erythem der Schleimhaut, als Epithelquellung (Plaques mu- 
queuses) und Vereiterung, in Form von syphilitischen Papeln, 
Gummiknoten, Geschwüren und Narben vor. 

A. tonsillaris, Tonsillitis s. Amygdalitis Mandelent- 
zündung. 

a) eatarrhalis die katarrhalische Tonsillar-A. 

b) A. s. Tonsillitis lacunaris mit Bildung gelblieh- 
weisser Flecken oder Pfropfe, welche den Lakunen der Mandeln 
entsprechen (A. follicularis). Das Charakteristische bei dieser ist 
die Zurückhaltung von abgestossenem Epithel und Eiter in den 
lakunären Vertiefungen, wodurch an der Oberfläche weissliche 
Massen, wie Eiterpunkte, sichtbar werden und durch Eindickung 
käsige Bröckel in den Nischen entstehen. 

c) A. s. T. parenehymatosa charakterisirt sich durch die 
-starke Anschwellung der Mandeln, bildet sich entweder ohne 



a 



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Angiocheiloskop 



Eiterung zurück oder führt zur Bildung von meist mehreren, 
später gewöhnlich konfluirenden Abszessen im Parenchym der 
Tonsillen, deren Eiter entweder perforirt oder sich eindickt. 

Viel häufiger als im Parenchym ist die Abszessbildung im 
l>eri- und retrotonsillären Bindegewebe, die 

d) A. tonsill. phlegmonosa (suppurativa) gewöhnlich 
nur auf einer Seite, meist zwischen Tonsille und vorderem Gau- 
menbogen. Auch diese Form kann sich zurückbilden, bevor es 
zur Eiterung kommt. 

e) A. s. Tonsillitis necrotica. A. mit grauweisslicher 
Verfärbung der Schleimhaut der Mandeln, welche auf Nekrose 
beruht und nach Abstossung des nekrotischen Gewebes ein Ge- 
schwür hinterlässt. 

f) A. s. T. chronica bes. durch ihr Resultat, die Hyper- 
trophie der Tonsillen, charakterisirt. 

(Grösstenteils, gleich dem folgenden, nach ZH.) 

Ausserdem ist die Bezeichnung „Aiigina" noch einigen anderen 
Erkrankungen zu teil geworden, welche nicht den Isthmus fau- 
eiuni betreffen: 

Angina Ludoviei (nach ihrem ersten Beschreiber Ludwig 
benannt) s. Cynanche sublingualis s. cellularis maligna 
gangraenosa s. Pseuderysipelas subtendinosura colli 
sehr akute, in den meisten Fällen mit Vereiterung, in manchen 
mit gangränöser Zerstörung des Zellgewebes unter dem Kinn ver- 
bundene, zuweilen epidemisch auftretende Entzündung. 

Angina pectoris „Herzbräune", eine viscerale Neurose, 
welche sich durch paroxysmenweise auftretende Schmerzen in der 
Herzgegend charakterisirt, welche gewöhnlich über die linke 
Toraxhälfte und den linken Arm ausstrahlen und mit einem 
eigentümlichen Gefühl von Angst und Beklemmung — häufig 
mit anderweitigen motorischen, vasomotorischen und sensibeln 
Störungen — verbunden sind. Sie ist entweder nur ein Symptom 
von organischen Herzleiden (Herzverfettung, Aortenaneurysma) 
oder eine nervöse Affektion der Herznerven und Herzganglien. 

a) Excitomotorische kardiale (gangliös oder kardiozen- 
trische) durch direkte Läsion der automatischen excitomotorischen 
Herzganglien. 

b) Regulatorische durch Läsion des kardialen Hemmungs- 
nervensystems. 

c) Excitomotorische sympathische durch Läsion der 
im Sympathicus verlaufenden beschleunigenden Herznerven. 

d) Vasomotorische durch Affektion der vasomotorischen 
Nerven (Sympathicus) mit Veränderung des Blutdruckes, welche 
ihre Rückwirkung auf das Herz äussert. 

cf. Stenokardie. 

Angiocheiloskop (to äyyetov Gefäss, r6 xettog Lippe, 
oxoTTtxo blicken, anschauen) ein von Hueter konstruirtes 



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Angioma 



Instrument, mittel* dessen man die Blutzirkulation in den Kapillar- 
gefässen der Lipjiensehleimhaut (dureh Lupe) vergrössert be- 
trachten kann. 

Angiocholitis s. Cholangitis (t) yoh) Galle) Ent- 
zündung der Gallengefässe bezw. Gallengänge. 

Angiofibrom fibrös degenerirtes Angiom. 
cf. Angioma, Fibroma. 

Angiograph (ygäyw eingraben, einschreiben) ein 

von Landois angegebener Apparat zur Darstellung der Pulskurven, 
aus einer Hebelvorriehtung ohne Druckfedcrn bestehend, 
cf. Spbygmograph, Polygraph. 

Angiolith (o u. t) kidog 8tein) vd. Phlebolith. 

Angioma Gef ässgeschwulst, d. i. grschwulstförinige 
Neubildung von Gefässen und Erweiterung feinster Gefässe. Mau 
unterscheidet klinisch am zweckmässigsten die als Gefässmäler der 
Haut sich darstellenden Formen: Telangiektasie oder Naevus 
vascularis (s. d.) als A. simplex ohne oder mit Verdickung 
der Gefässwanduniren (A. simplex hypertrophicum), und die 
mehr subkutan oder in tieferen Teilen gelegeneu eigentlichen 
(lefässge schwülste, nämlich: 

A. eavernosuin (caverna Höhle cavus) (eircumseriptuin) 
s. Tumor cavernosus s. Cavernom eine in den inneren Organen, 
sowie im Unterhautzellgewcbe vorkommende Neubildung von Linsen- 
bis Wallnussgrössc, welche wie die physiologischen Schwellkörper 
aus einem elastischen Balkenwerk mit biutgefüllten Maschenräumen 
besteht und gewöhnlich von einer konsekutiv gebildeten fibrösen 
Kapsel umgeben ist. 

Angio-Elephantiasis eine kontinuirlich wachsende deletärc 
Form der Gefässueubildung, welche in ein reichliches junges 
Bindegewebe eingebettete, sehr ausgedehnte, schwellend weiche, 
hängende Geschwülste darstellt [nach Hebra und Kaposi]. 

A. arteriale raeemosuiii (oa£, racemus, raisin Traube) 
Ranken-A., arterielles A. , pulsirende Gefässgeschwulst bes. am 
Kopfe, besteht in starker, varixartiger Erweiterung und Schlänge- 
lung aller einer bestimmten Gefässregion angehörigen arteriellen 
Gefässe bis in deren feinste Verzweigungen hinein, welche als 
eine knotige Geschwulst beisammen liegen. 

cf. Aneurysma cirsoideum, Phlcbarteriektasia. 

A. lyinphaticum s. Lymphangiome (s. d.). 

A. mneosuin proliferum (mucus; /uvxos, /tr£a Rotz, prdks 
imd fero) ist von Birch-Hirschfeld eine cylindromartige 
Geschwulst genannt worden, die ihren Ursprung einer patholo- 
gischen Gefässneubildung mit gleichzeitiger hyaliner Metamorphose 
der Gefässscheideu verdankt. An den gröberen Gefässen kann 
man ausgesprochene Neubildung durch Sprossung und Kanalisirung 
der soliden Auswüchse nachweisen. Die diese Gefässe umgebende 



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Angioneurose 



hyaline Masse wird als degenerirtc Advcntitia gedeutet. Später 
wandeln sieh auch die Gefässc im Zentrum der hyalinen Scheiden 
in bindegewebige Balken um. 

A. ossifleans [A. Lücke] seltene Geschwulst (in der High- 
morshöhle) bestehend aus Knochengewebe, welches durchsetzt ist 
von grossen Blutgefässen, wahrscheinlich sehr weiten kapillaren Venen. 

Angioneurose (vevowoiQ, verooto anspannen, wroor 
Sehne, gebraucht für Nerv), die Gefäss neu rose, eine 
Neurase der gefüsserregenden Nerven. 

Angiosarkoma vd. Sarkoma. 

Angophrasie (von äyyto ängstigen, ij qgdatg Bede) 
das Gaxen oder Gatzen, ein Sprachfehler, der im Unterbrechen 
der Worte und Sätze durch gedehnte oder öfter wiederholte Vokale 
und Nasenlaute besteht und sich bei Personen einstellt, die be- 
fangen sind oder nicht schnell genug wissen, wie sie sich aus- 
drücken sollen, oder aus übler Gewohnheit. 

cf. Anarthrie, Bradyphrasie, Paraphrasie. 

Anguillula atercoralis (anguis Schlange, anguilla 
Aal, vd. stercoral) ein in den Tropen vorkommender Darm- 
parasit, für sich allein harmlos, häufig aber in Verbindung mit 
Anchylostomum duod. (s. d.) vorkommend. 

Angnlns Ludoviei, der Louis'sche Winkel, der 
zuerst von Louis beschriebene Winkel, den das Manubrium gegen 
das Corpus sterni in geringem Grade unter physiologischen Ver- 
hältnissen, in höherem Grade als pathologische Deformität infolge 



besonders bei Lungenphthise, bildet. 

Angustatio (angustus eng) die Verengerung, z. B. ven- 
triculi etc. 

cf. Stenosis. 

Anhidrosis (u priv., 6 tdgiug, -<7>rog Schweiss idgoco 
schwitze) s. Anidrosis verminderte Sekretion der Schweiss- 
drüsen — ist entweder A. universalis oder localis. 

cf. Idrosis, Hyperidrosis. 

Anhydraemia (d priv., Hydraemia s. d.) der vermin- 
derte Wasser- und Salzgehalt des Blutes bei Erhaltung des Blut- 
eiweisses. Kommt im Gefolge von grossen Wasserverlusten des 
Körpers, namentlich bei Cholera vor. 

Anidens (d priv., ™ elöog Gestalt) s. Amorphus nie- 
derste Fonu der Acardiaci, nur aus einer von Cutis bedeckten 
rundhchen Masse bestehend, die eine eigene Nabelschnur hat, 
oder auch ohne solche der Plazenta aufsitzt, und deren Inneres 
aus Zellgewebe, Fett und rudimentären Organteilen besteht. 

Aniridie (d priv., v Igte, tgi&os der Regenbogen, die 
Regenbogenhaut) i. q. Irideremie. 




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Anorexie 

Anisokorie iäv-iax: ungleich, t) *«'«»/ Pupille v<l 
Korektopie) Ungleichheit der Pupillen. 

Anisometropie (av-ioo^ ungleich, r« f thoor Mass. 
// o)>/> Sehen) Differenz im Brechungszustand l>eider Äugen, 
cf. Astigmatismus, Ametropie. 

Ankyloblepharon (dyxv?.oe krumm, ro ßkeyaoov das 
Augenlid) die angeborene oder erworljene (Verletzungen) voll- 
ständige oder teilweise Verwachsung der Augcnlidränder. 

cf. Symblepharon, Blepharophimose. 

Ankylocliilie (r<> /n/.n^, -ro^ Lippe) Verwachsung der 
Mundwinkel mit dem Kiefer, 
cf. Mikrostomie. 

Ankyloglosaon (// ykthaoa Zunge) Verwachsung der 
Zunge mit dem Boden «1er Mundhöhle, entweder angeboren 
durch ein zu weit nach vorn reichendes und zu breites Frenulum 
linguae. oder durch Xarbcnbildung nach Substanzverlusteu der 
Schleimhaut acq u i ri rt. 

Ankylosig Ankylostomuni vd. Auch. . . . 

Ann ula tu* (annulus Bing) ringförmig l)es. von der 
Form mancher Effloreszenzen. 

Anodoi (dvä hinauf, fj 6&6* Weg) die Anode, der 
jiositive Pol, an welchem der elektrische St nun aus der Batterie 
austritt, vd. Elektrode. 

Anod ynam (sc. remedium — « prir., t) AAvrtj Schmerz» 
oin schmerzstillendes Mittel. 

cf. Anästhetica, Antinenralgica. 

Anoia (« prir., « ro<\- Verstand) i. qu. dementia. 
Anonychosis vd. Onyehosis. 

Anophthalmus (d prir. 6 dq&fdfiog Auge) angebo- 
renes Fehlen der Augen. Bei solchen Missbildungen handelt 
es sich gewöhnlich nicht um vollständiges Fehlen des Bulbus, 
sondern um eine äusserst rudimentäre Entwickelung desselben, so 
dass der A. nur einen höheren Grad des Mikrophthalmus darstellt. 

cf. Mikrophthalmus. 

Anopsia (d prir., i) <fy<> Gesicht) der Nichtgebrauch 
eine* Auges, welcher nicht auf Paralyse oder Atrophie der Netz- 
haut, sondern auf ausser derselben liegenden Hindernissen beruht. 

Anorchidie (d priv., 6 oojis, -tos u. -scos, ävooyo^ 
| HippokratksJ so dass Anorchie richtiger wäre) rudimen- 
täre Entwickelung oder vollständiger Defekt der Hoden. 

cf. Kryptorchidie. 

Anorexie (d prir., >/ öge$tt das Verlangen, von oQsyot 
nach etwas strecken, verlangen) A ppetitmangel oder 
Widerwille gegen Speisen. 

Uoth's Klinisch.' Termiuolopir. I. Aurt. i\ 



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34 Anosmie 

Anosmie (a priv. u. 1) oojttj, dftin) der Geruch, von 
ö£(o riechen) s. Anaesthesia olfaetoria, Verlust der Gcruchs- 
empfindung (teilweise scheinbar als Verlust des Geschmacks 
sich geltend machend) meist eine Folgeerscheinung von Erkrankung 
der Nasenschleimhaut, seltener durch eine Läsion des Nerven 
(Lähmimg der Nervi olfactorii oder des N. trigeminus) oder eine 
Rückenmarkserkrankung (Tabes) bedingt. Einseitige Anosmie 
findet sich bei hysterischer Heinianästhesie und selten bei Er- 
krankung der Hirnhemisphäre. 

et'. Hyperosmie, Kakosmie, Ageusie. 

Anoslose (d priv., to ooreov Knochen), Knocheuatrophie. 
et' Hyperostose, Ostitis, Osteoporose, Osteomalacic. 

Antacida (dvri gegen, acidus sauer) sc. remedia, säure- 
tilgendc Mittel, auch Absorbentia genannt. 

Antaphrodisiaca (vd. Aphrodisiaca) sc. remedia, 
Mittel, welche den Geschlechtsreiz herabsetzen. 

Antarthritica (sc. remedia, vd. Arthritis) Mittel 
gegen die Gicht. 

AnteHexio (neulat.) Knickung nach vorn. 

A. uteri diejenige Gestaltsveränderung des Uterus, bei der 
die Axe des L T . -Körpers und des Cervix einen mehr als physio- 
logischen (kleineren) nach vorn offenen Winkel miteinander bilden. 

cf. Antevereio, Retroflexio. 

Antepileptica (sc. remedia, üvn gegen, vd. Epi- 
lepsie) Mittel gegen Epilepsie. 

Anteversio (lat. H. vertere wenden) die Vorwärts- 
beugung (ohne Knickung). 

A. uteri Vorwärtsbcugung des Uterus ohne Gestaltsver- 
änderung. 

cf. Anteflexio. 

Anthelminthica (sc. remedia, vd. Helminthiasis) 
s. Verinifuga Wurmmittel. 

Anthema (av&rm blühen) die Hautblüte. 

Anthrakosis (6 av&oa£, -oxoe Kohle) dieses Wort ist 
heutzutage nur noch gebräuchlich in der Zusammensetzung 

A. pulmonum s. Pneumonokoniosis anthrakutiea Kohlen- 
stau b-Inhalationsk rankheit, schwarze Lungeninfiltration, 
falsche Melanose: Ablagerung von solchem Kohlenstaub, welcher 
in den Lymph-(Bronchial-)Drüscn keine Aufnahme gefunden, in 
»las Lungenparenchym, und der dadurch hervorgerufene krank- 
hafte Zustand, in chron. Bronchialkatarrh, Emphysem und selbst 
entzündlichen parenchymatösen Veränderungen bestehend (Phthise, 
indurirende interstitielle Pneumonie mit Bildung knotiger Schwie- 
len aus derbfaserigem Gewebe, in welchem die Staubteilchen ein- 



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Anthrax 



35 



gebettet liegen, wohin sie nach — vermöge ihrer Spitzigkeit er- 
folgter — Durchbohrung der Alveolar- und Interinfundibular-fSepta 
gelangt sind). 

cf. Pneumonokoniosis. 

Anthrax {6 avdgas Kohle, Kohlenbeule) der Milz- 
brand, so gen. von der dunkeln Färbung und breiigen Er- 
weichung der Milz beim Rinde, ist eine akute Infektionskrankheit 
der Tiere, besonders des Kindes, bei der karbunkulöse Hautent- 
zündungen auftreten, wenn die Tiere nicht vorher schon dem 
Milzbrandfieber erliegen. Der Infektionsstoff besteht in einer 
spezifischen Bakterienart (Bacillus anthracis, s.d.). Der Milzbrand 
ist weniger direkt ansteckend, als vielmehr durch zahlreiche Zwi- 
schenträger verschleppbar. 

Beim Menschen tritt der Milzbrand in folgenden Können auf: 
A.-Karbunkel, Carbunculus eontagiosus (carbo Kohle), 
Pustula maligna: 

a) Der primäre, der durch direkte Aufnahme des Giftes 
(Wund-, Haut- oder Impf milzbrand) an einer verletzten 
Stelle entsteht. Es bildet sich daselbst ein roter Fleck mit einem 
zentralen schwarzen Punkt, der sich in ein juckendes Knötchen 



allmählich sich vergrössemde Blase sitzt, die alsbald platzt und 
verschorft. 

Durch Anschwellung der umgebenden Haut entsteht ein wulst- 
artiger roter Hof und um diesen häufig ein bläulicher oder blass- 
gelber Ring, auf welchem hanfkorngrosse Bläschen entstehen, die 
den Schorf kranzartig umgeben. Die nächste Umgebung indurirt 
sehr bald, und eine ödematöse Schwellung breitet sich rasch über 
grössere Hautstrecken aus. Schwellung der Lymphdrüsen und 
Lyphangoitis tritt gewöhnlich hinzu. Das Fieber ist gewöhnlich 
nur massig. In ungünstigen Fällen (Resorption) steigt die Tem- 
peratur, und tritt unter schweren Allgemeinerscheinungen, Delirien, 
Gliederschmerzen, Diarrhöen, Herzkollaps der Tod ein. Genesung 
ist nicht selten. 

b) Der symptomatische A.-Karbunkel, der bei pri- 
märem, durch Infektion mit der Luft (beim Lumpcnhandcl, Zupfen 
von Schafwolle u. dgl.) oder nüt der Nahrung hervorgerufenen 
Allgemcinleiden an verschiedenen Körperstellen entsteht. 

A.-ddein (s. d.) diffuser oder crysipelatöser A.-Karbunkel, ist 
nur im Anfang von dem gewöhnlichen A.-Karbunkel verschieden, 
indem das Bläschen und der primäre Schorf fehlen. 

A. intestinalis s. Mykosis intestinalis, der Darm- oder 
innere Milzbrand, durch den Genuss milzbrandigen Fleisches, 
Wassers u. a. Nahrungsmittel hervorgerufene Allgemeinerkrankung, 
welche die grösste Ähnlichkeit mit einer Vergiftung, namentlich 
durch Schwämme, darbietet, indem etwa 8 Stunden nach dem 
Fleischgenuss stürmisches Erbrechen und Diarrhöen mit Cyanose 



verwandelt, auf dessen Kup] 




eine kleine rötliche oder bläuliche, 



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3l> Anthropotoxin 

und raschem Kollaps auftreten. Auf der Magen- Darmsehleimhaut 
findet, man Rötung und vereinzelte oder zahlreiche ödematöse und 
hämorrhagische, prominirende Infiltrationen, die ol>erfläehlichc, 
missfarbige, verschorfte Zentren zeigen: echte Magen- und Dann- 
karbunkeln mit grossen Mengen von Bakterien. In manchen 

. Fällen geschieht die Invasion des Pilzes von den Lungen aus 
(Lungen-Milzbrand) und ruft neben der Allgemeininfektion 

. lobulär-pneumonische Entzündungsherde hervor, 
cf Bacillus anthracis. 

Anthropotoxin (« «VjW.toc Mensch vd. Toxin) Be- 
zeichnung Brown -Sequa uns für eine durch Exspiration oder 
Perspiration erzeugte toxische Substanz, deren Existenz nicht be- 
wiesen ist. 

Antiblennorrhagica {sc. remedia rtf.Blennorrhoea) 

Mittel zur Beschränkung der Eiterung. 

Antidot (arri gegen, Mdtopi geben arridorov) s. Alexi- 
pharmakon (s. d.) Gegenmittel, Gegengift, 
cf. Bezoardica. 

Antidyskratica (sc remedia, vd. Dyskrasie) Mittel 
zur Verbesserung oder Heilung dyskrasischer Zustände, 
cf. Alterantia. 

Antifebrilia (sc. remedia, vd. Febris) s. Antipyretica 
s. FcbrifUga Fiebermittel. 

Antihysterica (sc. remedia, vd. Hysterie) Mittel 
gegen Hysterie. 

Antinenralgica (*c. remedia, vd. Neuralgie) Mittel 
gegen Neuralgien, 
cf. Anodyna. 

Antiparasitica Mittel gegen Parasiten. 

Antiphlogistica (sc. remedia, ytiyw brenne = 

f/Xoyi'Zco, vd. Phlogosis) entzündungswidrige Mittel. 

Antipyretica (sc. remedia, von 6 ,-rvosnk Fieberhitze, 
von jtvq Feuer) vd. Antifebrilia. 

Antiseptica (sc. remedia, cd. Sepsis) s. Antizyinotica 
a. Antifennentia s. Deshilicientia Mittel, welche die Fäulnis 
verhindern und Ansteckungsstoffe zerstören. 

Antispasmodica (vd. Spasmus) krampfstilleude Mittel. 

Antisyphilitica Mittel zur Heilung der Syphilis, 
cf. Antidyskratica. 

Antitoxine Stoffe, welche die Wirkung der Toxine (s. d. ) 
verhindern, bzw. aufheben. 



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Aphasia 37 

Antitypica (sc. remedia, vd. typisch) Mittel gegen 
typisch auftretende Affektionen, bes. Fieber. 

Antizymotica (vd. Zymose) i. q. Antiseptika. 

Antodontaigica (vd. Odontalgie) Mittel gegen Zahn- 
schmerz. 

Antrophor ( i» Svrgor Höhle tpioto tragen) von Stephan 
angegebenen Instrument zur medikamentösen Behandlung des 
Harnröhrentrippers. Dasscll)c besteht aus einer biegsamen mit 
einem festen Überzug versehenen Spirale, auf welcher sieh das 
Medikament befindet. 

*"-* Annrie (d priv., r*>. oroor Urin) aufgehobene Harnab- 

sonderung. 

^ cf. Isehnrie, Dysurie, Strangurie, Oligurie. — Nephritis. 

w~! Ann« (tat. anus Kreis) der After. 

A. artificialis ein <lureh oj>erativcn Kingriff künstlieh er« 
zeugter A. praeternaturalis. 

A. iinperforatus vd. Atresia ani. 

A. praeternaturalis widernatürlicher After, .welcher 
£^ sich von der Kotfistel dadurch unterscheidet, dass alle Darm- 
kontenta durch die Öffnung entleert werden. 

• 

*v ß^i A. praet. vaginalis s. ileo-vaginalis, der widernatür- 

liche Scheidenafter, wird der ganze Dünndanninhalt durch die 
Scheide entleert. 

Aortitis acuta (doptt) Schlagader, detgot hebe) ein 
der Endo- und Myokarditis ähnlicher Entzündungsprozcss an der 
Aorta, der sämtliche Arterienhäute betrifft und zu körnigen Auf- 
lagerungen oder grosseren Effloreszenzen Veranlassung gibt. 

Apepsie (d priv., aim<o kochen, verdauen) schwaches 
oder fehlendes Verdauung« vermögen, chronische l)ysj>cpsic. 

Aphakie (« priv., 6 rpaxo; Linse) das Fehlen der Linse 
im dioptrischen System des Auges und der darin l>egründete un- 
genügende Brechungszustand. 

Aphasia (« priv., fj <fdoic, von vw« sprechen) s. 
Aplieinia gänzlicher (Hier teil weiser Verlust der Sprache, ohne 
dass geistige Benommenheit oder ein Hindernis in den äusseren 
Sprach Werkzeugen vorliegt. 

Die A ist stets die Folge einer cerebralen Erkrankung. Die 
Sprach Vorgänge in der Gehinirinde sind sensorische (Hören u„ 
Sehen, bei Blinden das Tastgefühl) u. motorische. Man spricht 
doshalb von 

1) sensorischer Aphasie |Wkrnickk] als Worttaubheit 
|KrssMAri,| auftretend, wenn das akustische Pcrzcptions- 



i 



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38 



Aphonie 



Zentrum (hintere Hälfte der ersten Schläfeuwindung) zer- 
stört ist, als Wortblindheit, wenn das visuelle Per- 
zeptionszentrum (unterer und hinterer Teil des Parietal- 
lappens) afficirt ist, u. als Seelen b lindheit d. h. die Un- 
fähigkeit, nicht allein Worte, sondern auch Gegenstände 
zu erkennen und 

2) motorischer Aphasie A. ataetiea s. assoeiatoria das 
Unvermögen zu sprechen infolge einer Störung des Be- 
wegungszentrums für die Sprache (dritte 1. Stirn Windung), 
wobei der Kranke für das in der Erinnerung u. Vorstellung 
vorhandene Wort die Aussprache nicht findet. 

Hiezu kommt noch 

3) die amnestische Aphasie A. amnestiea (ä -fAvtjoig Ver- 
gessen) verbale Amnesie die Erinnerungs-A., wobei 
der Patient, ohne dass Worttaubheit besteht und die mo- 
torischen Vorgänge gestört sind, sich der Worte nicht er- 
innern kann. 

cf. Paraphasie, Aphonie, Aphthongic, Alalie, Dysphagie, Asemie, 
Lalopathie, Agrammatismus, Echolalie, Alesie. 

Aphonie (o priv., t) tpmvi) Stimme) Stimmlosigkeit, 
eigentl. Lautlosigkeit der Stimme, infolge gehinderter Funktion 
der Stimmbänder. 

cf. Aphthongie, Alalie, Aphasie, Dysphonie. 

Aphrodisiaca (A<fgodn V , Venus, Göttin der Liebe, 

aygodioidfro begatten) sc. remedia: Nüttel, welche den Ge- 
schlechtstrieb vermehren, 
cf. Antaphrodisiaca. 

Aphthae (m äqOai, [Hippokrates] Bläschen v. äuru) 
„heften", in Brand geraten, wohl von dem brennenden 
Schmerze, den sie verursachen) vd. Stomatitis aphthosa. 

A. epizooticae {Z<?ov Tier) „Maul- und Klauenseuche beim 
Menschen", d. i. die durch den Oeuuss ungekochter Milch von 
derartig erkrankten Kühen, sowie durch direkte Infektion der 
Hände mit dem Geifer der Tiere oder dem Sekret der Blasen- 
eruptionen am Euter (beim Melken) hervorgerufenen Erschei- 
nungen : 

Beim Genus* der Milch entstehen zuerst unter voraus- 
gehenden und gleichzeitigen Fiebererscheinungen Bläschen an 
Lippen und Zunge, seltener im Rachen, die sich in flache Ge- 
schwüre verwandeln; weiter pflegt sich Gastro-Enteritis und ein 
Bläschenexanthem an Fingern und Händen, zuweilen auch an 
anderen Körperstellen, selten zwischen den Zehen, einzustellen. 

Bei direkter Infektion entsteht zuerst unter Allgemein- 
erscheinungen eine Blaseneruption an den Händen, dann Angina 
und katarrhalische Stomatitis (nach ZH). 



Apoplexia ■ 39 

Aphthongie (ä priv., 6 <pt>6yyo? Laut) Reflexaphasie, 
eine seltene Spraehneurose , bei der mit jedem Versuche, zu 
sprechen, Krämpfe im Gebiet des Hypoglossus auftreten, wodurch 
das Sprechen unmöglich gemacht wird. 

Aphthophyton (Aphthae s. d., t6 qwzdv Gewächs) 
i. q. Soor. 

Aplanatio corneae (neulat.: v. planus flach) Ab- 
f lachung der Hornhaut, entsteht nach umfangreichen Ver- 
letzungen (mit Irisverwachsung) oder ]>erforirten Geschwüren, oder 
nach Operationen. 

Aplasie (a priv., y xldois v. jilaaaco bilden) unterbliebene 
Bildung (Entwicklung) von Geweben oder Organen, 
cf. Agenesie, Atrophie, Hypoplasie. 

Aplestie (a priv., xiuxhmt füllen) i. q. Akorie. 

sTvevfiattüot^ Aufblasen) jivev- 
[iax6(o blase auf v. xrito blasen) i. q. Atelektasis. 

Apnoea (rj äxvoia « priv., rj jrvot'f v. 3ivf.u> Hauch, Atem) 

die Atemlosigkeit, sowohl im Sinn des ganz unterbrochenen, als 
des hastigen und erschwerten Atmens. 

A. infantum nicht mehr gebräuchliche Bezeichnung für 
Spasmus glottidis. 

A. uterina i. q. Asthma uterinum. 

Apodemialgie (dUo weg, 6 dtjuog Volk, Land, r<> 
äXyog das Wehe) das Gegenteil der Nostalgie, das bis zur 
psychischen Krankheit gesteigerte Verlangen, die Heimat zu ver- 
lassen und sein Glück in der Fremde zu suchen. 

Aponeurotomia (zifivw schneiden) plantaris sub- 
kutane Durchschneidung der Plantaraponcurose, ein Teil der 
operativen Behandlung des Klumpfusses. 

Apophyaenpnnkt (ajzo-<pvw hervorsprossen) vd. 

Puncta dolorosa. 

Apoplexia (gr. H. v. äjto-jiX/jooa> niederschlagen, 
durch Schlag lähmen) so bezeichnet man jede plötzliche Auf- 
hebung der Funktion eines lebenswichtigen Organes durch ver- 
schiedene Ursachen. Es ist also ein klinisch-symptomatischer, 
kein pathologisch-anatomischer Krankheitsbegriff. 

Man unterschied früher eine A. sanguinea durch Blutextra- 
vasat, eine A. serosa durch serösen Erguss und eine A. nervina, 
bei der keine Texturerkrankung nachweisbar ist. Jetzt gilt das 
Wort A. nur mehr für A. sanguinea, während A. serosa mit 
akutem Gehirnödem u. A. nervina mit akuter Gehirnanämie be- 
zeichnet wird. 



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40 Apoplexia 

Je nachdem die Symptome Inning sind durch Affektion des 
Oehirns, des Rückenmarks, der Meningen, der Lungen, des Uterus 
oder der Nieren, spricht man von A. cerebralis, spinalis, meningealis. 
pulmonal]'*, uterina, renalis.. 

A, cerebri meist gebraucht für Blutung in das Gehirn mit 
Zertrümmerung des Gehimgewcbes. Die klinischen Symptome 
zerfallen in allgemeine vorübergehende (Bewusstlosigkeit etc.) 
u. Herderscheinungen, mehr oder weniger bleibende (Hemiplegie* 
u. sind nach dem Sitze der Blutung verschieden. Der häufigste 
Sitz der Blutung ist das Corpus striatum u. die innere Kapsel 
(rein motorische Hemiplegie, bei Läsion des hinteren sen- 
sorischen Abschnittes der inneren Kapsel mit Hcmianaesthesie ver- 
bunden). Durch besondere hievon abweichende Symptome aus- 
gezeichnet sind: 

a) Blutung in die Gehirnrinde (selten,) mit lokalen Kon- 
vulsionen u. einer auf einen Teil einer Seite beschränkten 
Lähmung (Monoplegie). 

b) Blutung in den Hirnschenkel mit gekreuzter Lähmung 
des :j. Hirnnerven u. der Extremitäten. 

c) Blutung in die Varolsbrücke mit allgemeinen Kon- 
vulsionen, häufiger doppelseitiger Iühmung u. Anästhesie. 

d) Blutung in dieMedulla oblongata meist sofort tötlieh, 
mit den Erscheinungen der akuten Bulbärparalyse. 

c) Blutung in das Kleinhirn mit Erbrechen* u. Bewusst- 
losigkeit vorübergehender Hemiplegie u. bleibender Gleich- 
gewichtsstörung (eerebellarer Ataxie). 

f) Blutung in die Ventrikel mit schweren Allgemein- 
erscheinungen, meist sekundär ( Durchbruch) u. tötlich. 

g) Blutung in die Gehirnhäute mit deutlichen Vorboten 
(heftiger Kopfschmerz) Bewusstlosigkeit und Lahmung der 
Extremitäten beider Seiten. 

A. spinalls vd. Haematomyelie, Haematorachis. 

A. neonatorum ist in der Regel eine A. meningealis, welche 
infolge schwerer Geburten entsteht, wenn die Schädelknochen eine 
starke gegenseitige Verschiebung erleiden. 

cf. Cephalhämatom. 

A. pulmonum vascularis äusserst akute, hochgradige und 
ausgedehnte Kongestion nach den Lungen, welche zu apoplektischen 
Erscheinungen und selbst zum Tode führt. 

Apoplektische Herde die im Innern der Organe extrava- 
salen Blutmassen, resp. deren Umwandlungen. 

ef. Cyste, Hämatom, Infarctus haemorrhagicus, Haematomyelie, Ence- 
' phaliti8. Aneurysma^ miliare, Febria intermitt. pernic. 

Aposkeparnismnii (gr. H. v. «.to weg, t6 oxfaaevnv 



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Apselaphesie 41 

Beil, ay.a.TTio hacke) der Abhieb, Trennung eines Stückes vom 
Schädel durch eiueu Hieb (Schälhieb). — Köxu;. 
cf. Vulnus. 

ApOSteil! (ro cbioortjnn V. aro U. Yattjpi, ay iart\ni beiseite 

stellen; sich entfernen, abscedere) i. q. Abscessus. 

Apothesis funicnli umbilicalis (H. v. aLiou'dtj/u 
ablegen, beiseite legen), s. Omphaloproptosis die Repo- 
sition der vorgefallenen XaMschnur. 

Apotheter (v. dswu&Tjfii s. v.) 8. Nalelschnurrepositorium 

ein Instrument [C. v. Braun] zur Reposition der Nabelschnur. 

Appendicitis (appendix Anhängsel, Fortsatz) Ent- 
zündung des Wurmfortsatzes, 
cf. Typhlitis, Perityphlitis. 

Apperceptioiis.Pcreeption (pereeptio das Empfangen, 
Erfassen neulat. : ad-pereipere) Erfassung der äusseren und 
inneren Eindrucke durch die Aufmerksamkeit (Bewusstsein). 
A.-Halluci nation s. Pseudohallucination ist eine H., welche 
durch innerliche (psychische) Rindrücke verursacht wird. Die 
A.-Illusion entsteht durch die Vermischung von Sinneseindriicken 
mit subjektiven Vorstellungen. 

cf.Hallucination, Illusion. 

Apraxie (a prh\, t) .igä$tg v. xQaooto thun) Verlust des 
Verständnisses für den Gebrauch der Dinge, das Verkenneu der 
Objekte, — der Aphasie nur insofern nicht analog, als bei der 
Apraxie die Intelligenz eine gestörte ist. 

cf. Ascraie. 

Aproaexia (d priv., .-ivoat/w sc. x6v vorv den Geist auf 
etwas richten) eine von Huye für eine Teilerscheiuung der 
Neurasthenie eingeführte Bezeichnung, die häufig in einer durch 
nasale Erkrankung bedingten Störung der Gehirnthätigkeit be- 
steht. Die Erscheinungen derselben sind eine merkwürdige Ver- 
geßlichkeit und ein anhaltender oder intermittirender Kopfschmerz, 
der sich bis zur Hemikranie steigern kann. Huyk unterscheidet 
drei Formen: 1) eine physiologische A. als Folge von cere- 
braler Überanstrengung, 2) eine ne urasthenische A. als Folge 
von pathologischer cerebraler Ermüdung und :■{) eine rein nasale 
A. als Retentionserschöpfung. 

Aprosopie (a priv., xo xgoownov Angesicht v. xqos 
zu, an u. f) wy>) Fehlen des Gesichts durch fötale Missbilduug, 
ein höherer Grad von Schistoprosopie, wobei noch Nase und Augen 
ganz oder zum grössten Teil fehlen. 

Apselaphesie (a/>m\, u.vvv^ r f f i 01 ^ yv^ a( p (l01 tasten, 
i/f a//fti palpare) Mangel des Berührungsgefühls, eine Scnsi- 



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42 Apsithyria 

bilitätsstörung der Haut, wobei einfache Berührung schlecht ge- 
fühlt und schlecht lokalisirt wird, während z. B. Temperaturgefühl 
etc. ungestört sein kann. 

cf. Hyperpselaphesie, Anästhesie. 

Apsithyria (ä priv., yn&vgog flüsternd v. y>ei'>dto) „hy- 
sterische Stummhcit" ein Zustand von Aphonie, bei welchem 
auch im Flüstern kein Laut hervorgebracht werden kann. 

Apns, Apodie (d priv., 6 xove Fuss, öfters auch das 
ganze Bein) angeborener völliger Mangel der beiden Unter- 
extremitäten, resp. damit behaftetes Individuum. 

cf. Monopus, Achims, Sympus. 

Apyrexie (d priv., .-rvgeoato fiebern v. u> .tPo Feuer) 
die fieberfreie Zeit l>ei intermittirenden Fiel>ern. 

Arachnitif» (t) dga^vt) Spinne aranea) Entzündung der 
Meninx (tunica) arachnoidca des Gehirns oder Rückenmarks (nie 
selbständig), vd. Meningitis u. Leptomeningitis. 

Areas senilis vd. Gerontoxon. 

Area Celsi vd. Alopecia. 

Areflexie (d priv., refleetzre zurückbeugen, zurück- 
lenken) das Fehlen der Reflexe vd. Reflex. 

Areola {dem. v. arta Hof) i. q. Halo. 

Argyria (6 ägyvgog Silber v. ägy6$ glänzend) s. Argy- 
rosis 8. Argyrismus, die nach längerem Gebrauch von Argentum 
nitricum entstehende schmutzig-graue Färbung der dem Licht 
ausgesetzten Teile der Haut, wobei die zelligen Elemente der 
obersten Bindegewebssehichten, sowie die Umgebung der Schweiss- 
drüscnknäuel mit einer körnigen schwarzen Silberabscheidung — 
Silberalbumiuat — durchsetzt sind. 

Arhineneephalia [Kund rat] (d priv., i, pi», givos 
Nase, to eyxiqpalov Gehirn) eine Form von partieller Anen- 
eephalie, bei welcher die Nase missbildet ist. Man unterscheidet 
eine Ethmocephalie, rüsselförmige Missbildung der Nase, eine 
Cfebocephalie, Verkümmerung der Nase, sowie Spaltenbildungen 
der Lippe mit Defekten des Zwischenkiefers und des Nasen- 
septunis. 

cf. Anencephalus. 

Arhythmie (d priv., 6 gv&poq Khythmus) bezeichnet 
eine Störung in der rhythmischen Thätigkeit irgend eines Organes, 
insbesondere der rhythmischen Thätigkeit des Herzens. 

Arrosio (arrodere benagen) die Benagung, teilweise 
Zerstörung — bes. v. Gefässwänden — durch Geschwürsprozesse, 
cf. Corrosion, Erosion, Exfoliation, Exesion, Usur. 



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Arthritis 43 

Arteriitis* und Arterio-Sklerofti* {f t doTtjQt'a die 
Arterie, nicht von <Lto rof- äeoa xrjQnv vom Luftführen — 
irrtümliche Anschauung der Alten, davon herrührend, 
dass die Arterien nach dem Tode leer getroffen wer- 
den, sondern von aeioto hebe) vd. Endarteriitis, Mesarteriitis, 
Periarteriitis lind Sklerose. 

Arteriotomie (tipvm schneiden) die Eröffnung einer 
Arterie zum Zwecke der Blutentleemng. 

Arthralgia ». Arthropathia (i6 aoOgov Gelenk 
v. äga) fügen, to akyog Schmerz, r6 .iddog Leiden) Gelenk- 
neuralgie, kommt hauptsächlich vor als: 

A. hysterica in einem oder allen zu einem Gelenk tretenden 
sensiblen Nerven bei hysterischen Frauen, gewöhnlich zugleich 
nüt Hyperalgesie der Haut unter dem Bild einer heftigen Gelenk- 
entzündung, aber ohne alle objektiven Symptome; eine vorwiegend 
im Hüft- und Kniegelenk auftretende Neuralgie. 

A. sarurnina eine Äusserungsform der chron. Blei-Intoxikation, 
in reissenden Schmerzen der Gclenkgcgeud und in den dieselben 
überspannenden Muskeln, bes. den Flcxoren der Unterextremitäten, 
bestehend, mit Crampi der letzteren während der Exacerbationen. 

cf. Coxalgic, Arthropathia, 

Arthrektomie (*xrf<w»> herausschneiden i. q. Ge- 

lenksresektion. 

Arthrembolie (<?>/*«//.<.> hineinwerfen oder -brin- 
gen) wenig gebräuchlich für Repnsitio luxationis. 
cf. Redressement. 

Arthremphyten («> in, v »'"» wachsen) vd. Arthrolith. 

Arthritis Gelenkentzündung. Da zu einem Gelenk 
Synovialmembran, Gelenkkapsel. Bänder, Kuorj^l und Knochen 
gehören, so gebührt jener Name nur denjenigen Entzündungs- 
formen, welche gleichzeitig und primär alle oder doch ausser der 
hauptsächlich beteiligten Synovialmembran noch mehrere der 
wesentlichen Geleukbestandteile betreffen. Das ist der Fall bei 
dem chronischen Gelenkrheumatismus, der Gicht und der 
deformirenden Gelenkentzündung. 

cf. Synovitis, Arthrokacc, Polyarthritis, Chondritis. 

A. rheuinatica chronica s. Rheumatismus articulorum 
chronicus ist eine rein örtliche, in einer äusserst langsam und 
schleichend verlaufenden Entzündung eines oder mehrerer Gelenke 
bestehende Krankheit, welche entweder nach einer akuten Poly- 
arthritis oder nach anderweitigen akuten (z. B. gonorrhoischen, 
traumatischen) Gelenkentzündungen (cf. Synovitis) zurückgeblieben 
oder in selteneren Fällen ohne solche primär entstanden ist und 
sich auf keine andere Ursache, als auf rheumatische Einflüsse 



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44 Arthritis 

zurückführen lässt. Sic vorläuft mit entzündlichen Verdickungen 
der Synovialis, Knorpel und Gelenkkapsel, welche eine grosse 
Steifigkeit der Gelenke zur Folge haben. Eine rnterfonn ist: 

A. vertebralfs Beteiligung der intervcrtebralen Gelenkver- 
bindungen, welche zu Ankylose, besonders in der Cervikalgegend, 
zu einer Schädigung der Nervenwurzeln u. Neuritis führen kann. 

A. urica (t6 orgov Harn, also A. durch Harn-, bezw. 
Harn Säureausscheidung in die Gelenke) s. vera (Urar- 
thritis, Panarthritis urica [Hueter], gewöhnlich Arthritis 
schlechtweg oder Podagra, weil am häufigsten das Fuss- 
zehengelenk befallen wird, hingegen Ghiragra, wenn das Hand- 
gelenk, Gonagra, wenn das Kniegelenk, Omagra, wenn das 
Schultergelenk, Ischiagra, wenn das Hüftgelenk und Raehis- 
agra. wenn die Wirbeige lenke vorzugsweise Sitz der Affektion 
sind) die Gicht oder Harnsäuredyskrasie ist eine chronische kon- 
stitutionelle Krankheit, welche durch schubweise und in schmerz- 
haften Anfällen auftretende Ablagerungen hanisaurer Salze, be- 
sonders in und um die Gelenke, oder in andere knorpelige Teile 
()hrläp|K-hen, Kehlkopf) charakterisirt und hauptsächlich auf erb- 
liche Anlage, üppige I>ebensweise und chronische Blei-Intoxikation 
zurückzuführen ist, welche Momente eine Überladung des Blutes 
mit Harnsäure begünstigen, bezw. die Lösungsfähigkeit der Säfte 
für dieselbe (alkalische Basen) vermindern. 

A. typica s. regularis die normale akute Gicht, die nach 
verschiedenen Vorboten in einzelnen, meist nächtlichen Anfällen 
auftritt und in ■/* allor rezenten Fälle das Mctatarsophalangoal- 
gelenk einer grossen Zehe l>ctrifft (Podagra , 

A. vaga wobei (in älteren Fällen) die Affekt ion von einem 
Gelenk aufs andere überspringt; macht den Übergang zur 

A. chronica s. atypica s. atonica (die letztere Bezeichnung 
von der Vorstellung der Alten, dass der Organismus nicht mehr 
die Kraft besitze, den Krankheitsstoff durch eine kräftige depu- 
ratorische Aktion aus dem Blut zu beseitigen) diejenige Form, bei 
welcher die begleitenden, bes. gastrischen und nervösen Störungen 
(Status arthriticus) mehr in den Vordergrund treten, die 
Gelcnkaffcktionen hingegen weniger heftig und regelmässig auf- 
treten, aber um so andauernder sind, indem die Gelenke ge- 
schwollen und durch die Ablageningen ^Tophi s. Nodi arthri- 
ticii höckerig aufgetrieben und verunstaltet bleiben. Der Reiz 
der Konkremente kann zu hartnäckigen Geschwüren Uleera 
arthritica) Veranlassung geben. In den inneren Klassen kann 
die Krankheit von vornherein in dieser Form auftreten. 

A. visceralis (interna) Affektionen innerer Organe, welche 
durch alternirendes Auftreten mit den gichtischen Gelenkaffektionen 
auf eine innige Beziehung zu diesen letzteren hindeuten (retro- 
grade (Hier metastatische, larvirte oder latente Gicht.». 



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Arthrogryposis 



45 



Hievon sind jedoch nur dio Nephritis und Pyelitis uratiea 
durch uratischc Ablagerungen charakterisirt. 



kationen der (ficht (Hämorrhoidalbcschwerdcn, Lithiasis, End- 
arteriitis, Herzleiden etc.;. 

A. defonnans s. nodosa (A. pauperum s. spuria s. 
rheumatoides s. sicca, Rheumatismus nodosus, Malum 
senile articulorum , (Jhondritis hy perplast ica tuberosa, 
Polypanarthritis [Hüter], A rthroxerosis) rheumatische 
oder Knotengicht, gichtischer Rheumatismus, nicht mit 
dem chronischen (ielcnkrheumatismus zusammenzuwerfen, eine 
stets fortschreitende, auf chronisch entzündlichen Prozessen be- 
ruhende Ernährungsstörung aller das Gelenk bildenden Teile, bes. 
der Knorj>el, durch welche es teils zu abnormen j>eripherischen 
Wucherungen, teils zum Schwund dersellien ( Abschleif ung) und 
infolge davon zur gänzlichen Missgestaltung und Verschiebung der 
Gelenke kommt, womit gewöhnlich noch hochgradige Reflcx- 
kontrakturen der Muskeln verbunden sind. 

Die Krankheit gehört dem späteren Alter an, hat mit der 
echten Gicht gar nichts gemein, hingegen kann die erste der 
folgenden Formen durch rheumatische Einflüsse verursacht werden, 
oder sämtliche Formen können sich mit dem chronischen Gelenk- 
rheumatismus kompliziren. 

Die erste Form beginnt in der Kegel an den Finger- und 
Zehengelenken und schreitet von da allmählich oder in inter- 
kurrenten Exazerbatioueu nach den grösseren Gelenken fort. Das 
ist die speziell als Knotengicht, A. pauperum oder rheu- 
matische Gicht bezeichnete Form, welche vorzugsweise eine 
Krankheit der ärmeren Volksklassen ist und auf welche ausserdem 
Anstrengungen der betr. Teile und psychische und nervöse Ur- 
sachen von Einfluss zu sein scheinen. 

Die zweite, vorzugsweise als ^senile" bezeichnete Form 
(am häufigsten als Malum coxae senile) tritt zuerst und am 
ausgeprägtesten an den Gelenken des Kumpfes, der Hüfte und 
Wirbelsäule auf und schreitet erst später ]>eripher nach den Ex- 
tremitäten fort. 

Einer dritten, monartikulären, oft mit kolossalen Ge- 
lenkdeformationen einhergehenden Form liegen wohl immer trau- 
matische Einflüsse zu ({runde. 

cf. Spondylitis deform., Arthrolith, Hallux valgus. 

Arthrodesi* (»} deau Binden) Methode der Gelcnks- 
verödung, welche darauf abzielt, ein ohnehin unbrauchbares Ge- 
. lenk zu versteifen und so beispielsweise an einer V'nterextreniität 
einen natürlichen Stelzfuss herzustellen. 

Arthrojcryponiw (ygvxdg gekrümmt yov*o<o) [Hippo- 
k rates j eine der Tetanie verwandte, in den ersten Lebensjahren 
ziemlich akut, bisweilen mit Fieber auftretende Krankheit, welche 




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46 



Arthrokace 



in anhaltenden tonischen Krämpfen und Streck- oder Beuge- 
kontrakturen einzelner oder aller vier Extremitäten besteht. 

t 

Arthrokace (rj xäxtj die schlechte Beschaffenheit, 
v. xaxo?) s. Caries funirosa artuum, Gelen kearies ein aus 
Synovitis und Ostitis fungosa zusammengesetzter Prozess, wobei 
bald die eine, bald die andere Erkrankung die primäre ist, falls 
sie nicht von Anfang an gleichzeitig auftreten. 

Die sich ausbreitenden schwammigen Granulationen der Sy- 
novialis oder des Knochenmarkes durchwuchern und verzehren 
den Gelenkknorpel , die periartikulären Gewebe werden mit in 
den Wucherungsprozess hineingezogen, es bilden sich Abszesse 
und fistulöse Geschwüre, die in die schwammigen Gelenkwuche- 
rungen oder in das eiternde Markgewebe der Epiphysen hinein- 
führen. 

Je nachdem das Hüft-, Knie-, Schulter- oder die Wirbel- 
gclenke in dieser Weise erkranken, spricht man von Cox-, Gon-, 
Öra- und Spondyl -arthrokace, und da die Krankheit meist 
skrofulöse Kinder befällt, ist sie auch Pädarthrokace genannt 
worden. 

cf. Olekranarthrokace, 

Arthr okieisig {x)M<o schliessen) die Feststellung eine* 
Gelenkes durch Resektion wegen Muskellähmungen oder Kontrakturen. 

Arthrolith (6 XiOo? Stein) s. Mures articulares s. 
Corpora mobilia articulorum s. Arthremphytcn (s. d.) freie, 
verkalkte Gelenkkörper, Gelenk mäuse, welche im Anschluss an 
die Knorpelhyperplasie bei Arthritis deformans durch Abschnürung 
warziger Auswüchse der Gelenkknorpcl oder durch Wucherungen 
(sog. dendritische Vegetationen) der Synovialmembran entstehen. 

cf. Corpora oryzoidea. 

Arthromeniiigiti* (>? ftfjviy$, -iyyog Haut [Hippo- 
krates]) i. q. Synovitis. 

Arthropathia (ro xä&oc; Leiden) Gelenkleiden. 

A. tabidoruin, bei Tabes vorkommende, der Arthritis defor- 
mans ähnliche Gelenkaffektion, wahrscheinlich trophoneurotischen 
Ursprungs. 

A. hystcrica et saturnina vd. Arthralgia. 

Arthrophlogosis (ji ylöycooig Entzündung v. tf)Jya> 
brennen) Gelenkentzündung im Allgemeinen, 
cf. Synovitis, Arthritis, Arthrokace. 

Arthrophyten (ro qvzöv Gewächs) vd. Arthrolithen. 

Arthroplastik (xkaoow formen, bilden) Transplan- 
tation u. Einheilung toter und lebender Fremdkörper als Ersatz- 
stücke zur Erzielung eines beweglichen Gelenkes nach Resektion 
desselben. 

cf. Osteoplastik, 



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Aspergillus 47 

Arthropyosis (ro .tror Eiter, jn-oW eitere) i. q. Sy- 

novitis pumlenta. 

Arthrospor vd. $|»orulatioii. 

Arthrotomie (rr/wo schneiden) die Eröffnung eines 
Gelenks durch Schnitt. 

Arthroxerosis (s*jo<k trocken), Arthritis sicca wenig 
gebräuchlich für Arthritis deformans. 

Ascites (o aaxhtjs sc. vfigtoy, Adj. zu 6 twxtk Schlauch) 
Bauchwassersucht, seröse Transsudation in die Peritonealhöhle, 
entweder als Teilerscheinunir eines allgemeinen Hydrops oder iso- 
lirt infolge von Stauungen im Bezirk der Unterloibsgcfnsse, bes. 
der Pfortader. 

cf. Hydrops. 

A Hernie (ro otjua Zeichen) s. Asymbolie Störung der 
Zeichen bildung und des Zoiehenverständnissos, ein weiterer Begriff 
als Aphasie, der auch die Agraphie, Alexie und Amimie mit ihren 
Varietäten (Paraphrasie etc.) umfasst: Asemia verbalis, gra- 
phica, mimica, — paraphasica, paragraphica, parami- 
m ica, und zwar entweder expressiva, wenn sich das Unver- 
mögen auf den Ausdruck, und pereeptiva, wenn es sich auf 
das Verständnis erstrockt. 

Asepsis, Adj. aseptisch (« priv., orj.-ra) faulen) fäulnis- 
freier Zustand, gebraucht von Wunden, denen die Fäulniserreger 
Bakterien) ferngehalten worden sind. 

cf. Sepsis. 

Askaris lumbrieoides (ij aoxao/V Spulwurm, aoxa- 
(juo) hüpfe — oxaiota der dem Kegenwurm — lunibrtcu«, 
von lubricus schlüpfrig — ähnlich ist, eTSm) ein zylindrischer 
rötlicher Wurm, der l>eim Menschen im mittleren Abschnitt des 
Dünndarms lebt und sich wahrscheinlich aus den mit der Nah- 
rung eingeführten Eiern entwickelt. 

cf. Helminthiasis. 

AskokokkuM (o aax<k Schlauch, Haut, x6xxo<; Kern) 
ein von Billroth beschriebener, nach neueren Methoden noch 
nicht erforschter Mikrobe. 

Aspergillus, Aspergilleen {aspergiüum eig. Wedel, 
v. aspergere besprengen) Schimmelpilze mit ungeteilten Frucht- 
tragern (Hyphen\ an deren keulenförmig angeschwollenen Enden 
sich die sog. Stcrigmen (Zwischenfruchtträger) mit ihren Sporen 
entwickeln. Man kennt nicht pathogene Arten: A. albus, glaueus 
und niger, und pathogene: A. flavescens und fumigatus. Beim 
Menschen sind hier und da Mykosen beobachtet worden (Otitis, 
Keratitis [s. d.] aspergillina), welche durch pathogene Aspergilleen 
hervorgerufen werden sollen. 



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48 Aspermatismus 

AspermatismoH (d priv., n) o.TF.Qfta Samen) diejenige 
Form von männlicher Sterilität, bei der die Potentia coenndi un- 
beeinträchtigt sein kann, aber keine Ejakulation stattfindet. 

cf. Sterilität, Impotenz, Azoospermie. 

Asphyxie (Galen d priv., 6 öqvyfKk Puls, von a<pi\ot 
wallen, schlagen) eigentl. Pulslosigkeit, während man eigen- 
tümlicherweise gerade den Mangel der Atmung, auch bei noch 
vorhandener Herzbewegung, darunter versteht: der Scheintod, 
tiefe Ohnmacht, Mangel der äusseren Lct>enserseheinungen. 

cf. Synkope, Collaps. 

Asphyktica (sc. Phannaca) asphyxircnde Mittel, worunter 
man hauptsächlich die erstickenden Gifte und Gase versteht. 

Aspiration (ad-spirare) die von Diei lafoy eingeführte 
Methode, Luftansammlungen bes. in irrcponiblen Hernien, oder 
flüssige Kontcnta in Geschwülsten, Höhlen etc. durch Ansaugen 
mit einer Spritze nach vorgängiger Punktion mit einer nadei- 
förmigen Kanüle zu entfernen. Zur Entleerung von flüssigen Con- 
tentis ^namentlich Pleuraexsudaten) ist einer der gebräuchlichsten 
der von Potain konstruirte Aspirationsapparat, l>ei welchem der 
flüssige Inhalt durch eine mit einem Schlauch verbundene Kanüle 
in eine Flasche, deren Luft verdünnt ist, geleitet wird. 

Aspirationspnenmonie lobuläre Lungenentzündung, 
die bei benommenem Sensorium oder infolge von mangelhaftem 
Husten- und Schlingakt (bei Bulbärparalysei durch Aspiration 
von Fremdkörpern auftritt. Syn. Verschluckungspneumonie. 

Asporogen vd. Sporulation. 

Astasie (d priv., St. tozrjfti stellen) Unfähigkeit zu stehen, 
stets verbunden mit Abasie (s. d.), daher auch Astasie-Abasie 
die Kombination der Unfähigkeit zu stehen mit der 
Unfähigkeit zu gehen. Syn. Ataxie par defaut de eoordination 
autoniatiquc; ataxie motrice hyst^rique; statischer Reflexkrampf ; 
Paralysie infantile du seul acte de la marche, amnesie partiale 
spinale, psychisch bedingte Störungen des Gehens u. Stehens. 

Asteatosis vd. Steatosis. 

Asthenisch, Asthenie (d priv., x<) odtvo; Kraft) i. q. 
adynamisch, Adynamie. 

Asthenopia (d priv., rö ot)ho$. f) <5Jy» das Sehen) 

s. Kopiopia Schwäche der Akkommodation*- und der inneren ge- 
raden Augenmuskeln. Unvermögen derselben, die Akkommodation 
und die richtige Einstellung der Axenkonvergenz für kürzere Di- 
stanzen längere Zeit festzuhalten (lies, bei Hypermetropie). 

Man unterscheidet demnach eine A. accommodiiti va und 
m u sc u 1 a r i s | Stkliavac; |. 



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Asthma 



49 



A. nervosa s. retinal]* (Neurasthenia retinae) besteht in 
rascher Ermüdung beim Gebrauch der Augen, die ihre Ursache 
in mangelnder Ausdauer der Netzhaut oder des Sehnervenappa- 
rates hat [Gräfe und Hämisch]. 

Asthma (r6 aoüua von äw hauchen ätoßco, ää£w keuchen) 
ist eine besondere Art der Dyspnoe, charakterisirt durch zeitweise 
wiederkehrende, plötzlich eintretende und rasch bis zu einer mehr 
oder weniger beträchtlichen Höhe sich steigernde dyspnoische 
Anfälle von kurzer bis tagelanger Dauer, wobei besonders die 
Exspiration erschwert und eine starke Lungenblähung vorhanden 
ist, und welche sich am besten aus einer Neurose, entweder mil- 
des Vagus (Bronchialmuskelkrampf), oder des Vagus und der 
Phrenici (tonischer Zwerchfellkrampf), in vielen Fällen mit gleich- 
zeitiger (vorgängiger? ursächlicher?) hochgradiger Hyperämie der 
Bronchialsehlcimhaut infolge vasomotorischer Nerveneinflüsse er- 
klären lässt [Riegel in ZHj. 

Es tritt entweder idiopathisch (essentiell) oder sympto- 
matisch (reflektorisch), d. h. in indirektem Zusammenhang mit 
pathologischen Affekt ionen der Respirationswege, besonders der 
Nase und anderer Orgaue auf, welche nicht derart sind, dass sich 
die plötzliche Atemnot direkt von ihnen ableiten Hesse (vd. Dyspnoe). 

A. bronchiale s. nervös um die gewöhnliche nervöse Form, 
auch Asthma schlechtweg. 

Die Unterscheidung verschiedener symptomatischer Formen 
geschieht hauptsächlich nach den mannigfachen indirekten Ur- 
sachen, und sind darunter besonders hervorzuheben: 

A. cardiacum (bei Herzleiden), A. üiabeticum (terminal 
bei Diabetes), A. uracinicuin (Teilerscheinung der Urämie). 



Störungen (auch bei Kardialgie und wahrscheinlich auch bei Wunn- 
reiz, A. verminosum) hervorgerufen wird. 

A. uterinum s. Apnoea uterina das reflektorisch bei Affek- 
tionen der weiblichen Sexualorgane oder bei Hysterie ohne alle 
pathologischen Veränderungen der Rcspirations- und Zirkulations- 
organe hervorgerufene A. (mit oder ohne eigentliche Dyspnoe). 

A. idiosynkraticum durch psychische oder durch Sinnes- 
eindrücke, bes. der Riechnerven, hervorgerufenes A. — Hieher 
gehört das sog. Heu-A. vd. Catarrhus aestivus. 

A. herpeticuui vd. Herpcs, von Waldenburg vorgeschlagene 
Bezeichnung für die zu Hautaffektionen in augenscheinlicher Be- 
ziehung stehenden Formen von A. 

A. arthriticum die in nicht näher bekannter Beziehung zur 
Gicht stehende Form. 

A. saturninum seltene, durch Einatmung von Bleiweissstaub 
veranlasste Form. 

A. humidum nannte man früher' Anfälle von Atemnot, verbun- 
den mit sehr reichlichem serösen Auswurf ( vd. Bronchorrhoea serosa. 

cf. Pneumonokoniosia, Spasmus inspiratorius. 
Roth's Klinische Terminologie. -i. Aufl. A 




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f>0 Astigmatismus 

Astigmatismus (« /j«'r., t« ouy?m der Punkt von 
oTtZw punktiren^ Brcnnpunktmangel, derjenige Zustand, welcher 
infolge zu grossen Unterschiedes zwischen den Brcehungszuständcn 
verschiedener Meridianebenen des dioptrischen Apparates un- 
deutliches Sehen bedingt, indem die Objekte in jeder Distanz in 
Zerstreuungsfiguren wahrgenommen werden (A. regularis). 

Man unterscheidet drei Formen von A. rcgularis: 

1) den einfachen A. : der eine Hauptmcridian verhält sich 
normal, der andere myopisch oder hyperopisch; 

2) den zusammengesetzten Ä.: in beulen Hauptmeridianen 
l>esteht Myopie oder Hyperopic verschiedenen Grades. 

3) den gemischten A. : Myopie im einen, Hyjieropie im an- 
deren Meridian. 

A. irrepularis : die Lichtstrahlen werden in ein und dem- 
selben Meridian so unregelmässig gebrochen, dass keine Ver- 
einigung derselben auf der Netzhaut stattfindet [nach Stell- 
wag]. Ein geringer Grad von A. irregularis findet sich auch im 
normalen Auge infolge des Baues der Linse. 

ct. Ametropie. 

Asymbolie (d priv. f t6 av^fiolov Zeichen von ovußäk/.o) 
zusammenwerfen, nämlich gewisse Begriffe mit ge- 
wissen Zeichen) i. q. Asemie. 

Asynergie («, nrr, xo egyov Werk) fehlendes oder un- 
gleiches Zusammenwirken, gebraucht von paarigen Organen 
(Augen, Stimmbändern etc.). 

Asystolie (d priv., f] avmofo) Zusammenziehung 

von av-atikkw) eigentl. mangelnde Zusamnienziehung, von Beau 
für „gestörte Kompensation bei Herzkrankheiten* in 
die Terminologie eingeführt. 

Atavismus (atüvus Urolternvater, Vorfahre über- 
haupt) Hervortreten von Eigenschaften, welche irgendwelche 
Voreltern besassen, aber die vorausgehende Generation oder meh- 
rere derselben nicht besassen. 

cf. Heredität. 

Ataxia (<i priv., fj ra&c Ordnung von niaou» reihen) 
Störung der statischen und lokomotorischen Koordina- 
tion. Dieses Symptom kann durch pathologische Vorgänge an 
den Zentren der Koordination (Kleinhirn, Pcms und Vierhügel , 
aber auch im Rückenmark durch Unterbrechung der Verbindungen 
mit jenen Zentren bedingt sein. Fried reich unterschied danach 
eine cerebellare, cerebrale und spinale A. 

Hereditäre A. oder Friedreich'sche Form der Tabes, eine 
der Tabes ähnliche, al>er im jugendlichen Alter auftretende, ge- 
wöhnlich bei mehreren Geschwistern vorkommende Rüekenmarks- 



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Athetose ÖJ 

krankheit von sehr chronischem Verlauf. Hauptsymptom ist die 
Ataxie, die sich verhältnismässig früh von den Beinen auf die 
Arme verbreitet; die Reflexe verschwinden, dagegen bleibt im 
Gegensätze zur Taings dorsalis die Sensibilität meist völlig intakt. 
Im späteren Verlauf treten gewöhnlich Sprachstörungen und Ny- 
stagmus auf. Anatomisch handelt es sich um eine kombinirte 
Degeneration der Seiten- und Hinterstränge, 
cf. Paraplegie ataktische. 

A. hysteriea A. als Symptom der Hysterie, wahrscheinlich 
mit. sogen. Spinalirritation zusammenhängend (vd. Abasie, Astasie). 

Literale A., das „Silbcnstolpcrn", eine ataktisehe Sprach- 
störung, die tesonders häufig bei Dementia paralytica vorkommt. 

Sensorische A. die |nach Lkydkn] durch Sensibilitäts- 
störungen bedingte A. 

cf. Tabes, Dementia paralytica. 

Atelekta*is (dirkt/*; unvollständig d pnr., x<> r« f /os 
Vollendung, rj exröoK Erweiterung, ix-ttivt» ausdehnen) 
*. Apneuinatosls der Zustand des N ichtauf geblasenseins der 
Lungenalveolen, wie er im fötalen Zustande vorhanden ist. Dauert 
derselbe nach der Geburt fort, so wird er zur pathologischen A: 

A. adnata, A. im engeren Sinn im Gegensatz zur 

A. aequisita, der erworbenen A.: diese ist entweder eine Ob- 
struktions-A. (Lungenkollaps) , d. i. Wirkung der Ver- 
stopfung der Bronchiallumina auf das dahinter liegende Lungen- 
parenchym, wobei die Luft durch die elastische Retraktion der 
Alveolen entweder ausgetrieben oder resorbirt wird, oder eine 
Konipressions-A., wenn die Luft durch Druck von aussen aufs 
Lungengewebe aus den Alveolen ausgepresst wird. 

cf. Splenisation. 

Atherom (*/ ä&yoa, adaot) Brei, ädr'jgaifia) Geschwulst 
mit breiiger Materie, Grützbeutelgeschwulst, die höchst ent- 
wickelte Stufe der Haarbalgretentionen {cf. Comedo, Milium, Cy- 
stis). Der Haarbalg wird zur Cystenwand und durch das Sekret, 
einen bröckelig-schmierigen Brei von fettig degenerirten Epidermis- 
zellen, Fetttröpfchen, Cholestearin und feinen Härchen, bis über 
Taubeneigrösse ausgedehnt und tritt aus der Cutis ins subkutane 
Bindegewebe heraus [nach Rindfleisch]. 

Athcroma arteriale s. Atherosis der atheromatöse Pro- 
zess, eine in breiiger Erweichung — fettiger Entartung — be- 
stehende regressive Metamorphose der bei Endart eriitis chro- 
nica deformans (s. d.) auftretenden Verdickungen der Intima 
der Arterien wand. 

Athetose {ä-foros, ohne feste Stellung, « priv., ri&tjin) 
von Hammond vorgeschlagene Bezeichnung für ein in anhaltcn- 
den, langsam und mit einer gewissen Regelmäßigkeit, aber un- 
willkürlich erfolgenden Bewegungen der Finger und Zehen sich 

4* 



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5> 



Athrepsia 



äusserndes l/'iden, das gewöhnlich Symptom und Begleite rschei 



sonders der cerebralen Kinderlähmung ist, jedoch auch selbständig 
vorkommt. 

Man unterscheidet eine A. monolateralis s. Hemiathe-- 
thosis mit einseitigen, und eine A. bi lateralis mit doppel- 
seitigen unwillkürlichen Bewegungen. 

et'. Chorea, Hemiplegia spast. int'ant., Poliencephalitis. 

Athrepsia (d priv., ro/^w. Futur: ßof^co nähren) i. q. 
Atrophie. 

Atmiatrie (« dr/<oc Luftkreis, von ä<» wehen, 
»} imoein Heilkunst) Atmungs- und Lufthcilknndc [P. Nie- 
meyer]. 

Atonia, Adj. atonisch (?/ dtovia, d priv., tfi>u> spannen) 
die Erschlaffung, Schlaffheit, Anenergie der Funktionen, z. B. 
A. uteri rvd. Exhaustio), A. des Darms. 

et'. Adynamie. 

Atreaia (d priv., rj igf/oi; Loch von modo) bohren) voll- 
ständige Versehliessuug oder Verwachsung von physiologischen 
Müudungcn oder Kanälen, z. B. A. ani, A. hymenis, A. oris, 
A. orificii externi uteri, A. vaginae, vulvae. Kommt angeboren 
oder erworben vor. 

A. ani angeborenes Fehlen der Afteröffnung, wobei sich je- 
ck>ch die Bildung eines Afterblindsackes vollzogen hat. Fehlt 
auch dieser, so heisst der Zustand A genes ia ani, wenn hin- 
gegen der After bis über die Sphinkteren ausgebildet und das 
Rektum hier verschlossen ist : Atresia recti. 

A. ani vesicalis s. Fistula recto- vesicalis; l>ci dieser 
angeborenen, nur bei Knaben vorkommenden Missbildung fehlt 
der After, und das untere Ende des Mastdarms mündet in die 
Blase oder Harnröhre (A. urethralis . 

A. ani vaginalis congenita falsche Bezeichnung für das 
Bestehenbleibcu der Kloake, da bei einer Hemmungsbildung der 
Mastdarm nicht in die Scheide mündet, sondern mit dem Ende 
des Urachus und der Keimdrüsen einen gemeinsamen Kanal bildet. 

A. totalis vd. Defectus vulvae. 

cf. Striktur, Stenose, Stenochorie. 

Atrichia, Atrichosis (d priv., >} 0oi$, Tmy6$ Haar, 
rotxdco behaare) vd. Alopecia congenita, 
cf. Trichosis. 

Atropliia (« priv., jge<pnv nähren) eine regressive Meta- 
morphose, die aber auch andere Ursachen als unvollkommene Er- 
nährung, wie der Name ausdrückt, haben kann, wobei die Teile 
kleiner werden, indem ihre Elemente an Volumen oder auch an 
Zahl abnehmen. 

cf. Hypertrophie, Aplasie, Tabes, Macies, Phthisis, Pädatrophie, 
Heraiatrophie. 




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Atrophia 



53 



A. Iiepatis acuta i. q. Hepatitis parenchymatosa acuta. 

A, iiiusciiloruiii progressiva« die progressive Muskelatrophie. 
Unter diesem Namen wurden bis vor wenigen Jahren mehrere in 
ihrem Wesen sehr verschiedene Formen des progressiven Muskel- 
schwundes zusammeugefasst. Durch neuere Untersuchungen ist 
die Kontroverse, ob die progressive Muskelatrophie spinalen [Chak- 
cot], myopathischen [Friepreich] oder neuritischen [Leyden] 
Ursprungs sei, vorläufig dahin entschieden, dass es sowohl spinale 
als auch primär myopathische Erkrankungen der genannten Art 
gibt, die sich anatomisch und klinisch scharf von einander trennen 
lassen : 

A. Spinale Form: A. musculor. progress. spinalis s. »Atro- 
phie musculaire progressive, type Duchexne-Aran 4 *, anatomisch 
charakterisirt durch fortschreitende Atrophie der Ganglienzellen 
in den grauen Vordersäulen des Rückenmarks mit degenerativer 
Atrophie der entsprechenden motorischen Nerven und Muskeln, 
äussert sich klinisch in einem fortschreitenden Muskelschwund und 
diesem parallel gehender Bewegungsstörung, beginnt in der Mehr- 
zahl in den Muskeln der Handballen und in den Interrossei, geht 
später auf Schulter- und Oberannmuskeln über und kann schliess- 
lich einen grossen Teil der gesainten Körpermuskulatur ergreifen, 
endigt oft mit den Erscheinungen der Bulbärparalysc (s. d.). Sen- 
sibilität, Blase und Mastdarm bleiben intakt. Die Sehnenreflcxe 
werden in den atrophischen Gebieten abgeschwächt, bezw. auf- 
gehoben. Die elektrische Erregbarkeit ist meist herabgesetzt, hier 
und da findet man komplete oder partielle Entartungsreaktion. 
In den atrophischen Muskeln treten fibrilläre Zuckungen auf. 

B. Primär myopathische Formen, bei denen Rücken- 
mark und Nerven intakt sind — Dystrophia inuscularis pro- 
gressiva [Erb] zerfällt in: 

1. Pseudohype rtrophie der Muskeln s. Lipomatosis 
luxurians inuscularis progressiva [Heller] s. Atrophia 
musculor um lipomatosa [Seidel] s. JHaralysie pseudo-hyper- 
trophique ou myosclerique [Duchenne] entwickelt sich im Gegen- 
satz zur spinalen Form fast immer im Kindesalter auf hereditärer 
Grundlage, so dass meist mehrere Geschwister in gleicher Weise 
erkranken. Das charakteristische Symptom ist die primäre Vo- 
lumszimahme der Muskeln, welche auf einer interstitiellen Hyper- 
plasie des Fettgewebes (Pseudohypertrophie) , teils auf wahrer 
Muskclhypertophie beruht. Sekundär entwickelt sich echte Atro- 
phie der Muskeln. Das sehr chronisch verlaufende Leiden be- 
ginnt meist in den Muskeln der Rücken- und Ivcndengegend, der 
Ober- und Unterschenkel, breitet sich schliesslich aber auch auf 
den übrigen Körper aus. Fibrilläre Zuckungen fehlen. Nie findet 
man Entartungsreaktion. 

2. Juvenile oder hereditäre Form der Muskelatro- 
phie I'Err] mit der Pseudohyjiertrophie nahe verwandt, tritt 
aber etwas später als diese, jedoch in der Regel vor dem 20. Jahre 



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54 Atrophia 

auf, ist ebenfalls eine hereditäre, bezw. familiäre Erkrankung:. 
Die Oberext renn täten werden .schon frühzeitig ergriffen. Einfache 
Atrophie ist das (Gewöhnliche, jedoch kommen Mischungen mit 
Pseudohypertrophie vor. 

3. Infantile Form [Duchenne] mit primärer Beteiligung 
des Gesichtes. Type f acio-seapulo-humtfral von Landouzy 
und Deje'rinc. 

4) Hereditäre Form [LeydenJ mit Beginn im Kreuz und 
den untern Extremitäten und hereditärem oder familiärem Auf- 
treten, im späteren Kindesalter oder zur Pubertätszeit einsetzend. 

Neuerdings schlägt Erb folgende Einteilung vor: 
[. Gruppe der nur bei Kindern vorkommenden Formen: 
Dystrophia musc. progr. infantum zerfällt in: 

1) hypertrophische Form: a) mit Pseudohypertro- 
phie, b) mit wahrer Hypertrophie; 

2) atrophische Form: a) mit primärer Gesichtsbc- 
teiligung (infantile Form), b) ohne Gesichtsbe- 
teiligung (einfache atrophische Form). 

II. Gruppe der im Jünglingsalter und bei Erwachsenen 
auftretenden Formen: Dystrophia musc. progr. juve- 
n um et adultorum. 
Eine besondere Form der familiär auftretenden 
Muskelatrophie ist der von Howard Tooth aufgestellte Pero- 
nealtypus der Muskelatrophie mit Beginn der Atrophie in 
den Extensores digitorum de* Fusses oder den Peronealmuskeln 
im Kindesalter und langsamem Weiterschreiten auf die Arme. 

Fernere Formen von Muskaiatrophie sind: 

A. inusculoruin arthritiea die im Anschluss an Gelenkent- 
zündung auftretende Atrophie der Gelenkmuskem. Sie kann an 
allen Gelenken vorkommen und betrifft hauptsächlich die Muskeln, 
welche das Gelenk extendiren, und kann in seltenen Fällen auf 
die Muskeln einer ganzen Extremität übergreifen. Die elektrische 
Reaktion ist etwas herabgesetzt, sensible Störungen fehlen. Eine 
motorische Neuritis ist auszuschliessen, vielmehr ein reflektorischer 
Ei nf Iure der (relenknerveneutzündung auf die motorischen Zollen 
des Rückenmarkes wahrscheinlich [ Vulpian, Charcöt, Paget J. 

A. lateralis cruciata (latus Seite, cruciare kreuzigen) 
gekreuzte halbseitige A., eine Missbildung, in A. einer Gross- 
hirnhälfte und der entgegengesetzten Hälfte des Kleinhirns, 
Rückenmarkes, der Nerven, Muskeln und Knocheu bestehend 
[Wagner]. 

cf. Hemiatrophia facialis progressiva. 

l'udatrophic vd. Tabes mesaraica. 

A. nervi optici, Sehnervenatrophie, charakterisirt durch 
ein blasses, weissliches oder weissliehgraucs Aussehen der normal 
rötlichen Papille und mehr oder weniger starke Beeinträchtigung 



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Aura 



des Sehvermögen*. Da* Leiden kommt entweder selbständig oder 
sekundär nach Gehirn- und Rüekenmarksleiden, sowie bei der 
Neuritis optica vor. 
et'. Neuritis optica. 

Atrophische Iitth man gen, Lähmungen, die mit 
Abmagerung der betroffenen Teile einhergehen. Ihre 
Ursache ist meist entweder eine periphere Neuritis (oder |>eriphcrc 
traumatische Lähmung 1, oder eine Poliomyelitis anterior, oder 
progressive Muskelatrophie. Am sichersten lässt sich eine durch 
periphere Neuritis hervorgerufene atrophische Lähmung erkennen, 
da hier neben mehr oder weniger ausgesprochener Entartungs- 
rcaktion (die sich übrigens auch bei Poliomyelitis anterior, selten 
bei progressiver Muskelatrophie [partielle Entartungsreaktion | 
findet) ausgesprochene ScnsibilitätsstÖrungeu vorhanden sind, die 
bei progressiver Muskelatrophie ganz, bei Poliomyelitis fast ganz 
fehlen. Bei progressiver Muskelatrophie halten Atrophie und 
Lähmung gleichen Schritt, bei Poliomyelitis geht die Lähmung 
der Atrophie voraus. 

et'. Neuritis, Poliomyelitis, Atrophia musculorum progressiva. 

Atrophodermn tosen (r» öio/ia Haut) Hautatro- 
phien, Klasse von Hautkrankheiten in Tommasoms System. 
Unterabteilungen: 1. Atrophodermien, wozu die allgemeine und 
partielle Atrophie der Cutis, sowie die Alopecia acquisita gehören; 
2. Ulodermiten (s. d.), wozu das Ulerythema centrifugum (Lupus 
erythemat.), U. ophryogencs | Tänzer), U. aeneiformis und sykosi- 
formis [Unna] etc. gehören; 'S. Sklerodermiten (s. d.) -Sklerema 
neonat., Sklerodermia adultorum, Sklerodaktylie. 

Andiphon (audire, i) qcovf) Stimme) vd. Dcntaphon. 

Anra (/} «roa Hauch, dyg Luft). 

A. Cpilcptica die unmittelbaren PivKlromalerseheinungcn 
des epileptischen Anfalles, welche einen Teil des Anfalles selbst 
bilden, gegenüber den eigentlichen Vorboten. Man kann eine 
sensible, motorische, vasomotorische, sensorielle und 
psychische A. unterscheiden, je nach der vorwiegenden Inan- 
spruchnahme der l>etr. Nerveugebiete. Die sensorielle A. kann 
eine Genichs-. Geschmacks-, Gehörs- oder optische A. sein. — 
Eine irrtümliche Meinung war es, dass es jedesmal die Empfin- 
dung eines den Kranken anwehenden Hauches sei. 

A. hysterica die den hysterischen Anfällen zuweilen voraus- 
gehenden nervösen Vorboten. 

A. vertiginosa die Schwindelangst, anfallsweise auf- 
tretendes Gefühl von Angst und Beklemmung mit mehr oder 
weniger intensivem Schwindelgefühl (nl. Vertigo), bei neuro- 
pathisch disponirten Individuen, l>ei Hypochondrie und anderen 
Neurosen, entweder ohne besondere Veranlassung, meist aber 



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56 Auricularanh&nge 

dann auftretend, wenn dieselben in grossen Gesellschaften , Kon- 
zerten etc. sich befinden, oder wenn sie (ohne zuverlässige Be- 
gleitung) freie Plätze betreten (vd. Agoraphobie), oder bei drohen- 
den Gewittern u. dgl. Es scheint sich dabei um eine mit lokaler 
Anämie zusammenhängende Innervationsstörung des Zentralnerven- 
systems zu handeln. 

Auricularanhänge (auricula, äusseres Ohr) vd. 
Polyotie. 

Auskultation (auscultare horchen v. ausicultare v. 
(lUfiicula = auricula , Dem. v. auris) die Kunst, die im Körper 
erzeugten Schallerscheinungen zu erkennen und zu deuten. 

cf. Perkussion, Mensuration, Palpation, Sukkussion. 

Autojrrapliismus (amog selbst, ygävu) schreiben) 
| Messet] Bezeichnung für eine vasomotorische Störung bei Hy- 
sterie, welche darin besteht, dass beim Streichen der Haut mit 
einem Finger, Stift oder dgl. sofort eine Hautrötung entsteht, in 
deren Bereich sich, genau der Zeichnimg oder Schrift entsprechend, 
blassrote urticariaähnliche Wälle erheben. Die in Deutschland 
längst bekannte Erscheinung hat in Frankreich neuerdings grösseres 
Aufsehen erregt. 

Autolaryngoskopie die Laryngoskopie (s. d.) des Unter- 
suchers an sich selbst. 

Antophonie (v <pmrrj Stimme) die durch Offenstehen 
der Tube hervorgerufene lästige Resonanz der eigenen Stimme. 

Autophthalnioskopie (vd. Ophthalmoskopie) Verfahren 
zur Beleuchtung und Besichtigung des eigenen Augenhintergrundes. 

Autoplastik (av*6$ selbst und xkdooa> bilden) die 
operative Deckung von Substanzverlusten durch Ablösung benach- 
barter oder entfernter Teile, die durch eine Ernährungsbrücke zu- 
nächst mit ihrem Mutterboden in Verbindung bleiben. 

Autopsie (17 öij'tg Sehen) i. q. Nekroskopie. 

Autotraiigfnsion vd. Transfusion. 

Avulsio bnlbi (v. avelltre abreissen, ßokßog Bolle) 
Lostrennung des Augapfels von seinen Befestigungen infolge von 
vollständiger oder fast vollständiger Zerreissung der Augenmuskel- 
sehnen und des Sehnerven. 

Azoospermie (d prtv., t6 uoov Tier, ajteg/na Samen) 
Fehlen der Spermatozoen in der Ejakulationsflüssigkeit. 
cf. Aspermatismus. 

Azoturie (Azotum Stickstoff, d priv., to>tn leben, 
t6 ornor Urin) abnorin grosser Stickstoffgehalt des Urins bei 
manchen Formen von Diabetes spnrius. 



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Bacillus 57 

Kacillu« (Dem. von bacidus Stab, Gehstock ßah<o, 
ßatog) das Stäbchen. 

Der Name ist ursprünglich im Gebrauch für Arzneistäbchen 
namentlich zum Einführen von Arzneistoffen in die Harnröhre 
(Bacilli urethrales), dann Sammelname für eine Gruppe der 
Schizomyceten, die Stäbchenbakterien, die von hervorragender Be- 
deutimg für gewisse Infektionskrankheiten sind, deren ursächlichen 
Keim sie darstellen. Die wichtigsten sind folgende: 

B. antliracis der Milzbrandbacillus, ein durchschnittlich ."i 
bis 10 Mikromillimeter langes, 1 bis VU /li breites Stäbchen mit 
1^ kolbig verdickten Enden. Derselbe gedeiht ausserhalb des tierischen 
.Jj Körpers auf deu verschiedensten Nährböden und treibt nur hier, 
. < nicht innerhalb des Körpers Sporen, ist also ein echter Saprophyt, 
r_ der aber nicht selten in den Tierkörper eindringt (fakultativer 
Parasit), sich rapid in diesem vennehren kann und sowohl im 
^ Blute, als auch in inneren Organen, besonders in Nieren, Milz, 
£j Leber, Lunge (Bacillen oder Sporen) nachgewiesen werden kann. 
ry^ Die Hauptmasse der Stäbchen findet sich in den Blutgefässen, 
namentlich in den Kapillaren, während grössere Gefässe fast frei 

f \ sind. Die Milz jvird gleichmässig durchsetzt. — Durch Züchtungs- 

^ versuche und Überimpfung ist von Koch der Beweis erbracht 
£~ worden, dass dieselben das spezifische Gift des Milzbrandes dar- 
stellen. 

cf. Anthrax. 

B. des Careinoras, von Scheuerlen in Fällen von Krebs 
entdeckt, hat sich als harmloser Kartoffelbacillus erwiesen. 

B. der Cholera asiatica s. Komm abacil Ins ein von K. 
Koch nachgewiesenes Schraubenbakterium, richtiger daher als V i - 
brio oder Spirillum Chol. as. bezeichnet, ein kurzes, plumpes, 
vielfach wie ein Komma gebogenes Stäbchen mit abgestumpften 
Enden, meist einzeln, häufig paarweise in S-Form, seltener zu 
Verbänden (Fäden) vereinigt, an welchen erst die schraubenartige 
Gestalt erkannt werden kann. Nach Hceppe bildet er Arthro- 
sporen; eine Dauerform ist aber nicht nachgewiesen. Durch den 
regelmässigen Nachweis in allen und nur in Fällen von Cholera, 
durch Reinkultur und Übertragung ist von Koch die spezifische 
Eigenschaft des Pilzes sichergestellt. 

Dem Konimabacillus morphologisch vollkommen gleich, durch 
da** Verhalten auf Nährböden aber verschieden, ist ein von De- 
neke aus altem Käse gezüchteter Bacillus, welcher auch toxisch 
auf Tiere wirkt, aber in keiner Beziehung zu einer menschlichen 
Krankheit steht. 

Der von Emmerich in Choleraleichen gefundene sogenannte 
„Neapeler Bacillus*, der in ätiologischer Beziehung zur asia- 
tischen Cholera stehen sollte, lässt sich nicht in allen Fällen dieser 
Krankheit nachweisen und soll nach Weisser mit einem sehr 
häufigen „Fäccsbacillus* identisch sein, 
cf. Cholera aaiatica. 



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58 



Bacillus 



B. s.Vibrio der Cholera nostras von Finklkk und Prior in 
den Dojcktionon eines an Ch. nostras Erkrankten entdeckt und ur- 
sprünglich für identisch mit dem Kommabazillus erklärt, in der 
Gestalt dem letzteren äusserst ähnlich, aber grösser und plumper. 
Da er nicht in allen Fällen von Cholera nostras gefunden wird 
und auch unter anderen Umständen (z.B. im Darm und im hohlen 
Zahn eines Gesunden) vorkommen soll, ist seine Beziehung zur 
Cholera nostras zweifelhaft. 

cf. Cholera nostras. 

B. der Diphtherie, ein massig grosses, meist leicht gekrümm- 
tes Stäbchen von der gleichen Länge, al>er doppelten Breite der 
Tuberkelbacillcu, welches keine Sjyoren bildet, von Löffler inner- 
halb diphtherischer Pseudomembranen neben anderen Bakterien 
gefunden, künstlich gezüchtet und mit Frfolg auf gewisse Tiere 
übertragen, an denen diphtherieartige Symptome beobachtet wur- 
den. Nach den Beobachtungen auch anderer Forscher, die das 
regelmässige Vorkommen der L.-schen Bazillen bei Diphtherie 
und ihre ausschliessliche Beziehung zu letzterer nachwiesen, sind 
dieselben als zweifellos pathogen für die Diphtherie des Menschen 
anzusehen. 

cf. Diphtherie 

B. der Influenza ein von R. Pfeipfkr im Auswurf (und bei 
Pneumonie in den Lungen) Influenza-Kranker regelmässig nach- 
gewiesenes, rein gezüchtetes, kleines Stäbchen. 

B. leprae (tinga, kEsioog schuppig, schorfig, Xixto ab- 
schälen) wahrscheinlich der pathogene Pilz der Lepra von Ar- 
mauer Hansex entdeckt, Stäbchen von 1 ' 3 des Durchmessers 
eines roten Blutkörperchens, haben grosse Ähnlichkeit mit den 
Tuberkelbacillen, färben sich aber im Gegensatz zu diesen mit 
gewöhnlichen wässerigen Anilinfarbstofflösungen. Ob sie Sj>oren 
bilden, ist fraglich. Sie finden sich ausnahmslos und nur bei Le- 
pra. Ihre künstliche Züchtung ausserhalb des Körpers ist bisher 
nicht mit Sicherheit gelungen, wohl aber die Erzeugung der Le- 
pra durch Übertragung lepröser menschlicher Gewebsteile auf Ka- 
ninchen und neuerdings (Arninu) auf einen zum T(xlc verurteilten 
leprafreien Verbrecher auf den Sandwichinseln. 

cf. Lepra. 

B. des malignen Odeins pathogen für letzteres, dünne Stäb- 
chen, erheblich schmäler als Milzbrandbacillen, mit abgerundeten, 
nicht verdickten Enden, meist zu längeren l)ogenfönnigeu Fäden 
vereinigt, bilden mittelständige Sporen, verhalten sich wie strenge 
Anaeroben, kommen in verschiedenen faulenden Substanzen vor 
(Zwischepböden, Gartenerde, fauliges Wasser etc.). 

cf. Odem. 

B. inallei (mallem Fäustel, Hammer, v. ma-nm Hand) 
ein Stäbchenpilz, der von Löffler und Schütz als Virus des 
Rotzes durch Nachweis in rotzkranken Geweben, durch- Züchtung 
und Impfung erwiesen ist (vd. Maliasmus). 



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Bacillus 



B. pyocyaneus (rü .tvov Eiter, xvdvtoz schwarzblau) 

der Bacillus de* „blauen" oder „grünen" Eiters, als Ursache 
dieses von Gessard beobachtet, ein kleines, schlankes Stäbchen 
mit abgerundeten Enden. Mit demselben kann in der Entstehung 
begriffene Milzbrandinfektion zum Rückgang und zur Heilung ge- 
bracht werden. 

B. pyogenes foetidus [Passet] ein bei Eiterungen vorkom- 
mender Stäbchenpilz von untergeordneter Bedeutung. 

B. des Rhinoskleroins, kurzes Stäbchen mit abgerundeten 
Enden, häufig in eine Kapsel eingelagert, den Fricdländer'schen 
Pneumokokken sehr ähnlich, zuerst von Frisch konstant in- und 
ausserhalb von Zellen des erkrankten Gewebes beobachtet, später 
von Paltauf und Eiselsber« gezüchtet. Impfversuche lieferten 
noch nicht den vollgiltigcn Beweis für die spezifisch pathogenc 
Eigenschaft des Pilzes. 

et*, lihinosklerom. 

B. der Syphilis — gebogene, den Tuberkelbacillen ähnlich« 1 
Stäbchen, jedoch mit leicht knopffömiigen Anschwellungen an den 
Enden, von Lustgarten durch ein besonderes Färbeverfahren in 
syphilitisch veränderten Geweben und im Sekret syphilitischer Ge- 
schwüre, stets in grossen Zellen eingeschlossen , entdeckt. Ihre 
pathogenc Beziehung zur Syphilis ist noch unerwiesen. Die von 
Matterstock, Alvarez und Tavel im Smegma praeput. u. Vul- 
va re gefundenen Smegmabacillen zeigen den Syphilisbacillen in 
vieler Beziehung gleiches, aber nicht identisches Verhalten. 

B. tubereulosis Koehii der spezifische Pilz der Tuberkulose, 
1882 von Koch entdeckt und durch Züchtung und Uberimpfen 
als Virus der Tuberkulose erwiesen. Der B. tubereulosis findet 
sich am zahlreichsten im Auswurfe phthisischer Kranker, jedoch 
auch l>ei Darmtuberkulose im Stuhle, bei Nierentuberkulosc im 
Urin, sowie in allen Produkten der Tulx?rkulose, selbst wenn die- 
selben, wie die Tuberkel der Dura mater oder des Omentum, voll- 
ständig von der Luft abgeschlossen sind. Er stellt ein schlanke*, 
:> u langes Stäbchen (also kleiner als ein rotes Blutkörperchen) 
mit abgerundeten Enden dar, häufiger geknickt oder gekrümmt, 
meist einzeln, seltener zu zweien oder in Fadenverbänden , bildet 
SjK>ren in- und ausserhalb des Tierkörpers. Er wird am besten 
(Koch, Ehrlich] daran erkannt, dass er gewisse Farbstoffe 
( Fuchsin oder Gentiauaviolettj selbst bei Behandlung mit Salpeter- 
säure und Alkohol festhält. 

cf. Phthisis, Tuberculosis. 

B. des Ty phus abdominalis 1880 von Eberth in Milz- und 
Lymphdrüsen Typhuskranker entdeckt, kleine Stäbchen ! / a so 
gross wie menschliche rote Blutkörperchen, mit abgerundeten En- 
den im Gewelie einzeln oder paarweise vorkommend, können im 
hängenden Tropfen zu langen Fäden auswachsen, lassen sich auf 



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1)0 



Bakterien 



verschiedenen Nährböden züchten, sind nicht in allen Fällen von 
Typhus, jedoch n u r bei dieser Erkrankung gefunden worden, aber 
mit Erfolg auf Tiere übergeimpft [E. Frankel und Öimmonds, 
C. 8kitz]. Sic sind höchst wahrscheinlich die Erreger des Ty- 
phus abdominalis, wenngleich neuere Versuche gezeigt haben, dass 
auch sterilisirte Reinkulturen des B. dieselben Krankheitserschei- 
nungen (durch Intoxikation) hervorrufen wie lebende, 
cf. Typhus. 

B. des Tetanus traumatieus, von Kitasato isolirt, in Kein- 
kidturen gezüchtet und mit Erfolg verimpft, ein grosses, schlankes 
Stäbchen mit abgerundeten, bei eintretender SjMnenbildung trom- 
melschlägerartigen Enden, häufig zu langen Fäden auswachsend, 
strenger Anaerobe. 

cf. Tetanus. 

Ausserdem kennt man noch eine Anzahl von Bacillen, welche, 
da sie klinisch von untergeordnetem Interesse sind, nur mit Na- 
men angeführt werden sollen. Dahin gehört zunächst eine Anzahl von 
parasitischen Bakterien, welche dem Menschen unschädlich, bei Tie- 
ren als Krankheitserreger wirken wie der B. des Rausch br and s, 
der Hühner- und Enten-Cholera, der Kani nehenseptikä- 
mie, der Wildseuche, der Mäuseseptikämic, des Schweine- 
rotlaufs, der Schweineseuche, der Frettchen seuche, fer- 
ner eine grosse Zahl saprophytischer Bacillen, so die Bakterien 
der Milch: B. acidi lactiei, neben anderen Bakterien der wich- 
tigste Erreger der Milchsäuregärung, sowie der B. der Butter- 
säur e gä r u n g ( Hueppe) und der B. b u t y r i c u s ( Prazmowsk i) 
s. am y lob acter s. Clostridium butyricum, endlich der B. 
evanogenus (B. der blauen Milch), sodann die Wasserbakterien: 
der rote B. aus Wasser, B. phosphorescens (mehrere Arten) aus 
Meerwasser, f luoreszirende Bacillen aus Wasser, darunter B. 
erythro sporn», B. viol accus (aus Flusswasser l, endlich ge- 
hören zu den saprophy tischen Bacillen noch: B. figurans vd. 
Proteus, der Kartoffelbacillus, B. megaterium [de BaryJ 
aus verschiedenen Nahrungsmitteln, B. prodigiosus vd. Mikro- 
kokkus, und der diesem ähnliche im Darm des Affen von Koch 
gefundene B. indicus, B. subtilis oder Heubaeillus, der Wur- 
zel form ige B. (aus dem Roden und Wasser), B. spinosus (aus 
der Gartenerde). 

Bakterien*) (r/> ßaxxi)otov Dem. v. ro ßay.roov Stab 



*) Klebs fasst Stäbchen- uud Kugel bakterien unter dem gemein- 
schaftlichen Namen Mikrobakterien zusammen, Rillroth ge- 
braucht die Bezeichnung Kokkos oder Kokkobakterien. Die verschie- 
denen Formen derselben* (Kugel-, Stäbchen-, Ballen- etc. Form) sind 
nach ihm nur verschiedene Entwicklungsformen einer (Algen-) Gat- 
tung, der Kokkobakteria septica. Hueter hat den Ausdruck 



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(i/uo, fiaivo) gehe baculum) ist der generelle Name für die überall 
(im Boden, Luft, Walser, in lebenden Organismen etc.) verbreite- 
ten niedrigsten Glieder des Pflanzenreichs (auch Spaltpilze, Schi- 
zomyceten genannt), welche teils \m den Gärungs- und Fäiduis- 
prozessen, teils l>ei den Infektionskrankheiten eine hervorragende 
ursächliche Rolle spielen. Es sind kleinste, nur mit starker Ver- 
grösserung unter dem Mikroskop sichtbare, einzellige, vielleicht 
kernhaltige, farblose Ijebewcsen (Mikroorganismen, Mikro- 
ben), die sich durch ihre morphologi sehen , noch sicherer aber 
durch ihre chemischen und biologischen Eigenschaften, insbeson- 
dere durch ihr differeutes Verhalten gegen Farbstoffe und gegen 
verschiedene Nährsubstrate (Gelatine, Agar-Agar, Blutserum, Bouil- 
lon, Kartoffeln etc.), sowie beim Uberimpfeu auf Tierkörper von 
einander unterscheiden lassen. Die je nach Form und Wirkung 
unterschiedenen einzelnen Gattungen sind wohl durch äussere Ver- 
hältnisse Veränderungen unterworfen, lassen sich aber immer wie- 
der auf eine typische Form zurückführen, welche für die l>c- 
t reffende Art als höchste Entwicklungsstufe charakteristisch ist 
(Konstanz der Form). Ein Ubergang von einer Art in die 
andere [Nägeli] konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Ein 
Teil der Bakterien, insbesondere die Bacillen, bildet Dauerfonnen 
(Früchte, Sporen). 

Man hat die B. eingeteilt in parasitische, d. h. solche, 
welche nur in lebenden höheren Organismen gedeihen, und sa- 
prophy tische, d.h. solche, welche in jenen sich nicht entwickeln 
können (vielfach fäulniserregende B. , tnde nomtn), sondern sich 
auf toten Teileu organischer Herkunft, im Boden und Wasser ent- 
wickeln. Zwischen beiden stehen diejenigen, welche sich ebenso- 
wohl als Parasiten, wie als Saprophyten entwickeln können (fakul- 
tativ parasitische oder saprophytische B.). 

Die grösste Mehrzahl der B. bedarf zu ihrem Gedeihen 
Sauerstoff (Aerobier), andere aber können bei Anwesenheit von 
»Sauerstoff sich nicht entwickeln, ja einzelne gehen dabei zu G runde 
(Anaerobier); eine dritte Reihe wächst zwar bei Sauerstoff reicher 
Umgebung besser, wird aber durch Sauerstoffmangel im Wachs- 
tum nicht absolut gehemmt (fakultativ aerobe B.). 

Diejenigen B., welche in lebende Tierkörper eindringen und 
in denselben pathologische Erscheinungen hervorrufen, also als die 
Erreger von Infektionskrankheiten anzusehen sind, weiden als pa- 
thogen bezeichnet. Nicht pathogen sind diejenigen, welche sich 
in fremden Organismen nicht entwickeln können [nach C. Fräx- 
kel'8 Grund riss der Bakterienkunde]. 

Trotz dieser wesentlichen Unterscheidungsmerkmale gibt es 



Monaden für Kugelbakterien (Mikrokokken). Lebekt nennt sie 
Mikroinyceten oder Protomyceten , weil es unrationell sei, von 
Kugelstäbchen (i. e. Bakterien) zu sprechen. 



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(>2 Bakteriologie 

noch keine streng naturwissenschaftliche systematische Einteilung 
der B. Nach dem von Ferp. Cohn aufgestellten System unter- 
scheiden wir entsprechend der äusseren Gestalt: 

I. K u gel hak teri en (Sphärobakterien, Kokken, Mikrokokken, 
Monaden), kugelige Zellen, in grösserer Anhäufung wie Detritus 
erscheinend, welche teils isolirt, teils — durch Teilung vermehrt — 
zu zwei- bis mehrgliederigen, rosenkranzähnlichen Fäden (Torula- 
Form, Streptokokkus), teils in vielzelligen, oft traubenartigen 
Verbänden (Staphylokokkus), teils in grösseren scharf begrenz- 
ten, von Gallertmassen erfüllten Haufen (Zooglöa, Kokkoglia, 
Gliakokkus) auftreten. Nur bei einzelnen Kugelbakterien sind 
Geisselfädcn und Eigenbewegungen nachgewiesen, das gewöhnliche 
Zittern der Mikrokokken beruht auf molekularer Bewegung. 

II. Stäbchenbakterien (Bacillen), kürzere und längere 
Stäbehen von zylindrischer Gestalt nieist mit lebhaften, durch 
Geisseifäden vermittelten Eigenbewegungen. Vennehren sich die 
Bacillen, so bilden sie vielfache Vcrbandfomien, die man als Fä- 
den, Fadenbakterien, Desmobakterien oder als Leptothrixformen 
bezeichnet. 

III. Schraubenbakterien (Spirobakterien, Spirillen) sehrau- 
1 unförmige, gewöhnlich aus mehreren Gliedern zusammengesetzte 
Fäden, die el>enfalls Eigenbewegungen besitzen. 

Die einzelnen Bakterienarten vd. unter Bacillus, Mikrokokkus, 
Plasmodium, Spirülus, Staphylokokkus, Streptokokkus etc. 

Bakterium coli commune im Colon einheimischer, nicht 
pathogener Spaltpilz. 

B. gliseroirenuin vd. Gliscrobakterium. 

B. terrae (= terminus = tfo^wv, Ende, Grenze) von 

F. Cohn als eine besondere „Art 44 von Bakterien, als das „Fer- 
ment der Fäulnis" angesehen, zerfällt nach heutigen Anschauungen 
in eine Reihe verschiedener Formen, die noch wenig erforscht sind. 

B. phosphorescens [Fischer] ein Pilz, welcher das Leuch- 
ten an der Oberfläche frischer Fische, bisweilen auch am Rind- 
fleisch, Fett, Brot etc. verursacht. 

cf. Proteus vulgaris. 

Bakteriologie die Lehre von den Spaltpilzen. 

Balanitis (rj ßalavog Eichel) s. Balanoposthltis (r} jtoadij 
Vorhaut) der Ei chclt ripper, katarrhalische Entzündung des 
inneren Blattes der Vorhaut und des Überzuges der Eichel mit 
Absonderung einer rahmartigen Materie, aus abgestossenem Epi- 
thel, Talgdrüsensekret und Eiterkörpercheu, aber nur äusserst we- 
nig Schleim bestehend, da auf den sezernirenden Flächen fast gar 
keine Schleimdrüsen vorhanden sind. 

Er ist häufiger .durch die Reizung von zersetztem Smegnia 
(s. d.), als durch Trippersekret und andere Reize bedingt.- 

B. diabetica die bei Diabetes nicht selten vorkommende B., 



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Bdellatomie W 

weicht» durch Essig- und Milehsäuregärung des im Präputialsack 
stagnircnden zuckerhaltigen Urins entsteht, wobei Pilzsporen und 
Fäden auftreten. 

BallianiUB (o ßa/Mau6c v. ßakXuto tanzen v. ßd/Xm 
umherwerfen) das Zittern ^Tremor, auch gebraucht für Chorea 
■•s. d.). 

Ballottement ( franz. v. battotte Kugel) die Erscheinung 
des Ballottirens, da* Gefühl, welches man z. B. bei der äusseren Unter- 
suchung Schwangerer durch Wegdrücken und Wiederanschlagen 
des Kopfes oder Steisses an der Bauch wand bekommt. Da* B. 
ist auch von differentielUliagnostischer Bedeutung zur Unterscheidung 
eines Gclenkergusses von Bursitis praepatellaris. 

Balneologie u. Balneotherapie {balneum ßalaveiov 
Bad, Badeort) Bäderlehre u. Bäderbehandluug. 

Barä&thesiometer (rd /?doo s - Schwere, iy am&r,ms 
Empfindung, t6 u/rpor Mass) Drucksinnmesser, ein von 
A. Eulen bürg angegebenes Instrument zur genauen Bestimmung 
der geringsten Druckunterschiede, die an einer Taststelle als solche 
empfunden werden. 

cf. Ästhesiometer. 

Bartholinitis die katarrhalische oder blennorrhoische 
Affektion des Ausführungsganges der Bartholin ['sehen Drüse, 
welche während oder auch nach Heilung einer Vulvitis oder 
Vaginitis entsteht. 

Baryekoia (ßapv* schwer, »/ äxoi) das Gehör w 
ay.ovoy) die Schwerhörigkeit, 
cf. Surditas, Parakusis. 

Basedow'sche Krankheit vd. Morbus. 

Itasiriien (Neubildung ßaaiötov) vd. Penieilliuni. 

KanilyniM (*) ßaotg Schritt, Grund, hier: der Schädel, 
// Ivatg Lösung) , Basiothrypwie (dov.ino — xolßM, tero r 
zerreiben), Basilyttt, Basiotrib vd. Ccphalothrypsie. 

Bathymorphia (ßadh tief, lang, ftogyrj die Form) 
gew. B. bulbi Langbau des Auges, Vergrößerung des Längs- 
durchmessers des Bulbus, hauptsächlichste Ursache der Myopie. 

cf. Platymorphie. 

Battarismus {ßatragiudi stammeln) s. Tumultus..ser- 
monis das Poltern oder Krude In, hastiges Sprechen oder Über- 
stürzen mit teil weisem Verschlucken der Silben. 

cf. Dysarthrie, Bradyphrasie. 

Bdellatomie (rj ßdttXa der Blutegel v. ßHatim sau- 
gen; riftva schneiden) das Anschlagen der saugenden Blut- 
egel mit dem Adcrlaesschncpper, um die Menge und Schnelligkeit 
der Blutentleerung durch dieselben zu steigern. 



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()4 Beehica 

Beehica sc. remedia (*} ßfö der Husten, davon ßty/ixoc 
gegen den Husten wirkend) Bezeichnung für alle gegen 
Husten gebräuchlichen Arzneimittel. 

Bednar 'sehe Aphthen (vd. Aphthac), Deeubitalgeschwüre 
bei Säuglingen an den Stellen den harten Gaumens, an welchem 
die Schleimhaut über den Hamulus pterygoideus gespannt ist, 
hervorgerufen durch den Sangeakt, oder — wahrscheinlicher — auch 
das Reil>en beim Reinigen des Mundes. 

Heribert, (beri hindost.: Schaf), Kak-ke der Japa- 
nesen (Kiak Bein, Ke Luft?). Syn. Paraplegia mephitica 
(s. d.), Hydrops asthmaticus, Serophthisis perniciosa endemica. 
eine hauptsächlich in Japan, Indien, Brasilien und Island auf- 
tretende Form der endemischen Polyneuritis. Ihre Haupt- 
erscheinungen sind multiple Nervenentzündungen besonders in den 
Beinen u. den Herzästen des Vagus, welche letztere zu Hydrops, 
Herzerweiterung und Tod an Herzlähmung führen können. Die 
Krankheit tritt fast immer epidemisch auf u. scheint durch einen 
bakteriellen Organismus (Pekeuiarixc. u. Winkler ) bedingt 
zu sein, der mit der Luft in den Kör|»er gelangt. Mitra macht 
die Kakke von dem Genuss gewisser giftiger Fische abhängig. 

Bezoardica (sc. remedia, vom Persischen Bade- 
zahr stammend, welches so viel bedeutet als Wind, 
der Zerstreuer des Giftes) Gegengifte. 

cf. Antidot. 

KI lab (bis u. labium) Instrument zur Entfernung fremder 
Körper aus der Harnröhre (mittels zwei federnder, aus dem Ende 
einer Röhre hervorragender, beim Zurückziehen in letztere sich 
schliessendcr Lipj>en). 

Bilharzinkrnnkheit eine parasitäre Volkskrankheit, 
deren Hauptzentren Ägypten und Kapland, deren klinische Symp- 
tome: Hacinaturic, Cystitis, Steinleiden, Anämie, in schweren 
Fällen Hydro- u. Pyelonephrose, und dysenterische Prozesse sind. 
Die Diagnose wird gestellt durch Nachweis der Eier von Distoma 
haematobium (s. d.). 

Hin ocu 1 um „doppelte Augenbinde", Rollbinde, die um den 
Kopf und über beide Augen angelegt wird, 
cf. Monocnlus. 

Biostatik (« ßiog Leben, axanxt) sc. xiyvn Statik) 
die Lehre vom Stande der Gesundheit und der Lebensdauer der 
Menschen unter bestimmten Verhältnissen. 

Bintourie (franz. v. müteüat. : bastoria, tat.: bastum Stock, 
schneidende Angriffs waffe) Messer, dessen Klinge sich in 
den Griff einschlagen lässt. 

cf. Skalpell. 



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• t 



Blepharophimose 05 

Blaesitas (sc. linguae, \.ßkaia6g auswärts gekrümmt, 
bes. v. den Füssen, daher mühsam gehend, halb ge- 
lähmt) das Stammeln, vcl. Anarthria literalis. 

Kland (blandus schmeichelnd) von der reizlosen und 
nicht erhitzenden Nahrung, im Gegensatz zur exzitireuden, ge- 
braucht. 

]ilennorrhagia(v. otjyvvfu zerbrechen) (vd. Blennorrhoe) 
französische Bezeichnung für Gonorrhoe (s. d.). 

H Blennorrhoea (>/ ßkewa oder r6 ßkhvog Schleim, v. 
H ßdilco auswerfen, rj ootj Fliessen, v. {>£ti>) der Schleimfluss, 
profuse Absonderung von katarrhalisch entzündeten Schleini- 
H Muten, vd. Catarrhus; häufig im Sinn von Pyorrhoe. 

^ B. infantum vd. Conjunctivitis blennorrhoica. 

B. alveolaris eine chronische Affektion des alveolardentalen 
£j Periosts, die mit Hyperplasie des letzteren und eiterigem Zerfall 
r\ eiuhergeht. Das Leiden führt allmählich zu vollständigem' Aus- 
^ fallen aller Zähne und ist meist bedingt durch Konstitutionskrank- 
• heiteu, vor allem eine Folge des Diabetes mellitus. 

cf. Sputum, Bronchorrhoe, Gonorrhoe, Leukorrhoe, Otorrhoe, Coryza, 
^ Conjunctivitis, Proktitis, Phlegmorrhoe. 

Blepharadeniti* (r6 ßkicfagov Augenlid v. ßkl-ro» 
r-j blicken, o döt)v Drüse) i. q. Blepharitis eiliaris secretoria, 

O Blepharitis Augenlidentzünduug. 

B. phlegmonosa Lid-Abszess vd. Phlegmone. 

Akne eiliaris die solitäre (vereinzelte) Lidrandfinne, 
akute umschriebene Entzündung einer oder mehrerer Talgdrüsen 
der Cilien in Form kleiner, meist abszedirender Knoten ; cf. Akne, 
Hordeolum. 

B. eiliaris konfluirende Lidrandfinne, entzündliche 
Bötung und Verdickung des Lidrandes mit Bildung von Schuppen 
oder Borken, welche die Wimperu verkleben und der Haut an- 
haften, welche nach deren Entfernung gewöhnlieh exkoriirt er- 
scheint. Je nach dem Vorwiegen der Erscheinungen unterscheidet 
man B.c. secretoria (Blepharadenitis vorzugsweise) oder hyper- 
trophica (cf. Tylosis) oder ulcerosa [nach Gräfe und SÄMI8CH|. 

B. tarsalis vd. Hordeolum. 

Blepliaromelasma (vd. Melasma) s. Seborrhoea 
nigricans palpebrarum schmutzig (schwarz) gewordene Sebum- 
auflagerungen auf den Augenlidern. 

Blepharophimose (vd. Phimosis) abnorme, meist au- 
geborne Enge der Lid spalte, wodurch deren Öffnung erschwert 
sein kann. 

cf. Ankyloblepharon, Kanthoplastik. 

Roth'e Klinische Terminologie. 4. Aufl. 5 



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66 Blepharoplastik 

Blepharoplastik (x/.doo(o bilden) ganzer oder teil- 
weiser Ersatz eines defekten oder entarteten Augenlids durch 
plastische Operation. 

Blepharoplegia (x/.t]oo<o schlagen) die Augenlidläh- 
mung, besonders Lähmung des oberen Augenlids. 

Blepharoptosis vd. Ptosis. 

Blepharorbaphia medialis (n paw v. odm» Naht) 
von Ar i/r angegebene Operation zur Beseitigung eines partiellen 
Ektropium der medialen Hälfte des unteren Lides: Exzision eines 
schmalen Hautstreifens aus beiden Lidern und Vernähung beider 
Wunden. 

Blepharospasmus (vd. Spasmus) Lidkrampf, tonischer 
Krampf des Muse, orbicularis, idiopathisch und sekundär, 
isolirt und als Teil des Facialiskrampfes (rü. Spasmus facialis). 

B. serofulosus der bes. bei skrofiüösen (phlyktänulären) 
Ophthalmien reflektorisch hervorgerufene heftige Lidkrampf, 
cf. Photophobie, Nictitatio. 

Blepharospath (r) a^ddr) Spaten, Spatel) pinzetten- 
artiges Instrument, dessen einer Arm am freien Ende halbkreis- 
fttmrig umgebogen ist, während der andere Arm in eine ent- 
sprechende rlatte ausläuft; zwischen beiden wird das Lid fest- 
geschraubt und dadurch in gestreckte Lage gebracht. 

Blepharoatat (oia St. v. for^i stellen) Lidhalter, 
ein von Sxellen angegebenes Instrument zurFixirung des oberen 
Augenlids bei Operationen. 

Blepharotomie (iFftv<o schneiden) Durchschneidung 
des Augenlids am äusseren Lidwinkel ( wegen Entropium). 

Borborygmi (6 ßogßoovyfwg = 6 ßogßogo?, Kot, ßoo- 
ßogvCo) kollern) das Knurren und Kollern im Leibe, laute 
Geräusche, die durch lebhafte Peristaltik des mit Gas und Flüssig- 
keit erfüllten Darmes erzengt werden. 

B. hysterlci Darmkollern, mit Austreibung von Danngasen 
durch krampfhafte hysterische Darmbewegungen. 

Bothriocephalns latus (16 ßoOgiov, Dem. v. 6 ßodgos 
Grube) der Grubenkopf, der grösste menschliche, nur in ge- 
wissen Gegenden Europas vorkommende Bandwurm, über dessen 
Jugendzustand noch wenig bekannt ist. ' Der langgezogene, mandel- 
förmige Kopf hat auf beiden Seiten eine tiefe spaltförmige Saug- 
grube; die Geschlechtsöffnungen liegen auf der Fläche in der 
Mitte der Glieder [nach Heller, ZH.]. 

cf. Helminthiasis. 

Botnlismns (botulus Darm, Wurst) s. Allantiasis 

Wurstvergiftung, eigentümliche, durch äusserst protrahirten 



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Brachycephalus 67 

Verlauf, gastroenteritisehe und nervös Erscheinungen mit Sehling- 
und Atembeschwerden, Aphonie, Sehstörung und Prostrat ion aus- 
gezeichnete, am häufigsten in Schwaben beobachtete Vergiftung 
durch verdorbene Würste, wobei es sich nach der plausibelsten 
Hypothese um die Produkte einer besonders modifizirten (?) lang- 
samen Fäulnis handeln dürfte [ZH]. 

Hougie {franz. Wachskerze von Bugia, Stadt in Algier) 
Candela cerea, Sonde ciree, ursprünglich aus Wachs, dann aus 
verschiedenem anderen Material, auch biegsamen Metallen be- 
reitete sonden- oder walzenförmige Stäbe von verschiedener Länge 
und Dicke zur Einführung in die Körperostien und Kanäle, bezw. 
zur Erweiterung derselben. 

cf. Katheter. 

Bonrdoniiet (franz. bourdon Stab, Stütze lat. burdö) 
Tu rund a (= terenda tero) die Wieke, der Charpiemeissel , eine 
Lage geordneter, meist in der Mitte zusammengebundener Charpie 
zur Einbringung in Wunden, Fisteln u. dgl. 

cf. Plumaceau. 

Bouton d'Alep Syn. Bouton de Biskra, die Delhi - 
beule, ein im Orient endemisch auftretendes Hautleiden, das mit 
Knoten- und Geschwürsbildung einhergeht und worüber noch keine 
♦vollständige Klarheit herrscht. 

Bontonniere (franz. Knopfloch, le bouton Knopf) 
i. q. Urethrotomia externa. 

Rracherium (eig.: brachionarium, verw. mit brachium 
Afm) s. Hamma das Bruchband. 

Brachialgie (6 ßga/Jeov Oberarm, r» äXyog Schmerz) 
Xeuralgia plexus brachialis, Brachialneuralgie. 

Rrachyauchenie (ßgayys kurz, 6 avxn v Nacken, 
Hals) kurzer Bau des Halses. 

Brachycephalus der Kurzkopf , längs- verengter Schädel, 
nur dann pathologisch, wenn nicht eine kompensatorische Er- 
weiterung der übrigen Durchmesser eintritt. 

Varietäten sind: 

B. simplex durch Synostose des Grund- und Keilbeins. 

Plagioeephalus (xX&ytoe schief) Schief köpf, durch ein- 
seitige Synostose der Stirn naht und anderer Nähte. 

Oxycephalus (6$vs spitzig) Spitzkopf, durch Synostose 
der Lambdanaht oder auch der Kranz- und Pfeil naht. 

Platycephalus (jr/a?i'ff flach) Fl ach köpf, durch Synostose 
der Kranznaht. 



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frx Brachychilie 

Troehoeephalus (» roo/6^ Kreis, Bad v. rof'/w laufen) 
Rund köpf, durch partielle Synostose der Kranznaht und der 
benachbarten Nähte bedingt. 

Paehyeephalus (.ia/vs dick) Dickkopf, durch Synostose 
der Lambdanaht bedingt. 

cf. Dolichocephalus, Mikro- und Nannocephalus, Cephalonie. 

Brachychilie (ro zstio; Lippe ) angeborener Fehler, 
bei welchem der mittlere Teil der (Lippe, insonderheit der) Ober- 
Ii ppe so kurz ist, dass der Lipjjensauni einen nach oben konvexen 
Bogen bildet u. die Schneidezähne nebst Zahnfleisch unbedeckt lässt. 

Brachydaktylie (6 Adxrvko.; Finder) Güedcrung eines 
oder mehrerer Finger in weniger als 3 Phalangen- — sehr seltene 
Anomalie. 

Hrachygnatas (,$ yvä&os Kinnbacken) Individuum 
mit abnormer Kleinheit des Unterkiefers, 
cf. Monstrum. 

Bradyarthrie (ßoadh langsam, ro So&gov Gelenk, 
Glied) i. q. Bradylaha. 

Bradykardie (// xagdia Herz) Verlangsamung der 
Herzthätigkeit, besser Spaniokardie (s. d.). 

Kradylalia (iaXeco reden) s. Bradyarthrie (vd. Anarthrie) 
verlangsamte Sprache durch Schwierigkeit der Aneinander- 
reihung der Buchstaben und Silt>en infolge erschwerter Leitung 
der motorischen Impulse zu den äusseren Organen der Sprache. 

Bradyphrasia (i? ffgaan Rede) Langsamkeit der Rede 
infolge von Ermüdung oder geistiger Trägheit. 

B. interrupta stockende Sprache mit kleineren und grösseren 
Pausen in der Rede. 

cf. Anarthrie, Angophrasie, Bradylalie, Paraphrasie. 

Brisement foree (franz. briser brechen) gewaltsame 
Streckung anchy lotischer Gelenke oder krummer Röhrenknochen 
durch Zerbrechiing der letzteren. 

cf. Osteoklasie«! 

Bromidrosia [galen] (6 ßgib/nog Gestank, 6 iSgutg 
Sch weiss, Idgow schwitze) stinkender Schweiss, u. z. B. 
universalis oder localis — beide ohne besondere klinische 
Bedeutung, da der Gestank etwas Sekundäres und Zufälliges, durch 
äussere Momente Bedingtes zu sein scheint. 

cf. Hyperidrosis, Osmidrosis, Paridrosis. 

Bromismu* (das Brom verdankt seinen Namen 
dem üblen Gerüche seiner Dämpfe) Vergiftung mit Brom 
(Ätzwirkimg, Respirationsstörungen) und Bromsalzen (nervöse 
Störungen uud Akne, gew. als Kumulativwirkimg). 



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Bronchitis 



(59 



Bronchial (6 ßgd? X og Luftröhre, in ßgoy X ta die Luft- 
röhrenverzweigungen, nach Einigen von ßgs/d) benetzen, 
weil die Alten glaubten, die Getränke gingen durch 
die Luftröhre, n. A. von ßoäZo> aufbrausen oder von 

ßgdaaco — vom Meere — ausspeien) nennt man das durch 
die Atmung in den grösseren Bronchien und der Trachea erzeugte 
Geräusch, welches am Thorax von Gesunden nur in der Inter- 
skapulargegcnd rechterseits, seltener beiderseits, pathologisch aber 
überall da gehört wird, wo eine der Oberfläche nahe liegende 



schlieft, luftleer geworden ist. 
cf. amphorisch. 

Bronchiektasie {Zx-tavvco — externa ausdehnen) Er- 
weiterung und Ausbuchtung der Bronchien — findet sich ent- 
weder in mehr diffuser (spindelförmiger) oder sackförmiger 
Weise, teils als Folge der Distraktiou der Bronchialwand durch 
eirrhotische Schrumpfung des interstitiell-pneumonisch oder schwie- 
lig tuberkulös indurirten umgebenden Lungenparenchyms, teils — 
gewissennassen in vikariirender Weise — infolge des vermehrten 
dilatirenden Inspirationszuges auf die an verdichtete und unbe- 
wegliche Partien anstossendeu Bronchien, und in gleicher Weise 
bei verminderter Resistenz der durch chronische katarrhalische 
Entzündung verändertcnGewebe derBronchialwand(k a t a r r h a 1 i s c h e 
B.) — [nach Rindfleisch in ZH.'j. 

cf. Caverne, Ektasie. 

Bronchiokrisen (vd. Krisis) Bezeichnung für Husten- 
anfälle, bei Tabes dorsalis. 

Bronchiolitis exsudativa (bronchiola Neubildung) 
eine von Curschmanx beschriebene, mit heftigen asthmatischen 
Anfällen einhergehende Entzündungsform der kleinsten Bron- 
chien. Charakteristisch für diese hauptsächlich an der Seeküste 
vorkommende Krankheit ist das Vorkommen von spiraligen Fibrin- 
abgüssen (Curschmann's Spiralen) im Auswurfe der Patienten. 

Bronchitis Bronchienentzündung. 

B. catarrhalis s. (atarrhus bronchialis Entzündung der 
Bronchialschleimhaut, Bronchialkatarrh. Die Affektion der grösse- 
ren Bronchien ist meist mit der gleichnamigen Affektion der Trachea 
verbunden (Tracheobronchitis). Die weitere Einteilung ge- 
schieht entweder nach der Beschaffenheit der Sputa (s. d.) in 
trockene (B. sicca, Catarrhus siccus), schleimige, eiterig- 
schleimige B. (Brouchoblennorrhoe), serös-schleimige (Bfon- 
chorrhoea serosa) etc., oder ferner in akute und chronische, 
primäre und sekundäre, febrile und afebrile B. etc. 

B. capillaris. Katarrh, der die feinen und feinsten Zweige 
des Bronchialbaumes in grösserer Ausdehnung befällt, eine bes. 



Lungenparti 




lche 



Bronchien, auch Kavernen, ein 



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70 



Bronchoblennorrhoe 



bei Kindern und Greinen häufigere und für diese gefährliche 
Affektion. 

lt. crouposa s. pseudomembranacea s. fibrinosa, Bron- 
chialcroup: eine Form der B., bei welcher feste, zylindrische, 
dendritisch verzweigte Massen expektorirt werden, welche mehr 
oder weniger ausgedehnte Abgüsse des Bronchialbauines darstellen 
und durch eine fibrinöse Entzündung hervorgerufen sind. Dio 
Krankheit verläuft entweder in akuter, nieist aber in chro- 
nischer Weise. 

B. putrida s. foetida vd. Sputa putrida. 

Bronchoblennorrhoe (cf. Blennorrhoe) eine Form der 
chronischen Bronchitis, bei welcher eine sehr reichliche purulentc 
Absonderung der Schleimhaut stattfindet. Sie ist meist mit 
Bronchiektasen (s. d.) verbunden. 

Bronehophonie (>? <p<avt) Stimme) derartige Ver- 
stärkung der sonst nur summenden Thoraxstimme, dass der Aus- 
kultirende den Eindruck hat, als ob ihm in das Ohr gesprochen 
würde, — darauf zurückzuführen, dass der Schall von den Bron- 
chien aus durch verdichtetes Lungengewebe besser fortge- 
leitet wird [nach Gerhardt]. 

cf. Ägophonie, bronchial, Pectoriloquie. 

Bronchoplastik (Maoo) bilden) Heilung von Tracheal- 
fisteln durch plastische Operation. 

Bronchopneumonie vd. Pneumonie. 

Bronehorrhoe (r) §01) Fliessen, v. <5«») Bronchitis mit 
sehr profuser Absonderung. 

Bronehorrhoea serosa (xerum 6qo6$ Molken) eine Form der 
chron. Bronchitis, (pituitöser Katarrh, Laennec), bei welcher 
unter grossen Atembeschwerden (Asthma humiduin) ein sehr reich- 
licher seröser, dünnflüssig-schaumiger Auswurf entleert wird (1 — 2 
Liter pro die). 

cf. Blennorrhoe, Catarrhus. 

Broiiehotomie (zi^ro) schneiden) operative Eröffnung 
der Luftwege. Besondere Methoden sind die Laryngotomie, 
Tracheotomie, die Laryngotracheotomie und die Laiyngofissio 
(Thyreotouiie). 

Bronzed skin (engl, wörtlich: bronzirte Haut skin, 
Haut = Schinne) i. q. Morbus Addisonii. 

Brown-Seqnard'scheSpinallähmungoderHalb- 

seitenläsion des Rückenmarks, einseitige Zerstörung des 
Rückenmarks, welche gleichseitige motorische u. kontralaterale 
sensible Lähmung bewirkt. 

Bruit de diable (diable der Brummkreisel, der in 
Österreich auch „Nonne" genannt wird) das Nounen- 



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Bubo 71 

geräusch [Skoda], das an den Vcn. jugul. intern, bei Anämischen 
* hörbare Sausen, wahrscheinlich herrührend von einer wirbelnden 
Bewegung des Blutes im untersten Teile (Bulbus) der genannten 
Vene. Da nämlich dieser hinter der Artic. sterno-elavic. gelegene 
Gcfässabschnitt allseitig fest angeheftet ist, mithin bei schwächerem 
Zuströmen des Blutes nicht zusammenfallen kann , so muss bei 
dem Übertritt des Blutstromcs aus dem engeren Abschnitt in den 
weiteren eine wirbelnde Bewegung des ersteren entstehen, die Ur- 
sache jenes Geräusches. 

Rmit de pot feie (franz.: feler springen) „Geräusch 
des gesprungeneu Topfes' 4 , zischender oder klirrender Per- 
kussionsschall, wie er entsteht , wenn ein plötzlich komprimirtes 
Luftquantum durch eine verhältnismässig: enge Öffnung hinaus- 
getrieben wird (Kavernensymptom). 

Knho (d ßovßcor, -tovog Drüsen in der Schamgegend, 

ßovßwv Jieoi ßovßtTtvog oidrjua fifra yley/torijs entzündliche Ge- 
schwulst, Poll. 4, 202, tat. bova oder loa Schenkelgeschwulst) die 
Leistendrüsengeschwulst. 

B. acutus ist entweder (auch bei weichen Schankern) nur 
sympathischer Natur, wie andere bei l>enaeh harten Entzündungen, 
bes. Furunkeln, auftretende sympathische Lymphdrüsensehwellungen 
(konsensueller B.)*| oder komplizirt ein Ulcus venereum simplex 
s. nseudosyphilitic. der Geschlechtsteile in spezifischer Weise, in 
welch letzterem Falle der B. häufig vereitert und einen gleichfalls 
kontagiösen Eiter sezernirt. 

Bubon d'emblcc (eig. „mit Sturm' 4 ) ein ohne nachweisbare 
Primäraffektion auftretender B. venereus acutus abscedens. 

ßubunes indolentes, chronic! schmerzlose B., finden sich 
bei chron. Exanthemen der Unterextremitäten, bes. Prurigo, am 
häufigsten aber als syphilitische, stets multipel und ohne ent- 
zündliche Erscheinungen bei der durch einen HuN'TER'schen 
Schanker vermittelten konstitutionellen Syphilis auftretende kleine 
harte Leistendrüsenschwellungen. 

B. strumosus (struma Kropf) strumöser B. , eine bei Per- 
sonen mit lymphatischer (skrofulös-tuberkulöser) Konstitutions- 
anomalie auftretende Form des B. syphil. chron., in Beteiligung 
des die Drüsenpakete umgebenden Bindegewebes an der chronisch 
entzündlichen Infiltration l>cstehend, wodurch eine enorm grosse, 
die ganze Leistengegend einnehmende diffuse Anschwellung ent- 
steht, welche sich nur äusserst spät und langsam teils durch all- 
mähliche Resorption, teils durch serös-eiterige Erweichung des 
bindegewebigen Anteils der Geschwulst zurückzubildcn pflegt. 



*) Wobei sich nur die Entzündung auf die Drüsen ausbreitet, 
ohne dass ihnen zugleich auch das spezifische Virus zugeführt wird. 



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72 



Bubonulus 



Buboiinliia Bezeichnung für die mit Abzessbildung ein- 
hergehende Lymphangi tis dorsalis penis suppurativa, die 
sich bei Sehankerbubonen findet. 

Bnkneiuia tropica (vom Stamme ßovg stiermässig, 
klobig, ungeheuer und t) xvi'mv Bein) eine von Mason 
Good vorgeschlagene liezeiehnung für Elephantiasis A r a b u m , 
dem Bai Jil der Araber analog. 

cf. Elephantiasis. 

Bulbarparalyse (r. bulbus, ßokßog Zwiebel „Bulbus 
rachiticus" ältere Bezeichnung für die Medulla oblongata, 
Paralysis s. d.) Lähmung der Oblongata. Sic entsteht 
entweder akut durch Hämorrhagie, Embolie oder Thrombose, in- 
folge von Kompression durch Fraktur oder Luxation der obersten 
Halswirbel, oder auf entzündlichem "Wege als akute Bulbär- 
myelitis oder chronisch infolge von fortschreitender degenerativer 
Atrophie der Nervenkerne in der Oblongata als progressive 
Bulbärparalyse, seltener infolge von Kompression durch chro- 
nisch erkrankte Knochen oder Tumoren in der Umgebung des 
verlängerten Marks. 

Die akute B. verursacht meist über den ganzen Körper aus- 
gebreitete Lähmungen und führt fast immer durch Respirations- 
lähmung sehr rasch zum Tode. 

Die progressive B. (Paralysis glosso - lab io - lary ngea) 
verläuft chronisch, aber stets in 2 — 5 Jahren tötlich. Die Symp- 
tome bestehen in einer fortschreitenden Atrophie und dieser ent- 
sprechenden Lähmung, gewöhnlich zuerst in der Zunge, dann in 
den Lippen und den benachbarten Gesichtsmuskeln, zuletzt in den 
Muskeln des weichen Gaumens, des Rachens und Kehlkopfs. 

Bulimia, Bulnnos s. Cynorexie s. Farnes eanina (tj ßov- 
h^iia v. o hfios Hunger und 6 ßorg Ochse) der Heisshunger, 
ein hoher Grad des Hungergefühls mit brennendem Gefühl in 
der Magengrube und ohnmachtähnlicher Schwäche. — Auch im 
Sinn von Gef rässigkeit. 

cf. Akorie, Polyphagie. 

Bulla (lat. v. Gr. ßvco anfüllen) die Blase, unterscheidet 
sich von der Vesicula <s. d.) bloss durch ihre Grösse. 

Bnphthalmn» (v. ßovg und dydakuoc) enorme Vergrös- 
scrung des Bulbus oculi bei totalem Sklerochoroidealstaphylom, 
Hydrophthal mus, wobei der Bulbus aus der Orbita hervor- 
springt, die Lider nach aussen gebaucht sind und die Schliessung 
der Lidspalte erschwert ist (Stellwag). 

cf. Hydrophthalmus. 

Bursitis (bursa Beutel v. ßigoa abgezogene Haut) 

Schleimbeutelentzündung. Von besonderer klinischer Be- 
deutung ist die: 



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Callus 73 

B. praepatcllaris die akute oder chronische Entzündung des 
vor der Kniescheibe gelegenen Schleimbeutels, vd. Hygronia 
praepatellare. 

Bei Wörtern griechischer Abstammung ist das € nur 
beibehalten, wenn dieselben gänzlich ins Lateinische 
j übergegangen sind, oder das C als Zungenlaut aus- 
f-H zusprechen ist, sowie in der Endigung cos etc.; 
CzZ ausserdem vd. ML. 

^ Cachexie pachyhydermiqne (franz. von Kachexia 

[s. d.] u. jtazi's dick, xo digfta Haut) i. q. Myxödema. 

Cadaverin (cadaver Leichnam v. cadtre fallen) ein 
/-i ungiftiges Ptomain, welches vom 7. Tage an nach dem Tode 
-<3 in Leichen auftritt, auch aus Cholerakulturen dargestellt wurde 
>— < (|Brie«kr|. n Nach P. Grawitz erzeugt keimfreie Oadavcriulösiing 
>~ Ml entweder Ätzwirkung oder Entzündung mit Ausgang in Eiterung oder 
entzündliches Ödem mit späterer Resorption und einfacher Heilung. 

^ Caleulus (Dem. v. calx, Kalkstein) das Steinchen, 

steiniges Konkrement. Solche entstehen in den Höhlen und 
rz_r« Kanälen oder den Parenchymen des Körpers aus Sedimenten, 
eingedickten Sekreten, Eiter und anderen pathologischen Produkten, 
• Fremdkörpern, abgeschnürten imd degenerirteu Teilen durch Vcr- 
*V kalkung derselben (vd. Petrificatio) oder bestehen, wie z. B. Nieren- 
Q und Gallensteine, aus den Sekretionsprodukten selbst. 

Calculi salivales, Speichelsteine, entstehen in den Speichel- 
nd drüsen und namentlich deren Ausführungsgängen wahrscheinlich 
in Zusammenhang mit katarrhalischen Zuständen der Mundhöhle, 
Verdickung und Verminderung des Speichelsekretes. 

C. reu um und vesicales vd. Nephro- und Cystolithiasis. 
C. pulmonum vd. Phthisis calculosa. 

C. fellei vd. Cholclithiasis. 

cf. Arthrolith, Dakryolith, Enterolith, Kryptolith , Phlebolith, 
Rhinol ith, — Chalikosis. 

Calloaitas (callus s. d.) s. Tymola die Hautschwiele, 
umschriebene schildförmige Verdickung der Hornschicht der Epi- 
dermis, meist durch wiederholten starken Druck der l)etreffenden 
Haut stellen erzeugt. 

cf. Clavus, Ulcus. 

calloetus, callös, schwielig, nennt man den Zustand der 
Induration von kleineren Gewebspartien, Geschwüren etc. 

Callus (Schwiele, callum v. celltre, (collis) xilo/xai heben, 
treiben) die knollige Neubildung, die an der Bruchstelle von 
Knochen entsteht. Den Hauptanteil an dessen Bildung hat das 
Periost, welches durch seröse Durchfeuchtung und Zellenablagerung 
anschwillt: provisorischer oder äusserer C, welcher eine Art 
Kapsel um die Bruchstelle bildet. Ausserdem kommt ein innerer 



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74 Calor 

oder Mar kcal 1 us durch Beteiligung des Markgewebes und ein 
mittlerer oder Knochencallus durch Beteiligung des Knochen - 
gefässgewebes zu stände. Später beginnt die Kalkablagerung in 
die Zwischensubstanz der Zellen, die zur Bildung fester Knochen- 
substanz, d. i. des definitiven C. führt | nach Rindfleisch]. 
cf. Ostisis ossificans. 

Calor (lat) die Hitze, gew. in der Verbindung C. mor- 
dax beissende, d. i. brennende Hitze, als welche sie sich bei 
stark Fiebernden der untersuchenden Hand benierklich macht. 

Calvities (lat. zusammenh. mit xetQ<o scheeren) gr. 

Phalakrosis |s. d.|, die Kahlheit als fertiger Zustand, 
cf. Alopecia, Madarosis. 

Cancer aqnatieus der Wasser krebs vd. Xoma. 

Caneroid (cancer u. eldos Ähnlichkeit) die gestielte 
Krebsgeschwulst, vd. Carcinoma epithehaie. 
cf. Cylindrom. 

Canities s. Poliosis (canus grau v. canere weissgrau 
sein) das Ergrauen, Atrophie des Haarpigments. 

C. senilis ist physiologisch. 

G. praematura das Ergrauen vor der physiologisch mittleren 
Zeit infolge von abnorm verminderter Pigmentproduktiou der 
Haarpapille. 

CanthopLastik (6 xav&6g Augenwinkel, eig. Rad- 
reif, Ttläoooi bilden). Die von Ammox angegebene Operation 
der Blepharophimose und des Ankyloblepharou. Dieselbe besteht 
in Durchtrennung der Verwachsung des Augenwinkels und nach- 
heriger Vereinigimg von Cutis und Conjunctiva durch die Naht. 

Capillarektasie (capillaris zum Haare capillus ge- 
hörig, exxsiviö ausspannen) die Erweiterung der Kapillaren. 
Sic kommt teils als angeboren in begrenzten Gebieten als Naevus 
vasculosus, teils als Folge chronischer Zirkulationsstörungen vor. 
Höhere Grade bezeichnet man als Kapillaraneurysmen. 

cf. Naevus. 

Capistrum (£a£. Zaum, Halfter v.capere) die Halfter- 
binde, Verband zur Fixirung grösserer Verbandstücke an den 
Seiten- und unteren Teilen des Gesichtes, indem eine lange schmale 
(Roll-)Binde vom Scheitel unter dein Kinn hinweg wieder zum 
Scheitel, dann zum Hinterhaupt und Nacken, um den Hals herum 
und unter dem Kinn hinweg wieder zum Scheitel geführt wird 
u. s. f. Den Schluss bilden 2 Zirkeltouren vom Nacken nach 
dem Kinn, von da nach dem Hinterhaupt imd um den Kopf 
[nach HeixekeJ. 



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Carcinom 75 

Capitium (1. Mieder 2. die Kopföffnung! in der 

rom. Tunika) die Kopfmütze, eine Verband weifte de* Kopfes, 
die mit einem viereckigen (C. quadrangulare) oder zu einem 
Dreieck zusammengelegten Tuche (C. trian gulare) ausgeführt wird. 

Caput. 

C. ffaleatum (v. galca Mütze, Helm) die Glückshaube 
oder vielmehr der damit geborene, d. i. bei der Geburt noch von 
den unzerrissenen Eihäuten bedeckte Kopf. 

C. Medusae i.V.. welche statt der Haare Schlangen 
auf dem Kopfe hatte) die in Form eines Kranzes vor- 
kommende Erweiterung der kleinen Hautvenen um den Nabel 
herum, welche bei Stauung des Blutes in der Pfortader zu stände 
kommt, die sich durch die offen gebliebene Nabelvene oder die 
Vena parumbiiiealis auf dieselben fortsetzt. 

C. obstlnum (lat. schief, verbogen) vd. Torticollis. 

C. sueeedaneum (suc- oder subcedere an eines Anderen 
Stelle treten) „Vorkopf", Kopfgeschwulst der Neugebore- 
nen, besteht in Odem der Kopfschwarte infolge von Stauung, oft 
selbst mit Extravasat ion (vd. Cephalhämatom) an den vorliegenden, 
dem Druck während der Geburt nach dem Blasensprung nicht 
ausgesetzten Teilen. 

CarbunculuK (carbo Kohle) die Kohlenbeule, der Kar- 
bunkel, verhält sich anatomisch wie ein Komplex mehrfacher, 
dicht aneinander liegender Furunkeln (s. d.) mit Neigung zum 
j>eripheren Fortschreiten des Prozesses. 

C. contagiosus vd. Anthrax. 

Carcinom (xaQxivwpa v. xagxir6<o werde zum Krebs 
o xaoxivog, cancer, Krebs, — das tert. comp, ist hierbei 
wohl die Art der Ausbreitung „wie Krebsfüsse" *) 

Kraus) der Krebsschaden, Krebsgeschwulst und Krebsgeschwür 
— eine die Organe des Körpers destruirende, nach der Exstirpatioii 
gewöhnlich rezidivirende, metastasirende, also maligne Neubildung, 
die immer von epithelialem Mutterboden , Drüsen- oder Ober- 
flächenepithel, ausgeht, dessen Wucherungen in Form von Zapfen 
oder Strängen von der unteren Fläche des Epithels her in die Ge- 
webe eindringen, dieselben durch Druck zerstören und, indem sie 
die Bindegewebsbalken auseinanderdrängen, sich aus diesen ein 
bindegewebiges Gerüst und der ganzen Geschwulst einen alveolären 
Bau .verschaffen [Waldeyer], 

*) GALEN de art. curat. 2, 10: In mamillis saepe vidimus tumo- 
rem forma ac figura cancro animali exquisite consimi lern. Nam 
quemadmodum in isto pedes ex utraque parte sunt corporis, ita in hoc 
morbo venae distenduntur ac figuram omnino similem cancro reprae- 
sentant. 



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76 



Carcinom 



Ziegler unterscheidet folgende Formen des Carcinoma: 

1. Plattenepithelkrebs, Epidermidalkrebs, bösartige» 
Epitheliom, Hautkankroid ; Hauptrepräsentant des Hautkankroid, 
besteht aus Krebszapfen, aus grossen, polymorphen Platten- 
epithelien und findet sich ausser an der Haut an mit Platten- 
epithel betleckten Schleimhäuten (Mundhöhle, Pharynx, Ösophagus, 
Blase, Scheide). 

Eine besondere Form des Plattenepithelkrebses ist das 
C. (scroti) asbolicum {6 u. fj äoffolog RtLSS äa-ßoXog, ßalho 
eig. = Anwurf) der Schornsteinfegerkrebs, Russ- oder 
Teerkrebs. Diese Form des Epithelialkrcbses entwickelt sich aus 
jahrelang bestehenden, durch die reizende Einwirkung des Teei* 
oder Kusses hervorgerufenen entzündlichen und hyperplastischen 
Zuständen der Hautdecken (Russwarzen, soot-warts), besonders 
am Skrotum, und bleibt lange Zeit lokal, 
cf. Akne. 

2. Zy lind erepithel krebs, das Zylinderepithcliom , aus 
Zylinderepithelialzellen bestehend, hat seinen Sitz an mit solchem 
Epithel besetzten Schleimhäuten (Damitraktus, Uterus) und bildet 
von den mit Zylinderepithel besetzten Drüsen ausgehende weiche, 
knotige Geschwülste. 

cf. Adenocarcinom, Cholesteatom. 

3. C. simplex ein sehr häufig von Drüsen ausgehender Krebs 
mit ziemlich starkem, bindegewebigem Gerüst, das ziemlich derbe 
Geschwülste bildet. 

4. C. medulläre, der Mark schwamm, das weiche C. mit 
sehr reichlicher Entwicklung der Krebszellennester. 

5. 0. scirrhosum, Scirrhus das harte C, Bindegewebs- 
oder Faserkrebs mit sehr starker Wucherung des Bindegewebs- 
gerüstes gegenüber den Krebszellen. 

b\ C. gelatinosum s. alveolare, s. eolloides der Gallert- 
krebs, am häufigsten im Damitraktus und der Mamma, eine 
Form des Krebses, dessen Stroma infolge einer schleimigen oder 
gallertartigen X T mwandlung der Krebszellennester grössere und 
kleinere Gallertmassen enthält. 

7. C. myxomatodes durch Umwandlung des Stromas in 
Schlcimgewebe entstehend. 



Kugeln innerhalb der Zellennester gekennzeichnet, 
cf. Cylindromn. 

9. C. giganto-cel lulare mit übermässig grosser Entwicklung 
eines Teiles der Krebszellen. 

10. Melanocarcinom Bildung von grauen bis schwarzen 
Tumoren durch Pigmentanhäufung in den Krebszellen und dem 
Stroma. 

Ausserdem sind noch zu nennen: 

11. Das telangicktatisehe C. (Fungus haematodes) 




Bildung homogener 



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Carminativa 77 

(rdkos Ende, ayyslor Gefäss, Exxaxoz ausgedehnt) der IHut- 

schwamm, wobei die Gefässentwicklung domiuirt. 

12. Das sarkomatöse C. (C. sarkomatodes vd. Sar- 
koma carcinomatodes), wobei das interstitielle Bindegewebe gleich- 
zeitig sarkomatös degenerirt. — Ks tritt am häufigsten am Hoden 
und an den Bieren auf und kann einen kolossalen Umfang er- 
reichen. 

C. villosum vd. Papilloma. 

Carcinu* ebnrnens (<> xuqxivos Krebs, eburneus 
elfenbeinern) i. qu. Sklerema. 

Cardialgia, Gastralgia, Gastrodynia, s. Hyperaesthesia 
vcntriculi (ij xaodia Magenmund, r6 akyog Schmerz) 
Magenkrampf, Neuralgie der Magennerven (ob es sieh dabei 
um eine Affektion der dem Vagus <xler der dein Sympathicus 
entstammenden sensibeln Magennerven handelt, ist unentschieden), 
übermässige Reaktion derselben auf abnorme Magenreize, oder, bei 
krankhafter Nervenbeschaffeuhcit (Hysterie, Chlorose, Arthritis, 
Kachexieen), auch auf normale Reize hin. 

Cardiaathenia xaodia Herz, // aodheia Schwäche) 
eigentlich Herzschwäche, gebraucht von neurasthenischeu Herz- 
losen werden. 

Cardiocele 0} xrjbj Bruch) der Herzbruch = Hemia 
cordis. 

Cardiogmim, Cardio pal niiiw (6 dr/iuk Ächzen v. 

w s w rufe oh !, 6 7iaX/uk heftige Bewegung v. ndX '/Ao schwingen ) 
i. q. Palpitatio cordis. 

Card io^ra in m (ro ygä^ia v. yQayo), Buchstabe, 
Schrift) graphische Darstellung der Herzbeweguug. 

Caries (lat.) der Knochenf rass, chronisches Knochen- 
geschwür, fortschreitende ulzeröse Zerstörung der Knocheusubstauz, 
hervorgehend aus dem entzündlichen Prozess, vd. Ostitis. 

So lange es noch nicht zum Durchbruch an die Oberfläche 
gekommen ist, oder wenn fast keine Eiterbildung vorhanden ist, 
kann man den Vorgang als C. sicca bezeichnen. 

C. artieuloruin vd. Arthrokace. 

C. necrotica ist C, mit welcher die Losstossung kleiner oder 
grösserer Knochenfragmente verbunden ist, indem dieselben durch 
den kariösen Prozess ausser Ernährung gesetzt werden, bevor es 
zur Schmelzung gekommen ist. 

Carminativa (sc. remedia, carmino krämpeln, rei- 
nigen v. cartre kämmen, krämpeln) Mittel, welche — durch 
Anregung der Peristaltik — den Abgang von Blähungen be- 
fördern. 



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78 



Carnificatio pulmonis 



Carniticatio pnlmoni» (caro Fleisch, facere) vd. 
Splenisatio. 

Caro luxurians eigentlich üppig wucherndes, sogen- 
wildes Fleisch, hy])ertropnisehe Form des Akestom (s. d.)r 
fungöse Granulationen, welche schon eine höhere Differenzilling, 
nämlich ein aus der Umwandlung der Kittsubstanz zwischen den 
Zellen hervorgegangenes Stroma haben, hier und da auch lym- 
phatische Follikel und Riesenzellen enthalten. 

Carnncnlae (Dem. v. caro Fleischwärzchen) kleine 
polypenartige Bildungen besonders an den weiblichen Genitalien, 
umschriebene Schleimhauthype rplasien mit Teilnahme der Follikel, 
oder Reste des Hymen nach der Defloration (C. myrtiformes, 
myrtenblattfömiige C). 

Früher benannte man so auch die im dysenterischen 
Stuhl vorkommenden Stückchen, welche aus einer zäh- 
schleimigen Grundsubstanz bestehen, die mit roten Blutkörperchen 
dicht infarzirt ist und an zahlreichen Stellen weisse Klümpcben 
von Eitcrkörperchen trägt (Lotio carnea). 

Castratio (v. castus keusch oder skr. : gastra = cestrum 
xfgjqov Schneidmesser) operative Beseitigung eines oder beider 
Hoden, bei Frauen der Eierstöcke. 

Cataracta (ein von der Salernitanischen Schule 
eingeführter, vom Griech. 6 xaxaqoaxt^q y der Wasserfall 
[yar-agaaao) reisse herab], gebildeter Name, wahrschein- 
lich als Übersetzung irgend eines arabischen Wortes, 
das dem ursprünglichen, aber abhanden gekommenen 
Ausdruck vji6 X vatg entsprach) der graue Star, nicht vom 
Vogel, sondern vwdt. mit „starren, starrblicken", Katarakt, jede 
Trübung des Linsensystems, bedingt durch Zellenneubildung, 
Ijockerung und Quellung, molekulare Trübimg und chemische 
Dekom position, Erweichung und Schmmpfung. 

Wenn nicht Teile der Linse selbst getrübt sind (C. vera), 
sondern trübe und undurchsichtige Massen der Linse nur sich an- 
lagern, ohne mit anderen festen Teilen des Auges im Zusammen- 
hang zu stehen, nennt man dies C. spuria. 

Die C. ist entweder: 

C. capsularis Kapselstar, wenn die Kapsel getrübt ist, oder 

C. lenticularis Linseristar, wenn die Trübung in der Linse 
selbst ihren Sitz hat. Hierbei unterscheidet man: 
0. 1. cortiealis Rindenstar, 
C. 1. uuclearis Kernstar, 
C. 1. totalis Totalstar. 

C. capsulo-lentieularis, wenn gleichzeitig Kapsel- und Linsen- 
star vorhanden ist. 

Je nach der Konsistenz unterscheidet man: 



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a 



Cataracta 79 

C. inollis — l>oi jugendlichen Individuen. 
C. dura — bei alten Individuen, 

C. mixt«, wenn der Kern hart und die Rinde weich ist. 

Die Extreme der Konsistenz (lactea, calcarea, Morgag- 
ni a na) vd. unter Phakomalaeie und C. senilis. 

Der Star ist entweder angeboren oder erworben. 

^ a) C. congenita 

y ^) ist gewöhnlich partiell und stationär. 

Q C. axialis — richtiger als centralis — Trübung der Linse 

f. zwischen beiden Polen. Besondere Formen sind: 
/H C. lentis centralis angeborener Zentrallinsenstar , Trübung 

-<J des Zentiums. 

»— ( C. polaris anterior s. centralis capsularis ant. variirt 

HH von der Grösse eines der Vorderkapsel aufsitzenden weissen 
(^) Pünktchens (C. capsul. punctata) bis zu einem Durchmesser 
von 2,5 mm. Bald ist der weisse Körper an der Oberfläche flach, 
bald ragt er etwas in die vordere Kammer hinein (C. pyrami- 
dalis — kommt auch, als Folge von Hornhaut }>erforation, er- 
worben vor). 

C. polaris s. capsularis posterior besteht, der vorigen 
Form ganz analog, in einer der Fläche der hinteren Linsenkapsel 
^ in der Mitte aufsitzenden glänzend weissen Trübung und ist stets 
^ eine C. spuria. 
fjj O. fusiformis Spindelstar, eine die ganze Länge der 

Linsenaxe einnehmende Trübung, gewöhnlich nur in Kombination 
mit anderen Formen des axialen Stars. 

C. congenita punctata s. eoerulea seltene Starform mit 
ausserordentlich kleinen, in der ganzen Substanz der Linse ver- 
teilten Pünktchen. Bei starker Beleuchtung erscheint die Trübung 
schwach bläulich. 

Nur eine Varietät scheint C. st eil ata, Sternstar, zu sein, 
doch ist die Fiffur weniger sternförmig, als den Verzweigungen 
einer Feder ähnlich (C. striata). 

C. perinuclearis s. zonularis Schichtstar, gleichmässigo 
Trübung einer isolirten Faserschichte der Linse, welche das Zentrum 
der Linse in einem gewissen Abstand schalenförmig umgebend 
nach (innen und) aussen an vollständig durchsichtige Linsensub- 
stanz grenzt. Kommt fast immer an beiden Augen zugleich vor. 
Die intrauterine Entstehung wird mit rhachitischer Diathese in 
Zusammenhang gebracht. 

C. congenita totalis — solche sind immer doppelseitig, ent- 
weder weich, selbst flüssig, oder hart, geschrumpft und mit der 
Iris verwachsen. 



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80 



Cataracta 



b) C. acquisita (cf. C. pyramidalis). 

C. loollis s. Phakomalaeia, weicher Star jugendlicher Indi- 
viduen, Jungstar, pflegt sieh von dem ersten Auftreten der 
Trübungen au immer sehr rasch zu einem Totalstar zu entwickeln, 
indem, im Gegensatz zum Greisenstar, immer auch der Kern in 
den starigeu Prozess mit einbezogen wird. Die Ausgänge sind 
Schrumpfung, Verkalkung oder völlige Vcrflüssigimg, z. B. 

C. calcarea s. ossea verkalkte Stare, kommen nur vor 
in Augen, in denen auch sonstige ausgebreitete, meist ehorioideale 
Veränderungen vorhanden sind und nur, wenn der Beginn der 
Starbildung in ein frühes Alter fällt. Daher ist das Sehvermögen 
dabei fast ausnahmslos erloschen. Ist die Farl)e sehr weiss, so 
bezeichnet man diese Form auch wohl als C. gypsea. 

C. lactea s. fluida, Milchstar, mit gleichmässig weisser 
Farbe, von feinen, in der flüssigen Starmasse susj)endirtcn, in der 
Ruhe zuweilen sedimentirenden Kalkkömern herrührend. 

0. menibranacea durch Resorption weicher Starmasse ge- 
schrumpfte Stare. l>ei denen sich die vordere und hintere Kapsel 
ganz oder nahezu berühren. 

C. aridio siliquata (von der Ähnlichkeit mit einer unreif 
gepflückten eingetrockneten Schotenfrucht siliqua) geschrumpfter, 
zu einer undurchsichtigen dicken weissen oder weissgelben kuchen- 
förmigen Masse eingetrockneter Star. 

C. senilis Greisenstar. Bei diesem trübt sich die Rinden- 
schicht allmählich ganz, während der Linsenkern immer nur die 
gewöhnliche Alterssklerose (Phakoskleroma senile) zeigt. Bei 
schneller Trübung erhält die Rinde ein geblähtes Aussehen mit 
perlmutterartigem Glänze (C. tumescens). 

ct. Gerontoxon lentis. 

C. nuclearis Kernstar, ist von der senilen C. zu trennen. 
Das Alter der davon befallenen Individuen schwankt zwischen 
40 und 50 Jahren. Die Trübung sitzt im Zentrum der Linse 
und ist von eigentümlich weisser, milchiger Farbe, nicht scharf 
begrenzt und nur sehr allmählich auch auf die Rindensubstanz 
tortschreitend. 

Auf diese beiden Formen beziehen sich die folgenden Be- 
zeichnungen : 

C. matura (oppos. nondum matura, ineipiens) als „reif" be- 
zeichnet man die C, sobald die Rindensubstanz vollständig trübe 
geworden ist (wenn „der Schlagschatten der Iris" verschwunden ist). 

C. hyperinatura s. dura, Phakoskleroma xar i$ozr}v, 
Überreife des Stars, ist bedingt durch eine regressive Metamor- 
phose, Zcrbröckclung der Linsenfasern, Ablagerung von Fett, 
Cholestearin und Kalk, womit eine Schrumpfung verbunden ist. 
Mit der Zeit tritt gewöhnlich Kapselkatarakt hinzu (cf. Phakitis). 



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Cataracta 



C. Morgagniana [Morgagni 1082 — 1771] eine andere Fonn 
der regressiven Metamorphose, wol>ci die Linsenfasern zu einem 
mehr oder weniger konsistenten Brei zerfallen, in dem der sklero- 
tische Kern beweglieh ist und meist eine tiefere Stelle einnimmt. 

€. capsularis Kapselstar (cf. C. polaris) beruht auf Zellen- 
neubildung im Innern der unverletzten Kapsel, vd. Phakitis; ge- 
sellt sieh gewöhnlieh sekundär zu allen Formen totaler Stare im 
Stadium der Überreife, kommt al>er auch, ohne bekannte Ursache, 
primär vor und hat dann meist in kürzester Zeit sekundären 
Linsenstar zur Folge. 

C. secundaria Nachstar (nicht zu verwechseln mit sekun- 
därer, d. i. im Gefolge anderer allgemeiner oder Augen-Krank- 
heiten auftretender C.) die nach der Extraktion der Linse an der 
zurückbleibenden Linsenkapsel (und den Resten des Linsensystems) 
eintretenden Vorgänge, welche entweder, ausser der Quellung 
allcnfallsiger Linsenreste, nur in einfacher Phakitis bestehen (C. s. 
simplex) mit Produktion von durchsichtigen Zellen (Kristall- 
wulst), oder in gleichzeitiger Beteiligung noch anderer benachbarter 
Gebilde an diesen Vorgängen (C. s. complicata s. aecreta). 

Nach den Ursachen uuterseheidet man: 
C. traumatica Wund star, hat meist die Fonn des weichen 
Cortiealstars , entsteht durch Erschütterungen des Bulbus oder 
solche Verletzungen, welche die Kapsel zerreiss^en (cf. C. tremu- 
lans) oder den Zusammenhang der Linsensubstanz selbst aufheben. 

C. diabetica und €. ergotica die bei bestehendem Diabetes 
mellitus und bei Kriebolk rankheit öfters vorkommende C. , die 
wahrscheinlich in Veränderung der chemischen Zusammensetzung 
der Nährflüssigkeit ihren Grund hat. Sie tritt bei jungen Leuten 
als weicher Totalstar, bei alten als C. mixta auf. 

C. nephritica Starbildung bei chronischer Nephritis. 

C. chorioidea C, insbesondere hinterer Polar- oder Rinden- 
star, im Anschluss an Erkrankungen der Aderhaut mit und ohne 
Veränderungen des Glaskörpers. 

Weitere besondere Bezeichnungen sind: 
C. tremulans Zitterstar, C, die durch Zerreissuug der 
Zonula Zinnii entsteht (cf, C. traumatica) oder damit komplizirt 
ist, infolge deren bei Bewegungen des Bulbus ein Schlottern der 
Iris und des Stars stattfindet. Ein höherer Grad ist: 

€. natans s. natatilis Schwimmstar, wobei die Zer- 
reißung eine vollständige ist, so dass die Linse ganz frei in der 
vorderen Augenkammer liegt oder im verflüssigten Glaskörper 
herumschwimmt. 

C. aecreta Verwachsung einer kataraktösen Linse mit der Iris, 
cf. Synechia posterior. 

C. cystica, bei welcher die Kapsel eine kugelige Form und 
die Linse die Gestalt einer Blase annimmt. 

Roth'» Klinische Terminologie. 4. Anfl. ß 



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82 



Catarrhus 



C. trlauconiatosa Linsentrübung im Stadium dcgencrativum 
des Glaukom (s. d.). 

C. hacmorrhavica Starr, bei welchen infolge Eindringens 
von Blutfarbstoff in den Kapselsaek eine schwärzliche Färbung 
vorhanden ist. Nicht zu verwechseln mit : 

C. nijrra s. brunesecns (v. ahd. hrun braun) schwarzer 
Grau st ar (cf. Amaurose), kein eigentlicher Star, sondeni ein 
derartiges weites Fortschreiten der zentralen braunen Sklerosirung 
(Phakosklcroma senile) nach der Peripherie, dass fast gar 
keine Rindensubstanz mehr vorhanden ist, wodurch das Sehver- 
mögen ebenfalls stark beeinträchtigt wird. 

[Nach O. Becker.) 

Catarrhus (xatag-gta) herunterfliessen — verall- 
gemeinerte, ursprünglich auf den Katarrh der Nasen- 
schleimhaut sich beziehende Bezeichnung, insofern 
hier das krankhafte Sekret aus den Nasenlöchern und 
Choanen, oder nach der Vorstellung der Alten durch 
die Lamina cribrosa aus dem Gehirn „herabfliesst") 
Katarrh, d. i. katarrhalische Entzündung (vd. Inflammatio), 
Hyperämie und Schwellung der Schleimhäute mit Absonderung 
von Herum, vermehrter Schleimproduktion und reichlicher Ab- 
lösung und Produktion von Epithel- und Eiterzellen. 

cf. Blennorrhoe, Sputum. 

C. bronchialis, gastrieus, intestinalis etc., vd. Bronchitis, 
Gastritis, Enteritis etc. 

C. aestivus i di os ynkrasi scher Sommerkatar rh, Heu- 
fieber oder Heuasthma, auch Bostock'scher K. genannt 
(P. Bostock beschrieb die Krankheit zuerst 1819), leicht fieber- 
hafte Affektion, welche eine gewisse kleine Anzahl besonders dis- 
ponirter Individuen aus den gebildeten Ständen befällt, sobald sie 
sich den Emanationen von in Blüte stehenden Gräsern, meist kurz 
vor der Heuernte, aussetzen. Die vorwiegendsten Symptome (K. 
der Conjunctiva, Nasenschleimhaut und oberen Luftwege, häufig 
mit asthmatischen Beschwerden) sind wahrscheinlich auf die me- 
chanische Einwirkung des Pollens, bes. der Grasblüten, zurückzu- 
führen [ZH]. 

C. haemorrhagicus K. mit oberflächlichem Blutextravasat 
ins Schleimhautgewcbe und z. T. mit geringen freien Blutungen. 

Catarrhe see (frz.) von Laennec eingeführte Bezeichnung 
für eine Form der chronischen Bronchitis, bei welcher trotz quä- 
lenden Hustens sehr wenig oder gar kein Sekret geliefert wird. 

C. suffoeativus (suffocare ersticken v. sub und faux) ist 
Bronchitis acutissima von bedeutender In- und Extensität, welche 
besonders bei schon vorhandenen Lungenleiden, Emphysem, Asthma 
oder chronischem Bronchialkatarrh zu suffokativen Erscheinungen 
führt. 



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Cephalalgia 



Causalgia (rj xavaig Brennen, V. xaiü) oder xaco, ro äXyog 
Schmerz) Neuralgie mit der Empfindung eines heftig brennen- 
den Schmerzes. 

Cansticum s. Canteritim (ro xavauxov, xavTtjpiw v. 
xaio) Brenneisen, Brandmal) das Brenn - oder Aetzmittel, 
ersteres genauer als Cautcriuin actuale, letzteres als C. potentiale 

l>czeiehnet. * 

Caverne (lat. Höhle v. cavus) ein mit dem zuführenden 
Bronchus frei kommunizirender pathologischer Hohlraum der 
phthisischen Lunge, welcher nicht durch einfache Erweiterung und 
Ausbuchtung der präformirten Hohlgänge, sondern durch Nekrose 
uud Verschwärimg des Lungenparenchyms entstanden ist. Doch 
spricht man auch von bronchiektatischen C, welche sich 
aber durch Bekleidung ihrer Oberfläche mit Flimmerepithel aus- 
zeichnen, und von Brand-C, welche durch gangränöse Zerstö- 
rung eines umschriebenen Abschnittes des Lungenparenchyms ent- 
stehen. 

cf. ßronchiektasie, Vomica. 

Cavernitis Inf lamm atio corporis cavernosi penis 
ist beobachtet infolge von ulzeröser Perforation von der Harnröhre 
her, sowie von Traumen [Dittel]. Eine zirkumskripte Entzündung 
des Corpus cav. urethrae, öfter mit Abszessbildung, kommt auch 
anscheinend spontan vor. 

cf. Chorda, Periurethritis. 

Cavernom vd. Angioma cavernosum. 

Cebocephalia (cebus cebulus, cebellus mittellat. = Sattel ?) 
vd. Arhinencephalia. 

Cellulitia (cellula Zelle, alsoZellgewebsentzündung) 

gebraucht für Entzündung des Beckenzellgewebes oder des retro- 
bulbären Zellgewebes (C. orbitalis). 
cf. Perimetro-Salpingitis. 

Cenencephalocele (xevtk leer, ledig) vd. Encephalo- 
cele, einfacher Hirnbruch, d. h. Ausstülpung von reiner Hirn- 
substanz aus der Schädelhöhle. 

cf. Hydroencephalocele. 

Cephalaea (fj x€<paXata) alte GALEN'sche Bezeichnung für 
andauernden, eingewurzelten Kopfschmerz, 
cf. Cephalalgie. 

Cephalalgia (ij xerpati), Kopf, ro föyos Schmerz) 
Kopfschmerz. Uber dessen Wesen und ursächlichen Sitz ist 
nichts Sicheres bekannt. Er tritt auf bei Erkrankungen des Schä- 
dels, Gehirns und der höheren Sinnesorgane, bei FieJber und als 

C. nervosa. Von diesem kann man je nach der Pathogenese 
verschiedene Formen unterscheiden : einen anämischen, kon- 
gestiven, vasomotorischen (C. vasomotoria, die mit 

6* 



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84 



Cephalhaematocele 



Kötuug des Gesichtos und der Ohren einhergeht und in regel- 
mässigen Paroxysmen auftreten kann, ähnlich der Hemicrania s.d.), 
toxischen, hysterischen (cf. Clavus), rheumatischen 
(vd. Myalgia ecphaliea) , symptomatischen (Magenkatarrh, 
Würmer, geschlechtl. leiden etc.), ne urasthenischen (bei 
körperlich und geistig aufgeriebenen Personen mit reizbarer 
Schwäche) etc. |ErbJ. 

cf. Cephalaea, Neuralgie. 

Cephalhaematocele (ro al/ia Blut, »5 *>/'•'/ Bruch) 
unter den Schädeldecken liegende und venöses Blut enthaltende 
Geschwulst, welche durch eine Öffnung des Schädels mit den 
Blutleitern der harten Hirnhaut kommunizirt. 

cf. Encephalocele, Cephalocele. 

Cephalhaematoma s. Ekchyinoina capitis s. Throm- 
bus neonatorum die K opf blutgesch wulst, geschwiüstartige 
Blutansammlung zwischen den Schädelknochen einer- und Peri- 
kranium oder (seltener) Dura mater andererseits bei Neugeborenen, 
hauptsächlich durch dieselben Ursachen und an denselben Stellen, 
wie die einfache Kopfgeschwulst der Neugeborenen, vd. Caput 
succedaneum. 

Zu unterscheiden: 

C. externum Bluterguss zwischen Sohädolknochen und Peri- 
kranium und 

C. intern um Bluterguss zwischen ersteren und Dura mater; 

C. verum Bluterguss zwischen Schädelknochen und Perikra- 
nium und 

€. spurium s. subaponeurotieuin eine gallertige Exsudatiou 
imter die Galea aponeurotica. 
cf. Hämatom. 

Cephalocele (17 xrjkr) Bruch) s. llernia cephalica aus 

der Schädelhöhle ausgetretene Bruchgeschwülste des Schädelinhaltes, 
angeboren oder (nach Bildung einer Lücke des Schädeldaches 
durch Entzündung oder Trauma) aequirirt. 
cf. Encephalocele. 

Cephalonla (cephalo, onis, Grosskopf) Grossköpfigkeit 
mit Hypertrophie des Gehirns. 

cf. Makro-, Mikro-, Nanno- und Brachycephalie. 

Cephalothoracopagus (thorax Brustkorb, xay St. 

von m'jynffu verbinden) vd. Prosopothoracopagus. 

Cephalotomia (re,uvo) schneiden) geburtshilfliche Er- 
öffnung des kindlichen Schädels behufs Exzerebration zur Ver- 
kleinerung desselben. 

Syn. Craniotomie. — cf. Embryotomie, Trepanatio, Perforatorium. 

Cephalotripsie s. Cephalothrypsie s. Basiolysis s. 
Basiothrypsie (s. d.) (iQißw, &Q(mio> zerreiben, 6 zgixtrjQ Rei- 



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Cheiloschisis 85 

ber) das gewöhnlich nach vorgängiger Perforation (vd. Cephalo- 
toraie) in Anwendung kommende Zerdrücken de* (verhältnismässig 
zu grossen) kindlichen Kopfes mit einem schrauben- bezw. zangen- 
förmigen Instrument, dem Cephalotripter oder Cephalo- 
tribe, Ccphaloklast, Basilyst, Basiotrib. 
cf. Cranioklast, Embryotomie. 

Cercomonas intestinalis [Lambl] (x£qxo$, circus 
Schwanz, fioväz, // v. fiovot) eine geschwänzte Monade, die sich 
l>ei Typhus, Cholera und chronischer Diarrhoe im Stuhle findet. 
Kine zweite Form Bodo urinarius findet sich in alkalischem 
und eiweißhaltigem Harn, sowie im l : rin von Cholerakranken. 

Cerehrasthenie (cerebrum Gehirn, »5 a<*0nma Schwäche) 
kurze Bezeichnung |v. ZikmssexJ für Neurasthenia cerebralis. 

Cerebritis i. q. Encephalitis. 

Cernmen (cera Wachs xijgog) Ohrenschmalz, Sekret 
der Glandulae ceruminosae, gemischt mit dem Sekret der Talg- 
drüsen, Epiderniisblättehen, abgestossenen Härchen und Staub. 

Cestoden (xFonk gestickt, Riemen, Gürtel — xemonütU 
riemenartig) eine Gattung von Würmern, zu welchen die Tä- 
nien gehören. 

cf. Taenia. 

Chalazion {Dem. v. r) £a/a;a Hagelkorn) ist ein lang- 
sam und ohne Entzündungserscheinungen entstandenes oder sta- 
tionär gewordenes Hordeolum (s. d.), eine cystenartige Bildung 
mit Kapsel und atheromatösem Inhalt. 

Mit dem Namen Ch. terrcum sind kleine sandige Konkre- 
mente in den Gängen der Meibom'seheu Drüsen l>ezeichnet worden. 

Chalikosis (o u. >y /a/i£ Kalk) vd. rneumonokoniosis. 

Chasmns (ff x" a ^n v - x (UV( ° gähnen) s. Oseitatio der 

Gähnkrampf, z. B. Ch. hystericus. 
cf. Oscedo. 

Cheilo-angio-skopie (t6 xetÄos Lippe, ™ dyyeTor Ge- 
fäss, öxojt?a> sehen) eine von Huktkr angegebene Methode, 
vermittelst welcher der Blutkreislauf in der Lippenschleimhaut 
direkt beobachtet werden kann. 

Cheiloplastik (xXüoooj bilden) Lippenbildung durch 
plastische 0{>eration. 
et*, Stomatoplastik. 

Cheiloschisis (o/i'Cm spalten) s. Labiuui leporinuin 
s. Koloboma labil Hasenscharte, mehr oder minder tiefe an- 
geborene vertikale Spaltungen der Uppen, meist der Oberlippe, 
einfach oder doppelseitig (C. simple x et duplex) von unvoll- 
kommener fötaler Vereinigung des Oberkieferlappens mit dem 
Stimlappen herrührend. 



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86 Cheiropompholyx 

C. complicata Hasenscharte mit gleichzeitiger Spaltung der 
Alveolarfortsätze oder des Gaumens (Gnathoschisis, Cheilo- 
G n a t h o - P a 1 a t o - S c h i s i s , Wolfsrachen). 

cf. Uranosch isma, Schistoprosopie, Koloboma. 

Cheiropompholyx [Hutchinson] (tj %eio Hand fj ,-roft- 
</o7r£ Wasserblase = nop<p6s papula Blatter), Syn. Dyshi- 
drosis [Fox], ein vorzugsweise bei weiblichen Individuen mit 
nervöser Disposition vorkommender Ausschlag, der mit Jucken 
und Brennen in den Fingern beginnt, worauf sich kleinere und 
grössere Bläschen bilden. Manchmal verbreitet sich derselbe auch 
auf die Beine und den ganzen Körper. 

Cheirospasmus (6 oxaofios Krampf) i. qu. Mogigraphie. 

Chemosis (fj x>if li,) °^ von fj yJit u i eine Muschel mit 
klaffenden Schalen v. X aiva> gähnen) entzündliches Ödem der 
Augendeckel (so dass die Lidspalte zwischen dicken Wülsten liegt). 
Seit neuerer Zeit ist der Ausdruck gewöhnlich nur mehr im Ge- 
brauch für die Anschwellung der Conjunctiva sclerac und Hervor- 
wulstung derselben rings um die Cornea. 

Chemotaxis (räoato richten) Reiz- bzw. anziehende Wir- 
kung chemischer Stoffe auf Zellen, z. B. der Zerfallsprodukte von 
Bakterien auf Leukocyten (H. Büchner). 

Cheyne - Stokes'sches Phänomen (nach seinen 
ersten Beschreibern benannt) besteht in einer Allorhythmie der At- 
mung, d. h. der Atem wird in einem bestimmten Typus unregel- 
mässig: Es tritt bes. beim ruhigen Daliegen der betr. (Gehirn- etc.) 
Kranken in ziemlich regelmässigen Intervallen eine mehr oder 
weniger lange Atempause ein, auf die jedesmal eine tiefe Inspira- 
tion oder eine allmähliche Vertiefung der Atmung folgt, der sich 
eine Reihe immer oberflächlicher werdender Inspirationen mit der 
schliesslichen Atempause anschliesst u. s. f. 

Dies Phänomen kommt nach FlLEHNE dann zu stände, wenn 
das vasomotorische Zentrum durch solche Kohlensäuremengen (resp. 
Sauerstoffverminderung) bereite in eine nennenswerte Erregung 
versetzt wird, welche das respiratorische Zentrum noch unerregt 
lassen, im wesentlichen also durch Herabsetzung der Erregbarkeit 
des letzteren. Die am Sehluss einer Atempause eintretende Ar- 
terienverengerung bedingt nun eine zunehmende Anämie des re- 
spiratorischen Zentrums, durch welche der Patient zu tiefer At- 
mung angeregt wird. In dem Masse aber, als durch die tiefere 
Atmung das Blut wieder gut arterialisirt wird, löst sich der Ge- 
fässkrampf, womit die Anämie des Atmungszentrums und dadurch 
wieder der Reiz zur Atmung allmählich abnimmt. 

cf. Apnoea infant., Dyspnoe. 

Chiragra ( /} yeigayon v. ayoa die Falle, das »Fangen 

v. dygio» = moho) Handgicht vd. Arthritis. 



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Chlorosis 87 

Chiromegalie (>/ ^ig Hand, peyas gross) [Charcot] 
die mit Panaritien uml Hautveränderungen einhergehende Ver- 
krüppelung der Hände bei Syringomyclie (s. d.). 

<J Iiirot Ii eka (>/ Hülle v. ttOrjfti) die Fingerbinde, 
Einwicklung der Finger mit einer langen schmalen Rollbinde. 

Ch. eompleta für alle Finger einer Hand. 

Ch. incomplcta mir für einzelne Finger, 
cf. Spica manus. 

Chirurgie (xFtooFoyia; roy<» thun, wirken) diejenige 
auf theoretisches Wissen gestützte ärztliehe Thätigkeit, welche in 
kunstfertigen, mit oder ohne Instrumente direkt am kranken Kör- 
per ausgeführten therapeutischen Manipulationen bestellt. 

et*. Akiurgie, üesmurgic. 

Chloasma {ykoäZ«t grüngelb aussehen) acquirirtc 
grössere hellbraune bis schwärzliche Hautfleeke, meist in ge- 
wisser Beziehung zu Krankheiten des Uterus, der lieber und 
Nebenniere stehend (doch,, kommt der Name Leberfleck ur- 
sprünglich nur von der Ähnlichkeit mit der gelbbraunen Leder- 
farbe). 

Zu den idiopathischen gehören die durch Traumen, 
Vesikantien, den Einfluss sehr hoher wie niedriger Wärmegrade etc. 
an den betreffenden Stellen erzeugten Pigmentirungen, 

zu den s y m p t o m a t i s c h e n das 

Ch. uteri n Hin , durch Schwangerschaft oder pathologische 
Veränderungen in der Gcnitalsphärc erzeugte Ch., und das 

Ch. kacliektlcoruin , das bei gewissen Kachexien (Malaria. 
Krebs, Morbus Addisonii) vorkommt. 

cf. Lentigo, Melasma, Nävus, Ephelis. 

Chloroanaemie (vd. Chlorosis u. Anämie) die mit Anä- 
mie verbundene Chlorose. 

Chlorom (xäcoqö; hellgrün, v. zMtj) hellgrün gefärbte, 
über einen grösseren Teil der periostalen Bekleidung des Knochen- 
systems, sowie die Knochen und Drüsen verbreitete Neubildung 
von sarkomatöser Natur. Die Farbe ist diffus, ihrer Natur nach 
unbekannt. 

Chlorosis (j/.<»o<k blass, von der hellen Farbe der 
jungen Saat, x^']) Bleichsucht, eine fast ausschliesslich das 
weibliche Geschlecht , l>es. in der sexuellen Entwicklungsj)eriodc 
befallende primäre Erkrankung des Blutes, als deren wesentliches 
Merkmal eine Verminderung des Hämoglobingehaltes der roten 
Blutkörperehen angesehen wird. Nach neueren Untersuchungen 
[E. GräberJ ist bei echter Chlorose, so lange sie nicht mit Anä- 
mie (s. d.) komplizirt ist, die Zahl der Blutkör|>erchen nicht ver- 
mindert. Nicht selten findet man bei Ch. abnorme Enge der 
Aorta und ihrer Verzweigungen. 



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88 



Cholaemie 



Ch. giaantca [Schönleix] eine mit exzessiver Fettbilduug 
verbundene Form von Ch. congenita, 
cf. Polypionia infantum. 

<Jh. praematura vor der Pubertätsperiode, bei Mädchen vor 
dem 14. Jahre auftretende Ch. 

Ch. tropica vd. Geophagie. 
cf. Anämie, Leukämie. 

Cholaemie (rj folr} oder 6 /o/oc Galle; i6 nhm Blut) 

i. q. Ikterus. Gewöhnlich versteht man jedoch darunter den Zu- 
stand des Ikterus gravis, die Überladung des Blutes mit Galle, 
insbesondere mit den deletären Gallensäuren, und die dadurch 
hervorgerufenen bedenklichen Erscheinungen : Konvulsionen, Koma 
und hämorrhagische Diathese, 
cf. Aoholie. 

Cholagoga (ny<o — sc. remedia) die Gallenabsonderung 
befördernde Mittel. 

Cholangitis i. q. Angioeholitis. 

Cholecystektomie *) (exTfyvto ausschneiden) s.Chole- 
eystotoinie) die Ausschneidung der Gallenblase, eine 1882 zuerst 
von Schreiber ausgeführte Operation (l>ei schweren Formen von 
Cholelithiasis etc.). 

Cholecystenterostomie (rn fVTFgov Eingeweide, 
to oToua Mund) Herstellung einer Kommunikation zwischen 
Gallenblase und Dünndarm durch mehrzeitige Operation. 

Cholecystitis Entzündung der Gallenblase. 

Cholecystotomie (tinvva schneiden) Eröffnung der Gal- 
leublase durch Iueision, entweder imter (vorläufiger) Anlegimg einer 
Gallenblasenfistel, oder als „ideale" Ch. mit Naht und sofortiger 
Versenkung, oder als „extraperitoneale ideale* Ch. mit sofortiger 
Naht. 



*) J. HYRTL sagt (Onomatologia anatomica [Wien 1880] S. 109): 
„Gegen die neu erfundene Cholecystis protestirt der Genius der grie- 
chischen Sprache. Die Gallenblase kann nur Vesica oder Vesica bilis 
nach VE8AL oder Cystis bilis nach HEISTER genannt werden. Chole- 
cystis ist ein eben solches Unding neuer Invention wie Dacryocystis 
und Urocystis. Da wäre der Folliculus felleus des GLISSON oder das 
Vasculum bilis der Araber, als Behälter der Galle, noch vorzuziehen. 
Fragt doch einen griechischen Sprachlehrer, bevor ihr 
solche Missgeburten Eures eingebildeten Griechischen in die Welt sendet". 

Ähnliche Barbarismen finden sich leider nicht wenige in unserer 
Terminologie, haben sich aber — zur Ehre unserer Wissenschaft sei es 
gesagt — meistens nicht allgemein einbürgern können. Der Vollständig- 
keit halber müssen sie aber hier mit angeführt werden. 



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Cholera 80 

Choledochotoiuie operative Eröffnung des Ductus ehole- 
dochus (v. bijouai empfangen) behufs Extraktion von Steinen 
mit nachfolgender Vernähung der Gallengangwunde. 

Cholelithiaais (6 Xi'&og Stein) Gallensteinkrank- 
heit, Konkremente in den Gallenwegen, gewöhnlich in der Gallen- 
blase, die aus der (krankhaft veränderten) Galle selbst sich bilden 
imd ihrem Hauptbestandteile nach aus Oholestearin bestehen, 
ausserdem kohlensauren Kalk, Bilirubinkalk, Murin, Epithelzellen 
und Gallenfarbstoffe enthalten. 

cf. Rolika hepatica, Calculi, Hepatitis suppurativa. 

Cholelithotripsie oder -tritie (*j 
W Reiben) Zertrümmerung von Gallensteinen mit den Fingern oder 
^ einer Zange, mit nachfolgender Beförderung der Trümmer in das 

Q Duodenum , um den Gallenabfluss in den Dann wieder frei zu 
inachen. 

^ Cholera (»5 yo*-k> a die Brechruhr, auch die Dach- 
-<J rinne, nach Hippokratks v. yoh) Galle) B rech rühr, eine 
v-H durch Erbrechen, erschöpfende Durchfälle einer kopiösen , sehr 
bald entfärbten, reis wasserähnlichen Flüssigkeit, mit Eindickung 
O des Blutes, Anurie, heftigen Krämpfen, besonders der Waden 
. und Kaltwerden der Haut mit raschem Kollaps eharakterisirtc 
Ö Krankheit. 

J^i Ch. europaca s. nostras s. aestiva (aestivus soramer- 
r*i lieh) s. indigena (lat. eingeboren) gewöhnliche einheimische 
• Brechruhr, eine mit choleraartigen Erscheinungen verlaufende, 
•73 meist sporadische und nur im Spätsommer gehäufter auftretende, 
C) selten tätliche Fonn sehr intensiver Gastroenteritis mit gewöhn- 
JH lieh gefärbt bleibenden Stühlen, häufig bei Kindern (Gh. infan- 
tum). Da*» (wahrscheinlich mykotische) Virus ist noch nicht mit 
Sicherheit ermittelt, 
cf. Bacillus. 

Ch. asiatiea s. indica s. epidemica eine ursprünglich aus 
Indien importirte, dort endemische, in Europa epidemische, selten 
sporadisch auftretende, ausser den oben erwähnten Sympto- 
men durch den Eiweissgehalt des Urins eharakterisirtc sehr ge- 
fährliche kontagiöse Infektionskrankheit. Der für sie spezifische 
Pilz, Koch's Kommabacillus, siedelt sich auf der Darmschleimhaut 
an und erzeugt hier einen intensiven Katarrh und reichliche Trans- 
sudation in das Darmlumen. Da der Bacillus weder ins Blut noch 
in andere Organe gelangt, beruht seine deletäre Wirkung wahr- 
scheinlich auf der Erzeugung von Toxinen (s. d.) 

cf. Bacillus. 

Man unterscheidet: 

Stadium p r o d r o in o r u m da-* Vorläuferstadhun , in schmerz- 
loser Choleradiarrhoe bestehend. 



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90 



Cholestearin 



Stadium e o u f i r m a t u m das Stadium der charakteristischen 
Reiswasserauslecrungen (seröser Flüssigkeit mit weiblichen Flocken, 
dem abgestossenen Darmepithel). 

Stadium algidum s. asphyktieum (cd. Asphyxie) durch 
Sinken der Temperatur, Verschwinden des Pulses, hochgradigen 
Kollaps eharaktcrisirt. 

Stadium reactivum s. recou valescenti ae das Aus- 
gleichestadium, Ausgleichung der gestörten Zirkiüationsverhältnisse 
und Elimination der angesammelten Stoffwechselprodukte, was mit 
oder ohne Komplikationen (Erysipel, Pneumonie, Parotitis etc.) 
stattfindet. 

Ch. sicca Fälle, in denen die Krauken unter grosser Un- 
behaglichkeit schnell kollabiren, kalt und eyanotiseh werden und 
nach wenigen Stunden ohne Durchfall sterl>en, doch findet man 
das charakteristische Transsudat im Darm. 

C holer atyphoid ist eine häufige Form der protrahirten 
Rekonvaleszenz, 2—7 Tage dauernd, mit soporösem Zustande, nach 
Frerichs auf Urämie infolge von akuter Nephritis (s. d.) be- 
ruhend und nicht mit anderen schweren Komplikationen der Re- 
konvaleszenz zu verwechseln. 

Cholcrine milde Form der Cholera, die aber einzelne schwere 
Cholerasymptome nicht ausschliesst. 

Cholestearin (vd. Cholesteatom) der häufigste Bestand- 
teil der Cfallensteine. 

Cholesteatom (// %oh) Galle; to aiiao, gen. otiaroz 
Talg, festes Fett, oieäKo^ia Talggeschwulst [Galen[; 
v. oTcaTow zu Talg werden; das Cholestearin, Gallen- 
fett, ist ein konstanter Mischungsbestandteil der 
Galle und stellt in fester Form weissglänzende Kry- 
stalle von rhombischen Tafeln dar) Perlgesch wulst, 
ist ein gutartiges Plattenepitheliom der Schädelhöhle , dessen 
Epithelzapfen ganz in eine seidenglänzende Perlkugelmassc um- 
gewandelt sind. Es liegt zwischen Arachnoidea und Gehirnsub- 
stanz. Die Perlkugeln, welche auch im gewöhnlichen Epitheliom 
vorkommen, entstehen dadurch, dass von Strecke zu Strecke in 
die Axe der Epithelzapfen an eine oder zwei kugelig bleibend«' 
Epithelzellen die benachbarten Elemente zwiebelsehalenartig sich 
anlegen, äusserst platt und fest werden und ein gelbglänzendes 
Ansehen nach Art des Cholestearin bekommen [nach Rindfleisch ). 

Wahrscheinlich keine eigentlichen Ch., sondern nur aus ein- 
gedicktem Eiter, Epithel und Cerumen entstanden scheinen die 
ganz ähnlichen, cholestearinhaltigen kugeligen Gebilde im Felsen- 
bein und dem Antrum mastoideum zu sein, welche liei langjähriger 
Otorrhoe zuweilen gefunden werden. 

cf. Cystis. 



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Chorditis vocalis 91 

Chol in ein in der Galle, in Eiern, im Gehirn gefundenes 
Alkaloid (Ptomain) von schwach giftiger Wirkung, tritt in der 
Leiche in der allerersten Zeit nach dem T<xle auf. 

Cholosis, Cholosen (von zoX6o> die Galle erregen) ge- 
nerelle Bezeichnung für alle mit Gallenresorption (Ikterus) ver- 
bundenen Krankheiten. 

Chondritis (« *6 vdoos Knorpel , '»'doco/m V. yovdoös 
knorpelig) Knorpelentzündung — besteht im wesentlichen 
in einer Wucherung und Teilung der Knorpclzellen mit Auflösung 
der Zwischensubstanz. — Bei Synovitis und Ostitis fungosa ver- 
schmelzen die gewucherten Knorpel/eilen mit den den Knorpel 
durchwuchernden Granulationen. 

Ch. syphilitica eine den Knorpel atrophirende gummöse Ent- 
zündung, die besonders an der Nase und dem Ohre den Knorpel 
schrumpfen macht und ihn seiner Steifigkeit beraubt. Auch der 
bei Lues congenita vorkommenden Epiphysenlösung au den Röhren- 
knochen und Rippen liegt eine Ch. zu Grunde. 

Ch. hyperplastica tuberös a vd. Arthritis deforman*. 
cf. Perichondritis, Diastasis epiphys. 

Chondrom Knor|>clgcschwulst im allgemeinen — umfasst 
die Knorpelauswüchse, Ekehon d rosen , und die eigentlichen 
Knorpelgeschwülste, E n c h o n d r o m e. 

Chondromalaeie <W«x/>? weich) K n o r p e l c r - 

w e i c h u n g. 

Chorda 0) x°Q A, 'l Darmsaite = Garn!) gew. Ch. ve- 
nerea Verkrümmung des Penis während der Erektion, entweder 
infolge entzündlicher Infiltrate während eines entzündlichen Trip- 
pers oder alter, meist nach solchen Tripj>crn zurückgebliebener 
Narbenschwielen im 8chwellkörper, wodurch dessen gleichmäßige 
Ausdehnimg gehindert wird. 

ChordapsiiH (« x°Q^ fii i'^ von x o Q^ f ) un & ( '" rw festhal- 
ten, oder nach Arkt a eos ~ von /ooSy u. fy»« brennen) alte Be- 
zeichnung für Dar in eins c h n ü r u n g ; vd. Incarceratio interna. 

Chorditis vocalis (Chorda vocalis Stimmband) 
8 1 i m in banden t z ü n d u n g, Teilcrscheinung der Laryngitis. 

Ch. tuberosa [Türck] eine l)esondcre Form der chronischen 
Laryngitis mit höckerigen Prominenzen auf der Mitte der Stimm- 
bänder. 

Ch. vocalis inferior hypertrophica [Gerhardt] s. Laryn- 
gitis hypoglottica thron, hypertrophica [Ziemksen] l>esondere 
Form und seltener Ausgang des chronischen -Kehlkopfkatarrhs, 
l>estehend in Hypertrophie des ßindcgcwclics an der unteren 



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92 



Chorea 



Fläche der Stimmbänder, dessen Schrumpfung mit der Zeit zu 
hochgradiger Larynxstenose führen kann. 

Chorea (»7 yogeta Tanz, x°9 ( >$ = hortus Tanzplatz 
v. ^f/o Hand; Syn.: Ch. Sancti Viti, welcher Name 
ursprünglich der psychisch epidemischen Tanzwut des 
14. Jahrhunderts galt, gegen welche sich der heilige 
Veit hilfreich erweisen sollte; Ballismus; Ch. mi- 
nor S. Anglorum im Gegensatz zu Ch. major s. 
Germanorum, da die Engländer [Sydenham] Mitte des 
17. Jahrhunderts die Krankheit zuerst genauer be- 
schrieben und begrenzten) Veitstanz ist eine lang dau- 
ernde „Neurose, deren Sitz, wie es scheint, bald das Gehirn allein, 
bald das gesamte Nervensystem sein kann, welche sich charakte- 
risirt durch unablässige, teils spontan eintretende, teils durch 
Willcnsimpulse angeregte — hemmend, ändernd, übertreibend auf 
die itendirteu Bewegungen einwirkende — unkoordinirte Zuckungen 
von Muskelgruppen, die fast ausschliesslich im wachen Zustande 
lK'stehen und von einer mehr oder weniger stark entwickelten 
psychischen Störung — der Stimmung, Intelligenz — begleitet 
werden" [ZH]. Sie ist vorwiegend eine Krankheit der körperlichen 
Entwicklungsperiode. Schwangerschaft, Chlorose, psychische Af- 
fektionen, Imitation, Endokarditis (Rheumatismus) werden als Ge- 
legenheitsursachen angeführt. 

Ch. dimidiata s. flcmicliorea (di-midius [medius] •= yiu-avs 
halb) einseitige, auf eine Körperhälfte beschränkte Ch. 

Hieher gehört die von Mitchell, Charoot und anderen be- 
schriebene Chorea praehemiplegica und posthemiple- 
gica, welche keine selbständige Erkrankung darstellt , sondern 
lediglich ein Prodromalsymptom oder eine Folgeerscheinung zere- 
braler, meist zu Hemiplegie führender Herdaffektionen ist. 

Ch. inaarna (major) s. tierinanoruin assoziirte Krampfbewe- 
gungen, welche oft mit einer gewissen Zweckmässigkeit, aber meist 
mit dem Charakter des Abenteuerlichen und Gewaltsamen einher- 
gehen, — scheint keine Krankheit sui generis zu sein , sondern 
entweder ausgeartete Hysterie, der Ausdruck von Psychosen, Zere- 
bralaffcktionen oder Simulation [Ziemssen]. 

Je nach der Äusserungsweisc der choreatischen Krämpfe 
spricht man von Chorea rhythmiea, vibratoria, salta- 
toria, nutans, rotatoria. 

Ch. congenita vd. Paralysis infantum cerebralis. 

Ch. electrica Dubini'ache Krankheit [Grocco], eine 
hauptsächlich in der Lombardei auftretende Krankheit mit ähnlichen 
spasmodischen Erscheinungen wie bei der echten Ch. (plötzliche 
Muskelzuckungen wie nach elektrischer Reizung), von derselben 
jedoch durch ihren Verlauf und die Verbindung mit progressiver 



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Chorioiditis 93 

Lähmung uiul Muskclatrophic unterschieden. Die Ätiologie der 
Krankheit ist vollkommen dunkel, am wahrscheinlichsten ein un- 
bekannter infektiöser Einfluss. 

Ch. Iiereditaria ehron. , Huntington 's Chorea die 
erbliche, von Generation zu Generation sich fortpflanzende Ch., 
welche bei Erwachsenen hauptsächlich auftritt und sich durch ihre 
Unheilbarkeit auszeichnet. 

cf. Tremor, Paralysis agitans, Hysterie, Spasmus. 

Chorioblastosis [Ausimtz] (t6 x<>q iov Haut, ßkaoiäno 
u. ßXaareco sprossen) Sammelname für Wachst umsanomalien der 
Haut mit bindegewebigem l T rsprung und Typus. 

Chorioidealtiiberkel (vd. Chorioiditis) ein sicheres 
diagnostisches Zeichen für tuberkulöse Meningitis, welches sich 
aber nur in einem Teil der Fälle bei der ophthalmoskopischen 
Untersuchung findet. 

cf. Chorioiditis tuberculosa. 

Chorioideremie (17 ign/'ta Einsamkeit, Verödung) 

angeborener Mangel der Aderhaut, wahrscheinlich Folge 
einer abgelaufenen fötalen Chorio-Retinitis. 

Chorioiditis *) (t6 yöomv corium Haut, u. z. der 
gefässhaltige Teil der Haut, die Gefasshaut; Ader- 
haut des Auges; etbto ähnlich sein) Aderhauten t zun - 
d u n g. 

v. Wecker (Gr. u. S. IV) unterscheidet: 

a) Ch. plastica. 

Ch. disseminata simples kleine zerstreute Infiltrationen der 
Chorioidea, welche schwach durch die intakte Retina hindurch- 
schimmern und später von einem narbigen Schwund der erkrank- 
ten Partien gefolgt sind, vorzugsweise in der Äquatorialgegend. 

Cir. areolaris von der vorigen Form durch Lokalisation in 
der nächsten Umgebung der Macula lutea und der Papille ver- 
schieden; ausserdem entwickeln sich die Plaques von stark mar- 
kirten rundlichen Pigmentherden aus. 

Ch. disseminata circumscripta s. Churio- Retinitis cen- 
tralis eine Form der Ch., welche ausschliesslich die Macula lutea 
(und die allernächstliegenden Teile) befällt. Ophthalmoskopisch 
bemerkt man anfangs einen intensiv gelben, scharf begrenzten, 
leicht prominirenden Fleck, der sich später in einen atrophischen, 
zerstreut pigmentirten, eingesunkenen umwandelt. Der Patient 
l)emerkt ein zentrales Skotom. 



*) GALEN, OribasiüS und RUFÜ8 schrieben nie anders als 



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94: 



Chorio-Retinitis 



Cli. (Iis sein, speeiflea s. Chorio-Retinitis speeiflea (sy- 
philit.) charakteristisch sind im Beginn erst staubförmige, dann 
dichter werdende Glaskörpertrübungen und eine schwach grau- 
liche, den grossen Netzhau tgefässen folgende , die zentralen Teile 
einnehmende Trübung der Retina. — Der weitere Verlauf führt 
entweder zu leichter Retinalatrophie, oder zum Bilde der Ch. dis- 
scm. simplex oder Retinitis pigmentosa, oder zu weit ausgedehnter 
Exsudation und ausgebreiteter Narben bildung, Atrophie der Pa- 
pille und in diesem Falle zu totaler Erblindung, während ausser- 
dem Hemeralopie, Skotome und andere Sehstörungen vorhanden 
sind. Eine andere infektiöse Form ist die 

Ch. tubercillosa entweder als konstantes Symptom der aku- 
ten Miliartuberculose oder in Form der diffusen chronischen, 
tuberkulösen Ch. mit Bildung grösserer Tumoren aus konfluiren- 
den Tuberkeln. 

b) Chorioiditis serosa 

diejenige Form der Ch., bei welcher es zu einem Erguss von 
Flüssigkeit an die freie Oberfläche der Chorioidea, sowie 
zwischen letztere und die Retina (manchmal mit konsekutiver 
Netzhautablösung) und in benachbarte Organe (Glaskörper) kommt. 
Die Ch. serosa wird von manchen Autoren [Wecker] mit dem 
Glaukom zusammengeworfen. 

c) Ch. parenehy matosa: 

Ch. inetastatica, Irido-Ch. mefastatica embolica eine sel- 
teue Teilerscheinung pyäniiseher und septikämischer Zustände, 
auch bei Meningitis, teilweise vielleicht auf embolischen Infarkten 
l>cruhend, meist gegen das Grundleiden zurücktretend. Wesent- 
lich ist eine ausgiebige Eiteransammlung zwischen Chorioidea und 
Retina. 

Ch. suppurativa (vd. Suppuration) eiterige Entzündimg der 
Chorioidea, ist das wesentliche Merkmal nicht nur der Ch. meta- 
statica, sondern auch durch Verwundungen und Fremdkörper 
hervorgerufen. Sie bleibt selten zirkumskript, sondern gibt ge- 
wöhnlich Veranlassung zur Panophthalmitis und Phthisis bulbi. 

cf. Irido- und Sklero-Chorioiditis. 

Chorio - Retinitis gemeinschaftliche Entzündung der 
Ader- und Regenbogenhaut, welche sehr häufig kombinirt ange- 
troffen wird, vd. Chorioiditis und Retinitis. 

Chromatodysopsie oder Dyschromatopsie (ro 

xgwfia, arof Farbe, Vorsilbe dvs = miss, <fy*s, eog Sehen) 
Schwierigkeit, einzelne Farben zu unterscheiden und Verwechslung 
derselben infolge von teilweiser Farbenblindheit, 
cf. Achromatopaie. 

Chromatoptometer (vd. Optometer) Apparat zur quan- 
titativen Bestimmung des Farbensinns. 



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Chylurie 



9T> 



diromatogis |Aispitz] eine Epidermidosc mit Ver- 
änderung der Pigmcntirung der Oberhaut. Die drei verschiedenen 
Formen sind: Hyperchromatosis, Achromatosis und Parti- 
en roniatosis. 

cf. Melanosis. 

Cnromhydrosi* (i<> v6<oq Wasser) eigentlich farbiges 
Wasser, gebraucht von dem bisher unerklärten Auftreten blauer 
Flecken an der Lidhaut, die sich leicht abwischen lassen, aber in 
kurzer Zeit sich wieder erneuern. 

Chromidrosis (<'<5ooo> schwitze) farbiger Sc h weiss. 
In einigen Fällen fand man die Färbung durch Pilze bedingt, 
cf. Hämatidrosis, Paridrosis. 

Chromocy tometer . eigentl. Chromatokytometer (r/> 
y.vroc Bläschen), ein von Bizzozero angegebenes Instrument 
zur Bestimmung des Hämoglobingehaltes des Blutes. Der Apparat 
soll sj>eziell zum Gebrauch in der ärztlichen Praxis dienen. Es 
handelt sich dabei einesteils um die Bestimmung einer Flüssigkeits- 
schicht, bei welcher die Konturen einer Kerzenflamme gerade noch 
deutlich sichtbar sind, andernteils um den Vergleich einer gleichen 
Schicht mit einein beigegebenen gefärbten Musterglas. Durch 
Untersuchung normalen und pathologisch veränderten Blutes lässt 
sich ein Sehluss auf die relative Hämoglobinmenge ziehen. 

Chroiiiodermatoseii (ro diofia Haut) Klasse von 
Hautkrankheiten im System von Tommasoli, charakterisirt 
durch Verfärbungen der Haut. Sie zerfallen in G Familien: 
1. Ery throdermien i. q. fliegende Hautröte, 2. Erythroder- 
mien , die verschiedenen Formen von Erythemen u.die infektiösen 
Exantheme, 8. Cyanodermien, wie Livedo, Cyanosis, Varicen, 
4. Porphyroderini ten, die Hämorrhagien u. Ekchymosen der 
Haut, Purpura, Peliosis etc., 5. Leukodermien oder Dys- 
chromien — Vitiligo, Albinismus, Liodermia, Leukodermia, Poliosis, 
Canitics, b". Pigmentodermien oderHyperchromien — Naevus 
pigment., Lentigo, Ephelides, Chloasma, Melanodermia, Pigmen- 
tationen aus den verschiedensten Ursachen, Ikterus. 

Chromopsie. verk. Crupsie Farbensehen — sub- 
jektive Gesichtserscheinungen in Gestalt weisser oder farbiger 
form wechselnder Wolken, Ringe etc. bei optischer Hyperästhesie. 

cf. Phosphene. 

Chylothorax (6 xv).6$ Saft) Erguss des Chylus in die 
Brusthöhle durch — meist traumatische — Ruptur des Ductus 
thoracicus. 

Chylurie (ro ovqov Harn) internüttirender Gehalt des 
Urins an Faserstoff, Eiweiss und Fett, wodurch derselbe eine 
weisslich opake, chylusartige Beschaffenheit hat, kommt in tro- 
pischen Gegenden oder, mit Ausnahme weniger Fälle, bei Leuten, 



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96 



Cicatrix 



die sieh vorübergehend in den Tropen aufgehalten- haben, vor und 
soll nach Lewes, wenigsten« in den tropischen Fällen, durch 
Häinatozoen, Filaria-Embryonen (Filaria sanguinis hominis) ver- 
ursacht sein. 

Die Bezeichnung Chyluric ist eigentlich unrichtig, da bis 
jetzt kein Fall bekannt ist, bei welchem ein direkter Erguss von 
Chylue in die Harnwege konstatirt wurde, und wäre besser durch 
Fibrinurie zu ersetzen, während andere sogenannte Chylurien 
unter den Begriff der Pyurie fallen. 

et'. Lipurie, Lymphorrhagie, Hydrops adiposus. 

Cicätrix. (lat. cicare vernarben) die Narbe, aus Granu- 
lationsgewebe hervorgegangene und aus geschrumpftem Binde- 
gewebe bestehende Neubildung, welche einen vorausgegangenen 
Substanzverlust bleibend ersetzt. 

er. Akestom, Keloid, lntentio. 

Cimex lectularius (lat.) Acanthia lectularia (vom 
Stechen — fj äxavda Dorn) die Bettwanze, Ursache von 
Kratzexkoriationen und einer Art Urticaria. 

Ciiiguliim der Gürtel, die Gürtelflechte, vd. Herpes 
zoster. 

Circinata» (circinare rund machen, xtgxo* Kreis) 
kreisförmig angeordnet, gebraucht von Effloreszcnzen. 

Cireuiäres oder cyklischea Irresein (circ-ulus — 
HvxXog) nennt man eine Psychose, welche in „einem durch das 
ganze Ijeben hindurch andauernden, regelmässigen Wechsel de- 
pressiver und exaltiver Zustände" besteht [nach Kräpelin]. 

Circumcisio (caedo schneide) diejenige Methode der 
Phimosenoperation , welche in Abtragung der ganzen Vorhaut 
besteht. 

Cirrhonosis. Mit diesem Ausdruck bezeichnet Lobsteix 
den Zerfall des abgestorbenen Fötus innerhalb der Bauchhöhle 
und deren Folgezustände für den mütterlichen Organismus. 

Cirrhosis (xtgaoo/iai [Galen] v. xiqoos gelb werden, wahr- 
scheinlich von dem helleren weissgelblichen Aussehen 
[xiggög gelb] indurirter Gewebe) eine bestimmte, nämlich 
durch Bindegewebshyperplasie mit sekundärer Schrumpfung der 
Neubildung verursachte Form der Induration von Organen. 

C. pulmonum der Ausgang der Pneumonia iuterstitialis 
chronica, Hyperplasie des interlobulären Bindegewebes, die zur 
Schrumpfung des betr. Parenchymteiles mit sekundärer Erweite- 
rung der Bronchiallumina führt. Nach der gewöhnlichen Annahme 
gesellt sie sich entweder sekundär zu schwieliger Pleuritis oder 
geht zuweilen aus der protrahirten krupösen Pneumonie hervor j 



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Clavus 



97 



besonder* der Pleuropneumonie, nach Buhl niemals aus einer 
solchen, sondern aus der genuinen Desquamativpneumonie (s. d.). 
cf. Re'tre'cissement thoracique. 

C. pulmonum tubcrcUlosa besteht nach Rindfleisch in 
einer durch tuberkulöse Lymphangitis angeregten Wucherung des 
Bindegewebes, welches von der Lungenwurzel aus den Haupt- 
bronchus und die Stämme der Lungengefässe einhüllend begleitet 
und von den Bronchien zweiter Ordnung aus als membranartige 
Scheidewand gewisse grössere keilförmige Abschnitte des Lungen- 
parenchyms einhüllt, womit sich eine chronische Desquamations- 
pneumonie verbindet. Die sublobären Abteilungen der Lunge 
werden durch eine glänzend weisse, schwielige Neubildung hervor- 
gehoben. 

C. hepatis vd. Hepatitis interstitialis. 

C. peritonaei vd. Peritonitis deformans. 

C. renum vd. Nephritis interstitialis. 

C. in am in ae vd. Mastitis, 
cf. Sklerosis. 

Cirsocele [Galen] (ö xioaog Blutaderknoten, t) xi)h) 
Bruch) Krampf ad er bruch, vd. Varicocele. 

Cirsoid (eTdo> ähnlich sein) so viel wie varixartig. 

Cirsomphalus (o ofitpakög Nabel) i. q. Caput medusae. 

Cirsophthalmia (rj 6<p&aXtxia Augenkrankheit) vari- 
köse Augenentzündung = Staphyloma sklerae. 

Cladothrix (xXdSog Zweig [clades xlaio] do(£ Haar) 
die höchst organisirte Spaltpilzgattung, lange u. kurze, verzweigte 
und unverzweigte Fäden mit würfelförmigen Enden. Mehrere 
Species haben sich als pathogen erwiesen. Eine derselben, Cl. 
asteroides [Eppinger], deren Kolonien eigentümliche Sternformen 
bilden, wurde in einem wie Tuberkulose verlaufenen Krankheitsfall 
als Ursache dieser „Pseudotuberkulose" in verkalkten Bronchial- 
drüsen u. in einem Gehirnabszcss nachgewiesen u. in Reinkulturen 
gezüchtet. 

Claudicat io spontanea (lat. claudus hinkend) das 

„freiwillige Hinken", Symptom der schleichend eintretenden 
Coxarthrokacc der Kinder. 

Clanstropliilia (claustrum Riegel, ?/ tpuia Liebe) 
Angstzustand bei offenen Thüren; dieser sowie die 

Claustrophobia (q?oߣay scheuchen, fürchten) Angst- 
zustand bei geschlossenen Thüren, sind neurasthenische Symptome. 

Clavus {clavis xXek Schlüssel, Nagel, Dorn) das 

Hühnerauge, der Leichdorn, umschriebene Verdickung der 
Hornschichte der Epidermis, in der Mitte mit einem dichter ge- 
schichteten, an der unteren Fläche kegelförmig (oder wie ein 

Roth' s Klinische Terminologie. 4. Aufl. ^ 



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Climakterium 



Nagel) gegen die Cutis gerichteten Stratum, welche eine Atrophie 
und selbst Perforation der dadurch gedrückten Cutis hervorrufen 
kann; — entsteht gewöhnlich durch anhaltenden Druck an Haut- 
stellen, die dem Druck nicht ausweichen können, 
cf. Callositas. 

0. hystericus die meist neben der Pfeilnaht auf eine kleine 
Stelle fixirte, bohrend schmerzhafte Empfindung, als ob hier ein 
Xagel eingetrieben würde, eine Art Hemikranie oder Neuralgie 
Hysterischer. 

Climakterium (v. Griech. 6 xkipaxTyo Treppenstufe 

oder r) xkhia£, -axo$ Leiter v. xkivoi) Anni climacterici „die 
Zeit, in der es anfängt, abwärts zu gehen", die Stufenjahre, auch 
„Wechseljahre", aber nur von Frauen und in Beziehung zur 
Menopause gebraucht. 

Clinicum (sc. institutum — v. rj xUvrj Bett, v. xkivw 
neigen, zurücklehnen) die Klinik, zum praktischen Unter- 
richt der angehenden Ärzte dienende Krankenabteilung. 

Kliniker: die Lehrer der Klinik. 
Klinizisten: die Schüler der Klinik. 

Poliklinik (y) x6Xt±) die ebenfalls zum klinischen Unter- 
richt dienende Stadtklinik. 

Cliquetis {frz. cliqueter, cliquer klatschen) oder Tin- 
t einen t nietallique [fr. Unter, läuten], metallisches 
Klirren, bei Herzhypertrophie vorkommend, wahrscheinlich von 
Schwingungen der Brustwand herrührend. 

cf. Timbre metalliquc. 

Clitoridektomia (xkeixogig, xleioit , exzenvc» aus- 
schneiden) die Amputation der Clitoris, die namentlich von 
einem englischen Arzt Baker Brown als Heilmittel gegen Hy- 
sterie, Epilepsie, Katalepsie, Masturbation, gewisse Formen von 
Manie gerühmt wurde. Das Verfahren ist veraltet; an seine 
Stelle wurde von Friederich die Kauterisation der Clitoris 
gesetzt. 

Clostridium (o xhoaiy/g Spindel) Bakterien von spindel- 
artiger Form mit dickem Leibe u. kurzen spitzen Endteilen, her- 
vorgerufen durch mittelständige Fruchtbildung. Im Gegensatze 
hiezu führt die endständige Sporenbildung zur „Trommelschläger- 
form" (Köpfchenbakterien). 

C. butyrictim i. q. Bacillus butyricus. 
cf. Sporulation. 

Clysopompe vd. Klysopompe. 

Coagulatio (co-agulare = co-agere) Gerinnung, haupt- 
sachlich von der Gerinnung des Blutes gebraucht, welche darin 
besteht, dass eine eiweissartige Substanz rasch zerfallender Blut- 
körperchen (das Paraglobulin , die fibrinoplastische Substanz) mit 



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Colliquativ 99 

£3 einer ähnlichen, im Blutserum enthaltenen (fibrinogenen) Substanz 

M unter dem Einflute der Stagnation oder der bei Gefässentzüudung 

j etc. vennehrten Eeibung an Rauhigkeiten der inneren Gefässober- 

y fläche (nach den Untersuchungen von A. Schmidt noch ausser- 

^ dem unter der Einwirkung eines nicht näher bekannten ferment- 

Kr artigen Körpers) zu einer festen Verbindung, dem Fibrin, 

^ zusammentritt. 
<3 cf. Thrombose, Phlebitis. 

^ Koagulationsnekrose diejenige Form der Nekrose, bei der 

r\ die abgestorbenen Gewebe ein ähnliches Aussehen zeigen wie ge- 

^ ronnenes Fibrin. 

SCoaptatio (con-apto) künstliche Zusammenfügung, bes. 
die „Einrichtung" von Frakturen, d. i. Reposition der Knochen- 
brüche durch seitlichen Druck bei gleichzeitiger Extension. 
^ ct. Repositio. 

Cocainiamug (Folia Coca aus Peru und Bolivia) 

^ Intoxikation mit Cocain, anfangs sich in Anregung der psychischen 
%4 Funktionen äussernd, später in dauernder nervöser Erregung, 
fij Unfähigkeit zu geistiger Beschäftigung, Energielosigkeit, Schlaf- 
losigkeit, Appctitmangel, Siuken des Körpergewichts, allgemeine 
Körperschwäche. Bei der sehr häufigen Kombination mit Mor- 
phinismus treten häufig kurz dauernde maniakalische Anfälle auf, 
veranlasst durch Halluzinationen. 

Coccidien (Demin. v. 6 x6xx<k Kern xoxxibiov) zu der 
Klasse der Sporozoen gehörige Ordnung der Protozoen. Vielleicht 
gehört der Malariaparasit zu dieser Ordnung. C. sind ferner ge- 
funden worden in Hühnereiern, in den Kernen von Leberzellen 
(Karyophagus hominis — W. Podwissozki). 

Coecidosis durch C. bedingte Hautkrankheit. 

Coccygodynie vd. Kokcygodynie. 

Colitis Entzündung des Dickdarms (ro xwlov Grimm - 
darm). 

cf. Enteritis. 

Collapsus {col-läbor zusammenfallen) akute Vermin- 
derung aller Lebensthätigkeiten, Folge einer plötzlich eintretenden 
Schwäche der Herzaktion. 

C. pulmonum vd. Atelektasis. 

cf. Asphyxie. 

Collaps delirium (vd. Cöllapsus u. Delirium) ist „ein 
äusserst stürmisch sich entwickelnder Zustand hochgradiger Ver- 
wirrtheit mit traumhaften Sinnestäuschungen und lebhafter mo- 
torischer Erregung" [nach Kräpelin]. 

Colliquativ (con u. liquare schmelzen, verflüssigen) 

„zerschmelzend", etwas veraltete Bezeichnung für Schweisse und 
Diarrhöen, die die Bedeutung des Profusen, Erschöpfenden und 

7* 



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100 Colobom 

prognostisch Ungünstigen voreinigt, — weil gewöhnlich Folge er- 
dichteter Transsudat ion des eiweißarmen Blutserums durch 
die Kapillaren. 

cf Hyperidrosis colliquativa. 

Kolobom vd. unter K. 

Colotomie, Colostomie vd. Kolotomia, Kolostomie. 

Colotyphus eine Form des Unterleibstyphus, bei welcher 
die Geschwüre sich besonders im Dickdarm ausbreiten, im Gegen- 
satz zu dem gewöhnlichen Ileotyphus. 

cf. Typhus abdominalis. 

Colpeurynter, Colpitis, Colpocele etc. vd. unter K. 
Co in a vd. Koma. 
Combuatio vd. Ambustio. 

€omedo (com-edere) Mitesser, früher als „parasitische" 
Würmchen angesehen: das in den Ausführungsgäugen der Talg- 
drüsen, l>esonders im Gesicht, auf der Brust und am Rücken 
zurückgehaltene eingedickte Sekret. Infolge der Auflagerung von 
Schmutz an dem der Oberfläche zugekehrten Ende präsent iren 
sich die Talgpfröpfchen als dunkle Punkte. 

cf. Akne. 

Comminntiv (com-mmuere in Stücke schlagen) vd. 

Fractura. 

Commotio (com-moveo) Erschütterung, vorzüglich 
für das Gehirn (C. cerebri), für die Nerven und indirekt für die 
Gefässe in Betracht kommend , indem in den nervösen Organen 
vielleicht durch Alteration der Kohäsions Verhältnisse vorüber- 
gehend oder dauernd funktionelle und trophische Störungen, in den 
Gefässen reflektorische Paralyse, dadurch arterielle Hyj>ernmie 
hervorgerufen werden können. 

C. spinalis i. q. Railway spine. 

cf. Shock. 

Commntator (commuto verändern) Stromwender, 
an den galvanischen Batterien angebrachte Vorrichtung, einem 
durch den Körper zirkulirenden galvanischen Strom ohne Weg- 
nahme der Elektroden die umgekehrte Richtung zu geben. 

Compressio die therapeutische Beeinflussung von Er- 
güssen, Geschwülsten und Blutungen durch Druck. Gegen letztere 
ist jetzt nur mehr die Digitalkompression und der Kompressiv- 
verbaud im Gebrauch, wahrend die von älteren Chirurgen kon- 
struirten Kompressorien (Tourniquet u. s. w.) veraltet und durch 
die Unterbindung ersetzt sind. 

In der Pathologie wird C. oft gebraucht von Druck durch 
Tumoren, Abszesse, Frakturen etc., z. B. Kompression des 
Rückenmarks, Kompressionsstenose, Kompressionsthrombose. 

Conchiolin-Ostitis vd. Ostitis. 



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Congelatio 101 

Conchoskop (concha, v xbyy.ii die Muschel, oxoxeiv 
besichtigen) eine Röhre, welche an ihrem inneren Ende einen 
Metallspiegel enthält und durch den mittleren Xasengang einzu- 
führen ist , zur Besichtigung des vorderen und mittleren Drittels 
der Nasenhöhle (concha). 

Concomitirend (comäari) begleitend. 

Concrementum (con-cresctre zusammenwachsen) 

i. q. Calculus. 

ConcreÜo (die Verdichtung, v. concresetre) der Vor- 
gang der Konkrementbildung, auch das Produkt derselben = 
Konkrement. 

C. pericardii vd. Pericaixlitis adhaesiva. 

Concnsaio (tat.) cerebri Gehirnerschütterung, vd. Com- 
motio. 

Condyloma (b xbrMog Knorren oder Zapfen, xovdvkooy 
schwelle an) Feigwarze — papilläre Wucherungen dcsPapillar- 
körpers der Cutis. 

< ondylomata aenininata spitze Kondylome oder F., auch 
Sehleimhautpapillome, porrumartige, zapfenförmig zugespitzte, zu- 
weilen grosse Geschwülste darstellende und unzweifelhaft über- 
tragbare Wucherungen der Hautpapillen mit vorwiegender Ent- 
wicklung der Schleimschicht der Epidermis gegenüber der Horn- 
schicht; meist durch die Einwirkung von Trippersekret, zuweilen 
auch während der Schwangerschaft an den Genitalien auftretend. 

V. lata, Plaques muqueuses, breite Feigwarzen, nässende 
oder Schlcimpaj>eln — flächenhafte Hyperplasie des Papillar- 
körpers, flach rund liehe, durch Hyperplasie einer grosse ren G nippe 
von Hautpapillen gebildete Erhabenheiten der Haut mit dünner, 
sich gern ahstossender und mazerirender Epidermis — patho- 
gnomisch für konstitutionelle Syphilis, meist in der Umgebung der 
Genitalien und des Afters, seltener auch auf Schleimhäuten. Hat 
die Bedeutung eines papulösen Syphilids. 

Eine dritte Form der Kondylome, die subkutanen Kondylome 
(Molluscum sebaceum u. s. w.), steht ausser Zusammenhang mit 
venerischen und syphilitischen Affektionen. 

Confertus (confercio zusammenstopfen, farcio) ge- 
drängt stehend, Bezeichnung für Effloreszenzen. 
Oppos. intertinetus, discretus, monocarpus. 

Congelatio (con-gelare gefrieren) s. Dermatitis conge- 
lationis Erfrierung, hat nach vorübergehender Gefässkontraktion 
Gefässparalyse mit venösen Stasen zur Folge. Man kann nach 
Analogie der Verbrennungen am besten folgende Grade unter- 
scheiden [Pitha und Billroth J: 



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102 



Congestio 



1. D. e. erythematosa, die Haut ist für längere Zeit blau- 
rot, juckend, durch seröse Exsudat ion geschwollen (Frostbeulen, 
Perniones — s. d.). 

2. D. c. bullosa, es bilden sich Blasen auf den Pernionen, 
die sich zu Geschwüren umwandeln können. 

3. D. c. escharotica Frostgangrän, 
cf. Anibustio. 

Congestio (sc. sanguinis — con-gero hinfuhren, an- 
häufen) vd. Hyperämie. 

Conglntinatio (gluten Leim) Verkleb ung, oberfläch- 
liche, leicht trennbare Verwachsung durch entzündliches Exsudat, 
z. ^. zwischen Eichel- und innerem Präputialblatte, oder 

C. hymenis i. q. Atresia hymenis. 

C. orificii, uteri infolge entzündlicher Blennorrhoe, iu 
anderen Fällen nur durch eingedicktes Sekret. 

Coni dien (conus xtovoc Zapfen, Spitzstein, dem: 
xibnov, xcovt'diov) die Früchte oder Sporen der Schimmelpilze, 
cf. Hyphen. 

Conjunctivitis [Gräfe und Sämisch Hdb.] (Membrana 
conjuctiva Augenbindehaut) Bindehautentzündung. 

C. catarrhalis Simplex (cf. Catarrhus). 

C. follicularis die katarrhalisch-entzündlichen Veränderungen 
sind begleitet von der Entwicklung blassroter, halbkugelig über 
das Niveau der Membran hervortretender Gebilde (Schleimfollikel), 
welche mit Ablauf des Prozesses ohne Spur wieder verschwinden. 

C. irranulosa je nach dem Verlauf acuta oder chronica, 
granulöse C, Trachom (s. d.), ist dadurch charakterisirt, dass 
die entzündlichen Veränderungen der Membran, die als Hyper- 
ämie, seröse Durchtränkung, Schwellung des Papillarkörpers und 
gesteigerte perverse Sekretion in verschiedener Intensität auftreten 
können, begleitet sind von der Entwicklung rundlicher, grauröt- 
licher, prominirender Gebilde Jgranula, granum Korn^, welche 
l)esonders in der Gegend der Ubergangsfalte auf der Conjunctiva 
palpcbr. sich zeigen, stets bestimmte (narbige) Umwandlung er- 
fahren und sehr häufig zu sekundären Veränderungen in der 
Goraea und den tieferen Teilen der Conjunctiva und der Lider 
führen. 

C. blennorrhoica (ßkewoe Schleim, pico fliesse) ist als 

jK)tenzirte C. catarrhalis aufzufassen und durch die Absonderung 
eines vorwiegend eiterigen Sekretes charakterisirt. 

C. bl. neonatorum, Blennorrhoea neonat, Augenblennor- 
rhoe der Neugeborenen, pflegt in der ersten Woche nach der Geburt 
aufzutreten und ist meist auf Inokulation des blennorrhoischen 
Sekretes der mütterlichen Vagina unter der Geburt zurückzuführen. 
C. bl. gonorrhoica vd. Ophthalmia gonorrh. 



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Constricteur 



103 



C. crouposa (vd. Croup) s. membranacea. Der Oberfläche 
der entzündeten Schleimhaut liegen in verschiedener Ausdehnung 
krupöse Membranen auf, deren Äbstossung mit dem Verlust des 
Epithels verbunden ist, während die Schleimhaut intakt bleibt. 
Diese Form kann im weiteren Verlauf in die blennorrhoische oder 
diphtherische übergehen. 

C. dlphtheriea ist dadurch charakterisirt, dass in die sub- 
epithelialen und tieferen Schichten der Membran eine Infiltration 
von stark gerinnungsfähigen entzündlichen Produkten stattfindet, 
die eine Nekrosirung und Abstossung der infiltrirten Teile mit 
späterer Xarbenbildung zur Folge hat. 

C. phlyktaenulosa (rj tpAvxraiva Blase von q>lv& walle auf, 
fluo). Auf einem injizirten und infiltrirten Abschnitte der „Cou- 
junetiva bulbi, der sich vom Hornhautrand bis gegen die Uber- 
gangsfalte hin erstrecken kann, bildet sich in der unmittelbaren 
Nähe der Kornea eine bläschenförmige Erhebung, die die Tendenz 
hat, auf die Kornea überzugreifen. 

a) C. phl. simplex: dicht am Limbus corneae finden sich 
ein oder nur wenige Bläschen, welche nach 8— KMgigem Bestehen 
sich in ein flaches Geschwür verwandeln. 

b) C. phl. miliaris: die Erhebungen — umschriebene sub- 
epitheliale Anhäufungen lymphoider Elemente — treten stets 
multipel und in geringeren Dimensionen, aber in grosser Ver- 
breitung, häufig auch auf der Kornea, und unter bedeutenden 
Reizerscheinungen auf. 

c) C. phl. maligna s. pustulosa durch Bildung von einzelueu 
grösseren Pusteln charakterisirt, welche sieh in tiefere, zum Teil 
der Hornhaut aufsitzende Geschwüre verwandeln und in der Regel 
schwere Hornhautaffekt ionen (Abszedirung) einleiten. 

cf. Keratitis. 

Conquassatio die Zcrquetschung (quatio, quassare). 
cf. Contusio, Dilaccratio, Vulnua. 

Conaonirend (con-sonare mittönen) nennt man Schall- 
erscheinungen, insbesondere Rasselgeräusche, welche durch Mit- 
schwingen eines bestimmt begrenzten, gewissermassen für die betr. 
Schallhöhe abgestimmten Luftraumes verstärkt werden. 

cf. Ronchus. 

Constipatio (con-stipare dicht machen, sttpare stopfen) 
s. Obstructiv (sc. alvi) Verstopfung. 

Constitntionsanomalien (dv(o,uakog, d prti., opakos 
gleichartig) krankhafte Störungen, unter denen der gesamte 
Organismus leidet, im Gegensatz zu Organerkraukungen. 

Constricteur (franz. von con-stringere zusammen- 
schnüren) im wesentlichen ein kleiner Ecraseur, bei dem die 
Kette durch einen Draht ersetzt ist, also etwa: Sc hl in gen - 
schnürer. 



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104 Consumtio 

Consumtio (con-sumtre verzehren) lateinischer Name 
für Phthisis. 

Contagium (con-tangere berühren) Ansteckungs- 
stoff. Kontagion die Ansteckung durch Kontagien — vd. 
Infektion. 

Contractnra [con-traktre) dauernde Verkürzung oder 
Zusammenziehung von Muskeln oder Bündern. 

Man unterscheidet drei Formen von Kontraktur: 

Myopathische Kontrakturen, neuropathische K. (spastische 
und paralytische) und Kontrakturen durch falsche Stellung von 
Knochen. 

cf. Spasmus, Tetanie. 

C. hysteriea tritt neben anderen Symptomen der Hysterie 
entweder als eine vorübergehende oder als eine seltenere perma- 
nente K. auf, letztere besonders an den Unterextremitäten, wo 
sie den „hysterischen Klumpfuss" bewirkt. 

cf. Pe» varus. 

C palinaris s. Curvatura digitorum s. Crispatura tendi- 
nuin (crispare kräuseln, crispus kraus) die Dt'Pi'YTREN'schc 
(zuerst von D. beschriebene und erklärte) Finger Verkrüm- 
mung, allmählich eintretende permanente Beugestellung eines 
oder mehrerer (zuerst gewöhnlich des 4.) Fingers durch fort- 
schreitende spontane K. der Fascia palmaris, ein besonders in 
späteren Jahren nicht seltenes leiden [König]. 

Contracture des nourrices {frz.) der von Trousseaü 
wegen des häufigen Vorkommens bei stillenden Frauen gewählte 
Ausdruck für Tetanie (s. d.). 

Contraextensio vd. Extension. 

Contra indicatio (contra gegen, indicare anzeigen) 
Gegenanzeige, sc. für therapeutische Eingriffe, 
cf. Indicatio. 

Coiitralateral (contra gegen, latus Seite) von der 

entgegengesetzten Seite, klinisch gebraucht z. B. von Lähmungen, 
wenn, wie stets bei zerebralen Lähmungen, die anatomische Ur- 
sache auf der anderen Körperhälfte ihren Sitz hat wie die 
Lähmung. 

Contusio (con-tundtre stossen) Quetschung, Drückung 
oder auch stellenweise Zerreissung der Gewebe und Kapillar- 
gefässe mit Extravasaten in die Gewebe infolge von direkter 
Einwirkung äusserer Gewalt (stumpfer Gegenstände). 

cf. Conquassatio, Dilaceratio, Commotio, Vulnus, Dermatitis 
contusi formte. •__ — kj^o.m 

r-RL'OK b". CK'i .ER, M. D,< 

5 A . .. !t; ."iarrison Sq., 
DC ,.>:-^TcR, . - • MASS. 



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Corneoblepharon 105 

Conus (Kegel) die angelwrene und stationäre mondsichel- 
förmige Ektasie bei hinterem Sklerochorioidealstaphylom (s. d.) 
im Gegensatz zur progressiven. 

Convexitätameningitis vd. Meningitis cerebralis b). 

Convulaibilitas s. Spasmophilia Disposition zu 
Krämpfen, gesteigerte Erregbarkeit der Keflexzcntren im Rücken- 
mark und Gehirn, deren Wesen in feineren, wenn auch nicht 
näher bekannten Ernährungsstörungen der motorischen Apparate 
gesucht werden muss. — Vd. d. fgd. 

Convulsio (con-vello reissen, zerren, erschüttern) 

intensive und ül)er einen grösseren Teil des Köi|>crs verbreitete 
klonische Krämpfe, 
cf. Spasmus. 

Coordinatio (con u. ordo, ordinitt), Adj. koordinirt, 

gebraucht von den Muskelbewegungen. Unter C. versteht man 
die geordnete zweckbewusste Ausführung komplizirter Bewegungen, 
bei welchen mehrere Muskeln gleichzeitig in Aktion treten, 
cf. Ataxie. 

Copiopia Hysterien (6 xöjkk v. xöxko Zerschlagen- 
heit, Ermüdung; »7 <7,y> das Sehen) Augenaffektion bei 
Frauen mit chronischer Parametritis und Metritis, von Förktkr 
beschrieben , bestehend in asthenopischen Beschwerden, Licht- 
scheu, Schmerzen in und um da« Auge ohne objektiven Befund, 
verbunden mit sonstigen hysterischen Beschwerden. 

Cor (lat. v. to xtag, xijQ Herz). 

C. ad ip os um (adeps, ipis Fett) Fettherz, Herzver- 
fettung: 

1) die eigentliche Fettdegeneration der Muskelfasern 
die gelbe Atrophie des Herzfleisches, Folge allgemeiner und lokaler 
Ernäh ru ngss t ö ru ngen . 

2) Die übermässige Vermehrung des subperikardial ge- 
legenen Fettes, die zum Schwund der Muskelfasern führen 
kann [ZH1. 

C. bovin um s. taurinuin Ochsenherz, enorme Grade von 
Hypertrophie und Dilatation des Heizens. 

€. villosum s. hirsutum (villus Zotte, hirsütus struppig) 
Zottenherz, zottige Fibrinauflageningen bei Perikarditis. 

Corektopie vd. Korektopie. 

Corinm plenritienm {cor tum Leder, Haut xfUh» 

scheere) vd. Crusta inflammatoria. 

Corneoblepharon {Cornea Hornhaut, ™ ßÄF<paoor 
Augenlid) Verwachsung der Lidfläche mit der Hornhaut, 
cf. Symblepharon, 



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106 Cornu cutaneum s. humanuni 



Cornn cutanea«! ». hu man um Hauthorn, eine 
zirkumskripte Keratose, tierhornartige Exkreszenzcn aus ver- 
hornten Epidermiszellen von verschiedener, oft bedeutender Länge 
und Dicke, welche sich an den verschiedensten Körper* teilen, 
z. B. der Hornhaut, entwickeln köuuen. 

Corona veneria sekundär-syphilitische Exantheme um 
die Stirn herum, besonders am Rande des Haarwuchses. 

Corpora amylaeea (vd. amyloid) sehr kleine, allenfalls 
noch makroskopische, ovale, homogene oder konzentrisch geschich- 
tete mattglänzende Korper, die die bekannte Jodreaktion geben. 
Sie kommen am häufigsten im Nervensystem , ferner in der Pro- 
stata und anderen Organen, sowie in Neubildungen vor und ent- 
stehen im Gefolge lokaler Krankheiten. Im Nervensystem ist ihr 
massenhaftes Auftreten für die einfache graue Degeneration cha- 
rakteristisch. 

Corpora s. corpnscnla oryzoidea (v ogvCa Reis, 
nÖoy ähnlich sein) Reiskörperehen heissen die zuweilen in 
Sehnenscheiden, Schleimbcuteln (Hygromen) und auch in Gelenken 
vorkommenden knorj)elartigeu, reiskornähnlichen, oft sehr zahl- 
reichen fixen und freien Körperchen, welche wahrscheinlich teils 
im Anschluss an chronische Sy novit is aus Wucherungen der 
Synovialmembran, teils aus entzündlichen albuminöseu Gerinnungs- 
produkten entstehen. 

cf. Arthrolith. 

Mit demselben Namen sind auch die kleinen Bröckel verkästen 
Lungengewebes l>ezcichnet worden (ältere Aerzte), welche in seltenen 
Fällen von Phthisikern expektorirt werden. 

cf. Phthisis calculosa. 

Corrosio (con-rodtre zernagen) teilweise Zerstörung 
von Schleimhäuten, Knochen, Gelassen (xler anderen Organen 
durch ätzende Stoffe oder Geschwürsprozesse. 

cf. Arrosio. 

corymbosus (corymbus, 6 xogvftßo^ der Haarwirbel, 
Blütentraube) gruppenweise angeordnet. 

Coryza (Hippokrates r) x6o}%a Rotz, eig. Stumpf- 
sinn, von der den Schnupfen begleitenden Eingenom- 
menheit des Kopfes) s. Rhinitis s. tiravedo der Schnupfen, 
Kasenkatarrh, vd. Catarrhus. 

C. neonatorum die nicht selten in den ersten Tagen nach 
der Gehurt eintretende C, für deren Entstehung die Infektion 
durch blennorrhoisches Sekret der mütterlichen Vagina während 
der Geburt wahrscheinlich ist. 

cf. Conjunctivitis neonatorum. 

C. s. Rh. blennorrhoica eiteriger Nascukatarrh (cf Blen- 
norrhoe) vor allem als C. neonatorum, ferner bei Ätzungen, Ver- 



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Cranioschisis 107 

wundungen und symptomatisch bei Scharlach, Blattern, kongeni- 
taler Syphilis (C. scarlatinosa, variolosa, syphilitica); 
auch das Vorkommen von C. gonorrhoica ist wahrscheinlich. 

R. fibrinosa s crouposa seltene Form der akuten Rh., 
charakterisirt durch das Auftreten eines fibrinösen Exsudates auf 
der Schleimhaut. 

Cowperitis Entzündung der Cowper'schen Drüsen. 

Coxalgia (coxa Hüfte vw. m. cingere gürten, r6 äkyo? 
Schmerz) Hüft schmerz (vd. Arthralgie), häufig im Sinn von 
Coxitis und Coxarthrokace. 

C. senilis i. q. Malum coxae senile, vd. Arthritis deformaus. 
cf. Sacrocoxalgie. 

Coxarthrokace vd. Arthrokace. 

Coxitis Hüftgelenksentzündung, ist entweder Syno- 
vitis oder Arthritis oder Arthrokace des Hüftgelenks (s. d.). 
cf. Coxalgie, Claudicatio spontanea. 

Crampa« (viell. v. gr. xgdfißog trocken, xägqpw dörre, 
schrumpfe) einfachste Form des tonischen Krampfes, in an- 
dauernder schmerzhafter Kontraktion eines einzeluen Muskels 
oder bestimmter Muskelgruppen (am häufigsten der Waden- 
muskeln) bestehend. 

cf. Spasmus, Tetanie. 

Craniektomie (ro xoaviov Hirnschale, Schädel, 
Exzsßvo) ausschneiden) Ausmeis seiung von Stücken des Schädel- 
daches. , 

Craniencephalometer (6 eyxeyalot Gehirn) [A. 
Köhler] Instrument zur Bestimmung der Lage der Gehirn- 
windungen an der Aussenfläche des Kopfes. 

« 

Cranioklast (xkäro brechen) Zange zum Zerdrücken 
und zur Herausnahme (Kraniotraktor) der Schädelknochen 
nach vorausgegangener Perforation, unterscheidet sich von den ge- 
wöhnlichen Knochenzangen nur durch ihre grösseren Masse. 

cf. Cephalotripsie. 

Craniometrie Schädelmessung, ein von Benedikt u. a. 
ausgebildetes Verfahren, klinisch bisher in der Psychiatric und 
bei Neugeborenen von grösserer Bedeutimg. 

Craniopagus (von xrjywfu verbinden, befestigen, 

Stamm: Jtay wie in Jtdyog Fels, Prost) Missgeburt aus zwei 
am Schädelgewölbe miteinander verwachsenen Individuen, 
cf. Syncephalus. 

Cranioschisis und Rachiscliisis (>) &ayjg Rück- 
grat, ö/<Cw spalten) angeborene Spaltung der Schädel- und 



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108 



Craniostosis 



Wirbelhohle sowie ihrer Häute und der allgemeinen Docke, wobei 
Gehirn und Rückenmark selbst initiier mangelhaft gebildet sind, 
cf. Encephalocele, Spina bifida. 

Craniostosis (™ Smeor Knochen) vorzeitige Ver- 
knöeherung der Nähte am Schädel, 
cf. Synostose, Mikrocephalie. 

Craniotabes (vd. Tabes) Schädelerweichung, 
rachitische Erkrankung des Schädeldaches, bes. der Hinterhaupt- 
schuppe. Die rachitische Periostwucherung geht unter dem 
mechanischen Druck (der Kissen etc.) von aussen atrophisch zu 
Grande, noch ehe es zur Verknöcherung kommt, während die 
mit dem Gehirn Wachstum verbundene Resorption der Tabula 
vitrea die gewöhnlichen Fortschritte macht. Dadurch bekommt 
die Hinterhauptschuppo hier und da dünne Stellen, endlich 
geradezu Löcher, welche nur durch Dura mater und Periost ver- 
schlossen sind. 

Craniotomie i. q. Ccphalotomic. 

Craniotripsotom {tgißai zermalmen, ri/ino schnei- 
den) ein von Caksagny angegebenes Instrument, das zu den- 
sellien Zwecken dient wie der Kranioklast. Es unterscheidet sich 
von dem letzteren dadurch, dass die eine Brauche einen Trephinen- 
bohrer trägt, während die andere sich ebenso verhält wie die 
Branchen dos Kranioklasten. 

Crapula (rj xgaixah] Taumel, Bausch) sowohl der 
Rausch als die Folgen dos Rausches, der Katzenjammer, 
cf. Alkoholisnins acutus. 

Crassamentum sanguinis (v. crassiw dick) i. q. 
Crusta inflammatoria. 

Crepitatio (crepare) das Knistern, jedes knisternde 
Geräusch, Knisterrasseln (Ronchus crepitans), wie es im Beginn 
und bei der Lösung pneumonischer Infiltrationen (C. indux et 
redux) bei der Atmung gehört wird. 

Übertragen feiner auf das Gefühl, das man beim Aneinander- 
reihen rauher Flächen, z. B. von gebrochenen Knochen, verspürt. 
— Eine besondere Art der C. ist das ,,Pergamentk nistern 4 ', 
d. i. das Gefühl und Geräusch, welches beim Eindrücken papier- 
dünner Knochenschalen entsteht. 

Creti ni Minus (durch Zusammenwerfen des Zu- 
Standes der Cretinen mit dem der Albinos wahr- 
scheinlich v. creta Kreide — Kraus ; cretin deutsch : „Kreid- 
img") diejenige Art der Idiotie, wobei eine erhebliche körperliche 
Missbildung (besonders Kropf, Tribasilar-Synostosc, eingedrückte 
breite Nase, grosser Kopf, zwerghafter Körper) vorhanden ist. 



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Croup 



V. endeinicus (vd. Endemie) insbesondere alpinns, die ge- 
wöhnliehe endemische, hauptsächlich in den grossen Gebirgsstöcken 
der Alpen, Pyrenäen etc. als Hauptzentren vorkommende, auf 
noch unbekannter Ursache beruhende Form. 

Cr et in us der C rot in. 
Cricotoniie vd. K. 

Cri hydrencephalique (franz.) das laute Aufschreien 
der Kinder im Schlaf, so genannt, weil es besonders häufig bei 
Hydrocephalus acutus (s. d.) vorkommt. 

Crises (frz. vd. Krisis) Bezeichnung für anfallsweise auf- 
tretende Krankheitserscheinungen, z. B. crises gastriques u. a. bei 
Tabes. 

Criapatura tendiiium (crispus kraus) vd. Contrae- 
tura palmaris. 

Croup (die Benennung ist schottischen Ursprungs 
und bedeutet: Einschnürung. Nach Cooke nennen 
die Schotten jenes weisse Häutchen auf der Zunge 
junger Hühner, das in Deutschland als „Pips" be- 
zeichnet wird, den Croup, Ual. grop|>o, frz. crouj>e, Kno- 
ten, Höcker, Kropf ) Sohleimhautentzündung mit Produktion 
einer mehr oder weniger zähen Pseudomembran, welche haupt- 
sächlich aus den metamorphosirten (glasig verquollenen) Zellen 
der Epithelialschicht der Schleimhaut selbst in Verbindung mit 
verschieden dicken Fibrinausschwitzungen besteht. 

Croup und Diphtherie werden sich künftighin , da das der 
Diphtherie eigene Bakterium (vd. Bacillus) von Löffler sicher 
erwiesen ist, bakteriologisch sicherer abgrenzen lassen. Anatomisch 
rechnet man nach Weigert diejenigen Affektionen , die mit Bil- 
dung einer leicht abzichbaren Membran einhergehen, unter welcher 
eine unverletzte Schleimhaut sitzt, zum Croup, während die tiefer- 
greifenden, bis in das submuköse (iewebe sich erstreckenden Pro- 
zesse der Diphtherie angehören. 

1) Der rein entzündliche C. mit Produktion entweder 
eines schleimig-eiterigen, dicklichem Rahme gleichenden Exsudates, 
oder mehr fester fibrinöser Auflagerungen auf die Schleimhaut - 
fläche, besonders im Kehlkopf und in den Bronchien vorkommend, 
nicht kontagiös und nur durch die mechanische Wirkung bei 
Laryngitis crouposa in hohem Grade lebensgefährlich. 

2) Der diphtherische C, eine Form der Diphtherie (s.d.). 
Beim diphth. C. gesellt sich zur Croupmembran noch eine starke 
serös-eiterige oder rein eiterige oder dicht kleinzellige Infiltration 
der Mucosa und Submucosa mit häufigen Hämorrhagien, selbst 
bis zur Nekrose. Die Membranen entwickeln sich im Rachen und 
in den Choaneu allein, oder zugleich auch im Larynx. Zu den 



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110 



Crusta 



mechanischen Wirkungen kommt noch die infektiös-toxische allge- 
meine Erkrankung hinzu. Die D.-Bacillen liegen, umgeben von 
Zellenhaufen, vorwiegend in den oberflächlichen Schichten der 
Membranen, deren tiefere Schichten meist arm oder frei von Bak- 
terien sind. 

Crnsta (lat. von xQovm brechen, stossen) Kruste, 
Borke oder Grind, krankhafte Produkte der allgemeinen Decke, 
welche durch Vertrocknung verschiedener exsudirter Flüssigkeiten 
oder extravasirten Blutes entstehen. 

C. lamellosa (lamella , lamina Platte, Scheibchen) 
Schuppengrind, ein aus Schuppe und Borke zugleich be- 
stehendes Produkt, vd. Squama. 

C. laetea Milchborke (auch Melitagra flavescens 
s. nigricans) akutes Ekzem besonders der Wangen bei Kindern 
mit gelben oder braunen, vertrocknetem Honig oder am Feuer 
verbranntem Rahm ähnlichen Krusten (veraltet). 

C. inflaininatoria, Crassamentum sanguinis, Speck- 
haut, die oberste dichtere und farblose Schicht des Blutkuchens 
im Aderlassblute , welche dann entsteht, wenn die Faserstoff- 
gerinnung erst nach Zubodensenkung der roten Blutkörperchen 
eintritt. Man glaubte irrtümlich, aus ihrer Dicke auf die Inten- 
sität entzündlicher Brustkrankheiten Schlüsse machen zu können 
(daher auch Cor i um pleuriticum). 

cf. Hyperinose. 

Cucurbita (eig. der Kürbis, corbis Korb) der Schröpf - 
köpf. Cucurbitatio das Schröpfen, 
cf. Scarificatio. 

Culter (ursprünglich Pflugmesser) das Messer, 
cf. Bistouri, Sc&lpellum. 

Cumulativ (cumulus der Haufe) nennt man die Wir- 
kung gewisser Arzneimittel, von denen zu lange fortgesetzte kleine 
Gaben schliesslich dieselbe toxische Wirkung hervorbringen kön- 
nen, als eine einmalige zu grosse Gabe. 

Cu rette (v. franz. eurer ausräumen, reinigen, curare) 
ohrlöffelähnliches oder röhrenförmiges Instrument mit einer Vor- 
richtung (z. B. C. articulee) zum Ergreifen von Steinfragmenteri 
in der Harnrröhre , oder von Fremdkörpern im Ohre , oder zur 
Entfernung von Wucherungen im Canalis cervic. uteri bei chron. 
Endometritis, Carcinom, im Kehlkopf (z. B. bei Tuberkulose) etc. 

Curettement , Curettage, das Verfahren des Aus- 
kratzens oder Ausschabens. 

Cutis (ro xvTog) die Haut. 

C. anserina „Gän schaut", die besonders durch Kältereiz 
veranlasste spastische Kontraktion der Musculi arrectores pili im 
Gebiet einer grösseren Hautstrecke, wodurch die Lanugohärchen 



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Cylindroma 1 1 1 

emporgerichtet und die locker gebetteten Haarbälge mit ihren 
Ausführungsgängen über das Hautniveau gedrängt werden und <o 
für die Dauer der Kontraktion Knötchen erzeugen, 
et. Liehen pilaris, Horripilatio. 

C. pendula (pendeo hängen) vd. Molluscum fibrosum. 

€. tcnsa chronica vd. Sklerema universale. 

C. laxa eine sehr seltene angeborene und erbliche Haut- 
anoinalie, bei welcher die Cutis und das subkutane Zellgewebe 
eine überall* lockere, dehnbar-elastische Beschaffenheit zeigt, in- 
folge deren die Oberhaut zu grossen Falten aufgeholien und aus- 
gezogen werden kann. 

C. testacea (testa Schale, Hirnschale) s. Ichthyosis 
sebacea neonatorum ist eine Beborrhoea sicca s. squamosa bei 
Neugeborenen. 

Cyanodermien (»> xiWoc der dunkelblaue Stahl) 

vd. Chromodennatosen. 

C'yanopie {fi Sehen) das Blausehen seltene Affek- 
tion, die wahrscheinlich auf Hallucinationen beruht. 

Cyanoais bläuliches Aussehen der Haut, besonders an den 
hervorragendsten Teilen bei venöser Hyperämie derselben. 

Cyanonpermie {r6 oxigfia Samen) blaue Verfärbung 
des Sperma, wahrscheinlich l>cdingt durch Indigo [Ultzmann]. 

Cyklischea Irresein i. q. cirkuläres Irresein. 

Cyklitis (6 xvxlog Kreis) Entzündung des Strahlenkranzes 
des Auges, selten für sich, sondern meist in Verbindung mit Iritis 
llridocykliti* vd. Irido-Chorioiditis spontanea), Skleritis oder 
Chorioiditis auftretend. Ui*sachcn derselben sind: Trauma, Rheu- 
matismus, Syphilis (0. syphilitica), Skrophulose oder Tuber- 
kulose (C. tu berc ulosaj. 

Cyklopie, Monophthalmie (6xvx/.ro v>Cyklop, der nach 
der homerischen Fabel nur Ein Auge in der Mitte 
der Stirn hatte, v. 6 xvxkog, fj a>y> Auge) diejenige Miss- 
bildung, wobei Augen und Nase an ihrer normalen Stelle fehlen, 
dagegen in der Gegend der Nasenwurzel ein einfaches Auge sitzt, 
über welchem meist ein rüsselförmiges Nasenrudiment hervorragt. Der 
Zustand bedingt Lebensunfähigkeit, da er immer mit Verkümme- 
rimg des Vorderhirns, gewöhnlich auch mit anderen Missbildungen 
des Gesichtes komplizirt ist. 

cf. Monstrum, Froboscis. 

Cykloplegia (xkrjoo™ schlage, .Tltjytj Schlag) die 
Akkommodationslähmung (s. d.). 

Cylindroma (6 xvhvdgog Walze, xvktvdgoto wälze) 
[Billroth], eine von Heixle Siphonom, von Förster und 
Köster Sehlcimkankroid genannte, vornehmlich in den Ge- 



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1 12 



Cynanche contagiosa 



sichtsteilen des Kopfes und der Augenhöhle vorkommende Ge- 
sehwulst mit Zellenwucherung in den Lymphgefässnetzen der be- 
fallenen Teile, wobei grössere hyaline Körper produzirt werden, 
welche teils als kugelige, teils als zylindrische, keulenförmige oder 
kaktusartige Gestaltungen erscheinen, denen mit kurzen Stielen 
Kolben und Kugeln aufsitzen. 

Nach Köstkk handelt es sich l)ci dieser Art von Geschwülsten 
um eine sekundäre hyaline Metamorphose, welche die Zellenbalken 
eines Kankroids der Lymphgefässe erfahren. 

Nach Ewetsky sind die Zylindromc entweder plexiforme 
Sarkome mit kolloider Degeneration der Zellen oder des binde- 
gewebigen Stroma, oder es handelt sich um ein Angioma mueosum 
proliferum (s. d.) oder um gemischte Formen. 

Cynanche contagiosa (o xtW, xwog Hund, äyxt» 
ango würgen vd. Angina, rj xwäyxq eig. das Hundehalsband, 
wahrscheinlicher ist xwayyr\ nur eine mundartliche Form 

für £rv und avvdyxtj) wenig gebräuchlich für Angina und La- 
ry n gi t i s d i ph the r i c a. 

C. subungualis s. cellularis maligna gangraenosa vd. 

Angina Ludovici. 

Cynorexie (vd. Anorexie) i. q. Bulimie. 

Cyrtometer (xvgnk krumm, t6 nhgov Mass) ein von 

Woillez angegebenes Instrument zur Bestimmung der Form un- 
regelmässig krummer Flächen, besteht aus einer Kette von nicht 
zu leicht beweglichen, daher ihre gegenseitige Stellung beibehal- 
tenden, 2 cm langen Gliedern von Horn, durch deren Anschmiegung 
die Form des Thorax in verschiedenen Durchschnitten und At- 
mungsstadien bestimmt werden kann, 
cf. Stethographie. 

Cystadenoma (»5 xvaug Blase v. xvco hohl sein, 
Adenoma s. d.) papillifernm, eine Form des Adenoms, bei 
welcher es zur Bildung von Cysten kommt, in deren Inneres das 
Bindegewebe in Form von papillösen Wucherungen hineinwächst, 

cf. Adcnoma, Cystis. 

Cystalgie (rö äÄyoz Schmerz) i. q. Cystodynic. 

Cysticercus (r) xegxoc; Schwanz) Blasenschwanz, Blascn- 
wurm, Finne, Jugendzustand der menschlichen Tänien. 

C. cellulosae Sc h w e i n e f i n n e , eine erbsengrosse Blase mit 
einer Einziehung, woselbst der Kopf mit dem Hakenkranz ein- 
gestülpt ist. Sic bewohnen besonders das intramuskuläre Binde- 
gewebe (daher cellulosae) des Schweines, wohin sie, ebenso wie in 
die Organe des Menschen, als Embryonen, d. i. die reifen Eier 
der Taenia solium nach Durchbohrung der Magen- und Darm- 
wand direkt oder durch Eindringen in die Gefässc mit dem Blut- 
strom gelangt sind. 



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Cystis HB 

C. racemosus (racemus Traube) eine besondere im Gehini 
^ vorkommende Form mit traubenartig angeordneten, sterilen Bläs- 
W ehen. — Ungemein viel seltener wird der 

Q C. Taeniae saginatae [saginare mästen) angetroffen, u. z. 

^ nur im wiUkürlichen Muskel, sowie Herz und Gehirn des Rindes, 
\Jl seltener anderer Wiederkäuer [nach Heller in ZH]. 

j Cystinurie {Cystin, Blasenoxyd, ein im mensch- 

£3 liehen Organismus unter unbekannten, öfters erb- 

Q liehen, pathologischen Verhältnissen entstehender 
Körper, der durch den Urin ausgeschieden wird, in 

J flachen Tafeln krystallisirt und in Nieren und Blase 

P Gries und Steine bildet) Ausscheidung von Cystingries durch 

M den Urin, die Ursache der Bildung von Cvstinsteinen. 

M cf. Lithiasis. 

J Cystis {xvsco schwanger, hohl sein, xvros Höhle) 

X pathologisch die Cyste, Balggeschwulst im weiteren 

^ Sinne, alle Gesehwülste, welche aus einem geschlossenen epithel- 

[V i bekleideten fibrösen Sack oder Balg mit einem dünnflüssigen bis 
dickbreiigen Inhalte bestehen. Man unterscheidet: 

1. Nach dem Inhalte. 

Atherom (adrjoeofia) G r ü t z ble u t e 1 , B a 1 g g e s c h w u 1 s t 
im engeren Sinne. Einen höheren Grad der Eindickung und 
Umwandlung des Inhalts zeigt die 

Cholestearin-C. (vd. Cholesteatom), Cysten mit gleichmässig 
dickem, rein weissem, glänzendem stearinartigem, blätterig ange- 
ordnetem Inhalt. 

Dermoid-C. mit Bestandteilen der äusseren Haut, Epidermis, 
Fett, Haaren etc. (Fett- und Oelcysten). 

Hämatom Blut-C. (s. d. und unten 2 c). 

Hygroina s. Hydatfs W asser gc schwulst, C. mit dünn- 
flüssigem, serösem oder schleimigem Inhalt (Schleim-C). 

Mcliceris (s. d.) Kolloidbälge. 

2. Nach der Entstehung. 

a) Cysten, welche durch Umwandlung normaler 
Hohlräume entstehen, entweder durch Vergrösserung seröser 
oder Schleimsäcke infolge von hydropischen Ergüssen oder Hyper- 
sekretion (Exsudations- C, z. B. Hydrocele, Hydarthros, Schleim - 
beutelhygrome etc.j oder durch Ausdehnung geschlossener Follikel 
(Follicular-C, z. B. ein Teil der Kropf- und Ovarien-C.) — 
oder durch Obturation und Abschnümng von Schleimhautkanälen, 
1 Misenausführungsgängen, Blut- und Lymphgefässen (Reten- 
tion s-C, z. B. Hydrops vesicae felleae,* Hydrosalpinx, Ranula, 
Hämato- und Lymphocystis etc.j. 

Roth'» Klinische Terminologie. 4. Aufl. 



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IM Cystitis 

b) Cysten, welche infolge von gehinderter Entwicklung aus 
fötalen Organen entstehen (Reste des Processus vaginalis bei 
Samenstrang-C, die Morgagni'sche Hydatide im Hoden, die se- 
rösen und Dennoid-C. am Hals: Retentions-C. der Kiemen- 
spalten etc.). 

c) Cysten , welche aus Blutextravasaten entstehen: 
Extravasations-C, C. haemorrhagi ca s. apoplectica. 
Um den ergossenen Blutherd bildet sich sekundär eine fibröse 
Kapsel, welche sich nach Resorption des Blutes und der zertrüm- 
merten Gewebsbestandteile mit einer klaren Flüssigkeit füllt, 

cf. Häniatocystis. 

d) Cysten, welche durch fettige oder kolloide De- 
generation in normalen oder pathologischen Ge weben entstehen 
(Erweich un gs-C, z. B. ein Teil der Ovarien-C. und die Cy- 
stoneoplasmen, wie Cystosarkoin, Cystadenom u. a.). 

c) Cysten als primäre Neubildung, die eigentlichen 
Cystome. Hierher gehören die Dermoide (s. d.). f 
cf. Pygopagus, Spermatocele, Dakryops, Hydrops. 

(Grösstenteils aus WAGNER, Allgem. Pathologie.) 

Cystitis (cf. Cystis) Blasenkatarrh und B lasen - 
ent zündung, ist entweder 

C. mueosa acuta (mueus, [iv$a Schleim, Kotz) akuter 
Blasenkatarrh, katarrhalische, zuweilen diphtherische, bei 
C. gonorrhoica (auf die Blase fortgelei teter Tripperentzündung) 
blennorrhoische Entzündung der Blasenschleimhaut, 

C. parencliymatosa (naQeyzvfia, eyxv^a Galen, der Saft, 
das Eingegossene h-^oi) fsubinueosa. subserosa) Entzün- 
dung der gesamten Blasenwand, häufig mit Entwicklung submu- 
köser oder subseröser Abszesse und deren Folgen. 

C. chronica der chronische Blasenkatarrh. Die ana- 
tomischen Veränderungen pflegen sich selten auf die Mueosa allein, 
sondern (mit Hypertrophie, Geschwürs- oder Divertikelbildung, 
Harninfiltration) auch auf die Blasenwand zu erstrecken [nach ZH]. 

cf. Para- und Pericystitis, Pyelitis. 

Cystitom {refivto schneiden) ein Augeninstrament, welches 
zur Inzidirung der vorderen Linsenkapsel bei Staroperationen dient 
(ist gewöhnlich mit dem DAViEL'schen Löffel verbunden). 

Cystoadenom vd. Cystadenom. 

Cystocele (jj Bruch) Blasenbruch, Vorfall eines 
Teils der Blase entweder durch die Urethra (bei Frauen) oder 
durch eine Bruchpforte (C. inguinalis, cruralis, foramini» 
ovalis etc.) oder als 

C. vaginalis, wenn bei Vorfall des Uterus und der vorderen 
Scheidenwänd ein Teil der Harnblase mit prolabirt ist. 
cf. Hernia. 



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Cystoma 



115 



Cystodynie (*) 6drv>) Schmerz) s. Cystalgie der Blasen- 
schmerz. 

Cystoid (etdw ähnlich sein) multiloculäre oder mehr- 
fächerige, d. i. aus mehreren einzelnen zusammengesetzte Cyste, 
cf. Cystom. 

Cystolithiasis (6 Xtöog Stein, h&iams v. Xi&iaQm habe 
Steinschmerzen) Blas en st e inkrank hei t, steinige Konkre- 
mente in der Harnblase. Sie bilden sich nur zum kleinsten Teil 
in der Blase selbst um Schleim oder Fremdkörper, die Mehrzahl 
stammt ursprünglich aus den Nieren (vd. Nephrolithiasis), ver- 
grössern sich aber in der Blase. 

cf. Lithiasis, Calculi. 

Cystoma im engeren Sinne Cyste als primäre Neubildung, 
im weiteren Sinne jede (grössere) Cystengeschwulst überhaupt, ins- 
]>esonderc : 

t\ ovarii Eierstockscy ste oder Eierstockskolloid 
(wegen des kolloiden später dünnflüssigen Inhaltes) zur Klasse der 
epithelialen Tumoren gehörend. 

Pozzi teilt die Ovarialcysten folgendermassen ein: 

A. Cysten mit grosser Ausdehnung: 

I. C. glanduläre proligerum sive proliferum. Grosser 
Tumor mit einer oder mehreren Höhlen [Cruveilhier unter- 
scheidet unilokuläre (einkammerige) multilokulare (mehr- 
kammerige), areoläre (zellenförmige) u. zusammengesetzte 
Cysten], deren Sack mit Cylinderepithel bekleidet in verschiedene 
Schichten zerfällt und deren Inhalt flüssig ist. Die Cysten - 
wandung ist von einer reichlichen Zahl von Drüsen durchsetzt. 

II. C. proliferum papilläre. An Stelle der Drüsen bei I 
finden sich bindegewebige Wucherungen, die das Epithel in die 
Cystenhöhle vertreiben. 

I u. II nehmen ihren Ausgangspunkt vom Keimepithel spe- 
ziell von den Pflüger'schen Epithclschläuchen, aus welchen durch 
Teilung und Abschnürung die Graafschen Follikel entstehen 
(Klebs, Waldeyer). 

III. Einfache oder gemischte Dermoidcyste. Viel 
seltener als I u. II, mit denen grosse äussere Ähnlichkeit besteht. 
Die Innenwand der Cyste wird durch eine Membran gebildet, 
welche der äusseren Haut vollkommen analog zusammengesetzt ist, 
und Haare, Zähne und Knochen trägt. Auch glatte Muskel- 
fasern sind beobachtet. Der sebumartige flüssige Inhalt enthält 
Cholesterinskrystalle. 

Die Genese der Dermoidcysten ist noch vollkommen dunkel, 
am meisten Wahrscheinlichkeit hat die Einschliessungstheorie, nach 
welcher es sich um eine Abschnürung einzelner Partieen des 
Blastoderms in den Geweben handelt. 

8* 



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116 



- 

Cystomyxom 



IV. Parovarialeyste oderCyste des Rosenmüller'schen 
Organs. Unabhängig vom Ovarium , vom Lig. latum oder Par- 
ovarium aus entstehend. Zu unterscheiden eine hyaline, pa- 
pilläre und dermoidale Form. 

B. Cysten mit massiger Ausdehnung. 

I. Residuale y sten. 

a) Cyste der Morgagni'sehen Hydatidc. 

b) Supratubare Cyste. 



II. Follik ulareysten früher als Hydrops folliculorum 
Graafii bezeichnet. 

III. Cysten des Corpus luteum. 
Cystomyxom vd. Myxom. 

Cystopexie [Tüffier] (f) .itj£i± Festmachen) Anheftung 
der Blase an die vordere Bauchwand behufs Beseitigung der Cy- 
stocele vaginalis. 

Cystoplegie (j/.?/oöw schlagen, durch Schlag läh- 
men, Stamm: xkax- und x/,tjy- also nkrjyi) Schlag, vd. Apo- 
plexie) Paralysis vesicae, Blasen lähm ung. 

Cystoskopie (axonetn sehen) die Untersuchung der Blase 
mittels des elektrischen (tlühhchts [Cystoskop von Leiter]. 

Cysto Spasmus (vd. Spasmus) Blasenkrampf, gewöhn- 
lich in Begleitung von Hyperästhesie und Neuralgie (Neu ralgia 
ey sto-u rcthralis) besteht in einer mit Erregung der Empfin- 
dungsfasem der Blasenhalsnerven verbundenen pathologischen Er- 
regung der Bewegungsnerven des Blasenhalses, besonders derjenigen 
Muskelteile desselben, welche das Austreiben des Harns vermitteln — 
bei nervösen Individuen , örtlichen Cerebrospinalerkrankungen etc. 

cf. Enuresis et Dysuria spastica, Tenesmus, Strangarie. 

Cystotomie vd. Lithotomic. 

Dämonomanie (<"> <W/<wr neutest. der böse Geist, 
Teufel; i) /<«»•/« Wahnsinn v. patvoficu) s. Dtimonomelanchoiie, 

Besessenheit, vd. Melancholia. 

Dakryoadenitis (t6 Sdxgvov Thräne, 6 dSt/r Drüse) 
Entzündung der Thr änendrüse, eine sehr seltene Krank- 
heitsform mit akuter oder chronischer Verlaufsweise. Die 
Krankheit t>esteht entweder in einer einfachen Infiltration der 
Drüse oder in Bildung von Cysten oder in einer Neubildung 
[Adenoid Becker]. 

ttakryoeystitis (ij xvam häutiger Sack, Blase) 

Entzündung des Th rä neu sack s, kommt vor als 

I). catarrhalis vd. Catarrhus. 




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Decapitatio 117 

D, blennorrhoica, wobei man aus den Thränenpunkten ein 
gelblich-dickliches Sekret, mit zahlreichen Eiterzellen, ausdrücken 
kann (welchem eine stark infizirende Eigenschaft zugeschrieben 
wird). 

D. phlegmonosa (<pAeyco brenne, <pi.syfiovt) Entzündung) 

Entzündung der den Thränensaek bildenden Gewebe und der den- 
selben mngebenden Weichteile [Gräfe und Hämisch]. 

DakryocyatoMennorrhoe (16 ßlivvos Schleim, »7 C )OI 'i 
Fliessen) Thränensaek ei terung vd. Dakryocystitis. 

Dakryolith (6 Udos Stein) Lithiasis Glandulae lacry- 

inalis Thränensteine, entstehen durch Stauung, Eindickung 
und Verkalkung dos Sekretes in den Thräncndrüseimusführimgs- 
gängen. 

cf. Calculus. 

Dakryopg (rj on/> Auge) eystenartige Geschwulst unter 
der Bindehaut des oberen Augenlids in der Nähe des Schläfen- 
winkels infolge von Ektasie eines Thninendrüsenausführungsganges 
mit Zurückhaltung der Thränenflüssigkeit. 

Dakryerrhae (oeh> fliessen, (tot) Fluss) der Thränen- 
i 1 u s s — Epiphora. 

Daktylitis (o Sdxxvlos Pinger, öex-o/iat fangen, em- 
pfangen) nur gebräuchlich in der Zusammensetzung: 

D. syphilitica eine seltene tertiär-syphilitische Affektion der 
Finger und Zehen, welche in einer Infiltration gummöser Massen 
in das subkutane Bindegewebe, die fibrösen Teile der Gelenke und 
in die Knochen der Finger und Zehen (die syphilitische Affektion 
der Knochen der Finger und Zehen wird von Lewin von den 
gleichartigen Affektionen des Bindegewebes und der Muskeln ge- 
trennt und Phal an gi tis syphilitica genannt) mit enormer 
Verunstaltung derselben, l>esteht. 

cf. Panaritium, Onychia, Spina ventosa (sehr ähnlich). 

Daktylolysia gpontanea [Menzel] allmähliche Ab- 
schnürung von Fingern und Zehen in der Kontinuität der ersten 
Phalanx, wahrscheinlich durch pathologische Epitheleinsenkung. 

cf. Ainhum. 

Dal Ml (arabisch : geschwollenes Bein) i. qu. Elephantiasis 
Arabum. 

Daltoninmua i. q. Anery thropsic, nach dein eng- 
lischen Physiker Dalton, der diese Krankheit ITHS beschrieb, 
an der er selbst litt. 

Wird auch im Sinn von Achromatopsie überhaupt ge- 
braucht. 

Decapitatio (lat. decapitare) Trennung des Kopfes vom 
Rumpfe, eine Art der Embryotomie. 



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118 » Decidua menstrualis 

Decidua menstrualis (membrana decidua, de u. cado > 
die hinfällige, vom mütterlichen Organismus selbst 
gelieferte äusserste Eihaut, die ge wucherte Schleim- 
haut des Uterus) vd. Dysmenorrhea membranacea. 

Deciduoma Bezeichnung für gutartige und bösartige 
Neubildung der Decidua. Für D. raalignum schlägt Gott- 
schalk den Namen Sarcoma choriodeciduale vor. 

Decortication (cortex die Binde) die Ausschälung 
von Geschwülsten zum Unterschied von der in der Extrak- 
tion derselben aus dem Gewebe bestehenden Enucleation. 

Decrepid (decrepitus, verw. m. crepa u. crapulä) sehr alt,, 
abgelebt. 

Decubitus (cubare liegen — eig. Gangraena per 
decubitum, so benannt, weil am häufigsten die 
Stellen, mit denen der Körper aufliegt, dieser Form 
von Gangrän verfallen) Druckbrand, welcher unter dem 
disponirenden Einfluss von Lähmungen, Fieber und verminderter 
Herzthätigkeit durch leichten aber anhaltenden Druck von aussen 
zu stände kommt. 

P. acutus entsteht bei zerebralen Lähmungen bald nach deren 
Eintritt nur auf der gelähmten Seite als ein Symptom von übel- 
ster Prognose. 

Detatigatiq (de-fatigo v. fatim oder ad fatim ago, fatis 
= £ort£ Genüge) Übermüdung, Uberanstrengung des Muskel- 
und Nervensystems, besonders des Herzmuskels (weakened heart, 
irritable heart). 

ef. Prostratio. 

Defectus (lat. v. deßcere) das Fehlen. 
D. inammarum vd. Amazia. 

D. vulvae (vulva weibliche Scham, volvae Thorflügel 
v. volvere) s. Atresia totalis ein Bildungsfehler, bei welchem 
weder eine Mündung der Blase, noch der Keimdrüsen, noch des 
Darms t>esteht. 

Deferenitls unzulässiger Ausdruck für Entzündung des 
Vas deferens. 

Detervescenz (ferveo sieden, glühen) Nachlass, 
besonders von Fiebern und akut fieberhaften Krankheiten, 
cf. Stadium. 

Defluviiuu capillorum (de-fluo) rasch erfolgender 
allgemeiner Haarausfall, akute Alopecie, nach akuten örtlichen 
Entzündungen der Kopfhaut oder nach schweren allgemeinen 
Krankheiten eintretend. 

Defurfuratio (furfur-far, ina Kleie) i. q. Desquamatio 
furfuracea. 

cf. Pityriasis. 



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Degeneratio 



110 



Degeneratio (genus) Entartung:, in der Pathologie 
von Zellen und Orgauen gebraucht, in Atrophie, Metamorphose, 
Infiltration und Einlagerung von Neubildungen bestehend. 

Die degenerativen Metamorphosen sind : 

1. Die molekulare Metamorphose (cf. Detritus). 

a) Die trübe Schwellung ist eine akut eintretende 
Seh well ung und körnige Trübung des Protoplasma der Zellen, 
welche wahrscheinlich auf einer Ausscheidimg (Gerinnung?) ge- 
wisser im Saft des Protoplasma gelöster Eiweisskörper beruht und 
hervorgerufen zu werden scheint durch Entzünduugsreize aller 
Art nt. Inflammatio parenchymatosa), sowie direkte Einwirkung 
gewisser Gifte (wie Phosphor, Arsen) und bei zvmotischen Krank- 
heiten. — Kehrt der Zustand nicht bald zur Norm zurück, so 
geht er über in 

b) die fettige Entartung, D. lipumatudes (Yd. Lapoma 
v. /.tjicoftaToetSt'jc) durch Auftreten von feinen Fetttröpfchen im 
Protoplasma charakterisirt. Dieselben konfluiren jedoch nie zu 
grossen Fetttropfen, wie bei der Fettinfiltration (s. d.), sondern 
bilden, nachdem die Zellenelemente als solche zu Grunde gegangen 
sind, die Körnchenkugeln (Gluge's „Entzündungskugeln"), 
in denen die einzelnen Fettkörncheu imd -tröpfchen noch durch 
eine eiweissartige Zwischensubstanz zusammengehalten sind, und 
zerfallen endlich durch Auflösung dieser Zwischensubstanz zum 
„fettigen Detritus", welcher resorptionsfähig ist. 

c) Die Verkäs ung Tyrosis (s. d.), Nekrobiosis, früher 
Tubereulisatio genannt, weil man glaubte, dass nur die Tuberkel- 
krankheit Veranlassung zur Bildung käsiger, d. i. käsartig dichter, 
homogener Massen gebe, käsige Nekrose, ist eine Modifikation 
der fettigen Entartung durch Eintrocknung der fettigen Zellen zu 
einer dichten gelbweissen körnigen oder mehr homogenen Masse, 
welche überall da zu stände kommt, wo es an Zufuhr von auf- 
lösender Flüssigkeit fehlt, übermässige Zellenproduktion bei unge- 
nügender Vaskularisation vorhanden ist. 

cf. Tyroma, Scrofulosis, Phthisis. 

2. D i e schleimige Erweichung Deg. my xoinatodes 
(vd. Myxoma) ist eine allmähliche Verflüssigung der Gewebe, bei 
welcher die festen Eiweisskörper , welche die Zellen- und Inter- 
zellularsubstanz bilden, in verschiedene lösliche Modifikationen 
übergeführt und resorbirt werden mit Ausnahme des ]>crsistenteren, 
weil weniger diffusions- und resorptionsfähigen und durch starkes 
Quellungsvermögen ausgezeichneten Mucins, durch welches beson- 
ders das Bindcgewel>c in sog. Schleimgewebe umgewandelt wird, 
indem seine Grundsubstanz schleimig erweicht , verquillt, aber in 
seiner Form nicht wesentlich verändert wird. 

Sie tritt hauptsächlich als sekundäre Entartung in und von 
pathologischen Neubildungen auf. 
cf. Myxom. 



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120 Dehiseenz 

3. Die kolloide D. (»5 xokla Leim, xo)J.oeibt)$) gallertartige 
Zellenmetamorphose, besteht dann, da*»?« sich die einzelnen prä- 
oxistirenden Zellen der Gewebe in gallertartige, fettartig glänzende 
lind durchscheinende Kugeln ( Kolloid kugeln; von starkem Quel- 
lungsvermögen verwandeln und endlich ganz zu amorpher Kolloid- 
masse erweichen (Ovarium, Schilddrüse, Krebsgeschwülste). 

4. Die amyloide Degeneration besteht wahrscheinlich in 
einem Infiltrationsvorgange, vd. Infiltratio, aiuyloid. 

[Nach Rindfleisch, Path. Gewebelehre.] 

Dehiseenz (dehüctre, hisco, hiasco, yaoxw gähne) das 
Klaffen, Auseinanderweichen. 

cf. Diastase, Fissur, Kolobom. 

I>ejectio, Uejeetionen (de- und jacio) die Kotentlee- 
rung; der Auswurfstoff. 

Deligatio s. ßeligatura (ligare binden) der Verband. 

Delirium {lira Furche, Ackerbeet, frrare einfurchen, 
de-lirus von der F. abirrend, entgleisend, übertr. : ver- 
rückt, irrsinnig, delirare Plinius, de-lirium [Cklsus]) das 
Käsen — sowohl in Ideen, als in Handlungen, als Psychose 
identisch mit Manie; — ausserdem als vorübergehendes, sympto- 
matisches Irrereden, „ Phantasien u . 

Gebräuchlich in folgenden Ausdrücken (zur Ergänzung vd. 
Mania). 

D. acutum .plötzlich ausbrechende und rasch zur Gencsuug 
oder zum Tode führende Tobsucht (D. furibundum), durch un- 
aufhörliches sinnloses Schwatzen mit dem Ausdruck grosser Angst, 
bes. Vergiftungswahn, charakterisirt. 

D. eordis (bildlich) völlige Irregularität der Herzthätigkeit 
bezüglich Aufeinanderfolge, Höhe und Spannung der Pulswellen. 

D. epilepticum u. postepilepticum psychische Störungen 
(maniakalische Exaltation), die transitorisch im Gefolge eines epi- 
leptischen Anfalles oder periodisch an Stelle eines solchen unter 
einem von dem gewöhnlichen Bilde der Epilepsie vollständig ver- 
schiedenen Bilde auftreten. 

D. febrile F i e b e r d e 1 i r i um , besteht in lebhaften Träumen 
während des Wachens oder Halbwachens bei Fieberkranken. 

D. furibundum Tobsucht, vd. Psychosis, Mania. 

I). hystericuin vd. Mania hysterica. 

D. ex inanitione Inanitions-D., bei subakuten und chro- 
nischen Formen der Blutarmut vorkommend, von meist mania- 
kalischem Charakter, am häufigsten nach fieberhaften Krankheiten 
mit dem Abfall des Fiebers zum Ausbruch kommend. 

D-a mussitantia (mussitare murmeln, mussare, mugire, 
vom Laute mu), wobei die Kranken unverständliche Worte leise 
vor sich hinmurmeln. 



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- 



Demulcentia 121 

D. ncrvosum traümaticum (igavpa Wunde) Zustand höch- 
ster nervöser Exaltation nach Verletzungen bei nervösen und hy- 
sterischen Personen, unabhängig von Fieber. 

D. tremens s. potatorum s. alkoholicum Säuferwahn- 
sinn, gewissennassen die akute Fonn des Alkoholismus chronicus 
(s. d.), besteht in ausgebildeten Fällen in einem massigen Grade 
von Tobsucht mit einem vorausgehenden Stadium melancholicuni, 
gewöhnlich Zittern der Extremitäten, Schlaflosigkeit und Hallu- 
zinationen (Sehen von kleinen Tieren etc.). 

Demarkation (zunächst vom franz. demarquer ab- 
grenzen, durch Marke bezeichnen, urspr. vom deutschen 
Mark), Abgrenzung durch sequestrirende Entzündung und Eite- 
rung, die Bindegewebs- oder Knochenentzündung (Ostitis rarefi- 
cans), welche sich als Vorbedingung der Sequestrirung gangrä- 
nöser Weichteile oder nekrotischer Knochenstücke an der Grenze 
des Gesunden und Abgestorbenen entwickelt. 

Dementia (de von, mens Verstand) der Schwach- 
sinn, Blödsinn, — primär selten, z. B. als Geistesschwäche 
des Greisenalters (D. senilis als Folge der senilen Involution des 
Gehirns) und bei Gehirnkrankheiten; gewöhnlich tritt sie sekun- 
där als Ausgang der ungeheilten Melancholie und Manie auf und 
wird dann als allgemeine Verwirrtheit oder Verrückt- 
heit bezeichnet — ein Zustand allgemeiner psychischer Schwäche, 
wobei bestimmte Wahnideen nicht mehr in auffallender Weise vor- 
herrschen, sondern ein verwirrtes Geschwätz, beständiges Wieder- 
holen gewisser Worte etc. 

cf. Moria. 

D. apathiea der eigentliche Blödsinn. Während bei der 
Verrücktheit die Kranken noch einige äussere Lebendigkeit und 
Beweglichkeit zeigen, ist der Blödsinn durch fast vollständigen 
Ideenmangel nebst grosser Schwäche auf der motorischen Seite 
des Seelenlebens charakterisirt. 

D. paralytlca (jiagd-Xvaig t naga-kvo* lähme) der para- 
lytische Blödsinn, ist eine chronische Geistesstörung, charak- 
terisirt durch allmählich bis zum höchsten Grade fortschreitende 
Schwäche auf psychischem und motorischein Gebiete. — vd. Pa- 
ralysis gener. progress. 

cf. Idiotie, Stupor, Psychosis. 

Demodex [Owen] follic ulorum (dtjftoSt^ v.%/oV Fett 
v. öaito brenne und 6y§ Holzwurm v. Adxvm beisse!) i. q. 
Acarus follicul. 

Demulcentia (de~midceo streicheln — *c. remedia) 

S. Einollientia l)esänftigende, d. i. reizlindernde, schmeidigende, 
einhüllende Mittel. 



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122 



Dengue 



Dengue (span., vom engl, dandy Stutzer — nach Diez 
sp., pg. u. kat. dengue, sard. denghi, Ziererei von de-negare 
verweigern, abschlagen) Dandyfieber, Denguis, eine 
akute Krankheit, welche nieist in heissen Ländern epidemisch 
vorkommt und in zwei unmittelbar oder spätestens innerhalb drei 
Tagen auf ei nanderf olgenden Paroxysmen verläuft, von denen 
der erste durch hohes kontinuirliches Fieber und schmerzhafte 
Gelenkssehwellung, der zweite durch remittirendes Fieber und 
quaddelartige Hauteruption ausgezeichnet ist [ZH]. 

Das Leiden wird von den meisten Beobachtern als ein akuter, 
febriler, mit Exanthem komplizirter Rheumatismus aufgefasst. 

Syn.: Scarlatina mitis, Exanthesis arthrosia. 

I>eiitaplion (dem, tis, j? (pwvrj Stimme — die richtigere 
Bildung würde sein: Odon tophon) eine schallauf fangende Fläche, 
welche durch besondere Vorrichtungen behufs Übertragung des- 
►Schalles zwischen die Zähne genommen wird. 

Bentinoid (Dentin die Zahnbeinsubstanz, Mio ahn- 
lich sein) vd. Odontom. 

Dentitio das Zahnen (dentire zahnen). 

D. difliei Iis Durchbinch der Milchzähne unter direkt oder 
indirekt davon abhängigen Beschwerden und Erkrankungen der 
Kinder (Stomatitis, Salivatio, Eklampsie, Urticaria, Liehen, Prurigo, 
Ekzema acut. — Diarrhoea dentit.). 

Depilatio (de u. pilus Haar) vd. Alopecia congenita. 

]>epilatorium Haarzcrstörungsmittel. 
cf. epiliren. 

Bepletion (deplere ausleeren) die Entleerung, l)esonders 
als Depl. sanguinis — Blutentziehung im Gebrauch. 

Depressio (de-primere niederdrücken). 

1. psychische, nervöse etc. D-n: Abspannung, Langsam- 
keit und Schwäche der Funktion. 

2. D. cataractae (vd. Cataracta) s. Reclinatio die Nieder- 
driiekung einer harten Katarakt, Versenken derselben in den 
unteren äusseren Teil des Glaskörpers durch eine per Skleronyxin 
eingeführte Starnadel — unzweckmässige, daher antiquirte Methode 
der Staroperation. 

3. D. uteri puerperal is (puer u. pario) die Einstülpung 
der Gebärmutter bei Wöchnerinnen. 

Derivatio (de-rivare ableiten, v. rivus der Bach) 
S. Revulsio die Ableitung, Beeinflussung von Entzündungs- 
vorgängen, Ncrvenreizungen und Fluxionen auf reflektorischem 
Wege durch Reizung sensibler Hautnerven , oder durch Ableitung 
der Säftemasso mittels Hervorrufung von Turgeszenz in anderen 
Teilen, z. B. der Haut, der inneren Darmoberfläche etc. 



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Dermatomykosis 123 

Derivantia s. Rcvulsira (sc. remedia) ableitende Mittel, 
cf. Epispastica. 

Dermalgie (z6 ömua Haut, v. degoy abhäuten, schin- 
den, to äÄyog Schmerz) der Hautseh merz, 
cf. Neurodermatosen. 

Dermapo stauen (ä.-r6oTaots v. dqpiartj/n an eine andere 
Stelle bringen) Lokalisatiou einer anderen Krankheit auf der 
Haut, also symptomatische oder deuteropathisehe Hautkrankheiten 
(wie z. B. die Syphilide etc.). 

cf. Dermexanthesen, Dermatonosen. 

Dermatexanthe§i» (fj e^dv&rjatg Ausschlag, r$m- 
Öho v. ärOog Blume) Dermapostasc in Fonn eines Exanthems. 

Dermatitis Hautentzündung im allgemeinen. Im 
besonderen vd. Ambustio und Congelatio, Erysipelas, Phlegmone, 
Exanthem, Anthrax, Furunculosis , Hydradenitis ete. — Inflam- 
matio eatarrhalis. 

D. eontusiformis die infolge von Kontusionen eintretende 
Schwellung (Beulen) und entzündliche Reaktion der Kutis und 
des subkutanen Gewebes. 

D. exfoliativa infantum [Rittkrshayn] ein bei Neugebo- 
renen am Ende der ersten Lebenswoche vorkommendes Erythem, 
bei dem sieh die Epidermis meist infolge eines unter ihr gebildeten 
flüssigen Exsudates abhebt. Die Krankheit endet meist mit Ge- 
nesung, führt aber auch manchmal durch Phlegmone, Gangrän 
und Sepsis zum Tode. 

D. herpetiforinis [Di'hkikg], s. Hydroa [Unna], s. Der- 
matite polymorphe douloureuse chronique ä poussdes 
successives [Brocq] „chronisches, das Allgemeinbefinden nicht 
erheblich beeinträchtigendes Nervenleiden der Haut, welches nach 
verschieden langen, freien Intervallen zu regelmässig wieder- 
kehrenden, mit brennenden u. juekenden Empfindungen einher- 
gehenden, mehr oder minder universellen Ausschlägen führt, die 
einen erytheniato-bullösen Grundtypus, vielfach modifizirt, zur 
Anschauung bringen" [Unna]. 

Dermatodektes [Gerlach] (Mixrrjs Beisser = däxvwr) 
s. Dermat'okoptes [Fürstenberg] ein aecidentcller Parasit 
(Milbe, grösser als Sarkoptes) der menschliehen Haut, der einen 
pustulösen Ausschlag erzeugt. 

Dermatologie (Ao'yo?) Lehre von den Hautkrankheiten. 

Dermatomykosis (6 pvxrjg, gen. -tjiog oder pvxog, -ov 
Pilz) durch Pilze bedingte Hautkrankheit. 

D. furfuraeea i. q. Pityriasis versicolor s. d. 
cf. Ekzema marginatam , Favus, Herpes tondens, Mikrosporon 
furfur, Sykosis parasitaria. 



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124 



Dermatomyom 



Dermatoiuyom (vd. Myom) eine seltene aus» glatten 
Muskelfasern bestehende, vermutlich von der Muskulatur der Haare, 
Gefässe u. Schweissdrüsen ausgehende, multiple Neubildung der 
Haut, bei welcher eine spontane Involution möglich ist 
[Lukasikwicz]. 

Dermatoinyoaitis [Uxverricht] (vd. Myositis) eine 
infektiöse durch diffuses entzündliches Odem und Ausschläge 
charakterisirte Hauterkrankung mit Fieber und Allgemeinstörungcn, 
und Mitbeteiligung der Muskulatur. 

cf. Polymyositis. 

Denn atonosia (»? vöaog Krankheit) Hautkrankheit. 

Dermatophon (t) (pa>vi) Laut, v. (ptovew, eigentlich 
ein Adj. degfiaio-tpcorog) ein von Voltolixi-Hueter angegebenes 
stethoskopartiges Instrument, mittels dessen man die Geräusche 
des Blutstroms in der Haut wahrnehmen kann. Dasselbe lässt 
sich auch zur Wahrnehmung der Muskeltöne und der in Sehnen 
oder Knochen durch Perkussion hervorgerufenen Geräusche be- 
nutzen und wird dann zum Myophon, Tendophon oder Ostcophon. 

Dermatoplastik (jrXdoao) bilden) derjenige Teil der 
plastischen Chirurgie, welcher sich mit den durch Hautdefektc 
entstandenen Entstellungen und Funktionsstörungen befasst. 

Dermatozoen (ro £<pov Tier) Schmarotzer, welche 
ausschliesslich oder zeitweise in der Haut wohnen. 

Dermatozoonosen die durch D. bedingten Hautkrankheiten, 
cf. Acains, Filaria, Ixodes, Leptus, Pedicul. pubis, Palex pene- 
trans, — Epizoen. 

Dermo- Aktinomykoftis , die Strahlenpilzkrankheit 
der Haut. 

cf. Aktinomykosis. 

Dermographie (v. ygatpo) schreibe — yQacjt'a) die 
Technik, wodurch die perkussorischen Grenzl>czirke oder gewisse 
diagnostisch wichtige Punkte auf der Haut angezeichnet werden. 

Dermoid (eig. beQuaxo-etbi)?, von öiofxa und* siö<a ähn- 
lich sein) Dermoidcysten, deren Innenfläche die Organi- 
sation 'der äusseren Haut zeigt mit atypischem Sitz. Sie finden 
sich am häufigsten im Geschlechtsapparat, besonders im Ovarium 
(vd. Cystoma ovarii) und enthalten eine fettige, gelblichweisse, 
von Epidermiszellen und Cholestearin, oft auch von Haaren durch- 
setzte Schmiere. Manchmal finden sich unter der Cutis auch 
Knorpel- und Knochenstücke, seltener Zähne. Sie sind wahr- 
scheinlich weiterentwickelte, verirrte Keime des äusseren Keim- 
blattes. 



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Desquamatio 



125 



Dormosynoviti* plantaris ulcerosa |Gosselin| 
<vd. Synovitis) hartnäckige Eiterung in der Fusssohlc, welche 
sich im Anschluss an vorhandene Schwielen bildet und welche 



denen oder pathologisch gebildeten Schleimbentel übergreift, 
et'. Mftlum perforans petlia. 

Descemet! tis Entzündung der Membrana Descemetii, 
sekundär nach Iritis (sklerosirende Keratitis), 
cf. Iritis serosa. 

Descensua das Herabsteigen, die Senkung. 

D. funieuli umbilicalis der unvollkommene Vorfall der 
Nabelschnur bei der Geburt. 

D. ovarioruin häufige Lageveränderung der Eierstocke bei 
Retroversio und Retroflexio uteri. 

I>. uteri Gebärmuttersenkung, mehr oder weniger tiefes 
Herabtreten des Uterus in die Scheide bei Erschlaffung der ihn 
stützenden Bänder, mit Umstülpung des Scheidengewölbes. 

cf. Dislocatio, Inversio, Prolaps. 

J>esiitficientia (sc. remedia — v. d. franz. Vorsilbe 
des, lat. : de~ex und inficerc anstecken) Mittel zur Zer- 
störung von Ansteckungsstoffen. 

Desinfektion die Anwendung solcher Mittel, 
cf. Antiseptica. 

Desmoid (6 dea fl 6g Band, Bindegewebe, v. den binde, 
rtöü> bin ähnlich) i. q. Fibroid, vd. Sarkom. 

Desmnrgie (egya) thun, wirken) derjenige Teil der 
chirurgischen Therapie, welcher mit Verbänden, Apparaten u. dgl. 
ausgeführt wird, im Gegensatz zur Akiurgie und etwa zur Chirurgie 
in dieses Wortes eigentlicher engerer Bedeutung. 

Desodorisantia, Desodoriferantia (v. franz. des 
u. odoriferant riechend, medicamenta odores de-efferentia) 
könnte man diejenigen ( l)esinfektions-)Mittel nennen , welche spe- 
ziell zur Zerstörung übler Gerüche dienen. 

Pesodorisiren üble Gerüche zerstören. 

Desquamatio (vd. squama) der Vorgang der Abschuppung. 

D. fürfuracca. Defurfu ratio (s. d.) kleienartige Abschuppung, 
d. i. in Form einzelner kleinster Schüppchen. 

D. ineinbranaeea s. lamellosa in Form grösserer Membranen. 

I). siliquosa (siViqua Schotenfrucht) Abstossung leerer 
Hülsen, welche durch Ansammlung von Flüssigkeit gebildet waren, 
die wieder zur Resorption gekommen oder ausgeflossen ist. 

D. neonatorum die Abschuppung der Neugeborenen während 
der ersten Lebenswoehcn. 



auf einen unter der Schwiele 




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12(5 



Detritus 



Detritus (de-tzro, trivi, tritum zerreiben) feinste, mo- 
lekular zerfallene Gewebstrümmer, speziell da* Endprodukt der 
Degeneratio lipomatodes (s. d.) der Zellen. 

Deuteropathisch (6 devieoog, xad-ty.<k = path-isch. 
t6 ndOog Leiden) oder sekundär nennt mau Krankheiten, 
welche nicht selbständig, sondern im Gefolge und abhängig von 
anderen Krankheiten auftreten. 

Oppos.: idio- 8. protopathisch, primär. 

Deviation conjngee (franz. [FovilleJ) gleichge- 
richtete Abweichung beider Augen bei Hirnläsionen, und 
zwar bei einseitiger Ponsaffektion nach der dem Krankheitsherd 
entgegengesetzten , bei Grosshirnaffektion nach der Beite des 
Herdes. 

Dextrin, Dextrose (dexter rechts, nach rechts 
drehender Körper) die Endprodukte der Sjieichclverdauung. 
diagnostisch als Zeichen der beendigten Amylolysc zu verwerten. 

cf. Achroodextrin, Erythrodextrin, Maltose. 

Dextrokardie (*/ xagMa Herz) angeborene Abnormität, 
bei der sich das Herz in der rechten Thoraxhälfte befindet, meist 
mit Transpositio viscerum omnium verbunden; oder Verlagerung 
des Herzens nach rechts durch pathologische Prozesse (Pleura- 
exsudat, Pneumothorax). 

Diabetes (dia-ßm'vw hindurchgehen, weil nach 
Galen's Ansicht die Nieren bei dieser Krankheit das 
genossene Getränk an sich zögen und unverändert 
wieder ausschieden) die Harnruhr. 

D. mellitus (rnel der Honig) s. verus die Zuckerharn- 
ruhr, eine fast immer chronische Krankheit, bei welcher unter 
Vermittelung des stärker zuckerhaltigen Blutes, unter Vermehrimg 
der Harnmengo und der meisten Hambcstand teile und Erhöhung 
des spezifischen Gewichts mehr oder weniger Traubenzucker durch 
den Harn ausgeschieden wird und in schweren Fällen die Kranken 
unter zunehmendem Marasmus (häufigste Komplikation: Phthise, 
Gangrän, Morbus Brightii, manchmal plötzlicher letaler Ausgang 
durch diabetisches Koma [Acetonämie]) zu Grunde gehen. Je 
nachdem durch eine entsprechende antidiabetische Diät die 
Zuckerausscheidimg zum Schwinden gebracht wird oder nicht, 
unterscheidet man eine leichte und eine schwere Form des D. 
Bei zeitweilig fehlender Polyurie spricht man von D. deeipiens. 
Das Wesen der Krankheit ist nicht sicher erforscht. In manchen 
Fällen nimmt die Krankheit wahrscheinlich ihren Ausgang vom 
Nervensystem (D. neurogenes), in anderen primär vom Magen- 
dannkanal oder der Leber aus (D. gastroenterogenes und 
hepatogencs). Neuerdings ist ein Zusammenhang mit Pankreas- 
erkrankung für manche Fälle wahrscheinlich gemacht [Minkowski]. 

cf. Acetonämie. 



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Diaphotoskop 127 

D. inositus (// iv6; Muskelfaser) diejenige Form de* 
1). mellitus, bei welcher an Stelle des Traubenzucker* vorwiegend 
Ino*it, eine nicht gärungsfähige , in den Muskeln enthaltene 
Zuckerart (Muskelzuckcr) tritt. 

D. insipidus („unschmackhaft" von in und sapio 
schmecken im Gegensatz zur Zuckerruhr) s. spurius 
s. Polyurie 8. Polydipsie die einfache oder zucke rlosc 
Harnruhr, eine chronische selbständige Krankheit, deren wesent- 
lichstes Symptom in anhaltender Ausscheidung sehr reichlicher 
Mengen eines Harns von niedrigem spezifischen Gewicht besteht, 
der nicht zuckerhaltig und in der Regel arm an festen Bestand- 
teilen ist. — Die Ursache ist wahrscheinlich eine im Cerobro- 
spinalnervensy stein begründete funktionelle Imiervationsstörung der 
Nieren; die Prognose der Krankheit ist fast ebenso ungünstig als 
diejenige der Zuckerharnruhr. 

cf. Azoturie, Hydrurie, Dyspnoe, Koma, Glykosurie. 

IHabröMis (>y didßg<oaig v. dta-ßißgtboxa)) das Durch- 
fressen, Durchnagen vd. Haemorrhagia. 

IMacetnrie (di, dis, acetum u. t« orgov Harn) Aus- 
scheidung von Diacetsäure (Aeetessigsäure) im Urin. 

Diaeresi» (dt-motto auseinandernehmen) die Tren- 
nung, Zerreissung vd. Haemorrhagia per diaeresin. 

IHagnosi* {ff ötd-yvcoaig Unterscheidung v. ytyvtooxco 
erkennen) Erkennung und Unterscheidung einer bestimmten 
Krankheit. 

Dif ferenzial-D. Unterscheidung einer Krankheit von 
mehreren ähnlichen 

Diagnostik die Kunst, richtige Diagnosen zu stellen, 
cf. Semiotik. 

Dialyse (6ia-kv(o, didXvatg) der Iris vd. Iridodialysis. 

IHapedesis (sc. sanguinis, t) öicu-x^bvoig [ Hippokratks, 
Galen] v. öta-xt)däco hervordringen) das Hindurchsickern von 
Blut, eine besondere Form der Hämorrhagie (s. d.). 

cf. Inflammatio. 

IMaphorcais (?? dtaqpdgqoig v. Sia-qpogeco [qpegto] aus- 
einandertragen, ausdünsten) das Schwitzen, der Vor- 
gang der Schweissbildung, vd. Sudor. 

Diaphoretica (sc. remedia) sc h weiss treiben de Mittel, 

cf. Ephidrosia. 

IMapliotoskop (ro qpöjg, <pcox6? Licht, oxoxeco besich- 
tige) [Schütz] Endoskop: Vermittelst einer zentralen Durch- 
bohrimg der ein Glühlämpchen enthaltenden Kapsel, wird das 
Auge des Beobachters inmitten des Strahlenkegels der Lichtquelle 
versetzt. 



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128 Diarrhoea 

Diarr hoea (?; Sidygoia s, diaggor) v. diayfjeco durchmessen) 

der Dnrchfall, das Abweichen, häufiger Abgang dünner Stühle, 
indem wegen beschleunigter Peristaltik des Kolons die normale 
Eindickimg des Chymus nicht zu stände kommt. Diese Be- 
schleunigung kann eine rein nervöse sein (D. nervosa bei Ge- 
mütsbewegungen, Hysterie), oder reflektorisch durch Reizung der 
sensiblen Nervenendigungen im Dannkanal durch entzündliches 
Exsudat und Darmkontenta bei Enteritis (s. d.) hervorgerufen 
werden. Das reichüche entzündliche Exsudat mischt sich dem 
Chymus bei [nach Leube in ZHJ. 

D. ablaetatorutn (ab-lactare) die sehr dünnen diarrhoischen 
Stuhlgänge bei Kindern, die rasch von der Mutterbrust abgewöhnt 
werden, gewöhnlich durch den Reiz der veränderten Nahrung 
bedingt. 

D. ehylosa (zidog Saft) s. Fluxus coeliacus (xoäiaxoc:, 
y.oikia Unterleib, xoTXos hohl) nannte man früher eine für 
Enteritis folliculosa charakteristische Form der D., in Entleerung 
undurchsichtiger, flüssiger gelbweisser, eiterähnlicher Schleimmassen 
bestehend. 

D. uentiticntitim (dentire zahnen) Diarrhöen, welche mit 
dem Durchbruch der Milchzähne in Zusammenhang stehen und 
in leichten und frischen Fällen auf die Wirkung des verschluckten 
salzhaltigen Speichels zurückzuführen sind. 

cf. Dentttio difficilis. 

I>. lienterica, Lienteric (s. d.) wenn mit den diarrhoischen 
Stühlen unverdaute Nahrungsmittel abgehen. 

D. nocturna sehr gewöhnlich bei Danntuberkulose ein- 
tretende D. 

I). stcreoralis (stercus, -oris Kot) s. Simplex Dianhöen 
aus einfachen weicheren, aber noch fäkulenteu Massen. 

Diastasis (»/ Sidmaotc v. tairj/u) : das Auseinander- 
weichen (von Gelenkteilen, Knochennähten etc.). 

D. s. Secessio epiphysium spontanea (im Gegensatz zu 
traumatica) s. purulenta Abtrennung der Epiphysen infolge von 
eiteriger Zerstörung der zwischen Epiphyse und Diaphyse befind- 
lichen K nordisch ich t bei punilenter Periostitis, Osteomyelitis, 
(Tclenkeiterungen, pyämischer Infektion. 

cf. Fissur. 

Diathesis (fj dtdfooig v. Öia-rid^fii zurechtsetzen) s. 
IMspositio die Anlage (ad morbum: Krankheitsanlage) meist in 
gewissen Zusammensetzungen, wie D. arthritica, haemor- 
rhagica, phthisica, rheumatica, scrofulosa etc. 

cf. Krasis, Dyskrasie, Habitus, Disposition. 



Diphtherie 129 

Dicephalus Doppelkopf, Missgeburt mit vollständiger 
Verdoppelung des Kopfes und der Wirbelsäule. 

D. d i brach i us D. mit zwei Armen. 

a) D. d. m on au che n 08 (uovog und 6 av%i'iv der Nacken, 
Hals) mit (äusserlich) einfachem Hals. 

b) D. d. diauchenos: jeder Kopf mit eigenem Hals. 

D. tri bracht us, tetrabrachius, tripns D. mit drei oder vier 
Armen, mit drei Füssen. 

cf. Syncephalu8, Diproaopie, Monstrum. 

*J Digestiva (sc. remedia, v. di-gtrere verdauen) die 

p< Verdauung befördernde Mittel. 
pH cf. Stomachica. 

^ Digitus hippoeraticus kolbige oder „trommelschlägel- 
Q artige" Verdickung der Xagelglieder der Finger mit Krümmung 
\-y der Nägel bei sehr chronisch und mit starken Infiltrationen ver- 
^ laufender Lungenphthise,bei Bronchiektasie, auch Herzklappenfehlerri , 
<J wahrscheinlich in Zusammenhang mit chronischen, durch die be- 
M treffende Krankheit verursachten Stasen (und nicht bloss Folge 

der Abmagerung). 
W cf. Onychogryposis. 

J Dikrotismus [Galen] (Adv. Sig zweimal, xqoxso) schla- 
gen) Doppelschlägigkeit vd. Pulsus dikrotus. 

^ Diktyitis (™ dtxxvov Netz, edixov werfen, d!o*o; 
Wurfscheibe), i. q. Retinitis. 

■"5 DHaceratio (dis-lactro) Zerfetzung, eine Form bc- 
i> trächtlicher Quetsch- und Risswunden, 
cf. Vulnus. 

Dilatatio (latus breit) das Erweitern, die Aus- 
dehnung, z. B. D. cordis, D. ventriculi. 

Dilatator, Dilatatoriuin ein zur D. dienendes Instrument, 
hauptsächlich zur künstlichen Erweiterung des Muttennundes in 
Gebrauch. 

DilatationsthroinböSe (vd. Thrombosis) Blutgerinnung infolge 
von Erweiterung der Gefässe, entsteht z. B. in der Gebärmutter 
während des Wochenbetts oder an den Iliacalgefässen in der 
Schwangerschaft. 

cf. üivulsio, Ektasia. 

Dioptrie (diä durch, 6jii St. v. o^ofiat, Fut. v. 6gäo> 
sehen) Einheit der Brechkraft, entsprechend der Eiu- 
heitslinse von 1 Meter Brennweite. 

Diphtherie (nicht Diphtheritis — ?j diqp&iga die 
Gerbhaut, Pergament, doch ist die Gegenwart einer 
Membran weniger bestimmt mit dem Begriff der D. 

Roth 1 8 Klinische Terminologie. 4. Aufl. C) 



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180 



Diphthongie 



mehr verbunden) ist eine Infektionskrankheit , als deren Er- 
reger der Lö ff ler' sehe Bacillus (s. d.) anzusehen ist. 

Sie beginnt in den idiopathischen Formen immer als lokale 
Krankheit, vermutlich infolge der Ansiedelung des genannten 
Pilzes auf einer Schleimhaut (mit Vorliebe des Rachens und 
Kehlkopfes) oder einer Wunde (Wunddiphtherie) und entwickelt 
sich von da aus zur allgemeinen typhoiden Erkrankung. 

Man kann [nach Oertej. in ZH] folgende Formen der diph- 
therischen Schleimhauterkrankung unterscheiden, von denen jede 
folgende einen höheren Grad der vorausgehenden darstellt: 

1. Die katarrhalische Form, leichte Erkrankung durch 
zirkumskripte lebhafte Rötung und massige Schwellung eines 
Schleimhautbezirkes gekennzeichnet, höchstens mit linsengrossen, 
weisslichen , reifähnlichen dünnen Flocken, ohne dass es zur 
Bildung grösserer Pseudomembranen kommt. 

2. Die krupöse Form, der diphtherische Krup (s. d.), 
beginnt ebenfalls gewöhnlich zuerst im Rachen und breitet sich 
gern nach oben (Choanen) und unten (Kehlkopf) aus. 

8. Die septische Form, bei welcher es sich um Ver- 
jauchung der Entzündungsprodukte und Aufnahme der Jauche 
ins Blut, also gleichzeitige septische Intoxikation handelt. 

4. Die gangränöse Form, bei |der sich unter raschem 
allgemeinen Kollaps eine wirkliche Gangrän der ergriffenen Teile 
entwickelt. 

Dieselben Formen wie die primäre zeigt die skarlatinöse 
Rachendiphtherie, die wahrscheinlich nicht immer identisch mit 
der echten Diphtherie ist. In seltenen Fällen wird auch im Ver- 
lauf von Masern und anderen schweren Infektionskrankheiten 
Diphtherie (sog. sekundäre) beobachtet. 

Harn-Diphtherie: pulpöser Zerfall von Wundrändern, welche 
mit (alkalischem) Harn in Berührung kommen — nur durch die 
Zersetzung des Urins verursucht. 

cf. Bacillus, Gangraena nosocomialis, Angina, Dysenterie, Croup. 

Diphthongie (<5/V doppelt, 6 qpdöyyog Laut) s. Diplo- 

phoitie (s. d.) Doppelstimme, Sprechen mit zwei Stimmen, 
entsteht durch eine am Stimmbandrande sitzende, die Stimmritze 
in zwei ungleiche Teile zerlegende Geschwulst, 
cf. Paraphonie, Diplophonie. 

Diplakusis (öutkovg doppelt, «*ora> höre) das Doppel t - 
hören: eine objektive Schalkmelle wird in 1 getrennte subjektive 
Wahrnehmungen zerlegt. 

IHplegie {big, i) xktjyrj Schlag, v. 7i)J)ooco) i. q. Paraplegie. 
Besonders in Gebrauch für: D. facialis [Wachsmuth] s. Prosopo- 
diplegie, doppelseitige Gesichtslähmung. Diese wird vom 
Verfasser eingeteilt in 1. cerebrale oder supranucleäre, 2. bulbäre 
oder nukleäre, 8. peripherische oder subnukleäre Formen. 



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Discissio 131 

Diplokokkus (6 xoxxog Fruchtkern) zwei nach der 
Teilung noch zusamiuenhaftende Kokken (Kiigelbakterien). Häufig 
sind sie wie der Diplokokkus pneumoniae [Friedländer und 
Frobenius, A. Frankel] von einer Kapsel umgeben (sog. 
Kapselkokken), die sich durch ihre geringe Färbbarkeit von den 
Pilzzellen abhebt. D. der Gonorrhoe vd. Gonokokkus. 

cf. Gonokokkus, Pneumokokkus, Pneumoniekokkus. 

Diplophonie (9 <pa>ry Stimme) i. q. Diphthongie. 

Diplopia (17 toyf Sehen) das Doppeltsehen der Ob- 
jekte. Man unterscheidet gleichnamige D., bei welcher das 
Scheinbild auf der Seite des gelähmten Auges (bei Strabismus 
convergens) und gekreuzte D., bei welcher das Scheinbild auf 
der Seite des nicht gelähmten Auges (bei Strabismus divergens) 
steht. 

1). binoeularis {bini oculi) D. infolge von Divergenz der 
Sehaxen. 

D. monocularis die Folge von Unregelmässigkeiten in der 
Cornea oder Linse im Verein mit ungenauer optischer Ein- 
stellung des Auges auf einen fixirten Punkt [Stellwag]. 

cf. Strabismus. 

Diprosopie (dfe zweimal, r6 .-tq6o<o.-tov Gesicht) 
Doppelgesicht, Doppelmissbildung, welche bloss das Gesicht 
oder auch einen Teil des Kopfes betrifft. 

(D. diophthalm us, triophthalmus, tetrophthalmus 
— triötus, tetrötus — nach der Zahl der Augen und Ohren). 

cf. Dicephalus, Syncephalus, Monstrum. 

Dipsomanie (17 My>a Durst, f\ fiavia Baserei) an- 
fallsweise Trunksucht, periodischer Saufraptus, gewöhnlich 
schon eine Folge vorausgegangener Exzesse in Baccho und häufig 
in einem Anfalle von Raserei (Delirium tremens) endigend. 

IMpygus (»7 .-rvyrj Steiss, v. nvxrog fest) „Doppel- 
st ei ss" — Doppelmissbildung mit einfachem Kopf und ver- 
doppeltem Hinterkörper. 

Je nach der Anzahl der Anne unterscheidet man D. di- und 
tetrabrachius. 

cf. Monstrum. 

Discissio (di-scindere zerschneiden) die Zerschnei- 
dung. 

D. s. Dilaceratio eataractae Zerschneidimg oder Zerreissung 
der Kapsel eines (weichen Totalitäres mit der Starnadel, um die 
Aufsaugung des flüssigen Magma zu ermöglichen [Stellwao]. 

cf. Keratonyxis. 

9* 



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132 Dislocatio 

Dialocatio (locus) abnorme Verschiebung , Lage Ver- 
änderung. 

cf. Dystopie. 

Disposition (dis-pontre auseinandersetzen) in der 

Pathologie vielfach gebraucht imd missbraucht für Empfänglich- 
keit, Neigung zu gewissen Krankheiten. Man unterscheidet eine 
örtliche, d. h. durch den Aufenthaltsort, eine zeitliche, d. h. 
durch die Jahreszeit oder die Entwicklungszeit der Bakterien, imd 
eine individuelle, d. h. durch die Eigenart des Individuums 
(Anlage, Habitus, geringe Resistenz seiner Zellen) bedingte Dis- 
position. 

cf. Diathesis. 

Dissimulation <lat.) Verstellung in der Richtung, dass 
ein bestehender Krankheitszustand verheimlicht wird, kommt ins- 
besondere bei Eisenbahnbediensteten vor, welche ihre Farbenblind- 
heit zu verbergen suchen. 

Distichiasis (<5/>, 6 oti^og Reihe) Zweiwuchs, Her- 
vorwachsen einer überzähligen, gegen den Bulbus gerichteten 
Cüienreihe. 

cf. Trichiasis, Tylosis, Tristich iasis. 

Di stoma (dk, to aro/m Mund) oder Distoinutn Parasit 
aus der Ordnung der Saugw r ürmer, mit zwei Baugnäpfen. 

Als zufällig auf den Menschen übertragen sind mehrere 
Arten in verschiedenen Organen (besonders der Leberegel des 
Schafes, D. hepaticum, in den Gallengängen) gefunden worden. 
Als menschlicher Parasit ist nur anzusehen: 

I). haematobiurn [Bilharz] 12—19 mm lang, in heissen 
Ländern (Ägypten, Kap) ein häufiger Parasit der Hamorgane, 
Ursache von Pyelitis, Hydronephrose etc. 

cf. Strongylus gigas, Bilharzia. 

Difttorsio (dis-torqueo verdrehen) Verstauchung, 
Umknickung, eine den Gelenken eigentümliche Art der Ver- 
letzung, im wesentlichen in gewaltsamer übermässiger Zerrung 
und auch teilweiser Zerreissung von Gelenkkapselbändern mit 
Austritt von etwas Blut in das Gelenk und die angrenzenden 
Gewebe. 

cf. Luxatio. 

Diatractio {dis-trahere auseinanderziehen) eine in 
Extension mit Kontraextension bestehende Behandlungsmethode 
gewisser Gelenkkrankheiten und Knochenfrakturen. 

Dinregis (>/ di-ovgtjoig v. dt-ovgeojuai auf den Harn, 
wirken [Hippokkates]) die Harnsekretion. 

Diuretica (sc. remedia) harntreibende Mittel. 



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Dolor 133 

Diverticulnm (eig. Devert. v. de-verto wegwenden) 
die Ausbuchtung, Ausstülpung. — Von klinischer Wich- 
tigkeit sind die D-a oesophagi, urethrae und vesicae, 
letztere auch Blasenzellen" genannt, Schleimhautausstülpungen 
zwischen den Muskelzügen des Detrusor hindurch darstellend. — 
Je nachdem die Divertikel durch einen die Wand vorstülpenden 
Druck von innen, oder durch einen von aussen auf die Wand 
wirkenden Zug entstehen, spricht man von Pulsions- oder 
Traktions -Divertikeln. 

Di vnlsio (divelltre zerreissen) gewaltsameSprengung, 
Zerreissung, z. B. von Strikturcn etc. 
et'. Dilatatio, Ruptur. 

Dochmius (So/juog krumm) i. q. Anchylostomum duo- 
denale. 

Doigt a reggort (franz. „federnder Finger") plötz- 
liches Einschnappen eines Fingers bei einem gewissen Grad der 
Streckung oder Beugung (wahrscheinlich meist durch Missgestaltung 
der Gelenkflächen bedingt) [König]. 

Doläbra (lat. Brechaxt, v. dolare behauen, bear- 
beiten, dolor) vd. Fascia. 

Dolichocephalug (doliyo; lang, tj xF«ah) Kopf) 

Langkopf, querverengter Schädel, hingegen mit Verlängerung 
des Durchmessers vom gewölbtesten Teil des Stirnbeins bis zur 
Hinterhauptswölbung. Diese Schädel bildung resultirt aus der zu 
schnellen Verknöcherung der longitudinalen Nähte, bedingt aber 
keine Geistesschwäche, wenn die Verlängerung der nicht ver- 
kürzten Durchmesser eine wirklich kompensatorische, nicht bloss 
eine relative ist. 

Unterarten der Dolichocephalie sind: 

Dolichocephalus siinplex D. durch Synostose der Pfeilnaht. 

Klinoccphalus (s. d.) Sattelkopf, durch Synostose der 
Sphenoparietalnaht, wodurch eine sattelförmige Einschnürung des 
Schädels entsteht. 

Leptoccphalus (s. d.) Schmalkopf, durch Synostose der 
Stirn- und Sphenoparietalnaht (Dolicholeptocephalus). 

Sphenocephalus (s. d.) Keilkopf, durch Synostose der 
Pfeilnaht mit Erhebung der vorderen Fontanellengegend, 
cf. Brachyccphalus, Craniostosis, Mikrocephalns. 

Dolor Schmerz, ein Gemeiu^efühl , das in zu grosser 
Intensität (Quantität) der Reize oder in abnorm gesteigerter Er- 
regbarkeit der Empfindungsapparate begründet ist [Erb]. 

Dolores osteoeopi (™ oariov Knochen, y.<>.na> schlagen) 
eine besondere, nämlich durch syphilitische Affektionen des 
Periosts (besonders des Schädels und der Schienbeine» hervor- 



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134 Dothienenteritis 

gerufene Art von Knochenschmerzen, welche auch, da sie besonder» 
bei Nacht aufzutreten oder doch zu exazerbiren pflegen, als D. 
nocturni und wegen der Art der Empfindung als bohrende, 
D. terebrautes {ttrtbra der Bohrer, teres rund), bezeichnet 
werden. 

cf. Tophus. 

Durch einen physiologischen Vorgang hervorgerufen sind die 

Dolores ad partum Geburtswehen (praesagientes 
vorhersagende, praeparantes vorbereitende Wehen, con- 
quassantes Schütte! wehen, ad secundinas [secundina] 
Wehen zur Austreibung der Nachgeburt, post partum Nach- 
wehen). 

cf. Hyperästhesie, üyästhesie, Neuralgie. 

Dothienenteritis (6 dodnjv Blutgeschwür [furun- 
culus], to evreoov Darm) kaum mehr gebräuchlich für Typhus 
abdominalis. 

Dracontiasis [Galen] (Sgäxo)v v. Moxo^vi blicken, 
ÖQ&xog Auge) die durch den Medine-Wurm (Dracunculus medi- 
nensis s. d.) erzeugte Hautaffektion. 

Dracunculus (Dem. v. draco Schlange) s. (iordus s. 
Filaria uredinensis vd. Filaria. 

Drainage {engl, drain Entwässerung; in Deutschland 
meist als französisches Wort ausgesprochen) die Drainiruug, 
das Einlegen von silbernen oder Kautschuk-Röhrchen mit kleinen 
seitlichen Öffnungen in tiefliegende Abszesshöhlen, die eine aus- 
gedehnte Eröffnung nicht gestatten, zur Ermöglichung freien 
Eiterabflusses. 

cf. Tubage. 

Drastica (boaouxö; kräftig wirkend, v. Sgaw thun) 
vd. Kathartica drastica. 

Duodenitis {duodenum v. duodeeim weil dieses Darm- 
stück die ungefähre Länge von 12 Querfingern haben 
sollte) Entzündung des Zwölffingerdarms vd. Enteritis. 

Durhämatom {Dura harte Hirnhaut, r6 alfia Blut) 
i. q. Pachymeningitis haemorrhagica interna. 

Dynamometer {fj dvvapte Kraft, j6 /ihgov Mass) 
ein zur Messung der Kraft einzelner Muskelgruppen dienendes 
Instrument. 

Dysftsthesie (ßva = miss [vd. die sprachliche Ein- 
führung], fi aladtjotg Empfindung) nennt Charcot eine 
Eigentümlichkeit der Empfindimg (bei Rückenmarkssklerose), 
darin bestehend, dass die verschiedensten Hautreize eine schmerz- 



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Dysenterie 



135 



hafte, fibrireude, das ganze Glied durchlaufende Empfindung 
hervorrufen. 

cf. Hyperästhesie, Parästhesie, Dolor. 

Dysakuftis (äxovo> hören) die unangenehme Empfindung 
von Tonen, die nicht abnorm laut sind, l>ei cerebralen, funktionellen 
u. organischen Erkrankungen beobachtet. 

cf. Anakusis, Hyperakusis. 

Dysanagnosle [Nieden] (dvayiyru>oxu> wieder erken- 
nen, lesen) Unfähigkeit zu lesen i. q. Dyslexic. 

Dysarthrie vd. Auarthrie. 

Dysarthrosis i. q. Luxatio congenita. 

Dyschezia (z*Z<*> die Notdurft verrichten) Bezeich- 
oung für die schmerzhafte Defäkation bei Prolapsus ovarii. 

Dysrhromaftie, Dychromatopsie (<*/•>, r» y»6ma 
Farbe, t) Auge) die Farbenblindheit, 
cf. Daltonismus. 

Dyschromien vd. Chromodcrmatosen. 
Dysekola i. q. Baryekoia. 

Dysenterie [nach Heubker, ZH] (gr. H. Hippokratks 
v. dvg und t6 h'xeoov Darm) Difficultas intestinorum . 
Ruhr. Charakteristisch sind blutig-schleimige, mit starkem 
Tenesmus verbundene Ausleerungen. Der Prozess besteht in einer 
die Schleimhaut und Submucosa, in schweren Fällen auch die 
übrigen Häute des Dickdarms und zum Teil des Dünndarms er- 
greifenden Entzündung. 

D. sporadiea (oxogadixo; vereinzelt, oxogds, oxei'geo) nicht 
kontagiöse Lokalaffektion des Dickdarms, durch verschiedene, 
den Darm stark reizende Schädlichkeiten bedingt. 

D. epidemica durch direkte Koutagion, wahrscheinlich auch 
durch Vermittlung des Trinkwassers sich verbreitende, besonders 
iü heissen Spätsommern epidemisch vorkommende spezifische Form, 
von der vorigen nur ätiologisch, nicht anatomisch verschieden. — 
Je nach der Intensität der Entzündung unterscheidet man: 

D. catarrhalis die serös-eiterige Form. Die geschwellten 
Follikel sind von einem roten Hof umgeben, die Submucosa ver- 
dickt, die Zwischenräume zwischen den Drüsen enthalten reich- 
liche Eiterzellen. 

Ein weiteres Stadium, bis zu dem nur die schweren Fälle 
gelangen, ist die eiterige Schmelzung und Verlust der Schleim- 
haut samt den Follikeln bis zur Submucosa. 

D. diphtherica s. gangraenosa brandige oder putride 
Ruhr der Alten, wobei die ganze Schleimhaut unter Einlagerung 
eines entzündlichen faserstoffigen Exsudats in eine körnige, 
strukturlose, nekrosirende, mit extravasirtem Blut untermischte 
Masse verwandelt wird. 



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136 



Dyshidrosis 



Der häufigste Befund ist die Verbiiidung der diphtherischen 
mit der katarrhalischen Ruhr: groschen- bis thalergrosse Stücke 
der Schleimhaut des Coecum, Rectum und der Flexuren ver- 
wandeln sich in schwarzgelbe Schorfe oder in Detritus und werden 
abgestossen. 

D. chronica hat ihren Grund in dem längeren Bestehen 
einzelner Geschwüre mit fistulösen Bildungen in der Submucosa 
und verursacht gewöhnlich hochgradige Abmagerung und Anämie. 

Seltener bei uns als in den Tropen kommen als wesentliche 
Komplikationen folgende Formen vor: 

D. hepatica D. mit entzündlicher Erkrankung und Absze- 
dining in der Leber (cf. Hepatitis suppurativa), deren näherer Zu- 
sammenhang noch nicht klar gelegt ist. 

D. scorbutica D. mit vorwiegend hämorrhagischer Exsuda- 
tion, rein blutigen Stühlen, blutigem Erbrechen, zahlreichen 
Petechien und Blutblasen auf der Haut, die sich in Geschwüre 
verwandein, und mit der charakteristischen skorbutischen Mund- 
affektion. 

Dyshidrosis (fiv$, idoowg v. idgow) [Fox] i. qu. Cheiro- 
pompholyx. 

Dyskrasie (n xpäoi? Mischung, v. xcQdwvfit). 

a) Im engeren Sinn: Blutmischungskrankheit, mehr oder 
weniger andauernde Anomalie der Konstitution, bei welcher eine 
veränderte Zusammensetzung der Blut- und Säftemasse nachge- 
wiesen oder angenommen ist. 

b) Im weiteren Sinn: jede allgemeine (konstitutionelle) 
oder auch Lokalcrkrankung, bei welcher der ganze Organismus in 
andauernde Mitleidenschaft gezogen ist. 

cf. Diathese. 

Dyslalia (17 Xdh) Reden) diejenige Form des Stammeins 
(Anarthria literalis), die ihren Grund hat entweder in mangelhaf- 
ter Übung oder in Fehlern der äusseren Artikulationswerkzeuge. 

cf. Mogilalie. 

Dyslexie (17 U£t? v. Xeyco sagen, lesen) die Lesescheu, 
Lescunfähigkeit, die sofort beim Versuch zu lesen eintritt und 
binnen kurzem absolut wird, ein zerebrales Symptom, welches auf 
einen Erkrankungsherd in dem linken oberen, bezw. unteren 
Parietalwulst, also in der Nähe der 3. linken [Broca 'sehen] Stirn- 
windung hinweist [Berlin]. Öfters verbunden mit hemiplegischen 
Erscheinungen in der rechten Körperhälfte, Hemianopsie, Aphasie. 

cf. Aphasie. 

Dyslogie (b '.oyog Vernunft) Störung der Gedanken- 
bildung, die sich als Dysphrasie äussert. 

Dysmenorrhoea [nach Graily und Hewitt] (ol nfjveg, 
menses das „Monatliche* 4 , yico fliessen) Beschwerden 



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Dyspepsia 



137 



beim Monatsfluss, ein Symptom, das in kolikartigen, vom 
Kreuz in den Schoss und die Schenkel ausstrahlenden, in Zusam- 
menhang mit der Periode auftretenden Schmerzen besteht. Jeder 
konstitutionelle oder lokale Einfluss, welcher die Struktur der 
Uteruswand, die Ovarien, das benachbarte Zellgewebe oder die 
Serosa so affizirt, dass die diese Teile versorgenden Nerven ab- 
norm gereizt werden, kann im ersten (Kongestions-) Stadium, und 
alles, was den Blutabfluss vom Uterus stört, kann im zweiten 
Stadium Veranlassung dazu geben. 

D. conjfcstiva bei welcher durch irgend einen schädlichen 
Einfluss (Plethora, Erkältung, Gemütsbewegungen, fibröse Ge- 
schwülste, Lageveränderungen des Uterus) die Kongestion über 
das physiologische Mass hinaus gesteigert wird. 

D. inflammatoria diejenige Form, welcher ein entzündlicher 
Reizzustand der Schleimhaut oder des Parenchyms der Gebär- 
mutter oder der Ovarien (ovarielle D.) oder nach Schultze — 
eine Parametritis posterior zu Grunde liegt. 

D. ineinbranacea s. Dec-idua lnenstrualis s. Endometritis 
dissecans s. exfoliativa D. wobei der Schmerz erst mit dem 
Abgang einer Membran, der sich ablösenden oberflächlichen Schichte 
der Uterusschleimhaut, endigt, welche für diese Form der D. 
pathognostisch ist. 



cf. Endometritis polyposa. 

D. neuralgica (nervosa) eine Form, welcher wahrscheinlich 
keine organische Veränderimg, sondern ein eigentümlicher Nerven - 
zustand zu Grunde liegt, der sich dadurch kund gibt, dass er 
unter dem Einfluss der menstrualen Kongestion Schmerz veranlasst 
(Diagnose durch Ausschliessung). 

D. obstruetiva durch behinderten Austritt des ergossenen 
Blutes aus dem Cavum uteri oder der Scheide bediugte D. (ins- 
besondere durch Knickung und Stenose des Uterus, resp. Cervix). 

Dysmorphop hoble [Morselli] (frvg,rj [ioQ<frj Gestalt — 
also Missgeßtalt, 6 (fößos Furcht) eine rudimentäre Form 
der Paranoia (s. d.) , bei welcher die Patienten von der Furcht, 
körperlich entstellt zu werden, beherrscht werden. 

Dysmorphosteopalinklaftteg (r6 <Wov Knochen, 
xuhv wieder, xkdto zerbrechen) ein von Bosch u. Osterlen 
angegebenes Instrument zum Wiederzerbrechen der mit Difformität 



DyspAreunia (jidgewo? Gatte, Gattin, evrij Lager) 
[Barnes] die Schmerzen beim Koitus, die bei den meisten 
Sexualkrankheiten der Frauen auftreten. 

Dyspepsia Otc'.ttw oder niooa) erweichen, verdauen) 

alle Störungen im Chemismus der Verdauung, ein Symptomen- 
komplex, der den verschiedensten Erkrankungen des Magens als 
Ausdruck der gestörten Funktion der Verdauung gemeinsam zu- 




geheilten Frakturen. 



1 38 



kommt. Rein funktionelle D. ohne pathologisch-anatomische Ver- 
änderungen der Magenachleimhaut kann — nach Leube — nicht 
angenommen werden. 

Je nach dem Auftreten oder den Äusserungen kann man eine 
D. acuta, chronica, flatulenta, acida (Aufstossen von 
Essig- oder Buttersäure als abnormen Gärungsprodukten bei Magen- 
katarrh) etc. unterscheiden [Leube in ZH]. Unter Dyspepsia 
acida versteht man neuerlichst Störungen der Magen Verdauung, 
welche nicht bloss auf der Ansammlung abnormer, durch Gärung 
bedingter (organischer) Säuren, unter denen die Milchsäure die 
Hauptrolle spielt, beruhen, sondern auf übermässiger Ausscheidung 
von Salzsäure (Peracidität s. d.). 

Als Ursachen der Dyspepsie sind zu nennen: Anomalien der 
Drüsensekretion , der Resorption, Insuffizienz der austreibenden 
Kräfte, namentlich die durch Funktionsschwäche der Muscularis 
des Magens oder durch Stenosen am Pylorus (Carcinom, Ulcus 
ventriculi) bedingten Gastrektasien und nervöse Störungen (D. ner- 
vosa . Sekundär treten Dyspepsien zu Allgemeinerkrankungen, 
besonders Nieren- und Herzleiden hinzu. 

cf. Indigestion, Pyrosis. 

Dy&phagia (qpayelv essen) erschwertes oder ganz unmög- 
liches Schlucken, in entweder mechanisch oder nervös oder ent- 
zündlich behinderter Funktion des Oesophagus begründet. 

Gebräuchlich sind folgende nähere Bezeichnungen: 

D. inflatninatorra D. infolge von Ösophagitis. 

D. lusoria eine zweifelhafte Form, welche von Kompression 
des Oesophagus durch die Art. subclavia dextra herrühren soll, 
wenn diese (durch ein Ludus naturae) hinter der Art. subclav. sin. 
aus der Aorta entspringt und sich vor oder hinter dem Oesophagus 
nach rechts schlägt. Wenn überhaupt, so würde wohl nur eine 
aneurysmatische Erweiterung dieses Gefässes zur D. führen. Wohl 
aber ist es möglich, dass durch den Schlingakt Kompression des 
Gefässes und dadurch Herzklopfen und Beängstigung hervorgerufen 
werden kann [Ziemssex und Zenker ZH|. 

D. spastica S. Oesophajusmus D. infolge Krampfes der 
Oesophagusmuskulatur, z. B. bei Hysterie, Hydrophobie, Krank- 
heiten des Gehirns und oberen Rückenmarkes, oder ohne nach- 
weisbare Ursache. 

D. paralytica D. durch Oesophaguslähmung meist im Ge- 
folge von zentralen Erkrankungen. 

I>ysphasia (pdaig Rede, <ff]fn') Störung der Diktion 
ohne gestörte Gedankenbildung , also nur des Vermögens , die 
Wörter als sinnliche Zeichen mit den Vorstellungen zu verbinden, 
grammatisch zu formen und syntaktisch zu gliedern, um der Ge- 
dankenbewegung ihren Ausdruck zu geben. 

cf. üysphrasie, Lalopathie, Logoneurose. 



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Dystokie 

Dysphonie (// qxovi) Stimme) zusammenfassender Aus- 
druck für Störungen der Stimme der verschiedensten Art. 
Der höchste Grad ist Stimmlosigkeit (vd. Aphonie). 

Dysphorie (Svg u. q>ig(o, ffogeo> tragen) das Übelbefindeu. 

I>ysphrasie {fj qpgdaig Reden, v. ygaCco) dyslogische, 
d. i. durch gestörte Intelligenz verursachte Sprachstörung, 
cf. Dysphasie. 

Dysphrenie (f] rgyv qgevog Geist) ein zur Bezeichnung 
der sympathischen Seelenstörungen (konkomiti rende, 
vikariirende, postsekutive D. [Kahlbaum], Dysphrenia 
neuralgica [Schule]) vorgeschlagener Ausdruck. 

1> y s p n oe (fj 6 va.ivota v. avito) Kurzatmigkeit, richtiger 
Schweratmigkeit, Atmen mit vermehrter Muskelanstrengung, 
als direkte Folge von Raumbeengung oder pathologischen Ver- 
änderungen der Respirations- oder Zirkulationsorgane — also ein 
weiterer Begriff als Asthma (s. d.). Ihre nächste Ursache ist der 
Mangel freien Sauerstoffes für das nervöse Atmungszentrum (Me- 
dulla oblongata), wozu gewöhnlich auch eine Vermehrung der 
Kohlensäure im Blute kommt, welche in gleicher Weise wie der 
Sauerstoffmangel direkt erregend auf das Atmungszentrum wirkt 
und Atemnot erzeugt. 

D-a inspiratoria eine spezielle Form der D., wobei die In- 
spiration gegenüber der meist leicht von statten gehenden Exspi- 
ration gehindert ist, und welche bei Stenose der grossen Luftwege 
<Krup, Glottiskrampf und Lähmung der Glottiserweiterer) vor- 
kommt. 

D. exspiratoria diejenigen Formen, bei welchen vorwiegend 
die Exspiration gegenüber der Inspiration erschwert ist, wie bei 
Emphysem, Asthma, chronischer Bronchitis [nach Riegel in ZH]. 

Diabetische Terminal-D. die mit den chemischen Stö- 
rungen im organischen Haushalt in Verbindung stehende, von 
einer direkten Erregung der Atmungszentren ausgehende tiefe und 
frequente Inspiration im Endstadium des Diabetes, vielleicht ab- 
hängig von Acetonämie (s. d.). 

Dystaxia agitans s. Pseudoparalysis agitans [San- 
ders] (ungriechische sprachliche Neubildungen) eiu durch Rei- 
zungszustände des Rückenmarks hervorgerufener Tremor. 

Dysthymie {6 {fopog Gemüt =r fumus v. #va> fache 
an, räuchere, brause) anhaltender deprimirter Ge- 
mütszustand, welcher sich dadurch von der gewöhnliehen Me- 
lancholie unterscheidet, dass er nicht nach einiger Zeit in andere 
Formen von Psychosen (Manie) übergeht, sondern sich gleich bleibt 
oder in Heilung oder späteren Schwachsinn übergeht. 

Dystokie (jJ övojoxia v. xlxxco gebären) schwere Geburt. 



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140 



Dystopie 



Dystopie (f> to'.to? Ort) angeborene oder stabil gewordene 
falsche Lage von Organen, 
cf. Dislocatio. 

Dystrophia muscnlnris progressiva (r<>rc f o> 
nähren) wörtlich: Störung der Ernährungsverhältnisse des Mus- 
kels. Unter dieser Bezeichnung fasst Erb die myopathischen For- 
men der progressiven Muskelatrophie zusammen, für welche der 
Ausdruck „Atrophie 4 * nicht ganz zutrifft, da letztere neben Hyper- 
trophie und Pseudohypertrophie vorkommt. 

cf. Atrophia musculorum, Pseudohypertrophie. 

Dysuria (17 Sva-ovoi'a v. ovgeco harnen) allgemeine Be- 
zeichnung für erschwertes oder mit Schmerzen verbundenes Har- 
nen, das sich am ausgesprochensten bei Erkrankungen des Blasen- 
halses und der Prostata findet. 

D. spastica D. als Symptom von Cystospasmus. 

cf. Cystoplegie, Cystospasmus, Enuresis, Ichnrie, Strangurie, Te- 
nesmus. 

Ehrietas (lat. ebrius üppig, trunken) die Trunken- 
heit. 

cf. Alkoholismus acutus levior, Crapula. 

Ebarneatio (ebur Elfenbein) vd. Ostitis ossificans. 

Echinokokkus {6 S/tvo? Igel, S xoxxog Kern — der 
Name deutet die Form der mit einem stacheligen 
Hakenkranz besetzten Scolices [axwbjS Wurm] an) der 

Hülsen wurm, ist der Finnenzustand der Taenia Echino- 
kokkus, einer winzigen, aus Kopf und drei Gliedern bestehenden, 
nur 4 mm langen Bandwurmart des Hundes, aus deren Eiern sich 
beim Menschen im Ubertragungsfall (durch Verschlucken) die 
Echinokokken in den verschiedensten Organen, am häufigsten in 
der Leber, entwickeln. Der E., ursprünglich also ein eingewan- 
derter Skolex, besteht aus einer rundlichen Blase von Stecknadel- 
bis Kindskopfgrösse, von deren Innenfläche sich erst Verdickungen, 
aus diesen Hohlräume (Brutkapscln) bilden, in welchen die 
Scolices als kugelförmige Zapfen entstehen , welche durch Ab- 
schnürung selbständig werden. Von der primären Blase aus ent- 
wickeln sich gewöhnlich sog. „Tochterblasen", die beim Menschen 
meist nach innen wachsen (E. hydatidosus) (hydaltis, vöan's, 
-tfiog Wasserfarben) und später in grosser Zahl frei in der 
Flüssigkeit schwimmen; bei Tiereu erfolgt das Wachstum nach 
aussen (E. granulosis [granum Korn] s. veter i noru m). 

E. multilocularis (locus Baum, loculus Kapsel) eine eigen- 
tümliche Entwicklungsform des E., einen steinharten Tumor bil- 
dend, der die Stelle eines mehr oder weniger grossen Jjeber- 
abschnittes einnimmt und aus einem äusserst festen fibrösen 
Bindegewebe besteht, welches von unzähligen kleinen, vielfach 



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Eklampsia 



141 



kommunizircnden, mit Gallertmasse angefüllten Hohlräumen durch- 
setzt ist ; da die Scolices nur selten darin zu finden sind, hat man 
die Affektion früher oft mit Gallertkrebs zusammengeworfen, um 
so mehr als ein jauchiger Zerfall im Innern der Geschwulst nicht 
selten ist. 

cf. Invasion, Organozoen. 

Echolalie (j? Wiederhall, f) ).dh] Beden) eine 
Form der Aphasie, wobei die Kranken sich zwar nicht direkt 
sprachlich ausdrücken, aber Vorgesagtes nachsprechen können. 

Ecrasenr {ecraser, zerquetschen) Instrument zur ge- 
waltsamen, unblutigen Durchquetschung mittels einer in einen 
Schnürapparat eingesetzten Kette. 

cf. Constricteur. 

Etfeminatio (effeminare zum weiblichen Wesen 
machen) vd. Homosexual. 

Effleurage (franz. fleur = flos) vd. Massage. 

KtHoreszenz {ex, floresco v. flos) i. q. Exanthem, doch 
vorzugsweise dann gebraucht, wenn man von einzelnen Effiores- 
zenzen spricht, aus denen ein Exanthem besteht. 

Ekchond rosis {ex, 6 xovöqo* Knorpel) Knorpelauswuchs 
-durch partielle Hyperplasie des Knorpels, 
cf. Chondrom. 

Kkchymosis s. Ekchymoma (»} exxvficoatg v. 6 y_v- 
fiog Saft, giesse) ausgedehntere (thaler- bis flachhandgrosse) 



braunrote Flecken der Haut, Schleimhäute etc. 
cf. Purpura, Suffusio, Hämatom, Sugillatio. 

Kkkoprotiea (17 xongog Kot) vd. Laxantia. 

Eklampsia (ix-Aa//,™ hervorleuchten, plötzlich 
hervorbrechen) nach Ausscheidimg derjenigen allgemeinen 
Krämpfe (für die der Name Konvulsionen genügt), welche durch 
anatomische Läsionen des Gehirns und Rückenmarks, durch Auä- 
mie desselben . Urämie , Bleivergiftung und durch fieberhafte 
Krankheiten bedingt und in welchen die Konvulsionen nur Symp- 
tom eines anderen Grundleidens sind, bleiben als eigentliche E. 
nur diejenigen epileptiformen, mit Aufhebung des Bewusstseins 
einhergehenden Krämpfe übrig, welche — unabhängig also von 
bestimmten Organerkrankungen — als selbständiges akutes Leiden 
sich darstellen und bei welchen meist auf dem Wege der Reflex - 
erregung dieselben Vorgänge stattfinden, wie beim epileptischen 
Anfall (akute Epilepsie, ohne Aura). Nicht ganz korrekt sind 
•daher die Bezeichnungen E. gravidarum (bei akuter Nephritis) 
und E. uraemica, epileptiforme Anfälle bei Urämie. 

E. infantum z. B. dentitientium, verminosa, Fraisen, 




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142 



Eklipsis 



Gefraisch, Schauerchen, Gichter etc. unterscheidet sich von derE. 
Erwachsener an sich gar nicht, sondern nur durch die grössere 
Häufigkeit des Vorkommens infolge der grösseren Disposition des 
Kindesalters zu Reflexkrämpfen. 

Man unterscheidet eine ohne materielle Veränderungen indi- 
rekt vom Nerven ausgehende E. sympathica s. reflectoria 
und eine direkt vom Blute herrührende E. haematogenes. 

E. parturicntiuin, chronische an epileptische Anfälle 
erinnernde Krämpfe der Gebärenden oder Schwangeren, 
mit Zuckungen der Gesichtsmuskeln (Kiefersperre) beginnend, die 
sich auf die Oberextremitäten, den Rumpf imd die Athmungs- 
muskeln fortsetzen. Dabei besteht hochgradige Cyanose und fie- 
wusstlosigkeit. Die Anfälle dauern einige Minuten und wieder- 
holen sich oft. Die E. part. ist höchst wahrscheinlich ähnlich wie 
die Urämie durch Harnretention bedingt, doch besteht für ge- 
wöhnlich keine Nephritis (trotz des Eiweisses das sich im Urin 
Eklamptischer regelmässig findet und durch venöse Stauung zu er- 
klären ist), sondern eine Retention durch Druck des schwangeren 
Uterus auf die Ureteren, dessen Kontraktionen auf dem Wege eines 
vasomotorischen Reflexes die Krämpfe auslösen. 

Eklipais (exXeL-ico auslassen.) momentane Bewusstlosigkeit» 

Eklysis (ixkvto erschlaffen) der leichteste Grad des Be- 
wusstseinsverlustes. 

cf. Obnubilatio, Lipothiinie. 

Ekstase i. q. Extase (ex-oraoi*). 

Ekstrophie i. q. Ektropia. 

Ektasie (gr. H. v. exietv<a) die Ausdehnung, Erwei- 
terung. 

cf. Staphylom, Conus, Aneurysma, Dilatatio. 

Ekthyma [Hippokrates] (gr. H. v. Zx-dvco hervor- 
brechen, vom Ausschlag) eine Anzahl zerstreut oder in Grup- 
pen stehender phlyzazischer Pusteln als Folge- oder Begleiterschei- 
nung anderer Haut- oder allgemeiner Erkrankungen, keine Krankheit 
sui generis. 

E. antiinonialc {antimonium Spiessglanz, verderbt aus 
dem Arab. al-ithmidiim) *) die grossen Pusteln, welche durch 
Einreibung von Pockensalbe entstehen. 

E. kaehektieorimi (xa^'a von xaxwg e/to sich schlecht 
befinden, xayexnxög Adj.) E. bei Individuen, welche durch dürf- 
tige Verhältnisse oder andere Veranlassungen kachektisch geworden 
sind, auch bei Skorbutischen. 

*) Nach KRAUS soll ein französischer Mönch das Wort aus anti 
und moine gebildet haben, weil ihm zwei Mönche an Dosen von 
Spiessglanz starben, welche Bauern, Schmieden etc. gut bekommen 
waren. 



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Ektropium 14)1 

E. syphiliticum die typische Form des pus tu lösen Sy- 
philids (s. d.), E.-Pusteln mit nicht selten blutig gefärbtem In- 
halt, welche sich in oberflächliche oder tiefere Geschwüre iE. 
superficiale und profundum) verwandeln, meist der späteren 
Periode der Syphilis angehörig, oder schon früher bei Kachek- 
tischen sich entwickelnd. 

cf. Rupia, Impetigo. 

Ektokardia (fxro? = e£a> adv. heraus, >; xao6ia Herz), 
s. Ektopia cordis das (vom Brustbein und event. von den 
Rippen unbedeckte) freiliegende Herz. 

Ektopia (o to.toc Ort) Versetzung eines ursprünglich 
inneren Organes an die Oberfläche, gewöhnlich als angeborener 
Fehler, z. B. E. cordis, lentis, vesicae und besonders: 

E. testis ist entweder abdominalis, d. i. der Hode unter 
der Bauchhaut gelegen, oder cruralis unter der Haut in der 
Gegend der Schenkelhernien, am häufigsten perineal is „Damm- 
hode*, wie bei manchen Tieren. 

cf. Kryptorchidie, Ektokardia. 

Ektrodaktylie (o AäxtvXog Pinger) Mangel eines oder 
mehrerer Finger. Gegensatz — Polydaktylie — viel näufiger. 

Ektromelie (™ fiüog Glied) Missgeburt, bei welcher 
eine Gliedmasse vollständig oder zum gröbsten Teile fehlt. 

Ektropia (tqItm wende), auch Ekstrophie (atQeqto 
drehen) oder Eversio Aus wärt sk ehr ung, z. B. 

E. s. prolapsus s. Eversio vesicae urinariae Bauch - 
blasenspalte, Harnblasenspalte, eine angeborene Miss- 
bildung, wobei die Blase durch unvollständigen Abschluss der 
Allantois vorn offen bleibt, ein Defekt, welcher immer mit Offen- 
bleiben der Schamfuge und Urethra komplizirt ist. 

cf. Epispadie. 

E. orificii uterini (orißcium [os] Mündung) Ausstülpung 
der hypertrophischen Zcrvikalschleirahaut aus dem äusseren Mutter- 
munde bei chronischem Cervixkatarrh. 

cf. Ulcus granulosum. 

Ektropioniren (vd. Ektropium) das Umkippen des obe- 
ren Augenlids, wobei die Conjunctiva palp. nach vorn gewendet 
und dadurch der Besichtigung sowie therapeutischen Eingriffen 
zugänglicher wird. 

Ektropium {fxtqoxiov, exzqfjixo) kurzweg für E. con- 
junctivae, Abhebimg der inneren Lidlefze vom Bulbus (leichte- 
ster Grad: Eversio) bis zur vollständigen Auswärtskehnmg der 
Augenbindehaut, am häufigsten am unteren Augenlid. 



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Ektropoesophag 



E. (musc ulare» paralyticum infolge Lähmung des Muse, 
orbicul. im Bereich des unteren Lids; Teilerscheinung einer Fa- 
cialislähmung ete. 

E. museul. senile E. infolge seniler Erschlaffung des Or- 
bikularmuskels. 

E. acutum s. musculare spasticum E. bei entzündlichen 
mit Blepharospasmus begleiteten Affektionen, bei denen eine starke 
Anschwellung der Bindehaut vorhanden ist. welche bei gewalt- 
samem Öffnen der Lider über dera Knorpelrand henorquillt und 
deren spontanem Rückgang sich eine heftige Kontraktion der Or- 
bitalportion des M. orbicul. entgegenstellt. 

Narben -E. durch Karbenkontraktion der Haut in der Nahe 
der Augenlider bedingte Form. 

E. luxurians s. sarkomatosum Hypertrophie der an- 
haltend der Luft ausgesetzten ektropionirten Konjunktiva [Gräfe 
und Sämlsch]. 

et". Lagophthalmus, Entropium, Tarsoraphie. 

Ektropoesophag (6 oiootpayog Speiseröhre) vd. Oeso- 
phagotomia externa. 

Ektrotisch {sx-xoamx6g v. Ex-Tizoo')öx<0 abortiren) nennt 
man die Methode , das Weiter wandern von Erysipel etc. durch 
Abgrenzung der entzündeten Stelle mit Höllenstein, Jodtinktur 
u. dgl. verhindern zu wollen. 

cf. abortiv. 

Ekzema (rö ex&na v. ex-Cea) aufkochen, v. £«g> sie- 
den, eig. „durch Hitze herausgetriebener Ausschlag") 

nässende Flechte, Salzfluss (franz. dartue squameuse hu- 
mide, teigne, engl, humid tetter), zuweilen akut, meist chronisch 
auftretende, stets mit heftigem Jucken verbundene Hautkrankheit, 
die sich durch Bildung bald von haufenweise stehenden Knöt- 
chen und Bläschen, oder durch mehr oder weniger stark ge- 
rötete, mit dünnen Schuppen bedeckte, oder nässende 
Stellen auszeichnet, oder bei welchen sich in Verbindung mit den 
eben beschriebenen Symptomen noch ausserdem teils gelbe gumnii- 
artige, teils grüne oder braune Borken entwickeln. 

Man unterscheidet: 

1. E. erythematosum (igv&ij^a) charakterisirt sich durch eine 
diffuse oder punktförmige Rötung und Schwellung der Haut, die 
sich entweder unter Abschuppung zurückbildet oder den Über- 
gang zu anderen Formen bildet. 

2. E. papulosum [Hebka]; Liehen agrius [WillanJ; 
Teigne granulee [Alibert] (v. lat. tinea Motte v. reu-vw) 
mit Knötchenbildung einhergehend. 

3. E. vesiculosuin, E. solare [Willan]; E. Simplex; hier 



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Elektrocutan 145 

kommt es zur Bildung von Bläschen, die entweder für sich be- 
stehen bleiben oder konfluiren. 

4. E. pustulosuin s. impetijrinosum (franz. Teigne (Grind. 
Schorf) muqueuse, Melitagre) unterscheidet sich von 3 durch den 
mehr eiterigen Inhalt der Bläschen. 

5. E. madidans s. rubrum, E. inflainmatoriuin, geht stets 
aus einer der vorhergehenden Variationen hervor und eharak- 
terisirt sich durch eine rote nässende Oberfläche, in der oft noch 
die zerplatzten Bläschen und Pusteln als kleine Grübchen sicht- 
bar sind. 

6. E. squamosuin — Pityriasis rubra [Willan] bildet das 
Endstadium des typischen E. und charakterisirt sich durch rote 
Flecke mit trockener schuppender Oberfläche. 

7. E. rhagadi forme, fissum, riuiosum [Veiel in ZH]. 

Je nach dem Sitze der Krankheit, unter Berücksichtigung 
der Prädilektionsstellen, unterscheidet man: 

E. capillitii, des behaarten Kopfes. 

E. faciei (partiale, totale). 

E. faciei barbatac v 

E. rcgionis supercihorum 1 . , , , . 

• • * i • • ii \ Simplex , rubrum und mi- 
E. marginis cihans palpebrarum ^ °""F*y A .> 

E. mucosae narium (soweit die-j ^ U? 100811111 * 
selbe Haare trägt) ) 

E. trunci, cxtremitatum, genitalium, imivcrsala. 

E. acutum ist durch rasche, unter Brennen und Schwellung 
der Haut auftretende Bildung von Bläschen charakterisirt, welche 
sich durch Eiterung und Eintrocknung, besonders häufig im Ge- 
sicht der Kinder in das früher als Crusta lactea (s. d.) be- 
zeichnete Krankheitsbild verwandeln. Kommt ausserdem noch 
mit Vorliebe an Genitalien, Händen, Füssen und zuweilen uni- 
versell vor. 

cf. Impetigo, Hydrargyria, Liehen trop. 

E. maririnatum (parasitariuin), Bäuexspruxu's Ery- 
thrasma, das umschriebene E. , vielleicht durch einen dorn 
Trichophyton tonsurans (s. d.) ähnlichen oder identischen Para- 
siten bedingtes ekzemartiges kontagiöses Hautleiden, von dem 
Bilde einer Pityriasis rubra, das hauptsächlich auf Ingui- 
nal- oder Axillargegend, innere Schenkelfläche und Gesäss sich 
beschränkt und in Form von peripherisch fortschreitenden roten, 
etwas erhabenen trockenen Scheiben und Kreisen auftritt, deren 
Kand Bläschen, Knötchen oder Schuppen zeigt. 

E. syphiliticum vd. Liehen syphilit. 

E. tubcreulatuin i. q. Granuloma fungoides. 

Elektrocutan (r6 rjXexTQov Bernstein, elektrischer 
Körper, cutis Haut), nur gebraucht als e. Sensibilität, 
i. e. Empfindlichkeit der sensiblen Hautnerven gegen den elck- 

Roth's Klinische Terminologie. 4. AuH. 



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146 Elektrode 

irischen Strom. Dient zur Prüfung der Induktionsstrom, so 
spricht man von f a r a d o c u t a n e r Sensibilität f s. d.). 

Elektrode (>; 6doe Weg) auch Rcophor. Ex ei tat or, 

Stromgeber, die mit isolirten Handgriffen versehenen, in ver- 
schieden gestaltete Kontaktflächen auslaufenden Leitungsteile, welche 
an die Leitungsschnüre der elektrischen Apparate l>efestigt und 
auf den Körper aufgesetzt werden, 
cf. Anode und Kathode. 

Elektroendoskop (h>dor innen, oxoxiio besehen) 
Instrument zur Besichtigung innerer Körpcrräumo unter Benutzung 
des elektrischen Lichts. 

Elektrokatalyae [R. RemakJ (*am-;.?Vo auflösen) die 

Einwirkung des galvanischen Stromes auf die trophischen Vorgänge 
im Ncrvensvstem, auf die Kontraktion der Gcfässc, die Saftl>e- 
wegiuig in den Lymphbahneu etc. , wodurch ein resorbirendcr 
Effekt bei Exsudaten, Infiltrationen, Neubildungen etc. hervorge- 
bracht wird. 

cf Elektrolyse, Galvanisation. 

Elektrolyse s. (ialvanolyse (>} kvmg Auflösung) der 

chemische Effekt des galvanischen Stromes, liestehend in der Zer- 
legung eines zusammengesetzten Korpers in seine elementaren Be- 
standteile, wie sie bei der Elektropunktur zu stände kommt und 
zur Heilung von Angiomen, Cysten, Warzen etc. und zur Zerstörung 
von anderen Neoplasmen verwendet wird, 
cf. Elektrokatalyse. 

Elektrophthalm (6 o<jdalu6g Auge) von Xoiszewski 
angegebener Apparat zur Wahrnehmung der Lichterscheinungen 
mittels des Temperatur- und Lokal isationsgefühls bei Blinden unter 
Anwendung der Thermoelektrizität. 

Elektropunktur «. Galvanupiinktur (purere stechen) 
ist die Akupunktur, verbunden mit der Durchleitung eines gal- 
vanischen Stromes durch das betreffende Organ (cf Elektrolyse), 
um diesen in einer gewissen Tiefe einwirken zu lassen. Die 
Nadeln müssen hierbei bis über der Spitze mit isolirenden Schichten 
iÜK'rzogcn werden. 

Elektrotherapie (tj dega^eta v. Oega-tero)) die Anwen- 
dung des elektrischen Stromes zu Heilzwecken. Sie zerfällt in 
eine Galvanotherapie (konstanter Strom) und eine Faradothera- 
pie (Induktionsstrom). Das Gebiet der letzteren ist das be- 
schränktere, da sie weniger tief wirkt und faet nur zu Erregungs- 
zwecken verwendet werden kann, während bei der Galvanotherapie 
die Kathodenbehandlung auch kataly tisch (zerteilend) und kata- 
phorisch (Flüssigkeiten wandern durch poröse Scheidewände von 
der Anode zur Kathode), die Anodenbehandlung, namentlich bei 
Neuralgien im Gebrauch, beruhigend, schmerzstillend wirkt. 



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Elephantiasis Arabum 



147 



filektrotonns (« rorog Spannung, v. ifIvm) nennt man 
den veränderten Zustand, in welchen ein von einem konstanten 
galvanischen Strom durchf lossener Xerv in Beziehung auf seine 
Erregbarkeit, Leitungsfähigkeit etc. versetzt wird, und zwar nennt 
man nach Pf lüg kr: 

Anelektrotonus (dvd hinauf, xaxd hinab, entsprechend 
der ävodog und xarodog) den Zustand der erniedrigten Erreg- 
barkeit in der Umgebung des positiven Poles, der Anode, 

Katelektrotonus den Zustand der erhöhten Erregbar- 
keit des Nerven oder Muskels, wie er in der Gegend der Ka- 
thode vorhanden ist. — Zwischen beiden Polen liegt der In- 
differenz p u n k t , an welchem der Nerv unverändert ist. 

Elektrotonisiren, einen Nerv oder Muskel in den Zu- 
stand des E. versetzen. Die elektrotonisirenden (modifizirenden) 
Wirkungen des galvanischen Stromes sind auch von klinischem 
Interesse, insofern sie zur Erklärung mancher elektrotherapeu- 
tischen Wirkungen herangezogen werden 

Elephantiasis Arabum 4 ') [CELsrs&e^aynaoj Dioscor.] 
s. Pachyderinia, Syn. Elephantia, Dalßl (Araber); franz. Mal 
de Cayennc, Hypersarkosis [Kämpfer] , Spargosis fibroareolaris 
[Wilson], eine* mit Gefäss- und Lymphgefässcntzündung be- 
ginnende, zu Ödem und Erysipel führende, chronische, an einzelnen 
Körperstellen vorkommende Erkrankimg der Hautschichten und 
des subkutanen Bindegewebes mit nachträglicher, massenhafter 
und entstellender Gewebszunahme [Schwimmer in ZH]. Neuer- 
dings sind Bacillen für die Entstehimg der E. verantwortlich ge- 
macht worden. 

.Je nachdem die Haut glatt oder durch Auswüchse dos sub- 
kutanen Bindegewebes stellenweise höckerig erscheint, unterscheidet 
man E. laevis s. glabra und E. tuberosa s. verrucosa. 

Die Krankheit kommt sporadisch in allen Landern, epi- 
demisch in Ägypten, auf den Antillen (Barbados), Brasilien 
etc. vor. 

£. cruris s. Elephantopus s. Bukneinia tropica (engl. Bar- 
badosleg) Bein von Barbados, elephantenfussartige Verdickung 

*) E. Arabum = Pachydermie. 

E. Graecorum = Lepra (Arabum). 

Arabum und Graecorum bezieht sich auf die arabischen und 
griechischen Autoren, von denen die erstcren die Pachydermie als Dal- 
fil, Elephantenfuss, bezeichneten, was von den Übersetzern mit E. 
übersetzt wurde. Die Griechen jedoch hatten unter E. den Aussatz 
verstanden, der von den Arabern Judam genannt wurde. Dieses 
Wort wurde von den Übersetzern mit Lepra übersetzt, worunter die 
Griechen nur eine ganz ungefährliche Schuppenflechte verstanden 
hatten. 

E. italica i. q. Pellagra. 

Kl* 



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U8 



Elevatorium 



des Unterschenkels und Fusses, welche Form hauptsächlich der 
Affektion ihren Namen gegeben hat. 
et*. Mycetom. 

E. genital! um, insbesondere serotalis, produzirt oft viele 
Pfund schwere herabhängende Geschwülste, ist aber nicht wesent- 
lich verschieden von der Affektion anderer Teile. 

E. vulvae nennt mau eine Wucherung der grossen (selten 
der kleinen) Labien und der Clitoris, als deren Ursachen Exzesse 
in Venere, mechanische Momente, klimatische Verhältnisse (be- 
sonders häufig im Orient), vor allem aber syphilitische Infektion 
angeführt werden. Nach der Konsistenz unterscheidet man: E. 
v. dura und mollis. Nach dem Aussehen der Oberfläche: E. 
glabra (glatt), E. verrucosa (warzig), E. papillomatosa (papillär) ; 
bei starker Hypertrophie der Hornschicht: Ichthyosis vulvae. 

Eine besondere Erkrankungsform und stets kongeni- 
tal ist 

E. teleangiektödcs (vd. Telangiektasie) s. Pachyderuiia 
lymphangiektatica. Die Haut eines grösseren Körperteils, z. B. 
einer ganzen Extremität, erscheint in der Weise hypertrophisch, 
dass sie für den betreffenden Teil zu weit ist und in breiten 
Wülsten von der Gliedmasse wie die Haut am Halse der Rinder 
herabhängt, auch infolge des Durchscheiuens der erweiterten. Blut- 
gefässe durch die stellenweise verdünnte Kutis marmorirt erscheint. 
Diese Blut- wie die Lymphgefässe können dabei in kaver- 
nöser Weise entarten, die Haut mit Blasen — ampullären Er- 
weiterungen des oberflächlichen Lyniphgefässnetzes — bedeckt er- 
scheinen. 

et*. Anglioma cavernos., Lymphangiom. 
E. sklerotiea i. q. Sklerema. 

Elevatorium {e-ltvare emporheben) s. Elevateur 

(frz.) der Hebel, Instrument mit abgerundeten Kanten, haupt- 
sächlich zur schonenden Abhebelung des Periostes dienend. — 
Ferner: Instrument zur Aufrichtung des flcktirten 
Uterus. 

et*. Pessarium, Raspatorium. 

Elkoais Elkoderm vd. Heiko 

Eintritts (r6 eIviqov Hülle, Scheide) i. q. Kolpitis. 

Elytrocele (fj xt'ßy Bruch) = Hernia vaginalis. 

Elytroplastik (nkaooco bilden) plastische Operation bei 
Vaginalfistelu, in der Anfrischung der Fistel und Bedeckung der- 
selben durch einen Hautlappen bestehend. 

Elytrorhaphie (gdjix<o nähen) s. Kolporhaphie künst- 
liche Verengerung der Scheide durch Ausschneiden von Stücken 
der Schleimhaut imd Vernähen der Wundränder, zur Heilung 
von Uterus- und Scheidenvorfall. 

et". Episiorhaphie, Kolpoperineoplastik, Perineorhaphie. 



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Emese 



a 



Elytrotomie (re/wo schneiden) Durchschneidung der 
^ ; hinteren Scheiden wand behufs Drainirung des DouciLAs'schen 
Raumes bei Beckeneiteningen, Uterus- und Adnex-Adhäsionen, 
££} Retroversion und -Flexion. 

h5 Emaciati© (emaciare, macies, macer mager) das Ab - 

Q magern, vd. Maries. 

br Embolus (i/n-ßu/Mo hineinwerfen) ein in kleinen Ar- 

\J terien oder in Kapillaren stecken gebliebenes, von einer anderen 
^3 Stelle stammendes Gerinnsel (erweichter Thrombus) oder sonstiger 
M Fremdkörper, eingewanderter Pfropf. 
^ cf. Thrombus, Infarkt. 

Einbolie der enibolische Prozess, die durch die Ver- 
stopfung von sogenannten Endarterien (welche keine Anasto- 
mosen haben, in Gehirn, Lunge, Niere, Milz u. a.) hervorgerufene 
pr^ Herderkrankung in dem abgesperrten Gcfässgebiet (Ernährungs- 
störungen, Infarkt, metastatische Abszesse, Gangrän, gelbe Hirn- 
erweichung etc.). 

Q) Fett-Embolie Eintritt von flüssigem Fett des Knochen- 

?-i markes in die zerrissenen Venen bei Knochenbrüchen, Osteo- 
myelitis, Quetschungen des Paniculus adijx>sus, wodurch eine 
hochgradige Anfülluug der Kapillaren der Lungen, des Gehirns 
etc. mit Fett, Respirationsbeschwerden unter Fiebererscheinungen 
und selbst rascher Tod verursacht werden kann. 

Luft-Embolie E. der ( Lungen- )Kapillaren < Pneumathämie) 
mit einer grösseren Menge durch geöffnete Venen besonders der 
Halsgegend eingetretener Luft, wodurch mangelhafte Dekarboni- 
sation des Blutes und nicht selten plötzlicher Tod bedingt wird. 

Pigment-Embolie kommt bei Melanämie (s. d.) in den- 
jenigen Organen zu stände, in welchen der Kreislauf ein lang- 
samer ist, und kann im Gehirn eine grössere Bedeutung gewinnen. 

Embryokardie [Hlthard] (t6 htßovov Leibesfrucht, 
v. ZußovM hervorkeimen, f) y.aoMa Herz) ein eigenartiger 
dem fötalen Leben entsprechender Rhythmus des Herzens, bei 
welchem der erste und der zweite Herzton gleichlaut und in 
gleichen Intervallen sich folgend gehört werden. E. ist meist mit 
Pyknokardie is. d.) verbunden, kommt aber auch ohne letztere 
vor — E. diessocie\ 

Embryotomie s. Embryiilkic (rem-co schneiden, flxw 
ziehen; ßgvo sprossen) künstliche Zerstückelung des 
Embryo (wenn bei Schulterlage und Tod des Kindes die Wen- 
dung unausführbar ist). 

cf. Exenteratio, Decapitatio, Spondylotomie. — Cephalotomie. 

Fi niese (r) fycois Erbrechen, ifttco) i. q. Vomitus. 
Einetica {hunxo; sc. remedia) s. Yomitiva Brechmittel. 



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150 Emmenagöga 

Emmeita göga (sc. remedia — f)t/t»;w; monatlich, v. 

6 ft/jv u. äyo>y6<; herbeiführend) Mittel zur Hervorrufung 
oder Verstärkung des Monatsflusses. 

fimmetropie (ev — x6 ju^orMass — ff wy> das Sehen) 

Normalsichtigkeit (— cf. Hypermetropie) wobei der natür- 
liche Brennpunkt (bei Akkonunodationsruhe) des dioptrischeu 
Apparates ziemlich genau mit der Vorderfläche der Stäbchenschicht 
der Retina zusammenfällt. 

Emollientia (emollio erweichen) i. q. Demulcentia. 

Emphysem (h>, c/vaäco blasen) im allgemeinen das Auf- 
geblasensein des interstitiellen Bindegewebes eines Organes mit 
Luft oder Gasen; kurzweg für Lungen- E. gebraucht und zwar 
nicht in dem Sinne des echten E. (Emphysem a intersti tiale 
s. interlobulare), welches durch Eindringen von Luft in da" 
interstitielle Gewebe nach Zerreissung der Alveolenwände entsteht, 
sondern im Sinne der übermässigen Erweiterung der Lungenalveolen 
durch Exspirationsdruek und Inspirationszug mit allmählicher 
konsekutiver Atrophie und Verschmelzung der Alveolarsepta 
(genauer also: E-a alveolare s. vesieulare, Alveolar-Ektasie). 

Substantielles oder essentielles und vikariirendes 
oder komplementäres (com-pleo) E., je nachdem das E. selb- 
ständig aufgetreten oder dadurch zu stände gekommen ist, dass 
die betreffenden Alveolen die Funktion einer Anzahl anderer für 
die Luft unzugänglich gewordener Alveolen übernommen haben. 

E-a senile, Atrophia pulmonum, Zusammenf Hessen meh- 
rerer Alveolen durch einfachen senilen Schwund ihrer Zwischen- 
wände, also ohne Vergrösserung des Organs. 

E-a subcutanem» E. des Unterhautzellgewebes, entsteht 
durch Eindringen von Luft unter die Haut infolge abnormer 
Kommunikation mit den Luftwegen oder dem Mastdarm. 

E. vagi n ac vd. Kolpohyperplasia cystica. 

cf. Pneuniatocele. Pneuinatosis, Gangraena emphysematosa. 

Emprosthötoniift (f'u-.tgoadev nach vorn. v. .tW? ge- 
gen, 6 iovoz Spannung) vd. Tetanus. 

Empyema (tfuivas inneres Geschwür, ,-rvov Eiter, 
Ffinvqtta = E/tJTvtj | HippokratesJ ) s. Pyothorax Eiter brüst, 
eiteriger Erguss im Pleurasack, gewöhnlich das Produkt einer 
eiterigen Pleuritis, resp. der eiterigen Umwandlung eines anfangs 
serös-fibrinösen Exsudates, namentlich im Gefolge von Pneumo- 
thorax. 

E. artieuli i. q. Synovitis acuta suppurativa. 

E. neeessitatis spontan nach aussen durch den Brustkorb 
durchbrechendes E. 
cf. Peripleuritis. 



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Encephalomalacie 



151 



K ii a ii t h em (evdv&tifia v. er u. äv&eo> blühen, dem Wort 
Exanthem nachgebildeter, nicht mehr recht gebräuch- 
licher Ausdruck) im Gegensatz zu Exanthem: innerer 
Ausschlag, Ausschlag auf Schleimhäuten als welchen man 
z. B. die Typhusgeschwüre der Darmschleimhaut betrachtete etc.). 

Encephalitis (6 ty-xfyaXoe; was eich im Kopfe be- 
findet, das Gehirn) die eigentliche Hirnentzünduug (cf. 
Meningitis), herdförmige entzündliche „rote Erweichung", 
welche die Tendenz hat, zu makroskopischen Eiteransammlungcn 
im Umfange des Herdes zu führen. In anderen Fällen tritt 
Verfettung — gelbe Erweichung — und Resorption oder sklero- 
tische Induration ein. Scheint idiopathisch nicht vorzukom- 
men [ZH]. 

E. acuta infantum i. q. Hemiplegia spastica infautilis. 
cf. Encephalomalacie, Poliencephalitis. 

Encephalocele 0; xr'ifo} Bruch) Hirnbruch, ange- 
borener (selten erworbener [Traumen!) , auf hydrokephaliseher 
Grundlage beruhender Zustand, wobei aus einer von den Schädel- 
knochen gebildeten Pforte die Hirnhäute als Bruchsack sich aus- 
stülpen, welche entweder nur Wasser (Hyd roineninyfocele , 
Hydroccphalus herniosus) oder gleichzeitig Gehirn teile 
(Hydren cephalocele) enthalten. 

* cf. Cephalocele, Cephalhämatocelc, Porencephalie. 

Encephaloid (Endung -eiörjg vom Stamm etdco ähn- 
lich sein) i. q. Carcinoma medulläre. 

Encephalomalacie (uakaxog weich) Gehirner- 
weichung, eine häufige Folgeerscheinung vieler pathologische) 
Prozesse, in einer Auflockerung der nervösen Elemente bestehend, 
zwischen die seröse Flüssigkeit tritt, so dass ein weicher Brei 
entsteht. 

Zu unterscheiden : 

Akute Gehirnerweichung infolge von 1) Entzündung, 



Chronische Gehirnerweichung. 
Anatomisch unterscheidet man: 

1) Die rote, hauptsächlich in der grauen Substanz auftretende 
Erweichung mit punktförmiger, roter Färbung, geringer 
Herabsetzung der Konsistenz und Schwellung. 

2) Die gelbe Erweichung aus der ersteren hervorgehend 
mit weicher Konsistenz und körnigem Aussehen. 

3) Die weisse Erweichung von dem Aussehen der normalen 
Hirnsubstanz nicht verschieden, mit der Konsistenz nach 
kaum veränderter oder zerfliessender Substanz, verschwom- 
menen Grenzen und hauptsächlichem Sitz in der weissen 
Hirnmasse. 

Der schliessliche Ausgang der Erweichung besteht in Binde- 
gewebshyperplasie mit Narben- oder Kystenbilduug. 



2) arterieller Verstopf 




3) venöser Verstopfung und 



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152 



Encephalopathia 



Die t klinischen Symptome der akuten Gehirnerweichung haben 
grosse Ähnlichkeit mit denen der Gehirnblutung (vd. Apoplexia 
cerebri) unterscheiden sich aber von der letzteren durch das 
häufigere Auftreten von Aphasie (Embolie der mittleren Gehirn- 
arterie), die partielle Hemiplegie (Monoplegie eines Armes oder 
des Gesichtes und eines Armes infolge der Rindenläsion). die 
häufigeren rekurrirenden Konvulsionen, und im subchronischen 
Stadium häufigere Inkoordination und Athetose. Feiner ist bei der 
Gehirnerweichung die Gedächtnissschwäche und der geistige Defekt 
stärker und das Fehlen von Herdsymptomen häufiger. 

Chronische (progressive) Gehirnerweichung hat fast 
immer ihren Sitz in der weissen Substanz der Hemisphären, be- 
steht in einfacher weisser Erweichung mit sekundärer Affektion 
der grauen Rinde und verläuft unter dem Bilde der motorischen 
und sensibeln Hemiplegie. 

Encephalopathia (ro xado* Leiden) Gehirnleiden. 

E. saturnina die schwerste Form der chronischen Blei- 
vergiftung, in verschiedenartigen, auf Bleiintoxikation des Ge- 
hirns beruhenden Zuständen bestehend, deren gewöhnlichste die 
Eklampsia saturnina ist, während als seltenere, zuweilen 
aber gleichzeitige Erscheinung die Bleia mau rose, ausserdem 
inaniakalische Aufregung oder melancholische Depression vor- 
kommen. 

cf. Saturnismus, Eklampsie. 

Enehondroma (iv- X ov6g6a) verknorpeln, v. h> an u. 
yovdgog Knorpel), auch Chondrom (s. d.) Knorpclgeschwulst, 
Geschwulst aus Knorpelgewebe mit bindegewebigem Stroma 
zwischen den einzelnen Knorpelläppchen, häufig mit sekundärer 
Verkalkung (Ostcoidehond rom) oder schleimiger Erweichung 
einzelner Partien (E. myxomatodes) oder zystoider Entartung 
<E. cysticum). 

Endarteriitis (iv oder fvöov innen, rj dQTfjgia Arterie, 
vd. Arteriitis) Entzündung der Tunica intima der Arterien. 

E. chronica deforinans, Arteriosklerose, auch Athcrosc, 
der atheromatöse Prozess, die chronische deformirende Ge- 
fässhautentzündung besonders der Greise und Arthritiker. Das 
erste Stadium ist eine zirkumskripte sklerosirende Hyper- 
plasie der Intima, das zweite Stadium ist entweder eine Er- 
weichung der neugebildeten Lamellen infolge fettiger Degeneration, 
ein atheromatöscr Abszess, der zum Durchbruch in das Lumen 
des Gefässrohres führt, wodurch sinuöse Geschwüre entstehen, 
oder eine Verkalkung in Form dünner Knochenplatten. Damit 
kombinirt ist gewöhnlich die fettige Usur (s. d.» und eine Ver- 
kalkung der Muskel spindeln der Tunica media. 

cf. Atherom. 

E. obliterans (oblittero — oblino verwischen, auslöschen) 



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Endocranitis 



153 



besteht in einer allmählich zunehmenden Verdickung der Intima 
durch Zelleninfiltration, die zu Verengerung und Verschluss des 
Arterienlumens führt und fast ausschliesslich die mittleren und 
kleinen Arterien befällt. 

E. (Arteriitis) syphilitica durch konstitutionelle Syphilis 
verursachte Verdickung der Innenhaut, später auch der ganzen 
Wand zirkumskripter Stellen der Arterien besonders im Gehirn, 
die zu beträchtlicher Verengerung des Gefässlumens führt, nicht 
fettig entartet, sondern sich entweder organisirt cxler narbig 
schrumpft. 

Endemie (iv, 6 brjftos Volk) stationäre, lokal einheimische, 
in ihrer Entstehung an gewisse Orte gebundene Volkskrankheit, 
cf. Epidemie, Epoikie, Pandemie. 

Endocarditift (evöov Adv. innen, rj xaobia Herz) Ent- 
zündung der Innenhaut des Herzens. 

E. verrucosa acuta und subacuta {Verruca Warze) die 
gewöhnliche Form der akuten E. An den Klappen und Sehnen - 
fäden bilden sich hahnenkamm- oder kondylomartige Exkres- 
zenzeu. 

Akute rekurrirende E. eine akute, auf dem B<xlcn einer 
chronischen sich entwickelnde E. 

Rheumatoide E. | Litten] schwere, häufig tötliche, aber 
nicht septische Form, am häufigsten im Anschluss an akuten Ge- 
lenkrheumatismus. 

E. blennorrhoica (selten, zur vorigen Form gehörig), im Ge- 
folge der Gonorrhoe auch ohne vorhergehende Gelenkaffektion 
auftretend. 

E. chronica fibrosa ist entweder der Ausgang der akuten 
Form oder von vornherein eine chronische sklerosirende und 
retrahirende E. und neben dem Atherom die Ursache der allmäh- 
lich sich entwickelnden Klappenfehler. 

E. diphtherica s. lnykotica s. maligna, früher ulcerosa ge- 
nannt. Charakteristisch ist eine breiig-schmierige Auflagerung auf 
die Klappen besonders des linken Herzens mit Durchwuchcrung des 
Endokard mit körnigen Partikelchen, welche in vielen Fällen als Mikro- 
kokken erkannt worden sind, von denen aus häufig Embolien 
stattfinden. Die Krankheit tritt sekundär als Tcilerscheinung 
septikämischer Zustände auf, in anderen Fällen aber ohne einen 
nachweisbaren primären Erkrankungsherd bei Polyarthritis rheu- 
matica. Als ihre Ursache ist wahrscheinlich der Staphylo- 
kokkus pyo genes aureus (s. d.) anzusehen, der auch durch 
die unverletzte Haut [Garre] in den Körper eindringen kann, 
wodurch sich vielleicht die kryptogenetischen Formen der Septi- 
kämie und der malignen Endokarditis erklären lassen. 

Endoeranitis (cranium r6 xgavtov knöcherne Schädel, 
xuq Hirn) i. q. Pachymeningitis externa. 



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154 



Endokolpitis 



Kndokolpitis Entzündung der Vagina unter ausschliess- 
licher Beteiligung der Mukosa und Submukosa, im Gegensatz zur 
Perivaginitis (s. d.). 

cf. Kolpitis. 

Endometritis (rj //>Jroa Gebärmutter) die Entzündung 
der Gebäniiutterschleinihaut (uterine Leukorrhoe). 
Nach dem Verlauf unterscheidet man: 

E. acuta die akute Entzündung der Gebärniutterschleinihaut. 
die sich hauptsächlich auf das Corpus uteri erstreckt und durch 
profusen serösen Ausfluss aus dem Muttermund, der häufig Ex- 
foliationen zeigt, charakterisirt. Zugleich besteht starke Ab- 
schilferung des Epithels des Uterus. Bei eiteriger Sekretion 
spricht man von E. puruleuta, bei stattgehabter Tripperinfek- 
tion von E. gonorrhoica; und 

E. chronica die manchmal aus E. acuta hervorgeht, meist 
jedoch von Anfang an eine chronische ist. E. ehr. ist häufiger 
eine E. cervicalis als E. corporalis. Man unterscheidet eine 
E. interstitialis (E. fungosa Olshausen) und eine E. glan- 
dularis, letztere in schworen Fällen zu Zystenbildung (Ovula 
Nabothi) führend. 

E. crouposa und diphtherica sind nieist Teilerscheinungen 
schwerer Infektionskrankheiten, namentlich der Fe bris puer- 
peral is (s. d.) und des Typhus, und charakterisiren sich durch 
Bildung krupöser Membranen im Endometrium oder durch diph- 
therische Schorfe. 

E. dissecans , s. exfoliativa vd. Dysmenorrhea mem- 
branaeea. 

E. decidualis catarrhalis vd. Hydrorrhoe. 

E. decidualis polyposa eine zum Abortus führende Ent- 
artung der Decidua vera in schwangeren, endometrisch affizirten 
Gebärmüttern, wobei die entzündliche Hyperplasie zur Bildung 
sehr zahlreicher bis erbsengrosser Polypchen führt, welche der 
Innenfläche der die Uterushöhle auskleidenden Membran auf- 
sitzen. 

E d. chronica diffusa chronisch entzündliche diffuse Ver- 
dickung der Decidua vera, zuweilen auch unter Teilnahme der 
reflexa, der vorigen Form analog. 

E. placentaris hypertrophica vd. Placentitis. 

En do phlebitis {f) <pley, (pfoßos Vene) Entzündung der 
inneren Venenhaut. 

E. acuta vd. Phlebitis acuta. 

E. chronica ist analog der Endarteriitis, mit Verdickung 
und Verkalkung imd findet sich in Venen, welche einem hohen 
Druck des Blutes ausgesetzt waren. 

E. portalis vd. Pylephlebitis. 



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Entartungsreaktion 



155 



Endoskop (oxoxeco besehen) Instrument zur Beleuch- 
tung und Untersuchung des Innern der Urethra, der Blase, des 
Mastdarms etc. 

ct. Speculnm, Urethroskop.' 

Endospor vd. Sporulation. 

EndostethoNkop (vd. Stethoskop) Vorrichtung zur Aus- 
kultation durch den Ösophagus, bestehend aus einer Schlundsondc, 
oder aus einem Magenschlauch, an dessen oberen Ende die Hör- 
muschel eines Stethoskops befestigt ist. 

Endotheliom (siehe die Erklärung von Epithelioma!) Neu- 
bildung, t>ei welcher die zellige Wucheruug vom Endothelium der 
Lymphgefässe und der Lymphspalten ausgeht. 

Engastrins (h u. ?; yaottw, yaorgtk Bauch) Doppclmiss- 
geburt aus der Reihe der Thorakopagi, bei der der eine Embryo 
Terkümmert ist und als parasitische, von einem besonderen Sack 
umgebene Masse in der Bauchhöhle des anderen liegt, 

cf. Epigastrius. 

Engouement (franz.) die Anschoppung, gewöhnlich 
vom ersten Stadium der krupösen Pneumonie, 
ef. Incarceratio etercoralis. 

Enkanthis (/J iy-xav&ig die hervortretende Ka- 
runkel im inneren Augenwinkel, v. 6 xav&6g Augen- 
winkel) Geschwulst der Thränenkarunkel. 

Das Leiden ist manchmal ein für sich bestehendes, tritt aber 
meist im Gefolge von entzündlichen Affektionen der Konjunktiva 
oder im Anschluss an Allgemeinerkrankungen (Syphilis: E. lue- 
tica) auf. 

cf. Epikanthus, Rhyas. 

Enorchisiimw (er, 6 oQ/jg Hoden) vd. Kryptorchismus. 

Enophthalmus (6 örp&akfwg Auge) Zurücktreten 
des Bulbus in die Augenhöhle bei Krampf der äusseren 
Augenmuskeln, bei der spastischen Form der Migräne, sowie nach 
Kontusion des Auges infolge von Atrophie oder narbiger Schrum- 
pfung des (im letzteren Falle entzündeten) retrobulbären Zell- 
gewebes. 

cf. Exophthalmus, Mikrophthalmus. 

Euostose (to ooxeov Knochen) ist eine Exostose mit der 
Richtung nach innen, also z. B. nach dem Markraum der Röhren- 
knochen, an der Innenfläche des Schädels etc. 

Entartungsreaktion, Abbr.: EaR. Eine von Baier- 
lacher zuerst genauer beobachtete Änderung der elektrischen Er- 
regbarkeit von Nerv und Muskel, welcher Erb den Namen Ent- 
artungsreaktion gegeben hat. Sie hat ihre Ursache in Degene- 
rationsvorgängen in Nerv und Muskel (Myelinzerklüftung im 
Nerven, Kern Wucherung in Nerv und Muskel u. s. w.) und findet 



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1 



156 Enteralgie 

sieh am typischsten bei Affekt ionen der peripheren Nerven und 
Poliomyelitis anterior , jedoch auch mehr oder weniger ausge- 
sprochen bei einer Reihe anderer spinaler und bulbärer Erkran- 
kungen. Das normale Zuckungsgesetz für den galvanischen Strom, 
nach welchem bei Erregung von Nerv oder Muskel zuerst die 
Kathodenschliessung eine Zuckung auslöst (KSZ), dann die Anoden- 
offnung (AOZ) und fast gleichzeitig die Anoden Schliessung (ASZ), 
während die Kathodenönnung erst sehr spät oder, gar keine 
Zuckung erzielt (KOZ), erleidet hierbei häufig Änderungen. 
Während man in den Anfangsstadien z. B. einer peripheren 
Nervenlähmung ein mehr und mehr zunehmendes Sinken der 
galvanischen und faradischen Erregbarkeit von Nerv und Muskel 
beobachtet, die später völliger Unerregbarkeit beim Nerven Platz 
macht, findet sich im Muskel meist in der zweiten Woche des 
Bestehens einer Lähmung eine Ubererregbarkeit für den konstanten 
Strom bei völligem Erlösehen der Erregbarkeit für den faradischen 
und an der Stelle der im gesunden Muskel blitzartigen Zuckungen 
einen trägen, langsam ablaufenden Zuckungsmodus. Zugleich 
findet sich meist das normale Zuckungsgesetz in der Weise ver- 
ändert, dass ASZ bälder eintritt als KSZ, während zugleich KOZ 
mehr und mehr an AOZ herantritt oder letztere überwiegt. Ausser 
dieser „kompleten Entartungsreaktion'' beobachtet man bei ver- 
schiedenen Affektionen eine Reihe von Modifikationen. Von diesen 
ist die häufigste die partielle Entartungsreaktion, bei welcher die 
Erregbarkeit des Nerven für beide Stromarten herabgesetzt ist, 
der Muskel aber auf den galvanischen Strom mit träger Zuckung, 
häufig unter Umkehrung des normalen Zuckungsgesetzes, reagirt. 
Die meisten Autoren bringen das Auftreten der Entartungsreaktion 
in Zusammenhang mit Degeneration von Nerv und Muskel, doch 
will Jolly dieselbe auch im gesunden Muskel beobachtet haben, 
et". Atrophische Lähmungen. 

Enteralgie (r6 tvrr.gov Gedärm, r6 ä'/.yoc; Schmerz) 

i. q. Rolika. 

Entere ktomie {ixjipvm ausschneiden) das Heraus- 
schneiden eines Darmstückes — Dannresektion. 

Enteritis Darmentzündung oder Darmkatarrh (E. 
catarrhalis, Enterocatarrhus, Catarrhus intestinalis). 

Je nach dem Sitze der Erkrankung unterscheidet man 
Duodenitis, Ileitis, Typh litis, Kolitis, Proktitis, bei 
Verbindung mit Magenkatarrh Gastroenteritis, Gastro duo- 
denitis. Die Schleimhaut ist fleckig oder diffus gerötet, ge- 
schwellt und das Epithel in verschiedener Ausdehnung abge- 
stossen, wodurch es zu katarrhalischen (Erosions-)Geschwüren 
kommen kann. Beim chronischen Dannkatarrh schwellen die 
solitären Follikel an, werden pigmentirt und wandeln sich zuletzt 
zu Geschwüren um (E. follicularis, häufige Ausgangsform 



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- 



Enteroklysis 



157 



protrahirter chronischer Darinka tarrhe bei kleinen Kindern, vd. 
Tabes niesaracia). Die Mucosa wuchert an zirkumskripten Stellen 
in Form von Papillargeschwülsten (E. polyposa, oder wenn 
damit noch Schleimretention in den Lieberkühn 'sehen Drüsen- 
schläuchen verbunden ist: E. cystica polyposa). — Auf die 
freie Fläche findet besonders bei der akuten Form entzünd- 
liche Exsudation statt; vd. Diarrhoe. 

cf. Febri8 gastr., Cholera nostras, Ulcus follicul. 

E. phlegmonosa (submueosa puruleuta) entspricht der 
Gastritis phlegmonosa und tritt auf im Gefolge heftiger Reizungen 
der Darmwaud, bei Darmgeschwüren und als metastatische Ent- 
zündung. 

E. diphtherica. Ausser bei der spezifischen Darmdiphtherie, 
der Dysenterie, kommt eine diphtherische Entzündung als einfache 
intensive Entzündungsform noch bei Stagnation von Fäkalmassen 
und im Verlauf verschiedener chronischer und septischer Er- 
krankungen vor. 

cf. Enterohelkosis. 

Enteroanastomosis (üva, t6 oro'/m Mund dramo^oa} 
öffnen) Herstellung einer Kommunikation zwischen 2 Darm- 
stücken nach Resektion wegen Invagination, Stenose etc., entweder 
unter Anwendung der Plattennaht (dekalcinirter Knochen — Senn) 
oder der Knopfnähte (Braun). 

Enterocele (rj xr/?.tj Bruch) Eingeweidebruch, vd. 
Hernia. 

Enterocentesis (xevri(o stechen, xem/oi? Stich) die 
Punktion des Darms, ein hauptsächlich bei hochgradigem Meteo- 
rismus geübtes Verfahren von nur palliativem Wert, nach Eröff- 
nung der Bauchhöhle zur Verkleinerung von meteoristi sehen Dann- 
convoluteu meist von schädlichen Folgen. 

Enterod y nie (r) odvrr] Schmerz) i. q. Kolika. 

Enter oepiplocele (vd. Epiplocele) Darmnetzbruch, 
d. h. Darmbruch mit vorgelagertem Netz. 

Enterohelkosis (vd. Helkosis) Darm versch wärung, 



und sehr seltenen syphilitischen kann man ätiologisch noch 
unterscheiden: sterkorale Druckbandgeschwüre, dann ka- 
tarrhalische (incl. follikuläre) peptische und tuberkulöse 
Geschwüre. Peptische Geschwüre sind solche, welche durch die 
Wirkung des im Darme befindlichen Verdauungssaftes, besonders 
in den oberen Teilen des Darms analog dem Ulcus chron. rotimd. 
des Magens zu stände kommen sollen. 

Enteroklysis [Cantani] {xUC(a bespülen) die Darm- 
ausspülung mit Wassern oder Arzneimitteln (gerbsaure E. etc.) — 
Verfahren zur Behandlung der Cholera u. anderer Darmaffektionen. 



I) 




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158 



Enterolithen 



Eiiterolitlien (6 Udo? Stein) Darm- oder Kotsteine, 
werden besonders im Cöcum gefunden, haben meist einen Fremd- 
körper zum Kern und bestehen neben Cellulose imd anderen 
Resten vegetabilischer Substanzen aus phosphorsaurer Ammoniak - 
magnesia, phosphorsaurem und kohlensaurem Kalk. 

cf. Calculus. 

Enteroptosis s. S p 1 a n c h n o p t o s i s (ro axiayyyov Ein- 
geweide t) ^r(7)otg v. .-r/'vTro> fallen) [Glenakd] Senkung der 
Baucheinge weide infolge von Anstrengungen (Heben), Er- 
schlaffung u. Atonie der Eingeweide und ihrer Ligameute, nach 
Entbindungen, rascher Abmagerung Fettleibiger, nach Typhus u. 
1 )vsenterie. 

Enterorhagie (fäyvvfu bersten) die Darmblutung. 

Enterorhaphie (»? gacptj Naht) die Darm naht. 

Enteroskop {oxoneto sehen) ein von Leiter verfertigtes 
Instrument zur Beleuchtung der Dannhöhle mit dem elektrischen 
Glühlieht, 

Enterostomie {r6 crofta Mund) Anlegung einer künst- 
lichen Darmfistel. 

Enterotomie {reurco schneiden) Darmschnitt, 
künstliche Eröffnung eines Dannstückes oberhalb erkrankter Darm- 
stellen. 

Bnterotoiii Darmschee re, scheerenförmiges Instrument mit 
stumpfen, rinnenfönnig ausgehöhlten Branchen, die sich durch 
Schraubenvorrichtung einander nähern lassen, wodurch der mittlere 
Teil der sog. Klappe (Promontorium, s. d.) koinprimirt und durch- 
gcquetscht wird. 

cf. Kolotomie, Typhlotomie, Proktotomie, Gastrotomie, Laparo- 
tomie. 

Enterotyphus = Typhus abdominalis. 

Enthelminthen {htog Adv. innen, fj «X/«r;, ivdoz 
Wurm) Eingeweidewürmer, vd. Helminthiasis. 
cf. Organozoen, EntozoeD. 

Entophyten (<? t(o wachsen) pflanzliche Parasiten im 
Innern des Körpers. 

cf. Epiphyten, Entozoen. 

Entotiach {ro o»V, tbrog Ohr) nennt man Geräusche oder 
Hörempfindungen, denen Tonschwingungen zu Grunde liegen, 
welche im Innern des Ohres oder in dessen Nähe im Körper 
selbst erzeugt werden. 

cf. Sonitus et Susurrus aurium. 

Entozoen {ro £<po%> Tier) tierische Parasiten, welche 
das Innere des Kuriers bewohnen. 

cf. Epizoen, Entophyten, Enthelminthen, Organozoen. 



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Ephelia 159 

Entropie (ii-'Qc.ieiv nach innen wenden) die Ein- 
wärtskehrung. 
et'. Ektropie. 

Entropium die Einwärtskehrnng der Augenlider, meist 
mit Trichiasis (s. d.) verbunden. 
Man unterscheidet : 

E. orffanieum durch Verkürzung des Tarsus infolge von 
Conjunctivitis diphtherica oder blennorhoica oder durch Narben- 
kontraktion der Conjunctiva (Xarben-E.) hervorgerufen. 

E. spasticum s. inuscularc durch Kontraktion des Ciliar- 
teils des Muse, orbicularis, häufig infolge teilweiser seniler Atonie 
(E. senile). 

cf. Ektropium. 

Enncleatio (v. enucleare auskernen, nucleus Kern, 
hujc NUSS) Exartikulation in den Gelenken der Finger und 
Zehen. 

E. bulbi (bulbus, ßolßoc, eig. Knolle, Bolle) Exstirpation 
des Augapfels. 

Sie besteht entweder in einer Ausschälung des Augapfels aus 
seiner Kapsel oder in einer Entfernung des ganzen Orbitalinhalt* 
lExenteratio orbitae). 

cf. Exenteratio bulbi, Neurotomia optico-ciliaris. 

Enuresis (iv-oi>Qew hineinpissen) unfreiwilliger 
temporärer Urinabgang. 

E. nocturna die unwillkürlichen Urinentlcerungcn finden 
nur im Schlafe statt, hauptsächlich bei Kindern vor der Pubertäts- 
zeit, infolge Schwäche oder Anästhesie des Sphinkter gegenüber 
der Reizbarkeit, des Detrusor. 

E. spastica der bei Cystospasmus eintretende unfreiwillige 
Harnabgang, bezw. das mit Cystospasmus verbundene Bedürfnis 
zu abnorm häufiger Urinentleerung. 

cf. Incontinentia, Dysurie. 

Enzym [W. Kühne] das hydrolytische Ferment, so genannt 
im Gegensatz zu den organisirten Fermenten (Hefe, Spaltpilzen 
etc.). I)ie E. (z. B. Pepsin, Trypsin) bewirken Spaltung der zu 
verdauenden Körper unter Wasseraufnahme der letzteren. 

Ependymitis («w, ™ fodvpa Ankleidung, Oberkleid) 

die Entzündung des Ependyms der Hirnventrikel, meist bei 
Hydrocephalns congeuitus beobachtet, 
cf. Hydrocephalus. 

Ephelia, Plur. Ephelides (i) eqrtjtis v. f.n' u. rft.iog an der 

Sonne) Sommersprossen, sind zahlreiche sehr kleine Lentigines, 
die im Sommer an den entblössten Teilen stärker hervortreten als 
im Winter, nicht aber durch den Einfluss der Sonne erzengt sind. 



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160 Ephemera 

Ephemera (sc. Febris ; fy-yfiegos Adj. für einen Tag 
dauernd, bestimmt etc., inl auf, im Gegensatz zu Febris 
»synoeha [ovvoxog anhaltend]) plötzlich und besondere bei 
Kindern (oft nach deutlichen Erkältungen) eintretendes und in 
1—3 Tagen entweder ohne jede Lokalisation, oder mit leichten, 
zur Höhe des Fiebers in keinem Verhältnisse stehenden, oder 
demselben nachfolgenden Lokalaffektionen verschiedener Schleim- 
häute, Anginen, rheumatoiden Erscheinungen, Neuralgien etc., 
welche neben dem Fieber verlaufen, dasselbe aber nicht be- 
dingen. In diesem Sinn kann man von Febris rheumatica, 
herpetica, catarrhalis etc. sprechen, muss aber davon 
unterscheiden Catarrhus oder Rheumatismus febrilis, bei 
welchen das Fieber durch die Lokalaffektionen bedingt erscheint 
und ihrer Intensität zu entsprechen pflegt. 

cf. Refrigeratio, Febris herpet. 

Ephidrosis (fj itp-idgooig [Hippokrates] das Schwitzen 
im allgemeinen. 

E. uni lateralis das einseitige Schwitzen meist im Gefolge 
von einseitiger Lähmung (Facialislähmung, Hemiplegie), 
cf. Sudor, Hyperidrosis. 

Epiblepharon (to ßXe<pagov Augenlid) i. q. Epikanthus. 

Epicystotomie (im oberhalb, fj xvoti? Blase, 17 to/«;/ 
Schneiden ri^vco) vd. Lithotomie. 

Epidemie (im drüber hin, 6 Stj^iog Volk) temporär 
intermittirende allgemein verbreitete Volkskrankheit mit multiplen 
Prädilektionsherden [Geigel], 

cf. Endemie, Pandemie, Epoikie. 

Epidermidophyton (% imdegfitg Oberhaut von im, 

hegfxa u. cpvtov Pflanze v. <pvw wachse) [Lang] der Pilz der 
Psoriasis. Derselbe soll in Gestalt von rundlichen Brutzellen mit 
doppelt konturirter glänzender Membran und protoplasmatischem 
Inhalt in der Psoriasishäutchen genannten Reteschicht unmittelbar 
über den Papillen sitzen. 

Epidermidosis [Auspitz] Sammelnahme für Wachs- 
tumsanomalicn der Haut mit epithelialem Ursprung und Typus. 

Epidermolysis (*/ Xvaig Losung) Loslösung der 
Epidermis unter Blasenbildung, entweder künstlich z. B. durch 
Vesikantien, durch verschiedene Reize, wie Reibungen, Druck der 
Schuhe, oder als krankhafter Zustand — E. bullosa hereditaria 

[KÖBNEB]. 

cf. Akantholysis. 

Epididymitis (t) imdtdviik was auf dem Hoden — 
biövfioq — gelegen ist, sowohl Hodenhaut, als Neben- 
hoden, v. dvco zwei) Nebenhodeneutzündung. 



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Epüepsia 161 

E. acuta entsteht entweder traumatisch, oder metastatisch 
(und dann gewöhnlich mit Orchitis, bei Pyämie, Blattern), oder 
am häufigsten von irgend welchen Reizungen der Urethra, 
namentlich Gonorrhoe durch die Vasa deferentia fortgeleitet: 
E. urethralis (gonorrhoica). 

E. chronica Abszessbildung im Nebenhoden mit sehr chro- 
nischem Verlauf, im Gefolge chronischer Entzündungen der Harn- 
röhre. 

E. caseosa s. tuberculosa, Phthise (Tuberkulose) des Neben- 
hodens. „Es bildet sich in kurzer Zeit unter Schmerzhaftigkeit 
eine Anschwellung des Hodens , resp. Nebenhodens. Dieselbe 
erreicht gewöhnlich schon im Verlauf von acht Tagen, seltener 
erst nach einigen Wochen ihre definitive Grösse, und es tritt 
fast regelmässig ein Aufbruch imd Bildung einer Fistel ein, 
welche nun durch Jahre hindurch bestehen bleibt 4 ' [Pitha und 
Billroth J. E. tuberculosa bildet häufig den Ausgangspunkt 
für Miliartuberkulose. 

cf, Orchitis. 

Epigaatrina («rf auf, >/ yaartig Bauch) Doppelmiss- 
bildung aus der Reihe der Thorakopagi, bei der. der eine Embryo 
verkümmert ist und als parasitische Masse frei oder subkutan in der 
Regio epigastrica des anderen sitzt. 

cf. Engastrius, Teratom, Intrafotation. 

Epiglottitis catarrhalis (Epiglottis Hippokrates 
Kehldeckel v. im u. rj ykwxra eigentlich über der Zunge, 
d. h. über dem Sprach Werkzeug, dem Kehlkopf) s. 

Angina epiglottidea umschriebene Entzündung des Kehl- 
deckels, verbunden mit grossen Schlingbeschwerden, gewöhnlich 
auf lokale Schädlichkeiten zurückzuführen. 

Epignathua (>/ yvddog Kinnbacken) parasitische Form 
des Prosopothorakopagus, wobei das eine Individuum verkümmert 
und als parasitische Masse am Gaumen des reifen Fötus befestigt 
ist, indem es eine grosse, aus dem Mimde des letzteren hervor- 
ragende Geschwulst bildet. 

cf. Teratom, Intrafotation. 

Epikanthna (6 y.av&6$, Augenwinkel) s. Epiblepliaron 

A u g e n w i n k e 1 f a 1 1 e , .angeborener Uberschuss von Haut auf dem 
Nasemücken, welcher Übcrschuss in Form einer vertikalen Haut- 
falte die medialen Augenwinkel überbrückt [Stellwag]. 

Epikrise (em-xg{v<o [em' nach, darauf] durch End- 
urtheil entscheiden) Endurtheil. 

Epilation vd. Epiliren. 

Epilepaia (fj faiXqyns von fatXapßavui ergreifen, be- 
fallen, — aber nicht mit dem Begriff des zu Boden 
Fallens) s. Morbus cauueus, saeer „Fallende Sucht" etc., 

Rotir« Klinische Terminologie. I. Aufl. \\ 



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1(32 



Epilepsia 



eine funktionelle Neurose, deren unbekannte Ursache vermutlich 
in einem Reizzustande der Grosshirnrinde zu suchen ist, deren 
wesentlichstes Symptom der epileptische Anfall ist. Dieser setzt 
plötzlich oder nach vorhergehender Aura (s. d.) mit völligem 
Verlust des Bewusstscins ein, besteht in der Hauptsache aus 
-allgemeinen, anfangs tonischen, später klonischen Krämpfen, 
-Cyanose, Erweiterung und Reaktionslosigkeit der Pupillen und 
endigt mit dem sogenannten postepileptischen Koma (s. d.), 
welches allmählich in Schlaf übergeht. In schweren Fällen 
häufen sich die Anfälle an Einem Tage, in leichteren bestehen 
freie Intervalle von Tagen bis Monaten. Bei manchen Kranken 
treten die Anfälle bei Tage (E. diurna), bei anderen des Nachts 
(E. nocturna) auf. 

Man kann vier wesentliche Formen der Anfälle unter- 
scheiden : 

1. E. gravior, haut mal, Fälle von E., bei denen die 
Paroxysnien mit Koma und allgemeinen Konvulsionen auftreten. 

2. E. mitior, petit mal, durch blosse paroxysmelle Bewusst- 
seinspausen ohne Krämpfe charakterisirt. 

3. Abortiv.anfälle, bei denen neben dem Bewusstseins- 
verlust unbedeutende, auf einzelne Muskelgebiete beschränkte 
Zuckungen erscheinen. 

4. Unregelmässige Formen der E., bei denen z. B. das 
Koma fehlt, oder unbewusste automatische Bewegungen aus- 
geführt werden, oder transi torische psychische Störungen (cf. 
Delirium epilept.) an die Stelle der Anfälle treten, oder die 
Anfälle in solche übergehen, oder Paralysen oder Aphasie im 
Gefolge haben. 

Epileptische Äquivalente vd. Äquivalente. 

Epileptoide Zustände vd. Vertigo epilept. 

Unwesentliche Unterscheidungen sind : 

E. vasomotoria solche Fälle, bei denen die Erscheinungen 
des arteriellen Gefässkrampfes (Gesichts, Extremitäten) stärker als 
gewöhnlich und namentlich schon vor dem Ausbruch von Kon- 
vulsionen längere oder kürzere Zeit bemerklich sind. 

Status epilepticus epileptische Anfallsgruppen mit Schlag 
auf Schlag sich folgenden Abfällen, zwischen denen die Kranken 
im Koma verharren, während hohes Fieber besteht und oft ein 
hemiplegischer Zustand oder tötlicher Ausgang eintritt, 

Ausser der echten E. unterscheidet man noch: 

Reflex -E., bei welcher die Krampfanfälle reflektorisch von 
irgend einem erkrankten Körperorgan ausgelöst werden, und 

Traumatische E., Anfälle im Gefolge von Verletzungen 
des Schädels mit Läsion oder Reizung der Gehirnrinde durch 
Narben. 

cf. Aura, Koma epilept., Eklampsie, Hemiplegie, Hysterie. 



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Epithelioma 163 

Epiliren, Epilation (pitlus das Haar) das Aus- 
ziehen der Haare. — E. mit der Pechhaube ist Pieacis- 
mus {jpix das Pech) genannt worden. 

Epiphora (»5 faupoga Zufluss, Hervorbrechen, v. Lti 

u. (figcü) Thränenfluss, Thränenträufeln. 
cf. Dakryorhoe, Stillicidium. 

Epiphyten {jbit-qv<o auf etwas wachsen) pflanz- 
liche Parasiten der äusseren Haut, 
cf. Entophyten, Epizoen. 

Epiplocele (ro inktioav Netz [HlPPOKRATES], V. t] arkZa 

die Haut, t) xtßrj Bruch) Netzbruch, 
cf. Heroia. 

Episiorhaphie (ro fatociov Schamgegend, v. faf u,of<7», 
ücLttw nähen) Vereinigiuig der Seiten des Scheideneinganges 
durch die blutige Naht nach vorgängiger Anfrischung zur Ver- 
engerung der Schamspalte, um Uterusvorfälle dadurch zurück- 
zuhalten. Die Methode ist veraltet und durch die Kolporha- 
phia anterior imd posterior ersetzt. 

cf. Elytroraphie. 

Episiotomie (w/mo schneiden) die blutige Erweiterung 
des Scheideneingangs, eine Operation welche bei Gefährdung des 
Dammes durch die Geburt zur Ausführung kommt. 

cf. Symphyseotomie. 

Episkleritis (axXtjgog hart, Hyrtl: oxXrjgu /ifjvtyi, dura 
membrana) Entzündung des episkleralen, d. i. zwischen Sklero- 
tika und Konjunktiva gelegenen Bindegewebes, meist sekundär 
und symptomatisch bei Entzündungen von tiefer gelegenen Teilen 
des Auges. 

cf. Skleritis. 

Epiapadie (ln-oxäto nach oben ziehen, sc. die Harn- 
röhrenmündung) oder Anas päd ie, Fissura urethrae superior, 

Mündung der Harnröhre auf dem Rücken des Penis infolge 
mangelhaften fötalen Verschlusses der Urethra. 

Epispadiaeus der an E. Leidende. 

cf. Hypospadie, Ektropie. 

Epispastica (sc. remedia, tmojiaoTixos an sich ziehend, 
herbeiziehend) Zugmittel, Mittel, welche einen starken Haut- 
reiz ausüben, die Haut röten oder Blasen ziehen. 

cf. Derivantia, Exutoria, Rubefacientia. 

Epistaxis (gr. H. [Hippokrates] v. immaZw wieder- 
holt tröpfeln) das Nasenbluten, 
cf. Rworrhagie, Stillicidium. 

Epithelioma (das Wort „Epithel" findet sich zu- 
erst bei F. Ruysch, der es für das feine Oberhäutchen 

11* 



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164 Epithema 

gebrauchte, welches die Tastwärzchen — »J Orjh) die 
Warze, papilla — des Lippensaumes bedeckt, v &v*n die 
Zitze, Ofj-oftai melken, üij-kvs weiblich, em&rjlis latinisirt 
epithelium) Geschwulst aus Epithelzellen (besonders Epi- 
thelialcarcinome). 

E. molluscuin i. q. Molluscum contagiosum. 

E. inyxomatodes psaminosuin eine dem dritten Hirnven- 
trikel eigene Geschwulst von dem Charakter eines sehr weichen 
Myxoms, welche sich durch den Gehalt von milchweissen sehr 
harten Körnchen, verkreideten Perlkugeln, auszeichnet, 

cf. Psammom, Cholesteatom. 

Epithema {xo cjii&e t ua u. iat'Otjfia V. ri&rjfii) Umschlag, 
cf. Kataplasma, Foment. 

Kpizoen (z6 £rpov) tierische Parasiten, welche nur ihre 
Nahrung auf der Haut suchen und ihren Wohnort entweder 
zwischen den Haaren oder in der Bekleidung und sonstigen Um- 
gebung des Menschen aufschlagen. 

Epizoonosen (»} vooog Krankheit) die durch E. bedingten 
Hautkrankheiten. 

cf. Dermatozoen, Epiphyten, Entozoen. 

Epizöotie eine Viehseuche, analog der Epidemie. 

Epoikie [F. Winckel] (6 olxog Haus) Hauskrankheit, 
cf. Endemie, Epidemie. 

Epoophorektomie fai bei, neben, (ooqpogog eier- 
tragend, F.xi£fivu> ausschneiden) die operative Entfernung 
einer Nebeneierstocksgeschwulst. 

cf. Osphorektomie, Ovariotomie. 

Kpülis h] ovhq Zahnfleisch) genereller Name für Ge- 
schwülste am Zahnfleische. Am häufigsten sind es Granulome, 
dann Riesenzellensarkome, Fibrome, Carcinome. 

cf. Parulia, Odontora. 

Erethismus (gr. H. v. IgeOl^oi reizen) zu grosse 
Erregbarkeit z. B. E. mercurialis. 

Erethische Granulationen vd. Granulation, 
cf. Torpor, Irritatio, ISynocha. 

Ergostat (16 toyov Werk, lotqpi stellen) ein von 

G. Gärtner konstruirter Apparat, an dem die zu therapeutischen 
Zwecken einem Kranken vorgeschriebene Arbeit, in Küogramni- 
raetern dosirbar, durch Drehen einer Kurbel verrichtet wird. 

Ergotismus (v. Ergotin, dem wirksamen Bestand- 
teile des Mutterkorns, v. foya) wirke [?]) auch Raphania 
(s. d.) Kriebelkrankheit, durch länger fortgesetzten Genuss 
von Brot entstehend, welchem Mutterkorn eingebacken ist, daher 
meist in Epidemien. 

E. convillsivus: in akuten Fällen treten allgemeine Krämpfe 



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Erysipelas 165 

auf, unter denen der Tod in 4—8 Tagen erfolgt. Bei anderen 
treten die Konvulsionen nur zeitweise auf, zu gleicher Zeit und 
schon im Prodromalstadium besteht heftiges Jucken und K rie- 
bein in der Haut, besonders den Händen, Taubheitsgefühl, 
Anästhesie der Fingerspitzen, womit sich dann 

E. ffangraenosus meist trockene, seltener feuchte Gangrän 
der Haut und selbst ganzer Extremitäten verbinden kann. Die- 
ser Brand soll eine Folge von Ischämie der kleinsten Arterien 
sein. Bisweilen führt der E. auch zu psychischen Störungen 
(Ergotinpsychosen). 

cf*. Akrodynie, Tetanie. 

Erosion (e-rodere aus- oder abnagen) zirkumskripter 
Verlust des Epithels auf Schleimhäuten — Erosionsgeschwür — 
häufig bei Katarrhen (katarrhalische E.). 

Papilläre E. entwickelt sich aus der einfachen E. in der 
Weise, dass die nach Abstossung des Epithels frei liegenden 
Spitzen der Papillen anschwellen und als körnige, dunkler ge- 
rötete und leicht blutende Erhabenheiten hervortreten. 

Hämorrhagische E., E. der (Magen-) Schleimhaut durch 
hämorrhagische Infiltration kleiner umschriebener Stellen, welche 
zu einer oberflächlichen Erweichung und Abstossung der er- 
weichten Partien führt. 

cf. Excoriation. 

Erotomanie (6 egws, «xmtoc Liebe, rj ftaria Wahnsinn) 
der Liebes Wahnsinn, eine Monomanie. 

Errhina (sc. remedia — r6 eggtvov v. «V Wyr gtva Galen) 
nasenreinigende Mittel, 
cf. Sternutatoria, Coryzaria. 

Ernctatio (ruetare rülpsen) nervöses Aufstosscn. 
cf. Ructu«'. 

Eruption (erumpere hervorbrechen) das Ausbrechen, 
fast nur von Exanthemen gebraucht (s. d.) sowohl im Sinne des 
Vorganges als des Produktes (= Effloreszenz). 

Erysipelas (igvdgo? rot, t6 nekas Haut, .tikka =pellis) 
Rose, Rotlauf, akute fieberhafte und von mehr oder weniger 
schweren Allgemeinerscheinungen begleitete kontagiöse Hautent- 
zündung, welche meist von einer (oft sehr unscheinbaren) ver- 
letzten Stelle der Haut oder einer oberflächlich gelegenen Schleim- 
haut ausgeht und die Neigung hat, sich schnell über grosse 
Hautpartien zu verbreiten. 

E. idiopathicum s. spontaneum s. verum s. exanthemati- 
cum das anscheinend idiopathische, ätiologisch aber wahrschein- 
lich mit dem Wunderysipel identische E., meist als Gesichts- 
oder Kopfrose (E. faciei, capitis, auriculare), seltener des 
Stammes (E. trunci resp. mammae, thoracis, abdominis, geuitalium, 
extremitatum etc.). 



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166 



Erysipelas 



E. glabrum s. laevigatum, wobei die Haut prall gespannt 
ist und ein glänzendes Aussehen hat. 

E. oedematosum und erythematosum, je 
Schwellung oder Rötung hervortritt. 

E. bullös um s. vesiculosum, wobei die Epidermis in 
grösseren oder kleineren Blasen emporgehoben ist. Wird der 
Inhalt der Blasen eiterig, so spricht man von 

E. pustulosum; kommt es zu lokaler Nekrose oder Gan- 
grän, von 

E. gangraenosum, selten, besonders an den Augenlidern. 

E. verrucosum, wenn die Haut, wahrscheinlich in Ab- 
hängigkeit von ihrer Anheftungsweise an die unterliegenden Teile, 
warzig oder quaddelig erscheint, oder 

E. variegatum, wenn die Streifenform vorherrschend ist. 

E. erraticum inseif örmig entzündete, mit dem Hauptzuge 
der Entzündung anscheinend nicht in kontinuirlicher Verbindung 
stehende Hautpartien. 

E. traumatieum s. nothum s. spurium s. nosocoiniale 

Wundrose, von Wunden ausgehendes E., verdankt seine Ent- 
stehung wahrscheinlich denselben spezifischen Noxen als das 
sog. spontane E. 

E. ambulans s. migrans s. serpens, Wander rose, 
welche sich sehr rasch oft über die ganze Hautoberfläche weiter 
verbreitet, wobei aber immer nur ein Teil derselben in der Akme 
der Entzündung sich befindet. 

Zum E. traumatieum gehört 

E. neonatorum (E. von der Nabelwunde aus), E. vacci- 
nale (von den Impf Stichen) und E. puerperale (E. malignum 
puerp. intemum, cf. Febris puerper., von Verletzungen der weib- 
lichen Genitalien durch den Vorgang der Entbindung). 

E. phlegmonosum, Pscudoerysipelas, von einem Trauma 
ausgehende und zu grosser Ausbreitung neigende, ätiologisch 
wahrscheinlich auch mit den vorigen Formen identische, aber 
tiefer greifende Entzündung, indem vorzugsweise das Unterhaut- 
zellgewebe der Sitz der Entzündung ist, welches in ausgedehnter 
Weise zu abszediren pflegt, wobei sich auch die Kutis im Zustande 
einer erysipelasartigen Entzündimg befindet. 

E. puerperale, meist von den Genitalien und Nates aus- 
gehend, überwandert meist von hier aus in 8 — 14 Tagen Rumpf, 
Extremitäten und Kopf. Da sich bei diesem der Streptokokkus 
von Fehleisen, und zwar auch im Blut, in den serösen Häuten 
imd in anderen inneren Organen findet, ist der Erysipelkokkus 
jedenfalls eine der Ursachen des schweren Puerperalfiebers 
[Winckel], 

Der zweifellose Erreger des Erysipels ist der von Fehleisex 
entdeckte Streptokokkus (s. d.). 

Erythanthema (£gv&g6$ rot, rö ävdog Blüte) ein von 



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Erythema 167 

Aus pitz gebrauchter Sammelname für alle Effloreszenzen mit 
erythematöser Grundlage, 
cf. Erythema. 

Erythema (eovOgalvo) erröte) durch vasomotorisch-sen- 
sible Neurosen bedingte diffuse oder zirkumskripte Hautrötungen 
{cf. Roseola, Purpura). Dieselben sind entweder vorübergehender 
Natur (Erythema hyperacmieum und Roseola congestiva) oder 
führen zu dauernden Alterationen und nutritiven Veränderungen 
der Haut. 

Erytheme der ersten Kategorie sind: 

E. eongestivuin traumaticum E. durch Druck, Stoss etc. 

E. caloricuin die durch Einwirkung abnorm hoher oder ab- 
norm niedriger Temperaturgrade entstandene Form, erster .Grad 
der Verbrennung und Erfrierung. 

E. ab acribus s. venenatum durch chemische Eigenschaften 
gewisser Substanzen hervorgerufenes E. Dazu dürfte das neuer- 
dings von Blaxc beschriebene E. mercuriale (?) zu zählen sein. 

E. ex profluviis, Intertrigo (v. inter-tero dazwischen- 
reiben) durch Einwirkung verschiedener Sekretionen auf die 
Haut hervorgerufen. 

E. infolge psychischer Einwirkung ist eine auf einer phy- 
siologischen Angioneurose beruhende plötzlich auftretende Haut- 
rote (E. pudoris, E. iracundiae). 

E. infantile, auch Roseola infantilis, diffuse Rötungen oder 
umschriebene rote Flecke der allgemeinen Decke bei Kindern in 
Begleitung von Fiebern, Eingeweidewürmern, beim Zahnen etc. 
auftretend, ohne klinische Bedeutung. 

E. variolosum zuweilen der Blatterueruption vorausgehendes 
E. am Bauch und der Innenfläche der Schenkel, bei geschlossenen 
Schenkeln als Dreieck („Schenkeldreieck") erscheinend, dessen 
Basis am Bauche, dessen Spitze in der Mitte zwischen beiden 
Oberschenkeln liegt. 

cf. Roseola variolosn. 

Das Prototyp der zweiten Kategorie ist: 

Das Erythema multiforme (E. multiforme exsudati- 
vum Hebra) eine durch das Auftreten hirsekorn- bis linsen- 
grosser, lebhaft roter oder dunkler Fleckenbildungen, die auf 
Fingerdruck vorübergehend erblassen und sich oft zu anderen 
Effloreszenzen umbilden, charakterisirte akute oder subakute 
Hautkrankheit. Dieselbe lokalisirt sich mit Vorliebe auf Hand- 
und Fussrücken, kommt aber an allen Körperstellen vor. Je 
nach der Gestalt der Effloreszenzen spricht man von E. papu- 
latum et tuberculatum, annulare s. circinatum (s. d.) 
gyratum, urticatum, vesiculosum und bullosum. 

E. Iris et circinatum und Herpes Iris et eireinatus eine 



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168 Erythrasma 

selbständige Abart des E. multiforme mit einer derartigen An- 
ordnimg der Fleeken, das» periphere zu Kreisen angeordnete 
Effloreszenzen um einen zentral gelegenen sich bilden. Modi- 
fikationen des gewöhnlichen E. Iris sind Erythema und Herpes 
eircinatus mit Bläschen oder Fleckenkrcisen ohne zentrale 
Effloreszcnz, die in Herpes Iris übergehen. 

E. nodosuin, erbsengroße Knoten und Knollen bis zu flach- 
handgrossen, ovalen und halbkugeligen , zumeist an den Extremi- 
täten auftretenden Geschwülsten von bläulichroter Farbe, die auf 
Druck sehr schmerzhaft sind. Die Affektion geht oft mit Fieber 
und allgemeinem Unwohlsein einher. 

Urticaria (s. d.) [nach Schwimmer in ZH]. 

E. epidemicum vd. Akrodynie und Pellagra. 

Erythrasma Bärensprung 's (v. torftoaivo) erröten) 
i. q. Ekzema marginatum Hebra. 

Erythrobla sten (>5 ßkaort) Keim) s. Erythrocyten 
(x6 xvroc; Bläschen) neuere Bezeichnung für rote Blut- 
körperchen (cf. Leukocyten, Haemoblasten). 

Erythrochloropie [Mauthner] die Blaugelbblind- 
heit. 

cf. Acyanublepsie, Achroroatopsie. 

Erythrodermien u. Erythro der miten vd. Chromo- 
dennatosen. 

Erythro dextri 11 (Dextrin [von dexter], nach rechts 
drehender Körper) Übergangsprodukt bei der (Ptyalin-)Ver- 
dauung zwischen Stärke- und Traubenzucker, daran erkennbar, 
dass Jod, bezw. LuooL'sche Lösung purpurrot (nicht blau wie bei 
Gegenwart von Stärke) gefärbt wird. Die Gegenwart von E. im 
ausgeheberten Magensaft ist ein Zeichen der noch nicht been- 
digten oder unterbrochenen Amylolyse. 

cf. Achroodextrin, Dextrin, Maltose. 

Erythromelalgie (x6 uttoq Glied, t6 älyog Schmerz, 
Weir Mitchell) eine Angioneurose, bei welcher in einzelnen 
Extremitäten anfallsweise Rötimg imd Schwellung der Haut mit 
Schmerzen auftritt. 

Erythropaie das Rotsehen, welches bei aphakischen 
Augen vorkommt, die alle Gegenstände im rotem Licht sehen. 

Eschara (»5 iaxdga Schorf, urspr. Brandherd) Ver- 
schärfung oder Verkohlung von Körperteilen, eine Form von 
Mortifikation, welche hauptsächlich durch Verbrennung oder Ätz- 
mittel entstellt. 

Eseharotica s. Caustiea (s. d.), sc. remedia) Atzmittel, 
cf. Gangrän. 



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Evisceratio 169 

Esthiomeno« {eaOio^isvo? fressend, Medium v. io&i'o> 
verzehren) fressend, vd. Lupus. 

Etat €le mal s. Status cpileptleus gefahrvoller Zustand 
bei schwerer Epilepsie, bestehend in grosser Häufung der Anfälle 
und andauernder Bewusstseinsstörung. 

cf. Epilepsie. 

Etat manielonne (le mamelon Brustwarze, mamma t 
udfiftn Mutterbrust) faltiger und warziger Zustand der Magen- 
schleimhaut, kommt dadurch zu stände, dass sie bei chronischem 
Magenkatarrh in ihrer Drüsenschicht hypertrophische Magen- 
schleimhaut auf ihrer Unterlage nicht mehr Platz findet und sich 
faltet. 

Ethmocephalia (6 ijö/uos — atj^ög Seihetuch, Sieb, 

v. adw, o»j#ro siebe, >; y.ecpahj Kopf) vd. Arhinencephalie. 

Enexie oder Euphorie (fj Fve&a v. fv wohl und ?x o) 
halten, sich befinden, bezw. q igoj tragen, sich befinden) 

das Wohlbefinden. 

EnstrocagyliiH gigas i. q. Strongylus gigas. 

Euthanasie (gr. H. v. 6 &ävaiog) leichter schöner Tod, 
Erleichterung des Sterbens. 

Eventratio (venter der Bauch) entweder ein Zustand, 
wobei der grösste Teil der Baucheingeweide in grossen (besonders 
Nabel- )Hernien sich befindet, oder eine geburtshilfliche Operation. 
Diese kommt zur Ausführung, wenn die Vergrösserung des kind- 
lichen Bauches als Geburtshindernis erkannt worden ist, welches 
sich nicht durch einfache Punktion (wie bei Ascites) beseitigen lässt. 

cf. Evisceratio, Exenteratio, Laparocele. 

Eversio (e-verttre herauswenden) i. q. Ektropia. 

Evidement (franz. vide, lat. viduus, Witwer, ledig, leer) 

das Aushöhlen, Ausschaben der Knochen bei Carie6, Nekrose, 
cf. Abrasio. 

Eviratio (evirare entmannen) [v. Krafft-Ebinu] Be- 
zeichnung für die zweite Stufe der konträren Sexualempfindung 
des Mannes, wobei dieser eine tiefgehende Wandlung seines Cha- 
rakters, insbes. seiner Gefühle und Neigungen im Sinne einer weib- 
lich fühlenden Persönlichkeit erfährt. 

cf. Effeminatio, homosexual. 

Evisceratio (yiscera Eingeweide) eine geburtshilfliche 
Operation, welche bei bedeutender Vergrösserung innerer Organe 
des Kindes, zur Entleerung der Eingeweide des Thorax und des 
Abdomens mittels Eröffnung der vorhegenden Seite des Kindes 
ausgeführt wird. Der Ausdruck wird auch für die temporäre 
Herausnahme der Eingeweide aus der Bauchhöhle bei Laparoto- 
mieen gebraucht 



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170 



Exacerbation 



Exacerbation (ex-acerbare erbittern, aufstacheln, 
acerbuß scharf, bitter) akute Steigerung oder Verschlimmerung 
einer Krankheit oder eines Symptoms, z. B. des Fiebers. 

Exaeresis (Corporis altem etc.,, i) fS-aigeois) das Heraus- 
nehmen, Entfernung. 

cf. Extractio, Exatirpatio. 

Exanthem (r6 e£-av{hjna Hautausschlag, v. ™ ävdo* 
Blüte) genereller Xame für die verschiedenen Ausschlagsformen 
der Haut, sämtlich in einer ol>erf lach liehen Entzündung bestehend, 
woraus sich je nach der Beteiligung der Epidermis Flecke, Knöt- 
chen und Knoten, Quaddeln, Bläschen, Pusteln, Geschwüre, 
Schupj^n, Borken und Grinde (maculae, papulae, phymata, urticae, 
vesiculae, pustulae, ulcera, squamae, crustae) etc. biiden. 

Exantheinata acuta, akute, durch regelmässige Aufeinander- 
folge der einzelnen Erscheinungen (Stadien) und durch charak- 
teristische Krankheitsprodukte auf der allgemeinen Decke ge- 
kennzeichnete, durch ein spezifisches Kontagium entstandene 
Infektionskrankheiten. 

Als wesentliche Stadien der E. a. unterscheidet man: 

Stadium ineubatiouis s. latentiae die Zeit vom Moment 
der erfolgten Infektion bis zum Beginn deutlicher, meist fieber- 
hafter Erscheinungen. 

St. prodromorum Vorläuferstadium, vom Beginn der ent- 
schiedenen Erkrankung bis zum Erscheinen des charakteristischen 
Ausschlags. 

St. eruptionis das Stadium der Entwicklung des E. 

St. floritionis (florire, flos) s. maturationis (bei Blat- 
tern suppurationis) das Stadium der höchsten Entwicklung, 
der „Blüte 44 des E. 

St. desquamationi s s. exsiccatiouis Abschnppungs- 



über ist. 

E-a balsaniieuin (t6 ßdlomwr Balsamstrauch) erythema- 
töse und Roseolaflecke, die zuweilen nach übermässigem tiebrauch 
von Balsamen (Kopaiva) entstehen. 

E. eacruleuin vd. Maculae caeruleae (caeruleus blau wie 
der Himmel, caelum [xoikov]). 

E. labiale i. q. Herpes labialis. 
Exarteriitis vd. Periarteriitis. 

Exartiknlation (articulus, Dem. v. artus Gelenk) 
Absetzung eines Gliedes in einem Gelenk, Amputatio in con- 
tinuitate. 

cf. Knucleation. 



Stadium, beginnt, wenn 




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;■. Exhaustio 171 

Excerebratio {cerebrum) die Enthirnung des durch die 
€ephalotomie eröffneten kindlichen Schädels, meist durch Köni- 
tz pression mit dem Cephalotripter. 
^ cf. Embryotomie. 

Excision (von excidtre) das Herausschneiden, eine 
zur Ausrottung von Geschwülsten u. dgl. ausgeführte Operation. 

Excitantia («c. remedia — ex-citare aufreizen) s. Sti- 
mulantia erregende, d. i. das Gefäss- und vor allem das Kerven- 
^ System direkt oder reflektorisch reizende Mittel. 
* cf. Nervina. 

^ Excitator i. q. Elektrode. 

Excoriatio (corium Lederhaut, t6 yootov) Abschür- 
fung, Abstreif ung der Epidermis mit Blosslegung der Schleim- 
en schient oder des Korium ohne Substanzverlust des letzteren. 
^ cf. Erosion, Vnlnus, Ulcus, Rhagas. 

H Excrescenz (lat.) Auswuchs im allgemeinen. 

Exencephalie (* ? | aus, 6 eyxiyaXoz Gehirn) vd. An- 

encephalus. 

Exenteratio (exenterare v. ig-cvregiZw das Innere, 
die Eingeweide (m tnega) herausnehmen) geburtshilfliches 
Verfahren zur Verkleinerung abgestorbener eingekeilter Früchte, 
in Entfernimg der Eingeweide der Brust- und Bauchhöhle be- 
stehend. 

cf. Embryotomie, Excerebratio, Eventratio, Evisceratio. 

E. bulbi die Auslöffelung des Bulbus mit Erhaltung der 
Sklera und des Optikus. 

E. orbitae Radikaloperation bei malignen Tumoren der Or- 
bita mit eventueller Ausschälung des Periosts derselben. 

cf. Enucleatio bulbi. 

Exewion (ex-edtre ausnagen) allmähliche oberflächliche 
Zerstörung von Organteilen, besonders Knochen, durch Geschwürs- 
und andere Zerstörungsprozesse. 

cf. Arrosion, Exfoliation, Usur. 

Exfoliatio (folium Blatt) Zerstörung von gleichmässigen 
dünnen, oberflächlichen und flächenhaft ausgedehnten Schichten 
von Organen durch ulzeröse Prozesse, Traumen etc. 

cf. Arrosion, Erosion, 

Exhaustio (exhaurlre ausschöpfen, erschöpfen) die 
Erschöpfung. E. uteri s. Paralysis uteri, der höchste Grad 
von Wehenschwäche. Nach Wigand unterscheidet man drei Grade: 

1. Inertia uteri (zu kurze Wehen mit zu langen Pausen), 

2. Atonia uteri (anfangs stärkere W r ehen, werden allmählich 
schwächer und seltener), 3. Exhaustio uteri (vollständige Lähr 
mung). 



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172 



Exophthalmometer 



ExOphthalmometer (6 oy&aXfiog das Auge) ein zu- 
erst von Cohn angegebenes Instrument zur Messung des Grades 
von Exophthalmus. 

Exophthalmus mehr oder weniger starkes Hervortreten 
des Bulbus aus der Orbita, beruht entweder auf entzündlicher 
Hyperämie des orbitalen Binde- und Fettgewebes, oder auf 
Stauungen, Morbus Basedowii, oder auf Gescnwülsten in der Or- 
bita (entzündlicher und nicht entzündlicher E.). 

cf. Enophthalmus, Protrusion. 

Exostosis [Galen] (^dmcoaig Knochengeschwulst, 
to oareov Knochen) umschriebener knöcherner Auswuchs des 
Knochensystems durch eine Ausschreitung des periostalen Wachs- 
tums, gewöhnlich infolge von Periostitis ossificans. Der neugebil- 
dete Knochen ist anfangs eine äusserst poröse Masse (E. spon- 
giosa), welche nur locker an der alten Oberfläche des Knochens 
haftet und als Osteophyt bezeichnet wird. Später erfolgt kon- 
zentrische Anbildung neuer Knqchenlamellen an die Bälkchen des 
Osteophyt und dadurch der Übergang in kompakte Knochen- 
substanz. 

Wenn das Produkt eine mehr allseitige spindelförmige Auf- 
treibung des Knochens ist, bezeichnet man es als Periostose; 
wenn es in grösserer Ausdehnung und mehr gleichmässig den 
Knochen einfach verdickt, als Hyperostose. 

E. eburnca (ebur Elfenbein) bei dieser sehr harten Form 
wird die Knochensubstanz in konzentrischen peripherischen La- 
mellen um einen kleinsten Ausgangshöcker abgelagert. 

E. eburnea clavata geknöpfte E., kleine flachrundliche Aus- 
wüchse des Schädeldaches vom Aussehen elfenbeinerner Knöpfchen. 

E. inedullosa (medulla das Mark, v. medium, jiiaov das 
Mittlere) E. mit grösseren, dem Markzylinder der Röhrenknochen 
entsprechenden Ansammlungen von Markgewebe im Innern. 

E. cartilaginea (cartilago Knorpel, eig. Flechtwerk = 
lat. crates, xdgrnkog Korb) aus einer knorpeligen Anlage hervor- 
gegangene höckerige Auswüchse der Röhrenknochen in der Nähe 
der Gelenke, welche in ihrer Hauptmasse knöchern oder, falls sie 
von der Gelenkfläche ausgehen, mit einem mehr oder weniger 
vollständigen Knorpelüberzug und gelegentlich auch mit einer 
eigenen Synovialmembran versehen sind (E. bursata) [nach Rind- 
fleisch]. 

cf. Osteosklerose, Spicula. 

Expectorantia (sc. remedia, von ex und pectus die 
Brust) Mittel, welche den Auswurf (Expektoration) aus Lungen, 
Bronchien oder Kehlkopf befördern. 

cf. Öolventia, Emetica, Sputum. 

Exploration (explörare ausforschen, eig. heraus- 



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Exsudat 173 

fliessen machen plorare) im allgemeinen die Untersuchung, 
in sp. diejenige von tiefer gelegenen, aber von den Ostien aus 
zugänglichen Teilen. 

Explorateur alle zur tastenden Untersuchung solcher Teile 
dienenden Instrumente, von Bonden- oder anderer Gestalt, troikar- 
förinig (Explorativtroikar, zur Prüfung flüssigen Inhalts) etc. 

Expression {lat.) das Auspressen, z. B. der Kontenta 
des Uterus durch Umgreifen desselben von den Bauchdecken 
aus u. a. 

Exspiratio prolongata (spiro atme) verlängerte 
Exspiration, Zeichen von katarrhalischer Verengerung oder In- 
filtration der feineren Bronchialröhrchen, wodurch das Wieder- 
entweichen der inspirirten Luft verlangsamt (die Exspiration zu- 
gleich auch verschärft) wird. 

Exstirpation (stirps Stamm, auch Wurzel) gründ- 
liche Ausrottung (durch Ausschneidung etc.) einer Geschwulst oder 
eines Organs. 

Exstrophia vesicae vd. Ektropic. 

Exsudat (exsüdare ausschwitzen) die entzündliche 
Ausschwitzung (als Produkt: Exsudatum, als Vorgang: Ex- 
sudation) aus einem flüssigen und aus geformten Bestandteilen 
bestehend, welche beim Vorgang der Entzündung aus den Blut- 
gefässen austreten. 

cf. Transsudat, Extravasat, Inflammatio. 

Man unterscheidet, ähnlich wie bei der Entzündung, dem 
Sitze nach: 

1. Das freie E. auf den freien Oberflächen und in den na- 
türlichen Körj)erhöhlen. 

2. Das interstitielle (infiltrirte) E. zwischen den Geweben 
und Gewebsteilen, welche je nach ihrer Festigkeit auseiuander- 
gedrängt oder zertrümmert werden. 

3. Das parenchymatöse E. hat seinen Sitz in den Ge- 
websteilen selbst, vorzüglich in Epithel- und Drüscnzellen, Binde- 
gewebs- und Knochenkörperchen etc. 

Nach der Qualität unterscheidet man: 

1. Das seröse E. von der Beschaffenheit des Blutserums, 
vom Transsudate nur ätiologisch unterschieden (seröser Katarrh, 
entzündlicher Hydrops, entzündliches Odem, seröse Blase); ist es 
reicher an Ei weiss, so nennt man es albuminöses E. 

2. Das schleimige E., das Produkt der Schleimhautkatarrhe. 
Die Schleimhaut- und Schlcimdrüsenepithclien produziren den 
flüssigen Schleim in vermehrter Menge, und dieser mischt sich 
mit der aus den Gefässen austretenden Flüssigkeit oder den aus- 
gewanderten farblosen Blutkörperchen. 



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174 Extase 

3. Das fibrinöse oder f aserstof f ige E. Der Faserstoff 
gerinnt nach seinem Austritt aus den Gefässen und bildet ent- 
weder die Hauptmasse des E. (das eigentlich fibrinöse E.), 
indem er nur in seinen Faserlücken Serum einschliesst, oder es 
schwimmt in Flocken im Serum (serös-fibrinöses E.); bei 
reichlicher Beimengung von Eiterkörperchen entsteht das f ibri- 
uös-eiterige E. 

4. Das eiterige E. kommt entweder als rein eiteriges E. vor 
oder ist in verschiedenen Verhältnissen mit den übrigen E. ge- 
mischt als serös-eiteriges etc. E. 

5. Das hämorrhagische E., scrofibrinöses oder eiteriges 
Exsudat, welchem rote Blutkörperchen oder Blutfarbstoff beige- 
mengt ist. 

Ii. Das krupöse und diphtheritische E. vd. Croup und 
Diphtherie [nach AVagner]. 

Extase (fj ex-axnaig Geistesverrückung, Verzückung, 

v. ex u. Tartjfit) starke innere Konzentration auf gewisse Vorstel- 
lungs- und Empfindungskreise bis zur Halluzination, mit starker 
Hebung und Spannung der gesamten Seelenthätigkeit, welche sich 
in effektvollem Gesichtsausdrucke kundgibt bei mehr oder weniger 
aufgehobener äusserer Empfindung und zuweilen einem katalepsie- 
artigen Zustande der Muskeln. 

cf. Hypnotismus, Stupor, Katatonie, Somnambulismus. 

Extension (tendtre spannen) Ausdehnung, Zug. 

Kontraextension Gegenzug — beide kombinirt zur Re- 
position von Frakturen, Luxationen, zur Behandlung von Gelenk- 
affektionen, Kontrakturen etc. 

cf. Distractio. 

Extensionsverband der Zugverband, teils zur Aus- 
gleichung oder Verhütung von Verkrümmungen (Skoliosenmaschine 
von Nyrop u. s. w.), teils zur Verhütung von Verkürzung einer 
Extremität bei Frakturen (Gewichtsextension) im Gebrauch. 

Extinctio (ex-stingutre auslöschen, eig. ausstechen, 

ort*™) nennt man die Methode der allmählichen Austilgung der 
Syphilis durch minimale, aber sehr lange Zeit hindurch angewen- 
dete Quecksilbermittel im Gegensatz zur Methode der subakuten 
Merkurialisirung. 

Extractio {ex-trahtre) das Ausziehen, z.B. der Zähne, 
der Linse (Staroperation) etc. 
cf. Exaeresis. 

Extraperikardiales Reiben nennt man das bei Peri- 
carditis externa (Mediastino-Perikarditis), entstehende pleuro- 
perikardiale Reibegeräusch. 



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Faradisation 175 

Extra vasati© (extra ausserhalb, vas, Plur. vasa, Ge- 
fäss) vd. Hämorrhagie. 

Extravasat das ausgetretene Blut. 

Exnberans (ex-uberare reichlich hervorkommen, 
von über fruchtbar = über, ov&ag Euter) stark wuchernd, 
Beiname für eine Lupusform. 

Exnlceratio (ulcus, ekxog Geschwür) Auseiterung, 
teilweise Zerstörung durch Eiterung, 
cf. Ulcus, Arrosion. 

Exutoria (sc. remedia — v. exuo, ui, ütum, ere heraus- 
ziehen) diejenigen Derivantien, welche eine oberflächliche Ver- 
schwärung der äusseren Haut im Bereich der Applikationsstelle 
hervorbringen. 

cf. Cauterium, Moxa, Epispastica. 

Facies. 

F. cholerica „Choleragesicht 44 , der charakteristische Ge- 
sichtsausdruck der Cholerakranken : tiefliegende Augen, zugespitzte 
Nase, eingefallene Wangen, starre Züge, — Folgen des Wasser- 
verlustes aus den Geweben der Augenhöhle, Haut etc. 

F. jrastrica Gesicht der chronisch Magenkranken, soll sich 
in besonders tief ausgeprägten Nasolabialfalten, fahler Gesichts- 
farbe und starker Magerkeit zu erkennen geben. 

F hippokratiea „Totengesicht", die auffallende Gesichts- 
veränderung der Sterbenden, von Hippokrates beschrieben. 

F. leontina (Mmv, Xeovtos Löwe, keovuda)), Lcontiasis der 
alten Griechen, die Verunstaltung des Gesichtes bei Lepra, von 
der wulstig-kuotigen Verdickung der Haut über den Augen, wo- 
durch diese einen wilden und morosen Ausdruck bekommen. 

F. ovariana Gesicht der mit Ovarialzysten behafteten Kranken 
i Spencer Wells): stark hervortretende Backenknochen, spitze 
Nase, scharf begrenzte Nasenflügel, zusamniengepresste Lippen, 
herabgepresste Mundwinkel, tiefe Runzeln in deren Umgebung,, 
gefurchte Stirn [Winckel, Frauenkrankheiten]. 

F. progenaca vd. progenaeus. 

F. vara (värus = curvus von der geraden Linie ab- 
weichend) „Klumpgesicht 44 , eine mehr oder minder ausge- 
prägte (einseitige) Einbeugung der äusseren Unterkieferkontur, 
hauptsächlich durch Kontraktur des Muscul. pterygoid. externus. 

cf. Agnathie. 

Faradisation die Anwendung des Faradismus, 
d. i. der im J. 1831 durch den englischen Physiker Faraday 
entdeckten induzirteu Elektrizität, des faradischen Stromes. Die 
von Beard und Rockwell angegebene allgemeine Faradi- 



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176 Faradokutan 

s*ation ist von besonderer therapeutischer Wirkung bei Hysterie 
und anderen allgemeinen Neurosen, 
cf. Galvanisation, Elektrotherapie. 

Faradokutan vd. elektrokutan. 

Fareiminium (eig. farcitninum [Vegetius] v. farctmen 
Wurst, Füllsel, farcio vollstopfen, von den knotigen 
Anschwellungen der Haut) der chronische Rotz, Haut- 
wurm, Malleus f arciminosus. 

Fascia (lat. fascis Bündel) die Binde. 

F. Spiral is s. Dolabra Hobel verband, wenn die einzelnen 
Rollbindenturen sich teilweise decken, 
cf. Renverse\ 

F. repens die kriechende Binde, wenn zwischen je zwei 
Bindenturen ein freier Zwischenraum bleibt. 

F. nodosa s. solaris Sonnenbinde, eine Rollbinde läuft 
unter dem Kinn hinweg, wird vor der einen Schläfe um das von 
der anderen Seite kommende entgegengesetzte Ende geschlungen und 
nun horizontal über die Stirn um den Kopf geführt, oder umgekehrt. 

Fastidium (v. fastus Stolz, Verschmähung) der Ekel, 
cf. Nausea. 

Fastigium (lat. •= ä-ykaoxov Schiflfshöhe, -hinterteil) 

der Höhepunkt i. q. Akme. 

Fatnität (fatuus albern, dumm, Grundbedeutung: ge- 
schwätzig, von fari, ytjftt) vd. Idiotie. 

Favus {favus die Honigwabe), Tinea vera s. favosa 
s. lupinosa (lupinus die Feig- oder Wolfsbohne, münzen- 
förmig) s. Porrijro favosa s. lupinosa Erbgrind, eine durch 
Achorion Schoenlcinii bedingte ansteckende Hautkrankheit, 
welche zumeist auf dem behaarten Kopfe, seltener an nicht be- 
haarten Körperstellen sich lokalisirt und durch die Bildung von 
schwefelgelben, linsen- bis pfenniggrossen, scheibenförmigen, in der 
Mitte gcdellten, von je einem Haare durchbohrten, zwischen die 
Epidermisschichten eingelagerten, aus Pilzelcmenten zusammen- 
gesetzten Körpern — Favuskörpern, sog. Scutulis — charak- 
terisirt ist und in ihrem Bereiche Atrophie der Haare und der 
Kutis zur Folge hat. 

cf. Achorion Schoenleinii, Herpes tondens, Onychomykosis. 

Febricitiren (febricitare schon bei Celsus v. febricula 
v. febris. vw. mit (fiß-ofiai flüchten, (poßog Flucht, Schrecken) 
leichte Fieberregungen haben. 

Febricula (Dem. v. febris) die leichtesten Fälle ver- 
schiedener, sonst gewöhnlich mit schwerem Fieber verlaufender 



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Febris 177 

Krankheiton, z. B. F. typhosa, variolosa etc. — nicht zu ver- 
wechseln mit den Abortivfälleu. 

Febrifuga (sc. remedia, v. fugare fliehen machen) 
s. Antipyrctiea Fiebermittel. 

Febris (vw. mit Beben u. qwßog s. 0.), das Fieber, ist 
ein Komplex von Symptomen, welcher auf einer Veränderung in 
der Wärmeregulirung beruht, vermöge deren die Wänneproduk- 
tion — durch vermehrten Stoff mnsatz — über die Norm gestei- 
gert wird, ohne dass durch Zunahme der Wärmeabgabe eine Kom- 
pensation hergestellt wird; daraus aber resultirt eine Steigerung 
der Körpertemperatur [Liebermeister]. 

F. symotomatica das Fieber als Folge eines primären 
Allgemein- oder Organleidens. 

F. essentialis s. primaria, wobei lokale pathologische 
Prozesse als ausreichende Ursache des Fiebere nicht angesehen 
werden können, solche vielmehr, wenn sie vorhanden, dem Fieber 
ko- oder subordinirt erscheinen. 

cf. Ephemere. 

F. monoleptica und polyle ptica (fxovo- u. xoAv-krjjruxog v. 
lafißdvtü ergreifen, befallen) je nachdem das Fieber in einem 
einzigen Anfall von kürzerer oder längerer Dauer, oder in meh- 
reren oder vielen Anfällen nacheinander auftritt. 

F. sthenica s. synochalis, Reizfieber, wobei im wesent- 
lichen die Arbeitsleistung des Herzens normal oder abnorm gross 
ist (F. hypersthenica). 

F. asthenica s. adynamica s. torpida wobei die Kräfte 
im allgemeinen darniederliegen, namentlich aber die Arbeitsleistung 
des Herzens beträchtlich unter die Norm herabgesetzt ist. 

cf. ad y Harnisch. 

F. continua (Synocha der Alten) anhaltende Fieberform 
ohne merkliche Eemission (selten rein). 

F. subcontinua F. mit geringen Remissionen. 

F. remittens F. mit abwechselnd hohen und niedrigen 
Fiebergraden. 

F. intermittens aussetzender Fiebertypus: Zeiträume mit 
normalen Temperaturen zwischen raschen imd hohen Steigerungen. — 
Häufig bei Malaria (s. d.). 

F. typo inverso Auftreten der hohen Temperatursteige- 
rungen am Morgen, der niedrigen am Abend. 

F. erratiea unregelmässige Fieberanfälle, z. B. bei veralteten 
Fällen von Intermittens. 

F. ephemera vd. Ephemera. 

F. flava das gelbe Fieber, im wesentlichen eine infolge 

Roth's Kliniache Terminologie. 4. Aufl. 



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178 



Febris 



spezifischer Infektion entstandene parenchymatöse Hepatitis, in 
<len Tropen heimische, doch verschleppbare Krankheit. Im Blute 
von Gelbfieberkranken ist eine besondere Art von Spirillen nach- 
gewiesen worden. 

F. jrastriea ist eine sich in die Länge ziehende, mit Fieber 
verbundene akute Gastritis oder Gastroenteritis, bei welcher ner- 
vöse Erscheinungen in den Vordergrund treten (und die in manchen 
Fällen von leichten Abdominaltyphen nicht zu unterscheiden ist. 
Für solche zweifelhafte Fälle bedient man sich in der Praxis, 
wenigstens in Süddeutschland, gern des Namens „Schleimfieber - ). 

F. hcktiea das hektische Fieber, Zehrfieber, ist durch 
abendliche Steigerungen und morgendliche Remissionen bis zu 
normalen und subnormalcn Temperaturen charakterisirt und ent- 
steht wahrscheinlich durch Aufnahme von Zerfallsprodukten (wahr- 
scheinlich auch von Tuberkelbacillen in die Blut- und Säftemassc, 
insbesondere bei der chronischen Phthise. 

cf. Hektik. 

F. herpetica flüchtiges Erkältungsfieber (?), das ohne 
weitere Lokalisation mit Ausbruch eines Herpes facialis, besonders 
labialis in wenigen Tagen endigt. 

cf . Refrigeratio, Ephemera. 

F. interinittens AVechsclf ieber, Fcbres comitatae, per- 
niziöses Wechselfieber, vd. Malaria. 

F. miliaris (milium Hirsekorn) der Schweißfriesel, eng- 
lische Schweis s, eine spezifische, wahrscheinlich miasmatisch- 
kontagiöse, fieberhafte Krankheit, die in zirkumskripten Lokal- 
epidemien auftritt, seltener über grössere Landstriche sich verbreitet 
und in zwei typischen Stadien verläuft: das 1. Stadium ist cha- 
rakterisirt durch einen profusen Schweiss, der bis zwei Tage dauert 
und mit Präkordialangst und Herzklopfen auftritt; im 2. Stadium 
erscheint ein masernähnliches Exanthem, dessen Flecke in der 
Mitte Miliariabläschen tragen und das mit ausgedehnter Desqua- 
mation endigt [ZH]. 

cf. Miliaria, Sudor anglicus. 

F. nervosa „Xervenf ieber u , alte Bezeichnung für Typhus 
wegen der gewöhnlich hervortretenden schweren Störungen des 
Nervensystems, und zwar F. n. stupida, Fälle mit Sopor oder 
Koma, oder F. n. versa tili s, Fälle mit psychischen Erregungs- 
zuständen. 

F. puerperalis (puer) Kindbettfieber, Sammelname für 
die fieberhaften Erkrankungen des Wochenbettes, die auf einer 
Infektion mit pyogenen oder septischen Mikroorganismen bzw. auf 
Intoxikation beruhen und zu Allgemeinerkrankungen fuhren. Die 
schweren Formen des Kindbettfiebers beruhen auf einer Infektion 
durch Streptococcus pyogenes (s. d.) in grosser Menge oder auf 
einer Mischinfektion mit Streptococcus pyogenes und Staphylo- 



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Febris 



179 



coccus pyogencs aureus (s. d.). Die leichteren sind durch Keime 
geringerer Pathogenität oder durch Infektion mit Streptococcus 
pyogones in geringer Menge von der Gebärmutter aus bedingt 
[Dödeklein]. Die abgestorbenen oder im Absterben begriffenen 
Zellen, welche sich im Geni talschlauch nach der Geburt, befinden, 
bilden für sie einen äusserst günstigen Nährboden. Die Infektion 
selbst erfolgt entweder auf dem Wege der Spontaniufektion oder 
durch Übertragung (Touchiren u. s. w.). 

Die eine Serie von Puerperalfieber entsteht durch Übertragung 
£dj von keimungsfähigen Infektionsstoffen, die andere durch Resorp- 
rvi tion der chemischen Produkte der Keimung (Ptomaine . Auf dem 
^"3 Wege der Venen und Lymphgefässe gelangt das Gift in den 
M Korper. Zweifel unterscheidet : 

I. Die septikämische Form des Puerperalfiebers 
^ entweder unter dem Bilde einer akuten Vergiftung des Gesamt- 
^ Organismus mit allgemeinem Kräfteverfall und hohem Fieber (mit 

oder ohne Schüttelfrost) verlaufend und rasch ziun Tode führend 

oder als akute septische Peritonitis erscheinend. 

^) II. Die phlebothrombotische Form (Metrophlcbitis) 

mit eiterig zerfallenden Venenverstopfungen einhergehend, die in 

adie Lungen, die Milz, das Herz (Endocarditis ulcerosa) und das 
Gehirn verschleppt werden, und ebenfalls rasch zum Tode führend. 

H HI. Die lymphangitische Form (phlegmonöse Form) 

, charakterisirt durch das Übergreifen der auf dem Wege der 
i^J Lvmphbahnen verschleppten Entzündung auf die serösen Häute 
Q) • Pleuritis) und die Synovialmembranen t Gelenkentzündung) sowie 
*h die Mitbeteiligung des Peritoneum (Peritonitis). In der Beglei- 
tung derselben entstehen peri- und parametritische Exsudate und 
Abszesse. 

F. recurrens vd. Typhus recurrens. 

F. traumatica Wundfieber, entsteht durch Resorption (ver- 
schiedener) pyrogoner Substanzen, deren Entstehimg mit der Ver- 
wundung — wie beim Entzündungsfieber mit der Entzündung — 
zusammenhängt. Wahrscheinlich sind es Stoffe, die teils durch 
Eindringen von Fäulnisbakterien in der Wunde ^nicht im Blute), 
teils durch die begleitende Entzündung erzeugt werden. 

Eine graduelle Steigerung des Zustandes ist die Ichorrhämie. 

F. träum, secundaria, Nachfieber, die nach Verlauf des 
primären Wundfiebers nochmalige nachträgliche Temperatursteige- 
rung (die gewöhnlich mit Eiterretention oder Metastasen in Zu- 
sammenhang steht . 

F. urethralis häufige Reflexreaktion bei Reizung der Harn- 
röhre durch Katheterisiren oder andere Eingriffe, in Form eines 
interinittensartigen Fieberanfalles. 

12* 



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180 Ferula 

Ferula (eig. Ruthe, v. ferio sehlagen) die Schieue, 
zur Unterstützung gebrochener und verrenkter Glieder. 

Fibrinarie vd. Chylurie. 

Fibroid, Fibrom (fibra die Faser, verw. m. finis u. 
ßndo spalte) vd. Fibrosarkoin bei Sarkom. 

Fibroma periartieulare diffusum vd. Synovitis fungosa. 
F. Molluscum vd. Molluscum. 
Fibromyoma vd. Myoma. 
Flbroaarkoma vd. Sarkoma. 

Filaria Bancrofti s. Draeunculus s. («ordus medinensis 
(filum der Faden) Faden-, Guinea- oder Peitschenwurm, 
nur in tropischen Ländern vorkommender, sehr dünner und bis 
zu 1 Meter langer Wurm, der sich ins Unterhaut Zellgewebe be- 
sonders der Füsse einbohrt. Wenn die Brut des weiblichen Tieres 
reif ist, so entsteht an der Stelle eine allmählich perforirende Beule. 

F. sanguinis hominis vd. Chylurie. 

Fimbrioeele (ßmbrta Faser, Flur, die Fransen; 
t) xijXij Bruch) Hernie mit der Tubenfimbrie im Bruchsack. 

FittKura (ßndtre spalten) Spaltung, Einriss. 

F. abdominalis mangelhafte fötale Schliessung der Bauch- 
wand. 

F. aui hartnäckiges (myrtenblattförmiges) Geschwür des Af- 
ters, welches aus verschiedenen Ursachen hervorgehen kann, durch 
die Defäkation unterhalten wird, mit äusserst heftigen Schmerzen 
bei derselben und Afterkrampf verbunden ist. 

F. ossium Spaltbrüche, durchsetzen den Knochen in Form 
von Linien, nämlich Rissen oder Sprüngen, welche entweder den 
ganzen Knochen oder nur die Rindenschicht durchdringen.. 

F. sterni (t6 axiovov die Brust, die Fläche) angeborene 
offene oder durch Weichteile mehr oder weniger geschlossene 
Spaltung des Sternums. 

cf. Kolobom. Diastafte, Dehiscenz. 

F. urethrae superior vd. Epispadie. 

Fiatnla (lat. Röhre, ßndo) die Fistel, durch Ulzeration 
entstandene oder angeborene, persistirende, röhrenförmig enge, ab- 
norme Kommunikation der KörDeroberfläche mit inneren natür- 
lichen Hohlräumen, Kanälen oder Drüsen, oder solcher innerer 
Oberflächen untereinander: komplete Fisteln. Als inkom- 
plete Fisteln bezeichnet man solche, nicht nach innen (oder 
aussen) kominunizirende abnorme Öffnungen, meist chronische 
Hohlgeschwüre, welche eine röhrenförmige Gestalt haben (kanal- 
förmige F. — Ausserdem werden unterschieden: lippen- 



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Fluctuatio 181 

förmige F., welche durch Verwachsung der äusseren Haut mit 
dem Teil der Schleimhaut entstehen, von dem die F. ausgeht; 
Narben -F., wenn sie mit einer glatten narbigen Membran aus- 
gekleidet sind). 

Nach der Beschaffenheit der sich entleerenden Sekrete oder 
Exkrete unterscheidet man Eiterfisteln, Fistulae stercorales, 
urinariae, salivales, lacrymales etc., oder die Unterschei- 
dung geschieht nach anatomischen oder ätiologischen Gesichts- 
punkten (Blasenscheiden-F., kariöse F. etc.). — Die wichstigsten 
Fisteln sind: 

F. ani Mastdarmfistel, und zwar eompleta, wenn eine 
innere oberhalb des Sphinkter gelegene und eine äussere mehr oder 
weniger weit vom Anus entfernte Öffnung vorhanden ist; in- 
completa, wenn nur eine der beiden Öffnungen, und zwar F. 
a. externa, wenn nur eine äussere, interna, wenn nur eine 
innere Fistelöffnung vorhanden ist. 

F. colli congenita Fistclgang mit meist sehr kleiner 
äusserer Öffnung, welcher in den Larynx , Pharynx oder die 
Trachea oder nur in das Zellgewebe führt und welcher auf mangel- 
hafter Schliessung der 3. oder 4. Kiemenspalte, bei medianer F., 
(F. trachealis) auf mangelhafter Vereinigung des 3. oder 4. 
Kiemenbogens beruht. 

F. lacryinalis Fistelbildung von den Thränenorganen aus, 
gew. F. sacci lacrymalis, viel seltener glandulae oderduc- 
tus lacrymalis. 

F. vesieo-vaginalis Blasenscheidenf istel, meist infolge 
schwerer Geburten, welche Druckbrand der zwischen Blase und 
Scheide gelegenen Weichteile zur Folge hatten, seltener durch 
Ulzeration dieser Teile. 

cf. Atresia, Anus praeternaturalis. 

Flagellata (flagellum Geissei = flagrum, fligo bleue, 
schlage) geschwänzte einzellige parasitäre Organismen, die sich 
zur Zeit in keine der bestehenden Gruppen einreihen lassen. 

cf. Cercomonas. 

Flatulenz (flatus Wind, v. flare blasen) vd. Meteo- 
rismus. 

Flatus vaginalis i. q. Garrulitas vulvae. 

Flexibilität cerea „wächserne Biegsamkeit* vd. 
Katalepsie. 

Flexion (flecto beugen) die Beugung, 
cf. Ante- und Retroflexio. 

Floceileginm (floccus Flocke, legere lesen) das 
Flocken lesen, vd. Krozidismus, Karphologie. 

Fluctuatio (ßuetuare, fluetus Fliessen, Welle, v. fluo) 



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182 Fluor 

das Schwappen, die Erscheinung von Flüssigkcitsansaramlung 
oder Wellenbewegung unter einer elastischen Oberfläche. 

Fluor der Ausfluss. 

F. albus s. Leukorrhoe der weisse Fluss, symptomatische 
und allgemeine Bezeichnung für jeden nicht blutigen Ausfluss aus 
den weiblichen Genitalien. Je nachdem der Uterus oder die 
Scheide der Ursprungsort der Sekretion ist, unterscheidet mau F. 
a. uteriuus und vaginalis. 

F. a. posterior Abgang von eiterigem Schleim durch den 
After bei Hämorrhoidalzuständen (Schleimhämorrhoiden), Prok- 
titis etc. 

Fluxio i. q. Hyperaemia activa s. arterialis. 

Fluxue coeliacus {coelia, t) xodia Unterleib, v. xoilo* 
hohl) vd. Piarrhoea chylosa. 

F. sebaeeus (sebum Talg, sapo Seife) i. q. Sebonhoea. 

Foetor (lat. foetere räucherig sein, übel riechen, 

verw. mit fumus u. dvto) der üble Geruch, Gestank, z. B. F. 
ex ore. 

Foetus s. Fetus (fevere erzeugen, favere fördern, 
bauen) die Leibesfrucht, 

F. papyraccus s. compressus mumifizirte, durch einen 
anderen gesunden Fötus vollkommen plattgedrückte Zwillings- 
frucht. 

F. sanpuinolentus (gew. syphiliticus) von E. Martin 
eingeführte Bezeichnung für sonst „totfaul" genannte Früchte, 
die aber nicht faul sind, sondern im Zustaud einer feuchten Auf- 
lösung, Mazeration, sich befinden. Pie Epidermis ist in Blasen 
abgehoben, nach deren Ablösung das rötlich imbibirte, oft bräun- 
lich pergamentartig erscheinende Korium zu Tage tritt; auch die 
inneren Organe zeigen eine blutige Imbibition, in den Höhlen 
blutig-seröse Flüssigkeitsanhäufung. 

cf. Intrafötation (F. in foetu). 

Folie (fr. nach Piez v. follis Blasbalg, Windbeutel, 
folltre sich hin- und herbewegen) das Irresein. 

F. eirculaire i. q. zirkuläres Irresein. 

F. a deux s. induzirtes Irresein psychische Erkrankung 
zweier zusammenlebender Individuen unter ihrer gegenseitigen 
Einwirkung. 

F. du doute die „Zweifelsucht", ein psychopathisches Sym- 
ptom, besonders bei neurasthenischem Irresein. 

F. inorale (engl, moral insanity) moralisches Irresein. 

F. raisonnaate e ; n bei verschiedenen Geisteskrankheiten 
vorkommender Zustand, in welchem die Krauken die verkehr- 



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Frambösie 133 

testen Handlungen begehen, dabei aber durch vollständig kor- 
rektes Raisonnement ihre Handlungsweise zu rechtfertigen wissen. 

F. ltiusculaire Bezeichnung für das tolle Muskelspiel bei 
choreatischcn Krämpfen, 
cf. Chorea. 

Folliculitis {f ollis Sack) die Entzündung der Follikel. 

F. abscedens infantum die abszedirendc F., bei Kindern be- 
sonders häufig und ausgebreitet. 

Fomentam (St. fovimentum v. foveo wärmen, bähen) 

der Umschlag, 
cf. Kataplasmn. 

Fonticnlus (Dem, v. fons Quelle) entweder die Fon- 
tanelle am kindlichen Schädel (ital), oder als Ulcus artifi- 
ciale, Bildung einer eiternden Wunde im Unterhautzellgewebe. 
welche durch eingelegte Fremdkörper (Erbsen) in Eiterung er- 
halten wird. 

cf. Setaceum, Derivantia. 

Forceps (womit man heisse Gegenstände fasst, 

v. formus tiegiiog heiss u. capto (formucapes) ,.forcipes dictae 
quod forma capiunt id est ferventia") die Zange. 

F. crenata (crena, Krinne, Kerbe) Kornzange. 

F. obstetrica Geburtszange. 

Forcipressnr (premtre drücken) Verfahren zur provi- 
sorischen Blutstillung, bei welchem die wunden Teile um die 
blutende Stelle herum en masse mit einer Korn- oder Polypen- 
zange zusammengedrückt werden. 

Formicatio (formica Ameise) s. Myrinecismus (s. d.) 

das Ameisenlaufen, Gefühl, als ob Ameisen auf der Haut 
kröchen, eine Form der Parästhesie, teils durch Druck auf sen- 
sible Nerven, teils durch Gefässkrampf der Extremitäten ent- 
stehend (Ergotismus, Aura epileptica vasomot.). 

Fractnra (sc. ossium, v. franglre) Knochenbruch. 
F. simplex subkutane F. 

F. complicata offene F., Blosslegung der Bruchteile bei 
gleichzeitiger Durchtrennuug der Weichteile. 

F. comminutiva auch assularis (v. assula das Stück- 
chen) Stück- und Splitterbruch, erstere Art nur an den 
breiten platten Knochen. 

Torsi onsF. die durch torquirende Gewalt auf die Röhren- 
knochen hervorgebrachte F., wobei die F.-Enden eine bestimmte 
schraubenförmige Gestalt anzunehmen pflegen. 

cf. Fissur, Infraktion. 

Frambösie („Himbeerwarzensucht", la framboise Him- 
beere, ist das deutsche ,,Brom"beere) der „Beerschwamm", 



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184 



Framboesia tropica 



war fiüher nicht als selbständige Hautkrankheit bekannt, sondern 
eine Bezeichnung papillärer lappig-körniger Auswüchse, wie sie 
z. B. bei Sykosis, Lupus, manchen Syphilisfornien, Caro luxurians 
u. s. w. vorkommen. Die Bezeichnung Frambösie hat jetzt nur 
mehr für folgende zwei selbständige Hautkrankheiten Geltung: 

Framboesia tropica s. Polypapillomatropieuio [YawsJ 
eine kontagiöse, unter den Negern der afrikanischen Westküste 
endemische Hautkrankheit, die in Form kleiner unter der Epi- 
dermis sitzender Knötchen auftritt. Die Knötchen wachsen zu 
grösseren von einer gelblichen Kruste bedeckten Tumoren heran. 
Unter der Kruste sitzt eine nässende, rötliche, erhabene Fläche, 
deren Aussehen an eine Himbeere oder Erdbeere erinnern kann. 

Fr. non syphilitica s. Dermatitis papilloinatosa capillitii 

(capülitium das Haarwerk) [Kaposi] eine in Europa beob- 
achtete Form der Frambösie mit Bildung von grösseren oder klei- 



Tumoren, die ihren Sitz meist an den behaarten Teilen des Hinter- 
kopfes und der Nackengrenze haben [ZH]. 

Franklinisation [nachBENj. Franklin, dem berühmten 
nordamerikanischen Staatsmann und Physiker, dem Erfinder des 
Blitzableiters] Anwendung der statischen Elektrizität zu Heil- 
zwecken. 

Fremissement (franz. v. fremir erzittern, fremere, 
ßgejuw) das Schwirren, Schnurren u. dgl. 

F. eataire Katzen schnurren, der Geräuschfremitus bei 
Mitralklappenfehlern. 

F. hydatique H y da ti den schwirren, das zitternde Gefühl, 
das man beim Perkutiren der Echinokokkensäcke empfindet, ähn- 
lich dem beim Anschlagen an eine Gallertmasse. 

cf. Fremitus, Strepitus. 

Fremitus (lat. H. v. fremtre. ßgimo, brummen, sum- 
men) die fühlbare Erscheinimg des Erzitterns (Vibration), welche 
im Gefolge der Schallbildung auftritt und auf die solide Um- 
gebung der Schallquelle übergeht (Stimmfremitus, Pektoral- 
fremitus). Die pathologische Verstärkung des Stimmfremitus ist 
stets das Zeichen einer Verdichtung des Lungengewebes (Phthise, 
Pneumonie) im Gegensatz zur Abschwächimg oder Aufhebung des- 
selben bei pleuritischen Exsudaten. 

F. s. Stridor dentiuni das Zähneknirschen, 
cf. Strepitus, Ronchus, Freraissement. 

Friedreich'sche Krankheit vd. Ataxia hereditaria. 

Frons quadrata (quattnor) Vorspringen der Stirn e 
bei Rhachitischen. 

Fnligo (Int. der Russ, fumus Bauch, öv<o räuchern) 
der russige Beschlag z. B. der Lippen und Zähne (F. dentium) 




bedeckten 



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Purunculus 185 

bei schwer Fieberkranken, durch Eintrocknung der Mundflüssig- 
keiten etc. entstanden. 

Fun da inaxillae (fundtreu.maxüla = mäla „Malm- 
glied", Kinnlade) die Schleuderbinde, eine Verbandart für 
das Kinn, indem von einem etwa J / 2 Meter laugen und vier Finger 
breiten Zeugstreifen, der von den schmalen Seiten her bis auf ein 
etwa drei Finger breites Mittelstück gespalten ist, zwei Zipfel im 
Nacken gekreuzt und auf der Stirn vereinigt werden, während man 
die l>eiden anderen auf dem Scheitel zusammenfügt. 

FrniguR (lat. Pilz = o<pdyyog, oxoyyos) gleichmäßig breit 
gestielte Geschwulst mit flachem Kopfe (cf. Polyp), veraltet auch: 
schwammige Geschwulst. 

F. articuli der Gelenkschwamm, die fungöse Gelenkent- 
zündung. Tumor albus. 

F. durae matris der Gehirnschwamm, Hirnkrebs, eine 
von den Hirnhäuten ausgehende Geschwulst (gew. Sarkoma 
medulläre), die bei ihrem weiteren Wachstum das knöcherne 
Schädeldach zerstört und als pilzförmige Wucherung die Haut- 
decken des Schädels abhebt. 

F. Iiacmatodes der Blut schwamm. 

F. mcdttllaris (medulla von medius ftsaog) der Mark- 
schwamm, vd. Carcinom. 

F. testis benignus (im Gegensatz zu carcinomatosus , sar- 
comat. etc.) der stark granulircnde Hode, welcher nach Verwun- 
dung oder ulzeröser Zerstörung der Skrotalhaut teilweise aus der 
Substanzlücke hervorragt. Je nachdem die Albuginea noch den 
Hoden überzieht oder fehlt, unterscheidet, man einen F. super- 
ficalis oder profundus. 

F. umbilicalis der Nabelschwamm, der exulzerirte und 
granulirende Nabelstumpf bei Neugeborenen, 
cf. Omphalitis. 

F. vaseulosus der Gefässchwamm, vd. Angiom. 

Folliculitis (funiculus, funis) gonorrhoica, Ent- 
zündung der Samenstränge, gewöhnlich gonorrhoischen Ursprungs, 
cf. Spermatitis. 

Furor (furo v. m. <pvoa) gähren, brausen = fervere} 
die Wut, Raserei. 

F. uterin us i. q. Nymphomanie, 
cf. Manie, Delirium furibandum. 

Furunculiift (= furvunculus v. furvus = fuscus, fumus 
schwarz, verw. mit fervere) der Furunkel, Blut schwär,, 
von einem Haarfollikel oder einer Schwcissdrüse ausgehende Ent- 
zündung mit fibrinösem Exsudat in und um die Drüse, welche 
durch die Kutte hindurch ins subkutane Bindegewebe übergreift 



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186 



und in diesem einen grösseren Verbreitungsbezirk eiuuimmt. 
Der infiltrirte Teil der Kutis stirbt ab und wird durch seque- 
strirende Eiterung von dem benachbarten Bindegewebe gelöst. Die 
Ursache ist entweder eine lokale oder allgemeine (F u r u n e u 1 o s i s , 
Furunkeldyskrasie, z. B. bei Diabetes), 
cf. Hidradenitis. 

Fusiformig (fusus Spindel) spindelförmig, von Ge- 
schwülsten aus Spindelzellen, cf. Sarkom. 

Fnssklonns (vd. klonisch) s. Fussphiiuomen , eine 
durch Steigerung der Sehnenreflexe bedingte Erscheinung, welche 
dann besteht, dass Anspannen der Achillessehne ^durch passive 
Dorsalflexion des Fusses oder durch Beklopfen dieser Sehne 
klonische Kontraktionen der Wadenmuskeln in rascher rhyth- 
mischer Aufeinanderfolge von kürzerer oder längerer Dauer her- 
vorruft — ein Symptom gewisser Hirn- und Rückenmarksleiden. 

(walaktaffoga (t6 yäka Milch, äyw treiben; sc. reme- 
dia) Mittel, welche die Milchsekretion (Erregung der Sekretions- 
nerven der Milchdrüse, Erhöhung des Blutdrucks) oder die Mileh- 
exkretion befördern. 

Cralakthidrosis (ISgoo) schwitzen) Ausschwitzen 
der Milch, in den Bereich der Fabel gehöriger Zustand, beruhend 
auf der veralteten Anschauuug vom „Veranlagen" der Milch bei 
Wöchnerinnen. 

(xalaktocele 05 ™)h) Bruch) Milchbruch, Ektasie 
eines verschlossenen Milchganges der Brustdrüse durch Milch. 

Ausserdem hat Vidal den Namen G. den mit fetthaltiger 
milchartiger Flüssigkeit angefüllten Hydrocelen gegeben. 

Oalaktorrhoe {6Uo fliessen) der Milchfluss, Bezeich- 
nung für das kontinuirliehe Abfliessen der Milch auch nach dem 
Absetzen des Kindes. 

et*. Poly^alaktie. 

(jralakturie (ro ovqov Urin) = Chylurie. 

Galvanisation (Galvani entdeckte 1789 die elek- 
trische Muskelerregbarkeit mittels der von Volta ent- 
deckten Kontaktelektrizitat) Anwendung des galva- 
nischen, d. i. konstanten elektrischen Stromes. 

cf. Elektrotherapie, Fnradisation. 

(jralvanokailgtik (tj xavoxixi), SC. xiyvrj von xaio), Fut. 
xavoa) brennen) die Methode, durch die auf galvanischem Wege 
erzeugte Glühhitze Teile zu ätzen oder durchzubrennen. Das dazu 
dienende, sehr verschiedenartig geformte Glühinstrumeut heisst 
Gal vanokauter. 

cf. Elektropunktur. 

(walvanolyse vd. Elektrolyse. 



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Gangraena 187 

Galvanometer, Galvanoskop (10 fthoov Mass, 
ffxoTiFM) besichtigen) eine Vorrichtung, vermittelst welcher man 
an der Ablenkung eines Zeigers die Stärke des angewendeten 
konstanten Stromes erkennen kann. Das Galvanoskop gibt nur an, 
ob Strom vorhanden ist und in welcher Richtung derselbe fliesst. 
Die nach Graden geaichten Galvanometer sind nur ein relativer 
Massstab für die Stromstärke. Einen grossen Fortschritt be- 
deuten daher die zuerst von Edelmann konstruirten absoluten 
oder Einheit sgalvanometer, welche empirisch nach der auf 
dem Elektrikerkongress in Paris vereinbarten Masseinheit (Ampere 
bezw. [ViooJ Milliampere) geaicht werden. 

Galvanopunktur vd. Elektropunktur. 

Gangliitls (™ yuyyktov Nervenganglion, urspriinglich 
Überbein) eine der Neuritis analoge und meist damit komplizirte 
Entzündung von Nervenganglien. 

Ganglion*) s. Uygroina ganprliodes (Hippokratks. Nach 
OALEN ist ydyyXtov, vevoov naga (praiv avotoofftj, nervi praeter 
naturam concretio, während unsere heutige Terminologie patho- 
logische Verdickungen der Nerven als Neurome [s. d.] bezeichnet) 
Ü Derbein, hart gespannte bis wallnussgrosse fibröse Säckchen 
in der Nähe der Sehnenscheiden des Haud- und Fussrücken.* 
oder Gelenkes, welche mit gallertartiger Masse gefüllt sind. Sie 
entstehen wahrscheinlich aus Ausstülpungen oder präexistirenden 
Taschen und Buchten der Gelenke oder Sehnenseneiden, welche 
nur selten noch kommunizirend, sondern durch Abschnüruug meist 
«elbständig gefunden werden. 

cf. Cystis, Tendovaginitis. 

(«angraena (i? ydyygmva, von ygaivco, ygdro nage, fresse) 
der Brand von Geweben oder Körperteilen im allgemeinen, 
ursprünglich nur angewendet für das Stadium, in welchem die 
absterbenden Teile noch schmerzhaft und heiss sind: heisser 
Brand. 

Die Ursachen der Gangrän sind entweder direkte Gewebszer- 
trümmerung oder Aufhebung der Zirkulation durch Embolie oder 
Thrombose (Arteriosklerose [G. senilis]). Sekundär wird G. beob- 
achtet ohne direkt nachweisbare Zirkulationsstörung bei einzelnen 



*) HYRTL. Onomatologia anatomica. Wien 1880. p. 231. 

„Eine Ganglionitis (Piorry), ja sogar eine Centro-Gangliitis 
(Nissen) und eine Panto-Gangliitis (für Cholera) zu bilden wie im 
etymologischen Lexikon von L. A. KRAUSS, — dazu gehört mehr 
Courage als griechische Sprachkenntnis. Sie machen einen wahrhaft 
peinlichen Eindruck. Hat denn die Medizin noch nicht der ver- 
wünschten Worte genug? 44 



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188 Gargarisma 

Krankheiten, die mit Blutdekomposition einhergehen, namentlich 
Diabetes mellitus, Morbus Brightii und Typhus abdominalis. 

cf. Nekrose, Sphacelus, Eschara, Phagedaena, Noma, Decubitus, 
Mumificatio, Sequester, Tuberculisatio, Mortificatio. Diph- 
therie. 

(■}. emphysematosa G. mit Entwicklung und Ansammlung 
von Gas in den sich zersetzenden Geweben. 

G. nosocüuiialis roaoxofu'a Krankenpflege, xo/ufm 
pflege) H o sp i t a 1 b r a n d , serpiginöse phagedänische Wund- 
diphtherie, eine durch ganz spezifische Ursachen (sehr wahrschein- 
lich durch Bakterien, welche jedoch mit dem Diphteriepilze nicht 
identisch zu sein scheinen) zu frischen oder grauulirenden "Wunden 
hinzutretende serpiginöse Nekrose, wodurch dieselben nebst der 
benachbarten Haut entweder in einen schmierig gelblichen Brei 
(pulpöse Form) oder in kraterföraiige, in die Tiefe der Gewebe 
vordringende Geschwüre (ulzeröse Form) verwandelt w-erden, 
während die Zerstörung der Oberfläche scharf abgeschnittene 
Kreisformen zeigt. 

<■. senilis Altersbrand, marastischer Brand, durch ver- 
minderte Herzthätigkeit (Fettdegeneration) bei gleichzeitiger athe- 
romatöser Arterienentartung entstehender Brand in den Extre- 
mitäten, gewöhnlich Zehen. 

cf. Thrombus. 

G. symmetrica Raynaud! ein Brand, der in symmetrischer 
Weise die Fingerglieder, seltener Zehen, Ohrmuscheln oder die 
Nasenspitze befällt, nachdem die Teile lange vorher blutleer und 
taub geworden sind, worauf unter schmerzhaftem Knebeln eine 
hyperämische Reaktion von mehr passivem Charakter erfolgt. 
Kommt bei nenösen und chlorotischen Personen zuweilen vor und 
seheint wie beim Ergotismus gaugraenosus auf spastischer Ischämie 
zu beruhen. 

(xargarisma (yagyagi^o, gurgulio v. gurgula, gurges 
kitzeln, gurgeln) Gurgel wasser. 

Garrulitas vulvae (garrulitas Geschwätzigkeit, 
garrire, schwätzen, lärmen) s. Incontinentia vulvae, s. 
Flatus vaginalis, das beim Wiederentweichen eingedrungener 
Luft aus der Scheide entstehende Geräusch. 

<» astral gie (»J yaorfo Magen, t6 ä/.yog Schmerz) i. q. 

Cardialgie. 

Gastrektasie ausdehnen) s. Dilatatio ventrieali 

Magener Weiterung, meist die Folge von Pylorusstenose, habi- 
tueller Polyphagie, häufig auch durch Funktionsschwäche der 
Magenmuskulatur infolge von mangelhafter Ernährung derselben, 
namentlich bei Anämie bedingt, 
cf. Dyspepsie. 



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Gastritis 



189 



ttaatrektomie (fW/<r<o ausschneiden) die partiell«- 
Resektion des Magens zur Entfernung von Strikturen oder bös- 
artigen Neubildungen des Pylorus mit nachfolgender Vereinigung 
der offenen Lumina des Magens und Duodenums mittels zirku- 
lärer Naht. 

Uastritis Magenentzündung, ii. catarrhalis s. fatar- 
rhus gastricus Magenkatarrh. 

G. aeuta akuter Magenkatarrh. Es ist gebräuehlieh, die 
leichteren, schmerz- und fieberloseu Formen, welche meist durch 
Diätfehler entstanden sind, als Gast rizism us oder Status 
gastricus — verdorbener Magen — zu bezeichnen, die fieber- 
haften Fälle als fieberhaften Magenkatarrh, gewisse schwerere 
und protrahirtc Formen als Fe bris gastrica (s.d.), während man 
sehr akute und intensiv schmerz- und fiel>erhafte Formen als Magen- 
entzündung bezeichnen kann. Injektion, oft mit Ekehymosen. 
und Schwellung der Schleimhaut ist meist auf die Pylorushälfte 
beschränkt. Charakteristisch ist lange auhalteude körnige Trübung, 
Schrumpfung und teilweise Verfettung der sekretorischen Drüsen- 
zellen. 

cf. Cardialgie, Cholera nostras. 

G. chronica kann durch dieselben Ursachen hervorgerufen 
werden wie der akute Magenkatarrh, falls sie dauernd und wieder- 
holt einwirken, ausserdem durch andere Magen- und Allgemein- 
erkrankungen, passive Hyperämien des Magens. Dyspepsie, Er- 
brechen, Flatulenz bilden die Hauptsymptome ; die pathologisch- 
anatomischen Veränderungen betreffen vor allem den Pylorusteil, 
die Färbung der Schleimhaut ist bläulich-rot oder blass mit 
Pigmentflecken (von früheren Eckchyinoseu), die Schleimhaut ver- 
dickt (vd. Etat mamelonne)y und bei längerer Dauer kann auch 
■die ganze Magenwand verdickt werden. 

G. toxica Magenentzündung infolge Anätzung der Mageu- 
oberfläche durch korrodirende Substanzen. 

G. diphtherica s. incmbranacca {membrana Hautchen, 
v. membruni = mansa Fleisch) seltene Form von geringem 
klinischen Interesse, mit Bildimg einer Pseudomembran und nekro- 
tischen hyalinen Produkten auf der Schleimhaut, entweder als 
fortgesetzte Entzündung bei Rachendiphtherie, oder sekundär bei 
anderen Infektionskrankheiten (schweren Blattern) und bei sehr 
heruntergekommenen Individuen. 

G. phlegmonosa s. submueosa s. purulcnta interstitielle 
eiterige Magenwandentzündung. Diese seltene Krankheit tritt 
entweder als umschriebener Abszess, oder als diffuse eiterige 
Infiltration der Magen wand idiopathisch oder metastatisch 
und stets unter peritonitischen Begleiterscheinungen mit akutem 
oder mehr chronischem Verlaufe auf. 



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190 Gastroadenitis 

Gastroadenitis (6 ädrjv Drüse) die Entzündung der 
Magendrüsen bei chronischer Gastritis, 
et: Ktat mamelonne'. 

Gastrodiaphanie (Sia^at'vco durchscheinen) ein Ver- 
fahren, durch Einführung eines elektrischen Glühlichts in den 
Magen dessen Contouren, Grösse und Lage durch die Bauchhaut 
erkennbar zu machen [M. Einhorn]. 

Gastro duodenitis vd. Enteritis. 

Gastrodynie (f ( Sövvij Schmerz) i. q. Cardialgie, 

Gastro-Elytrotomia (ro üvrgov Hülle, Scheide, v. 
fUho winde, umhülle) i. q. Laparo-Kolpotomia. 

Gastroenteritis vd. Enteritis. 

Gastroenteropathie (to evtegov Gedärm) das Magen- 
darmleiden. 

Gastroenterostomie (to ivxegov Gedärm, to arö/ua 
Mund) operative Eröffnung von Magen und Dünndarm, und 
Vereinigung derselben durch Naht, ausgeführt wegen Pylorus- 
stenose unter Zurücklassung des Tumors, der wegen zu grossen 
Umfangs oder fester Verwachsung nicht mehr resezirt werden kann- 

Gastrohelkoma (to klxog, klxöco, ilxtofia lat. ulcus 
Wunde, Geschwür) i. q. Ulcus ventriculi. 

Gastrohystero-pexie, -rhaphie, {o&xtw nähen) 
-synaphie {q owaqrj v. awcbirto Verbindung) vd. Hystero- 
pexie. 

Gastrohysterotomie = Sectio caesarea. 
Gastrokrisen vd. Crises. 

Gastrolith {6 tiüog Stein) Bildimg eines Fremdkörpers 
im Magen. 

Gastromalacie (fiaXaxog weich) Magenerweichung,, 
meist Leichenerscheinung, in seltenen Fällen aber, wie von 
Ziemssen konstatirt ist, auch während des Lebens eintretend,, 
beim Zusammenwirken mehrerer, die Selbstverdauung ermög- 
lichender Umstände. 

cf. Oesophagomalacie. 

Gastropexis (?/ arj$tg v. xqywfit das Festmachen) 

Annähung des Magens an die Bauchwand mit oder ohne nach- 
folgende Gastrostomie (s. d.). 

Gastroptoais (>; xriboig v. jibito) fallen) Tiefstand 
des Magens cf. Enteroptosis. 

Gastropylorektomie vd. Pylorusresektion. 
Gastrorhagie {^yw^i brechen) die Magenblutung. 



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Genu 191 

drastrorhaphie (6d.-zT(o nähen) Magen naht, ausgeführt 
entweder als selbständige Operation, zuerst wegen Magenfistel 
[Billroth], sodann wegen spontaner Magenruptur [Mikulicz] 
und bei einem Schuss durch den Magen [BillrothJ, oder als 
Xaehoperation nach Gastrotomie (s. d.) 

4*a*trorhoea acida (s. sprachl. Einf. unter -rhoea) 
(o€(o fliessen) der Magensaf tfluss i. q. Hypersekretion. 

(wastroakop (oxoxio> besichtigen) Instrument zur (elek- 
trischen) Beleuchtung und Besichtigung des Mageninneren. 

<*astro«tomie (to ornfta Mund) das Anlegen einer 
Magenfistel zum Zwecke der künstlichen Ernährung, bei nar- 
bigen oder karzinomatösen Strikturen des Oesophagus indizirt, die 
nicht durch Dilatation zu beseitigen sind, zuerst vorgeschlagen 
von Egeberg. 

(wastrosueorrhoe (aueus Saft, v. sugo saugen, oit» 
Barb.) vd. Gastrorhoea. 

Gastrotomie (reitvw schneide) operative Eröffnung des 
Magens zur Entfernung grösserer Fremdkörper, 
et. Entcrotomie. 

Gastroxynsis [Rossbach] (o$vs spitzig, sauer) eine 
Neurose des Magens, ^bestehend in migräneartigeu Anfällen, die 
!*ich infolge geistiger Uberanstrengung oder starker Gemüteaffekte 
entwickeln und dadurch charakterisirt sind, dass die erbrochenen 
Massen eine ungewöhnliche Menge Salzsäure [X — 4° 00 ) enthalten. 

Genius (sc. morbi — die Bezeichnung stammt aus 
der Zeit, in der man in den Krankheiten persönliche 
Wesen erblickte) Krankheitscharakter. 

G. epidemicus der epidemisch vorwaltende Krankheits- 
charakter (entzündliche, katarrhalische, bösartige etc.). 

(wenn (yow) das Knie. 

(I valguin {valgus schief, v. vergere neigen) Bäcker- 
bein — vom stundenlangen Stehen mit geknickten Knieen beim 
Anmachen des Teiges oder von zu starker Belastung des Ober- 
körpers beim Tragen schwerer Brotkörbe — Kniebohrer, X-Bein, 
Knickbein; abnorme Abduktion des Unterschenkels. — Der ent- 
gegengesetzte Zustand ist: 

ti. varuin s. extrorsum (varus auswärts gebeugt, verw. 
mit curvus) Säbel- oder Sichelbeine, O-Beine; Unter- und 
Oberschenkel sind nach aussen gekrümmt, die Tibia auf ihrer 
unteren Epiphyse nach innen ausgewichen. 

In beiden Fällen zeigt sich der an der konvexen Seite der 
Verkrümmung liegende Kondylus hypertrophirt, der andere 
atrophi rt. 

Ii, recurvatuui das Hohlbein, eine bis zur Dorsalflexion 
übertriebene Streckung des Kuiegelenkes, welche eine hochgradige 



192 Geophagie 

Erschlaffung der Kniekantenmuskeln, des M. popliteus (der die 
hintere Kapselwaud spannt), der hinteren Kapselwand und der 
Kreuzbänder voraussetzt und traumatisch und idiopathisch vor- 
kommen kann. 

Geophagie (ij y>j die Erde, qayeiv essen, von der 
bei dieser Krankheit häufig bestehenden Begierde 
zum Essen von Erde u. a. unverdaulichen Dingen, 
was an die krankhaften Gelüste Chlorotischer nach 
Kreide, Schiefer u. dgl. erinnert), Citlorosis tropica, auch 
Allotriophagie, Kachexia alricana s. amcrieana s. egyptiea, 
Hypoaemia intertropicalis genannt, die Anehylostomen- 
krankheit, eine durch blutsaugende Entozoen (Auchvlostoinum 
duodenale) hervorgerufene Form der Oligämie, welche unter den 
Negern in Amerika und den Bewohnern verschiedener tropischer 
■Gegenden zahlreiche Opfer fordert. 

Geophagie kommt übrigens auch als Begleiterscheinung 
bei anderen Krankheiten vor, z. B. bei Beriberi (s. d.). 
cf. Anaemia tropica. 

(xeromorphismiig [Charoot und SouquesJ (6 yigcor 
Greis, 17 t*oQ<pt'i Gestalt) s. Rhytidosls [Galen] (»7 gvtig, t'do* 
Falte Qvnöoo) falten) [Rossbach] Faltenkrankheit, ausser- 
gewöhnliche Faltenbildung der (Gesichts-)Haut, welche dem Gesicht 
jugendlicher Individuen ein greisenhaftes Aussehen verleiht. 

OerontOXOli (eig. GerontotOXOn 6 yeg<av ysQOvrog 
Greis, xo to$ov Bogen) Greisen bogen, A rcus senilis, ein 
weisslich trüber, schmaler Ring nahe an der Peripherie der Horn- 
haut alter Leute, in einer Fettdegeneration der Hornhautkörperchen 
an der betreffenden Stelle bestehend, ohne besondere pathologische 
Bedeutung. 

G. lentis eine Trübung in der Äquatorialgegend der Linse, 
die oft Jahre lang stationär bleiben, später aber zur Bildimg einer 
Katarakt fortschreiten kann. 

(wibbus (lat. der Buckel, v. xvyog) i. q. Kyphosis. 

Gilles de la Tourette'gche Krankheit, eine in 
spontan auftretenden Zuckungen des Gesichts, der Zunge und 
<ler Extremitäten mit Echolahe und Kropelalie einhergehende 
Affektion, bei welcher eine Steigerung der Muskelerregbarkeit 
besteht. 

Cvilvor (gilvus gelblich, fahl) die erdfahle Farbe, 
wie sie bei manchen Kachexien und Dyskrasien vorkommt. 

Cirin-driiiker'g liver (engl, gin, geneva, juniperus 
Wachholderschnaps, also die Schnapstrinkersleber) vd. He- 
patitis interstitialis. 



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Glaukoma 193 

Gingivitis (gingtva Zahnfleisch) Zahnfleischent- 
zündung. Man kann idiopathische Formen unterscheiden 
(Stomakace) und symptomatische (G. scorbutica, mercurialis 
etc.). 

cf. Stomatitis. 

Glaber, bra, brum {yldcpoi glätten) glatt. 

(xlaukoma (ykavxow, yXavxos bläulich, meerfarbig, 
von der graugrünen Verfärbung der erweiterten Pu- 
pille) s. Chorioiditis serosa, Ophthalmia arthritica, der 

grüne Star, hat als pathognomische Grundzüge: die Steigerung 
des intraokulären Druckes, die sich ihr anschliessende Sehnerven- 
exkavation und die (ohne Therapie) unausbleibliche Erblindung. 

G. iinuiinens s. prodromalis das Prodromalstadium, wobei 
Druckzunahme und die von ihr abhangigen Störungen periodisch 
auftreten und dann wieder zurückgehen, ohne dass in der freien 
Zwischenzeit eine Verringerung der Sehschärfe wahrzunehmen ist. 

G. evolututn das Stadium, in welchem eine dauernde Ver- 
minderung der Sehschärfe und die objektiven Zeichen (dauernde 
Spannungsvermehrung, Pulsiren der Arteria centralis retinae, Er- 
weiterung und Trägheit der Pupille, Trübung des Kammerwassers, 
scharfkantige Aushöhlung der Sehnervenpapille) vorhanden sind. 

1. G. chronicum simplex s. non inflammatorium. 

2. G. s. cum inf lammatione intermitttnte die vorige 
Form mit zeitweisen Anfällen von entzündlichen und 
Reizungssymptomen. 

3. G. inflammatorium acutum Fälle mit plötzlicher 
Steigerung des intraokulären Druckes und heftigen . Ent- 
zündungserscheinungen, Anästhesie der Cornea, Erwei- 
terung und Verfärbung der Pupille, schneller Abnahme 
des Sehvermögens. Die Anfälle wiederholen sich oder 
gehen überhaupt nicht mehr ganz zurück, sondern in 'die 
chronische Form über. 

4. G. fulminans Fälle, in denen gleich beim ersten Insult 
in wenigen Stunden die definitive Erblindung eintritt. 

5. G. inflamm, chronicum, hierbei bestehen keine Inter- 
valle, die von Entzündung und ausgeprägten Stauungs- 
erscheinungen vollkommen frei sind, wie bei 2, sondern 
höchstens Remissionen. 

G. absolut um das abgelaufene G. mit irreparabel zerstörtem 
Sehvermögen, das die glaukomatöse Degeneration (G. degenera- 
tivum) — glaukomatöse Phthise oder Vergrosserung des Bulbus 
durch Bildung von Sklerochorioidealstaphylomen , Blutungen ins 
Auge (G. haemorrhagicum) — zur Folge hat. Von G. malig- 
num spricht man, wenn nach ausgeführter Iridektomie die vordere 
Kammer sich nicht wieder herstellt. 

Roth's Klinische Terminologie. 4. Antf. 13 



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104 



Glenard 



G. sceundarimu dauernde Steigerung des intraokulären 
Druckes mit Abnahme des Sehvermögens, die sich zu anderen 
Augenaffektionen sekundär hinzugesellt (besonders totalen zir- 
kulären hinteren Synechien) [nach Gräfe und Sämisch Hdb.]. 

Glenard'sche Krankheit eine durch Enteroptosis (s. d.) 
bedingte Form der Neurasthenie (N. dyspeptica). 

Gl iom (rj ylia z= gluten Leim, yXivij y yloia, ykoiow leime, 
also yXouofia) eine sarkomatöse Entartung (Inifiltration) von 
Gehirnteilen, indem die sog. Körner des Nervenkitts (Neuroglia) 
durch fortgesetzte Teilung runde, ausnahmsweise spindelige Zellen 
produziren, welche in Bündeln und Faserzügen geordnet zwischen 
der eigentlichen Gehirnsubstanz eingebettet sind und diese, obgleich 
unter vollständiger Erhaltung der makroskopischen Form, in ihrer 
histologischen Eigentümlichkeit vernichten. Der Übergang in die 
gesunde Nachbarschaft ist ein allmählicher [Rindfleisch]. 

Klebs sieht in den Zellen des Glioms Nervenzellen und hat 
der Geschwulst den Namen Neurogliom gegeben. 

cf. Neurom. 

Gliscrobakterium s. Bakterium jrliserojrenum (yXio- 
xgog klebrig, leimig) ein von Malebra und Sanna-Salaris 
rein gezüchtetes Bakterium, welches die Ursache der schleimigen 
Degeneration des Urins sein soll. 

Globomyelom {gldbus Kugel, vd. Myelom) Rundzellen- 
sarkom. 

Globnliimrie Eiweissharn, in welchem ausser Serum- 
albumin auch Globulin enthalten ist. 
cf. Albuminurie. 

Globulus, wörtl. Kügelchen, welches zur Einführung 
von Medikamenten in Körperhöhlen, besonders der Vagina (G. 
vaginalis), dient, gewöhnhch aus Kakaobutter besteht und sich 
in der Körperwärme verflüssigt. 

cf. Suppositorium. 

Globus hygtericu* das wahrscheinlich durch krampf- 
hafte, peristaltisch fortschreitende Kontraktion des Oesophagus 
bei Hysterischen bedingte Gefühl, als ob eine Kugel oder ein 
anderer Fremdkörper die Speiseröhre heraufkomme und in der 
Schlundgegend stecken bleibe. Ein ähnliches Gefühl kommt im 
Unterleibe vor. 

cf. Oesophagismus. 

Glomerulonephritis (glotnerulus, Dem. v. glotnus, 
globus Knäuel, 6 veygog Niere) anatomische Form der akuten 
Nephritis, bei der nur in den Malpighi 'sehen Knäueln Degene- 
ration mit Epithelabstossung und Aufquellung der Gefässwände 
stattfindet. 

cf. Nephritis, 



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Glykosurie 195 

ttlossalgie (j? yktooaa Zunge, rd ä/.y<K Schmerz) Neu- 
ralgie der Zunge — Zungenschmerz. 

(wlOBsanthrax (vd. Anthrax) eine dem Milzbrandkarbunkel 
anderer Teile analoge zirkumskripte brandige Entzündung der 
Zunge bei direkter Milzbrandinfektion, von rasch tötlichem 
Verlauf. 

(«los&itis Entzündung der Zunge. 

G. mueosa oberflächliche , auf die Schleimhaut beschränkte 
Entzündung. 

cf. Stomatitis. 

G. parenchymatös a s. profunda eine schmerzhafte, harte, 
zum eiterigen Zerfall wenig geneigte Exsudation im Parenchym 
der Zunge, die umschrieben oder diffus sein kann, eine hoch- 
gradige Anschwellung hervorruft und zuweilen epidemisch vor- 
kommt. 

G. dissecans chronische Affektion der Zunge, bei der sich 
tiefe Einschnitte (Rhagaden) auf ihrer Oberfläche bilden und der 
Zunge ein zerklüftetes Aussehen verleihen. In den Einkerbungen 
kommt es leicht zu Exkoriationcn und Ulzerationen. 

Glossocele (17 xtfirj Bruch) s. Prolapsus linguae das 

Nachausscntreten der Zunge in hochgradigen Fällen von Makro- 
glossie (s. d.). 

Giossodynia exfoliativa (»? oövvtj Schmerz, ex- 

foliare von folium abblättern) Neuralgie der Zungenwurzel 
(des N. glossopharyngeus) mit Hyperplasie (Exfoliation) des 
Zungenepithels. 

Glossoplegie (jiat}ooo> durchschlag lähmen) Zungen- 
lähmung, gewöhnlich nur Teilerscheinung anderer zentraler 
Lähmungen, manchmal auch eine für sich bestehende Lähmung 
des Nervus hypoglossus. Die einseitige G. ist dadurch cha- 
rakterisirt, dass die Spitze der Zunge beim Herausstrecken nach 
der gelähmten Seite hin abweicht. 

cf. Paralysis glosso-pharyngo-labialis. 

GlosBotomie {ti^voi schneiden) partielle oder totale 
Exstirpation der Zunge. 

Glossy skin, glossy fingers {engl, glänzende Haut, 
v. m. Glas! glänzende Finger) die Glanzhaut, eine Haut- 
affektion, die nach Nervenverletzungen zuweilen auftritt und mit 
Erythem beginnt, das einem glatten, glänzenden Aussehen der 
sich verdünnenden Haut Platz macht. 

Glykoaurie (richtiger wäre Glykurie, ykvxv? süss, ovgeTv 
harnen) s. Melliturie gewöhnlich so viel als Diabetes mellitus; 
übrigens ist vorgeschlagen, mit diesem Namen nur das nach 

13* 



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196 Gnathoschisis 

übermässigem Zuckergenuss etc. zuweilen vorübergehend vor- 
kommende Auftreten von Zucker im Urin zu bezeichnen, im 
Gegensatz zur eigentlichen chronischen Zuckerhamruhr. 

Gnathoschisis (r) yvddos Kiefer, g*/£ö> spalten) 
Kieferspalte, Uranokoloboma anterius. 

cf. Schistoprosopie, Uranoschisma, Uranokoloboma. 

Gonagra (ro y6w Knie, 17 äyga Falle) Kniegicht, 
vd. Arthritis urica. 

Gonarthrokace (Arthrokace — s. d.) Arthrokacc 
des Kniegelenkes. 

Gonarthrotomie (vd. Arthrotomie) Eröffnung des Knie- 
gelenks durch Schnitt. 

Gonitis Kniegelenksentzündung, vd. Synovitis, Ar- 
thritis. 

Gonokokkus eine 1879 von Neisser im gonorrhoischen 
(s. d.) Sekrete entdeckte Kokkenart, ziemlich grosse Kokken, die 
fast stets als Diplokokken zu zweien semmelartig aneinander- 
liegen und sich dadurch von ähnlichen Kokken unterscheiden, 
dass sie in grossen Haufen in das Protoplasma der Zellen (Eiter- 
zellen) eindringen. Sie gedeihen nur auf menschlichem Blutserum, 
sterben aber auch hier wie überhaupt ausserhalb des mensch- 
lichen Körpers sehr schnell ab. Wenn im Trippereiter auch noch 
andere Bakterien vorkommen, so ist doch der Gonokokkus das 
einzige spezifische Virus, dessen erfolgreiche Oberimpfung auf die 
Urethra Bumm zuerst gelungen ist. 

Gonorrhoe (fj yovoggoia Galen, Samennuss, v. 6 yovog 
u. oico) s. Blennorrhoe (rj ßUwa Schleim) der venerische 
Katarrh der Harnröhre, der Tripper mit ßöthung und 
Schwellung der Schleimhaut und einem schleimig-eitrigen Ausfluss 
einhergehend, der neben Epithelien und Eiterkörperchen die 
NEissER'schen Gonokokken enthält. 

Der Tripper erscheint in einer akuten, subakuten und 
chronischen Form, hat seinen Sitz entweder im vordem Teile 
der Harnröhre (Urethritis anterior) oder im hintern (Urethritis 
posterior), und ist im letztern Falle häufig von Komplikationen 
(Prostatitis, Cystitis, Epididymitis u. s. w.) begleitet. 

cf. Urethritis pyorrhoica contagiosa. 

Gorgeret (franz. v. gorger in den Hals (gurges) 
stopfen), Konduktor Hildani (Schweizer Chirurg im 16. Jahr- 
hundert) rinnenförmiges Instrument mit Handgriff zur Untersuchung 
und zum Schutz der Teile beim Einführen von Instrumenten in 
Mastdarm, Vagina, Blase (beim Steinschnitt) etc. 

cf. Itinerarium. 

Gontte militaire (franz. — gutta Tropfen) vd. Ure- 
thritis. 



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Granuloma fungoides 



197 



Granulation (granvlum Körnchen, granum Korn) 
das junge wuchernde Narbengewebe mit körniger f leisch Wärzchen - 
ähnlicher Oberfläche aus embryonalem Bindegewebe. 

Auch der Vorgang der Akestombildung. 

Billroth unterscheidet folgende vom Normalen abweichende 
Formen der Granulationsbildung: 

Granulationes fungosae, stark über das Niveau der Haut- 
oberfläche emporwuchernde, sehr weiche Granulationen. 

Gr. erethicae sehr schmerzhaft und leicht blutend, vd. Ere- 
thismus. 

Gr. crouposae u. diphthericae mit krupöser oder diphthe- 
rischer Exsudatbildung einhergehend. 

Pacchionische G-en zahlreiche kleine weissliche Protube- 
ranzen der Arachnoidea, welche sich vorzugsweise längs des 
Sinus longit. über den Kanten der beiden Hirnhemisphären 
entwickeln und aus einfachen oder wenig verästelten gefässlosen 
Papillen von Bindegewebe mit mehrfach geschichtetem Epithel 
bestehen. Von dem Druck, den sie auf die Dura mater ausüben, 
wird diese durchbohrt und selbst kleine Grübchen im Schädeldach 
gebildet, worin sie eingebettet sind. Sie scheinen die Folge 
wiederholter Hyperämien, besonders bei Säufern. 

cf. Intentio. 

tiranulationsgesch wfilste s. infektiöse Grann- 
lationsgeschwulste, InfektionsgeschwUlstc [Klebs, Cohn- 
heim], spezifische Entzündungen [Rindfleisch] durch ihre 
Infektiosität ausgezeichnete Geschwulstbildungen, die in ihrer 
Entwicklung nie über das Stadium der Granulation sbildung 
hinaus- und, hier angelangt , regressive Metamorphosen eingehen. 
Hierher gehören die Geschwulstbildungen bei Tuberkulose, Syphilis, 
Lupus, Rotz und Aktinomykose. 

Granuloma Geschwulst aus Grauulationsgewebe (vd. 
Granulation, Akestom). 

G. Iridis kleine gutartige Geschwulstmasse der Iris aus 
einem gefässreichen kleinzellig-fibrillären (sarkomähnlichen) Gewebe, 
v. Wecker unterscheidet eine einfache spontan auftretende, eine 
telangiektatische und eine traumatische Form. 

Granuloma fungoides [Auspitz], Syn.: Mykosis 
fungoides [Alibert], Ekzema tuberculatum [Wilson] eine 
seltene Hautaffektion, die mit Bildung von grösseren oder kleineren 
zirkumskripten roten Herden beginnt, welche Ähnlichkeit mit 
einem nässenden Ekzem haben. Die Herde verlieren ihr Epithel, 
überhäuten sich dann aber nicht wieder, sondern es wachsen 
feste Tumoren von Erbsen- bis ApfelgrÖsse aus ihrem Grunde 
hervor. Die Krankheit verläuft unter mehr und mehr zunehmender 
Kachexie letal. 



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198 



Graphoskop 



Französische Autoren suchen die Ursache dieser Krankheit 
in einer lymphadenitischen Diathese und bezeichnen sie als 
Lymphadenie cutanee [ZH]. 

Graphoskop (ygdqpo) schreiben u. oxoneco sehen) eine 
von Giraud-Teulon empfohlene Linse zur Behandlung der durch 
Insuffizienz der Recti interni bedingten Asthenopie. 

Graphospasmus (ygd<peiv schreiben, ooxaofws Krampf, 
v. o.-id(o anziehen) i. q. Mogigraphie. 

(iravedo [Celsus] (gravis = ßagvt) der Schnupfen, vd. 
Corvza. 

Gravid itas extrauterina Entwicklung eines be- 
fruchteten Eies ausserhalb der Gebärmutter. Je nach 
dem Ort der Entwicklung unterscheidet man: 

G. abdominalis wenn es in der freien Bauchhöhle, 

G. ovarialis im Eierstock, 

G. tubaria im Verlauf der Tube, und zwar 

tubo-abdominalis in der Abdominalöffnimg der Tube, 
interstitialis s. tubo-uterina in dem Teil der Tube, 
der in der Uterrussubstanz verläuft, 
sich entwickelt. 

cf. Lithopädion. 

Grossesse nerveuse (franz., lat. grossus) eingebildete 
Schwangerschaft steriler Frauen. 

Grossesse sousperitoneo-pelvienne [Dezeimeris] (franz.) 
seltene Form der Extrauterinschwangerschaft, bei welcher die 
Berstung der Frucht zwischen die Platten des breiten Mutter- 
bandes erfolgt. 

Grutum i. q. Milium. 

Gryposis s. Gryphosis (ygvnos krumm) = Onycho- 
gryposis. 

Gumma Gummigeschwulst (von der elastischen Weich- 
heit) i. q. Syphilom. 

Gutta (mittellat.) alte Bezeichnung für Gicht vd. Arthritis 
urica. 

Gutta cadens ein bei Pneumothorax hörbares metalli- 
sches Phänomen, das nach Skoda und Wintrich durch ein in 
den Brochien der angrenzenden Lunge erzeugtes Rasselgeräusch 
bedingt ist, welches in dem abgeschlossenen Hohlräume des 
Pneumothorax metallische Resonanz hervorruft, nach Leichten- 
stern aber auch oft in einem innerhalb der Pneumothoraxhöhle 
fallenden Tropfen seinen Grund hat. 

Gutta Serena (serenus, oeigivog, letgiog, Sirius Glanz) vd. 
Amaurosis. 



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Haematinurie 199 

Cirynäkologie (rj ywrj, ywaixog Weib, 6 loyog Lehre) 
die Lehn? vom Weibe hinsichtlich seiner körperlichen Zustände, 
insbesondere seiner Sexualkrankheiten und deren Behandlung. 

(jrynükomastie (6 ftaarog Brust) die Weiberbrust, voll- 
ständige Entwicklung der Brustdrüse bei Männern. 

(jrynandrie (>? ywrj Weib, 6 ävr)o Mann) eine Ent- 
artung des Weibes, bei welcher nicht nur das ganze psychische u. 
sexuelle Leben konträr ist, sondern auch Gesicht, Knochenbau, 
Stimme etc. sich dem männlichen Typus nähert, während der Genital- 
apparat vollkommen weiblich differenzirt ist [v. Krafft-Ebing]. 

G. wird auch gebraucht für eine Form des partiellen Pseudo- 
hemiaphroditismus, bei welcher die äusseren Genitalien nur 
scheinbar männlich entwickelt sind. 

cf. Androgynie, homosexual, Viraginität, Hermaphroditismus. 

Gyratns (6 yvgog, qyrus Kreis) wird zur Bezeichnung 
von Kreissegmenten (der Effloreszenzen etc.) gebraucht, welche 
entweder vereinzelt vorkommen oder zusammenhängen und 
mannigfache Schlängelungen darstellen. 

Habitus (habeo sich gehaben, befinden) die Körper- 
beschaf fenheit. H. apoplecti cus der zu Schlagfluss dis- 
ponirende H.: kurzer Hals, Beleibtheit, gerötetes Gesicht etc.). 

H. phthisicus der zu Phthise disponirendc H. (insbesondere 
Thorax paralyticus). H. scrofulosus, und zwar der torpide 
und erethische, vd. Scrofulosis. 

Haemangioni (t6 alfia Blut) i. q. Angiom. 

Haemarthras (t6 alua Blut, x6 ägOgov Gelenk) Blut- 

erguss in die Synovialhöhle der Gelenke, Folge von 
Traumen, hämorrhagischer Synovitis bei grosser Akuität der Ent- 
zündung, hämorrhagischer Diathese. 

Haematemesis (v fyemg Erbrechen, if*sco) das Er- 
brechen grösserer Mengen von Blut, resp. die Beimengung von 
solchem zum Erbrochenen. 

H. hysterica Blutbrechen Hysterischer, eine seltene Er- 
scheinungsweise der Hysterie, meist nur durch den schliesslich 
doch immer günstigen Verlauf von der H. infolge von Magen- 
geschwür und anderen anatomischen Läsionen zu unterscheiden. 

cf. Haemoptoe, Melaena, Haemorrhagie. 

Haematidrose oder Haemathidrose (6 tdgdtg 
Schweiss) blutiger Schweiss, Blutschwitzen. Die be- 
obachteten Fälle waren nur Hautblutungen. 

cf. Chromidrosis, Paridrosis. 

Haematinurie (Haematin Farbstoff des Blutes 
alfuiuvoe blutig [Aristoteles], ovg&ta harnen) das Auftreten 
von Blutfarbstoff in fester körniger Form im Urin. 

cf. Haematoglobinurie, Haematurie, Melanurie. 



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200 



Haematoblasten 



Haematobl Raten (n ßktiozrf Keim) Bezeichnung Hayem's 
für die sog. „Blutplättehen" als Vorstufen der roten Blutkörperchen. 

Haeniatoeele (i? xrjlr)- Bruch — richtiger wäre 
es, nur von Haematomen zu reden, doch ist der Name 
wohl wegen der Ähnlichkeit mancher Formen mit 
Eingeweidebrüchen entstanden) Blutbruch, gewisse An- 
schwellungen, welche extravasirtes Blut einschliessen. 

H. s. Haematoma ftmiculi spermatici geschwulstförniiger 
Blutaustritt in das die Gebilde des Samenstranges umhüllende 
und von der Tunica vagin. coinniun. zusammengefasste Zell- 
gewebe. 

II. intravaginalis s. Haeinatoma tunicac vaginalis testis 

Blutergüsse in die Höhle der Tun. vag. propria testis, kommt 
wohl nur bei schon vorher erkrankter Scheidenhaut vor, und 
meist handelt es sich um Blutung in einer Hydrocele, durch 
Trauma oder Anstrengung der Bauenpresse. 

H. retrouterina s. intraperitonealis s. Haematoma retro- 
uterinum im Doi'GLAs'schen Raum liegende abgekapselte Blut- 
geschwulst, die den Uterus nach vom drängt. — Analog, aber 
seltener ist 

II. anteuterina Blutgeschwulst in der Bauchfellspalte zwischen 
Uterus und Blase. 

H. extraperitoneal s. Haematoma periuterinum. Hierher 
gehören die meist durch Berstung von Varicen des Para- 
metrium hervorgerufenen Blutimgen in das Lig. latum (Thrombus 
Ligament! lati) und die während oder kurz vor der Geburt 
beobachteten Blutgeschwülste in der Umgebung der Vagina 
(Thrombus vaginae). 

H. spontanea s. Periorchitis chronica haeinorrhagica vd. 

Hydrocele. 

Haematocystis (>} xvong) Blut cysto, Cyste mit 
blutigem Inhalt. 

cf. Cystis haemorrhagica, Haematom. 

Haematocytolysis (16 *»W Bläschen, hier Zelle, 
»7 Ivoig Lösung) Auflösung der Blutkörperchen und 

Haematocytotripsie (rj rgiyug Reiben v. T Q lßa>) 
Zertrümmerung von Blutkörperchen [Landois]. 

Haematoglobinurie s. HaemogloMirarie (Hä- 
mato- oder Hämoglobin ist der Hauptbestandteil der roten 
Blutkörperchen, eine Verbindung des eisenhaltigen 
Farbstoffes Hämatin mit Globulin, einem Albuminate ; 
ovgico harnen) Gehalt des Urins an aufgelöstem Blut- 
farbstoff, ohne Blutkörperchen, wodurch eine rotbraune bis 
braunschwarze Färbung .desselben bedingt wird (bei Zuständen, 
durch die die Auflösung der Blutkörperchen schon innerhalb der 



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Haematometra 



ßlutbahn erfolgt: Blutikterus, putride Fieber, Vergiftung mit 
Phosphor, Arsen, Schwefelwasserstoff etc.). In seltenen Fällen 
findet sich eine vorübergehende, oft periodisch auftretende Hä- 
matoglobinurie (transitorische oder paroxysmatische H.) > 
ohne dass die Auflösung der roten Blutkörperchen durch eines 
der angeführten Momente hervorgerufen wurde (von Fleischer 
bei Soldaten nach Märschen beobachtet), 
cf. Melannrie, Haematurie, Haematinurie. 

Haematokathartica (sc. remedia — xaOagnxog rei- 
nigend, v. xa&aiga>) blutreinigende Mittel. Als solche 
betrachtete man früher besonders die Abführmittel, Kräuter- 
säfte und Holztränke. 

cf. Purgantia, Kathartica. 

Haematokolpu§ (6 xöfaog Scheide) Ansammlung 
des Menstrualblu tes in der Scheide bei Scheidenverschluss 
infolge von Atresia hymenalis oder narbigen Verwachsungen. 

cf. Haematometra. 

Haematokrit (xg!va> scheiden 6 xgntj? Entscheider, 
Beurteiler) ein von Hedin angegebenes Instrument zur Be- 
stimmung des Volumen der Blutkörperchen im Blute unter An- 
wendung einer Centrifuge. 

Haematoma (alfiaroa) blute) Blutgeschwulst, ge- 
schwulstförmige Ansammlung extravasirten Blutes. Die älteren 
und abgekapselten werden als Blutcysten bezeichnet (vd. Cystis 
haemorrhagica, Haematocystis). 

cf. Angiom, Apoplexie, Ekchymoma, Haematocele, Staphylhaematom. 

H. auriculare vd. Othaematom. 

H. durae matris vd. Pachymeningitis. 

H. neonatorum vd. Cephalhaematoma. 

H. scarlatinosum dunkelrote, später violettbläuliche Ge- 
schwulst Scharlachkranker, welche sich vom Kinn bis zum 
Warzenfortsatz und über den Kieferrand bis zur Wange und 
andererseits nach dem Halse hin erstreckt und beim Einstechen 
fast reines Blut entleert, wahrscheinlich das Produkt einer 
hämorrhagischen Zellgewebsentzündung [ZHj. 

H. vulvae et vaginae Blutgeschwulst in der Scheide, 
seltener an den Labien, entsteht gewöhnlich durch Gefässver- 
letzungen intra partum, bezw. im Wochenbett. 

Haematometra (»7 jurjrga Gebärmutter, v. nt)rt)g) 
Ansammlung von Menstrualblut in der Gebärmutter- 
höhle infolge von Atresie oder Konglutination des Mutter- 
mundes. 

cf. Haematokolpos. 



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202 Haematomyelie 

Haematomyelie s. Myelitis apoplectiformis (6 pvekos 
Mark) Medullarapoplexie, Blutung in die Substanz de.« 
Rückenmarks, in Form kapillärer Blutungen, oder hämorrhagischer 
Infiltrationen, oder hämorrhagischer Herde, ohne vorhergehende 
Erkrankung des Rückenmarks im Gegensatz zu Haematomyelitis 
{Rückenmarksblutung im Anschluss an eine Myelitis). 

cf. Myelomacia, Haematorachis. 

Haematopnenmothorax (™ aver-pa Luft) s. Pneumo- 
haeinatothorax vd. Pneumothorax. 

Haematorachis (1$ $äzn Rückgrat, v. ot'r/rvut reissen) 
Apoplexia canalis spinalis Blutung in die Rücken- 
mark shäute entweder auf traumatischem Wege oder im Gefolge 
von Krankheiten, bei denen eine Tendenz zu Hämorrhagien be- 
steht (Purpura, Variola, gell>es Fieber u. s. w.) auftretend. 

Zu unterscheiden: extrameningeale H. (weitaus am 
häufigsten) intrameningeale, subdurale H. und subarach- 
noideale H. 

cf. Haematomyelie. 

Ilaematosalpinx {fi oakmys Trompete) die Blut- 
geschwulst der Muttertrompete, meist Teilerscheinung von Hae- 
matometra, zu Blutungen in das Peritoneum (Haematocele 
intraperitonealis) und adhäsiver Peritonitis führend. 

Haematostatica (mr?/« stehen machen) s. Haeina- 
tostyptica (or%o> stopfen, zusammenziehen — ic.remedia) 

blutstillende Mittel, vd. Adstringentia. 

Haematothorax. oder Haemothorax (6 &a>ga£ 
Brust) Ansammlung von Blut im Pleurasack ohne ent- 
zündliche Affektion der Pleura, stets eine sekundäre, meist trau- 
matische Erscheinung. 

cf Pleuritis haemorrhagica. 

Haematotympanon (rö ivitxavov v. rvxno Handpauke) 
Bluterguss in die Paukenhöhle. 

Haeiiiatozoen (t6 Cfpov Tier) tierische Parasiten, 
welche ganz oder zeitweise in den Blutgefässen des Menschen 
leben. 

cf. Trichina, Filaria sanguio. hom., Hydrops adipos., Malaria. 

llaematnria (ovg£<o harnen) grösserer Gehalt des 
Urins an geformten Blutbestandteilen. Je nachdem die 
Extravasaten derselben in der Niere oder in der Blase statt- 

fefunden, unterscheidet man H. renalis und vesicalis. Sie 
omrat meist sekundär vor, idiopathisch in den Tropen, 
cf. Haeraatinurie, Haematoglobinurie, Malaria. 

Haemoblasten i. q. Haematoblasten. 



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Haemocytolyse (™ xr W Bläschen, ^ hw* Lösung) 

Auflösung der roten Blutkörperchen, wobei der Blutfarbstoff in 
das Plasma übertritt und dieses rot färbt — „laekfarbiges" Blut. 

Haemoglob infinite (vd. Haematoglobinurie), Anwesen- 
heit von gelöstem Ha^moglobin im Blute, die Ursache der 

Haemoglobinnrie i. q. Haematoglobinurie. 

Haemometer [v. Fleischt.] (t6 fihoov Mass) u. Haemo- 

globinometer [Gowers] Apparate zur Bestimmung des Hae- 
moglobingehalts im Blute. 

Haoiiiopericarclinm (xegiyAoÖKK um das Herz [Ga- 
len]) Bluterguss im Herzbeutel entweder durch Gefäss- 
zerreissung oder hämorrhagische Entzündung. 

Haeinophilie (»} ffdt'n Neigung) auch Haemor- 
rhagophilie (ot)yw^t zerreisse), Diathcsis haeinorrhagica 

Bluterkrankheit, angeborene Neigung zu Blutungen bei heiler 
Haut und zu reichlichen Blutergüssen bei geringfügigen Ver- 
letzungen. Die Ursache ist wahrscheinlich in Abnormitäten der 
Gefässwände zu suchen. 

cf. Purpura haemorrhagica, Scorbut. 

Haemopthalmu» (« 6q>9aXfi6?) Bluterguss in die freien 
Räume des Auges entweder in die vordere Kammer oder in den 
Glaskörper (Haemophthalmus internus s. Hypohaema) oder in die 
Umgebung des Bulbus: Zellgewebe der Orbita und der Augen- 
lider (Haemopthalmus cxtcrnus). 

Haemothorax, Haemopnenmothorax vd. Hae- 
mato . . . 

Haemopttfe oder Haemoptysis (wahrscheinlich auch, 
epsteres von xrvto spucken) Blut spucken, Symptom der 
Pneumorrhagie leichteren Grades. 

cf. Haematemesis. 

Haemorrhagia (qw^viu zerreisse) s. Extravasati o 

die Blutung, Austritt von Blut aus den Gefässen. 

H. per diabrösin Blutung infolge geschwungen Zerfalles 
von Gefässwandungen. 

H. per diaerSsin durch Gefässspaltung, Verwundung. 

H. per rhexin H. durch Gefässzerreissung, Beratung bei 
zu grosser Spannung etc. 

H. per anastomösin Bluterguss ohne sichtbare Verletzung 
der Gefässwand, sondern, wie man annahm, durch präformirte 
Öffnungen (Stomata) in der Gefässwand. Sicher beobachtet ist 
die folgende Form: 



I 

I 



204 Haemorrhois 

H. per diapcdesin Durchtreten der roten Blutkörperchen 
durch die entzündlich veränderten oder in ihrer Ernährung be- 
einträchtigten und durch Stauung ausgedehnten Gefässwände der 
Kapillaren ohne Kontinuitätstrennung derselben (nach Analogie 
des Durchtritts der weissen Zellen, vd. Jntlammatio). 

H. ]) a r e n c h y m atosa Blutung aus zahlreichen kleinen 
Arterien- und Venenstämmen, wie sie sich in den Parenchymen 
der Organe zahlreich nebeneinander zu belinden pflegen, also- 
nicht zusammenzuwerfen mit 

H. capillaris Blutung aus Kapillargefässen. 

Verschiedene Formen der H. sind: Apoplexie, Ekchymoma, 
Ekchyraosis, Epistaxis, Haematemesis, Haematom, Haeraaturie, 
Haemoptoe, Haemorrhois, Melaena, Menorrhagie, Metrorrhagie, 
Petechien, Pneumorrhagie, Purpura, Suftasion,Sugillation, Vibices. 

Haemorrhois, gew. IHur. H-Tdes (t) aipoggotg v. $eo> 
fliessen) s. Phlcbcktasia haemorrhoidalis goldene Ader, 
zylindrische und variköse Erweiterung der Mastdannvenen infolge 
gehemmten BlntabHusses aus denselben und die mit diesen Zu- 
ständen verbundenen örtlichen Beschwerden (Brennen, Jucken, 
Entzündung, Thrombose und Vereiterung der Knoten, Proktitis, 
Periproktitis, Fissur). 

Die zeitweise, bes. beim Stuhl, eintretenden Blutungen au* 
den ektatischen Gefässen haben der Afl'ektion den Namen H. 
und die meist dadurch eintretende Erleichterung der Beschwerden 
(Molimina haemorrhoidalia) den Namen «goldene Ader« gegeben, 
während man von S c h 1 e i m h ä m o r r h o i d e n spricht , wenn 
schleimiges Sekret, infolge von Proktitis, beständig oder zeit- 
weise aus dem After abgeht (Fluor albus posterior) und von 
blinden H., wenn keine Neigung zu Blutungen derselben vor- 
handen ist. 

Varices haemorrhoidales, Hämorrhoidalknoten sind 
entweder nur einfache Varicen mit beuteiförmiger Ausstülpung 
der Mastdarmschleimhaut oder der zarten Haut des Afterrandes, 
oder sie bestehen aus einem System kommunizirender Blutsäcke, 
einer Art Angioma cavernosum, durch Vereinigung mehrerer und 
lokalen Schwund der sich berührenden Wände entstanden. Man 
unterscheidet äussere und innere, je nachdem sie diesseits oder 
jenseits des Afterrandes liegen. 

cf. Plethora abdominalis. 

Haemospasie (axäfo ziehen) die Blutableitung mit- 
tels des Juxon'schen Schröpfstiefels. 

Haemostasie (totnut, ozdotg), Haemostasticum, Hae- 
moatypticum, die Blutstillung, Mittel zur Blutstillung. 

Halisterese (6 cV.g Salz, »? oreQTjotg Beraubung, otfq£<o) 



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Hebetudo 



205 



Entkalkung des Knochengewebes, Verlust der Knochen- 
salze in der Osteomalazie (s. d.). 

Hallucinatio (alucinari träumen, faseln, äivco, dldco 
irre) u. Illusion sind Sinnestäuschungen, die unter gewissen 
Umständen in allen Sinnen vorkommen können und nicht aus- 
schliesslich den Geisteskranken eigen sind. Unter H. versteht mau 
subjektive Sinnesbilder, welche nicht durch äussere Reize (Sinnes- 
emdrücke) veranlasst, gleichwohl nach aussen projizirt werden und 
dadurch scheinbare Objektivität und Realität bekommen, während 
man unter Illusion falsche Deutungen wirklich vorhandener Ob- 
jekte versteht. 

Hall u x valgus (allex, allus, hallus, wie pol-lex v. 
licere der „Lockflnger", Daumen, grosse Zehe, valgus 
schief; engl. Bunion; cf. Pes valgus) eine Erkrankung im 
Oelenke zwischen dem ersten Metatarsus und der grossen Zehe, 
wobei das Gelenk stark vorspringt und die Erscheinungen einer 
{oft isolirten) Arthritis deform, bietet und die grosse Zehe nach 
<len übrigen Zehen zu (in hochgradigen Fällen sogar über die 
nächsten Zehen hinweg) abduzirt ist. 

Halo (lat. v. 6 äXcog die Tenne, die rund zu sein 
pflegte) der Hof, jeder eine andere Effloreszenz kreisförmig 
umgebende rote Fleck. 

H. glaucoinatosus der gelblich weisse Ring, welcher die Aus- 
buchtung der Eintrittsstelle des Sehnerven (Exkavation) bei Glau- 
kom im ophthalmoskopischen Bilde umgibt. 

Hamma (ro cfoua alles Geknüpfte, Band, Gürtel, 

v. ojztü)) i. q. Bracherium, Bruchband. 

Haphalgesie ä<prj v. cbttw Berührung, t6 akyo; 
Schmerz) [Pitres] eine seltene Parästhesie, hervorgerufen durch 
Berührung der Haut mit gewissen Substanzen, insbes. mit Me- 
tallen, ein Symptom der Hysterie, einmal auch vorübergehend bei 
Tabes beobachtet. Metalle" in die Hand genommen, erzeugen 
Schmerz und erregen Zittern oder Krämpfe bis zu allgemeinen 
Konvulsionen. 

Hayfever {engl, das Heufieber i. qu. Catarrhus aestivus. 

Hebephrenie {fj ijßtj Jünglingsalter, $ <pQtjv Geist) 
-eine von Hecker beschriebene, von Kahlbaum benannte Form 
von Psychose: „Fast stets zwischen dem 18. und 22. Lebensjahre 
nach geschehener Pubertätsentwicklung mit einem melancholischen 
Stadium beginnend, stellt die Krankheit gewissermassen einen ins 
Krankhafte vergrösserten und verzerrten Rückfall in die Backfisch- 
und Flegeljahre mit ihren charakteristischen Symptomen — einer 
albernen Erregtheit — dar" [HeckerJ. 

Hebetudo (y.hebes) die Stumpfheit, z. B. H. sensuum, 
visus (Amblyopie), auris (Baryekoia) etc. 



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?06 



Hedrocele 



Hedrocele (17 edoa Sitz, Gesäss) i. q. Hernia in reeto. 

Hektik {exnxo? hektisch [Galen], v. fy«* haben, sich 
befinden) derjenige Zustand der Phthisiker oder dasjenige Sta- 
dium der chronischen Schwindsucht, in welchem ein die allgemeine 
Atrophie beschleunigendes Fieber von einer bestimmten Form 
(vd. Febris hektica) und meist auch grosse Neigung zu profusen, 
bes. mit dem Fieberabfalle erfolgenden Schweissen besteht. — 
Wesentlich ist dabei die vermehrte Stoffausgabe. 

cf. Inanition. 

Heliopliilie (6 tjhog Sonne, f) ydta Neigung), Son- 
nensucht bestehend in einer krankhaften Anziehung durch das 
Sonnenlicht, wodurch eine Ekstase mit Muskelzuckungen entsteht. 

Helkodermatosen [Tommasoli] (vd. Helkosis, r6 Signa 
Haut) mit Geschwürsbildung verbundene Hautkrank- 
heiten. Nach T. zerfällt die ganze Klasse in: 1. Pyodermiten 
(s. dort), diese wieder in vesicopustulöse (Varicellen, Impetigo, 
Ekthyma, Rupia) und nodulopustulöse (Sykosis, Folliculitis,. 
Acne, Furunkel, Hydrosadenitis pustul.) und 2. Nekrodermiten 
(s. dort), wozu gehören: Variola, Ulcus molle, Karbunkel (Pustula 
maligna), Anthrax, Panaritien, Phlegmonen, Ulcus cruris, Mal 
perforant, Gangrän, Decubitus, Verbrennung 3. Grades etc. 

Heikos!« (rj i'ixwois VerSChwärung, eXxom, to eXxoc; 
Geschwür, ulcus, eXxco, vulnus) i. q. Ulceratio. 
cf. Enterohelcosie. 

Helminthiasig (eXfnv&iaco an Würmern leiden, 

ij Üftivs, kltiivüos Wurm [Hippokrates]) Wurmkrankheit, Ein- 
geweidewürmer (Enthelminthen) im Darmkanal und die davon 
abhängigen Beschwerden. 

Dem Menschen eigen sind acht Darmschmarotzer, noch weit 
mehr andere sind als zufällig von Tieren übertragen beobachtet 
worden. 

cf. Taenia solium und saginata, Bothriocephalua, Ascaris, Oxyuris, 
Trichocephalus, Ancbylostomum, Trichina. 

Hemeralopia f^ioa Tag, aXaog blind, fj o>y Sehen 
— der Name hat herkömmlicherweise eine der Ab- 
leitung entgegengesetzte Bedeutung, nämlich:) Nacht- 
blindheit, Nachtnebel, Caecitas nocturna, Torpor der 
Netzhaut gegen geringere Helligkeitsgrade, so dass das Sehver- 
mögen in der Dämmerung oder zur Nachtzeit mehr oder weniger 
vollständig aufgehoben ist (am charakteristischsten bei Retinitis^ 
pigmentosa). H. kommt angeboren, idiopathisch (mit negativem 
Augenbefund) und symptomatisch bei Choreoretinitis, Netzhaut- 
ablösung, Xerosis etc. vor. 

H. scorbutica, H., für die ein Zusammenhang mit Skorbut 



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Hemicrania 207 

wahrscheinlich ist, da sie häufig in Verbindung mit demselben 
beobachtet wird, 
cf. Nyktalopie. 

Heiuiacephalus vd. Acephalus. 

Hemiachromaftopaie (>//« in Zusammensetzungen 

statt ifoiiov halb, ä priv., t6 X9^*f ia Farbe, *J oifn Sehen) 
einseitige Farbenblindheit hei erhaltener Pcrzcption für 
Weiss. 

cf. Achromatopsie, Hemiopie. 

H<'miageiiKie (d priv., rj yttme Geschmack) und He- 
mihypogeusie (ivro unter) einseitiger Verlust bezw. Ver- 
minderung der Geschmacksempfindung. 

Hemianiblyopia ivd. Amblyopie) i. q. Hemianopsia. 

Hemianiistliesie, Anästhesie einer Körperhälf te r 
cerebralen wler spinalen Ursprungs. 

Hemianopsia i. q. Hemiopia. 

Hemiathetosig poathemiplegica einseitige Athe- 
tose als Folgeerscheinung einer zerebralen I^ähmung, bes. der 
zerebralen Kinderlähmung. 

cf. Athetosis, Hemiplegia. 

Hemiatrophia einseitige Atrophie. 

H. facialis progressiva s. Prosopudysmorphie einseitige 
fortschreitende Gesichtsatrophie, chronischer, gewöhnlich 
in den äusseren Weichteilen beginnender und successive auf die 
tieferen Gewebe übergreif ender Schwund einer Gesichtshälfte, 
wahrscheinlich neuritischen Ursprungs (vasomotorisch -trophische 
Neurose). 

cf. Atroph ia later. cruciata. 

HemicephaluB vd. Acephalus. 

Hemichorea i. q. Chorea dimidiata. 

Hemicrania (cranium Schädel) Migräne, einseitige 
spontan und in Anfällen auftretende Kopfschmerzen durch Rei- 
zungen sensibler Kopfnerven (sei es in der Haut, dem Perikra- 
mum, den Gehirnhäuten oder den sensiblen Gehirnabschnitten 
selbst — zum grössteu Teil wahrscheinlich in Zusammenhang mit 
plötzlichen Schwankungen der Blutzufuhr). 

H. vasomutoria Migräne, welche in Beziehung zu vasomoto- 
rischen Affektionen steht. Sind bei den Anfällen die Augen stark 
beteiligt (Flimmerskotom , Hemianopsie) , so spricht man von 
H. ophthalmica. Man teilt die vasomotorische H. zweckmässig 
ein in: 

a) sympathico-tonica s. spastica H. mit den Erschei- 



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208 Hemiplegia 

nungeii von Gcfässverengerung und Pupillenerweiterung auf der 
betreffenden Gesiehtehälfte, welche Symptome aus einem tonischen 
Krampf der Kopfgefässe durch eine mit periodisch gesteigerter 
Erregung verbundene Affektion des Halssympathikus oder der ent- 
sprechenden Region des Halsmarkes zu erklären sind. 

b) angio-paralytica (neuro-paraly tica) H. mit den 
entgegengesetzten Erscheinungen, welche zurückzuführen sind auf 
verminderte Aktion des betreffenden Halssympathikus oder seine* 
.spinalen Zentrums (ZH). 

cf. Clavus, Cephalalgie. 

Heniidrosis (6 tögibg Schwei ss) vd. Hyperidrosis uni- 
lateralis. 

Heiiiihypogeusie vd. Hemiageusie. 

Hemimelie (ro ftüog Glied) Missgeburt, bei welcher ein 
Teil des Gliedes, z. B. die Hand, fehlt und dieses einen Stumpf 
bildet. 

Hemimyoklonus (6 Muskel, 8 xkovog heftige 
Bewegung, xiko^iai antreiben) nach einem Schreck auftretende 
krampfhafte Zuckungen in einer Körperhälfte. 

cf. Myoklonie, Paramyoklonus. 

Hemiopia (fj (oy> Sehen) oder Hemianopsia (ä priv.. 
r) otfig Sehen) Amblyopie oder Amaurose einer Hälfte der Netz- 
haut, wodurch das Gesichtefeld von einer Seite her (H. supe- 
rior und inferior, oder lateralis dextra und sinistra) ein- 
geengt wird, meist in Zusammenhang mit Veränderungen im 
Chiasma. Bei homonymer H. sind auf beiden Augen die rech- 
ten oder linken Hälften, bei heteronymer H. die temporalen 
oder nasalen Hälften des Gesichtefeldes defekt. 

H. teinporalis i. q. Amaurosis partialis fugax. 

Hemiparaplegia (xagä neben, nXyooto durch Schlag 
lähmen) spinale nur auf eine Unterextremität beschränkte Läh- 
mimg (Monoplegie). 

cf. Hemiplegie. 

Hemiparesis (?; naoEoig Erschlaffung, nagirj^i unter- 
lassen) unvollständige Lähmung einer Körperhälfte, 
cf. Paresis, Paraparesis. 

H. uteri die teilweise Wehenschwäche, ein von C. v. Bracx 
gebrauchter Terminus für denjenigen Grad von Wehenschwäche, 
bei welchem nur noch auf heftige Reize Kontraktionen erfolgen; 
der höchste Grad ist die Paresis uteri, welche durch völligen 
Wehenmangel gekennzeichnet ist. 

cf. Exhaustio uteri. 

Hemiplegia einseitige Lähmung im Gebiet der von 
einer Hirnhemisphäre abgehenden Nerven, die gewöhnliche Form 



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Hepar 



der zerebralen Lahmung, bei welcher der anatomische Erkrankungs- 
herd immer kontralateral zur Lähmung liegt Man spricht von 
H. alte man s, wenn z. B. der Facialis auf der einen, die Ex- 
tremitäten auf der anderen Seite gelähmt sind, was bei Läsion 
einer Brückenhälfte oberhalb der Pyramidenkreuzung, aber unter- 
halb der Kreuzung der Facialisfasern vorkommt. Sehr selten ist 
die H. cruciata, die Lähmung des Arme9 auf der einen, die des 
Beines auf der anderen Seite. 

II. cpilcptiea H. in Verbindung mit epileptischen Anfällen, 
aber ohne besondere Eigentümlichkeit und nur indirekt mit denselben 
zusammenhängend, insofern sie durch gröbere anatomische Läsionen 
der Nervenzentren hervorgebracht wurden. 

H. spastica infantilis [Benedikt] s. akute cerebrale 
Kinderlähmung, vd. Paralysis infantum cerebralis acuta. 

H. spinalis (spina Rückgrat, Spitze, Grate) vd. Brown- 
Sequard's Halbseitenläsion. 

cf. Paraplegie, Hemiparaplegie, Parese, Monoplegie. 

Hemitritaeus (fjfiizQiiatos ddj., sc. 6 xvgeros das halb- 
dreitägige Fieber, halbe Tertianfleber) vd. Malaria (Febr. 
interm. semitertiana). 

Hepar (lat v. t6 JjxaQ, -axog Leber = jecur). 

H. adiposum s. Lipomatosis hepatis Fettleber, ist ent- 
weder Fettinfiltration, Ablagerung von Fett aus dem Pf ort - 
aderblut in die Leberzellcn — 

oder Fettdegeneration, Umwandlung des Inhaltes der 
Loberzellen in Fettmoleküle und -kugeln bei verschiedenen zymo- 
tischen und Blutkrankheiten, gewissen Vergiftungen etc. 

Erstere ohne besondere klinische Bedeutung, da die Funktion 
der Lcberzellen nicht gestört wird und durch Wiederaufnahme des 
Fettes in das Blut Fettlebern jeden Grades wieder zur Norm zu- 
rückkehren können, — letztere gegen das Grundleiden zurück- 
tretend. 

Leichtere Grade der Fettinfiltration und -degeneration, welche 
nur die Portalzonc der Acini betreffen, geben das Bild der fettigen 
Muskatnussleber (s. u.). 

H. induratum s. Induratio hepatis eine von der gewöhn- 
lichen Cirrhose verschiedene Affektion, die nach längeren Wechsel- 
fiebern, häufig mit melanämischer Pigmentablagerung in und 
neben den Kapillargefässen (schieferige Färbung) verbunden auf- 
tritt und ebenfalls auf Hyperplasie des interacinösen Bindegewebes 
beruht, das jeden Acinus in Form eines weissen Streifchens ein- 
rahmt, wobei das Parenchym starr und trocken und das Organ in 
allen Durchmessern gleichmässig verkleinert wird [nach Bixd- 
fleisch]. 

H. m ose hat i forme (muscatum, muscus, fioayos Bisam, aus 

Roth'« Klinische Terminologie. 4. Aufl. I i 



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210 



Hepatisatio 



dem pers. muschk, arab. misk [eig. Hode]) Muskatn u .«.«leber, 
Bezeichnung eines gewissen, demjenigen der Muskatnuss gleichen- 
den Aussehens des Leberdurchschnittes bei Stauungshypcräniie der 
lieber, indem dunklere Stellen, welche den erweiterten Asten der 
zentralen Lebervenen entsprechen, mit heller gefärbten, besonders 
ikterischen oder fettigen Stellen des Parenchyms (Peripherie der 
Acini und interacinöses Gewebe) abwechseln. 

H. m. atrophicum die atrophische Fonn der Muskatnuss» 
leber oder zentrale eyanotische Atrophie, tritt nach längerem Be- 
stehen von Stauungshyj)erämien ein, indem der Druck der er- 
weiterten Zentralveuen und der in sie mündenden Kapillaren 
allmählich einen Schwund der zwischen Maschen liegenden Leber- 
zellen herbeiführt [nach Njemkyer-SeitzJ. 

cf. Degcneratio amyloides. 

Hepatisatio (pulmonis) der Effekt der Infiltration, 
d. i. der Anfüllung der Lungeualveolen mit einer soliden Masse, 
wodurch der betreffende Lungenteil in eine starre let)erähnliche 
Masse verwandelt wird. Der höchste Grad von Hepatisation findet 
sich bei Pneumonia crouposa (s. d.) im zweiten Stadium. 

cf. Splenisation, Induration. 

Hepatitis Entzündung der Leber. 

H. interstitialis chronica (interstitium Zwischenraum, 

von inter-sisto s. Cirrhosis hepatis s. atrophische (oder 
LAEXNEc'sche) Lebercirrhose, granulirte Leber, Säufer- 
leber (weil hauptsächlich durch Alkoholmissbrauch), indurirende 
Entzündung und Hyperplasie des die grösseren Pfortaderverzwei- 
gungen begleitenden Bindegewebes. Nach diesen Richtungen findet 
narbige Kontraktion und Untergang zahlreicher Leberacini und 
infolge davon Verkleinerung der lieber statt, während die da- 
zwischen liegenden Partien halbkugelig hervorquellen, höckerig 
oder granulirt erscheinen. Die Pfortaderäste werden komprimirt 
und obliterirt, infolge dessen Stauungen im Pfortaderkreislauf mit 
Ascites etc. entstehen. 

II. interstitialis chronica hypertrophica zum Unterschied 
von der vorigen charaktcrisirt durch eine hyperplastische Binde- 
gewebsinduration, die zu einer dauernden Vergrösserung des Or- 
gans führt. Manche Formen der hypertrophischen Cirrhose wer- 
den auf eine erhöhte Fettinfiltration der Leberzellen bei geringerer 
Bindegewcbshypcrplasic zurückgeführt, 

H. biliaris die von den Gallengängen ausgehende, durch 
Gallenstauung bedingte Leberentzündung mit teils plastischem, 
teils eiterigem Charakter. 

cf. Hepar induratum. 

II. parenehymatosa (diffusa) acuta akute gelbe Leber- 
atrophie oder Lebererweichung, eine eigentümliche, stets 
zum Tode führende Eutzündungsform, durch welche die Leber- 



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Hermaphroditismus 211 



zellen nach anfänglicher „trüber Schwellung** in Zeit von wenigen 
Tagen zu molekulärem Detritus zerfallen, womit eine hochgradige 
Verkleinerung, Atrophie, besonders des Dickendurchmessers der 
Leber mit intensiver, diffuser oder inselförmiger Gelbfärbung ein- 
hergeht. Die Ursachen sind entweder mikroparasitäre Infektion 
oder Vergiftung (Phosphor). 

cf. Ikterus gravis, Degeneratio, Inflammatio parenchymat. 

H. suppurativa s. purulenta Leberabszess, meist in der 



tische, einschliesslich der durch Gallensteine bedingten, meta- 
statische, eine tropische etc. H. s. unterscheiden. Eine der 
häufigsten Ursachen der H. suppurativa metastatica bilden 
Eiterungsprozesse des Darmes, namentlich des Processus vermi- 
formis (cf. Dysenteria hepatica). 

H. syphilitica kommt entweder als Teilerscheinimg der he- 
reditären oder unter den tertiären Formen der acquirirten S. zur 
Beobachtung, und zwar entweder als Perihepati tis syph. (s.d.), 
oder als H. syph. intcrstitialis (fibrosa), oder als H. gum- 
mosa (Syphiloma hepatis), letztere mit Entwicklung von spezi- 
fischen Gummaknoten. Durch spätere Schrumpfung entstehen rin- 
uenförmige Einziehungen an der Leberoberfläche : gelappte Leber. 

Hepatorhaphte (pch™ nähen) Anheftung der Leber, 
bezw. eines beweglichen Schnürlappens derselben an die Bauchwand. 

Heredität (lat. v. heres Erbe) die Erblichkeit, Über- 
tragung von Eigenschaften und Anlagen durch die Zeugung, 
cf. Atavismus. 

Hermaphrodisie psychische, eine angeborene kon- 
träre Sexualempfindung, dadurch charakterisirt, dass neben homo- 
sexualer Empfindung eine — weit schwächere und nur episodische — 
Neigung zum anderen Geschlechte besteht, [v. Krafft- Ebing.] 

Hermaphrodit i«nm*, Henna phr od ismus ( e Eg- 

iiaqpQoditos Sohn des Hermes und der Aphrodite, Zwit- 
ter) die Zwitterbildung im weiteren Sinne alle Bildungs- 
veränderungen, bei welchen das Geschlecht undeutlich wird. 

Zu unterscheiden: 

I. H. verus. 

Die ächte Zwitterbildung kommt höchst wahrscheinlich über- 
haupt nicht vor. Die von Klebs aufgestellte Klassifikation des 
wahren H. in 1) bilateraler H. (auf beiden Seiten Testikel und 
Ovarium), 2) lateraler H. (auf der einen Seite ein Testikel auf 
der anderen ein Ovarium), 3) unilateraler H. (nur auf einer 
Seite Testikel und Ovarium) ist deshalb als antiquirt anzusehen. 

II. H. spurias s. Pseudoherinaphroditismus die falsche 
Zwitterbildung. Hierher gehören alle bis jetzt beobachteten 
Fälle von H. 



hinteren Partie des rechten Lap 




14* 



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212 



Hernia 



Zu unterscheiden: 

1) Pseudohermaphroditismus im eigentlichen Sinne 
zusammenfallend mit der penino-scrotalen Hypospadie be- 
trifft stets männliche Individuen, von deren rudimentärem Penis 
ein Frenulum zur Harnröhrenmündung und einer darunter be- 
findlichen Vaginalöffnung mit Hymen führt, die durch die Weiter- 
entwickelung der Müller^schen Gänge in eine Vagina und einen 
Uterus (Ovarien sind nie beobachtet) führen kann. Es finden sich 
dabei deutliche Schamlippen und eine starke Entwicklung der 
Brüste. 

2) Pseudohermaphroditismus partialis in einer weib- 
lichen Form Gynandrie (s. d.) und einer männlichen Andro- 
gynie (s. d.) auftretend. 

cf. Hypospadie. 

Hernia (hira Leerdarm [vgl. haruspex], verw. m. gr. 
ZOQ-Srj, #<Ut£, £o^a<k? Eingeweide) das Heraustreten von Ein- 
geweiden aus ihrer Höhle entweder nach anderen benachbarten 
Körperhöhlen oder nach der Oberfläche des Körpers, woselbst sie 
eine von den Weichteilen bedeckte Geschwulst bilden. 

H. inruinalis (inguen Weichen, v. ango engen) Leisten- 
bruch, die über dem Ligam. Pouparti im Bereich des Leisten- 
kanales hervortretenden Unterleibsbrüche. 

H. i. externa bei welcher der Bruchsackhals nach aussen 
von der Art. epigastr. hegt und dem Samenstrange oder dem run- 
den Mutterband folgt. In letzterem Falle tritt der Bruch in eine 
(oder beide) grosse Schamlippe aus (H. inguin. labialis). 

H. i. interna s. inguin. directa (wegen des geraden di- 
rekten Weges, den dieser Bruch durch die Bauchdecken nimmt, 
ohne einem eigentlichen präformirten Kanäle zu folgen) wenn der 
Bruchsackhals nach innen von der Art. epigastr. hegt. 

H. i. incompleta s. interstitialis wobei die H. inner- 
halb des Leistenkanales liegt. 

H. i. completa wenn sie den äusseren Leistenring pas- 
sirt hat. 

H. ovarii inguin. angeborener Austritt des Eierstocks, ge- 
wöhnlich mit der Tube, aus der Bauchhöhle; öfters auch mit 
Darm, Uterus und Netz. 

H. scrotalis wenn sie bis in den Hodensack (scrotum v. 
scrautum Ledertasche, v. %Q™s Haut) herabgestiegen ist 

H. uteri s. Hysterocele inguinalis Gebärmutterbruch, 
Austritt des normalen Uterus (angeboren) oder des schwangeren 
Uterus in einen bereits bestehenden Leistenbruchsack. Häufig 
handelt es sich um einen Uterus bicornis oder unicornis. 

H. femoralis s. eruralts (femur Hüfte, crus Schenkel, von 

currere) Schenkelbruch, Brüche, die unter dem Ligam. Poup. 
durch den Raum, welcher zwischen diesem und der vorderen 



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Hernia 



Grenze des knöchernen Beckens, zwischen Spina ilei und Tuberc. 
pubis, gelegen ist, in die Vagina vasor. femoraliura eintreten und 
gewöhnlich an der inneren Seite der Schenkelgefässe liegen. Die 
H. cruralis ovarii ist viel seltener als die H. ovarii inguin. 
(s. o.). 

H. cruralis s. pectinea s. retrovascula ris wenn der 
Bruch sich hinter die Schenkelgefässe schiebt und auf dem Muse, 
pectineus ruht. 

H. umbilicalis (umbilicu*, o//^«AoV, umbo y äußmv Erhöhung) 
Nabelbruch, Eingeweidebrüche, die durch den nach der Ge- 
burt nicht gehörig geschlossenen oder nachträglieh wieder er- 
weiterten Nabelring austreten. 

H. funiculi umbilicalis, Nabelschnurbruch oder 
Nabelspalte, ein durch kongenitale Fissura abdominalis be- 
dingter Zustand. Der Sack besteht aus dem Amnion (Scheide der 
Nabelschnur) und dem Peritoneum. 

H. ventralis s. abdominalis s. Laparocele kommen bei 
ausserordentlicher Schlaffheit und Ausdehnung der Bauch Wandungen 
durch Auseinanderweichen der Fasern der Aponeurosen oder durch 
Erweiterung der normalen Gefässlücken in den letzteren zu stände. 
Man kann unterscheiden : 

H. v. mediana in der weissen Bauchlinie. 

H. v. lateralis nach aussen von der Mittellinie, meist am 
äusseren Rande des Muse. rect. abdom. hervortretende Brüche. 

Selten enthält der Bruchsack ein Ovarium (H. abdomi- 
nalis ovarii) infolge eines durch Kaiserschnitt oder einseitige 
Ovariotomie gebildeten Bruchsacks. 

H. luinbalis (lumbus Lende) Brüche, welche an der hin- 
teren Wand des Unterleibes zwischen dem Darmbein und der 
letzten Rippe austreten (im „PETiT'schen Dreieck" zwischen Crista 
oss. iL, Muse, rectus und obliqu. ext.). 

H. foraminis ovalis s. obturatoria (ob-turarc ver-stopfen) 

Brüche, die durch die Öffnung austreten, welche am äusseren 
oberen Winkel des Foramen ovale zum Durchtritt der Vasa imd 
des Nerv, obturatorius offen bleibt. In einem Falle fand Kiwisch 
Austritt des Ovarium nebst Tube durch das Foramen ovale. 

H. isehiadiea {toyinv Hüfte, v. la^vg, k, vis) seltene H., 
die durch das Foram. ischiad. majus meist am oberen Rande des 
Muse, pyriformis hervortritt. 

cf. lschiocele. 

H. perinealis s. saero-rectalis s. Isehio-rectalis Brüche, 
die in dem keilförmigen Räume zwischen dem Levator ani und 
dem knöchernen Becken austreten. 

H. in reetu s. Hedrocc'e (cf. Rectocele) Vortreten von Ge- 
därmen oder Beckeneingeweiden durch die auseinandergewichenen 



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214 Hernioenterotomia 

Muskelfasern des Mastdarms, so dass dessen Schleimhaut wie eine 
Art Prolaps hervorgedrängt wird. 

H. vaginalis Brüche, die dadurch entstehen, dass bei Scheiden- 
vorfall ein Teil des Bauchfelles mit Eiugeweiden sackförmig mit 
nachgezogen wird. 

cf. Gystocele, Rectocele, Elytrocele, Kolpocele. 

H. vagino-Iabialis s. labialis posterior sehr seltener Bruch, 
der vor dem breiten Mutterband in einer Lücke der Fascia pel- 
vis und des Levator ani herabtritt und in dem hinteren Ende einer 
grossen Schamlippe zum Vorschein kommt. 

Hcrniae internac: dazu gehört die H. diaphragmatica 
durch abnorme Spalten des Zwerchfells; die H. omentalis oder 
ligamentosa, welche durch abnorme Stränge des Netzes oder 
peri tonitische Ligamente inkarzerirtc (strangulirte) Darmstücke 
darstellen; oder die H. foramini s Winslowii; ferner die sub- 
peritoneal verlaufenden Brüche: H. retroperitoneales ante- 
riores et posteriores, H. duodenoje j unalis, H. inter- 
sigmoidea, H. subcoecalis — und andere nicht diagno- 
stizirbare. 

H. littcrana LiTTER'scher Bruch, Danuwand- oder Diver- 
tikelbruch, Vorlagcrung nur einer Darmwand. 

H. adiposa s. Liparocele Fettbruch, ist eine Fettge- 
schwulst, welche entweder vom subperitonealen Bindegewebe aus- 
geht oder durch einen Stiel unmittelbar mit dem Bauchfell zu- 
sammenhängt und durch eine der gewöhnlichen Bruchpforten (am 
häufigsten Linea alba) sich hervordrängt, äusserlich einem Einge- 
weidebruch gleichend. 

H. earnosa i. q. Sarkocele. 

H. synovialis herniöse Ausstülpung von Synovialmembraneu 
aurch auseinandergewichene Fasern der Gelenkkapsel, welche im 
Uuterhautzellgewebc der Gelenke liegen und eine hydropische Aus- 
dehnung erfahren. 

cf. Ganglion, Hygroma. 

II. epiploiea vd. Epiplocele. 
H. ineareerata vd. Incarceratio. 

cf. Cephalhämatocele, Cephalocele, Cirsocele, Enterocele, Fimbrio- 
cele, Hydrocele, Hydromyelocele , Meningocele, Mucocele, 
Ovariocele, Pneumatocele, Sarkocele, Spermatocele, Varico- 
cele. — Eventratio, Strangulatio. 

Hernioenterotomia (t6 evregav Gedärm, re/uvo» 
schneiden) Verbindung der Herniotomic (s. d.) mit einem Ein- 
schnitt des Darms (und nachfolgende Naht) zur Entspannung des- 
selben und Erleichterung der Reposition, ein Verfahren, welches 
bei sehr grossen Brüchen, sogen. Excnterationen, zur Anwendung 
kommt. 



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Herpes 215 

Herniolaparotomie (vd. Laparotomie) Erweiterung 
des Bruchsehnitts (bei Einklemmung) nach der Bauchhöhle, um 
durch Eröffnung dieser den Situs zu besichtigen. 

Herniologie (« koyoz Wort) die Lehre von den Brüchen. 

Herniotomia s. Kelotomia (i) *i)h) Bruch) Bruch - 
schnitt, operatives Verfahren zur Ermöglichung der Reposition 
eingeklemmter Hernien, bestehend in Erweiterung der Bruchpforte 
durch Inzision. Je nachdem dabei das Peritoneum inzidirt wird 
oder nicht, unterscheidet mau H. interna und externa. 

Herpes (Galen: /o.-ry/s xt-y/otn^, tottid/tF >•<>>- u. ^Xvxrntr<odtjg; 
gr. H. v. eoxio kriechen ; der Name ist ganz unpassend, 
insofern niemals ein Fortkriechen stattfindet) Bläs- 
chenflechte, eine akut auftretende Hautaffektion, charakterisirt 
durch eine Reihe von durchsichtigen, zu Gruppen vereinigten, kleinen, 
die Richtung einzelner Hautnerven einhaltenden Bläs- 
chen auf leicht geröteter Basis, die im Verlauf von wenigen Tagen 
unter Trübung des weisslich serösen Inhaltes abtrocknen und 
nüt Zurücklassung von bald verschwindenden Pigmentflecken sich 
verlieren [Schwimmer in ZH]. Nach der Lokalisation unter- 
scheidet man 

1. Herpes facialis [Hebra |; Herpes labialis [Willan]; 
%d.: Exanthema labiale [Frank]; Hydroa febrilis [P. 
Frank] ; Olophlyctide prolabiale [Alibi: rt] mit und ohne Fieber, 
für sich oder in Begleitung von Infektionskrankheiten auftretende 
H.-Bläschen des Gesichts (auch an der Mundschleimhaut vor- 
kommend). 

cf. Febris herpetica. 

2. Herpes praeputialis, progenitalis [Hebra] am Prä- 
putium und der Glans penis auftretende H.-Bläschen, bei Weihen» 
am Scheideneingange (H. vulvaris und pudendalis) sich 
findend und häufig zu Exkoriationen und Gcschwürsbildung 
führend, daher oft mit spezifischen Infektionen verwechselt (H. 
pseudosyphiliticus [Fuchs]. 

3. Herpes zoster s. zona s. eingulum (griech. 6 ^<a<nt)o, 
>/ twvi) der Gürtel, lat. cingulä) eine akute, nach der Richtung 
eines Nervenzweiges in der Haut sich verbreitende, mehr oder 
weniger schmerzhafte Herpesform, die oft durch allgemeines Un- 
wohlsein und Fieber eingeleitet und von heftigen Neuralgien 
begleitet wird. Nach Bärensprung hat sie ihre Ursache in einer 
Erkrankung der Intervertebralganglien bei den spinalen Nerven, 
des Ganglion G&sseri beim Trigeminus. 

Hebra unterscheidet nach der Lokalität 7 Varietäten: a) 
Zoster capillitii, b) Z. faciei, c) Z. nuchae s. collaris, d) Z. brachi- 
alis, e) pectoralis, f) abdominalis, g) femoralis. 

Weitere Erscheinungsformen sind : 

H. iris et eireinatus (letzterer ein nach der Peripherie sich 



210 



Heterochromie 



fortpflanzender, in der Mitte heilender H. iris) ein nur durch die 
besondere Form charakterisirter H. — vd. Iris, 
cf. Erythema exaudat. multiforme. 

H. corneae vd. Keratitis superficialis vasculosa. 

II. esthiomenos vd. Lupus (iodiojievos). 

H. syphiliticus vd. Liehen syphil. 

II. gestationis, Syn.: H. pyaemicus, H. vegetans i. q. Im- 
petigo herpetiformis. 

H. tondens s. tonsurans die scheerende Flechte (engl. 
ringworm), eine durch einen mikroskopischen Pilz — Tricho- 
phyton tonsurans — bedingte Hautkrankheit, welche durch 
Bildimg roter schuppender, peripherisch sich vergrössernder 
Scheiben und Kreise oder Schuppen und Kreise von Bläschen, 
sowie Abbrechen und Ausfallen der im Krankheitsbereiche ge- 
legenen Haare sich auszeichnet. 

Der H. t. lokalisirt sich entweder auf dem behaarten Kopfe 
oder an anderen mit Haaren besetzten Teilen, oder auf nicht 
behaarten, nur mit Lanugo besetzten Körperstellen. An den 
letzteren erscheint er entweder als 

H. t. ve8iculosus, d. i. mit Entwicklung miliarer bis steck- 
nadelkopfgrosser wasserheller Bläschen, oder als 

H. t. maculosus mit Bildung von roten schuppenden 
Scheiben und Kreisen — oder die beiden Formen treten kom- 
binirt auf (cf. Onyehomykosis, Favus). 

Heterochromie (x6 xQ Co f ia Farbe) s. Heteroph- 

thalmus (6 oq &akutK Auge) verschiedene Färbung der Iris 
beider Augen oder verschieden gefärbte Sektoren der Iris eines 
Auges. 

Heterogenes«, Heterologie (hegos anderer, rj yiveoig 
Erzeugung, Entstehen; 6 köyo^ das Wesen einer Sache) 

in Beziehung auf Neubildungen ist entweder eine Heterotopie 
oder eine Heterochronie oder eine Heterometrie, je nach- 
dem es sich um Entstehung von Geweben an einem ungehörigen 
Ort, oder zu einer ungehörigen Zeit, oder um eine bloss Quanti- 
tative Abweichung handelt; die ersten beiden — Heteroplasie, 
letztere = Hyperplasie (cf. Homologie). 

Heterophthalnius i. q. Heterochromie. 

Heteroplasie (.taooocö bilden) Neubildungen, die dem 
Mutterboden, auf welchem sie entstehen, nicht analog sind oder 
in weiterem Sinne, die überhaupt eine qualitative Abweichung 
von den normalen Entwicklungs- und Wachstumsvorgangen in 
sich schliessen. 

cf. Homöoplasie, Hyperplasie. Heterologie. 

Heterotäxie (räooa* einrichten) Verlagerung der Ein- 
geweide nach der anderen Seite icf. situs transversus). 



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Homosexual 



217 



Henrtelonp {franz. Heurteloup, Charles, chirur- 
gischer Schriftsteller, Erfinder der Lithotripsie, geb. 
1793) ein besonders in der Augenheilkunde angewandter Apparat 
zur Blutentziehung. 

Hiatus (lat. H. v. hio klaffen) die Kluft, Spaltung, 
cf. Koloboma. 

H. spinalis congenitus i. q. Spina bifida. 

Hidradenitis s. Hidrosadenitis (b idpwc, -dttog 
Schweiss, 6 adrjv Drüse) selbständige Schwei ssdrüsenent- 
zündung. 

H. phlegmonosa eine von einer oder mehreren Schweiss- 
drüsen ausgehende phlegmonöse Entzündung und Abszedirung 
(doch ohne nekrotischen Pfropf — cf. Furunculosis) , welche 
sehr häufig und sich gerne wiederholend in der Achselhöhle 
bei Frauen, seltener am Warzenhof und Afterrand aufzutreten 
pflegt. 

Hydradenom durch Hyperplasie entstandene Schweiss- 
drüsengeschwulst. 

Hid roder mia (iö Segfta) Anomalien der Schweisssekretion 
vd. Secretrodermatosen. 

Hidrosis [Auspitz] (idpom schwitzen) eine durch Ano- 
malien der Schweisssekretion charakterisirte Keratonose. Die ver- 
schiedenen Formen derselben sind: Hyperidrosis, Anidrosis 
und Paridrosis. 

Hidrotiea (sc. remedia v. ISgoco) schweisst reibende 
Mittel (cf. Diaphoretica, Sudorifera). 

Hippus (6 ijuiog Pferd, die springende Bewegung 
als Tertium compar.) klon i sc her Krampf des Sphincter 
iridis, öfters an Nystagmus geknüpft. 

Hirsuties (hirsutus zottig, v. Jwrrere starren) stark 
zottige Behaarung. 

H. ad n ata wenn Kinder am ganzen Körper oder über 



kommen (cf. Hypertrichosis). 

Histioid (r6 lotiov Gewebe, v. Totvm aufstellen, sc. 
den Webstuhl, eldco bin ähnlich) vd. Neoplasma. 

Hodgkin'sche Krankheit i. q. Pseudoleukämie. 

Homoeoplasie (S^oTos ähnlich, Maoco bilden) Bil- 
dung von Geweben, welche denen des normalen Organismus nach 
Form und Funktion gleichen (Homologie der Neubildungen). 

cf. Heteroplasie, Heterologie. 

Homosexual (6ft6g, 6iioTo? gleich, gleichartig, sexus 
Oeschlecht) Urning, Bezeichnimg für Individuen mit einer 
angeborenen konträren Sexualempfindung, welche durch eine aus- 




bewachsen zur Welt 



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218 



Hordeolum 



schlicssliche Empfinduug u. Neigung zu Personen desselben Geschlechts 
ohne Umwandlung des Charakters u. der gesainten geistigen Persön- 
lichkeit charaktcrisirt ist. Die letztere Umwandlung tritt erst in 
einem höheren Grade, der Effeminatio bzw. Viraginität (s. d.) 
ein, wobei der männliche Urning sich weiblich dem Manne gegen- 
über, der weibliche sich männlich dem Weibe gegenüber fühlt 
[v. Krafft-Ebixg]. 

llordeolam {Dem. v. hordtum Gerste) Gerstenkorn 
ist eine gewöhnlich abszedirende Entzündung der im Lidknorpel 
eingebetteten, an der inneren Lidlefze mündenden MElBüM'schen 
Drüsen mit Auftreibung des betreffenden Knorpelteilcs. Je nach 
der Lage der entzündeten Drüse mehr nach aussen oder nach 
innen unterscheidet man H. extern um oder intern um. 

cf. Blepharitis, Chalazion. 

Horopter (6 ogo* Grenze, das Ziel, 6 ojir/jg Späher, 
v. bgäfOj oyo/uai) eine durch den Fixationspunkt gelegte Linie 
oder Fläche, deren sämtliche Punkte auf korrespondirenden 
Stellen beider Netzhäute abgebildet werden [nach Stellwag]. 

et". Perimeter. Ophthalmometer, Optometer. 

Horripilatio {horreo rauh sein, starren, pilus Haar), 
das Schaudern und Frösteln, das Auftreten der Cutis 
anserina (cf. Algor). 

Hyalinose {n raXos Glas, vahvos gläsern, vaXtv6a>, 
va/.tvo)ai? } v. i'ekos Krystall, Bernstein, Glas ; cig. Regen- 
tropfen v. v(o regne) glasige Verquellung, Homogeni- 
sirung von Zellengruppen und Geweben zu einer glas- oder gallert- 
artigen Masse, wozu sowohl die kolloide als die amyloide und die 
myxomatösc Degeneration führen kann. 

Hyalitis Entzündung des Glaskörpers, kommt 
primär nur vor infolge von Verletzungen, sekundär durch 
Fortleitung von Entzündungen des Uvealtraktus, gegen welche die 
H. meist in den Hintergrund tritt. Sic besteht in einer aktiven 
Einwanderung lymphoider Zellen in den Glaskörper, wodurch er 
getrübt und seine gallertartige Konsistenz vermindert (H. serosa) 
oder bei massenhafter Einwanderung, intensiver Entzündung, ganz 
oder teilweise in einen Abszess verwandelt wird (H. suppura- 
tiva), falls nicht (bei H. chronica) eine Verdichtung des Glas- 
körpers durch Umwandlung der eingewanderten Zellen in narbiges 
Bindegewebe eintritt [Gräfe und Sämisch, Hbd.j. 

cf. Synochysis, Myiodesopsie. 

Hybrid (v. hybris oder hybrida ein Bastard, wahr- 
scheinlich von vßoi£u> ausschweifen) nennt man gemischte, aus 
mehreren komplizirte Krankheitsprozesse. 

Hydarthrus s. Hydrarthrus (t6 v6o>q, vdaiog Wasser, 
to ägdgov Gelenk) s. Hydrops articularis chronicus Gelenk- 
wassersucht, quantitative Vermehrung der Synovia, resp. starker 



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Hydroa 219 

seröser Erguss in die Gelenkhöhle, gewöhnlieh infolge von Syno- 
p:7 vitis serosa chronica. 

cf. Haemarthrus. 



P 



Hydatis (»/ räan? Wasser-tropfen, -blase) Hydatide 
i. q. Hygroma; im Plur. Hydatiden Blasen wurmer, bes. für 
die Echinokokkusblasen gebraucht. 

flydatidenschwirren ein* eigentümliches Gefühl beim stoss- 
^— weisen Betasten einer Echinokokkusblase, sehr selten. 

^) Hydrämie (ro alfia Blut) abnorm vermehrter Wasser- 

geh alt des Blutes, entweder als nur relative Vennehrung 
-des Blutwassergehaltes identisch mit Hypalbuminose (s. d.), oder 
£j als wirkliche H. durch Wasserretention besonders bei inangel- 

fV} hafter Ausscheidung des Harnwassers, z. B. bei Nierenentzündungen 

^ oder Herzkrankheiten mit vermindertem arteriellen Druck. 

r ^ cf. Anämie, Oligaemia serosa. 

Ö Hydragüga (sc. remedia; äy<oy6$ führend, von äyto) 
wasserabtreibende Mittel, nämlich Diuretica, Diaphoretica, 
r^H X.axantia. 

Hydramnion (r6 afiviw Schafhaut, innerste Eihaut, 
ursprünglich die Schale, womit das Opferblut der 
Lämmer [6 und tj dfivog] aufgefangen wurde, nach Galen 
richtiger äpvog sc. vftyv Haut. Bei dem Opfern träch- 
tiger Schafe hat man diese Haut zuerst beobachtet, 
durch welche hindurch der Schafembryo genau ge- 
sehen wird) übermässige Ansammlung von Frucht- 
wasser in der Amnionhöhle. 

Hydrargyria (6 vdgdgyvoog Quecksilber — weil 
flüssigem Silber [äoyvgog] ähnlich) durch Quecksilbe rappb- 
kation hervorgerufene Hautkrankheit, gewöhnlich Ekzema mer- 
curiale. 

Hydrargyrosis s. Mercurialisinus Quecksilber- 
krankheit, Imprägnimng des Organismus mit Quecksilber bis 
zu einem Grade, dass krankhafte Erscheinungen auftreten. Man 
kann eine akute, subakute und chronische, arzneiliche 
lind gewerbliche H. unterscheiden. 

cf. Stomatitis, Tremor und Kachexia mercurialis. 

Hydrencephalocele vd. Encephalocele. 

Hydriatrisch, Hydriatrie (6 laigög Arzt) i. q. 
hydrotherapeutisch, Hydrotherapie. 

Hydroa das Schwitzbläschen = Sudamen auch als 
Bezeichnung für eine bestimmte Fomi von Dermatitis (s. d.). 

H. febrilis vd. Herpes facialis. 

H. gestationis [Smith] i. q. Impetigo he rpetiformis. 



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220 



Hydrocele 



Hydrocele (»7 xr'fit} Bruch) Wasserbruch, Flüssig- 
keitsansammlung in der Scheidenhaut des Hodens (H. testis, 
Periorchitis, Orchiomeningitis. Vaginalitis) und des Samenstrangs- 
(H. funiculi spermatici s. Perispermatitis), in vielen Fällen 
einer Leistenhernie ähnlich. Gewöhnlich versteht man unter H~ 
schlechtweg die chronische seröse Form. Diese und die übrigen 
zahlreichen Varietäten können dem folgenden Schema [nach 
Kocher in Pitha und Billroth,' Hdb.] untergeordnet werden, 
je nachdem es sich um akute oder chronische Formen, um seröse 
oder eiterige Produkte, mehr um Flüssigkeitserguss oder mehr um 
plastische Verdickungen der Wand und Formveränderungen (P. 
deformans) handelt. 

I. Periorchitis (Perispermatitis) acuta. 

1. Periorchitis (Perispermatitis) acuta serosa. 

2. — — — plastica. 

3. — — — suppurativa. 

II. Periorchitis (Perispermatitis) chronica. 

4. Periorchitis (Perispermatitis) chronica serosa. 

5. — — — plastica: 

a) Periorchitis chronica plastica adhaesiva (ohne klinische 
Bedeutung , 

b) Periorchitis (Perispermatitis) chronica plastica prolifera 
(deformans), 

c) Periorchitis (Perispermatitis) chronica plastica haemor- 
rhagica (Haematocele spontanea). 

6. Periorchitis (Perispermatitis) chronica suppurativa. 

Ferner kann man unterscheiden: 

H. communicans, wenn dieselbe mit dem Cavuni peritonei 
koramunizirt. 

H. unilocularis et multilocularis, je nachdem sie aus 
einem oder mehreren Cystensäcken besteht. 

H. complicata, wenn sie mit einer Hernie komplizirt ist 
(nebeneinander). 

H. hernialis, wenn sich in einem Bruchsack eine 
grössere Menge von Serum ansammelt. 

H. feminae ist selten, entweder als Geschwulst in einer 
Schamlippe, bedingt durch Transsudat in dem (beim Weibe meist 
fehlenden) Processus vaginalis peritonei, wenn derselbe am inneren 
Leistenring verklebt oder verwachsen ist (H. ligamenti uteri 
rotundi), oder durch Flüssigkeitsansammlung zwischen den zwei 
Blättern des Zellgewebes der grossen Schanilippe. 

cf. Spermatocele, Varicocele, Sarkocele, Cystis, Orchitis. 

Hydrocephaloid (vd. Hydrocephalus; zoeiSog Ähnlich- 
keit, von elSo)) ein Symptomenkomplex, welcher demjenigen bei 
Hydrocephalus ähnlich ist, sich besonders bei Kindern als ein 



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Hydronephrose 221 

hoher Grad krankhaft gesteigerter Reflexerregbarkeit (vd. Eklamp- 
sie) äussert, aber nicht auf Entzündung, sondern auf Anämie des 
Gehirns beruht. 

Hydrocephalus (fj xe<pahj Kopf) „Wasserkopf", 
frühere Bezeichnung für alle mit pathologischer Vermehrung der 
in den Ventrikeln oder im Arachnoidealsacke befindlichen Flüssig- 
keit einhergehenden Krankheiten, besonders als 

H. acutus veraltet für Meningitis basilaris tubereulosa und 
Leptomeningitis infantum, vd. Meningitis. 

H. chronicus ist entweder deutlich angeboren (H. congeni- 
tus), oder kommt erst nach der Geburt zur Entwicklung (H. 
acquistitus), so lange die Nähte noch nicht vollständig ge- 
schlossen sind (Rhachitis). Die Folge des chronischen Wasserer- 
gusses ist Vergrösserung des Schädel umfanges und Atrophie der 
Oehirnmassc. — Man unterscheidet 

H. internus s. verus s. ventricularis, wenn sich das 
Wasser vorzugsweise in den Ventrikeln befindet; 

H. externus diejenige seltnere Form, wobei das Wasser vor- 
zugsweise im Subarachnoidealraume, dem sog. Arachnoidealsacke, 
eingesammelt ist. 

H. herniosus vd. Encephalocele. 
cf. Anenccphalie, Hydrorrhachis. 

Hydroencephalocele vd. Encephalocele. 

Hydromaiiie (»7 fiavia Wahnsinn) Drang zum Selbst- 
mord durch Ertränken, 
cf. Monomanie. 

Hydroiueiiiiigitis (t6 vSwq Wasser, 17 /«v«y£ Haut, 
hier die Membrana Descemeti) i. q. Desccmctitis. 
cf. Iritis serosa. 

Hydromeningocele (j$ ju»/wy£ Hirnhaut) vd. Ence- 
phalocele. 

Hydrometra (»7 m*q<* Gebärmutter) Ansammlung 
•einer serösen oder schleimigen Flüssigkeit in der Gebärmutter- 
höhle nach den klimakterischen Jahren infolge gehemmten Ab- 
flusses der Sekrete bei Atresia uterina. 

Hydromyelocele (6 nveXos Bückenmark, »} xi)h) 
3ruch) vd. Spina bifida. 

Hydromyelus b. Hydrorachts interna ange- 
borene hydropische Ausdehnung des Rückenmarks- 
zentralkanales. 

cf. Syringomyelie, Spina bifida. 

Hydronephrose (6 ve<pe6± Niere) Erweiterung der 
Nierenbecken und gewöhnlich auch der Ureteren mit konsekutivem 



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222 



Hydropericardium 



Schwund der Nierensubstanz und Umwandlung der Niere in einen 
wassergefüllten Sack als Folge anhaltend gestörter Urinentleerung 
durch die verschiedensten Ursachen. Am häufigsten kommt H. 
durch Einklemmung von Nierensteinen im Urether zu stände. 

Hydropericardium (siegt um — herum, v xagSta 
Herz) s. üydrocardic, Hydrops vericardii Herzbeutel - 
Wassersucht, grössere transsudative Ansammlung seröser 
Flüssigkeit im Herzbeutel. 

Hydrophobie {6<f6ßo? Furcht, Scheu) Wasserscheu 
vd. Lyssa humana. 

H-ia hysterica kurze, meist mit anderen hysterischen Er- 
scheinungen verbimdenc Anfälle von Schlund- und Glottiskrämpfen. 

Hydrophthalmns das Wass eräuge, die abnorme Ver- 
grösserung des Auges durch Vermehrung des Flüssigkeitsgehaltes, 
seiner Innenräume. 

cf. Buphthalmus. 

Hydrops s. Hydropaia (6 vögtoyt v. i'Öcog) Wasser- 
sucht im allgemeinen ist keine Krankheit sui generis, sondern 
immer nur ein Symptom von gestörter Diosmose der Gewebsflüssig- 
keiten, entweder durch Stauung oder durch Hypalbuminose des 
Blutes (mechanischer und dyskrasischer H. — am hoch- 
gradigsten durch die Summirung beider Momente). Je ärmer das 
Blut an Albuminaten wird, desto geringere Tendenz zeigt es zur 
Wasseraufnahme aus den diluirteren Gewebsflüssigkeiten, so dass 
es zu einer Stagnation derselben in den Gewebsinterstitien oder in 
den serösen Höhlen kommt. 

H. adiposus s. chylosus Fettgehalt von hydropischen 



fettig zerfallenden, von Carcinom oder Tube rkidose des Peritone- 
um stammenden Zellen. Beide Arten dürften wohl zu trennen 
sein: der eigentlich chylöse Ascites scheint ebenso wie die 
Chylurie (s. d.) entweder durch Stauung des Chylus, Bersten eines 
Chylusgefässes, oder durch gewisse Hämatozoen, die in tropischen 
Gegenden acquirirt wurden, verursacht zu werden. 

H. asthmatieus vd. Beriberi. 

H. jrravitatiYiis Ödem der Unterextremitäten durch mecha- 
nische Momente, namentlich durch anhaltendes Sitzen und Stehen, 
besonders unter den disponirenden Momenten von Anämie und 
Herzschwäche (vd. die folgenden). 

H. paralyticus Ödem in gelähmten Teilen, hauptsächlich auf 
die fehlende Beihilfe der Muskeln für die Saftbewegung zurück- 
zuführen. 

H. renalis die von Nierenkrankheiten abhängige Wassersucht,, 
die in charakteristischer Weise meist zuerst und vorwiegend das- 
Unterhautzellgewebe befällt. 



Flüssigkeiten, entweder durch 




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Hydrosadenitis 22;* 

H. searlatinosus Scharlach Wassersucht, häufig nur 
in leichtem Ajiasarka bestehend, aber in allen Fällen Folge einer 
Nephritis searlatinosa. 

H. spastieus s. hystericus vd. Oedema nervosum. 

H. ex vaeuo Ansammlung von Serum in starrwandigen ge- 
schlossenen Höhlen, besonders der Schädelh<)hlc . deren normaler 
Inhalt teilweise geschwunden und an dessen Stelle Blutwasser 
getreten ist, da ausserdem ein leerer Kaum hätte entstehen müssen, 
(Hydroeephalus bei Gehirnatrophie u. s. w.). 

Hydropsia spuria (spurius unecht, v. spernrre) Saek- 
wassersucht oder falsche Wassersucht, entsteht durch 
Verschluss von Ausfühnmgsgängen einzelner Organe, z. B. der 
Niere (Hydronephrose), der Gallenblase (H. vesicae felleae), H. tu- 
baruin, processus vermiform. etc. 

H articiilaris i. q. Synovitis serosa. 

H. bursae praepatellaris vd. Hygroma. 

H. intercus (= inter cutem, cutis Haut) i. q. Anasarka. 

U. tendovaginalis i. q. Tendovaginitis serosa. 

cf. Anasarka, Ascites, Ödem, Hydrämie, Cystis, Hydrarth us, 
Hydramnion, Hydrocele, Hydrocephalns, Hydrometra, Hydro- 
myelu8, Ilydropericard, Hydrorrhachis, Hydrosalpinx, Hydro- 
thorax, Hygrora, Tendovaginitis. 

Hydrorrhachis (rj gdxn Rückgrat) ist entweder 

H. interna s. Hydromyelus (s. d.) oder 

H. externa d. i. abnorm reichliche Flüssigkeitsansammlung 
im Arachnoidealsacke des Rückenmarkskanales. — Finden sich 
diese Zustände ohne Wirbelspalte, so bezeichnet man sie als 
H. incolumis (unverletzt) s. H. sacralis congenita, d. i. 
eine Flüssigkeitsansammlung in einem aus den Rücken marks- 
häuten gebildeten, bei gesenlossenem Wirbelkanal vorgefallenen 
Sack, der in der Hüft- oder Kreuzbeingegend eine Hervor- 
wölbung macht; im entgegengesetzten Falle als H. dehiscens 
s. Spina bifida (s. d.). 

Hydrorrhoea (jj £ot) Fluss, v. or«>). 

H. gravidarum s. Endometritis decidua catarrhalis chro- 
nische Entzündung der Decidua mit abnonn starker Sekretion, 
wobei sich eine gelblich-seröse, mitunter blutig gefärbte Flüssig- 
keit zwischen Decidua und Chorion ansammelt und von Zeit zu 
Zeit, nachdem es die Reflexa durchbrochen, ausgestossen wird, 
was häufig mit vorzeitigem Abgang des echten Fruchtwassern 
verwechselt wird. 

cf. Hydramnion. 

Hydroftadenitis vd. Hidradenitis. 



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■ 



224 Hydrosalpinx 

Hydrosalpinx (rj oaXmy$ Trompete) s. Hydrops 
tubarum Flüssigkeitsansammlung (Sekret) in den Tuben 
durch angeborenen oder erworbenen Verschluss ihrer Ostien. 

cf. Cyatis. 

Hydrotherapie (i? fcoanela v. deQaxevo> bedienen, 
heilen) s. Ilydriatrie (s. d.) Verwendung der Kälte und Wärme 
in der Therapie mittels verschieden temperirten Wassers. 

Hydrothionämie (<6 fcTov Schwefel, t6 al^a Blut) 
Vergiftung durch Schwefelwasserstoffgas (Acid. hydro- 
thionicum), welches hauptsächlich auf die roten Blutkörperchen 
dcletär einwirkt. Ein ähnlicher leichter Vergiftungszustand soll 
auch dadurch hervorgerufen werden können, dass sich im Magen 
und Darm infolge von Diätfehlern und Katarrhen, oder in der 
Peritonealhöhle nach Perforation des Verdauungskanales Schwefel- 
wasserstoff resp. Schwefel Wasserstoff seh wcfelammonium (Hydro - 
thionammoniämie) oder Kloakengas in grösserer Menge bildet 
und ins Blut gelangt, wobei der Harn auf Schwefelwasserstoff 
reagiren (Bleipapier bräunen) soll. 

cf. Ammoniämie, Mcphitis. 

Hydrothorax (6 dioga!; Brust) Brust Wassersucht 
oder Brustfellwas sersucht, Ansammlung von serösem Trans- 
sudat in einem oder beiden Pleurasäcken ohne entzündliche Pro- 
zesse, entweder Teilerscheinimg eines mehr oder weniger all- 
gemeinen Hydrops, oder bei Kompression im obersten Teil des 
Ductus thoracicus. 

Hydrnrie (ovgioy harnen) wässeriger Urin, bezeich- 
net die blosse Vermehrung des Wassergehaltes gegenüber den 
festen Bestandteilen, gewöhnlich allerdings unter absoluter Ver- 
mehrung der Harnmenge. Dieses Symptom kommt bei manchen 
Fällen von Diabetes insipidus vor, aber auch aus anderen 
Veranlassungen, bei Hysterie, Krämpfen, durch Diuretica und 
nach reichlicher Wasserzufuhr. 

cf. Urina spastica, Polyurie. 

Hygiene s. Hygieine (vytetvog, vytrjg gesund, sc. tsxvij) 
Gesundheitslehre, derjenige Teil der Medizin, welcher lehrt, 
wie man den physiologischen Gesetzen gemäss leben, somit die 
Gesundheit erhalten und die Lebensdauer verlängern soll. 

Hygrodermien (lygog feucht, %6 öiQfia Haut) vcL 
Serodermatosen. 

Hygroma (vygog feucht, v. t?w) s. Hydatis Was ser- 
geschwulst, Cyste mit wässerigem Inhalte, am häufigsten als 
Hydrops subkutaner Schleimbeutel oder der Sehnenscheiden 
(H. gangliodes, Ganglion, Tendovaginitis hydropica). 

II. praepatellare s. Bursitis praepatellaris s. Hydrops 
bursae praepat. („chambermaid-knee") soll von vielem Knieen 
herrühren, tritt in akuter, schmerzhafter und in chronischer, 



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Hyperaesthesia 225 



wenig belästigender Weise als elastische Geschwulst auf der 
Kniescheibe auf, bei fortdauernder Ursache oft mit allmählicher 
Verdickung der Wände des Schleimbeutels bis zur gänzlichen 
fibrösen Umwandlung des Sackes [Pitha und Billroth, Hdb.], 

H. cclluloso-cystifUin congenitale (entweder colli oder 
cervicale oder axillare oder perineale oder sacrale) 
angeborene, stark wachsende und schwer zu beseitigende Cystoide 
(s. d.) der genannten Gegenden. 

Hypacidit&t, besser Subacidität (s. d.). 

Hypaesthesie (foro unter, rj ata^rjaig Empfindung) 

Herabsetzung der Empfindung, 
cf. Anaestheeie, Hyperaesthesie. 

Hypalbuminose (albumen Ei weiss) Verminderung 
der prozentarischen Menge der Plasmaalbuminatc 
der Blutflüssigkeit, stets unter Zunahme des Salzgehaltes, 
bei Inanition, Albuminurie. 

cf. Hypinose, Hydrämie. 

Hyperacidität (vjiig über, acidus sauer, besser wäre: 
Peracidität) übergrosse Menge von Säure im Magensaft, 
angewandt auf die bei der Verdauung aktiv wirksame Salzsäure, 
die auf der Höhe der Verdauung unter normalen Verhältnissen 



sonders häufig bei Ulcus ventriculi, ferner bei manchen Ektasien 
und einzeln bei chronischen Magenkatarrhen, 
cf. Hypersekretion, Gastrorrhoea acida. 

Hyperämie (ro afym Blut) pathologische Zunahme des 
Blutgehaltes in den Gefässen eines Organs oder einer Körper- 
stelle. 

cf. Plethora. 

II ia artcrialis s. activa, auch Fluxio s. Congestio s. Tur- 
gror s. Orgasmus die Blutwallung, aktive H., besteht in 
dem vennehrten Einströmen des Blutes in die Arterien eines 
Teiles, weil dessen Widerstände im Verhältnis zur Triebkraft des 
Herzens vermindert sind. 

H. collatcralis (cum, latus) kompensatorische Steigerung 
des Blutlaufes infolge eines Hindernisses in benachbarten Stom- 
gebieten. 

H. venosa s. passiva s. meehaniea venöse Blutstauung 
(Stasis) durch Hindernisse des Abflusses aus den Venen, ent- 
weder infolge vermehrter lokaler Widerstände oder gestörter 
Triebkraft des Herzens. 

cf. Cynose, Hypostase. 

Hyperaesthesia (rj aio&ijaiq Empfindung, von 

ah&ävofiai) Steigerung der Empfindung, Sensibilitäts- 
neurose, auf gesteigerter Erregbarkeit der sensibeln Nerven be- 

Roth's Klinische Terminologie. 4. Autt. |5 



etwa 1,5—2,5°/ 



oo 



betragen soll. 




226 Hyperakanthosis 

ruhend, so dass leichte Reize lebhafte Empfindung bis zum wirk- 
lichen hochgradigen Schmerz (Dolor, Neuralgie) hervorrufen. 
Erstreckt sich die Sensibilitätsvermehrung nur auf das Schmerz- 
gefühl und nicht zugleich auf die übrigen Empfindungsqualitäten, 
so kann dieser Zustand als Hyperalgesia (w äkyos Schmerz) 
bezeichnet werden [nach Erb in ZHJ. 

H. gustatoria und H. olfactoria (von oleo und facio) vd. 
Hypergeusie bezw. Hyperosmie. 

cf. Hyperpselaphesie, Anästhesie, Hypaesthesie, Parästhesie. 

H. ocularis Überempfindlichkeit des Sehnerven 
darin bestehend, dass eine Lichtmenge, welche von einem 
normalen Auge nicht unangenehm empfunden wird, ein schmerz- 
haftes Gefühl hervorruft (Teilerscheinung von Augenentzündungen, 
Trigeminusaffektionen u. Hysterie). 

cf. Photophobie. 

Hyperakanthosis vd. Akanthosis. 

Hyperaknsis (axov*> hören) s. Oxyekoia (s. d.) ab- 
norme Feinhörigkeit für alle musikalischen Tone speziell als 
abnorme Tiefhörigkeit sich äussernd. Beruht auf einer Lähmung 
des Muse, stapedius und einem hierdurch bedingten Über- 
wiegen des M. tensor tympani, bei Facialislähmung beobachtet 
[Landouzy], oder als Teilerscheinung funktioneller Neurosen 
(Hysterie). 

cf. Oxyekoia. 

HyperalbuminoHi* der vermehrte Ei weissgehalt 
des Blutes, wie er namentlich durch abnorme Wasserentziehung 
zu stände kommt. 

Hyperalgesie vd. Hyperästhesie. 

llyperchlorhydrie (Chlor u. t6 Cdcop = Chlor- 
wasserstoff i. e. Salzsäure) gesteigerter Gehalt (sc. des 
Magensaftes) an Salzsäure. 

cf. Peracidität, Anchlorhydrie, Jnacidität, Subacidität. 

Hyperehromatosis vd. Chromatosis. 
Hyperchromien vd. Chromodermatosen. 

Hyperdynamia (»y dvva/ug Kraft) übermässige 
Kraft. H. uteri übermässige starke Wehen, welche einen 
Partus praeeipitatus (s. d.) veranlassen können. 

Hyperemese (jj efieots) übermässiges Erbrechen. 

H.pjravi darum, u ns tillbaresErb rechender Schwangern, 
seiner Ätiologie nach ganz dunkel und als eine Reflexbewegung 
von den Genitalien auf den Magen anzusehen. 

Hyperextension (extendtre ausspannen) die über- 
mässige Ausspannung, ein orthopädisches Verfahren zur Gerade- 
stelluug verkrümmter Gelenke, sowie zur Venneidimg von Ver- 
kürzung bei der Heilung frakturirter Knochen. 



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Hypermetropie 227 

Von H. uteri gravidi spricht man, wenn die Gebärmutter 
durch Zwillinge oder Hydrainnion abnorm ausgedehnt ist, und 
dadurch die Eröffnungsperiode verzögert wird. 

Hypergeusie (rj yevatg Geschmack) s. Hyperaesthesia 

crustatoria, verschärfte Geschmacksempfindlichkeit, 
pathologisch bei Hysterischen vorkommend. 

Hyperglobulie (globulus Kügelchen, hier Blut- 
kügelchen) Vermehrung der roten Blutkörperchen, 
cf. Polycythaemie, Hypoglobulie. 

Hyperidrosis (iöqoco schwitzen) jener Zustand der 
Haut, wobei das Sekret der Schweissdrüsen nicht in dunst- 
förmiger, sondern in tropfbar flüssiger Form auf der Hautfläche 
zum Vorschein kommt unter Verhältnissen, unter denen sonst 
eine Schweissansammlung gar nicht oder nur in geringem Grade 
stattzufinden pflegt. Man unterscheidet: 

II. universalis und localis Achsel-, Fuss- und andere 
Schweisse. 

II. unilateralis s. Hemidrosis halbseitiges Schwitzen, 
wird z. B. in Zusammenhang mit Innervationsstörungen der Ge- 
fässe bei Sympathikusaffektionen beobachtet. 

H. colliquativa erschöpfender, gleichsam „zerschmel- 
zender" Sch weiss. Bei solchen Zuständen ist eine fettige 
Degeneration der Schweissdrüsenepithelien nachgewiesen. 

cf. Ephidrose, Sudor, A nid rose, Bromidrose, colliquativ, Hektik, 
Idrosis. 

Hy per in ose (fj ig, Ivog Faser, Faserstoff) Ver- 
mehrung des Faserstoff gehaltes des Blutes über das 
physiologische Mittel von 2,2 p. M., wie sie bei entzündlichen 
Krankheiten, aber als ein nicht wesentliches Element der Ent- 
zündung vorkommt. 

cf. Crusta inflammatoria. 

Hyperkatharse (»/ xadagmg Reinigung) über- 
mässige Wirkung der Kathartica. 

Hyperkeratosis vd. Keratosis. 

Hyperkinesis (>? x(vt)otg 7 xivt<o) krankhafte Be- 
wegungen, allgemeine Bezeichnung für Krämpfe. 

H. eordis i. q. Palpitatio cordis. 
cf. Spasmus, Akinesis. 

Hyperkrinie (xgtvco ausscheiden) auch Hypersekre- 
tion abnorm vermehrte Ausscheidung oder Sekretion. 

Hypermetropie (to fthgov Mass, vaeQ-futgog über- 
mässig, -fj wv Sehen) s. Hyperopie Übersichtigkeit, der- 
jenige Akkommodationszustand , wobei der dioptrische Apparat 



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Hypermnesie 



bei ruhender Akkommodationsthätigkeit nur konvergirende Strahlen 
auf der Netzhaut vereinigen würde (sog. virtuelle Bilder, welche 
hinter der Netzhaut hegen) und wobei die Akkommodation auch 
beim Sehen in die Ferne nicht ganz erschlafft. Dieser Zustand 
ist als der eigentlich normale anzusehen und findet sich bei 77°/ 0 
aller Augen, nur höhere Grade sind pathologisch und mit leichter 
Ermüdbarkeit beim Sehen in der Nähe verbunden, 
cf. Presbyopie, Platymorphie, Emmetropie, Myopie. 

Hypermnesie (fj [ivrjoi? Erinnerung) Steigerung des 
Heproduktionsvermögens (Gedächtnisses), welche zu Ideenflucht u. 
„Keminiscenzenflucht" führt. 

cf. Amnesie, Hypomnesie. 

Hyperonychosis vd. Onychosis. 

Hyperosmie (*? 6o f irj Geruch, v. o£o>) s. Hyperaesthesia 
olfactaria verschärfte Geruchsempfindlichkeit, besonders 
bei Hysterischen u. Geisteskranken beobachtet u. in der Kegel 
mit Perversion der Geruchsempfindung verbunden. 

cf. Kakosmie, Anosmie. 

Hyperostose (t6 daxiov Knochen) cf. Exostose. 

H. des gesamten Skelets ; als solche hat Friedreich Fälle 
der jetzt sog. Akromegalie beschrieben (s. dort). 

Hyperplasie (nkäooco bilden) numerische oder ad- 
junktive Hypertrophie, also besonders dann gebraucht, 
wenn man die Vennehrung einzelner Gewebselemente bezeichnen 
will, z. B. Bindegewebshyperplasie. 

cf. Hypertrophie, Heterologie, Hypoplasie. 

Hyperpselaphesie (yr]la<päa> tasten v. m. yalXü> u, 
palpare mit der flachen Hand streicheln) Verfeinerung 
des Tastsinnes im allgemeinen, besonders das Doppelempfindeu 
von auf die Haut gesetzten einfachen Gegenständen (Tabes- 
kranke empfinden zwei Zirkelspitzen als drei, vier oder noch 
mehr). 

cf. Apselaphesie. 

H yperpy retisch (6 xvqeios Fieber) nennt man exzessive 
Steigerungen der Körpertemperatur (über 42) 0 von absolut letaler 
Prognose. 

Hypersarkosis (>/ oäg£ Fleisch, aagy.6co Fleisch er- 
zeugen) übermässige Granulationsbildung, auch für 
muskuläre Hypertrophie und einzeln für Elephantiasis im Ge- 
brauch. 

cf. Grantüationes fungosae, Elephantiasis. 

II y per Sekretion (secerno absondern, Barb., könnte 
sehr gut durch Hyperkriuie (s. d.) ersetzt werden) übermässige 



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Hypertrophie 229 

Saftabsonderung, vorzugsweise gebraucht vom Magen. 
Hauptkennzeichen dieser Erkrankung, die auch als kontinuir- 
licher „Magensaftfluss" bezeichnet wird [Reichmann, Riegel), 
ist das Vorhandensein einer gewissen Menge salzsäurehaltigen 
Magensaftes auch im nüchternen speisefreien Magen. Hyper- 
sekretion kann verbunden sein mit Peracidität. 
cf. Gastrorrhoea acida, Hyperacidität. 

Hypersteatosis vd. Steatosis. 

Hyperthermie (>5 diofirj Wärme, Hitze) Übererhitzung, 
hohes Fieber. 

aJ! Hypertonie (6 roVo? v. teivm Spannung) die über- 
p"* massige Spannung, Härte, sc. des Bulbus [Nagel], ein 

Zeichen für Glaukom. 
^ cf. Hypotonie. 

£ Hypertrichosis (17 ögig, Toiyoq, Haar) s. Trichauxis 
\y. (Füch8 i] avfy = Zunahme), s. Polytrichia s. Hypertroph ia 

^ pilorum übermässige Entwicklung von Haaren, ent- 
<J weder angeboren oder erworben. Michelson in ZH unterscheidet 
folgende Formen: 

1. H. indoles hereditaria durch Heredität oder eine wäh- 
rend des Tntrauterinlebens erworbene Anlage bedingt. 

^ a) H. universalis: 

£ a) die abnonne Behaarung der sogenannten Haarmenschen, 

r£ homines silvestres, pilosi s. hirsuti, 

^ ß) die allgemeine starke Behaarung des männlichen Kör- 

r ; pers. 

>J b) H. localis: 

^ a ) H. simplex, ohne Veränderung, 

fV, ß) H. hvpertrophica mit Pigmentirung und Verdickung der 

" Haut. 

2. H. aequislta s. H. transitoria [Klebs] die während des 
extrauterinen Lebens erworbene H., darunter 

a) H. neurotica, durch neurotische Einflüsse, 

b) H. i r r i t a t i v a , durch Hautreize, 
cf. Hirsuties, Trichosis. 

Hypertrophie (rgffw ernähren) Überschreitung 
des ..nor malen Wachstums, abnorme Vergrösserung (wobei 
ein Uberschuss an Ernährungsniaterial präjudizirt ist). 

Bei einfacher, wahrer H. sind die Gewebseiemen te in 
normaler Menge vorhanden, aber vergrössert. 

Bei der numerischen oder adjunktiven H. (Hyper- 
plasie — s. d.) haben die Gewebselemente an Zahl zugenommen. 

Konzentrische H. ist H. eines hohlen Organs (Blase, 
Herz etc.) mit Verengerung von dessen Höhle. 



c 



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230 



Hyphaema 



Exzentrische H. ist H. der Wandungen eines solchen Or- 
gans mit gleichzeitiger Dilatation. 
Pseudo-H. (s. d.). 

II. lnuseularis , die echte Muskelhypertrophie (zum 
Unterschied von der Pseudohypertrophie;, eine sehr seltene meist 
ererbte und durch Überanstrengung hervorgerufene Krankheit, die 
sich in einer Volumzunahme und festeren Konsistenz der Muskeln 
(hauptsächlich des Oberarmes und Oberschenkels) mit raschem Er- 
müdungsgefühl, das zu Parese führen kann, äussert. 

Hyphaema s. Hypohaema i. q. Haemophthalmus. 

Hyphaemie (wro unten, t6 alfta Blut) i. q. Suffusio 
sanguinis. 

Hypheii (von tj vy*tj Gewebe, v<pa(v<o webe) sind die 
langen (Mycel-)Fäden, zu welchen die Schimmelpilze aus wachsen; 
das Lager derselben wird durch ein dichtes Netzwerk, das My- 
celium gebildet. Bei eintretender Fruktifikation entwickeln sich 
einzelne Hyphen zu „Fruchthyphen" und auf diesen die Sporen 
oder Conidien. 

cf. Achorion, Aspergillus, Mucor, Penicillium, Trichophyton, 
O'idium. 

Hypinose (imo und rj Tg, gen. ivog Faserstoff) Ab- 
nahme des Faserstoffgehaltes des Blutes unter das phy- 
siologische Mittel von 2,2 p. M., scheint eine Kolle zu spielen bei 
den akuten Infektionskrankheiten und hämorrhagischen Dys- 
krasien. 

cf. Hyperinose. 

Hypnotica (6 vjivog Schlaf, vm>6a> schläfere ein, 
vjzv(otix6s einschläfernd) s. Souinifcra (sc. remedia) schlaf - 
machende Mittel. 

II ypnotittiiins schlafähnlichcr Zustand , hervorgerufen 
durch Einwirkung einförmiger Reize, wie anhaltendes Fixiren von 
in acht bis zwölf Linien Entfernung von der Nasenwurzel, etwas 
nach oben gehaltenen glänzenden Gegenständen, leises Streichen 
des Gesichts, Ticken einer Taschenuhr und ähnliches. Nach 
3 — 10 Min. tritt Schläfrigkeit und bei manchen reizbaren Per- 
sonen eine reflektorische Gelnrnhyperämie mit katalepsieartigem 
Zustande, Pupillenstarre und allgemeiner Anästhesie, zuweilen auch 
Hyperästhesie der spezifischen Sinne, worauf der sog. magnetische 
Schlaf und manche Fälle von Somnambulismus und Extase zu 
beruhen scheinen. 

Selbständige Überlegung und Willkür werden durch H. aus- 
geschaltet, die Aufmerksamkeit völlig durch die Stärke der äusse- 
ren Eindrücke beherrscht, so dass ein geschickter Hypnotiseur die 
allerverschiedensten, der Wirklichkeit nicht entsprechenden Vor- 
stellungen in dem Hypnotisirten erwecken und ihn zu diesen ent- 



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Hypoglobulie 231 

sprechenden Handlungen veranlassen kann. Der Hypnotismus, 
bezw. die Suggestion wird neuerdings auch als Heilagens gegen 
Schlaflosigkeit, Schmerzen, Lähmungen in Anwendung gezogen. 

Inducirter Hypnotismus derH ysterischen. Charcot 
unterscheidet folgende Zustände die durch Hypnotisiren hervor- 
gerufen werden können: 

1) kataleptischcr Zustand: starre Fixation der Extremi- 
täten bei geöffneten Augen, starrer Blick, langsame Atmung bei 
Anästhesie und Aufhebung der Reflexerregbarkeit. 

cf. Katalepsie. 

2) Lethargischer Zustand: schlafartigor bewusstloser Zu- 
stand mit Anästhesie der Haut und der Spezialsinne und Steige- 
rung der Muskelerregbarkeit. 

cf. Lethargie. 

3) Somnambul i s tischer Zustand: Automatische Hand- 
lungen in einem Zustand von Halbschlaf mit geschlossenen oder 
halbgeschlossenen Augen bei normaler Muskelerregbarkeit und 
Sensibilität, und Rigidität der Extremitäten durch Bestreichen. 

cf. Somnambulismus, 
cf. Suggestion. 

Hypoaemia (bx6 unter, j6 aUia Blut) intertropi- 

calis i. q. Geophagie. 

Hypoazoturie (vd. Azoturie) Verringerung der Stickstoff- 
ausscheidung im Hara. 

Hypoehlorhydrie (vd. Anchlorhydrie) Verminderung 
der Salzsäure im Magensaft. 

cf. Subacidität, Hyperchlorhvdrie. 

Hypochondrie (m vxo-yovöQta die untere Rippen- 
knorpelgegend , „in der die Hypochonder häufig 
krankhafte Empfindungen haben" 6 x ( ^qo; Knorpel) 
eine Form iisychischer Depression, welche aus einem starken kör- 
perlichen Krankheitsgefühle hervorgeht, worauf die ganze Auf- 
merksamkeit gerichtet ist und wobei das ausserordentliche Krank- 
heitegefühl und die übertriebene Ängstlichkeit entweder gar keine 
oder bei weitem keine entsprechende somatische Grundlage haben. 

cf . Psychosis, Pathophobie. 

Hypodernioklyse [Cantani] (rö Haut, xXt%co 

bespülen) Einführung von grösseren Mengen Flüssigkeit (z. B. 
Kochsalzlösung) unter die Haut bei schwerer Anämie, Cholera etc. 

Hypo geil sie (fj yevotg Geschmack) Herabsetzung der 
Geschmacksempfindung. 

cf. Ageusie, Hypergeusie. 

Hypoglobulie (vd. Hyperglobulie) i. q. Oligocythaemie. 



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232 



Hypognathie 



Hypognathie (rj yvatiog Kinnbacken) Doppelmiss- 
bildung, im Vorhandensein eines aceessorischen unausgebildeten, 
unsymmetrischen kleinen Kopfes bestehend, der am vorderen 
Rande des Unterkiefers des entwickelten Fötus befestigt ist. 

Hypohaemoglobinaemie i. q. Oligochromaemie. 

Hypokinesie (fj xi'vtjais Bewegung) Sammelbegriff für 
verschiedene Grade von Lähmungen, 
cf. Akinesis, Paresis, Paralysis. 

Hypomnesie (fi /ivijois Erinnerung) Herabsetzung des 
Gedächtnisses, d. i. des Reproduktionsvermögens. 
cf. Amnesie, Hypermnesie. 

Hypoplasie (f.™ unter, rj nkdatg Bildung, Gestaltung) 

unvollkommene Ausbildung eines Organs, abnorm kleiner, 
verkümmerter Zustand, bedingt durch Behinderung des Wachs- 
tums. Gegensatz: Hyperplasie (s. d.). 
cf. Agenesie, Aplasie, Atrophie. 

Hypopyon (gr. H. v. x6 nvov Eiter) Ansammlung 
von Eiter in der vorderen Augenkammer infolge von 
Hypopyon-Iritis und suppurativen Keratitisformen (H.- Ke- 
ratitis). 

Hypospadie {vTto-anaco nach unten ziehen, sc. die 
Harnröhrenmündung) s. Fissura urethrae inferior mehr 
oder weniger ausgedehntes Offenbleiben des Canalis uro- 
genitalis der Harnröhre. In den höheren Graden hat der 
kurze Penis gar keine Harnröhre, nur an seiner Wurzel liegt die 
Urogenitalöffnung, während das Scrotum geteilt ist und auf bei- 
den Seiten einen grossen schamlippenartigen Wulst bildet, in den 
geringsten Graden öffnet sich die Harnröhre in der Gegend des 
Frenulum nach hinten. 

Hypospadiaeus ein mit H. Behafteter. 

H. beim Weibe: derjenige Zustand, bei welchem die Urethra 
fehlt und Scheide und Blase ohne Urethra in den Scheidenvorhof 
einmünden. 

cf. Hermaphroditismus. 

Hypostasie (»/ v Jto-oräoig Heruntersetzen, zu Boden 
setzen, v. ioxr}fxt) Senkungshyperämie, eine Art der passiven 
Hyperämie, kommt bei Kranken, die lange hegen imd bei denen 
die Energie des Kreislaufes gelitten hat, an den verschiedensten 
abhängigen Körperstellen und den tiefsten Punkten innerer Or- 
gane zu stände, so besonders als 

H. pulmonum eine in den tiefsten Punkten der Lunge bei 
verminderter Triebkraft des Herzens und längere Zeit hindurch 
konstanter Körperlage nach dem Gesetz der Schwere zu stände 



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Hysterometer 



233 



kommende Senkungshyperämie, welche zu weiteren anatomischen 
Veränderungen des Organs führen kann, 
cf. Öplenisation. 

Hypotonie (6 zövog v. mVai Spannung) sc. bulbi [Na- 
gel], abnorm geringer Grad von Spannung, Weichheit des Aug- 
apfels. 

cf. Hypertonie. 

Hypotrichusi* (fj doli-, rgtxog Haar, rgixoro behaare) 
fehlender oder unter der Norm zurückbleibender Haarwuchs, 
eine seltene angeborene Anomalie. 

Hysteralgia (1? variga Gebärmutter, r6 äXyog Schmerz) 



birender Schmerz, dessen Sitz der nicht nachweislich erkrankte 
Uterus ist (hysterisches Symptom, selten), 
cf. Metritis. 

Hysterektomie (wr^vw ausschneiden) [Tillaux], 
die operative Entfernung des Uterus oder eines Teiles 
desselben hauptsächlich bei Geschwülsten indicirt. 

Zu unterscheiden: 

1) H. abdominalis mit Eröffnung der Bauchhöhle. 

2) H. supravagin ali s, Amputatio uteri supravagi- 
nal is (Porro'sche Operation), die Abtragung des Uterus oberhalb 
der Scheide. 

3) H. vaginalis vd. Kolpohysterektomie. 

4) PartielleH.,Myomotomie,Myomektomie die Resek- 
tion des Uterus. 

Hysterie „Mutterweh" — es ist eine hippokratische, 
aber irrtümliche Ansicht, dass der Uterus und seine Adncxa als 
alleinige Quelle der H. zu betrachten sei. 

H. ist eine zwar vorwiegend, aber nicht ausschliesslich beim 
weiblichen Geschlechte vorkommende allgemeine Neurose, welche 
sich in den verschiedenartigsten Störungen der Sensibilität und 
Motilität, sowie der sensoriellen und psychischen Thätigkeiten 
äussert. 

Hysterocele i. q. Hernia uteri. 

Hystero-Epilepsie schwere epilepsieartige hysterische 
Paroxysmen, meist ohne Störung des Bewussteeins. 

Hysterokleisis (xXelco schliessen) Verschluss des Uterus 
durch Auffrischen der beiden Muttermundslippen. Indikation bildet 
eine Vesiko-Uterinfistel, die auf andere Weise nicht geschlossen 
werden kann. 

Hysterom [Broca] Syn. v. Uterusfibroid. 

Hysterometer (zo p&xqov Mass) Uterussonde. 



Neuralgia uteri, anhaltender 




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234 Hysteromyomektomie 

Hysteromyomektomie die Exstirpation von Uterus- 
Myomen mit oder ohne Abtragung der Gebärmutter, 
cf. Laparomyomotomie. t 

Hysteropexie (jirjymfu befestigen) die Vernähung 
des Uterus an die Nachbarorgane bei Betroflexion. 
Man unterscheidet: H. vaginalis supra vaginale Amputation der 
Cervix und nachfolgende Vereinigung der Gebärmutter- und 
Scheidenschleimhaut und H. abdominalis s. Gastrohyste ro- 
pexie , 8. Gastro-hysterorrhaphie , s. Gas trohystcro- 
synaphie, Fixation an die Bauchwand. 

Hysterophor (qpogos tragend, von wegro) Apparat zur 
Zurückhaltung des Uterus bei Senkung oder Vorfall, 
cf. Pessarium. 

II ysterostomatotomie (t6 arSfia Mund, rhn>(o schnei- 
den) s. Hysterotoinia vaginalis die Erweiterung des (steno- 
sirten) Gebärmutterhalses durch Inzision. 

Hysterotom Instrument zur Inzision der Cervix uteri. 

Hysterotomie die Eröffnung der Gebärm utter be- 
hufs Entfernung von Geschwülsten, 
'et'. Porro, Sectio caesarea. 

Hystricismus (»7 roigit Stachelschwein, Igel, Borste, 
von v? Schwein, Haar) vd. Ichthyosis cornea. 

Jackson'sche Epilepsie (nach dem englischen Arzt Huch- 
tings- Jackson) partielle Epilepsie oder Rindenepi- 
lepsie durch einen Herd in der Grosshirnrinde bedingte auf 
einzelne Muskelgruppen beschränkte Krämpfe. 

cf. Monospasmus. 

Jactatio (lat. v. jactare, Intens, v. jacio werfen) die- 
jenige Form von krankhafter Aufregung, welche sich durch an- 
haltendes unruhiges Herumwerfen im Bette bemerklich macht. 

cf. Delirium. Typhus versatilis. 

•Taniceps (v. Janus u. caput, Janus, [Zdr, Zsvg] ein alt- 
italischer Gott, dessen Bild ein zusammengewachsenes 
Doppelgesicht zeigt, nach janua die Pforte, der „Pfört- 
ner 4 ') vd. Syncephalus. 

Ichorrhämie (6 lywo cig. Blutwasser, Wundsenun; 
ältere Chirurgen bezeichneten damit auch „dünnen, 
schlechten Eiter und übles Wundsekret"; to alfia das 
Blut) nach dem bisherigen Sprachgebrauch ziemlich identisch mit 
Septikämie (s. d.). 

Der Name wäre geeignet für denjenigen septikämischen Zu- 
stand, bei dem die Intoxikation durch massenhafte in Jauche- 



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Ietus 



235 



und Brandherden erzeugte putride Stoffe in den Vordergrund 
tritt, und der mit der Beseitigung der Jauchequelle, z. B. Ampu- 
tation eines gangränösen Gliedes, eine rapide Besserung zu erfah- 
ren pflegt. 

cf. Febris traumatica. 

Ichthyosis (6 /*#r* Fisch) dieFischschuppenkrank- 
heit, eine meist ererbte, aber stets erst nach der Geburt zum 
Vorschein kommende krankhafte Veränderung der Kutis, welche 
sich durch Bildung entweder weisser, papierdünner oder dunkel 
gefärbter, rauh anzufühlender Epidermismassen auszeichnet, welche 
auf der Kutis fest aufsitzen und die im Normalzustand die Ober- 
haut durchkreuzenden Furchen und Linien in noch deutlicherer 
Weise hervortreten lassen. 

Die verschiedenen Formen sind: 

I. diffusa die über den ganzen Körper verbreitete I. Die 
leichteste Form derselben, bei der es nur zu stärkerer Ausbildung 
der natürlichen Furchen und Falten der Haut kommt, ist das von 
Wilson benannte Xeroderma. Bei rascherer Entwicklung der 
übermässigen Produktion von Epithelmassen kommt es zur Bil- 
dung von Schuppen. Die Haut bekommt dadurch das Aussehen 
einer Fisch- oder Schlangenhaut, daher die Namen: I. serpen- 
tina, I. cyprina, bei Bildimg perlmutterglänzender Sehuppen 
I. nitida, i. nacree [Alibert]. 

Den intensivsten Grad dieser Form stellt dar: 

I. eornca s. hystrix s. Hystricatio s. Hystrieisinus 

Stäche lsch wein k rankheit , „Stachelsc h wein mensch". 
Die Krankheit okkupirt meist die ganze Haut, gewöhnlich aber 
mit Ausnahme der Gelenkbeugen, des Gesichts, der Genitalien und 
Handflächen, und besteht in dicken, hornigen, öfter erhabenen 
Auflagerungen. 

I. follicularis die auf die Follikel beschränkte Form der 
Fischschuppenkrankheit, von Guibot Acne sebacea Cornea 
genannt. 

I. congenita die schon während des intrauterinen Lebens 
beginnende Form, bei welcher die gesammte Körperoberfläche der 
in der Regel 1 — 2 Monate vor dem Ende der normalen Schwanger- 
schaft geborenen Kinder nüt grösseren oder kleineren Hornschil- 
dern bedeckt ist. Die Kinder sterben stets wenige Tage nach der 
Geburt. 

I. linguae vd. Psoriasis, Leukoplakie. 

I. sebacea neonatorum i. q. Cutis testacea. 

1. vulvae vd. Elephantiasis vulvae. 

Ietus (lat. v. teere schlagen, Stoss, Schlag) laryngis 

[Charcot] s. laryngeale Synkope [Armstrong] s. laryn- 



Idiopathisch 



geale Epilepsie [Gray] eine Neurose, bestehend in Anfällen 
von schmerzhaften Empfindungen im Kehlkopf mit trockenem 
Husten, nachfolgendem Schwindel, der in Bewusstlosigkeit über- 
gehen und schliesslich mit Konvulsionen verbunden sein kann. 

Idiopathisch (Töiog eigen, rd na&os Leiden) nennt man 
Krankheiten, welche selbständig, d. i. unabhängig von anderen 
(protopathisch, primär im Gegensatz zu sekundär oder deu- 
teropathisch) auftreten. 

Idiosynkrasie (j? ovy-xgämg Mischung) individuell ge- 
steigerte Disposition zu Erkrankung auf kleine, für Andere fast 
ganz unschädliche Gelegenheitsursachen, oder selbst auf physio- 
logische Reize hin; auch: das Auftreten unangenehmer Sinnes- 
eindrücke durch Dinge, welche die Sinne anderer Individuen gar 
nicht oder nur angenehm berühren. 

Idiotismus oder Idiotie {lötconafiog oder idtcorsia das 
Wesen eines ISicorrjc, d. h. Privatmann, Laie, Sonderling, 
von iStos, eigen) der angeborene Blödsinn, ein Zustand» 
wobei von Geburt oder frühester Jugend an geistige Schwäche 
besteht und die psychische Entwicklung gehemmt ist, so dass die 
Individuen mehr oder weniger tief unter dem ihrem Alter ent- 
sprechenden gewöhnlichen Durchschnittsmass von Intelligenz zu- 
rückbleiben. Es gibt zwei Formen: die an erge tische oder 
apathische I M bei welcher die Kranken nur schwer aus ihrem 
Stumpfsinn aufzurütteln sind, und die er ethische oder ver- 
satile I., bei welcher die Aufmerksamkeit planlos hin und her 
gezogen wird. Man unterscheidet ferner: 

Iinbccillirät (im-becillus ohne — Stab bacillum) leichtere 
Fälle von I., Verstandesschwäche. 

Fatuitüt (fatuus eig. geschwätzig, v. fari, <pr)fii) schwerere 
Fälle, Blödsinn. 

cf. Cretimsmus, Dementia, Prognathismus, Progenaeus. 

Idrosis, Idrosadenitis etc. vd. Hidro .... 

Jejunitis (jejunum nüchtern — sc. intestinum, 
weil dieser Darm teil stets leer gefunden wird) Ent- 
zündung des Jejunum vd. Enteritis. 

JejnnoHtomie (to arofia Mund) Anlegung einer künst- 
lichen Fistel des oberen Dünndarmes. Um die Leber- und Pan- 
kreassekrete für die Verdauung nutzbar zu machen, schneidet Ma yd l, 
das Jejunum eine kurze Strecke unterhalb des Duodenum querdurch,, 
verwendet das untere Ende zur Fistel und vereinigt das obere 
Ende mit dem 10 cm. weiter unten längs incidirten Jejunum 
durch Naht. 

Jequirity- Ophthalmie Augenentzündung, her- 
vorgerufen durch das Infus der roten Paternosterbohnen, welches- 
von de Wecker gegen Pannus empfohlen wurde. 



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Ikterus 



2'M 



Ignipunktur {ignis Feuer, pungere stechen) da* 

Einsenken spitzer glühender Eisen in kranke Teile, z. B. in die 
Gelenke zur Heilung beginnender Arthrokace. 

Ikterus (6 Txxeoos Name der betreffenden Krank- 
heit und eines kleinen gelben Vogels, dessen Anblick 
die Krankheit heilen sollte — [Plinius]) Gelbsucht, 
gelbe Färbung der Haut, Schleimhäute und der meisten flüssigen 
und festen Substanzen des Körpers durch Gallenfarbstoff 
(I. hepatogenes) oder Blutfarbstoff (I. haematogenes), 
wobei ein leichteres oder schwereres Allgemeinleiden vorhanden 
ist, welches beim Stauungs-I. auf die Einwirkung der Gallen - 
säuren auf die Zentralorgane und das Herz zurückzuführen ist. 

I. hepatogenes s. meehanieus (tjxaTo-yevqs von frag und 
yr/vouat) Resorptions- oder Stauungs-I., entsteht durch 
Übertritt der mechanisch oder durch katarrhalische Schleimhaut- 
schwellung oder Schleim Verstopfung des Ductus choled. (I. ca- 
tarrhalis) an ihrem Austritt in das Duodenum verhinderten und 
gestauten Galle in Blut- und Lymphgefässe. 

I. melas s. Melaniktcrus höchster Grad der ikterischen 
Färbung bis zum Schwarzgrünen. 

I. gravis eine lediglich symptomatische Bezeichnung, I. mit 
schweren nervösen Erscheinungen, sei es infolge toxischer Ein- 
wirkung der veränderten Blutmischung, insbesondere wohl der 
Gallensäuren auf die Nervenzen tra, sei es infolge des mit I. ver- 
bundenen Grundleidens. 

I. neonatorum die Gelbsucht der Neugeborenen, 
nach der einen Ansicht hepatogenen nach der andern häma- 
togenen Ursprunges. Die von Morgagni aufgestellte und von 
Frerichs erweiterte Lehre, nach welcher beim Sinken des Blut- 
druckes Galle in das Blut aufgenommen würde, ist unwahrscheinlich. 
Nach der plausibelsten Erklärung von Birch-Hirschfeld handelt 
es sich um einen hepatogenen Stauungsikterus infolge einer Ver- 
engerung der Gallenausführungsgänge durch Odem. 

I. menstrualis entsteht wahrscheinlich durch vikariirende 
Hyperämie der Leber bei unterdrückter oder fehlender Men- 
struation. 

I. haematogenes der chemische oder Blut-I., hat mit 
Galle und Gallenfarbstoff nichts zu thun. Er entsteht in der 
Weise, dass der Blutfarbstoff innerhalb des Blutgefässsystems 
durch Zerstörung der roten Körpercheu, z. B. bei Septikämie, 
nach Einwirkung von Chloroform, Phosphor etc. in Hämatoidin 
umgewandelt wird, ein Körper von der Farbe, aber nicht von der 
chemischen Konstitution des Bilirubin und Biliverdin. 

I. saturninus cf. Tabes saturaina. 



238 



Ileitis 



Ileitis (ileum oder üe, is, gew. im Plur. Uta, tum der 
Unterleib, die dünnen Gedärme) vd. Enteritis. 

Ileotyphus i. q. Typhus abdominalis. 

Ileus (gr. 6 elkos Darmzwang, ttvc» winde [Plinius], 
Uta die Gedärme) s. Passio iliaca, Volvulus, Miserere 

Darmwinde, Darmverschlingung, Darme.lend, Kot- 
brechen, Bezeichnung für den durch jede Art von Darmver- 
schliessung hervorgerufenen Symptomenkomplex. 

I. paralyticus der nicht durch mechanische Hindernisse, 
sondern durch meist chronische, schliesslich bis zur völligen Pa- 
ralyse gesteigerte Insuffizienz der Peristaltik einer Dickdarmstrecke 
durch Koprostase hervorgerufene I. 

cf. Chordapsus. Incarceratio, Intussusceptio, Torsio. 

Hlaqneatio (laqueus Schlinge, v. lictre locken) ein 
schon von Celsus beschriebenes Operationsverfahren zur Korrek- 
tion der Richtung einzelner Cilien bei Distichiasis , wobei eine in 
eine Nadel gefädelte feine Schlinge um das falsch stehende Haar 
gelegt und dasselbe mit der Schlinge durch einen Stichkanal ge- 
zogen wird, der von dem falschen Haare zu den normalen Wim- 
pern verläuft [Stellwag]. 

Illusion (Müdere täuschen, eig. hinspielen, v. in u. 

ludö) Sinnestäuschung cf. Hallucination. 

1 111 beeil Uta t (imbecülis oder -us schwach, in, ohne, 
bacillum, Stab), vd. Idiotismus. 

Immersion (im-mergere eintauchen) Behandlungs- 
methode mit dem kontinuirlichen Wasserbade. 

Immunität (in u. munus, -eris Amt, also eig. Frei- 
sein von Diensten, Verschontbleiben) Uncmpfäng- 
lichkeit gegen gewisse Krankheiten, Freibleiben von 
solchen. 

cf. Refraktär. 

Imperforatio (perfdrare durchbohren, per u. fores) 
angeborener Mangel einer physiologischen Körper- 
Öffnung, z. B. ani, urethrae etc. 

cf. Atresie, Stenochorie. 

Impetigo (impetere angreifen , nhonai fliegen) ein 

pustulöser Hautausschlag, der nichts Charakteristisches gegen- 
über von anderen mit Pustelbildung einhergehenden Affektionen 
hat. Der Name I. ist nur mehr für folgende zwei Krankheits- 
formen im Gebrauch: 

I. contagiosa s. parasitaria. Unter Fiebererscheinungen tre- 
ten meist bei Kindern im Gesicht, auf Kopf oder Handrücken 



Incarceratio 



239 



Stecknadelkopf- bis linsengrosse Pusteln auf, die sehr rasch zu 
gummiartigen Krusten abtrocknen, unter denen die Haut glatt ist. 

I. herpetiformis [Hebra] eine kleinblasige, nur bei Wei- 
. bern während der Schwangerschaft vorkommende, mit schwerem 
£^ Fieber einhergehendc Pemphigusform, die meist zum Tode führt. 
Syn.\ Herpes vegetans [Auspitz], Herpes pyaemicus 
[Neumann], die leichteste Form dieses Ausschlags ist der Her- 
—4 pes gestationis [Bulkley] oder Hydroa gestationis 
Q (Smith] [nach ZHJ. 

I. syphiliticus vd. Syphilide«. 

"^3 Implantat!© (lat. v. implantare einpflanzen) das Ein- 

heilen von Hautstücken oder von extrahirten Zähnen, die ent- 
weder von demselben Individuum oder von einem anderen stam- 

^ men, in ihre alte Alveole oder in eine andere. 

A Impotentia (vom verneinenden in = un und posse kön- 

W nen) das Unvermögen den Beischlaf zu vollziehen. Man unter- 
^ scheidet eine Impotentia coeundi, bei der überhaupt eine 
Immission des männlichen Gliedes nicht möglich ist, und eine 
r-A I. generandi, bei der wohl ein Koitus erfolgt, der ejakulirte 
Samen aber unfruchtbar ist. 

r*" 1 Die I. coeundi ist entweder eine organische, auf patho- 

r^i logischen Veränderungen des männlichen Gliedes (Chorda) be- 
ruhend, oder eine I. psychica, durch psychische Einflüsse, 
Mangel an Selbstvertrauen, Furcht, Scham bedingt, 
cf. Aspermatismus, Azoospermie. 

lnaciditfit (in, acidus sauer) Säuremangel, gebraucht 
vom Fehlen der Salzzäure im Magensaft, einem Symptom, welches 
mit seltenen Ausnahmen dem Magenkrebs eigen ist, konstant, wie 
es scheint bei der amyloiden Degeneration und der vollen twickel- 
ten Atrophie der Magenschleimhaut, inkonstant bei chron. Ka- 
tarrhen, Elimination, perniziöser Anämie, toxischer Gastritis u. a. 
Magenaffektionen vorkommt. 

cf. Anchlorhydrie, Subacidität, Peracidität. 

lnaktivitfttsatrophie (vd. Atrophie) durch Nicht- 
gebrauch eintretender Schwund der Muskeln. 

Inanition {inanis leer, eig. in-aena ohne Feld) der 

durch unzureichende Nahrungsaufnahme bedingte anämische und 
marastische Zustand. 

cf. Atrophie, Hektik, Marasmus. 

Incarceratio (carcer Einschluss, Gefängnis) die 

Einklem mung. 

I. herniae besteht vorzugsweise in gehemmter Fortbewegung 



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240 



Incarnatio unguis 



des Danninhaltes in den Darmschlingen eines Bruchsackes und 
in Störungen der Zirkulation in denselben mit reflektorischen 
nervösen Erscheinungen, hervorgerufen durch Einschnürung bei 
relativ zu engem Bruchsackhals. 

I. stcrcoracca (engouement) , Koteinklemmung, wenn, 
bei Vorlagerung eines Teils des Dickdarms, feste Kotmassen im 
Bruchsack sich angesammelt haben, worauf der Genuss schwer 
verdaulicher Speisen von Einfluss ist. 

I. elastiea (akute, inflammatorische) wenn ein Darm 
durch eine sehr enge Öffnung herausgepresst wird, die kompri- 
mirten Teile im Bruchsack „sich wieder ausdehnen, alsbald an- 
schwellen und nun für die Öffnung zu gross werden. Die Darm- 
schlinge ist dabei ganz leer und zusammengefallen [Linhart]. 

I. Interna innere Darmeinklemmung, Aufhebung der 
Durchgängigkeit des Darmkanals mit dem Symptomenkomplex 
des Ileus, sei es durch Pseudoligamente (für solche Fälle dient die 
exaktere Bezeichnung Strangulatio, früher Chordapsus), 
durch Netz, Gekröse, Divertikel, innere Bruchpforten (vd. Herniae 
internae), aber exkl. Torsion, Obturation, Invagination, Schlingen- 
bildung, Striktur und Geschwülste. 

Incarnatio unguis (caro, carnis Fleisch) Ein- 
wachsen des Nagels, d. i. der zu breiten Seitenränder des 
Nagels in die Kutis des Nagelfalzes, welche durch den Druck 
gereizt und entzündet in Ulzeration und Wucherimg gerät 
(Paronychia). 

Incisio (in-cldo) das Einschneiden. 

Inclinatio pelvis (inclinatio Neigung, pelvis das 
Becken) der Beckeneingangs winkel, der Winkel, welchen 
bei aufrechter Stellung die Conjugata vcra (des Beckeneingangs) 
mit dem Horizonte macht. 

Incohaerenz (cohaerere zusammenhängen) der feh- 
lende Zusammenhang sc. der Ideenassoziationen. 

Incontinentia (con-tinere behalten, an sich halten). 

I. alvi (alvus Bauch) Unvermögen, den Stuhl zurück- 
zuhalten, unfreiwillige, jedoch nicht unbewusste Kotentleerungen, 
meist auf Lähmung des Sphincter ani beruhend. 

1. urinae unwillkürlicher Harnabgang, resp. an- 
dauerndes Unvermögen, den angesammelten Harn längere Zeit in 
der Blase zurückzuhalten (cf. Enuresis). 

I. urinae paradox a das Abtröpfeln des Urins bei über- 
mässig gefüllter Blase. 

I. vulvae i. q. Garrulitas vulvae. 

Incrustatio (crusta Kruste) i. q. Pctrificatio. 



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Infarkt 24 1 

Ineubatio (in-cübare auf etwas liegen, brüten) die 

Zeit, welche vom Moment der Ansteckung bis zum Ausbruch der 
ersten Symptome einer Infektionskrankheit vergeht, 
cf. Latenz, Stadium. 

IncubuB, Asthma noeturnum das sogen. Alpdrücken, 
Xachtmännchen , ein häufig im Schlafen eintretendes Op- 
}>ressionsgefühl, mit dem der Schlafende erwacht. 

Indignation {dlgtrtre verdauen) Verdauungsstö- 
rung im Sinn von Dyspepsia acuta, 
cf. Gastricismus. 

Indikation {in-dtcare anzeigen, Intens, von indicere) 
Anzeige des therapeutischen Handelns. Je nach den 
massgebenden Gesichtspunkten spricht man von I-o causalis, 
morbi, sy mptoma ti ca, Vitalis. 

cf. Contraindikation, palliativ. 

Indnzirtes Irresein i. q. Folie ii deux. 

Induratio {durus hart) s. Sklerosis Verna rjung 
jeder Art {cf. CiiThosis). 

I. Ilunteri die HuxTER'sche l., welche in Form eines Knöt- 
chens, einer Platte etc., auftritt und durch oberflächlichen Zerfall 
zum harten, echt syphilitischen Schanker führt, oder zu einer 
.schon bestehenden syphilitischen (oder auch pseudosyphilitischen} 
Ulzeration als charakteristisches Zeichen der spezifischen syphi- 
litischen Infektion spätestens innerhalb vier Wochen hinzutritt 
{cf. Ulcus). 

I. hepatis vd. Hepar induratiun. 

Braune I-on der Lunge ist die Folge von Blutstauung 
bei Anomalien des Herzens, welche zu Gefäss-Ektasie, Bindege- 
webshyperplasie und Hypertrophie der muskulösen Elemente des 
Lungenparenchyms führt, verbunden mit diffuser bräunlicher Pig- 
mentirung als Folge minimaler Zerreissungeu der Kapillar- und 
Obergangsgefässe [Rindfleisch]. 

cf. Calloaitas. 

Inertia uteri {inertia Ungeschicklichkeit v. in u. 

ars) vd. Exhaustio. 

Infarkt {in-farcio hineinstopfen) Anschoppung, 
selten im Sinn der Ablagerung von chronischen Entzündungs- 
produkten (Uterus-L), Salzen (Nieren-L), am häufigsten im Sinn 
von embolischer Verstopfung kleiner Arterien, besonders End- 
arterien der Organe durch fortgespülte Veucnthromben oder 
andere Körper, und der damit verbundenen Blutextravasation 
(hämorrhagischer I., Blutknoten), welche, dein verstopften 
Oefässgebiet entsprechend, gewöhnlich eine keilförmige Gestalt 
hat und zu stände kommt durch Füllung des verstopften Strom- 
Both's Klinische Terminologie. 4 Aufl. Iß 



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Infektion 



gebietes rückwärts von der Vene her, verminderte Ernährung der 
Gefässwände infolge der stockenden Zirkulation und dadurch er- 
leichterten Austritt des Blutes (hämorrhagische Infiltration der 
Nachbarschaft i>er diapcdesin, zuweilen per rhexin), worauf ent- 
weder eine demarkirende Entzündung, fettige Resorption und 
Vernarbung, Gangrän, oder ein metastatisehcr Abszess folgt, 
cf. Embolie, Pneumonia cmbolica, Abscessus mctastat. 

Nieren-I. (nicht zu verwechseln mit dem hämorrhagischen 
I. der Niere) Anhäufung von Salzen (oder Pigment) im Nieren- 
gewebe, besonders in den Pyramiden. Dieselben liegen bald im 
Lumen oder in den Membranen der Hamkanälchen, oald in den 
Epithclien, bald im Zwischenbindegewebe. Es kommen vor: 

Harnsäure-I. aus Harnsäure und harnsaurem Natron, 
etwa bei der Hälfte aller Neugeborenen, wahrscheinlich als 
Folge des durch die Atmung plötzlich veränderten Stoff- 
wechsels, und bei Arthritikcrn. 
Kalk-I. aus kohlensaurem und phosphorsaurem Kalk, im 
höheren Mannesalter und bei umfänglicher Resorption an 
.den Skeletteilcn. 
Tripelpho sphat-1. und 

Pigment-I. (im Innern der Hamkanälchen) — und noch 
einige andere. 

rtorus-I. Uterushypertrophie durch Bindegewebshyper- 
plasie, ziemlich identisch mit Metritis chron. (s. d.). 

Infektion (in-ßcio hineinthun, anstecken) An- 
steckung, Übertragung eines von Menschen oder Tieren oder 
einem Miasma herrührenden und sich weiter entwickelnden 
Krankheitskeimes, wobei es (gegenüber der Intoxikation) nicht 
sowohl auf die Quantität als auf die Qualität des Virus ankommt. 

Die Infektionskrankheiten, Morbi contagiosi, werden 
eingeteilt [nach Likbkrmkistek] in 

a) miasmatische: Miasma ist ein spezifischer Krankheits- 
erreger, welcher ausserhalb und unabhängig von einem vorher er- 
krankten Organismus sich erzeugt ; 

b) kontagiöse, ansteckende: Kontagium ist ein spezi- 
fischer Krankheitserreger, welcher in dem an der spezifischen 
Krankheit leidenden Organismus sieh entwickelt und von dem 
Kranken auf den Gesunden durch (mittelbaren oder unmittel- 
baren) Kontakt übertragen wird. — Je nachdem der spezifische 
Ansteckuugsstoff am Kranken, resp. den kranken Teilen fixirt 
bleibt und nur durch unmittelbare Berührung oder Überimpfung 
(und zwar zuerst immer nur lokal) ansteckend wirkt, oder diffus 
in die nächste Umgebung des Kranken sieh verbreitet, unter- 
scheidet man fixe und flüchtige Kontagien; 

c) miasmatisch -kontagiöse: Krankheiten, die weder rein 
miasmatisch noch rein kontagiös sind, deren Ansteckungsstoff 
vielmehr zwei Entwicklungsstadien zu durchlaufen hat, bevor er 



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Inflammatio 



243 



ansteckungsfähig wird, eines innerhalb eines erkrankten Individu- 
ums, eines ausserhalb, 
cf. Zymo8en. 

Infiltration (filtrum Seiher, Seihetuch, v.filum der 
Faden, Pilz). 

a) Bei einzelnen Zellen versteht man darunter die Intus- 
suszeption und Ablagerung von Stoffen aus dem Blute, welche in 
den Zellen wie der Niederschlag auf einem Filter zurückgehalten 
werden (Verkalkung, Pigmentirung, Amyloid- und Fettinfiltration). 

b) In Geweben und Organen: gleichmässige Anseh wellung 
und Verdichtung grösserer Abschnitte derselben, verursacht durch 
eine Ablagerung von Entzündungsprodukten. Neoplasmen, Fett, 
Serum etc. in sehr zahlreichen, aber kleinen Herden. 

Markige I. der PEYER'schen Drüsenplatten und der solitären 
Follikel bei Typhus abdominalis beruht auf einer exzessiven Ver- 
mehrung der zelligen Elemente, die entweder zur nekrotischen 
Zerstörung oder zur allmählichen Rückbildung führt. In diesen 
markig infiltrirten Drüsen sind von Eberth und anderen be- 
stimmte Bacillen (Bacillus typhosus Eberth) nachgewiesen worden. 

Infiltrat uin corneae vd. Keratitis. 

Inflammatio (in-flammare in Flammen setzen, ent- 
zünden) s. Phlogosis die Entzündung. 

I. eatarrhalis Entzündung von epithrlbeklcidctcn Flächen, 
vd. Catarrhus. 

I. parenchvinatosa die dem offen mündenden Drüsengewebe 
eigentümliche Art der Entzündimg, welche wesentlich in einer 
Veränderung der Parenchymzellen besteht, die als „trübe Schwel- 
lung" (vd. Degeneratio) bezeichnet wird. 

I. interstitialis (v. intersisto) die dem Bindegewebe und 
den Gefässen eigentümliche Entzündungsform. Der Name „Ent- 
zündung" bezieht sich zunächst auf die hervorragende Rolle, 
welche das Gefässsystem bei der Entzündung spielt. Neben der 



wirkt durch den Austritt von Blutbestandteilen (extravasirende 
Hyperämie), das sogen, entzündliche Exsudat, aus Serum und 
weissen Blutzellen bestehend, welche letztere durch die Gefäss- 
wände „ausschlüpfen" und sich als Wanderzellen (cf. amöboid) in 
die Umgebung verbreiten, wo sie entweder in den Geweben liegen 
bleiben und der fettigen Degeneration und Resorption verfallen, 
oder Abszesse bilden, oder organisirt werden, oder in die Lymph- 
gefässe gelangen. Wesentlich ist die Alteration der Wandungen 
der kleinen Gefässe, infolge deren die zelligen Elemente in grösserer 
Menge hindurchtreten : entzündliche Diosmose, Diapedesis 
[nach Rindfleisch]. 
cf. Stasis. 



H 




16* 



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244 



Influenza 



I. per conti nuitatem Ausbreitung der Entzündung von 
einem auf einen anderen kontinuirlich damit zusammenhängen- 
den Teil. 

I. per contiguitatem Ausbreitung der Entzündung auf 
Teile, welche mit den primär entzündeten in Berührung sind, z. B. 
von der Pleura pulmonales auf die PI. eostalis. 

Influenza (ital. das Wort deutet wahrscheinlich 
auf einen präsumirten atmosphärischen Einfluss hin — 
influere beeinflussen — nach Anderen auf die „Mode- 
krankheit") epidemisches Katarrhalfieber, Grippe (von 
gripper greifen), eine von Zeit zu Zeit in ausgedehnten Epidemien 
mit Katarrh der Respirations- und Verdauungsorgane, Fieber und 
bedeutenden nervösen Erscheinungen auftretende und kritisch 
endende akute Infektionskrankheit. 

lnfraktion (frangere) Einbrechung z. B. eines Stückes 
des knöchernen Schädels nach dem Schädelraum, oder Ein- 
knickung z. B. von Röhrenknochen nach Art der Knickung 
einer Papierrolle. Die Einknickung, ein partieller Bruch, kommt 
nur bei sehr weichen, zumal rhachitischen Kinderknochen vor, in- 
dem die mangelhafte Anbiidung kompakter Substanz auf der 
Aussenfläche der Knochen bei gleichzeitiger physiologischer 
Resorption der kompakten Substanz von der Markhöhle aus zu 
einer Dickenabnahme der Rinde führt. 

cf. Fractura. 

Infusion {in-fundere hineingiessen) das Eingiesscn 
von Arzneimitteln ohne Anwendimg eines besonderen Druckes im 
Gegensatz zur Injektion. Man unterscheidet eine interstitielle 
I. (z. B. HEGAfi'sche Wassereingüsse in Darm, Magen, Blase 
u. s. w.), eine parenchymatöse I. und eine hy podermatische I. 
Die intravenöse Infusion findet in neuerer Zeit ihre Anwen- 
dung an Stelle der Transfusion. 

Inhalation (H. von inhalare zuhauchen, einatmen) 
Einatmung von Dämpfen und Gasen als Heilmittel bei Er- 
krankungen der oberen Luftwege. 

Injektion (in-jicio hineinwerfen) Einspritzung, 
reinigende oder medikamentöse, in Körperhöhlen oder durch Stich- 
kanäle unter die Haut (subkutane I.) oder in die Tiefe der 
Organe (parenchymatöse I.) 

Pathologisch-anatomisch im Sinn der strotzenden Blut- 
füllung der kapillaren und kleinen arteriellen und venösen Ge- 
fässchen eines Teiles als Symptom der aktiven Hyperämie. 

Inoculatio (oculus Auge, Knospe) das Einimpfen. 

I. vaccinae i. q. Vaccinatio. 

Inopexie (17 fc, Ivos Paserstoff, y mite Gerinnung, 
v. mjywfti festmachen) Disposition des Blutes zur Gerinnung 
im lebenden Körper. 



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Insultus 



245 



Inosnrie (oigho harnen) Vorkommen von Inosit (s. d.) 
(Muskelzuckcr) im Harn \m Polyurie und neben dem Trauben- 
zucker bei Diabetes. 

Insertio velamentosa fnnieuli umbilicalis 

(velamentum Hülle) eine nicht seltene Abnormität, wobei sich 
die Nabelschnur nicht direkt an der Plazenta inserirt, sondern 
mehr oder weniger weit vom Rande derselben in die Eihäute über- 
geht und die Nabelschnurgefässe in den Eihäuten nach der 
Plazenta hin laufen, wobei die zwei Nabelarterien gerne zu 
einem gemeinschaftlichen Stamm verschmelzen [Schröder]. Bei 
der sehr seltenen Insertio furcata funic. umbil. gabelt sich 
die Nabelschnur in zwei Schenkel, mit denen sie zentral oder 
exzentrisch inserirt. 

Insolation (sol Sonne) s. Siriasis Hitzschlag, 
Sonnenstich, die Folgen zu hoher Temperatur Wirkung , am 
häufigsten der Sonnenhitze, auf den Organismus. Die pathologische 
Anatomie dieser Affektion ist zur Zeit noch nicht festgestellt. Als 
wesentlich wird eine exzessive Erhöhung der Körpertemperatur 
angesehen. 

Insomnie (somnus eig. sop-nus v. Stamm sop, verw. mit 
sopor der Schlaf) i. q. Agrypnie. 

Insoufflatenr (frz. v. sub-flare) Inst r u in e n t z u m E i n - 

blasen gepulverter Arzneistoffe in den Nasenrachenraum, Rachen, 
Kehlkopf. Insufflatiou das Verfahren des Einblasens. 

Inspektion oder Adspektion Besichtigung, Be- 
standteil der klinischen Untersuchungsmethoden. 

cf. Auscultation, Palpution, Percussion, Mensaration. 

Insuffizienz (sufßcere genügen) ungenügende 
Funktionsfähigkeit eines Organs, insbesondere muskulöser 
Organe (Augenmuskeln, Herz, Magen, Dann). Hinsichtlich eines 
Klappensystems: gestörte Schlussfähigkeit desselben. 

cf. Incontinentia. 

Insnltns (itisüire hineinspringen, salto) der Anfall. 

I. hystericus der eigentliche hysterische Anfall 
(zum Unterschiede von anfallsweise auftretenden hysterischen 
Symptomen) besteht in allgemeinen klonischen Zuckungen oder 
Zwangsbewegungen, gewöhnlich von schreienden Tönen und un- 
regelmässiger Atmung begleitet, in schwereren Fällen mit Bewusst- 
seinsverlust und epileptiformen Krämpfen (Hysteroepilepsie); 
oder der Anfall äussert sich in Form kataleptischer Zustände, 
oder hysterischer Geistesstörungen, oder der Synkope hysterica. 

f. apoplecticus, cpilcptieus, eklnuipticus, maniaealis etc. 
vd. Apoplexie, Epilepsie etc. 




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Intentio 



Intentio (in-tendere anspannen, anstrengen) in der 
Chinirgie oft gebraucht in dem Ausdruck 

Rejreneratio s. Sanatio per primam oder seeundain in- 
tentiunein. 

Die Wundheilung per primam I. tritt in zwei Fonnen auf: 

1. als unmittelbare Vereinigung. Die Wundflächen ver- 
kleben durch eine eiweisshaltige Flüssigkeit imd verwachsen ohne 
weitere Rötung und Anschwellung in wenigen Tagen definitiv; 

2. als Heilung mit oberflächlicher molekularer Nekrose des 
Wundrandes, deren Partikelchen jedoch ohne weitere Eiterung 
wieder resorbirt werden. Die Wundränder werden hyperämisch 
imd schwellen durch eine seröse und zcllige Infiltration etwas 
an. Dieses plastische Infiltrat liefert die verbindende Grund- 
substanz. 

Bei der Heilung per secundam I. fehlt die direkte Ver- 
klebung der Wundränder, die Wunde verwandelt sich in ein 
offenes eiterndes Geschwür. Gegen den fünften Tag erscheinen 
Granulationen (s. d.), von denen eine pyogene oberflächliche 
und eine tiefere p las inatische Schicht zu unterscheiden ist. 
Daraus bildet sich erst homogenes, dann faseriges Bindegewebe, 
das Narbengewebe, worin die Gefässe anfänglich persistiren, all- 
mählich verschwinden. Die dünne Epidermis, mit welcher das 
Narbengewebe sich überzieht, wird von der Nachbarschaft ge- 
liefert. 

cf. Cicatrix. 

Intentionstremor (intendere anspannen, tretnere 
zittern) das bei willkürlichen Bewegungen auftretende Zittern, 
ein Symptom der multiplen Sklerose. 

cf. Sklerosis. 

Interkalarstaphylom (interccUare einschalten, von 
calare rufen, xalelv) vd. Staphyloma. 

Interkostalneuralgie, Neural gia intercosta- 

lis (Sammelname für alle Neuralgien, die im Gebiet 
der zwölf Dorsalnerven ihren Sitz haben ; inter costas 
zwischen den Bippen). I. ist entweder eine rheumatische 
oder traumatische, oder sekimdär nach Erkrankungen der Lunge 
und der Pleura, und Affektionen des Rückenmarks und der 
weiblichen Geschlechtsorgane. Von differentiell - diagnostischer 
Bedeutung für das Leiden sind die VALLKix'schen Boints dou- 
loureux. 

cf. Puncta dolorosa. 

Intermediär (inter dazwischen, medium die Mitte) 
im Gegensatz zu primär und sekundär, z. B in Bezug auf die 
Zeit einer Operation, wenn dieselbe später als etwa achtundvierzig 
Stunden naen einer Verletzung, in der Periode der Infiltration und 
entzündlichen Reaktion und vor dem Verschwinden dieser vorge- 
nommen wird. 



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Intus8usceptio 247 

Intermeningealapoplexie {n (»Iny* Haut, hier 
Hirnhaut, vd. Apoplexia) Blutung zwischen Dura und Arach- 
noidea, z. B. bei Durchbrueh eines Haematonia durae matris 
(s. d.). 

Intermisaion (inter-mittere einen Zwischenraum 
freilassen, aussetzen) das vollständige Pausiren von Krank- 
heiten oder deren Symptomen. 

cf. Remission. 

Intermittens sc. Febris s. d. u. Malaria. 

Intertrigo (ttro reibe) das Fratt- oder Wundsein, 
Rötung der Haut mit Mazeration und teilweisem Verlust der 
Epidermis infolge längerer Einwirkung von Feuchtigkeit, besonders 
Schweiss. 

I. pcrinealis (mova Hüftknochen s. perinea) „Wolf". 

Intimldation (timidus furchtsam) I.-System | Leitret]. 
Behandlungsweise bei Psychosen, welche durch Douchen jede 
krankhafte Äusserung zu unterdrücken und so die Psychose zu 
heilen sucht [nach Kräpeun]. 

Intoxikation (vd. Toxieum) Vergiftung, die schäd- 
liche und bei Aufnahme von relativ grösseren Mengen sicher töt- 
liche Wirkung gewisser chemischer, pflanzlicher und tierischer 
{Schlangengift) Stoffe, deren Wirkungsintensität im Verhältnisse zu 
ihrer Quantität steht. 

cf. Infektion. 

Int rafft tat ion, Foctus in foetu, Doppelmissbildungen, 
bei denen ein Individuum entwickelt, da 4 * andere verkümmert ist 
und als parasitische Masse ein Anhängsel in gewissen Körper- 
gegenden des entwickelten bildet. Man unterscheidet je nach dem 
Sitz der parasitischen Teile eine 1. abdominalis, I. capitis, 
I. sacralis. 

cf. Engastrius, Epigastrius, Epignathus, Pygopagus, Teratom. 

Intubation (tubus = tuba Bohre) des Kehlkopfs, Ein- 
führung von Kehlkopfkanülen, welche liegen bleiben, vom Munde 
aus, zum Zweck der Erweiterung von Stenosen, neuerdings besonders 
bei Kehlkopf-Croup mit Erfolg angewandt ((.)' Dwyer). 

Intumeszenz (intumesco aufschwellen Inchoat. von 
tumeo mit verstärkendem in) die Anschwellung als Vor- 
gang, das Anschwellen. 

cf. Tumor. 

Intussusceptio (intus nach innen hinein, susciperc 
aufnehmen, von sus = sub von unten, aufwärts, capto 
nehmen) s. luvaginatio (vagina die Scheide) sc. intestinorum, 
Darmeinschiebung, Einstülpung eines Dannabschnittes in den 



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248 Invaginatio 

zunächst folgenden weiteren, seltener in den vorausgehenden, was 
zur Aufhebung der Durchgängigkeit führen kann. 

Der äussere Zylinder bildet das Intussuscipiens oder die 
Scheide, die beiden mittleren das Intussusceptuin. — Am 
häufigsten ist Einstülpung von Ileum und Cöcum in das Kolon 
(Invaginatio ileocoecal is). 

cf. Prolaps, Ileus. 

Invaginatio i. q. Intussusceptio. 

Invasion (in-vadere eindringen) Ansteckung mit 
Organozoen (Invasionskrankheiten), 
cf. Stadium invasionis. 

Inversio (in-verttre um- oder einwärtswenden). 

I. testis Einwärtskehrung, d. i. diejenige Stellungsveränderung 
des Hoden, bei welcher sein freier Rand statt nach vorne nach 
innen steht. 

I. uteri teilweise Einstülpung oder derartige totale Um- 
stülpung des Uterus, dass der Fundus durch den Muttermund 
hindurchgetreten ist (I. completa). 

I. vaglnac Einstülpung der vorderen oder hinteren Scheiden- 
wand oder beider in die Scheide oder in die Vulva. 

1. vesicae i. q. Ektropia vesicae. 

I. visccrum vd. Situs transversus visccrum. 

Involution (in-volvtre einwärtswälzen) der Vorgang 

der Rückbildung z. B. des Uterus im Puerperium, oder der 

Organe im Alter (senile I., Involutiousperiode, opp. Evolution). 

cf. Subinvolutiu. 
* 

Jodisiiius (Ituörjg iofidr/g v. to Tov u. fTöoi, veilchen- 
artig — von der blauen Farbe der Joddämpfe) Jod Ver- 
giftung, kommt vor als J. acutus und chronicus. 

Iracandia morbosa pathologische Zornsucht. 

Iridektomie Igte, igidog Regenbogen, Regen- 
bogenhaut, s. auch Iris, lx-xipiv(a ausschneiden) Aus- 
schneidung eines Stückes der Iris von einer künstlichen 
Hornhaut- oder Skleralwunde aus, entweder zum Zweck der Kore- 
morphose (optische Iridektomie), oder in kurativer Absicht bei 
gewissen Augenkrankheiten (Glaukom u. s. w.). 

cf. Iridotomie. 

Iridenkleisis (?? ey-xkeioig v. eyxkeüo einschliessen) 

die Einklemmung einer Irisfalte in einen langen imd engen 
Wundkanal der Lederhaut, als Ersatz der Iridodesis. 

Irideremie {f) ig^iia Mangel, v. e^jftos) s. Aniridie 
angeborener Irismangel, 
cf. Koloboma iridis. 



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Iridoplegia 



24<> 



Irido-Chörioiditis (vd. Chorioiditis) gemeinschaft- 
liche Iris- und Aderhautentzündung, Entzündung des 
Uvealtraktus, tritt analog der Iritis als I. plastica, serosa, 
parenchymatosa (suppurativa) und gummosa auf; prak- 
tischer ist* jedoch folgende Einteilung [nach de Wecker]: 

I. consecutivu die sekundäre L, welche nach Iritis durch 
Übergreifen der Entzündung auf die Chorioidea häufig auftritt, 
konstant aber dann, wenn es zu zirkulären hinteren Synechien ge- 
kommen ist. 

I. spontan ca die primäre L, anfänglich nur Cyk litis. 
Hier gehen die Funktionsstörungen den Zeichen der Iritis voraus 
und treten polare Katarakte ein, welche sich nicht durch Exsudate 
von seiten der Iris erklären lassen. 

1. sympathica (traumatica) ist sympathische Ophthalmie, 
welche fast immer nur unter der Form einer I. plastica auf- 
tretend infolge von Verletzung des anderen Auges, 
insbesondere des Verweilens eines Fremdkörpers darin entsteht. 
Der sympathische Reiz wird durch die Ziliarncrvcn übertragen. 

Iridodesis {rj dhig Binden, v. 8ea>) veraltete Ersatz- 
methode der Iridektomie, wobei die aus der künstlichen Hornhaut- 
wunde hervorgezogene Irisfalte mit einem durch den Limbus con- 
junctivalis gezogenen Faden fixirt wurde. 

cf. Iridenkleisis. 

Iridodialysis (pta/Lvw auflösen) die Ablösung der Iris 
vom Ziliarrande. 

Iridodonesio (<W«a> schwanken), Iris tremulans, 

Schlottern der Iris, welches sich einstellt, wenn die Regen- 
bogenhaut ihrer natürlichen Stütze, der vorderen Linsenkapsel, 
durch Schrumpfung oder Entfernung der Linse beraubt ist. 
cf. Hippus. 

Iridokoloboma vd. Koloboma iridis. 

lridonkosis (6 07x0? die Geschwulst, 6yy.6o)) Uveal- 
staphylom: wenn es bei meist vollständigem Pupillarverschluss 
zu einer sehr bedeutenden Vortreibung der ganzen sehr ver- 
dünnten Iris kommt. 

Iridoplegia (jiltjaato schlagen) Lähmung der Iris- 
muskulatur. Zu unterscheiden: 

1) Akkommodative I. Fehlen der Pupillen Verkleinerung, 
beim Versuch zu akkommodiren. 

2) Reflektorische I. Verlust des Lichtreflexes oder Ver- 
lust der reflektorischen Dilatation der Pupille bei Haut- 
reizen. 

Am häufigsten Teilerscheinung bei Tabes und progressiver 
Paralyse. 



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250 



Iridoptosis 



Iridoptosis (tj xrioois von marto fallen) = Prolapsus 
iridis. 

Iridoschisis,- inina (<m'sa> spalten) i. q. Koloboina 
iridis. 

Iridotomie (»7 to/o/ v. tf^vo)) Ei tisch neidung des 
Irisrandes von einer andersei tigen künstlichen Hornhautwunde 
aus (mit der WECKER'schen Scheerenpinzette), den strahlenförmigen 
Muskelfasern gleichlaufend, worauf durch Retraktion der Kreis- 
muskelfasern Bildung einer künstlichen Pupille erfolgt. 

cf. Iridektomie. 

Iris (*/pts- die Götterbotin des Regenbogens, tgtg die 
Veilchenwurzel, der Regenbogenstein) Bezeichnung für 
jene krankhaften Erscheinungen auf der Haut, welche sich durch 
inein anderge lagerte Kreise oder durch einen Kreis, dessen 
Zentrum durch eine Effloreszenz angedeutet ist, auszeichnen, z. B. 
Herpes ins etc. 

cf. gyratus, annnlatus, circinatus. 

Iritis Regenbogenhautentzündung. 
Pathologisch-anatomisch sind zu unterscheiden [nach 
de Wecker, Gräfe und SXmisch, Hdb.]: 

I. Simplex in akuter und chronischer Form, idiopathisch oder 
nach Konjunktiva- und Korneaerkrankungen ; Verfärbung und 
mattes Aussehen der Iris, Kammerwasser wenig oder gar nicht ge- 
trübt, kein plastisches Exsudat. 

I. plastica bei welcher Form sich die entzündlichen Exsudate 
hauptsächlich auf der Hinterfläche der vorderen Augenkammer 
(Iris und Linsenkapsel) ablagern. 

I. serosa. Hierbei tritt das Entzündungsprodukt unter der 
Form einer serösen Flüssigkeit auf, aus welcher sich die koagu- 
lirbaren Elemente niederschlagen und auf der Vorderfläche der 
Augenkammer, der DESCEMET'schen Haut, einen körnigen, meist 
punktförmigen Beschlag bilden (früher als H ydromeningi tis 
oder Descemetitis bezeichnet). 

I. parenchymatös und suppurativa. Hierbei wird das ent- 
zündliche Produkt in das Irisgewebe selbst abgelagert, wodurch 
eine beträchtliche Schwellung desselben hervorgerufen wird. Die 
suppurativa Forni, wobei eine Einwanderung lymphoider Zellen 
ausser in das Irisgewebe auch in die vordere Kammer stattfindet, 
wird auch als Hypopy on-Iritis bezeichnet. 

Ätiologisch sind zu unterscheiden: 

I. syphilitica s. gummosa charakterisirt durch meist zen- 
trale Entwicklung kleiner gummöser Knoten, unter anfänglich 
relativer Integrität des angrenzenden Irisgewebes. — Bei früher 
behandelter Syphilis tritt die I. häufiger in der plastischen 
Form auf. 



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Ischias, Ischialgie 251 

1« rheumatiea die mit rheumatischer Diathese zusammen- 
hängende L, durch vorwiegende Teilnahme des Episkleralgewebes 
an der (plastischen) Entzündung charakterisirt. 

I. blennorrhagica in Zusammenhang mit Tripper. .In den 
von Wecker beobachteten Fällen ging dieser — aus plastischer 
und seröser I. gemischten — Form stets eine rheumatische Ge- 
len kerkrankung (Arthrophlogosis gonorrhoica) voraus, doch ohne 
die Charaktere der vorigen Form. 

I. tuberculosa, sekundär nach Tuberkulose anderer Organe: 
Auftreten von graugelben (Tuberkel-)KnÖtchen, erst in der Peri- 
pherie, später im Pupülargebiet. 

I. leprosa Knötchen im Ziliarteil der Iris, sonst wie I. serosa 
oder plastica. 

Irradiation (in und radius Strahl) Ausstrahlung, 
Mitempfindung, von Schmerzen gebraucht, wenn sich die Er- 
regung von einer sensiblen Faser auf andere benachbarte über- 
trägt (bei entfernteren: sympathisch). Die Erregung geschieht 
in den Zentralorganen, wird aber nach dem Gesetz der exzen- 
trischen Projektion in die Peripherie verlegt. 

cf. Reflex. 

Irrigator (ir-rtgare Wasser wohin leiten) Vorrich- 
tung zur ausgiebigen Bespülung (Irrigation) von Wunden, 
Körperhöhlen etc. mit einem schwachen Wasserstrahle. 

Irritantia (sc. remedia) reizende Mittel, vd. Acria. 

Irritation (ir-ritare anreizen, v. in-rire anknurren) 
die Reizung. 

Spinal-I. Symptomenkomplex, der in neuralgieartigen, ihren 
Sitz wechselnden Schmerzen im Körper, zugleich mit grosser 
Druckempfindlichkeit einzelner Dornfortsätze der Wirbelsäule be- 
sonders bei nervösen und hysterischen Personen besteht. 

cf. Erethismus, Puncta dolorosa. 

Ischämie (Taxa Nebenf. von I*« halten, hemmen; 
to alfia das Blut) Hemmung der Blutzufuhr infolge Vermeh- 
rung der Widerstände, insbesondere durch Gefässkrampf, und die 
dadurch hervorgerufene lokale Anämie (Anaemia spastica). 

Ischiagra (vd. Ischias, f\ äyoa Falle) Hüftgicht vd. 
Arthritis urica. 

Ischias, Ischialgie * c - v6o °s> von ™ la p° t v 

Hüfte, to äkyog Schmerz) s. Maluin Cotunnii, Xeuraljria 
isehiadica Hüftweh, Neuralgie eines Teiles des Plexus sacralis, 
betrifft teils die von den sensiblen Fasern des Nervus ischiadicus, 
teils die vom N. cutaneus femoris posterior versorgten Teile, bald 
oberflächlich, bald in der Tiefe. 



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252 Ischiocele 

Als Ischias antTca wird die Neuralgie des N. cruralis 
bezeichnet (Plex. hinibalis), wobei die Schmerzen entweder auf 
der äusseren und angrenzenden hinteren Schenkelfläehe bis gegen 
das Knie herab oder in der mittleren und inneren Partie der 
Vorderschenkelfläche, vorderen Kniegelenksgegend, inneren Fläche 
des Unterschenkels und des inneren Fussrandes sitzen. 

Ischiocele (rj xtfitj Bruch) = Hernia ischiadica. 

Iüchiopagiig (vom Stamme xay, wie in xaysis, IL Aor. 
Pass. von ntjywfu verbinden) Missgeburt mit zwei fast 
vollständigen Körpern, welche mit den Becken untereinander ver- 
schmolzen sind und in Einer Linie (nicht nebeneinander wie bei 
Pygopagus) liegen, mit nur einem Nabel. 

Ischuria (m/w hemmen, n) oioor Urin) Harnver- 
haltung im allgemeinen. 

I. spastica der äusserste Ausdruck der Dysuria spastica. 

Isokorie {laog gleich, t) xÖQtj Pupille) Gleichheit 
der Pupillen. 

ltinerarium („Wegweiser", von iter, itincris Heise) 
Rinnensondc, hauptsächlich beim Steinschnitt verwendet, 
cf. Gorgeret. 

Ixodes ricinus (/£o><%, eig. vogelleimartig, 
klebrig, sich anhängend, von 6 i$6g die Mistel, viscum r 
auch der daraus bereitete Vogelleim; ricinus lat. Name 
für eine grössere Läuseart, vom Stamme rik ritzen, 
kratzen) der Holzbock, die Zecke. 

cf. Dermatozoen. 

Kachexia (t) die schlechte Beschaffenheit, 

von r) nie das Befinden und xaxog) nennt man den Zustand 
andauernd geringer Ernährung bei jüngeren Individuen, wie er 
durch unzureichende Nahrung und erschöpfende Krankheiten 
e rzeugt wird, im Gegensatz zu dem Marasmus des Greisenalters. 

K. africana vd. Geophagie. 

K. exophthalmiea (franz. Goitre exophthalmique) i. q. Morbus 
Basedowii. 

K. lymphatica s. splenica vd. Pseudoleukämie. 

K. mercurialis durch chronische Einwirkung von Queck- 
silber bedingter kachektischer Zustand. 

K. strumipriva (vd. Struma) s. thyreopriva (v. privus be- 
raubt) K. nach operativer Entfernung der Schilddrüse, verbunden 
mit psychischen Störungen. 

Kak-ke (Japan.) i. q. Beriberi. 
cf. Tabea. 



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Katamenien 



253 



Kakosmia subjectiva (// Snftt} Geruch, v. oC«) eine 
Art von Hyperaesthesia resp. Paraesthesia olfactoria, sub- 
jektive Empfindung übler Gerüche, durch Reize an irgend 
einer Stelle des Zentrums oder der Bahn des Riechnerven be- 
dingt, bei Hysterischen, Geisteskranken, Epileptikern, Syphili- 
tischen vorkommend. 

cf. Hallucinatio. 

Kardiasthenla, Kardiogmai etc. vd. unter C. 

Karphologia (u> xdgqpog Spahn, Flocke und ?Jyco 
lesen) i. q. Kroeidismus, vd. Floccilegium. 

Karus (6 xdgog tiefster Schlaf, Totenschlaf v. m- 

öag-&ävco dormio) vd. Sopor, Koma, Lethargie. 

Karyokineais (to xoqvov Nuss, hier für Kern, xivfo 
bewegen) indirekte Kernteilung mit Bildung der Flem- 
MlNG'schen Kernteilungsfiguren , die sowohl unter normalen als 
pathologischen Verhältnissen vorkommt. 

Karyolysis (Xva> lösen) Auflösung des Kerns bei 
•der Karyokinese. 

Karyophagus ((paytTv essen) wörtlich Kernfresser, Bezeich- 
nung für ein Kerninfektion bewirkendes Protozoon (vd. Coccidien). 

Katadikrot, Katapolykrot (vd. Dikrotismus) ist 
«der Puls, in dessen absteigenden Schenkel eine oder mehrere 
Elevatiouen fallen. 

Katalepsie (17 xazdXtjyig v. xaza-lafißdvto fest nehmen 
oder halten) Starrsucht, anfallsweise auftretende Krankheit, 
bei welcher unter Verminderung oder Aufhebung des Bewusstseins 
und der Empfindung während der Anfälle die Muskeln in einem 
zu Beginn des Anfalls eingenommenen Kontraktionszustande ver- 
harren, während passive Bewegungen resp. beliebige Stellungs- 
veränderungen der Körperteile leicht hervorgebracht werden 
können (Flexibilitas cerea). Das Leiden kommt einerseits 
als Teilerscheinung der Hysterie (Hysteria kataleptica), 
andererseits als Symptom chronischer Gehirnerkrankungen, aber 
auch als selbständige Affektiou vor und scheint wesentlich auf 
einem abnorm erhöhten Leitungswiderstande innerhalb der mo- 
torischen Ganglien zu beruhen, wodurch die Erregbarkeit der 
Muskeln auf em Minimum herabgedrückt wird. 

cf. Tetanus. 

Katalyse (>? xazd-).vms) die Auflösung, vd. Elektro- 
katalyse. 

JKatamenien (ro xaza/ntjvia von xazd über, im Zeit- 
sinn, 6 [ajv Monat) das Monatliche, die Menstruation 
(physiologisch). 



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254 



Kataphorisch 



Kataphorisch, Kataphorese (xaza-qxiQeco mit sich, 
fortführen) nennt man diejenige Eigenschaft oder Wirkung 
des elektrischen Stromes, vermöge deren bei Durchleitung des- 
Stromes durch einen in einem porösen Körper enthaltenen Elek- 
trolyten Flüssigkeit von dem positiven Pole nach dem negativen 
bewegt wird. 

Kataplasma (t6 xaiusrXao^a Aufgestrichene, von 

xaia-jTÄdooa) aufschmieren) gewöhnlich nur in der Bedeutung 
„warmer Breiumschlag" (doch auch Gips-K. etc.). 
cf. Epithema, Fomentum. 

Kataracta, Katarrh vd. imter C. 

Katatonie (xaTa-relvco anspannen) Schlafsucht, 
xehlafähnlicher Zustand von sehr langer Dauer, wobei die körper- 



sind. Die Bezeichnung kann vorläufig nur als eine sympto- 
matische gelten, Kahlbaum betrachtet den Zustand als eigen- 
tümliche Krankheit, als „Spannimgsirresein des Gehirns", durch 
krankhafte Affektionen des Gehirns bedingt (eine Trübung der 
weichen Hirnhäute über der Brücke soll konstant sein; der Zu- 
stand stehe zwischen Melancholia attonita und Gehirnparalyse 
in der Mitte). 

cf. Hypnotismus, Katochus, Koma, Somnolenz. 

Katelektrotonua vd. Elektrotonus. 

Kathartica (xadaQnxog reinigend, von xadat'gw), sc- 
remedia, i. q. Purgantia, vd. Laxantia. 

Katharsis die Wirkung der Abführmittel. 

Katheter [Galen] (5 xa&ertjQ was man hinablässt, 
hineinsteckt, v. xaä-i^fii herunterlassen) röhrenförmiges 
Instrument zur Einführung durch die Harnröhre in die Blase 
behufs Entleerung des Blaseninhaltes oder zu Injektionen (hierzu 
der K. ä double courant mit zwei parallelen Bohren, um den 
sofortigen Rückfluss zu ermöglichen). 

Katheter! smus das Katheterisiren, Anwendung 
des Katheters. 

K. posterior s. retro-urethralis, 1787 von Hunter, 1849 
von Braixart empfohlen, daher BRAiNART'scher K. genannt, 
das Einführen eines Katheters in die Urethra von deren Blasen- 
mündung aus nach vorgängiger Punctio vesicae bei impermeablen 
Strikturen, Harnröhrcnzerreissimg. 

K. laryngis das Einführen eines Katheters in den Kehl- 
kopf entweder zur Einleitung der künstlichen Respiration bei 
Asphyxie oder zur Erweiterung von Kehlkopfstenosen bei Diph- 
therie, Krup, Tuberkulose, Syphilis u. s. w. 

K. tubac Eustachi! das Einführen eines Katheters in die 
Rachenmündung der Tuba Eustachii zum Zwecke der Luftein- 



lichen 




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Keloid 



255 



blasung in das Mittelohr. Das Verfahren ist bei allen Mittelohr- 
affektionen indizirt, wenn das gewöhnliche PoLLiTZER'sche Ver- 
fahren (einfache Lufteinblasung durch die Nase ohne Katheter) 
nicht gelingt. 

Kathetometer (Katheten — xaftttoc v. xadlrjui — die den 
rechten Winkel eines rechtwinkligen Dreiecks einschliessenden 
Seiten; t6 petgov Mass) ein von Benedikt zur Kraniometrie 
konstruirter Apparat. 

Kathode (xazd hinab, 17 686g Weg — wegen der 
Richtung des Stromes vom positiven zum negativen 
Pole) die negative Elektrode oder der negative Pol. 

■ 

Kutochti* (6 xazoxo? von xata u. fjet) festhalten, ge- 
bunden halten) wurde früher gebraucht im Sinn eines schlaf- 
artigen, bewegungslosen Zustandes mit offenen Augen, insbesondere 
*] für Febr. interm. pernic. tetanica. 



, \ cf. Sopor, Extasc, Hypnotismus, Katalepsie, Melancholia attonita. 

Kelis (rj xrjUg, -Tdo$ Fleck, lat.: caligo Nebel) i. q. 
Macula. 

^ Keloid, Cheloidea (r) xi)h) Klaue, Kralle, Krebs- 

scheere, Kerbe, v. /dw, %aivv> spalten, gähnen, klaffen, 
nicht von xißrj Gesehwulst; u. x6 fldog die Ähnlichkeit). 

1. Spontanes oder idiopathisches K., ein flach erhabe- 
ner, der Haut gleichsam eingepflanzter, scharfbegrenzter, bis 
mehrere Linien vorspringender, derbelastischer, weisshch oder 
rosig gefärbter Wulst von verschiedener Gestalt und Grösse mit 
meist glatter Oberfläche, der manchmal von entgegengesetzten 
Punkten her Fortsätze aussendet, die sich allmählich ver- 
schmächtigend in die umgebende gesunde Haut verlieren, 
wodurch das Gebilde einem Schaltierc (Krebs u. dgl.) nicht un- 
ähnlich sieht. Diese Neubildung tritt oft einzeln, doch auch in 
mehrfacher Anzahl auf, besondere auf dem Sternuni. Einmal 
entstanden, pflegt sie sich das ganze Leben hindurch nicht mehr 
zu ändern [Hebra ; nach Anderen soll sie zur Schrumpfimg mit 
Difformität führen]. 

Das Gewebe ist sarkomatös, aus zusammengepressten Fasern 
bestehend, welche innerhalb des Korium ihren Sitz haben. 

2. Konsekutives oder Narben-K. unter einer und um 
eine Narbe sich entwickelndes K., sonst von gleicher Beschaffenheit. 

Beide Formen haben Ähnlichkeit mit einer hypertrophischen 
Narbe. 

Neuere Autoren [Volkmann] schlagen vor, den Ausdruck 
Keloid ganz fallen zu lassen und je nach dem Typus der Ge- 
schwulst durch Fibroma, Sarkom a u. s. w. keloid es zu 
ersetzen. 



cf. Sklerema. 



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256 



Kelotomie 



Kelotoinie (j? xtjXrj Bruch) i. q. Herniotomie. 
Kephal . . . vd. Cephal . . . 

Kephalometrie (fj xe^oXi) Kopf, t6 petQov Mass) 
i. q. Craniometric. 

Keratalgia traumatica (ro älyog Schmerz) anfalls- 
weise auftretende Schmerzen im Auge nach Verletzung desselben. 

K. xerotica eine nur bei heruntergekommenen atrophischen 
Individuen, besonders Kindern , vorkommende Form : eiteriges 
Infiltrat in der unteren Hornhauthälf te , welches schnell zur 
Ulzeration und totalen Nekrose führt, schliesslich Panophthal- 
mitis und Exitus letalis bedingt. 

K. ekzematosa eine von der Conjunctiva fortgepflanzte 
ekzematöse Entzündung der Hornhaut. 

cf. Hypopyon, Vortex purulentus, Ophthalmia. 

Keratektasie (rö xegag Horn, Exreivco ausdehnen) 
Bezeichnung für diejenigen Ausdehnungen der Hornhaut , die 
ohne Beteiligung der Iris einhergehen. Gegensätzlich zu den 
Narbenstaphylomen der Hornhaut. 

cf. Keratoconus, Keratoglobus, Keratocele. 

Keratitis Hornhautentzündung [nach Gkäfe und 
Sämisch, Hdb.]. 

Keratitis superficialis. 

1. K. superficialis rasculosa in den oberflächlichen Schichten 
der Hornhaut lokalisirte Entzündung mit Reizerscheinungen und 
Gefässneubüdung als wesentlichsten Veränderungen. 

a) K. phlyktaenulosa (Stellwag's Herpes corneae) 
Entwicklung kleiner, oberflächlich gelegener Trübungen (sub- 
epithelialer Infiltrate) von grauer Farbe, halbkugeliger oder 
mehr spitzer Prominenz. Die nach einiger Zeit auftretenden 
Gefässe verlaufen von der Konjunktiva her nach den Phlyk- 
tänen zu. Die Krankheit ist zu Rückfällen ausserordentlich 
geneigt. 

Eine Varietät ist die K. -Büschelform oder büschel- 
förmige K., s. K. f asciculosa, welche sich meist an eine 
Conjunctivitis phlyktacnul. anschliesst. Am zentralen Ende eines 
schmalen, in gerader Richtung vom Rande nach dem Zentrum 
der Kornea zu verlaufenden Gefässbündels sitzt eine graue, all- 
mählich weiter nach dem Zentrum vorrückende und den Gefäss- 
streifen nach sich ziehende hufeisenförmige Trübung. 

b) K. pannosa s. Pannus. Die entzündlichen Verände- 
rungen beruhen hier im wesentlichen auf einer oberflächlichen 
Gefässneubüdung, welche in der Regel gleich grössere Abschnitte 
der Hornhaut einnimmt und auch von der Bildung oberfläch- 
licher Infiltrate und Geschwüre begleitet sein kann. 



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Keratitis 



Sie entwickelt sich ausschliesslich an Augen, welche an Con- 
junctivitis granulosa leiden. 

Über die Formen des Pannus s. d. 

K. superficialis avasculosa Entzündung in den oberen Lagen 
der Hornhaut ohne konstante Begleitung von Gefässneubildung. 

a) K. vesiculosa schnell unter heftigen Schmerzen ein- 
tretende Bildung wasserheller Bläschen, welche in Gruppen stehen 
und deren Decke nur aus dem abgehobenen Epithel besteht, also 
ein wahrer Herpes corneae. 

b) Das Resorptionsgeschwür stellt einen durch Ab- 
stossung des Epithelblattes sich entwickelnden, etwas mulden- 
förmigen oberflächlichen Ulzerationsprozess dar, der in der Regel 
ohne Gefässneubildung in der Kornea abzulaufen pflegt und nur 
ganz ausnahmsweise sich bis in die tiefen Schichten derselben 
vorschiebt. Sehr charakteristisch ist die Eigentümlichkeit, dass 
die betreffenden Gewebsveränderungen nur von einer sehr leich- 
ten Trübung der erkrankten Partie begleitet werden und dass 
die Entzündungsprodukte leicht zur Resorption kommen. 

Keratitis profunda. 

Die tieferen, das eigentliche Hornhautgewebe betreffenden, 
in diesem ursprünglich zur Entwicklung kommenden entzünd- 
lichen Veränderungen treten in drei typischen Formen auf: 1. als 
Geschwüre, 2. als Infiltrate und 3. als Abszesse (welche 
im weiteren Verlauf in der Regel auch in die Geschwürsfonn 
überzugehen pflegen). 

1. K. ulcerosa profunda. 

a) Das nicht entzündliche tiefe Hornhautgeschwür, 
Ulcus perforans, Entwicklung eines rundlichen Defektes 
unter sehr massigen Reizerscheinungen und ohne auffallende 
Veränderung des Geschwürsgrundes, mit steilen Rändern, all- 
mählich tiefer werdend, so dass die letzten Schichten sich aus- 
buchten, auch wohl perforiren, worauf die Heilung rasch zu er- 
folgen pflegt. Es ist gewissermassen ein tieferes Resorptions- 
geschwür. 

b) Das entzündliche tiefe Hornhautgeschwür: die 
den Gewebszerfall begleitenden Vorgänge markiren sich deutlich 
durch das Auftreten von Trübungen im Geschwürsgrund und 
in der Umgebung des Geschwüres. 

c) Ulcus corneae serpens, kriechendes Geschwür, 
die bösartigste Form des Hornhautgeschwürs, meist durch Ver- 
letzungen und Einwanderung von Pilzen bedingt (K. mykotica), 
eine ursprünglich ulzeröse Hornhautaffektion, welche vor allem 
dadurch ausgezeichnet ist, dass sie neben der Neigung, in da* 
Parenchym der Membran vorzudringen, auch in der Fläche und 
zwar vorwiegend nach einer bestimmten Richtung hin unter 
eiteriger Infiltration der Geschwürsränder sich weiter auszubreiten 

Roth'a Klinische Terminologie. 4. Aufl. 17 



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258 



Keratitis 



"pflegt. In einem Falle wurden von Leber AspergillussjK>ren 
nachgewiesen (Keratomy kosis aspergilli na). 

2. Inflltratum corneae profundum. 

a) Das zentrale parenchymatöse Hornhautinfiltrat. 
In den mittleren Schichten des Hornhautzentrums entwickelt 
sich unter massigen Reizerscheinungen eine Trübung, welche eine 
ungleiche Intensität besitzt, an einzelnen Stellen weisslicher, an 
anderen leichter grau erscheint. Konfluiren mehrere Infiltrate, so 
bilden sich bisweilen zickzackartige Figuren (K. dentritica 
exuleerans). 

b) Das sklerosirende ITornhautiufiltrat bildet sich 
im Anschluss an episkleritische oder skleritisehe Prozesse (Sklero- 
chorioiditis anterior) in Form einer vom Rande der Kornea aus- 
gehenden, unmittelbar an die entzündeten Abschnitte der Sklera 
austossenden, zentral fortschreitenden grauen oder weisslichgrauen 
Trübimg, welche sich gegen das gesunde Gewebe mit ver- 
schwommener Begrenzungslinie matt abhebt. Es macht nach 
Ablauf der Entzündung den Eindruck, als ob die Sklera die 
Hornhautgrenze überschritten imd ein Stück derselben okku- 
pirt hätte. 

c) K. interstitialis s. paren chy matosa diffusa 
befällt in der Regel beide Augen, aber nicht gleichzeitig. Nach 
vorgängiger Reizung stellt sich eine ungleicnmässige wolkige 
Trübung der Hornhaut ein, welche deutlich ihren parenchymatösen 
Sitz erkennen lägst und sich über das ganze Areal der Hornhaut 
ausbreitet; auch die Epitheiialschicht erscheint matt, später wie 
zerstippt. Die Iris kann durch diese Infiltrationen, sowie auch 
durch Gef ässent wicklung , die sich vom Rande her gegen das 
Zentruni hin vorschiebt, ganz verdeckt werden. Geschwürige 
Vorgänge treten nicht ein, die Rückbildung nimmt in der Regel 
Monate, selbst Jahre in Anspruch. Häufig kompliziren Iritis 
und Chorioiditis die Krankheit. Befällt meist Kinder. Bilden 
sich punktförmige (oder grössere) Infiltrate, die nicht konfluiren, 
so entsteht eine K. punctata, die hartnäckigste Form der 
parenchymatösen K. 

d) K. bullosa (bulla Blase) eine Form des parenchyma- 
tösen Hornhautinfiltrats in deren Verlauf es zur Bildung grösserer 
schwappender Blasen auf der Kornea kommt , deren Bildung sich 
in ungleichen Zwischenräumen mehrere Wochen und Monate lang 
wiederholen kann. Die Affektion steht in Beziehung zu tieferen 
Erkrankungen des Auges, insbesondere dem Glaukom. Ebenso 
entwickelt sich bei chronischer Iridochorioiditis bezw. Glaukoma 
absolutum die 

e) bandförmige K. im Bereich der Lidspalte quer über 
die Hornhaut ziehend, mit reiz- und schmerzlosem Verlauf. 

3. Abseessus corneae s. K. suppurativa Eiterherde im 



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Keratonosis 



259 



Parenchym der Kornea, entwickeln sich infolge verschie- 
dener lokaler wie auch allgemeiner pathologischer Vorgänge, ins- 
besondere nach Conjunctivitis blenorrh., pustulosa, nach Typhus 
und bei K. neuroparalytica. 

K. neuroparalytica Entzündung und selbst nekrotische Ver- 
sen wärung der Kornea infolge von Trigeminuslähmung, wahr- 
scheinlich nur durch gröbere Traumen im Zusammenhang mit 
der Anästhesie bedingt. 

Keratocele xrjkt) Bruch) Hernia corneae, Horn- 
hautbruch, blasenartige Vorwölbung der durch Geschwüre 
verdünnten Hornhaut nebst der DESCEMET'schen Haut. 

Kcrato derma tosen (ro öigfia Haut) wörtlich Krankr 
heiten der Hornhaut, eine Klasse von Hautkrankheiten nach 
Tommasoli's System. Unterabteilungensind die Keratodermien 
nicht entzündliche Formen, zu denen die Haar- u. Nagelanomalien 
gehören, und die Keratodermiten, zu welchen die ver- 
schiedenen parasitären und nichtparasitären Dermatiten gerechnet 
werden, wie Herpes tonsurans, Favus, Pityriasis, Ekzem, Psoriasis, 
Liehen etc. 

Keratoglobus s. Makroeornea s. Megalocornea gleich- 
mässige kugelige Ausdehnung der ganzen vorderen Hälfte der 
Bulbuskapsel als Folge von vorausgegangenen tieferen Entzündungen 
im Auge. 

et". Staphylom, Keratokonus. 

Keratokonns (conus, 6 xwvoq Kegel) Cornea conea, 
durchsichtiges, kegeliges Hornhautstaphylom , höherer 
Grad von Vortreibung der Hornhaut in Gestalt eines stumpfen 
Kegels mit abgerundeter Spitze, besonders als Folge häufiger 
Entzündungen auftretend. 

cf. Conus, Keratocele, Keratoglobus, Keratitis ulcerosa profunda. 

Keratolysis vd. Keratonosis. 

Keratomalaeie (fiakaxog weich) wörtlich Erweichung 
der Hornhaut, gebraucht für eine rasch in die Tiefe und über die 
ganze Cornea sich ausbreitende Nekrose. 

Keratomykosis (6 pvxrjg Pilz) vd. Keratitis ulcerosa. 

Keratonosis s. Keratosis [Auspitz] (v. xegaroco v. 
xigag, atog Horn) eine Epidermidose, bei der sich die Wachstums- 
anomalie vorwiegend als Anomalie des Verhornungsprozesses der 
Oberhaut darstellt. Die verschiedenen Formen sind: Hyper- 
keratosis (Vermehrung der Hornbildung), Keratolysis (Ver- 
minderung der Hornbildung), Parakeratosis (Hornbildungen an 
abnormer Stelle). 

17* 



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260 Keratonyxis 

Keratonyxi« (vvooa> stechen) Durchstechung der 
Hornhaut, resp. Zerstückelung der Linse mit einer durch die 
Hornhaut eingeführten Starnadel (zur Ennöglichung der Re- 
sorption weicher Katarakte). 

et*. Skleronyxis, Discissio. 

Keratoplastik {jikaooto) der Ersatz einer total getrübten, 
undurchsichtigen Hornhaut durch die NussBAUM'sche Cornea 
artificialis (das Verfahren wurde bis vor kurzem noch durch 
Hippel geübt, ist aber jetzt ganz verlassen) oder durch die 
Transplantation der Kornea eines tierischen oder menschlichen 
Auges. 

Keratosis vd. Keratonosis. 

Keratoskop (axojiiw besichtigen) von Placido, zur 
Beobachtung abnormer Krümmungen der Hornhaut ; eine "Scheibe, 
welche schwarze und weisse Kreise enthält, die bei Krümmungs- 
anomalien nicht als Kreise, sondern als verzerrte Figuren er- 
scheinen. 

Keratotomie (xipvfo) die Spaltung der Hornhaut, von 
8ÄMI8CH bei serpiginösem Hornhautgeschwür empfohlen, jedoch 
auch bei Hyopyon indizirt. 

keraunonenrose (6 xegawog der Blitz) eine der 
traumatischen Neurose ähnliche chronische Störung des Nerven- 
systems durch Blitzschlag [Nothnagel]. 

K erektasia (eig. xegaro-exxaaia H. ixietvco ausspannen | 

Ausweitung der durch Pannus weicher und nachgiebig gewordenen 
Hornhaut. 

Kinästhesie (tj xivrjoig Bewegung, von xtw'w, rj aiodtjots 
v. ala&avoftai Empfindung) der Muskelsinn, d. i. die 
Empfindung der sensiblen Muskelnerven. 

Kinästliea iometer [Ch. Bastian], Kinesiä ■ thesio- 
meter [Hitzig], Apparat zur Untersuchung des Muskelsinns. 

Kinesiatrik (rj xi'vrjaig Bewegung, 1? iaxQtxrj, sc. riyvv) 
die gymnastische Heilmethode. 

Kleptomanie (x?Jjttco stehlen, 17 fiavia Wahnsinn) 
Stehlsucht, vd. Monomanie. 

Klimakterium vd. unter C. 

Klimatotherapie (t6 xkifia Himmelsgegend, geo- 
graphische Lage, v. xtivo) neige, d. i. Neigung der Erd- 
oberfläche gegen die Pole und Sonnenstrahlen, rj degcuieia von 
ihgcLievoj bedienen, heilen) s. Klimatologie, Lehre von der 
Förderung der Gesundheit durch die Wahl geeigneter Aufent- 
haltsorte mit zuträglichem „Klima". 

Klinocephalie (xUrio neige; rj xstpalrj Kopf) vd. 
Dolichocephalus. 



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Kolica 26 1 

Klinodaktylie (6 Sdxrvkog Finger) angeborene Deviation 
der Fingerphalangen. 

Klonisch (6 xXovog heftige, verworrene Bewegung, 
scXovea) jage) vd. Spasmus. 

Klysopompe (xkv&ir ausspülen, la pompe [franz.] die 
Pumpe) Vorrichtung zuni Klystieren mit einem Pumpwerke. 

Knesmos [Hippokrates] (v. xvrjoiaco ein Jucken em- 
pfinden, xvd<o kratze) i. q. Prurigo. 

K iiidosis {fj xviörj Brennessel) [Alibert] i. q. Urticaria. 

Koccygodynle (6 x6xxv£ Kuckucks- oder Steiss- 
bein, r/ oövvij Schmerz) heftige Schmerzen in der Gegend 
des Steissbeins, besonders beim Sitzen, ein chronischer, nur bei 
Frauen beobachteter Zustand, welcher wahrscheinlich häufiger 
in entzündlicher, durch schwere Geburten verursachter 
Affektion der fibrösen Umgebung des Steissbeins seine Ursache 
hat, als in einer eigentlichen Neuralgie (Zweige des Plexus 
eoecygeus), obwohl auch neuralgische K. beobachtet wird. 

Kokken (6 xoxxog Kern) Kugelbakterien, vd. 
Bakterien. 

Koliea 0) xv>hxi) sc. v6oo$, v. t6 x&aov, besser xölov der 
Grimm darm, v. xikk<o bewegen) s. Enteraljria s. Entere - 

dynia Darmgrimmen, Leibschneiden, Kolik, anfalls- 
weise auftretende Schmerzen verschiedenen Grades im Bereich 
des Darmkanales infolge übermässiger Reaktion der sensiblen 
Darmnerven bei Reizungen oder Entzündung der Darmschleim- 
haut ohne tiefere anatomische Veränderungen des Darmes (eine 
Neurose des Sympathicus, in sp. des N. splanchnicus). 

Je nach den Ursachen unterscheidet man: 

K. flatulcnta „Windkolik", wenn Gasanhäufung, teils 
infolge von Koprostase, teils durch abnorme Gärungen des Darm- 
inhaltes die Ursache der K. ist. 

K. haemorrhoidalis kommt neben Hämorrhoidalerkrankung 
des Rektum vor, ist auf die untere Bauchregion und Kreuz- 
gegend beschränkt und mit einem pressenden Gefühle auf den 
Mastdarm verbunden. Nach Romberg ist diese K. eine Neu- 
ralgie oder Hy peraesthesia plexus hypogastrici. 

K. hysterica, hierbei ist die Ursache nicht in abnormen 
Reizen, sondern in abnormen Nerven, resp. einer Reaktions- 
perversität zu suchen. 

K. intertropiea (Colique seche) identisch mit K. satur- 
nina und früher fälschlich als eine endemische Krankheit der 
heissen Zone angesehen. 

K. rheuinatica die durch Erkältung hervorgerufene K. 



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21)2 



Kolitis 



K. saturnina die bei chronischer Bleivergiftung auftretende, 
mit hartnäckiger Verstopfung verbundene Bleikolik, abhängig 
von der direkten Wirkung des Bleies, zu dem das Nervengewebe 
die grösste Affinität besitzt, auf den Sympathien*. 

K. stereoraeea herrührend von dem Beiz und der Aus- 
dehnung der Darmwand durch Kotmassen, Fruchtsteine etc. 

K. verminosa Wurmkolik, K. durch den Reiz von Ein- 
geweidewürmern. 

Wegen der Ähnlichkeit der Schmerzanfälle werden noch 
einige andere Affektionen als K. bezeichnet: 

K. hepatiea Gallenstein-K., durch Einklemmung von 
Gallensteinen, die von der Gallenblase in den Ductus cyst. 
getreten sind, plötzlich hervorgerufene, äusserst heftige, vom 
rechten Hypochondriiun ausgehende und oft weithin ausstrahlende 
Schmerzanfälle. 

K. menstrualis vd. Dysmenorrhoe. 

K. renalis, Nophraljria Nierenstein-K., heftige, oft 
weithin ausstrahlende Schmerzanfälle im Verlauf eines Ureter, 
hervorgerufen durch den Eintritt von zu grossen, allenfalls 
scharfkantigen Konkrementen aus dem Nierenbecken in einen 
Ureter. 

K. scortorum kolikartige Schmerzen im Unterleibe, die bei 
Scortis öfters vorkommen, besonders in der Menstruationszeit sich 
steigern und auf einer Neuralgie des Plexus hypogastricus zu 
beruhen, zuweilen von entzündlichen Vorgängen an den Ovarien 
oder Tuben, sowie Fluxionen zum Perimetrium abzuhängen 
scheinen, die im Zusammenhang mit zu häufigen Geschlechts- 
reizungen eintreten. 

Kolitis Dickdarmentzündung oder -katarrh, die 
gewöhnliche Form des Darmkatarrhs, 
cf. Enteritis. 

Kolloid (rj x6X).a Leim, Stamm eTSw ähnlich sein) 

gallertartig nennt man Flüssigkeiten von dicker, honig- oder 
geleeartiger Beschaffenheit; desgleichen eine besondere Form der 
Zellenmetamorphosc — vd. Degeneratio. 

Kolloid mylium (= fieh'vt) Hirse) [Wagner] eine 
eigentümliche Kolloidentartung der Talgdrüsen des Gesichts. 

Kollonema (ro vrjfia Gewebe, v. veto) im allgemeinen 
jede Geschwulst von sulziger Beschaffenheit, speziell 
für Myxom oder Myxosarkom. 

Koloboms (ro xoX6ßü»na Verstümmelte, v. xoXoßoto 
verstümmeln, beschneiden) jede angeborene Spalte 
von freien Rändern, z. B. K. labii, Hasenscharte, (Cheilo- 



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Kolpitis 263 

schisis), oder des Gaumens (Uranokoloboma) , der Iris („an- 
geborene Irisspalte", doch spricht Wecker auch von trauma- 
tischem K. iridis) oder der Macula lutea. 

K. Chorioideac Spaltung der Ch., als Persistenz der 
fötalen Chorioidealspalte , zuweilen als Komplikation der Iris- 
spalte. 

cf. Fissura. 

K. palpebrac. eine Form der Ablepharia partialis, bei 
welcher ein spaltförmiger Defekt des (meist oberen) Augenlids 
besteht. 

cf. Ablepharie, Schizoblepharon. 

Kolostomie (ro axoßa der Mund) Anlegen einer Fistel 
des Dickdarms durch Einnähen und seitliches Anschneiden des 
Colon. 

Kolotomia (ro y.wAor Dickdarm, fj TOfirj Schneiden) 
ein Teil der Enterotoraie, künstliche Afterbildung, operative 
Eröffnung eines Teils des Kolon hauptsächlich zum Zweck 
der Kotentleerung bei Verschluss eines tiefer unten gelegenen 
Teiles. Die Methoden sind: 

K. iliaca von der Regio iliaca aus, mit Eröffnung des 
Bauchfells (Laparotomie). 

K. lumbalis sinistra von der Regio lumb. sin. aus, ohne 
Eröffnung des Bauchfells. 

K. lumbalis dextra am Kolon ascend., gleichfalls ohne 
Eröffnung des Bauchfell«, 
cf. Proktotomie. 

Kolotyphus Abdominaltyphus, bei dem sich die 
Darmgeschwüre vorzüglich im Dickdarm lokalisiren. 

Kolpeurynter (6 xofatog Scheide, evovvto erweitern) 
eine Kautschukblase mit Röhre und Hahn, welche in die Scheide 
eingelegt und dann mit Wasser gefüllt wird, dient zur Verhütimg 
vorzeitigen Blasensprimgs und zur Erregung von Wehen (Wehen- 
schwäche, Frühgeburt). 

Kolpitis s. Elythritis s. Vaginitis Entzündung der 
Scheide. 

Vom pathologisch anatomischen Standpunkte aus sind zu 
unterscheiden [Rüge] 

1) Kolpitis granulosamit Verdickung des Epithels und 
Hypertrophie der Papillen, die durch kleinzellige Infiltration zu 
Granulationsbildungen führt. 

2) K. simplex einfache Epithel Verdickung mit Hypertrophie 
der Papillen. 

3) K. senilis, K. vetularum, K. ulcerosa adhaesiva 



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264 Kolpitis 

nüt Verdünnung oder Zerstörung des Epithels einhergehend und 
zu Adhäsionen oder Obliteration der Scheide führend, im höheren 
Alter vorkommend. 

4) K. emphysematosa s. Pachy vaginitis cystica 
i. qu. Kolpohyperplasia eystica (s. d.). 

Nach der Intensität der Entzündung und der Natur der- 
selben spricht man von : 

K. catarrhalis acuta der akute Scheidenkatarrh aus 
verschiedenen Ursachen, am häufigsten und intensivsten durch 
Tripperinfektion (K. gonorrhoica, K. virulenta). 

K. chronica chronischer Scheidenkatarrh mit profuser Ab- 
sonderung eines sauren Sekretes (Fluor albus, Leukorrhoe). 

K. crouposa Scheiden krup, Entzündung der Scheide mit 
Auflagerung krupöser Membranen. 

K. diplitlierica kommt sekundär nach akuten Infektions- 
krankheiten (Cholera asiat., Scharlach, Variola) und bei Puer- 
peralfieber vor, ist aber keine echte Diphtherie der Scheide. 

K. dyscnterica, seltene Erkrankung, bedingt durch den 
Kontakt der Vaginalschleimhaut mit dysenterischen Dejektionen, 
bezw. den ihnen eigenen Mikrokokken. 

K. crysipelatosa das nicht puerperale Scheidenerysi- 
pel, sehr selten, sekundär nach Gesichts- bezw. Obersehenkel- 
erysipel. 

K. miliaris s. herpetica, s. vesiculosa, charakterisirt 
durch ihr gruppenweises Auftreten, durch Neigung zur Pustel- 
bildung und Abszedirung. 

K. raykotica, ein besonders bei Schwangeren häufiger Schei- 
denkatarrh, gekennzeichnet durch weissliche, den Soor plaque* 
ähnliche Flecken auf geröteter Basis. Sie wird durch Einwanderung 
von Mikroben hervorgerufen. Es finden sich in der Scheide 
Schwangerer, seltener Nichtschwangerer Leptothrix vaginalis, 
Trichomonas vaginalis, O'idium albicans (s. d.). Erstere sind 
harmloser Natur, letzterer verursacht grössere Beschwerden. 

K. gummosa eine vonWiNCKEL — bisher ganz vereinzelt — 
beobachtete syphilitische Erkrankung der Vagina. 

K. tubcrculosa ausserordentlich selten, Gruppen von grauen 
Tuberkeln auf gerötetem Boden, die käsig zerfallen und tuber- 
kulöse Geschwüre bilden. 

K. ulcerosa adhaesiva [Hildebranpt] s. K. ve tu lamm 
[Rüge] eine besondere im höheren Alter vorkommende, vorzugs- 
weise die oberen Teile der Scheide betreffende Entzündungsfonu, 
deren Folge Verwachsung der Vaginalportion mit den Seiten- 



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Koma 



265 



wänden der Scheide ist, so dass das Scheidengewölbe vollständig 
verschwindet und die Muttermundsöffnung im oberen Teil der 
trichterförmig endenden Scheide fühlbar ist. 
cf. Perivaginitis. 

Kolpocele (jy xifirj Bruch) i. q. Hernia vaginalis (s. d.). 

Kolpocyatotomie (ff xvoug Blase, riftveo schneiden) 
vd. Sectio vcsieo-vaginalis. 

Kolpohyperplasia eystica [Winckel] s. Emphysema 
vaginae [K. Schröder] s. Kolpftis vesiculosa einphyseinatosa 

[Rüge] eine während der Schwangerschaft in seltenen Fällen 
beobachtete Affektion der Vaginalschleimhaut, die in der Bildung 
von mit Luft gefüllten Zysten besteht. Die Zysten entstehen 



Schleimdrüsen mit sekundärer zystöser Entartung (Retentionszysten). 
Nach Beendigung der Schwangerschaft bildet sich der Prozess 
wieder zurück. 

Kolpohysterektomie s. Hysterektomia vaginalis 

|Czerny], die En t fern ung des Uterus von der Scheide aus. 

Kolpohyateropexie (xtjywiii, befestigen) i. q. Hy- 

steropexia vaginalis. 

Kolpokleisis (xkeito sehliessen) der operative Schei- 
de n v e r s c h 1 u s s bei Blasenscheidenf istel. 

Kolpoperineoplastik (to steghsw oder xeghatov das 
Mittelfleisch, .t/Ldaaw bilden) plastische Operation, von Bischoff 
gegen Prolapsus uteri angewandt. 

cf. Perineoraphie. 

Kolpoperineorhaphie (oamco nahen) von Simon» 
Hegar und Anderen angegebene plastische Operation bei 
Gebärm uttervorf all. 

Kolporraphie (odtno nähen) i. q. Elytrorhaphie. 

Kolpotomie (iruvw schneiden) Einschnitt in die 
Scheide zur Entfernung der Frucht bei Extrautcrinschwanger- 
schaft. 

Koma (tö xibfAa Schlafsucht, v. xotfuUo einschläfern, 

xetjuat) ..der betäubte, bewusstlose Zustand, bei den 
älteren Ärzten der erste Grad des Sopor (s. d.), wesentlich auf 
einer Affektion der grauen Substanz der Himhem isphären be- 
ruhend. 

K. epilepticum die den epileptischen Anfall be- 
gleitende oder konstituirende Be wusstlosigkeit , 
durch eine sekundäre Beteiligung der Hemisphären bedingt 
(Anämie durch Erregung ihres vasomotorischen Zentrums in der 
Medulla oblongata, dem primären Sitz der Epilepsie?). 



wahrscheinlich 




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26(3 Kommabacillus 

K. vigil s. ajrrypnon komatöser Zustand mit Aufregimg, 
Delirien und Schlaflosigkeit. 

K. dlabcticuui anhaltendes K., unter welchem Diabetiker zu 
sterben pflegen. 

ct. Somnoleoz, Katochus. 

Kommabazillus der Bacillus derCholera asiatica 
fR. Koch], benannt nach der Ähnlichkeit mit dem Interpunk- 
tionszeichen „Komma", vd. Bacillus. 

Kondyloma, Konus vd. unter C. 

Kophosis {xMrpog taub, v. x6m<o) die Taubheit. 

Kopiopie (6 xoxos Schlag oder „Zerschlagensein", 
Ermüdung, v. xoxic»; r) wy> Sehen) i. q. Asthenopie. 

Kopremese (r) xo.ioog Kot, rj efieaig Erbrechen) i. q. 

Miserere s. Ileus. 

Koprophagie (qayeTr essen) Kotessen, ein bei ge- 
wissen Psychosen häufiges Symptom. 

Koprostaae (>/ ardatg Feststehen, von larr^u) Dick- 
darmobstipation, Kotansammlung im Kolon, entweder 
durch mechanische Hindernisse der Fortbewegung, oder zu harte 
Kotmassen, oder zu schwache Peristaltik bedingt, besonders im Zu- 
sammentreffen mit einem zu langen, vielfach gewundenen Kolon. 

Korektopie (fj xoor] cig. das junge Mädchen, von 
y.eigco scheere, weil der Braut einige Haarbüschel ab- 
geschnitten und den Göttern geweiht wurden, dann 
die Pupille, „weil ein Bildchen daraus spiegelt", ix 
ausserhalb, o rojioc der Ort) derjenige angeborene oder er- 
worbene (Luxatio lentis) Zustand, bei welchem die Pupille 
nicht im Zentrum der Iris sitzt. 

Jtorelyse (r) /.vatg, Xr<o lösen) operative Lösung von 
hinteren Synechien. 

Koremorphoae (t) n6o<pu>aig Bildung, von /iopyo'<ü) 
künstliche Pupillenbildung, 
cf. lridektomie, Iridotomie. 

Kosmetica {xoojuew schmücken) sc. Pharmaka, Mit- 
tel, welche vorzugsweise zur Pflege der Haut und 
Haare dienen. 

Kraniometrie vd. unter C. 

K rasis (»; xgdaig, xcQawvftt) die Säftemischung, und 
zwar meist im Sinn einer krankhaften, gleich Dyskrasie. 

Krauroaia (xQavgog trocken, spröde) vulvae [BreiskyJ 



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Kyano 267 

Verkümmerung der Faltenbildung an der Vulva, meist auch des 
kleineren Labium, verbunden mit schmerzhafter Rhagadenbildung. 

Krikotomie (6 xqixos Bing, ri/ivto schneiden) opera- 
tive Eröffnung der Luftwege mittels Durchschneidung des Ring- 
knorpels (gewöhnlich als Krikotracheotomie, vd. Laryngo- 
tracheotomie). 

Krikothyreotomie (Dvgc<k Thürstein, Schild) die- 
selbe Operation mit Spaltung des Ligament, crieothyreoid. 

Krisis (xo<V<o) En tscheidung, Besserwendung, Bes- 
serungen akuter Krankheiten, welche rasch, mindestens innerhalb 
sechsunddreissig Stunden unter bedeutender Fieberabnahme und 
häufig unter Ausscheidung (sogenannten kritischen von Schweiss, 
sedimentirendem Harn, Darmausleenmgen) erfolgen. Speziell wird 
die Bezeichnung auf raschen, nahezu definitiven Fieberabfall be- 
zogen. 

K. incompleta wenn zwar ein schneller Fieberabfall ein- 
tritt, auf welchen aber nachher noch eine länger dauernde, doch 
nicht sehr hohe Temix?ratursteigerung folgt. 

Pseudo-K., wenn die nachfolgenden Steigerungen wieder 
annähernd die Temperatur des Höhestadiums erreichen [nach 
Wagner]. 

cf. Lyais, Perturbatio critica. 

KrocidiHmus (6 xgoxidia^og von »5 xooxis Flocke) 
S. Floceilejriura das Flockenlesen, das Zupfen an der Bett- 
decke bei delirirenden Kranken, das den Eindruck macht, als ob 
sie Federflocken ablesen oder in der Luft fangen wollten. 

cf. SubsultU8 tendinum, Karphologie. 

Kryptolithen (xqv.tto> verbergen; A M&<k Stein) 
Hautsteine entstehen in Atheromen durch Ablagerung von 
Kalksalzen, während der fettige Inhalt resorbirt wird. 

cf. Calculus. 

KryptophthaliiuiM eine fötalcHemmungsbildun£, 
bei welcher die Lidspalte fehlt und die Augengegend durch die 
Kutis gedeckt ist. 

cf. Ablepharie. 

Kryptorchidie s. Kryptorehisnius (6 oqxi? Hode) 
s. Retentio testis versteckte Hoden, wenn dieselben, statt 
in das Skrotum herabzusteigen, an ihrer ursprünglichen embryo- 
nalen Stätte oder an einer Stelle ihres Verlaufes stehen geblieben 
sind (vd. Ektopia testis). 

Ist die Retention nur einseitig, so wird dieser Zustand als 
Monorchidie bezeichnet. 

Kyano vd. C . . . 



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Kyphosis 



Kyphüais (xvqpös gekrümmt) VerbuckeluDg, Ab- 
weichen eines (spitzwinkelige K., PoTT'scher Buckel, Malum 
Pottii) oder mehrerer Wirbel (bogenförmiger Buckel, 



einer ziemlich raschen entzündlichen Erweichung und Schwundes 
der Wirbelkörper (Spondylarthrokace s. d.) oder rhachitischer 
Knochenerweichung (hier nur stumpfwinkelige K.). 

Kypho- Skoliose Kombination von kypho tischer mit 
.seitlicher Verkrümmung. Gewöhnlich findet sich eine Ver- 
krümmung der Rückenwirbelsäule nach einer und der Lenden- 
wirbelsäule nach der anderen Seite (Kypho-Sk. dorsal is dex- 
tro- oder sinistro convexa und Sk. lumbalis sinistro- 
oder dextro -convexa) oder zwei nach einer und eine mittlere 
nach der anderen Seite. 

cf. Lordosis, Skoliosis, Spondylitis, Gibbus. 

Kystoskopie vd. Cystoskopie. 

Labil (läbilis von Jabi hingleiten) nennt man diejenige 
An wendungsweise der elektrischen Ströme, wobei man die Kon- 
taktfläche einer der beiden Elektroden auf der Oberfläche der zu 
behandelnden Teile hin und her gleiten lässt, im Gegensatz zur 
stabilen Anwendung, wobei die Pole an ihrer Applikationsstelle 
längere Zeit ruhend aufgesetzt werden. 

La bin in (lat. Lippe, von lambere lecken). 

L. leporinuin (lepus Hase) und zwar simplex oder du- 
plex einfache oder doppelte Hasenscharte, vd. Cheiloschisis. 
cf. Uranoschisma. 

L. duplex angeborene Doppellippe, länglicher Schleim- 
hautwulst unter dem Lippenrot der Oberlippe, seltener der Unter- 
lippe, der durch eine Furche von der eigentlichen Lippe getrennt 
ist und eine vorspringende Duplikatur derselben darstellt. 

Laceratio i. q. Dilaceratio. 

Ijactagöjra (lac Milch, dywyö^ herbeiführend, äyw)- 
sc. remedia, Mittel, welche die Milchsekretion bei Wöchnerinnen 
und Säugenden befördern. 

cf. Galaktagoga. 

Laesio (lat. H. von laedtre) s. Trauma Verletzung im 
allgemeinen. 

cf. Contusio, Laceratio, Conquas&atio, Vulnus, Noxe etc. 

Laevigatug (laevis s. levis, Zeiog glatt und agö) in der 
Dermatologie gebräuchliche Bezeichnung für gleichmässige Haut- 
rötungen. 

cf. variegatus, glaber. 




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Laparo-Hysterotomie 



269 




„Hasenauge", durch verschiedene Ursachen bedingte weite Öffnung 



erscheint. Als angeborener Zustand durch Ablepharia, Mikro- 
blepharon. 

Man unterscheidet: L. organicus durch Verkürzung (Nar- 
ben) der Augenlider, L. spasticus infolge von Krampf des 
M. levator palpebrae und L. paralyticus durch Lähmung 
des Orbicularis (Facialislähmung) bedingt. 

Lago§toma (rd oto^ia Mund) i. q. Labium leporinum. 

Ijallatio (lat lallare) das Lallen, mangelhafte, bis zur 
Unverständliehkeit gehende litterale Lautbildung, 
cf. Dysarthrie. 

Lialopathie (fj W.rj Beden) Sprachstörung, insoweit 
sie sich auf den formalen Ausdruck der Gedankenbewegung er- 
streckt. Sie umfasst die Dysarthrie und Dysphasie. 

cf. Logopathie. 

liambdacismus das L-S tarn mein, schwieriges Aus- 
sprechen und Verwechseln des L mit anderen Lauten, 
cf. RhotacismuB. 

Lancinirend (lancinare von lancea spanische Lanze) 

schleudernd, reissend, z. B. Dolores lancinantes. 

Landry'sche Paralyse vd. Myelitis. 

Lanzette oder Lancette kleines Messerchen mit zwei- 
schneidiger Spitze und beweglichen Griffblättern, 
cf. Scalpelluro. 

Laparelytrotomie (fj Xanäga der weiche vertiefte 
Teil des Leibes, Weichen oder Bauch, v. kaxagog dünn, 
weich, t6 ttvwov Hülle, Scheide) eine von Ritoex vorge- 
schlagene Ersatzoperation des Kaiserschnitts, bei welchem vom 
PouPABT'schen Bande aus ein Weg zum Muttermund gebahnt 
und von da aus die Geburt beendigt wird. 

cf. Sectio caesarea. 

JLaparocele (fj xtjktj Bruch) i. q. Hernia ventralis. 
cf. Eventratio. 

Iiaparoeiiterotoiuie (vd. Enterotomie) operative Eröff- 
nung des Darms von der Bauch wand aus, und zwar je nach der 
Lage des Darmverschlusses (und des entsprechenden Anus praeter- 
naturalis) Laparo-Ileotomie, Kolotomie, Typhlotomie. 

Laparohysterektomie Laparotomie behufs Abtragung 
des Uterus. 

Laparo-Hyaterotoiiiie (?J vozega Gebärmutter, rj xof.u) 
der Schnitt, v. x^ivcS) vd. Porro, Sectio caesarea. 



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270 Laparo-Kolotomie 

Laparo-Kolotomie i. q. Kolotomia iliaca. 

Laparo-Kolpotomie (6 xobios Scheide) Bauch- 
scheidenschnitt, der subperitoneale Kaiserschnitt. 

Laparomyomotomie (vd. Myoma) Abtragung der 
Uterusmyome von der Bauchhöhle aus, von Martin an Stelle 
der intravaginalen Operation vorgeschlagen. 

cf. Hysteromyomektomie. 

Laparo-Salpingrotomie aäLvtyS Trompete, Tube) 

Abtragung des (der) Eileiter nach vorhergehendem Bauch- 
schnitt, kommt wegen grosser Geschwulst der Tuben oder starker 
Beschwerden durch dieselben zur Ausführung. 

Laparotomie Bauchschnitt künstliche Eröffnung der 
Peritonealhöhle (ausgenommen Herniotomie), um auf affizirte Teile 
der Unterleibsorgane einzuwirken (Ovariotomie, Enterotomie, Ga- 
strotomie, Sectio caesarea, Lithopädion, Darmverschlingung). 

Laryngektomie (b kägvy£ Kehlkopf, ixre^vco aus- 
schneiden) Totalexstirpation des Kehlkopfs. 

Laryngismus (6 Xagvyyiafwg Krächzen, v. 6 XägvyS 
der Kehlkopf, Stamm, Xagvvco gurren, Xdco hohl sein) 

gewöhnlich nur als 

L. strldulus (d. i. pfeifend, v. strido oder strideo) i. q. 
Laryngospasmus. 

Laryngitis [nach ZH] Kehlkopfentzündung. 

L. catarrhalis Kehlkopfkatarrh (vd. Catarrhus). 

a) L. c. acuta führt in intensiveren Fällen bei Kindern leicht 
zu den Erscheinungen des Pseudokrup infolge der anatomischen 
imd physiologischen Verhältnisse des kindlichen Kehlkopfs; die 
intensivsten Formen (L. acutissima) können auch bei Erwach- 
senen durch die Schleimhautschwellung und das entzündliche Odem 
des submukösen Zellgewebes (Oedema glottidis) zu lebens- 
gefährlicher Stenose führen. 

L. haemorrhagica seltene Form von L. mit teils freier 
Blutung, teils hämorrhagischer Infiltration der Schleimhaut. 

L. exanthematica sekundäre L. bei akuten Exanthemen, 
besonders Masern, von der katarrhalischen bis zur diphtherischen 
Form vorkommend. 

b) L. c. chronica der chronische Kehlkopfkatarrh, ist auch 
entweder idiopathisch oder sekimdär (Phthisis, Syphilis etc.). 

L. hypoglottica chron. hypertrophica vd. Chorditis 
voeahs. 

L. phlegmonosa s. submueosa Entzündung des submukösen 
Bindegewebes des Larynx mit entzündlichem Ödem (nicht zu ver- 



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Laryngospasmus 21 1 

wechseln mit hydrämischer Schwellung bei Hydropsien) oder Abs- 
zessbildung und" diffuser Eiterinfiltration, kommt in akuter, mehr 
diffuser und in chronischer, mehr zirkumskripter Weise vor 
und ist fast immer nur sekundär (Ulzeratiouen, Perichondritis, 
Fremdkörper etc.). 

cf. Oedema glottidis. 

L. erouposa und diphtherica vd. Croup und Diphtherie. 

L. syphilitica L. als Symptom konstitutioneller Syphilis, 
äusssert sich in Form einfacher Katarrhe, breiter Kondylome, 
Follikularhyperplasien, Gummiknoteu (Syphilome, die zu destrui- 
render Ulzeration, Narbenkontraktionen führen), Perichondritis sy- 
philitica, sekundärer „zapfenförmiger Papillarhypertrophie" in der 
Umgebung syphilitischer Narben. 

cf. Raucitas syphil. 

L. tuberculosa Bildung echter Miliartuberkel der 
Kehlkopf Schleimhaut ist nur eine der verschiedenen Formen 
der Phthysis laryngea (s. d.). 

Laryngozele (i? xt'ßrj Bruch) vom Kehlkopf ausgebuch- 
tete Luftgeschwulst an der Vorderseite des Halses zwischen 
Zungenbein und Ringknorpel. 

Laryngofissio s. Laryngoflssur (findere) Spaltung 
des Kehlkopfes, und zwar vor allem des Schildknorpels (Th y - 
reotomie) als Voroperation zur Exstirpatiou grösserer Geschwülste 
des Kehlkopfinneren. 

cf. Bronchotomie. 

Laryngokriaen (xniva)) Bezeichnung für die anfalls- 
weise auftretenden Kehl köpf krämpfe bei Tabes dor- 
salis. 

cf. Crises. 

Laryngorrhoe (oi«> fliessen) eine Sekretionsanomalie 
des Kehlkopfs, vorwiegend bei Sängern, bestehend in krankhafter 
Schleiraabsonderung, welcher abgesehen von leichter Sukkulenz 
der Stimmbänder keine anatomischen Veränderungen zu Grunde 
liegen. 

Laryngoskopie (axoxho besichtigen) „die Kunst, 
das Innere des Kehlkopfes des lebenden Menschen 
dem Auge zu erschliessen" [Frankel], was durch Einführung 
kleiner beleuchteter Spiegel in den Rachenraum geschieht. 

Laryngospaamus (6 oxaopo; Krampf) s. Spasmus 
srlottidls s. Laryncrismus stridülus Stimmritzenkrampf, in 
Intervallen auftretende, plötzlich mit einer pfeifenden oder krähen- 
den Inspiration beginnende tonische Krämpfe der Glottisverengerer 
und der Atmungsmuskeln von Sekunden- bis minutenlanger Dauer, 



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272 



Laryngotomie 



die durch keinerlei anatomische Veränderungen an dem Stimm- 
bildungs- oder Atmungsapparat herbeigeführt sind. Das Leiden 
ist als eine Neurose des Kehlkopfs aufzufassen und findet sich am 
häufigsten bei Rhachitis, selten bei nervösen Erwachsenen, re- 
flektorisch bei Erkrankungen anderer Organe (Uterus etc.) oder 
bei Gehirnerkrankungen (Hydrocephajus). Manchmal ist L. 
auch durch Verkäsung der Bronchialdrüsen bedingt, welche auf 
den Nerv, laryngeus recurrens drücken, 
cf. Apnoea infantum. 

Laryngotomie (t) rofitj Schneiden, xinvoo) operative 
Eröffnung des Kehlkopfes entweder nur durch Einschneiden 
des Ligamentum conoideum oder zugleich des Kingknorpels (Kri- 
kotomie). 

cf. Bronchotomie, Laryngektomie, Tracheotomie. 

Laryngotracheotomie (vd. Tracheotomie) oder Kriko- 
tracheotomie operative Eröffnung der Luftwege mittels Durch- 
schneidung des Ringknorpels und der zwei bis drei ersten Tracheai- 
ringe, das zweckmässigste Verfahren. 

cf. Bronchotomie. 

Latenz (lattre verborgen sein) das Verstecktsein 
oder „Schlummern" der Krankheiten, wobei dieselben im Kör- 
per vorhanden sind, aber momentan keine Symptome machen. 

cf. Incnbation. 

Lateralsklerose (oxkrjgog hart, sklerosis Verhärtung, 
hier Verhärtung durch Bindegewebshyperplasie auf 
Kosten untergegangener Nervenfasern) Sklerose der 
Seitenstränge des Rückenmarks, Paralysis spinalis spastica, 
primäre spastische Peraplegie (zum Unterschied von der 
mit Paralyse und Ataxie einhergehenden ataktischen Para- 
plegie, s. d.) anatomisch (in typischen Fällen) bestehend in De- 
generation der in den Seitensträngen verlaufenden Pyramiden- 
bahnen. Die klinischen Symptome sind: langsam zunehmende 
Lähmung der Beine mit Steifigkeit der Muskeln und hochgradiger 
Steigerung der Sehnenreflexe (spastischer Gang). Die Sensi- 
bilität ist erhalten. Muskelatrophie fehlt. Die Arme werden gar 
nicht oder erst spät ergriffen, die Sphinkteren sind gegen das 
Ende öfters gelähmt. Die infantile Form der L. ist stets ce- 
rebraler Natur vd. Paraplegia spastica congenitalis. Die 
mit Muskelatrophie einhergehende Form der L. ist die 

Amyotrophische (s. d.) Lateralsklerose [Charcot und 
Joffroy] anatomisch bestehend in Degeneration der in den Seiten- 
strängen verlaufenden Pyramidenbahnen und Atrophie der diesen 
entsprechenden Ganglienzellen in den grauen Vordersäulen, kli- 
nisch sich darstellend als eine in den Händen und Armen begin- 
nende progressive Atrophie der Muskeln mit Steigerung der Seh- 



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Lentigo 



27:; 



nenrcflexe , welch letztere an den Unterextremitäten in den 
Vordergrund tritt und den „spastischen" Gang verursacht. Nach 
ein bis zwei Jahren treten mit dem Ubergreifen des anatomischen 
Prozesses auf die Nervenkerae der Medulla oblongata bulbäre (vd. 
Bulbärparalyse) Erscheinungen hinzu und führen bald zum Tode. 
In den atrophischen Muskeln findet man Herabsetzung der elek- 
trischen Erregbarkeit oder Entartungsreaktion (s. d). Nie bestehen 
sensible Störungen. 

Lathyrismag (ka&vQos eine Brbsenart) Vergiftungs- 
erscheinungen nach dem Genüsse verschiedener Erbsenarten (L. 
sativus, L. Cicera, L. Clymonum). Die Krankheit verläuft wie 
die Pellagra (s.d.) durch toxikämi sehe Lähmung der Seiten-und 
Hinterstränge des Rückenmarkes unter dem Bilde einer ataktischen 
Paraplegie. 

Lavement (franz.) das Waschen, sc. des Darms, das 
Klystier. 

Laxantia (laxare erweitern, öffnen, erleichtern, 
v. laxusy Xayvog schlaff) s. Kathartica s. Purgantia Abführ- 
mittel. Die milderen, L. mitiora, welche mir einfache Ent- 
leerung des Danninhaltes bewirken, werden als L. ekkoprotica 
bezeichnet, die stärkeren, welche zahlreiche wässerige Ausleerungen 
bewirken, als L. drastica. 

Lectuli (lectulus, Dem. v. lectus Bett) s. Toruli straminei 

Strohladen, welche aus einem viereckigen Stück Zeug bestehen, 
in welches an zwei entgegengesetzten Seitenrändern langes glattes 
»Stroh eingenäht wird und das nach teil weiser Aufrollung zum 
»Schienen und Umhüllen von Gliedern dient, 
cf. Ferula. 

Leiomyom (Xetos glatt) vd. Myom. 

Lema Xäftrj — ytyfit] = gramia) s. Scbuin palpebrale 

Augenbutter, Produkt der MKiBOM'schen Drüsen, Zellen, deren 
Inhalt rasch verfettet und, indem die Zellenmembran zu Grunde 
geht, in Gestalt von Fettkörnchen ausgeschieden wird. 

Lenteszirend (lentus langsam) sich hinschleppend. 

fjenticoiras (tens Linse, conus, gr. xüvog Kegel) ke- 
gelförmige Protube ranz der durchsichtigen Linsenmasse in 
die vordere Augenkammer (L. anterior) oder in den Glaskörper 
(L. posterior). 

lientigo Linsen fleck, Überschreitung der normalen Pig- 
mentirung in Form eines kleinen dunklen Hautfleckes (grössere 
Epitheliden oder kleine Leberflecke). 

cf. Chloasma, Naevus pigmentosus. 
Roth'« Klinische Terminologie. 4. Aufl. lg 



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274 



Leontiasis 



Leontia*ift (o )J<m< Löwe). 

1. Übermässige Entwicklung vou Skeletteilen, welche 
idureh Osteombildung, Ostitis deformans) zu unförmlichen Massen 
iiuigetrieben werden: Leontiasis ossea. 

2. Auch im Sinne von Facies leontina (s. d.) und dann 
mit dem Begriff der Lepra tuberosa zusammenfallend. 

Lepra (<y /J.-Toa v. aLko schäle ab) ». Li» Arabnni 
auch Judaeorum m. filephantia*i* (s. d.) Grae- 
eorom (engl. Leprosy. franz. la Lcpre, im Mittelalter „Maltzey" y 
Spedalskhed der Norweger) der Aussatz, eine chronische, unheil- 
bare Krankheit, die mit Entwicklung entzündlicher Neubildungen 
der Haut und des Bindegewebes der peripheren Nerven einher- 
geht. Das Virus der Lepra stellt der von Aumauer Hansex 
entdeckte Bacillus leprae (s. d.) dar, der grosse Ähnlichkeit 
mit dem Tuberkelbacillus hat und sich nicht nur in den leprösen 
Neubildungen der Haut , sondern auch in den peripheren Nerven 
findet [Neisser in ZH]. Dieser Thatsaehe steht eine unwahr- 
scheinliche Theorie gegenüber, nach welcher das leiden seine L^r- 
sache in einer Myelitis der Hinterhörner des Rückenmarks (Ro- 
öexthal's Poliomyelitis posterior chronica) haben soll. 

L. maculosa die Pigmentlepra ist die leichteste Form, 
welche sich nur durch Auftreten von Flecken verschiedenster Ge- 
stalt, Farbe und Beschaffenheit kundgibt, welche Formen von den 
Autoren als Morphaea und Vitiligo gravior (s. d.) bezeichnet 
worden sind. Bei dieser Form konnten bis jetzt keine Lepra- 
baciilen nachgewiesen werden. 

L. tuberosa s. tuberculosa, nodosa das Wesentliche dieser 
Form ist eine knotige Neubildung der Haut, besonders des Ge 
sichtes, sowie der Schleimhaut der Nase, Mund-, Rachen- und 
Kehlkopfhöhle. Die Hautknoten sind von Schrot- bis Walnuss- 
grösse, braunrot, glatt, derb-elastisch, empfindlich und können 
nach verschieden langem Bestände einfach atrophiren oder ulze- 
riren, zuweilen auch wie bei der anästhetischen Form in die Tiefe 
greifen. — L. maculosa und tuberosa können sich kombiniren mit 
den Symptomen der 

L. anaesthetica. Meist mit vorausgehenden Pemphigus- 
eruptionen (Pemph. leprosus), Fleckenbildung und Hyperästhesie 
entwickelt sich an verschiedenen Hautstellen Anästhesie, wozu sich 
später Atrophie der betreffenden Teile gesellt. 

An den Gelenken, die durch die atrophische Hautschrumpfung 
in halbe Beugung geraten, bilden sich durch den Druck der vor- 
stehenden Knochenenden Geschwüre, die oft in die Tiefe greifen, 
die Gelenke eröffnen und zur Abstossung von ganzen Phalangen 
führen. Auch ohne Geschwürsbildung kommt es übrigens zu 
trockenem und feuchtem Brand an Händen imd Füssen und zur 
Abstossung von ganzen Teilen derselben (L. mutilans). 



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Leukämie 



275 



Leptocephalie (kexrog eig. abgeschält, zart, fein, 
schmal; y xerpakt) Kopf) vd. Dolichocephalus. 

Leptomeningitis (v [tijviyi Hirnhaut) Entzündung 
der zarten Hirnhaut, d. i. der Pia mater, vd. Meningitis. 

IieptomituB (6 iihog Faden, Saite) ein in der Vagina 
vorkommender Pilz. 

Leptothrix buccalis (rj &qi$ Haar, bucca Backe, 
hier die innere Fläche als Teil der Mundhöhle) ein- 
fache, durch Scheidewände geteilte mikroskopische Fäden, 
im ganzen Verdauungstraktus, besonders im Munde, ausserdem in 
der Vagina (L. vaginalis) vorkommend, ohne grosse klinische 
Bedeutung. 

cf. Bakterien, Vaginitis, Algosis. 

Iieptus autmnnalis Erntemilbe, vd. Rouget. 

Letal (letum Tod, nicht v. i? /.rjdt] die Vergessenheit, 
/.avödvo) vergessen machen, sondern wie de-lere vernichten, 
von li-nere verwischen) tötlieh. 

Lethargie oder Lethargus (>/ ÄijOaoy/a oder 6 b)0ao- 
yoq Schlafsucht, v. »/ b'jdri) spontan auftretender schlaf ähn- 
licher Zustand, aus dem der Kranke nicht oder nur unvoll- 
ständig aufgeweckt werden kann (ohne Zusammenhang mit 
Gehirn- oder Infektionskrankheiten). 

L. africana „die schlafende Krankheit" eine ihrer 
Ätiologie nach vollkommen dunkle an der Westküste Afrikas bei 
Negern beobachtete Krankheit mit langsam zunehmender Sonmo- 
lenz, infolge deren der Kranke bei der Arbeit in einen Schlaf ver- 
fällt, der meist durch die mangelnde Nahrungsaufnahme in 3— (i 
Monaten zum Tode führt. 

cf. Narkolepsie, Hypnotismus, Nona, Synkope. 

Leukämie (Xevxo? licht, weiss, t6 ahm das Blut) 

„weisses Blut", chronische, meist zum Tode führende 
Dyskrasie, welche ihre Ursache wahrscheinlich in einer Er- 
krankung der blutbereitenden Organe (Milz, Lymphdrüsen, Kno- 
chenmark) hat. Man unterscheidet demnach eine lienale L., 
Splenämie, mit bedeutendem Milztumor (am häufigsten), eine 
lymphatische L., Lymphämie, und eine myelogene oder 
medulläre L. Gewöhnlich handelt es sich um eine Kombination 
von zwei oder allen drei Formen. Das Blut solcher Kranken 
zeigt infolge der bedeutenden Vermehrung der weissen Blutzellen, 
die so weit gehen kann, dass die Zahl der weissen Blutzellen die- 
jenige der roten übertrifft, eine eigentümlich weissliche, milchige 
Beschaffenheit. 

cf. Leakocytose, Chlorose. 

18* 



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276 Leukäthiopie 

Leukäthiopie (6 AiMo</> Äthiopier, v. aidto ver- 
sengen, rj J>v Gesicht) i. q. Albinisinus — welcher Zustand 
bei den Negern am häufigsten und auffallendsten sich zeigt. 

Leukocyten (t6 xvrog der hohle Körper, Bläschen, 
v. xvo> hohl sein) eine Bezeichnung für weisse Blutkörper- 
chen. 

Leukocythämie (16 ahm Blut) i. q. Leukämie. 

Leukocytom eine Geschwiüstform, die aus kugeligen 
Herden von Rundzellen besteht, zwischen denen ein feinstes fibril- 
läres Netzwerk verläuft. 

Leu koey tose geringerer Grad von Vermehrung der 
weissen Blutkörperchen, kann als vorübergehender, an zeit- 
weilige Veränderungen der blutbildenden Organe geknüpfter Zu- 
stand, sowie bei manchen fieberhaften u. a. Erkrankungen vor- 
kommen. 

et*. Pseudoleukämie, Anämie, Chlorose, Leukämie. 

Leukodermie (t6 Seg/ta Haut) weisse Färbung der 
Haut infolge Pigmentmangels, ist entweder angeboren ( Albi- 
nismus) oder erworben (vitiligo). 

cf. Leukopathie, Chromodermatosen. 

Leukodermia neuritica eine durch Neuritis be- 
dingte Pigmentatrophie der Haut. 

Leukolyae (rj Ivan v. kvio Lösung) nennt Löwit die 
Auflösimg bezw. Vernichtung der Leukocyten unter der Einwir- 
kung gewisser Substanzen, wie des Tuberkulin und anderer Bak- 
terienextrakte. 

Lenkom(iffew/(« von Xenxot») undurchsichtiger weiss- 
licher Narbenfleck oder allgemeine Trübung der Hornhaut, 
die Folge von Hornhautentzündung. 

L. adhaerens, L. mit ein- oder angeheilter Iris. 

L. ad h. prominens, L. mit ektatischer Narbe, in welcher 
die Iris eingeheilt ist. 

L. centrale totale adhaerens, L. mit zirkulärer An- 
heilung des ganzen Pupillarrandes an eine grössere Perforations- 
stelle. 

cf. Keratitis, Macula, Nubecula. 

Leukomy elitig (6 ftveXos Bückenmark) Entzündung 
der weissen Substanz des Kückenmarks. 

L. posterior chronica graue Degeneration der Hinter- 
stränge i. q. Tabes dorsalis. 
cf. Poliomyelitis. 



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Liehen 



Leukopathia (10 xado? Leiden) i. q. Ix?ukodcrmie oder 
Albinismus. 

Leukoplakia bocealis (-T/a* Platte, Fläche, bucca 
Backe) s. Psoriasis linguao, Ichthyosis linjruae et oris s. 
Tylosis, eine Krankheit, die sich durch Bildung weisser Flecke 
an der Zungen- und Mundschleimhaut kennzeichnet, wodurch die 
Zunge ein landkartenähuliehes Aussehen bekommt (Lingua geo- 
graphica). Die Krankheit ist idiopathisch zum Unterschied von 
anderen ähnlichen meist im Gefolge der Syphilis auftretenden 
Affektionen. 

Leukorrhoe (»5 <Jot'j Pliessen, v. i>«o) i. q. Fluor albus. 

liichen (6 kfiytjv Flechte, Xetxo) lecken, um sich 
greifen) Schwind flechte, durch Bildung meist hellrot, gelb- 
lich bis braunrot gefärbter Knötchen bei Erwachsenen charakteri- 
sirte chronische Hautkrankheit , und zwar solcher Knötchen, 
welche einem bestimmten Krankheitsprozesse angehören, keine 
Flüssigkeit enthalten und im ganzen weiteren Krankheit »verlaufe 
keine fernere Umwandlung mehr erfahren (c/. Prurigo). 

L. scrofulosoruui in Begleitung von anderweitigen Erschei- 
nungen der Scrofulose meist nur am Stamme auftretende, stets 
gruppenweise stehende, die Mündung und Umgebung eines Haar- 
balges einnehmende, mit Sehuppen bedeckte Knötchen, zwischen 
denen sich mit der Zeit linsengrosse, vereiternde oder sich ab- 
schuppende rote Knoten entwickeln (Akne kachekticorum). 

L. ruber rote Schwindflechtc, chronische, schliesslich 
über die ganze Hautfläehe sich verbreitende und zu Marasmus 
führende Hautkrankheit, welche durch lebhafter gerötete, mehr 
oder weniger juckende Knötchen charakterisirt ist, welche ent- 
weder konisch und durch Epidermisschuppen an der Spitze rauh 
und derb erscheinen, oder glatt, rundlich und mit einer winzigen, 
aber deutlich delligen Depression versehen sind. Dabei wird die 
Haut verdickt, spröde, mit Rhagaden besetzt, auch die Nägel ver- 
dicken sich. 

L. tropicus („roter Hund", prickly heat) stark juckende, 
in kreisförmigen, stark geröteten Plaques an den bedeckten Körper- 
stellen unter dem Einfluss der Tropenhitze auftretende Hautaffek- 
tion, welche vorzugsweise eine Plage für die neu angekommenen 
Europäer ist. Es sind eigentlich durch Hitze und Sch weiss erzeugte 
Ekzeme (cf. Sudamina). [Nach Hebra und Kaposi.] 

L. syphiliticus knötchenförmige Infiltration der Follikel- 
wandungen in gruppenweiser Anordnung. Die einfachste Form 
miliumähnlich, trocken (miliares papulöses Syphilid); bei 
akuterem Vorgange bilden sich Gruppen kleiner Bläschen, die sich 
durch Trübung ihres Inhalts bald in Pustelchen umwandeln 
{Herpes syphil., wenn einzeln: Varicella syphil.); oder die 



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278 



Lien mobilis 



zwischen den Knötchen hegenden Papillen derKutis werden eben- 
fall« infiltrirt und die Hautstelle in eine abschuppende, psoriasis- 
ähn liehe Platte umgewandelt (Psoriasis syphilit, bei grösserer 
Ausdehnung allenfalls Ekzema syphil. — [Cazenave]). 

[Nach Bäumler]. 

L. aencique, L. eircinatus besteht in kleinen, spitzen Knöt- 
chen von mattroter Farbe, die entweder unregelmässig über die 
Haut zerstreut oder zu Bogen- oder Kreisformen zusammen- 
gruppirt sind. 

L. agrius (äyotog wild) i. q. Ekzema papulosum. 

Lien mobilis (ojiXtjv) die verschiebbare oder Wan- 
dermilz (Mosler trennt beide, doch ist der Unterschied nur ein 
ätiologischer, indem die verschiebbare Milz „bedingt ist in einer 
angeborenen oder in einer durch Zerrung während des Bestehens 
eines Milztumors akquirirten und nach Reduktion des letzteren 
zurückgebliebenen anomalen Länge der Milzligamente") eine weit 
öfter bei Frauen als bei Männern beobachtete Anomalie der Lage 
der Milz, wobei dieselbe nicht mehr von den Rippen bedeckt in 
der linken hypochondrischen (regend und bei noch bedeutenderen 
Graden in der linken Darmbeingrube, am Beckeneingang oder 
selbst in der rechten Bauchhälfte liegt, beweglich und meist ver- 
grössert ist. Der Hilus liegt dabei nach links und oben. 

cf. Ren mobilis. 

Lien succenturiatus (sub-centurio Soldaten an die 
Stelle der abgegangenen rücken lassen, überhaupt an 
die Stelle setzen) Nebenmilz, ein bis haselnussgrosser rund- 
licher Körper, dessen Gewebe mit dem der Milz übereinstimmt, 
meist im Ligam. gastro-lienale liegend. 

Lienterie (foTo* glatt, rö rWoor Eingeweide) i. q. 

Diarrhoea lienterica. 

Ligatur (ligare binden ligatura) die Unterbindung, 
Abbindung. 

Limbosus (Umbus Saum, v. labi gleiten) gross - 
zackig, mit gewundenem Rande. 

Linearextraktion inodifizirte, sc. der Linse, die von 
Gräfe eingeführte Staroperation, aus vier Akten bestehend: 
1. Linearschnitt, 2. Iridektomie, 3. Cystotomie (Kapselschnitt), 
4. Entbindung der Linse. 

Lingua geographica vd. Leukoplakie 

Liodermia nenritica ßsTog glatt) i. q. Glossy skin. 

Lipaeidaemie u. Lipaeidnrie (Barb. r6 tlnos Fett, 
acidus sauer, r6 affia Blut; t6 oroor Harn) der (krankhafte) 
Gehalt des Blutes, bezw. Harns an Fettsäuren. 



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Lithoklast 279 

liipämie milchige Trübung des Blutserums durch 
Fettgehalt, ein Zustand, der öfter bei derFettsucht besonders 
der Säufer vorkommt. 

p£] Iiiparocele (hxaoog fett, i) xijlrj Bmch) oder Lipocele 
y "| i. q. Hernia adiposa. 

Lipoma (v. Xi7i6o>, A/rco/m) s. Adipoma Fettgeschwulst. 
y-^> Tumor aus rundlichen Fettlappen und Knollen mit bindegewebiger 
^ Zwischensubstanz. 

"^h L. ttbrosum s. Nteatoma Müllcri Fettgeschwülste, in 

M denen durch schwielige Umwandlung des Zwischenbindegewebes 
5-5 fibröse Brücken entstehen, welche die einzelnen Lappen von 
einander trennen. 

^ L. arboreseens eine spezielle Eigentümlichkeit der serösen 

H und Synovialhäute, in hyperplastischer Entwicklung der normal 

ry] vorkommenden Zotten und polypösen Fettanhänge (Appendices 

^ epiploicae, Glandulae Hävers, etc.) bestehend. 

r-Z L. inyxomatodcs L. mit teilweiser schleimiger Erweichung. 

C.) Lipom atosis die Fettsucht (L. universalis) vd. Obe- 

H sitas, oder die Verfettung vd. Infiltratio. 

L. hcpatis vd. Hepar adiposum. 

Lipothymie (leUco verlassen, 6 Ovfiog Bewusstsein) 
5. Lipopsychie die Ohnmacht, 
cf. Obnubilatio, Eklyse. 

Iiipurie (rö ovoor Urin) stärkerer Fettgehalt des 
Urins, soll ein Symptom von Pankreaskrankheiten sein, 
cf. Chylurie. 

Lithiasis (gr. H. v. 6 Udos der Stein, hOuuo den 
Blasenstein haben) Steinkrankheit, vd. Nephro- und 
Oystolithiasis. 

cf. Cholelithiasis. 

L. conjunktivac Kalkablagerungen in den zurückgehaltenen 
Sekreten der Meibom 'sehen Drüsen, 
cf. Hordeolum, Chalazion, Calculi. 

L. glandulae lacrymalis vd. Dakryolith. 

Lithokelyphos (r6 xttvipo; Eischale) Kalkablage- 
rung in die Eihäute bei extrauteriner Schwangerschaft. Bei 
Lithokt'lyphopmlion (ro nmdiov Kind) sind ausser den Eihäuten 
auch Teile des Fötus verkalkt [Küchenmeister]. 

Lithoklast oder Ijithofraktor (xläco, frangtre, zer- 
brechen) kräftiges zangenartiges Instrument zur Zertrüm- 
merung zu grosser Blasensteine während des Steinschnittes von 
der Operationswunde aus. 
cf. Lithotripter. 



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280 



Litholabe 



Litholabe (lafißdvco fasse, kaßrj Griff, Handhabe) 

Civiale's Instrument zur Zertrümmerung von Blasenstcinen, eine 
gerade Röhre, aus welcher nach der Einführung in die Blase drei 
mit Haken versehene aus einander federnde Branchen vorge- 
schoben werden, um beim Zurückziehen derselben den Stein zu 
fassen. 

Litholapaxie (Xajiatw ausleeren, abführen, er- 
weichen v. Xajiaoog weich) die Entleerung von Blasensteinen. 

Iiitholygis (fj kvatg Lösung) das — unwirksame — Ver- 
fahren, durch Einspritzen von Lösungsmitteln in die Blase Steine 
zur Auflösimg zu bringen. 

Iiithopädion (x6 jzaidfov Kindchen) „Steinkind", 
verknöcherte Frucht, Schrumpfung und Verkalkung der an 
einem falschen Orte entwickelten Frucht. 

cf. Graviditas extrauterina. 

Iiithoprion (6 nptcov Säge) veraltetes Instrument (Leroy 
i)' Etiolles) zur Zerkleineiimg von Blasensteinen. 

Lithoskop (oxaxeto besichtigen) runde Platte von 
hartem Holz, welche am Griffe einer Untersuchungssonde festge- 
schraubt wird, um den Ton zu verstärken, welcner beim An- 
schlagen der Sonde gegen einen vermuteten Blasenstein entsteht. 

Lithothlibie (dX£ßa> drücken) das von Denamiel vor- 
geschlagene Operations verfahren bei sehr weichen Blasen- 
steinen: den Stein durch Druck des Fmgers vom Mastdarm aus 
gegen einen in die Blase eingeführten Katheder oder Sonde zu 
zerdrücken [Linhart]. 

Iiithotom (reftveo sehneiden) starkes, meist geknöpftes 
Messer, welches beim Steinschnitt zur Erweiterung des ersten 
unter Leitung des Itinerarimus gemachten Schnittes augewendet 
wird. 

Bei dem Lühotome cache oder gedeckten L., wird das 
Messer erst nach der Einführung des Instrumentes in der Weise 
durch eine Feder entblösst, dass es mit der deckenden Scheide 
einen behebigen Winkel bildet, wie die Branche einer geöffneten 
Scheere zur anderen. — Ein zweiklingiges dient zur Sectio bila- 
teralis. 

Lithotomie Steinschnitt. — Die Methoden sind: 

Sectio alta s. Epicystotoinia der hohe Steinschnitt,. 
Eröffnung der Blase oberhalb der Symphyse; gefährlich wegen 
der Nähe des Bauchfelles. 

Sectio lateralis (gewöhnlich sinistra) s. Lithotomia 
urethro-prostatica Seitenste in schnitt. Durch einen Schnitt, 
der von der Kaphe des Dammes hinter dem Bulbus urethrae 
parallel dem aufsteigenden Schambeinaste bis zur Mitte einer 



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Lochia 281 

IJnic verläuft, welche man sieh vom After zum Sitzknorren ge- 
zogen denkt, wird erst, unter Leitung des Itincrariums, die Harn- 
röhre eröffnet und dann in der Richtung des Hautschnittes die 
Prostata und zuweilen auch der Blasenhals mit dem Lithotom 
durchschnitten. 

Bei der Sectio bi lateralis, für sehr grosse Steine (die 
man besser zertrümmert), wird durch einen Schnitt, der von einem 
Sitzknorren zum anderen bogenförmig, die Konkavität gegen den 
After gerichtet, geführt wird, auf die Blase eingedrungen. 

Sectio mediana s. urethralis der MARiANi'sehe Schnitt, 
jetzt wieder hauptsächlich geübt. Auf der Kinnensonde wird der 
hintere Umfang des Bulbus ureth. blossgelegt, die Urethra nach 
hinten von diesem frei präparirt und in der Ausdehnung von 
1,5 — 2,7 cm durchschnitten, während der Bulbus nach oben ge- 
zogen wird. Dann geht man mit dem Finger in die Urethra ein 
und schneidet mit einsm geknöpften Messer in der Mittellinie 
<len straff sich spannenden Hand des nur angeschnittenen Dia- 
phragma urogenitale tiefer ein, dehnt mit den Fingern oder mit 
Dilatatoren in der Chloroform na rk ose den Blasenhals und ent- 
fernt kleine Steine direkt, grössere nach vorgängiger Lithoklasie. 

• Sectio vesieo-vaginalis s. Kolpocystotomia Durch tren - 
nung der Blasen scheiden wand mit folgender Wiederver- 
einigung durch die Naht [König], 

Lithotrypsie oder Lithotritie (rj t(>7t/>i? y tntus } 'Reiben i 
von Totfi«) , tero) O p e r a t i o n von B I a s e n s t e i n e n auf dem 
Wege der Zertrümmerung mit einem durch die Harnröhre einge- 
führten Lithotripter , so dass die kleinen Trümmer durch die 
Harnröhre entleert werden können. 

cf. Lithoklasie. 

Iiithotripter (« roi^jt)o Beiber) Instrument von 
katheterähnlicher Form zur Zertrümmerung von Blasensteinen von 
der unverletzten Harnröhre aus. 

cf. Lithoklast. 

Iii vor, Livedo (lat. Bleifarbe, lividus, graugelb, wie 
leo Löwe) blass-bläuliche Hautfarbe. Adj. livid. 

Livores mortis Leichen- oder Toten flecke, 
cf. Cyanose. 

Lochia (16/iog zur Geburt gehörig, Xfyos lectus) der 
Wochenfluss, das physiologische Wundsekret des Uterus nach 
der Geburt. Die L. sind in den ersten Tagen nach der Geburt 
rein blutig (Lochia cruenta s. rubra), dann aus Serum und 
Blutfarbstoff mit Epithelien bestehend (Lochia serosa) schliess- 
lich (in der 2. Woche des Puerperium) eitrig (Lochia alba s. 
purulenta). 



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282 Logoneurose 

I; og;o neu rose (6 X6yo? Sprache, to revgov Nerv) 
Sprachstörung, deren Ursache im Zentralnervensystem ge- 
legen ist. 

cf. Dyslogie. 

Logo put hie (»/ xä&t) oder x6 jiä&a* Leiden) oder Dyslogie 
Sprachstörung im allgemeinen; im besonderen die auf ge- 
störter Gedankenbildung beruhende Sprachstörung. 

cf. Lalopathie, Dysphrasie, Logoneurose. 

IiOgorrhoea (osm fliessen) Geschwätzigkeit, ge- 
braucht als Symptom von Geisteskrankheiten. 

Lordonis {tj loQÖwaig v. Xoq86o) den Rücken einwärts 
biegen) pathologische Ausbiegung der Wirbelsäule nach 
vorne, betrifft gewöhnlich den Lenden-, zuweilen auch den Hals- 
teil der Wirbelsäule; besonders bei Osteomalacie. 

Lordo-Skoliose Kombination von L. mit seitlicher 
Ausbiegung, 
cf. Kyphose. 

Loxa rtli rose (xo£oV = luxus schief, to äg&gor Gelenk) 
Gelenk verkrümm ung. 
cf. Oontractura. 

Lues (lat. lutre, Xv<o auflösen, Lua Sühnegöttin) die 
Seuche, gewöhnlich kurz und euphemistisch für L. veuerea, 
Syphilis (s. d.). 

Lumbago (lat. H. von lumbus Lende) i. q. Myalgia 
liunbalis. 

Lupotom (v. Lupus [s. d.] und ri^ivoi schneiden) ein 

Skarif ikationsmesser [nach F. J. Pick], bestehend aus 
5 Klingen, von denen die mittelste feststeht, während die beider- 
seitigen verstell- und abnehmbar sind. 

Lupus {lat. Wolf, eigentlich der Zerreisser — die 
Gefrässigkeit als Tert. compar.) Herpes esthiomenos 
[Hippokrates] (franz. Scrophulide, Dartue rougeante, Esthio- 
mene) Lupus Willani, der Hautwolf, die fressende Flechte, 
eine chronische Krankheit der Haut und der angrenzenden Schleim- 
häute, die sich durch rote, tief ins Korium gebettete Knötchen 
charakterisirt und im Involutionsprozesse der letzteren Schilferimg, 
Geschwüre und narbige Atrophie der Haut veranlasst [Kaposi]. 
Der Lupus wird jetzt als Tuberkulose der Haut angesehen, nach- 
dem zuerst von Demme Tuberkelbacillen in den LupusknÖtchen 
gefunden worden sind. 

L. vulgaris s. Herpcs esthiomenos. In chronisch sich fort- 
spinnenden Eruptionen erscheinen Stecknadelkopf- bis hirsekorn- 
grosse, braunrote, derbe, in die Haut gleichsam eingesenkte Knöt- 



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Luxation 283 

chen, die in äusserst lenteszirendem Verlaufe bis zu linsen- oder 
erbsengrossen, etwas hervorragenden gelbrötiiehen Knoten (L. pro- 
minens s. tuberosus s. tuberculosus s. nodosus), oder 
zu grösseren flächenartigen oder knolligen, roteu oder blassen, 
sulzig durchscheinenden konfluirenden Infiltraten (L. tuniidus» 
sich entwickeln, alsdann aber durch Ulzeration oder Involution 
verschwinden und narbige Atrophie oder wirkliche Xartau der 
Haut hinterlassen. 

Treten die Knötchen in Kreislinien auf, so bezeichnet man 
diese Form als L. serpiginosus. 

Die beiden folgenden Formen stellen Involutionsvorgänge des 
L. vulgaris dar. 

L. exfoliatirus: indem die ursprüngliche Infiltration schwindet, 
zerbröckelt die früher gespannte Epidenuisdecke zu trockenen 
Plättchen, welche mit aussickernder serös-blutiger Flüssigkeit ein- 
trocknende Börkchcn bilden. Nach Monaten ist der primitive 
Knoten unter andauernder Schuppung unter das Hautniveau ge- 
sunken, die Hautstelle atrophisch, narbig glänzend. 

L. exuleerans. Der Lupusknoten erweicht und zerfällt zu 
einer käsig-eiterigen Masse, die mit den allenfalls noch vorhan- 
denen Epidennisresten zu verschieden gefärbten und verschieden 
^rossen Borken vertrocknet, nach deren Abstossung ein eiternder 
Siibstanzverlust, ein 1*1 cus luposum vorliegt. 

Wenn die Granulationen dieser Lupusgeschwüre sehr hoch 
papillomartig erscheinen, bezeichnet man diese als L. hyper- 
trophicus s. exuberans s. f ram boesi f ormis. 

L. erythematosus s. Seborrhoea conrestiva [Hebra] be- 
steht in einer in den Kapillaren des Korium und Papillarkörpers 
beginnenden, zu Zellcuinfiltration und herdförmiger Zellenan- 
häufung führenden Entzündung, die in sjwntane Heilung über- 
geht oder zu Degeneration imd narbiger Schrumpfung der Kutis 
und ihrer Drüsen führt [Veiel in ZH]. 

L. syphiliticus vd. Syphilide?. 

Lupuscarcinom Krebsen t wicklung auf Lupus. 

Iiuscitas (luscus dunkel, blödsichtig, eig. halblicht, 
von lux und inchoativ, lucsco) Schiefstehen der Augen her- 
rührend von einer Einschränkung der Exkursionsfähigkeit eines 
Bulbus durch verschiedene Ursachen, insbesondere Lähmung, auch 
rheumatische, der betreffenden Augenmuskeln. 

L. u Ntift naturae Natur spiel, kleine Abnormitäten in 
der Lage und Bildung von Organen ohne wesentliche Funktions- 
behinderung oder entstellenden Einfluss gegenüber der Mon- 
strositas. 

Luxation (lat.) Verrenkung, Ausrenkung, jener 
Zustand eines Gelenkes, wobei die beiden Gelenkenden entweder 



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284 Lymphadenitis 

ganz (L. completa) oder zum grössten Teil (L. incompleta, 
Subluxatio) aus ihrer gegenseitigen Lage gewichen sind und 
die Gelenkkapsel in der Regel teilweise zerrissen ist. 

Man unterscheidet ferner traumatische, angeborene, 
habituelle (bei unvollständiger Heilung der Kapsel oder zu 
grosser bleibender Dehnbarkeit der Kapselnarbe), pathologische 
oder spontane (d. i. durch entzündliche Deformation und ulzeröse 
Zerstörung der Gelenkenden) L. 

L. lentis Linsenluxation s. Ektopia lentis kommt 
(selten) angeboren vor oder tritt spontan infolge eines grösseren 
Defektes der Zonula, am häufigsten bei Verflüssigung des Glas- 
körjxrs oder auf traumatischem Wege ein. 

L. inanus congenita i. q. Talipomanus. 

cf. Distorsio, Dysarthrosis, Pseudarthrosis, Talipomanus. 

Lymphadenitis (lympha Wasser oder Saft, von 

vvft<ptj; 6 (Ifirjv Drüse) Lymphdrüsenentzündung. 

L. acuta durch Gefässhyi>erämie und hauptsächliche Ver- 
mehrung der Lymphzellen charaktcrisirt. 

L. chronica vorwiegende Verdickung des Bindegewebsge- 
rüstes der Drüse, der Balken und der Kapsel (chronische Indu- 
ration). 

Hier sind folgende Formen zu unterscheiden: 

a) L. scrophulosn, die kleinzellige, verkäsende oder 
vereiternde Hyperplasie der Lymphdrüsen, häufig aus 
der akuten L. hervorgehend, doch auch oft von Anfang an 
chronisch, charakterisirt durch eine starke Anhäufung kleiner 
Rundzellen in dem Maschenwerk des Retikulum mit Ausgang in 
Vereiterung oder Verkäsung. Lieblingssitz der Affektion sind die 
Submaxillardrüsen und Drüsen der seitlichen Halsgegend, dann 
die Bronchial- und Unterleibsdrüsen. 

b) L. parenchyinatosa hyperplastica inakrocellularia, die 

grosszcllige , indurative Hyperplasie der Lymphdrü- 
sen, durch Umwandlung des Lymphdrüsengewebes in ein groß- 
zelliges Gewebe, mit Verschwinden des ursprünglichen Charakters 
desselben gekennzeichnet. 

c) L. trabeeularis {trabs Balken) et reticularis (rete 
Netz) indurativa hyperplastica, Hyperplasia lymphatica 
fibrosa, Elephantiasis der Lymphdrüsen , durch starke 
Zunahme des Bindegewebes ausgezeichnet. 

Man unterscheidet eine trabekuläre und eine interstitielle, re- 
tikuläre, mehr diffuse Form. 

d) L. t ubereu losa, Bildung von Tuberkeln in den Lymph- 
drüsen. 

cf. Dcgeneratio, Tuberculisatio, Tyroma. — Bubo, Lymphadenom. 
Lymphaogitis. 



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Lymphoma malignum 



285 



Lymphadenom Geschwulst, welche von einer Lymph- 
drüse ausgeht und im Anfang wenigstens eine einfache Hyper- 
trophie der Drüse in toto darstellt, ohne wesentliche histo- 
logische Veränderung, bis sich später in der allgemeinen Zellen- 
wucherung die Drüsenstruktur ganz verliert und ein homogene* 
sarkomatöses Gewebe (adenoides Lymphdrüsensarkom, Lympho- 
sarkom) entstanden ist, worin die Blutgefässe erhalten und ihre 
"Wandungen verdickt sind. 

Lymphaemie i. q. Leukaemia lymphatica. 

Lymphagoga (äyco treiben) die Lymphsekretion be- 
fördernde Mittel. 

Lymphangiektasie (x6 dyyeTov Gefäss, lxxeiv<o aus- 
spannen) Erweiterung der Lymphgefässe, teils angeboren 
an Lippen und Zunge — Makrocheilia und Makroglossia — 
und an der Haut beobachtet, teils erworben als Folge von Lymph- 
.stauungen und Lymphgefässentzündungen. 

cf. Makrocheilia, Makroglossie. 

Lymphangioina. 

L. Simplex Geschwulst aus einem anastomosirenden Netz- 
werk kleinster und kapillärer Lymphgefässe. 

L. cavernosum aus einem Balkenwerk von Bindegewebe 
mit gT088enteils makroskopisch sichtbaren, mannigfach gestalteten 
und vielfach mit einander kommimizirenden Hohlräumen, welche 
mit Lymphe erfüllt sind, analog dem (Hämato-) Angioma caver- 
nosum. 

L. cysticum s. cystoides Geschwülste, die als ein Konvolut 
von kleineren und grösseren Blasen oder lose verbundenen Zysten 
mit durchscheinendem lymphatischen Inhalte erscheinen [Wegner 
in Langenb. Arch. XX]. 

Lympliangitis Entzündung der Lymphgefäss- 
stämme, ist anatomisch der Phlebitis analog und entsteht durch 
Entzündungsreize infolge Aufnahme phlogogoner Substanzen aus 
einem Entzündungsherd, besonders aber von infizirten Wunden 
aus, wobei die oberflächlich unter der Haut liegenden Lymph- 
gefässe als rötliche Streifen und zwar infolge Mitbeteiligung des 
peri vaskulären Bindegewebes an der Entzündung (Perilymphan- 
gitis) sichtbar werden, während auch die zugehörigen Lymph- 
drüsen eine entzündliche Schwellung, zuweilen Abszediruug er- 
leiden. 

L. periuterina sekundäre Entzündung der Lymphgefässe 
namentlich an der Hinter- und Seitenfläche des Uterus bei puer- 
peralen, meist septischen, Prozessen. 

Lymphoma malignum vd. Pseudoleukämie. 



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2«Sf> Lymphorrhoea 

Lymphorrhoea 8. Liymphorrhaffia (oea> fliessen, 
zerreissen) Erguss von Lymphe hei Kontinuitätstrennung 
grösserer Lymphgefässe und bei manchen mit Lymphangiektasie 
verbundenen Hautkrankheiten (vd. Elephantiasis) ohLe besondere 
klinische Bedeutung, ausser etwa bei Erguss in die serösen Höhlen. 

Lyniphosarkoma (vd. Sarkom). Als L. sind nur solche 
Sarkome zu bezeichnen, welche aus Lymphdrüsenhypertrophien 
(Lymphadenomen) hervorgegangen sind, die durch fortdauernde 
Wucherung aller zelligen Drüsenelemente allmählich eine ho- 
mogen sarkomatöse Struktur angenommen haben. 

L maliirnuin multiplex vd. Pseudoleukämie. 
cf. Sarkoma lyinphadenoides. 

Lypemanie (n Äv^tj Traurigkeit) Monomanie mit 
t ineni Delirium von düsterem, traurigem Charakter, 
cf. Amenomanie. 

Lysis (t) /.rate Lösung) ein weniger rascher Fieber- 
abfall als bei der Krise, längere Dauer des Stadium decrementi. 

Lyssa hnmana (f) Xvaaa Wut v. /.vxoe Wolf) Toll- 
wut, Rabies (s. d.), Wasserscheu (Hydrophobie, welches 
Wort indes gleich der Aerophobie nur ein Symptom bezeichnet) 
durch Inokulation des Giftes der Hnndswut entstehende Cerebro- 
spinalneurose (nach Benedikt eine Psychose mit materiellen Ver- 
änderungen des Gehirns, nämlich sehr kleinen Entzündungsherden 
mit sekundären Veränderungen — Virciiow, Arch. ti4, 4). Als Ur- 
sache sind wahrscheinlich Spaltpilze (Mikrokokken-GiBlER, Babes 
u. A.) anzusehen. Durch die von Pasteur empfohlene Schutz- 
impfung Gebissener mit dem aus dem Rückenmarke wutkranker 
Kaninchen gewonnenen, dann durch Trocknen an der Luft abge- 
schwächten Impfstoff soll der Ausbruch der L. verhindert werden. 
Man kann drei Stadien unterscheiden, nämlich: 

Stadium m e 1 a n c h o 1 i c u m , das Prodromalstadium , Schmerz- 
haft werden der Narbe, düstere Aufregung, Widerwille gegen 
Flüssigkeiten, anginöse Beschwerden. 

Stad. hy d rophobicum Exzitationsstadium mit Konvul- 
sionen, Atmungskrämpfen, Schlundkrämpfen, welche den Patienten 
sun Trinken verhindern und welche durch den Versuch dazu 
hervorgerufen werden. 

Stad. paralyticum mit Nachlass der Beschwerden, aber 
auch der psychischen und physischen Kräfte. 

I^yssopliobie (6 <p6ßoq Furcht) der unbegründete Wahn 
hypochondrischer Menschen, die Hundswut zu haben oder zu 
bekommen, bei denen es dadurch aber thatsächlich manchmal 
zu lyssaartigen Erscheinungen kommen soll 



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Makrocephalie 



2S7 



Maceratio (macerare, mürbe machen, einweichen) 

Erweichung, gebraucht z. B. von der Auflösung des abgestor- 
, benen Fötus im Fruchtwasser. 

^facieg Magerkeit, Emaciatio Abmagerung, früher 
pcj hauptsächlich vom Schwund des Fettes gebraucht im Gegensatz 
. "i 211 Tabes. 

Q ]TIacnla (lat.) s. Kelis der Flecken, jede umschriebene 

> A krankhafte Veränderung der nonnalen Hantfarbe. 

M. cornene fleckenfömiige , noch durchsichtige Hornhaut- 
trübung im Gefolge eines sofort nach der Perforation geschlossenen 
< Geschwürs, der Dichtigkeit nach zwischen Nubecula und Leukoni 
^ in der Mitte stehend. 

Maculae tcndincac s. lacteac (Insulae) pericardif Sehnen - 

Q oder Milchflecke, umschriebene weisshche Trübungen durch 

^ bindegewebige Verdickungen des Perikards, besonders am vis- 

f-ij zeralen Blatte, als Effekt eines chronischen, einfach hyper- 

# plastischen Prozesses, hauptsächlich wohl infolge dauernder 

r^j mechanischer Irritationen der Herzfläche, zumal an jenen Stellen, 

CD welche von der Lunge unbedeckt beständig mit den resistenteren 

H Teilen des Brustkorbes in Berührung kommen. 

Maculae caeruleac, Exanthema caeruleum linsen- bis 
20 Pfennigstück grosse oder grössere rötlich-blaue bis dunkel- 
blaue nicht erhabene Flecken der Haut, die auf Fingerdruck 
nicht versch winden. Diese Flecken sind auch unter dem Namen 
Pelioma typ hos um [Trousseau, Griesinger s. d.] als dem 
Typhus angehörige Erscheinungen beschrieben worden ; sie scheinen 
nach den Untersuchungen französischer Autoren im Zusammen- 
hange mit Phthisis zu stehen. 

Ma<l arosig (gr. H. V. ftafiagd? kahl, fiadapow, fiadata, 
madeo, t uad6g nass) s. Madesis Kahlheit, besonders von den 
Augenlidern : M. c i 1 i a r i s Verlust der Wimpern infolge Schwundes 
der Haarbälge bei veralteter Blepharitis eiliaris. 
cf. Alopecia, Calvities. 

Madescens s. Madidans (lat.) nässend. 

^ladnrafnas (Madura Distrikt der britt. indisch. Prä- 
sidentschaft Madras) vd. Mycetoin. 

Magma (t6 fiay^ia von ftdoow kneten) jede dickliche 
Masse, Teig oder Brei. 

Makrocephalie (paxooc lang, // xeqaXi) Kopf) Gross- 
köpfigkeit, pathologische Schädel vergrösserung, gewöhnlich 
durch chronischen Hydrocephalus bedingt, 
cf. Cephalonie, Mikrocephalie. 



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288 Makrocheilie 

Makrocheilie (ro zetios Lippe) abnorme Vergrös- 
serung und Verdickung der Lippen (zuweilen durch 
Lymphangiome bedingt). 

cf. Labium duplex, Lymphangiektafiia. 

Makrocheirie (i? z ei Q Hand) abnorme Vergrös- 
ferung der Hände. 

Makrocornea i. q. Keratoglobus. 

Makroeyten (ro xvxog Bläschen) abnonn grosse rote 
Blutkörperchen (9—13 /* Durchmesser), 
cf. Megaloblasten. 

Makrodaktylie (6 baxivkog Finger) abnorme Grosse 
der Finger. 

JHakroglossie (i? yXtbaoa Zunge) angeborene Hyper- 
trophie der Zunge, in höheren Graden mit Prolaps der 
Zunge aus dem Munde verbunden. Häufig ist die Grundlage 
ein kavernöses Lymphangiom. 

cf. Lymphangiektasia. 

Makrophagen (qwyeiv essen) vd. Phagocyten. 

Makroplasie (»5 nXaotg Bildung) unverhältnismässige 
Entwickelung von Körperteilen. 

fflakropodie (o;rofo, *o<$ds Fuss) vd. Monstrum, Pes gigas. 

Makropsie = Megalopsie. 

Makrosomie (ro oüfia Leib) Riesenwuchs; als solcher 
wird eine Körperlänge von über 7 Fuss betrachtet, 
cf. Akromegalie, Mikrosomie. 

Makrostoma (ro oxofta Mund) s. Fissura buccalis 
transversalis Grossmaul, transversale Gesichtsspalte, 
■die durch mangelhaften embryonalen Verschluss zwischen dem 
oberen und unteren Fortsatz des ersten Kiemenbogens zu stände 
kommende horizontale Verlängerung des Mundes, resp. Spaltung 
<ler Wange. 

cf. Meloschisis. 

Makro tie (ro ovg, coro; Ohr) abnorme Grösse der 
Ohrmuschel, 
cf. Mikrotie. 

Malaria („Weichlichkeit", mit /«uaxoV weich, in 
abstraktem Sinne, zusammenhängend, bedeutet aber 
nicht „Erweichung", sondern:) krankhaftes Gelüste 
nach ungeniessbaren Dingen, gleich Pica (s. d.). 

In Zusammensetzungen, z. B. Osteomalacie, Myelomalacie 
«etc. bedeutet es immer „Erweichung". 



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Malaria 289 

Malaria (vom ital. mala aria böse Luft) eine viel- 
gestaltige, rein miasmatische Krankheit {vd. Infektion), welche 
meist endemisch in gewissen — namentlich, aber nicht aus- 
schliesslich, in sumpfigen — Gegenden, seltener sporadisch und 
epidemisch auftritt. 

Die häufigste Erscheinungsform der M., wenigstens in den 
gemässigten Klimaten, ist die einfache gutartige lutennittens. 

1. Febris (Malariae) intermittens Wechselfieher, iuter- 
mittirendes Fieber mit einem Frost-, Hitze- und Schweissstadium, 
das sich in typischen Paroxysmen wiederholt. — Solche Tvpcn 
sind : 

Febris interm. quotidiana, Wiederkehr des Paroxys- 

mus alle vienmdzwanzig Stunden, 
F. i. tertiana, nach acht und vier/ig Stunden, 
F. i. quartana, nach zweiundsiebzig Stunden, 
F. i. quotidiana duplicata, dopi»elter Fiebertypus, wobei 

täglich zwei verschieden intensive Paroxysmen zu verschiedenen 

Tageszeiten erscheinen. 

F. i. tertiana duplicata, hierbei tritt täglich ein Anfall 

auf, jedoch in der Weise, d&ss der am 1. uud und der am 

2. und 4. Tage der Zeit und Intensität nach korrespondiren, es 
sich also um zwei tertiäre Fieber handelt. 

F. i. semi tertiana s. Hemitri taeus (s. d.), welches sich 
zusammensetzt aus einer quotidiana und tertiana: am 1. und 

3. Tag je zwei Anfälle, am 2. Tag ein Anfall. 

Typus anteponens und postponens, wenn der nächste 
Anfall immer zu einer etwas früheren oder etwas späteren Stunde 
als der vorausgehende eintritt. 

Typus in versus, wenn die Reihenfolge der Stadien eine 
ungewöhnliche ist, z. B. der Frost erst nach der Hitze «Hier nach 
Hitze und Schweis« folgt. 

F. dissecta, wenn sich zwischen den einzelnen Stadien, 
so zwischen Frost und Hitze, oder Hitze und Sch weiss, stunden- 
lange Intervalle befinden. 

F. subintrans, wenn die einzelnen Paroxysmen so kurz 
aufeinanderfolgen, dass der Frost des zweiten noch während des 
Schweissstadiums desselben Anfalles auftritt. 

F. i. erratica, Rhythmus irregularis Unregelmässigkeit 
im Auftreten der Paroxysmen (liesonders l>ei Individuen, welche 
schon wiederholt an M. litten). 

2. Febris interm. larvata larvirtes, auch anomales 
Wechselfieber, diejenigen Krankheitsfälle, l>ei denen in einem 
dem gewöhnlichen Intermittens ähnlichen Typus 
fremdartige Symptome — meist Neurosen — ohne Fieber auf- 
treten, oder bei denen nur ein Stadium ausgeprägt ist. Am 
häufigsten sind typische Neuralgien, seltener Anästhesien, Krämpfe, 
Lähmungen, psychische Störungen, Amaurose, typische Schlaf- 
Roth 's Kliniache Terminologie. 4. Aufl. \() 



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290 Malaria 

losigkeit, Hyperämien und Blutungen, Exantheme, Ödeme, inter- 
mittirendes Erbrechen von Magen- und Darininhalt (typischer 
Merycismus) etc. 

3. Febris interui. perniciosa s. comitata (von Koma) s. apo- 
pleetica, perniziös entweder durch die ausserordentliche Heftig- 
keit und erschöpfende Dauer der einzelnen Stadien, oder durch 
gefahrbringende Lokalisation der Krankheit in einem wichtigen 
Organe. Die Unterscheidung weiterer einzelner Fonnen geschieht 
indes vorzugsweise nach symptomatischen Gesichtspunkten, 
nämlich : 

F. i. pernic. cardialgica sehr heftige zusammenziehende 
Schmerzen in der Magengegend mit Würgen und Erbrechen 
während des Froststadiums. 

F. i. p. cholerica typische Fieberanfälle mit Erbrechen, 
Diarrhöe und den gewöhnlichen Begleiterscheinungen der Cholera 
(in tropischen Gegenden). 

F. i. p. diaphoretica Paroxysmus mit koliiquativeni , bis 
zum Tode fortdauernden Schweisse. 

F. i. p. dysenterica Paroxysmen mit Kolik und Tenes- 
mus und anfangs serösen, später blutigen Ausleerungen, wie bei 
der Ruhr. 

F. i. p. eklamptiea, epileptiea, tetanica (Katochus) 
perniziöse Fonnen mit klonischen und tonischen Krämpfen. 

F. i. p. hydrophobica oder nur maniacalis [letzteres 
nebst der ätiologischen Hypothese hinzugefügt aus der Wiener 
med. Pr. 1874, 50; das Übrige nach Hertz in ZH.] zu den 
vorigen gehörende Formen, entweder nur mit heftigen mania- 
kalischen Delirien, oder zugleich klonischen Krämpfen der Schlund - 
rauskeln beim Trinken oder schon beim Anblick des Wassers, 
welche auf die Muskeln des Gesichts und endlich des ganzen 
Körpers übergehen und wobei sich sogar Drang zum Beissen 
einstellen soll. Es scheinen melanämische Pigmentembolien der 
Hirnkapillaren zu Grunde zu liegen. 

F. i. p. ikterica das ikterische Wechselfieber, Beginn oder 
Steigerimg einer schon prodromal vorhandenen ikterischen Färbung 
während eines lange dauernden Froststadiums bei galligem Er- 
brechen und Durchfällen, dunkelbraunem Urin und gelbfärbendeni 
Schweiss im Schweisstadiiun. 

F. i. p. pneumonica und pleuritica s. Pneumonia 
(Pleuritis) intermittens mit den objektiven und subjektiven 
Symptomen der Pneumonie oder Pleuritis, welche aber während 
der Intermission fast vollkommen verschwinden können, bei einem 
erneuten Paroxysmus hingegen wieder zunehmen, bis die Infil- 
tration an Ausdehnung gewinnt und auch zwischen den Anfällen 
stationär bleibt. 



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1 



Maliasmus 



F. i. p. synkopalis, der Kranke verfällt schon im Frost- 
stadiuni in eine oder mehrere schnell aufeinander folgende Ohn- 
mächten mit kleinem frequenten Puls. — Ein noch höherer Grad 
ist die 

Synkope typiea (s. d.), der typische Scheintod. 

4. Febris Malariae remittens und coutinua, diese gehen 
in intensiven Malariagegenden zuweilen den intermittirenden 
Formen voraus. Man kann unterscheiden: 

a) leichtere Formen: biliöse oder gastrische Remittenten; 

b) schwerere Formen: als sthenische Fieber beginnend, 



an, wozu häufig noch perniziöse Lokalaffektionen sich gesellen (s. o.) ; 

c) schwerste Formen: sehr hochgradige Adynamie und 
schneller Kollaps mit meist rasch tätlichem Verlaufe. 

5. Febris biliosa haematuriea gefährliche Form der Tropen. 
Die Krankheit beginnt als einfaches F. intermittens , steigert sich 
bald zur Remittens oder Continua, ist später mit biliösen Diarrhöen 
imd Hämaturie verbunden und endigt unter baldigem Koma. 

6. Malariakachexic, Malariasiechtum, stellt sich ent- 
weder als sekundärer Zustand (chronische Milzschwellung, 
Anämie, Melanämie) oder von vornherein als primäre chro- 
nische Infektion dar, welche in den mannigfaltigsten konti- 
nuirlichen Symptomen, besonders in gewissen Nervenprovinzen 
hervortritt. 

Nach den Untersuchungen von Tomassi Crudeli u. Klebs 
sollte der Malaria ein spezifischer Stäbchenpilz, der Bacillus 
malariae (s. d.) zu Grunde liegen. Nach Marchiafava und Celli 
ist die parasitäre Ursache der Malaria nicht in einer Bakterien- 
art, sondern in einem zu den sogenannten Mycetozoen gehörigen 
Mikroorganismus zu suchen, den „Plasmodien der Malaria" (s. d.j. 

Maliasmus (rj /<«/.<s-, -iog Rotz, lat malleus) Malleus 
Ii um i dos (Rotz) et farciminosus (Haut wurm, Farciminium) 
die Rotzkrankhei t, eine bei Pferden, Eseln und verwandten 
Tieren häufigere, beim Menschen sehr seltene kontagiöse Infektions- 
krankheit, welche durch die Invasion spezifischer Spaltpilze 
(Bacillus malle i — s. d.) in den tierischen Körper, von der ver- 
letzten Haut oder den Schleimhäuten (als fixes Kontagiiun) oder 
von den Luftwegen aus (als flüchtiges Kontagium) verursacht 
wird und teils örtliche, teils allgemeine Krankheitserscheinungen 
bedingt. 

M. acutus der eigentliche Rotz, immer tötliche, in drei 
bis vier Wochen verlaufende Krankheit, die je nach der Auf- 
nahme des Giftes entweder mit Entzündung des verletzten 
Teiles und schankerartiger Umwandlung des primitiven Geschwüres, 



nehmen sie bald einen typhoiden 




19* 



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202 Maltose 

oder mit allgemeinen typhoiden oder rheumatoiden Erscheinungen 
beginnt, denen bald lokale Prozesse der Haut folgen, letztere 
entweder in Form von roten Flecken, die sieh in pockenähnliche 
Pusteln oder in Pemphigusblasen verwandeln, oder in Form von 
tiefliegenderen beulcnartigen Gcschwülsteu und Abszessen, während 
ulzerative Affektionen der Schleimhäute, besonders der Nase, 
häufig, aber nicht pathognomoniseh sind. 

M. chronicus mit inehrmonatlicher bis jahrelanger Dauer 
und ca. 50° l0 Todesfällen, durch jauchige fistulöse Hautgeschwüre, 
beulenförmige Geschwülste an den Extremitäten, geschwürige 
und selbst gangränöse Affektionen der Nase, Stomatitis und 
grosse Abmagerung wie bei Phthise charakterisirt [nach Bol- 
linger, ZHJ. 

cf. Anthrax. 

Maltose (maltum Malz) ein Zwischenprodukt bei der 
Umwandlung von Stärke in Traubenzucker durch den Speichel, 
cf. Achroodextrin, Dextrin, Erythrodcxtriu. 

Milium (verw. mit pikaq) das Übel, die Krankheit. 
M. Cotunnii i. q. Ischias. 

M. t'ayennse, mal de Cayenne i. qu. Elephantiasis Arabum. 
M. mortuuin, mal morto i. qu. Lepra. 

M. perfürans pedis, v mal perforant du pied", neuro- 
paralytische Verschwärung der Fusssohle [Wrrxher], 
eine hartnäckige, von einer Verwundung ausgehende, wahr- 
scheinlich mit örtlichen Störungen der trophischen und sensiblen 
Nerven im Zusammenhang stehende Ulzeration im Bereich der 
Fusssohle, welche durch stetiges Fortschreiten in die Tiefe selbst 
die Gelenke und Knochen zerstören kann. 

cf. Dermosynovitis. 

M. Pottii (nach dem engl. Chirurgen Pott, der im 
Jahre 1776 zuerst eine genaue Beschreibung dieses 
Leidens veröffentlicht hat), Pott' scher Buckel, spitz- 
winkelige Kyphose (s. d.). 

M. senile (eoxae, articuloruin) i. q. Arthritis deformans. 

Ufaiiclrin (le tn. die Docke, Dockenspindel der 
Drechsler, auch die kleinen hölzernen Zylinder, über 
welche die Patronen geformt wurden) der in elastischen 
Kathetern steckende Draht, der denselben eine bestimmte halt- 
bare Form verleiht. 

Manege-Bewegung (le m. die Beitbahn) „Reit- 
bahubewegungen" nennt mau fortgesetzte kreisförmige Be- 
wegungen, wie sie bei gewissen Hirnerkrankungen und Schädel- 
verletzungen vorkommen. / amt ^ m frcwt 

rx-CHtSTER, - - - -V^S. 

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Marsupialisation 293 

Mania (>} /tan'a, uau'ouai) die Raserei, der Wahn- 
sinn, Exaltation des Selbstgefühles, „krankhaftes Aussersichsein", 
das sich sowohl im Vorstellen als im Benehmen des Kranken 
ausspricht und in die Tobsucht (Delirium furibundum) mit 
hauptsächlicher Erregung der motorischen Seite des Seelenlebens, 
und in den Wahnsinn (Mania sensu strictiori) mit aus- 
schweifenden Wahnvorstellungen zerfällt. 

M. sine delirio maniakalische Störung des affektiven 
Lebens, unwiderstehliche krankhafte Triebe ohne Wahnvorstellungen, 
wobei der sonst ungetrübte Verstand von den krankhaften Trieben 
beherrscht wird (häufig als Monomanie, s. d.i. 

M. hysterlea s. Delirium hysterieum vorübergehende hy- 
sterische Geistesstörung, entweder in Verbindung mit hysterischen 
Anfällen oder als momentan einziges hysterisches Symptom , in 
Form von Wahnvorstellungen, traumartigen Zuständen, mania- 
kalische n Erregungen erotischen Charakters etc. 

M. inetastatica umfasst alle diejenigen Fälle, die angeblich 
infolge der plötzlichen rnterdrückung einer habituellen Sekretion, 
eines Exanthems, Erysipels etc. eintreten. 

M. puerperalis M., welche in den ersten |H>) Tagen nach 
der Entbindung, am häufigsten bei Erstgebärenden und in einer 
melancholischen Form auftritt, ohne sonstige Itesondere Eigen- 
tümlichkeiten. 

cf. Delirium, Melancholie, Psychosis, Dysphrenic. 

Marasmus (gr. H., v. //«p«iW> verwelken) Schwund, 
allgemeine Atrophie der Gewebe, l>edeutet einen mehr dauernden 
niedrigen Ernährungszustand. 

M. senilis Altersschwund als Kollektivbegriff einer Keine 
von allgemeinen regressiven Störungen der Ernährung und Funktion 
der Organe, wie sie hauptsachlich' dem höheren Alter eigen sind. 

M. syphiliticus M. als indirekter Folgezustand der Syphilis, 
d. h. der durch sie gesetzten schweren (degenerativen) Ernährungs- 
störungen der Organe. 

Mar gi natu s (tat) gerändert, zur Bezeichnung von 
Effloreszenzen, welche nicht allseitig scharf begrenzt sind, sondern 
teilweise „verwaschen" in die gesunde Haut übergehen. 

Marginoplastik (Barb. xldooa» bilden) Plastik am 
Lidrande, Einpflanzung gestielter Lappen aus dem Lide oder der 
Umgebung in die wegen Trichiasis angelegte Wunde. 

Mariscae (lat. seil, ficu*, fici, v. mas männlich, eine 
geringe Feigenart) i. q. Condylomata aeuminata. 

Marsupialisation (marx upium Beutel, Sack, Tasche) 

ein von Clay, Spencer Wells u. Peax in Fällen, in welchen 
die Ovariotomie nicht vollendet werden kann, empfohlenes Ver- 



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294 



Masochismus 



fahren, welches in der Anheftung der Ränder des geöffneten Cysten- 
sackes an die Ränder der Bauchwunde besteht, wodurch eine 
Tasche gebildet wird. 

Masoehisuius (nach dem Schriftsteller Sacher Masoch, 
der in einzelnen Romauen diese Form der sexuellen Perversion 
schildert) [v. Krafft-EbingI, eine Art der sexuellen Psychopathie, 
welche darin besteht, dass der Mann infolge von sexuellen Em- 
pfindungen sich vom Weibe misshandeln lässt. 

Massage (abgeleitet von /tdaaco kneten, massare) das 
Massiren, Streichen und Kneten kranker Teile, eine von 
den Franzosen sehr ausgebildete und je nach der Manipulation 
mit verschiedenen Namen belegte Behandlungsmethode bei chro- 
nischen Entzündungen und Anschwellungen. 

Effleurage (effleurer streichen) das Streichen von der 
Peripherie nach dem Zentrum. 

Massage ä friction mit den Fingerspitzen der einen Hand 
wird unter senkrechtem Druck kräftig gerieben und mit der 
anderen Hand zentripetal gestrichen. 

Petrissage (petrir kneten) das Kneten der kranken 
Partien. 

Tapottement (tapoter klopfen) besteht in Klopfen und 
Schlagen der Teile mit der Hand, der Faust oder mit Höhern. 

Mastitis (o fiaoToz weibliche Brust) Entzündung 
der Brüste, ,,wehe Brust", ist entweder eine Entzündung des 
Drüsenparenchyms (M. parenchymatös, lobularis) mit 
sekundärer Beteiligung des umgebenden Zellgewebes, oder die 
Entzündung sitzt nur im subkutanen Zellgewebe als einfache 
Phlegmone (M. phlegmonosa superficialis), oder es handelt 
sich um phlegmonöse Entzündung des tieferen submammären 
Zellgewebes (M. phlegmon. profunda, Paramastitis), oder 
es sind alle diese Formen kombinirt. Infolge von chronischer 
Mastitis kann eine Schrumpfung der Mamma entstehen unter 
Bildung von hartem Narbengewebe, Erweiterung der Acini und 
ihrer Ausführungsgänge, Veränderungen, die man als Cirrhosis 
mammae, Mastitis interstitialis, Elephantiasis mammae bezeich- 
net hat. 

31. neonatorum schmerzhafte Anschwellung eines oder bei- 
der Brustdrüsen bei Neugeborenen, wozu die in den ersten 
Wochen bei beiden Geschlechtern vorhandene Milchsekretiou 
disponirt. 

Mastodynie (tj odurrj Schmerz), „irritable breast?', Neu- 




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Megalopsie 



Mastnrbatio (manus Hand, Muprare schänden) i. q. 

Onanie. 

Maturitas praecox (lat. v. maturus und prae coquo) 
Frühreife, d. h. frühzeitige Ent wickehing des Körpers, oder 
einzelner Organe, insbesondere der Genitalien. 

Mediastinitis (Mediastinum [Galen]: v/iip- dm^driw 
membrana intersaepiens, unlat. barb. Ausdruck für per 
medium tensum [HyrtlJ, das Mittelfell, die Brustscheide- 
wand, richtiger mediastina, die Mittelfelle, das sind die 
Seitenwände des Cavum mediastini, welches vorne 
vom Sternum und hinten von der Brustwirbelsäule 
begrenzt und durch das Herz und die grossen G-e- 
fasse ziemlich senkrecht in ein Cavum med. anterius 
und posterius abgeteilt wird) Entzündung der Mittel- 
felle mit den Formen und Charakteren der Pleuritis (s. d.) und 
meist in Verbindung mit dieser oder Perikarditis externa (Medi- 
astino-Perikarditis). Schwielige M. ist als eine Ursache 
von Pulsus paradoxus angetroffen worden. 

Hier mögen auch eine Stelle finden die in seltenen Fällen 
beobachteten Geschwülste des Mediastinum, die Mediastinal- 
tumoren. Sie sind meist karzinomatöser oder sarkomatöser 
Natur (manchmal trifft man jedoch auch andere Geschwulst- 
formen) und werden der Diagnose erst dann zugänglich, wenn 
sie Kompressionserscheinungen machen. Letztere betreffen in 
erster Linie die grossen arteriellen und venösen Gefässstämme, 
<lie Trachea und den Oesophagus (Dyspnoe resp. Dysphagie), 
dann die Xn. recurrentes (einseitige und doppelseitige Stimm- 
bandlähmung) imd den X. phrenicus. Da jedoch das Aneu- 
rysma aortae fast die gleichen Kompressionserscheinungen 
macht wie der Mediastiualtumor, so ist, abgesehen von den Fällen, 
wo Geschwülste in anderen Organen auftreten, eine sichere Diagnose 
kaum möglich. 

Jlegagastric b*fya$ gross, t) yaar/jQ Magen) Magen- 
vergrösserung.» 

^legaloblaftten (/$ ßldartj Keim) Riescnblutkörperchcu 
(dt. Makrocyten) mit Kernen [Ehrlich]. 

Jlegalocornea i. q. Keratoglobus. 

Megalomanie (v pavia Wahnsinn) Größenwahn, 
ein für die Dementia paralytica höchst charakteristisches Symptom 

Megalopsie (»/ otjug Sehen) das Vergrössertsehcu 
der Objekte als Folge gewisser Funktionsstörungen der Akom- 
modationsmuskeln, wodurch das Urteil über die Distanz der ()))- 
jekte getrübt wird. 

cf. Mikropsie, Makropsie. 



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29C> Mekonium 

Mekonium (ro fojxwvtov Mohnsaft, wohl von der 
Ähnlichkeit damit) das Kindspech, die ersten Abgänge 
der Neugeborenen, aus Schleim, Galle, Darmcpithelien, ver- 
schluckten Epidcrmiszellcn und Wollhärchen bestehend (nicht 
pathologisch). 

Melaena (»? uüaiva, sc. yoh) oder v6ao?i Morbus niger> 
von Hippok rates herrührende Bezeichnung, indem das 
in eine schwärzliche Masse veränderte Magenblut 
für „yoh'f fi&atva" galt, welche man neben der „gelben 
Galle" als Körperbestandteil betrachtete) durch Blu- 
tung bedingte Abgänge schwarzer Massen aus Mund 
oder After. 

M. neonatorum s. Apoplexia intestinalis neonatorum be- 
ruht entweder nur auf Blutungen aus Magendanngeschwüren, 
welche nach der Geburt auf embolisehem Wege (Nabelvene, 
Ductus Botalli) entstehen können, oder aus kapillären Magen- 
dannblutungen in Zusammenhang mit einer allgemeinen Er- 
krankung, wahrscheinlich septischer Infektion, die sich gleich- 
zeitig in Gelbsucht, äusserster Anämie und akuten Fettent- 
artungen der Herzmuskulatur, des Leber- und Nierenparen- 
chyms äussert (akute Fettdegeneration der Neugebo- 
renen). 

Melanämie (ufXas schwarz, ro nl/ia Blut) ein Folge- 
zustand schwerer perniziöser Intermittens, der zur Melanose führt 
(s. d.), indem während eines Fieberanfalls innerhalb der Blutbahn 
eine Anzahl roter Blutkörperchen zu körnigem Pigment zerfällt, 
das von den weissen Blutkörperchen aufgenommen wird, welche 
in den Kapillaren und Venen derjenigen Organe (lieber, Milz, 
Knochenmark etc.) sich stauen, in denen die St romgesch windigkeit 
des Blutes eine geringe ist, und Melanose derselben und kapilläre 
Piginentembolien veranlasst, welche besonders im Gehirn grössere 
Bedeutung haben. 

Das köniige Pigment, welches sich bei Melanämie bildet, 
ist das Melanin, ein Umwandlungsprodukt des IJämoglobins. 

^lelaneholia (rj x°M] Galle, eigentlich also „schwarze 
Galle") die Schwermut, „krankhaftes Insichscin", grosse De- 
pression des Selbstgefühls mit entsprechenden traurigen Wahn- 
vorstellungen. 

Bei der typischen Melancholie unterscheidet man: ein Sta- 
dium depressionis mit allgemeiner gemütlicher Verstimmung, 
ein Stadium melancholicum mit ausgesprochenen Wahn- 
vorstellungen, und ein Stadium decrementi. 

M. agitans, wobei sich die inneren Angstempfindungen 
auch in körperlicher Unruhe äussern. 

M. attonita s. Stupor melan cholicus die schwerste 



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Melanosis 297 

Form der M., wobei die Kranken, von einer schrecklichen Wahn- 
vorstellung vollkommen beherrscht, in einem Zustande katalcptiseher 
Starrheit sich befinden. 

cf. Katochus, Katatonie. 

Je nach dem Gegenstande des melancholischen De- 
liriums unterscheidet man: 

M. relijjriosa, wenn das Delirium vorzugsweise in religiösen 
Vorstellungen ängstlicher, negativer Art (Sündenangst und dgU 
besteht. 

et*. Mania rcligiosa, Theomanie. 

Daeuiono-M. s. Dämonomanie das Besessensein, Gefühl 
des Beherrscht werdens von dämonischen Gewalten, häufig mit 
Krampfparoxysmen (Larynxkrampf mit veränderter Stimme), 
innerem Widerspruch gegen das eigene Denken und Thun, Spal- 
tung der Persönlichkeit. 

M. metamorpliosis (v. nexa-poQ<po(o umwandeln, ge- 
stalten) Wahn des Verlustes der eigenen Persönlich- 
keit, indem die Kranken z. B. glauben, sie seien Tiere, oder 
von Glas, Butter u. s. w. 

M. nostalgica s. Nostaljria (6 voarog Heimkehr, aÄ-yos 
Sehmerz) das Heimweh, eine Psychose, welche durch über- 
mässige Sehnsucht nach der Heimat entsteht und durch das Vor- 
herrschen der auf die Rückkehr bezüglichen Vorstellungen cha- 
rakterisirt ist. 

et Lypemanie, Hypochondrie, Monomanie, Apodemialgic. 

3Ielanikterus i. q. Ikterus melas. 

Melanocarcinoma, Melanosarkoma vd. Carci- 
noma, Sarkoma. 

Melanodermie (ro Adgfia Haut) ein seltenes von 
Di'BREUiLH beschriebenes Hautleiden, bei welchem sich im An- 
schluss an Erytheme breite schwarze Flecken neben zahlreichen 
vereiternden Äkneknoten auf der Haut bilden; dabei besteht 
starkes Jucken u. Abmagerung. 

jüelanom (/neldrcofia und fuXavcoaic, v. fteXavöo) schwär- 
zen) stark pigmenti rte Geschwulst überhaupt, insbesondere 
der Pigmentkrebs, Sarkoma alveol. pigmentat. 

Melanosis s. Chromatosis Pigmenti nfil tration 
oder Pigmentmetamorphose, besteht in dem Auftreten eines 
aus dem Hiimatin entstellenden, verschieden gefärbten und ge- 
stalteten Körpers, des Hämatoidin (L utein) und des Melanin 
in Zellen und Geweben, besonders in der Haut. 

cf. Melasma, Melanämie, Ochronosis. 



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298 Melanurie 

Melanurie (ro ovqov Urin) Gehalt des Urins an 
Melanin oder richtiger Melanogen, durch dessen Oxydation erst 
das Melanin entsteht. Der ganz normal aussehende Harn wird 
durch das Stehen an der Luft in einigen Stunden ganz schwärz- 
lich, ohne an Durchsichtigkeit zu verlieren. Dieselbe Veränderung 
ist durch Zusatz von konzentrirter Salpetersäure sogleich hervor- 
zubringen. 

Die M. ist ein konstantes Symptom von Pigmentkrebs im 
Organismus. 

Melasma (ro aittaoua v. nsXaivw) s. Pannus melaneus 
s. Nigrities cutis oder, wenn sich zugleich etwas kleieförmige 
Abschuppung darüber zeigt : Pityriasis nigra, zerstreute 
schwärzliche Flecken der Haut durch übermässige' An- 
häufung von physiologischem Pigment. 

M. uteri nu in i. q. Chloasma uter. 

M. suprarenale i. q. Morbus Addisonii. 
cf. Melanose. 

]?Ielic<sris (j6 fish, -«ro? Honig — rj fishxtfok, x6 hijq'ov 
Wachs, also eig. Honigwabe) Kolloid balg, Cyste mit dick- 
flüssigem, honig- oder leimartigem Inhalte, z. B. ältere Ganglien. 

Melitagra (>} äyga Falle, nach Analogie von Po- 
dagra, Pellagra) i. q. Crusta lactea. 

3Ielithämie (xonlua Blut) das Auftreten von Zucker 
in grösseren Mengen im Blute, wie es sich namentlich bei Diabetes 
mellitus findet. 

Helliturie (meZ, mellis Honig, x6 ovqov Urin) s. Gly- 
kosurie (s. d.), Bezeichnung für das vorübergehende Auf- 
treten von Zucker im Harn gegenüber dem konstanten bei 
Diabetes mellitus. 

Die Bezeichnung wird übrigens häufig auch für jedes Auf- 
treten von Zucker im Urin gebraucht, gleichgültig, ob dasselbe 
durch den Diabetes oder durch toxische oder traumatische 
Schädlichkeiten bedingt ist. 

Meloplastik (xa fitjla Wangen, eig. Äpfel, v. xo lujlov 
Apfel; »/ jilaaxixr/, sc. xsyvrj Plastik) plastischer Wieder- 
ersatz von Wangendefekten. 

^leloschisis (>? oytoig v. oyl£o> spalten) die schräge 
Gesichts- oder Lippen wangenspalte, angeborene Spalt- 
bildung, welche neben dem Zwiscneukiefer in der einen Seite der 
Oberlippe beginnt und neben dem Nasenflügel vorbei nach auf- 
wärts bis zum Auge verläuft. 

cf. Schistoprosopie, Makrostomie, Labium leporinum. 



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Meningitis cerebralis L } 9<> 



llleniere'sche Krankheit, Vertigo (s. d.) ab aure 
laesa (franz. Vertige labyrinthique). Man bezeichnet hiermit das 
Auftreten von Schwerhörigkeit bei negativem Befund von Trommel- 
fell und Tuba Eustachi i in Verbindung mit hochgradigem Sehwiu- 
delgefühl (taumelnder Gang) und Erbrechen. Menikre konstruirte 
hieraus eine eigene Krankheit, deren Sitz er in die Bogengänge 
des Labyrinths verlegte. 

Meningiti* cerebralis und spinal is (>? unvty- 
jede Haut, spec. Hirnhaut) Entzündung der Hirn- 
oder Rücken mark s hau te. Die Entzündung der harten Haut 
(Dura mater) wird Pachymeningitis, die der weichen Häute 
(Piitis mit oder ohne Arachnitis) Leptomeningitis genannt. 

I. M. cerebralis. 

a) Pachymeningitis, Eutzündung der harten Hirn - 
haut (seltener als die Leptomeningitis) vd. Pachymeningitis. 

b) Leptomeningitis, Entzündung der Pia u. Arach- 
noidea auch Meningitis c. schlechtweg genannt. 

Nach dem Sitz ist zu unterscheiden: Meningitis con- 
vexitatis (mit Lokalisation auf die Konvexität des Gehirns), 
M. basilaris (mit Lokalisatiou auf die Basis des Gehirnes) meist 
tuberkulöser Natur und M. veutricularis (mit Lokalisatiou auf 
<lie Ventrikel). Die M. basilaris ist durch die Beteiligung der 
Hirnnerven ausgezeichnet. 

Nach der Intensität der Entzündung unterscheidet man: 

A. Meningitis cerebralis acuta, die akute Gehirn- 
entzündung. Sie tritt auf als: 

1) M. simplex, einfache Gehirnentzündung primär 
(Traumen) oder sekundär im Gefolge von Entzündungen 
der Nachbarschaft oder von akuten Allgenieincrkrankungen. 

2) M. suppurativa, eitrige Gehirnentzündung fast 
immer infolge einer Eiterung in der Nachbarschaft (Caries 
der Schädelknochen, des Felsenbeins) oder im Anschluss 
an Septikämie (M. metastatica). 

3) M. tuberculosa, die tuberkulöse Gehirnentzündung 
in allen Lebensaltern beobachtet, aber am häufigsten bei 
Kindern, eine Kombination der einfachen Entzündung mit 
Tuberkelbildung u. Tuberkelbacillen in den Knötchen. 

B. Meningitis cerebralis chronica, die chronische 
Oehimentz ündung. Sie zeigt dieselben Abarten wie die akute 
M., wozu noch die chronische alkoholische M. (meist mit 
Ix>kalisation auf die Konvexität beider Hemisphären) und die 
lokale in der Nachbarschaft syphilitischer Geschwülste auftretende 
■chronische syphilitische M. kommen. 

Als besondere klinische Form ist hervorzuheben: 

Leptomeningitis infantum s. llydrocephalus acutus sine 
tubereulis nur mit serösem Exsudat in den erweiterten Veu- 



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30<) Meningocele 

trikcln, gewöhnlich mit nachweisbaren Veränderungen der Plexus 
chorioidei, welche hyperämisch, zuweilen mit punktförmigen Ex- 
travasaten gefunden werden, während eine Hyperämie der Flächen 
der Pia, wahrscheinlich infolge des intrakraniellen Druckes, nie 
zur Beobachtung kommt. Die Affektion ist dem Kindesalter eigen, 
eine klinische Unterscheidung von der tuberkulösen M. ist nicht 
möglich, doch kann der Prozess zur Heilung gelangen oder zu 
chronischer Hydrocephalie führen. 

II. M. cerebrospinalis epidemica [nach Ziemssen in ZH) 
Genickkrampf, eine akute diffuse fibrinös-eiterige Entzündung 
der Pia des Gehirns und Rückenmarks, welche sich durch ihr 
epidemisches Auftreten, die Art und Weise ihrer Ausbreitung, 
durch den Krankhcitsverlauf und anatomische Veränderungen al* 
Infektionskrankheit charakterisirt. 

M. c. si de raus {sideror vom Bonnenstich befallen werden), 
Meningite foudroyante, unter Eintritt von plötzlicher Bewusst- 
losigkeit, Konvulsionen, Nackenstaire inmitten völliger Gesundheit 
erfolgt der Tod in wenig Stunden. 

M. c. abortiva leichte rudimentäre Form mit Steifigkeit 
und Schmerzhaftigkeit des Nackens, Kopfschmerz und Abge- 
schlagenheit, wobei die Patienten aber herumgehen. 

M. c. intermittens zeichnet sich durch zuweilen regel- 
mässig in quotidianem oder tertianem Typus wiederkehrende Fieber- 
anfälle mit Steigerung aller übrigen Erscheinungen aus. 

Die Ursache der epidemischen Cerebrospinalmcningitis ist 
wahrscheinlich in einem bakteriellen Gift ähnlich dem der Pneu- 
monie und der Influenza zu suchen. 

III. Meningitis spinalis, Entzündung der Rücken - 
m arkshäute. 

a) Pachymeningitis spinalis s. Pachymeningitis. 

b) Leptom eni ngi ti s spinalis zerfällt ebenfalls in eine 
akute und chronische Form und zeigt dieselben Abarten wie die 
cerebrale M. 

3Ieningocele s. Mcningocnc cplialocclc (rj xt)lrj Bruch) 
vd. Encephaloeele und Spina bifida. 

^Meningokokkus vd. Pueumonickokku8. 

Jlenisken (6 ftijvioxos v. tj ptjtnj kleine Mond) konkav- 
konvexe Linsen bezw. Augengläser, auch periskopische Glä- 
ser genannt, wenig im Gebrauch. 

Menopause {ol fup>es Monatsfluss, v. 6 m)v Monat; 

rj jaf'oif, .Ta/ro beendigen) Aufhören des Monatlichen in 
den klimakterischen Jahren (physiologisch), 
cf. Menostase. 

Menorrhagie (otjyrvfn bersten) jede Steigerung 



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Meryci8mu8 -J01 

<les menstruellen Mo na t s f 1 u sses entweder durch allge- 
meine Ursachen (Blutdyskrasicn) oder durch lokale (Reflex- 
reize der Genitalien, Krankheiten des Uterus und seiner Adnexe) 
bedingt. 

cf. Metrorrhagie. 

Menostase (/; oromc, Tonm) s. Cessatio mensium, Sup- 
pressio inensiuin das Ausbleiben oder die Unterdrück- 
ung des Monatsflusses. 

cf. Menopause. 

Menstruatio (mensis Monat) das Monatliche. 

M. praecox, das Auftreten der Periode im Kindes- 
41I tcr. 

AI. tardfva, die Verzögerung des Ausbleibeus der 
Periode im Klimakterium (s. d.) häufig Teilerscheinung 
einer Gebärmuttererkrankung. 

M. viearia, das Auftreten periodischer Blutungen 
aus anderen Körperteilen (Hämoptoe, Hämatemesis, Epista- 
xis, Mastdarmblutungen | bei Amenorrhoe (s. d.) oder sehr spär- 
licher Menstruation. 

Mensur ation (mensüro messen, von metior, /ihoov) 
<las Messen als physikalische Untersuchungsmethode. 

Mentagra (mentum Kinn, ^ äyoa Falle ; analog Po- 
dagra) vd. Sykosis. 

Mephitis (oskisches Wort; die römische Göttin 
der schädlichen Dünste) Kollektivname für eine Gruppe von 
zum Teil fieberhaften, klinisch noch nicht sicher zu charakterisi- 
renden Krankheiten, welche durch die Einatmung von Kloaken- 
gas, Kanal- und Schleusengasen entstehen — Gasgemcngeu, welche 
vorzugsweise Schwefelwasserstoff und Ammoniak cuthalten. 

Die akuten Fälle sind ziemlich identisch mit Hydrothion- 
ärnie, die subakuten und chronischen zeigen eine ausserordent- 
liche Verschiedenheit der Symptome, wohl in Zusammenhang mit 
<ier Verschiedenheit der inhalirten Gasgemenge. 

Herenrialismiis (Mercurius, alchymistischer Name 
für Quecksilber) i. q. Hydrargyrosis. 

Meriftmopodia ventriculi (6 [tFgiofiog Teilung, 
jo/'c, .ToSdg Fuss) i. q. Sarciua ventriculi. 

Merocele (6 //^oV Schenkel, y Bruch) der 

Schenkelbruch. 

cf. Heriiia cruralis. 

Meryeismus (<> fttjgvxtauu; von pijgrxu«» wiederkäuen) 

vd. Ruminatio. 



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302 



Mesarteriitis 



31. typieus vd. Malaria. 

Mesarteriitis (jieoos Adj. der Mittlere, und Arte- 
riitis — 8. d.) Entzündung der Tunica media s. mus- 
kularis der Arterien, wodurch die Muskel- und elastischen 
Fasern derselben zu Grunde gehen. Dieselbe ist gewöhnlich eine 
sekundäre, von der atheromatösen Intima aus verursachte, in 
manchen Fällen von Aneurysmenbildung hingegen scheint es sich 
um primäre M. zu handeln [Köster]. 



T. media der Venen, Teilerscheinung der Phlebitis, isolirt kaum 
vorkommend. 

cf. Phlebitis, Mesarteriitis. 

Metalloftkopie u.Metallotherapie(ro f ieia/J.ov Mine, 
Erz, axojteiv untersuchen, degomsvo) heilen) die von Bttrcq 
vor mehreren Dezennien entdeckte Methode, durch Auflegen von 
Münzen oder anderen Metallplatten bei hysterischen und zerebra- 
len Anästhesien der Haut und Muskeln, auch gleichzeitiger Ge- 
sichts- und Gehörsschwäche, vorübergehende oder dauernde Kück- 
kehr der Funktion, teilweise (?) auf Kosten der entsprechenden 
Teile der gesunden Seite, hervorzurufen. Die Keaktion erfolgt 
nur auf gewisse, für verschiedene Personen verschiedene Metalle 
(„metallische Idiosynkrasie") und scheint mit der Entstehung 
schwacher, elektrischer Ströme zusammenzuhängen. 

Metamorphopsie (ßf.rafiog<p6(o umgestalten, 17 dyng 
Sehen) Verzerrt sehen der Objekte (bei Netzhautablösimg, 
Staphylomen der Kornea oder Sklera). 

Metamorphose pathologische Umänderung der chemi- 
schen oder morphologischen Beschaffenheit von Zellen und Ge- 
weben. 

cf. Degeneratio, Infiltratio. 

Metamorphosirend nennt man das Atmungsge- 
rä lisch, das im Beginn der Inspiration als ein zischendes, dem 
puerilen ähnliches Stenosengeräusch gehört wird, aber während 
der Inspiration verschwindet imd einem anderen gewöhnlichen 
Geräusche, z. B. dem Bronchial- oder Vesikuläratmen Platz macht. 
Es soll ein zuverlässiges Zeichen von Kavernen sein [nach Ger- 
hardt). 

Metaplasie (fiexa-.-i/.uaa(o umbilden) Ubergang eines 
bereits ausgebildeten Gewebes in ein anderes ohne Zwischen- 
stufen. 

cf. Metamorphose. 

Metastase (fitTdoraois v. nedioxrmi umstellen) derjenige 
Vorgang, bei dem gewisse Substanzen in die Blutmasse gelangen 




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Metritis 303 

und sich an anderen bestimmten Stellen des Organismus ausser- 
halb der Gefässe (ef. Embolie) ablagern oder weiter entwickeln, 
so • das sekundäre Auftreten von Eiter- oder Geschwulstherden, 
Ablagerungen von Kalksalzen bei Knochenerkrankungen, von Harn- 
säure bei Gicht etc. 

Tripper-M. Auftreten von Entzündungen an einer entfern- 
ten Lokalität bei Tripperkranken, wobei der Mechanismus der 
Übertragung bisher nient klar ist. 

cf. Synovitis gonorrh., Iritis blennorrhagica. 

Metasyiikritiach (jutta, avv , n xgioig [von xQivoji] 
Scheidung, Entscheidung) was eine Entscheidung her- 
beiführt, gebraucht von Behandlungsmethoden, durch welche eine 
günstige „Unistimmung" des Organismus bewirkt wird, ähnlich 
wie „alterirend". 

Meteor isntiis (6 fiFTfowioftog Aufgeblasensein, Hip- 
pokr. v. ftniwooc in der Höhe, in der Luft) s. Tympanites 

s. Pneumatosh Luftansammlung im allgemeinen, insbe- 
sondere : 

M. intestinalis übermässige Anfüllung des Magens und 
der Gedärme, besonders des Dickdarms mit Gasen, sogenannte 
„Trommelsucht", unterscheidet sich dadurch von der Flatu- 
lenz, dass sie unabhängig von den Nahrungsmitteln ist, nur ge- 
ruchloses Gas liefert, spontan als Neurose (Hysterie etc.) oder 
symptomatisch (Peritonitis, Typhus) auftreten kann. 

M. myogen es der durch abnorm schlaffe Bauchdecken be- 
dingte M. 

M. paralyticus der auf Paralyse der Darmmuskulatur zu- 
rückzuführende M. 

M. peritonealis s. Pneuinoperitonitis Luftansammlung im 
Bauchfellraume. 

Metopa sie eig. Metopopagie (10 nhw.-iov Stirn, 
.-ttjywiu befestigen) eine Doppelmissgeburt mit zwei an 
der Stirae zusammengewachsenen Köpfen. 

Metritis (»7 {u'jioa Gebärmutter v. t) ////r*/p) Entzün- 
dung der Gebärmutter entweder den ganzen Uterus oder nur 
Teile desselben betreffend: M. corporis, M. cervicalis, Endo- 
metritis (s.d.), Meso metritis; pathologisch-anatomisch: gra- 
nulöse, fungöse, ulceröse, parenchymatöse, intersti- 
tielle, glanduläre, polypöse M.; ätiologisch: diätetische, 
traumatische, gonorrhoische, puerperale M. 

Nach der allein richtigen klinischen Einteilung sind zu unter- 
scheiden : 

1) Akut entzündliche M. mit Fieber, starker Empfind- 



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304 Metrokolpocele 

lichkeit des Uterus und Schwellung und Rötung der Vaginal- 
jiorrion. 

'2\ Katarrhalische M., meist auf den Oervix beschrankt 
«Cervikalkatarrhi. 

X) Hämorrhagische M., hauptsächlich da< Corpus uteri 
betreffend. 

Bei 2 u. finden sich in veralteten Fällen tiefgreifende Ver- 
änderungen der M ucosa mi t Vegetationen \ S c h 1 e i m h a u t p o 1 y - 
pen und follikuläre H yp ertrophien des Cervix). 

4) Chronische M. Uterusinfarkt fast nie aus der aku- 
ten M. hervorgehend, sondern die Folge einer langsam und 
schleichend verlaufenden, meist puerperalen Infektion mit Ver- 
grösserung des Uterus imd Cervix (hier oft Einrisse), die sich derb 
anfühlen, Beteiligung der Schleimhaut mit Abgang von Membra- 
nen, die die Form der Uterushöhle wiedergeben (Dysmenor- 
rhoea membranacea s. d.) und spärlichem Ausfluss einher- 
gehend. 

Von der ächten M. ist zu unterscheiden : Pseudometritis 
oder symptomatische M., bei welcher die Entzündung der 
Uterusschleimhaut eine Folgeerscheinung von Kraukheiten der 
Adnexe ist. 

Hierher gehört: Metritis hyperplastica ovarialis 
[Brexxecke]. 

cf. Endometritis. 

Metrokolpocele (<> *o/.to* Scheide, i) xtjfo) Bruch) 
Vorfall des retroflckti rtcn schwangeren Uterus in 
die geborstene invertirte hintei"e Wand der Vagina. 

Jletrolymphaiigitis (vd. Lyinphangitis) Entzündung 
der Lymphge fasse des Uterus bei septischem Pueqjeral- 
fieber. 

Hetromanie i. q. Nymphomanie. 

HetrophleMtis (// g-Uy, <pAe ( 1<k Ader) u. Metro- 
phlebothrombose (<"> ögoußfc Klumpen , Gerinnsel) 

Venenentzündung bei Puerperalfieber mit Blutgerinnung, aus- 
gehend von der Plazentarstclle wler von anderen Stellen der Uterus- 
wandung. 

cf. Febris puerperalis. 

Metrorrhagie (von ot/ywut bersten) jeder stärkere 
nicht menstruelle Blutabgaug aus der Gebärmutter, 
cf. Menorrhagie. 

Hetroskop (oy.o.-reo) schauen, untersuchen) das durch 
ein Spekulum direkt auf den Uterus aufgesetzte Hörrohr. 

Hetrotoinie i. q. Hysterotomie. 



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Mikrokokkus 305 

Miasma (to tiiaa^ia v. /natoo verunreinigen) vd. In- 
fektion. 

Mictio involuntaria, M. noctnrna (mictio Pissen, 
von mingtre, o/ii/e'co) vd. Enuresis. 

Migräne i. q. Hemicrania. 

Mikrobe, Mikrobie O/xgoV klein, 6 ßiog Leben) 
kleinstes Lebewesen i. q. Mikroorganismus, vd. Bakterien. 

Mikroblepharie (t6 ßli^agov Augenlid, v. ßkL-io> 
blicken) Kleinheit der Augenlider. 

cf. Ablepharia, Exophthalmus, Lagophthalmus. 

Mikrocephalie (17 xetpakt) Kopf) Kleinheit dos 
Kopfes, gleichmässig verkleinerter Schädel, also auch Kleinheit 
des Gehirns (Mikrencephalie), vorzeitiger Stillstand des Wachs- 
tums, welcher teils im Gehirn selbst, teils im Schädel (vorzeitige 
Synostose) begründet sein kann. 

cf. Brachycephalie, Oolichocephalie, Nannocephalie, Idiotie, Makro- 
cephalie. 

Mikrocornea, abnorme Kleinheit der Cornea. 
Zunächst gepaart mit anderen Entwicklungsstörungen des Auges 
(Colobom, Mikrophthalmus). 

Mikrocythaemia (t6 xvios Bläschen, hier Blut- 
körperchen, t6 aTfia Blut) eine Form der Ol igocythämie 
(». d.) mit auffallend kleinen Blutkörperchen von meist kugeliger 
Gestalt (Mikrocyten). 

Mikrogyrie (6 yfioog Kreis, Windung) eine Bildungs- 
anomalie des Gehirns, infolge deren es zur Entstehung von über- 
aus zahlreichen kleinen Gehirnwindungen kommt in der Art, 
dass das bekannte Schema der Gehirnwindungen verwischt wird. 
Bei den höheren Graden dieser Anomalie besteht Idiotismus. 

Mikrokokkus (6 xoxxoq Kern) i. q. Kokkus. 
M. der Gonorrhöe vd. Gonokokkus. 

M. prodiffiosus, auch Bacillus prodigiosus genannt, eine meist 
in der Einzahl vorkommende saprophytiseho Bacillenart. 

M. pyogenes tenuis ein Eiterpilz von untergeordneter Be- 
deutung. 

M. tetragenus (rhtaoes vier, St. y?v v. yiyvouai werden) 
ein im Sputum von Kranken und Gesimden vorkommender para- 
sitischer Spaltpilz; ziemlich grosse runde Zellen, im tierischen 
Körper meist zu vieren gruppirt und von einer glashellen Gallert- 
scheide umschlossen (Aussehen eines vieräugigeu Würfels). Der 
M. t. ist pathogen , aber nur für weisse Mäuse und Meer- 
schweinchen. 

Roth'» Klinische TcMininologie. 4. Aufl. 20 



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Mikromania 

M. Urea«* eine für die ammoniakalische Gärung des Harns 
verantwortlich gemachte fragliche Bakterienart (Harnferment). 

Mikromania die krankhafte Vorstellung der Para- 
lytiker, als sei ihr Körper verkleinert, geschrumpft, unsichtbar, 
gestorben u. dgl. 

Mikromelan (™ uf'a^ Glied) Missgeburt , bei der die 
Extremitäten zwar wohl gebildet, aber abnorm klein sind, 
cf. Peromelus. 

Hikromyelia (6 ftvtAos Bückenmark) abnorme Klein- 
heit und Kürze des Bückenmarks. 

Mikroorganismus (r6 ooyavov Gerät, Werkzeug) 

i. q. Mikrobe, vd. Bakterien. 

Mlkrophagen (rpayrir essen, verzehren) vd. Phago- 
zyten. 

Mikrophi halmns (o oqrdaÄfuk Auge) angeborene 
Kleinheit eines oder beider Augen, 
cf. Enophtbalmus. 

Mikrophyton {to <pvr<W v. <pv<o Gewächs) i. q. Mikrobe. 

üikropsie (n öv»i$ Sehen) das Verkleiuertsehen der 
Objekte, Folge gewisser Akkommodationsfehler des Auges (z.B. 
bei Asthenopie). 

cf. Metamorphopsie, Megalopsie. 

Mikrosomie (>o nötnn Leib) s. Xannosoinie Zwerg- 
l)ildung des Körpers (Grösse unter vier Fuss), 
cf. Makrosomie. 

Hikrosporon (»/ onood Same, Spore). 

M. Audttiiini der zweifelhafte Pilz der Alopecia areata 

•' s. d.). 

M. furfur (furfur Kleie) Name des der Kleienflechte (Pity- 
riasis versicolor) zu Grunde liegenden Pilzes, der 184(5 von 
Ku hstedt entdeckt wurde. 

M. mentagrophytes (<y>r« erzeugen) die Ursache der 
parasitäreu Form derMentagra, die aber von der einfach ent- 
zündlichen makroskopisch nicht zu unterscheiden ist. Der Pilz 
ist identisch mit dem von Herpes tondens (Trichophyton). 

M. niiniitissimtiin vd. Ervthrasma. 

M. septicinn mikroskopische Pilze (Bakterien — s. d.), die 
naeh Klebs u. A. die Ursache der septikämischen und pyämischen 
Prozesse sein sollen (vd. Streptokokkus, Staphylokokkus). 



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Missed labour 



307 



Mikrostomie (r6 ordnet Mund) angeborene Klein- 
heit des Mundes, welche Lebensunfähigkeit zur Folge hat. 
et'. Stenochorie, Makrostomie, Ankylochilie. 

Mikrotie (16 ovg, (brog Ohr) angeborene Kleinheit, 
der Ohrmuscheln. 

Miliar (milium Hirsekorn, Frucht v. Pamcurn itali- 
cum — L.) nennt man Knötchen von der ungefähren Grösse 
eines Hirse- oder Grieskorns. Die miliaren Tuberkel sind 
zusammengesetzt aus einer grösseren Zahl kleinerer, sogen, sub- 
miliarer oder „Unter-Knötchen" [Rindfleisch]. 

Miliarcarcinose. Miliartuberculose massenhaftes Auftreten 
von miliaren Krebs- bezw. Tuberkelknötchen in verschiedenen Or- 
ganen auf embolischem Wege nach Durchbruch eines primären 
Herdes in die Blutbahn. 

Miliaria crystallina der eigentliche F rieselau fi- 
sch lag, eine eigene, fieberhafte oder fieberlose, besonders typhöse 
und pyämisehc Krankheiten konkomitirende oder für sich be- 
stehende und nicht mit der Schweissbildung zusammenhängende 
Ausschlagsform ohne besondere klinische Bedeutung. Während 
des Verlaufes solcher Krankheiten entstehen plötzlich und zwar 
in den Blättern der Hornschicht selbst und vorzugsweise am 
Rumpfe zahlreiche isolirte Bläschen von der Farbe der Haut mit 
wasserklarem Inhalt und von verschieden langem Bestände. Später 
trübt sich der Inhalt milchig und gelblich-eiterig (M. alba). 

Je nach den begleitenden Krankheiten spricht man von 
M. typhosa, puerperalis etc. Bei akuten Exanthemen (M. exan- 
thematica) werden deren Effloreszenzen einigermassen durch sie 
modifizirt, wie das auch bei Febris miliaris der Fall ist (s. d.). 

Die nicht aus M. crystallina hervorgegangene M. alba und 
rubra ist nach Hebra identisch mit Sudamina (s. d.). 

Milium s. Kr u tum (Hirse = fieXivt]) Hautgrics, miliare 
weiss-gelbliche Knötchen von angehäuften, verhornten , über ein- 
ander geschichteten Zellen der Schmeerbälge, die oberflächlich in 
der Haut, besonders gern der Augenlider, sitzen und auf dieselbe 
AVeise entstehen wie Comedo, nur mit dem Unterschied, dass nicht 
der ganze Haarbalg, sondern nur der Fundus oder ein Drüsen - 
läppchen der Sitz der Hypersekretion ist und die kleine Kugel 
ganz unter der Epidermis liegt. 

Miserere (Imp. v. misereor v. miser elend) i. q. Ileus. 

Misoneismus (r<> ^loog Haas, veog neu) von Lombroso 
erfundene Bezeichnung für die dem Menschengeschlecht eingewur- 
zelte Neigung neue Ideen zu bekämpfen. 

Missed labour. „vermisste Wehen", werden von den 
Engländern Fälle genannt, bei welchen eine abgestorbene Frucht 

20* 



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:;us 



Mitella 



so lange im Uterus zurückgehalten wird, dass sie über die nor- 
male Dauer der Schwangerschaft hinaus getragen wird. 

3Iitella (Dem. v. mitra — s. d.) Tragtuch für den 
Arm, das um den Nacken befestigt wird. Man nennt dasselbe 

M. parva s. longa, wenn das Tuch kravattenartig zusam- 
mengelegt ist, 

M. triaugularis, wenn es dreieckig zusammengelegt ist, 

M. quadrangularis s. magna wenn ein viereckiges Tuch 
verwendet imd die vier Zipfel um den Nacken zusammengebunden 
werden. 

HUra HippokratiM (ij fiirga, mitra Kopfbinde, 
eigentlich Gurt oder Binde — die eben so geschlungen 
wird, dass sie als Kopfbedeckung dienen kann) Ver- 
band für den Kopf, mit einer schmalen zweiköpfigen Rollbinde 
auszuführen: Mit dem einen Ende werden die Längsturen, mit 
dem anderen die Zirkel turen um den Kopf angelegt, indem die 
ersteren vorn an der Stirn und hinten oberhalb des Nackens imi 
die letzteren geschlungen und, sich immer teilweise deckend, ab- 
wechselnd von vorn nach hinten und umgekehrt geführt werden. 

^togiKraphie {uoytg Adj. mit Mühe, ygatpay schrei- 
ben; frz. Crampe des ecrivains, engl. W riters cramp) Schreibe- 
krampf, richtiger koordinatorischer Händekrampf, zu 
den „Beschäftigungsneurosen" gehörig, wohin auch jene Krämpfe 
gehören, die in analoger Weise ebenso beim Stricken . Nähen 
(Schneider- und Schusterkrampf) Zeichnen, Klavier- und 
Violinspielen auftreten. 

Nach Benedikt ist eine spastische, eine tremorartige und 
eine paralytische Form der M. zu unterscheiden. 

Hogilalie (fj ).dh] Reden) diejenige Form von Dys- 
lalic, bei der nur die Bildung einzelner Laute unmöglich ist/ 
et'. Alalie. 



neurose, we Ich e darin besteht, dass Personen, die berufsmässig viel 
.sprechen oder singen müssen, plötzlich eine erhebliche Schwäche 
ihrer Stimme bemerken. 

Mola (V. griech. rj /ivhj Mühlsteine, Mondkalb, verw. 
außl-u>oxo> verfehlen) Mondkalb, Windei, taube degene- 
rirte Eier. 

M. carnosa Fleischmole (nicht zu verwechseln mit blossen 
Fibrinklumj)en und Plazentarpolypen), grössere klumpige und feste 
Masse von Leberfarbe, aus den mit dicken Klumpen extravasirten 
Blutes durchsetzten Eihäuten bestehend, worin der Fötus verküm- 
mert oder durch Resorption ganz verschwunden ist, falls er nicht 




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Molluscum fibrosum 



früher schon ausgestossen wurde, während die degencrirten Ei- 
häute noch selbständig im Uterus haften blieben. 

M. sanjruinolenta Blutmole, ist nur eine jüngere Fleiseh- 
niole, in der die Blutkoagula noch nicht jene leberähnliche Vcr- 
äuderuug erfahren haben, sondern durch ihre schwärzere Farbe 
und weichere Konsistenz noch deutlich als solche zu erkennen sind. 

M. hydatidosa Blasenmole, eine weiche flockige Masse, 
die durch eine Menge dolden- oder roseukranzförmig zusammen- 
hängender Blasen von der verschiedenartigsten Grösse gebildet 
wird, deren Inhalt aus einer sehleimartigcn Masse besteht. 

Diese Moleubildung rührt von einer Hypertrophie und myxo- 
matösen Entartung der l'hnrionzotteu (welche als Myxoma mul- 
tiplex Chorii bezeichnet wird und auch partiell vorkommen 
kann) her, wenn letztere schon zu einer Zeit auftritt , wo die 
Chorionzotten noch an der ganzen Eiperipherie gleichmässig ent- 
wickelt sind (1. Monat). 

Molimina (molimen Beschwerde, v. moles grosse 
Masse oder v. molior eine solche in Bewegung setzen). 

M. haemorrholdalia Hämorrhoid alan fälle , Perioden 
stärkerer Hämorrhoidalbesch werden, vd. Haemorrhois. 

M. uienstrualia Mcnstrualbcsch werden, vd. Dysme- 
norrhoe. 

Mollnscom librosnm s. penduluin s. simple* s. non 
contagiosum s. Fibroma inolluseuin, die kleineren Formen als 
Cutis pendula bezeichnet {molluscus = /xalaxik, vwllis weich; 
molluscum, sc. tuber Ahornschwamm) mehr (Hier weniger deut- 
lich gestielt aufsitzende, mit normaler Haut bedeckte, meist deut- 
lich begrenzte Geschwülste von gleichmässiger, bald teigig- 
weicher, bald mehr derber Konsistenz von Erbsen- bis Kindskopf- 
grösse. Sie bestehen aus Bindegewebe, welches von den tieferen 
Lagen des Korium, vielleicht vom Bindegewcbsgerüste der Unter- 
hautfettläppchen seinen Ausgang nimmt, die Cutis pendula fast 
nur aus einer Hautduplikatur. 

M. contagiosum [Batemanx], s. Epithelioma inolluseuin 

[Virchow], v. A. als Condyloma subcutane um beschrieben: 
eine Erkrankung von Haarfollikeln, erbsengrosse, weichen Warzen 
ähnliche Geschwülste mit einer trichterartigen Vertiefung, welche 
den Eingang zu einem erkrankten Follikel enthält, deren Mün- 
dung auf Druck neben einem milchigen oder schmierigen Brei, 
dem eigentümlichen Sekret der Talgdrüsen, einen eiförmigen festen 
Korper, den Molluskumkörper, entleert. Das Sekret des M. c. 
wirkt für die gesunde Nachbarschaft der eigenen Haut des Trä- 
gers sowohl als auch für andere Individuen ansteckend, 
cf. Psorospermosi8. 

M. lipomatodes i. q. Xanthelasma multiplex, 
cf. Verruca. 



310 Monaden 

Monaden (»} ftavdg Monade, das Einfache, nicht 
weiter mehr Teilbare) Hueter'8 Bezeichnung für Mikro- 
kokken, vd. Bakterien. 

Monas prodigiosa i. q. Mikrokokkus prodigiosus. 

Monarthritis ein auf ein einzelnes Gelenk lokalisirter 
Gelenkrheumatismus. 

Moniliformis (monlle Halsband, forma) perlschnur- 
ähnlich. 

Mono brach ins (uövog einzig, 6 ßga/Joyv Arm) ange- 
borener gänzlicher Mangel einer Oberextrcmitä t. 
cf. Abrachius, Perobrachius. 

Monoculua die einfache Augenbinde zur Bedeckung 
nur Eines Auges, mit einer um den Kopf und über das Auge 
laufenden Rollbinde. 

cf. Binoculas, Monophthalmus. 

Monomanie (r; nana Basen, v. fiairo^ai). Über den 
Begriff M. besteht zur Zeit keine einheitliche Auffassung. Mau 
spricht von M. sowohl beim Vorherrschen einer einzelnen be- 
stimmten Wahnvorstellung, also dem partiellen Irresein im 
Vorstellen, als auch beim Vorhandensein gewisser krankhafter 
Triebe, also bei maniakali scher Störung des affektiven Lebens: 
Mania sine delirio, wie z. B. Mord-, Selbstmord-, Brand- 
stiftungs-M. etc. Auch gehören die Monomanien teils den De- 
pressions-, teils den Exaltationszu ständen an je nach dem Bestehen 
eines traurigen oder eines freudigen Affektes (Lypemanie und 
Amenomanie der Franzosen). Man begreift ferner einerseits 
primäre maniakalische Affektionen darunter, andererseits [Grie- 
singer] die partielle Verrücktheit als sekundären Zu- 
stand, wobei der Kranke unter Abnahme des ursprünglichen exal- 
tirten Affektes in einzelnen fixen Wahnvorstellungen weiter delirirt. 

cf. Aidoioraanie, Dämonomanie, Dipsomanie, Hydromanie, Klepto- 
manie, Nostalgie, Apodemialgie, Nymphomanie, Psychosis, 
Pyromanie, Satyriasis, Theomanie. — Dementia, Moria. 

Monophasie (ßovog allein, *) qmois v. 9?»;/«' sprechen) 
Sprachstörung, bei welcher die Kranken, sobald sie versuchen 
zu sprechen, immer nur Eine Silbe, Ein Wort oder Einen Satz 
hervorbringen. 

Monoplegie (fj xkrjyrj Schlag, v. xXtjoaco) Lähmung 
nur einer einzigen Extremität, bzw. einer umschriebenen 
Muskelgruppe, cerebralen Ursprungs zum Unterschied von der 
kompleten einseitigen Lähmung (vd. Hemiplegia). Je nach dem 
Glied, welches von der Lähmung ergriffen ist, unterscheidet man : 
M. brachialis (Lähmimg eines Armes), M. cruralis (Lähmung 
eines Beins). M. brach io-faeiali s (Lähmung einer Gesichts- 



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Morbilli 3 1 1 

hälfte und ei ncs Annes), M. faeio-Ii nguali* (Lähmung einer 
Gesicht«- und Zungenhälfte), 
cf. Hemiparaplegia. 

Monophthalmie (6 6y0a/.fi6g Auge) i. q. Cyklopie. 

Monopus (6 aors, .to<5os Fuss) angeborener völliger 
Mangel einer ganzen Unterextremität. 
et'. Apus, Achims. 

Monorchidie (6 og/j^ Hode) vd. Kryptorchidie. 

Monospasnins (« axaaiuk Krampf) Krampf, der auf 
umschrieliene Muskelgruppen sich beschränkt. 

Monstrum Monstrositas („quoniam monstrant u — 
Cicero, v. monüre) Missgeburt , Missbild ung. 

I. Monstra per eseessuiti — durch Ühersehreiten der nor- 
malen Bildung: 

1. Makrosomie (s. d.). 

2. Riesenwuchs einzelner Teile, z. B. Pes gigas, Manus 
gigas, Cephalonie, Leontiasis, Makropodie etc. 

X. Überzählige Bildung einzelner Teile (auf abnormem 
organologischen Wachstum, Sprossenbildung, beruhend), 
cf. Polydaktylie, Polymelie. 

4. Monstra duplicia, Donpelmissbildungen. Diese sind 
auf abnorme Sonderung des normal zu Einem Organismus 
bestimmten Keimmateriales (Kehnspaltuug) zurückzuführen ; 
seltener scheint es sich um Verwachsung von Zwillingen zu 
handeln. 

cf. Craniopagus, Diccphalus, Diprosopus. Uipygus, Tschiopagus, 
Pygopagus, Rachipagtis, Syncephalus, Thorako- und Pro- 
sopothorakopagus. 

II. Monstra per defeetuui. 

cf. Abrachius, Acardiacus, Acephalus, Achirus, Agnathie, Akor- 
nius, Amclus, Anencephalus, Apus, Cranioschisis, Cyklopie. 
Epispadie, Fissur, Hydrocephalus, Hydrorachis, Hypospadie, 
Kolobom, Mikrocephalic, Mylacephalus, Peromelus, Pes varus 
congen., Phokomelus, Schistoprosopie, Syropodie, Syndak- 
tylic, Teratom. — Agenesie, Lusus naturae. 

Morbilität oder Morbidität (v. morblfdus krank) die 
Verhältniszahl der Erkrankungen. 

Morbilli (spätlat. morbilli v. morbus, engl, measles, franz. 
rougeole, ital. roselia) die Masern, kontagiösc fieberhafte Krank- 
heit mit rotfleckigem, etwas über das Niveau der Haut erhabenem 
Exanthem mit vorwiegend katarrhalischer Affektion der Kon j unk - 



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312 



Morbus Addisonii 



tiva und der oberen Luftwegeschleimhaut. Je nach der Be- 
schaffenheit diese« „akuten Exanthems" unterscheidet man: 

M. discreti, conf erti, conf luentes, vesiculosi, hae- 
morrhagici (septici). Fehlt da« Exanthem ganz, sind aber 
alle übrigen Erscheinungen während einer Epidemie bei nicht 
Durchseuchten ausgeprägt, so spricht man von M. sine morbil- 
lis s. sine exanthemate. 

Von Alters her werden verschiedene Formen der M. unter- 
schieden, welche keine besondere praktische Bedeutung haben und 
sich in die folgenden drei zusammenfassen lassen: 

1. 31. erethici s. vulgares s. simplices die gewöhnhche 
Form. 

2. 31. synoviales entzündliche Masern, wobei insbe- 
sondere das Fieber einen ähnlichen Charakter hat wie bei akuten 
Entzündungen, das Exanthem sehr intensiv und von längerem Be- 
stände ist als gewöhnlich und auch stärkere entzündliche Affek- 
tionen der Schleimhäute auftreten (besonders broucho-pneumonische 
und gastrische: gastrische Masern). 

3. 31. asthenici s. nervosi s. typhosi s. septiei Masern, 
in deren Verlauf unter typhoiden und adynamischen Erscheinungen 
eine allgemeine Paralyse sich entwickelt und das Exanthem häufig 
in ein hämorrhagisches sich verwandelt. 

cf. Hubeolae. 

Morbus Addisonii (morbus v. mon'or), Melasma supra- 
rcnalc, bronced skin, ein tötliches konstitutionelles Leiden, i. J. 
1855 zuerst von Th. Addison gewürdigt, bestehend in Anämie 
nebst mancherlei nervösen Störungen, Marasmus mit immer mehr 
zunehmender schmutzig bräunlicher grossfleekigcr Verfärbung der 
Haut, im Zusammenhang stehend mit (meist tuberkulöser) De- 
struktion der Nebennieren, wobei eine gleichzeitige Läsion des 
Iwmachbarten sympathischen Nervengeflechtes im Spiele zu sein 
scheint. 

Morbus anlicus, Morbi aulici (aula Vorhof in den 
Palästen der Pürsten und Reichen, „Hof") Krank- 
heiten der höheren Stände, durch Schlemmerei hervorge- 
rufen, wie Arthritis. Physkonie etc. 

Morbus ItaatMlowii (Basedow beschrieb die Krank- 
heit zuerst ausführlicher 1830 und zwar unter dem 
Namen „Glo tzaugenkachexie") ein Symptomenkom- 
plex, als dessen Kardinalerscheinungen Herzklopfen mit Pulsbe- 



Exophttialmus betrachtet werden müssen. Ob der Sitz des Leidens 
im Halssympathikus (untersten Cervikalganglion), wofür einzelne 
Befunde sprechen, oder noch centraler zu suchen ist, steht noch 
dahin. 




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Moria 



313 



Morbus Brightii (R. Bricht beschrieb zuerst im 
Jahr 1827 die diffusen Nierenentzündungen) mehr histo- 
rischer Kollektivnaine verschiedener diffuser Nierenerkrankungen, 
jetzt zu trennen in die folgenden: 

Nephritis parenchymatosa acuta und chronica. 

Nephritis intcrstitialis (Cirrhosis). 

Degeneratio amyloides renum. 

Hyperaeraia renum activa (z. B. toxica — Kanthariden, 
Terpenthin und Senföl, Karbol, Kalisalpeter) et passi va (Stauungs- 
nierc, besonders bei Herzkrankheiten). 

Morbus caerulea» i. q. Cyanosis. 

Morbus IMthuiarsieus Name der hereditären Syphilis 
in Holstein, nach Hebka jedoch ein Sammelname von derselben 
Bedeutung wie Radesyge. 

Morbus maculosa« Werlholii (P. G. WerlhoFt 

Hannoveraner Arzt, 1608 — 1767, der zuerst die Krank- 
heit genauer besehrieb) i. q. Purpura haemorrhagica. 

Morbus nuuticuK (gr. i) vavn/a v. n vnrg Schiff) die 
Seekrankheit, eine ihrem eigentlichen Wesen nach nicht 
sicher bekanute Krankheit (wahrscheinlich aber eine Neurose), 
welche sich durch sehr grossen Kollaps und Ekelgefühl, meistens 
mit profusem Erbrechen und anhaltender Verstopfung charakteri- 
sirt und durch die fortgesetzten Schwankungen des Schiffes her- 
vorgerufen wird. 

Morbus sacer s. caducus i. q. Epilepsia. 

Morbus Weilii Wkil's Infektionskrankheit, eine 
akut fieberhafte, mit schweren nervösen Erscheinungen, mit 
Schwellung der Milz und der Leber, Ikterus und nephritischen 
Symptomen einhergehende Erkrankung, die nach verhältnis- 
mässig kurzer Dauer des schweren Krankheitsbildes einen 
raschen günstigen Verlauf nimmt. Sie hat am meisten Ähnlich- 
keit mit dem biliösen Typhoid und dem Typhus abdominalis 
abortivus, ist aber eine Infektionskrankheit sui generis, deren 
Infektionsträger noch nicht gefunden ist, Sie befällt mit Vor- 
liebe Fleischer [Weil im Deutschen Aich. f. klin. Med. Bd. 31)]. 

Morcellement (franz. v. morsus u. mordeo) partienweises 
Abtragen grosser Tumoren nach vorheriger Umschnürung 
der einzelnen Partien mit Draht. 

Moria (f) fitogia v. iimoos stumpf) die Narrheit, eine 
Form des Blödsinns (Dementia) aus unvollständig ausgebildeter 
Tobsucht oder aus der Amenomanie hervorgegangen, indem die 
fröhliche und selbstgefällige Laune sich fixirt hat und in allerlei 
thörichtem Treiben, kindischem Spielen, Lachen, Tanzen etc. sich 
äussert. 



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314 Morphaea 

Morphaea (in Brasilien als Morphea bekannt) 

die bei der Lepra maculosa auftretende zirkumskripte Hautver- 
fleckung, welche je nach der Beschaffenheit der Pigmentirung, 
Vaskularisirung und Ernährung der betreffenden Stellen als 
M. rubra, alba, nigra, atrophica oder — bei starrer speck - 
artiger Infiltration der weissen Flecken — als M. lardacea be- 
zeichnet wird, 
cf. Vitiligo. 

Morphinismus (Mog<pti>$ Gott der Träume, „der 
Gestaltende", v. i) nogqt) Gestalt, Bild) die Morphium- 
sueht, zugleich auch die durch Morphiummissbraueh hervorge- 
rufenen üblen Folgen. 

cf. Opiophagie. 

Morpio, üorpionen (v. mordeo beissen, frz. pion, 
qui mord, = pou = pediculus, pedts Laus, laufendes Ge- 
tier) i. q. Pediculus pubis, Filzlaus. 

Mortalität die Verhältniszahl der Todesfälle. 

Mortificatio (mortuus, facto) das Absterben von 
Körperteilen i. q. Gangrän, Nekrose. 

Morvan'sche Krankheit, Maladie de Morvan. 
Parcsie analgdsique avec panaris des niembres 
superieures, Panaritium analgicura eine 1883 von Morvax 
entdeckte und als autonome Krankheit bezeichnete Abart der 
Sy ringomyelie, die sich von letzterer durch die multiplen 
Panaritien und die Sensibilitätsstörungen (es sind hier alle drei Ge- 
fühlsqualitäten gestört) unterscheidet. Gowers nennt die Morvau- 
sche Krankheit eine Syringomyelie mit ]>eripherer Neuritis. 

cf. Syringomyelie. 

Mouches volantes (muscae volitantes v. mus u. ins) 
fliegende Mücken, vd. Myiodesopsie. 

Moxa (Japan, statt mocusa das „Brennkraut" die 
Cellulose der Artemisia vulgaris) der Brennzylinder, 
zylindrisch geformte, leicht brennbare Substanz, die auf der Haut 
selbst abgebrannt wird, um eine starke Irritation derselben, zum 
Zweck der Ableitung hervorzu rufen. 

c»*. Exutoria, Thermocautere. 

Macilaginosa (sc. remedia) schleimige Arznei- 
mittel. 

Mucocele (mueus, nv$a, Schleim, rj xyltj Bruch) Ek- 
tasie einer Körperstelle durch Schleimzystenbildung |z. B. 
<ler Zellen des Siebl>einlabyrinthes oder der Stirnhöhlen). 

cf. Hernia. 

Jluoor, Mucorineen (Wurzel mul; ftvaa<a schneuzen) 
die Kopfschimmel, Schimmelpilze mit ungeteilten und unge- 



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Myalgia 



315 



gliederten Fruchtfäden (Hyphen), auf deren Spitze sieh eine 
kugelige, Sporen bildende Masse (Sporangium) entwickelt. Man 
unterscheidet mehrere Arten: M. alternans, corymbifer, stolonifer 
und rhizopodiformis. Beim Menschen kommen seltene Mykosen 
vor, als deren Erreger Mukorarten gelten. 

Multilocularis {locus, loculus Kästchen) mehr- oder 
vielfächerig. 

Multipara (multus viel, partre gebären) vd. Primipara. 

Mumifieatio (Mumie v. pers. mumija, v. müm Wachs 
oder weiches Harz, womit die Perser und Babylonier 
ihre Toten überzogen; facere machen) trockener Brand, 
durch rasche Eintrocknung der Luft ausgesetzter gangränöser 
Teile, infolge deren der Fäulnisprozess vorläufig sistirt wird. 

Jlures articulares Gelenkmäuse, vd. Arthrolithen. 

Musftitlrend vd. Deliria mussitantia (v. mussare mucken, 
murmeln). 

Mutaciemus, Mutismus (mutus stumm) Mutita* 
voluntaria, freiwillige Stummheit, z. B. Geisteskranker. 

Mutilatio {mutilis, verstümmelt, fwrdoe v. minxio, 
ftirvfo) Verstümmelung, 
cf. Lepra mutilans. 

Myalgia s. Myopathia rheimiatica (6 (tvs, /«»«>,* 
Maus, Muskel; td äkyos Schmerz, t6 jux&os Leiden) s. 
Rheumatismus inuscularis, alle schmerzhaften Affektionen der 
Muskeln, sowie der dazu gehörigen Sehnen und Faszien, deren 
Entstehung man auf rheumatische (s. d.) Einflüsse zurückführt. 
Man vermutet, dass es sich entweder um Störungen der Zirku- 
lation, Hyperämien, auch wohl mit geringfügiger Exsudation, oder 
um Affektionen der intramuskulären sensiblen Nervenendigungen 
handelt [ZH]. 

Die häufigsten Formen sind: 

M. cephaliea s. capitis s. Cephalalgia rheumatiea s. Rheu- 
matismus epicranii Kopfrheumatismus. Der Schmerz sitzt 
in den Hinterhaupt«-, Stirn- und Schläfenmuskeln und in der 
sehnigen Haube und steigert sich bei Verschiebung derselben. 

M. cerviealis s. Torticollis rheumaticus s, Cervicodynia 
s. Caput obstlpum rheumaticum (obstipus geneigt) schmerz- 
hafte Kontrakturen eines oder mehrerer Hals- oder Nackenmuskeln, 
infolge deren der Kopf steif und unbeweglich im Nacken oder, 
bei einseitiger Affektion, schief gehalten wird (Hinterhaupt nach 
der erkrankten, Gesicht nach der gesunden Seite). T. rheumati- 
cus lasst sich oft -schwer von den durch Spondylitis cervi- 
ealis, leichter von den durch Accessori uskrampf bedingten 
Torticollisformen unterscheiden. 



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316 Myasis 

M. yectoralis et intorcostalis s. Pleurodynia Rheumatis- 
mus der Brust- oder Interkostalmuskeln. 

M. scapularfs s. Oinalgia s. Seapulodynia rheumatica 

rheumatische Affektiou der Schulterblatt- und Oberarmniuskeln. 

31. lunibalis s. Lumbago schmerzhafte Affektiou der Muskeln 
und Faszien der Lendengegend einer oder beider Seiten, die meist 
plötzlich eintritt (womit der Name „Hexenschuss" zusammen- 
hängt) und ausser auf rheumatischer in vielen Fällen auf 
traumatischer Ursache, Zerrung oder Zerreissung einzelner 
Muskelfasern, beruhen kann. 

cf. Myotalgie, Psoitis. 

jHyasis (*} uvTa Mücke, Fliege) eine in den Tropen 
(Amerika, Afrika Tse-tse) vorkommende durch schmerzhafte furun- 
kulöse Entzündungen (Des seibeulen) charakterisirte Hautkrank- 
heit, welche durch Stechfliegen (Oestrideu und Musciden) hervor- 
gerufen wird. 

Mycelinm (n [u'xtK, uvxmog Pilz) das Flechtwerk, 
welches die Fäden der Schimmelpilze bilden, 
cf. Hyphcn. 

Mycetom der Ma du infus», ein in Ostindien einheimisches, 
in der Wucherung von Pilzen (Chionyphe Carteri) im Unter- 
hautzellgewebe begründetes Leiden, welches bedeutende Unförm- 
lichkeit, Weichteilabscesse und Caries der Knochen bewirkt. 
Neuerdings ist die Identität des M. mit Aktinomykose festgestellt 
worden. 

cf. Podelkoina, Aktinomykosis. 

llycetozoen i. q. Protozoen. 

Hydalein (urSdlFoc modrig, v. /tvöos Nässe, Fäulnis) 

giftiges Alkaloid (Ptomain Brieuer), welches nach zwei- bis 
dreiwöchiger Leichenfäulnis entsteht , ähnlich wirkend wieMuscarin. 

Mydriasis (fj firdgtaoic Augensternerweiterung, uvdoos 
glühende Metallmasse) Erweiterung der Pupille, wemi 
dieser Zustand auf einem Krampf des Dilatator (Nerv, 
sympath., Spinalreizung) oder auf Lähmung des Sphincter 
pupillae (N. oculomot.) beruht, also von materiellen Ver- 
änderungen im Augeninneni unabhängig ist. 

Nach den zwei genannten Ursachen der M. unterscheidet 
man eine M. spastica und eine M. paralytica, während bei 
der durch die toxische Wirkung der Mydriatica (A tropin) be- 
dingten M. paralytico-spastica beide Momente zusammen- 
wirken. 

Mydriatica (sc. remedia) Mittel, welche bei örtlicher An- 
wendung eine Erweiterung der Pupille bewirken, 
cf. Myosis. 

Hyelasthenia [v. Ziemssen] (o nvelog Rückenmark» 
ij äoühnu Schwäche) i. q. Neurasthenia spinalis. 



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Myelitis 317 

Myelitis Entzündung des Rückenmark«. Sie ist 
eine akute, subakute oder chronische. 

r£j I. Myelitis acuta (u. subacuta). 

I 1 « Ä ItsivaA Li • »-» * a « 1 * * -n a* >-J a « Iv*<l4-A»1 



^1 



a 



Die frühere Einteilung der akuten M. in eine M. cum Myelo- 
malacia und eine M. sine Myelomalacia ist imgenau und veraltet. 
^ Pathologisch-anatomisch* sind folgende in einander übergehende 

H^r- Stadien zu unterscheiden: 

1. Die rote, hämorrhagische Erweichung mit sehr 
starker Hyperämie, Blutaustritt, der so stark sein kann, dass das 
j—H Bild einer primären Hämorrhagie geschaffen wird, und Schwellung 
pü* der Marksubstanz. 

< w' 2. Die gelbe Erweichung aus 1. hervorgehend, durch Ver- 

änderung des Blutpigmentes hervorgerufen, mit undurchsichtiger 
Schnittfläche und fettiger Degeneration der Marksubstanz. 
.. % 3. Die graue Erweichung mit durchscheinender Schnitt- 

HH fläche durch Resorption der Degenerationsprodukte und mit Ver- 
mehrung des Bindegewebes. 

Das 1. Stadium kann aber auch führen zu 
QJ 4. eitriger, grüner Erweichung durch Eiter- oder 

Abscesßbildung. Sie ist meist septischen Ursprunges. 
pL{ Nach dem ursprünglichen, Sitz der Entzündung unterscheidet 

man Myelitis parenehymatosa und M. interstitialis. 

Klinisch sind folgende Formen der akuten M. zu unter- 
scheiden : 

1. Myelitis acuta t ran s ve rsal i s , die akute Quer- 
schnitt s - M y e 1 i t i s die gewöhnlichste Form besteht in einer 
Entzündimg des ganzen Rückenmarksquerschnittes, jedoch mit 
geringer vertikaler Ausdehnung. 

2. M. focalis mit Entzündung eines kleinen einzelnen Be- 
zirkes des Rückenmarkes. 

8. M. disseminata mit Bildung einzelner zerstreuter Ent- 
zündungsherde. 

4. M. centralis mit Entzündung der grauen Substanz um 
den Zentralkanal und besonders charakteristischen Symptomen. 

5. M. diffusa mit Entzündung eines grossen Bezirkes des 
Markes. 

(5. M. atactica durch sofortige Incoordination der Bewegungen 
und kompletcn Verlust des Muskelsinnes gekennzeichnet. 

II. Myelitis chronica; sie ist entweder von Anfang an 
chronisch oder geht aus der akuten M. hervor und zeigt anatomisch 
eine Zunahme des interstitiellen Gewebes mit späterer Schrumpfung 
und Untergang der Nervenelemente (sklerotische M.). 

Die klinischen Symptome bestehen im wesentlichen in einer 
zunehmenden motorischen Lähmung meist der imtern Extremi- 
täten (Paraplegie), welcher eine sensible Lähmung geringeren 
Grades nachfolgt, gewöhnlich verbunden mit Steigerung der 
Sehnen reflexe. Die Krankheit dauert viele Jahre und macht ge- 
wöhnlich lange Stillstände. Gegen das Ende treten meist Läh- 



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318 



Myelooele 



mungen der Blasen- und Mastdarmnmskeln, Cystitis, Decubitus auf. 
In manchen Fällen — dann nämlich, wenn der spinale Reflex- 
bogen lädirt ist, oder bei kompleter Anästhesie - erlöschen die 
Sehneureflexe. Echte Muskelatrophie tritt nur in den Ausnahme- 
fällen ein, in welchen der anatomische Prozess die zugehörigen 
( Ganglienzellen der grauen Vorderhörner zerstört hat. 

Die chronische M. zeigt dieselben Abarten wie die akute M. 
Eine besondere seltene Form derselben ist: 

Myelitis chronica an nularis oder annuläre Sklerose 
mit ringförmiger Entzündung an der Oberfläche des Rücken- 
markes. 

Die früher unter die M. chronica subsummirtcn Systemer- 
krankungen des Rückenmarkes finden als selbständige Er- 
krankungen eine gesonderte Besprechung. 

.Myelitis hyperplastica granulosa i. q. Ostitis fungosa. 

Myelocele, Jlyelonieningocele (»? xr\h\ Bruch., 
>j pf/rr/s, Haut, spez. Hirnhaut) vd. Spina bifida. 

Myelom (v. ftvtX6<a mit Mark füllen) geschwulst- 
törmige Neubildung von Knochenmark, auch allgemeiner 
gebraucht für Sarkom (Markgeschwulst). 

cf. Osteomyelitis. 

Myelomalacia (ua).ax6g weich) die Rücken m arks- 
orweichung. Die Bezeichnung wird gewöhnlich nur für die 
durch Thrombose oder Embolie (Arteriosklerose im Greisenalter, 
M. senilis) bedingten Erweichungsprozesse im Rückenmark ge- 
braucht, die ein Analogon zu der Gehirnerweichung darstellen. 
Ausserdem findet sich M. auch als grob-anatomisches Zeichen bei 
Myelitis acuta (s. d.) 

cf. Encephalomalocia. 

^Myelomeningitis, Kombination von Myelitis (periphere 
Schichten) und Meningitis spinalis, bald das eine, bald das 
andere (gewöhnlich die Meningitis) das Primäre oder beide 
gleichzeitig: eigentliche M. 

cf. Meningitis. 

Myeloplaxen (rj *Äa£ , .yXay.dc jeder flache, breite 
Körper, Platte) Riese nz eilen, myeloide Zellen, vielkernige 
Zellen, grosse protoplasmatische Ballen mit einer grossen Zahl 
i'20 — 100 meist peripher gelagerter) Kerne, welche wahrscheinlich 
durch einen Teilungsvorgang entstehen, der besonders in mem- 
branlosen Zellen vorkommt. Sie finden sich physiologisch im 
Knochenmark, pathologisch in Sarkomen (Riesenzellen-S., myelo- 
plaxische Geschwülste), Tuberkeln und auch im Granulations- 
gewebe. Im Knochenmark sind es umgewandelte Osteoplasten 
i Bildungszellen des Knochengewebes), und dienen dazu, das 
Knochengewebe durch Bildung sogen. Resorptionslakunen aufzu- 
lösen, daher sie von Kölliker „Osteoklasten" genannt wurden. 



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Myocarditis 



319 



Myiocephalon (n via Fliege, n xetptdy Kopf) 



hautgeschwüren die Iris an mehreren Stellen des Geschwürs- 
grundes vorfällt und in Form multipler pigmentirter Punkte in 
der entstehenden Narbe erscheint, 
cf. Staphyloma iridis raceraosum. 

]?1 yiodesopsle (uviondfjc fliegen artig , rj <W das 
Sehen) das Mückensehen, die subjektive Sehempfindung der 
Mouches volantefi, Trübungen des Gesichtsfeldes in Form von be- 
weglichen, rundlichen oder vielgestalteten Skotomen, welche wie 
Mücken, Spinnen, Raupen u. dgl. erscheinen. Sie rühren her von 
Trübungen im Glaskörper, und zwar seltener von zusammengeball- 
tem Glaskörperstaube (immigrirte Lymphoidzellen, </. Chorio-Re- 
tinitis specif.) oder Membranen (nach subretinalen entzündlichen 
Ergüssen bei Chorio-Retinitis, oder Blutungen der Papillargefässe), 
sondern gewöhnlich von Flocken und Fäden, welche vorzugsweise 
in den vorderen Glaskörperschichten vorkommen und von leichten 
Blutungen aus den Gefässen des Ziliarkörpers oder der Netzhaut 
herrühren und ihre Schatten auf die Retina werfen. Bedeutendere 
Grade der Trübungen und ihrer Beweglichkeit gestatten den 
Schluss auf Krankheiten der Umhüllungsmembranen und Ver- 
flüssigung der vordersten Glaskörperschichten. 

cf. öynchisis. 

Mykoderma (o uvxm-woq Filz, to Mgua Haut) vini 
der Kahmpilz, identisch mit dem Soorpilz (s. d.). 

Mykologie (6 /.öyog Wort) die Lehre von den Pilzen, 
i. q. Bakteriologie. 

Mykofiig. im engeren Sinne Schimmelkrankheit, durch 
gewisse Schimmelpilze (Aspergillusarten) bedingt, in Ansiedelung 
derselben in der Haut, in den Nägeln, in der Lunge etc. bestehend, 
ohne grosse Bedeutung. 

Im weiteren Sinne versteht man unter M. diejenigen 
Krankheiten, bei welchen Spaltpilze (Bakterien) eine Rolle spielen,, 
was für die meisten Infektions- und pyämischen Krankheiten 
wahrscheinlich ist. 

M. intestinalis, leptotlirica vd. Anthrax, Leptothrix. 
cf. Pncumonomykosis, Stomatomykosis, Mycetom. 

M. fungoides i. q. Granuloma fungoides. 

Mylaeephalus (rj ftvltj, mola, ä priv., f) xFtpaAt) Kopf) 
ein etwas höher entwickelter, schon mehr eine menschliche 
Form zeigender Amorph us. 

Myocarditis (6 pvc, pv<k Maus, bei Bukolikern auch 
Muskel; 17 xaodi'a Herz) Entzündung des Herzfleisches. 
Man unterscheidet: 

eine M. acuta und chronica, universalis und par- 
tialis und je naeh dem anatomischen Vorgange, eine M. paren- 




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■\20 Myochorditis 

chymatosa und interstitialis, welche letztere wieder eine 
M. i. purulenta oder fibrosa sein kann. Sie ist selten 
idiopathisch, gewohnlich sekundär. — Eine besondere 
Form ist 

M. syphilitica, welche in Form von Guininaknoten im inter- 
muskulären Bindegewebe auftritt, wobei die Muskelfasern zur 
Atrophie gebracht werden; seltener in Fonn der einfach fibrösen 
(schwieligen) M. 

Myochorditis (v zoodt} Darmsaite, chorda vocah's 
Stimmband) Entzündung der Stimmbandmuskeln, be- 
stehend in einer entzündlich-serösen Durchtränkung und Lähmung 
einzelner Kehlkopf muskeln bei Kehlkopfkatarrh. 

Myodegeneratio Muskelentartung, gewöhnlich ge- 
braucht als M. cordis, fettige Degeneration des Herzens. 

Myoklonie (6 xXovog die heftige und verworrene 
Bewegung) i. q. Paramyoklonus multiplex. 

Myom (,uv6o) starke Muskeln haben) Geschwulst, 
in der wirkliche Muskelfasern den Hauptbestandteil bilden (be- 
sonders im Uterus). 

Je nachdem die Muskelfasern zu den glatten oder den quer- 
gestreiften gehören, unterscheidet man nach Zenker Leiomyom 
{Virchow's Myoma laevicellula re) und Rhabdomyom 
(Virchow's M. striocellulare). 

Neben dem typischen Myom finden sich Ubergangsfonncn 
zu Fibrom und Sarkoni. 

Myomalacia cordis {itakax6$ weich) Erweichung 
des Herzens. 

Myomotomie (re/ow schneiden) [Schröder] intra- 
peritoneale Abtragung des Myoms, mit Versenkung des 
Stumpfes nach ausgeführter fortlaufender Etagennaht desselben, 
oder supravaginale Amputation der Geschwulst. 

et*. Hysterorayomektomie. 

Myopathie (ro .-raflo? Leiden) die idiopathische 
Muskelerkrankung, 
cf. Myalgie. 

Myophon (*) ytovr) Stimme) vd. Dennatophon. 

Myopie (fivwy kurzsichtig, eig. blinzelnd, von pvo» 
Augen und Ohren schliessen, y Auge, von der 
häufigen Gewohnheit der Kurzsichtigen, die Augen- 
spalte zu verengern) Kurzsichtigkeit, wobei die Brenn- 
weite des dioptrischen Apparates zu kurz ist, entweder wegen 
zu starker Brechung der dioptrischen Medien, oder bei Langnau 
<les Bulbus, oder aus beiden Ursachen (unter Vermehrung der 



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Myositis 321 

radiären Muskelbündel des Corpus ciliare und Verminderung der 
zirkulären — nach Iwanooff). 

cf. Bathyinorphie, Hypermetropie, Plesiopie. 

Myosis (von [iv6a> bewege die Muskeln, ab- 
normer permanenter Kontraktionszustand (Verengerung) 
der Pupille. 

Man kann eine spastische M. infolge von Reizung der 
pupillen verengernden Fasern (ükulomotorius) bei zerebralen 
Kongestionen und Entzündungen, Hyperästhesie der Retina, Rei- 
zung der Konjunktiva und Kornea, gewissen Intoxikationen, und 
eine paralytische M. infolge von Lähmung der Sympathikus- 
fasern oder der im Zervikalteil des Rückenmarks verlaufenden 
Fasern (spinale M.) unterscheiden. Die paraly tico-spa- 
p tische M. (Reizung des Okulomotorius und Lähmung des 
Sympathikus etc. zugleich) findet sich am typischsten bei der 
Einwirkung der 

Myotlca (sc. remedia), Mittel, welche eine Verengerung der 
Pupille bewirken. Solche sind das Escrin, Morphium, 
Muskarin, Pilokarpin und Nikotin. 

cf. Mydriaais. 

Myositis (,m'\-, fivög) Muskelentzüudu ng, tritt auf als 
M. rheuinatica vd. Myalgia. 

M. interstitialis Entzündung des inter- und intramusku- 
lären Bindegewebes in akuter (phlegmonosa, purulenta) oder 
chronischer Form (z. B. gewisse, meist sekundäre Formen 
von Psoaseiterungen, die Gewebswucherungen bei Atroph ia muscul. 
progress. etc. = M. fibrös a). 

cf. Pseudohypertrophia musculorura. 

M. narenehyuiatosa mit molekulärer oder (bei M. typhosai 
wachsartiger Degeneration der Primitivfasern. 

M. ossifleans zirkumskripte Muskelverknöcherung, 
kommt als „Exerzierknochen" besonders im Deltamuskel 
und als „Reitknochen" iu den Adduktoren des Oberschenkels 
infolge anhaltenden Druckes vor. — Bei einer anderen Form, der 

M. ossificans progressiva, kommt es unter entzündlichen 
Erscheinungen und Verkürzung der betreffenden Muskeln aus 
nicht sicher bekannten Ursachen zu einer progressiv über immer 
zahlreichere Muskelgruppeu sich verbreitenden Neubildung von 
Knochenmassen, welche als leisten- oder spangenartige, zuweilen 
stachelige Körper in den Muskeln eingebettet sind, während die 
verknöcherten Muskelansätze mit den Skeletknochen verwachsen, 
wodurch Skoliose, Kontrakturen und Ankylosen zu stände kommen 
|nach Bikch-Hi RSCH Feld, Path. Anat.]. 

Roth'« Klinische Terminologie . 4. Aufl. 21 



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322 Myospasmus 

9t>ospa«miis (waw ziehen, zusammenziehen) der 

Muskelkrampf. 

Myotalgie (t6 äkyo^ Schmerz) Muskelschmerz, 
spontan im Greisenalter vorkommend: M. senilis, 
cf. Myali;ie. 

Itlyotatisehe Irritabilität (tanxdc, rtl™ ausgedehnt) 

[Gowers]. Von Gowers vorgeschlagene Bezeichnung für die 
Seh nenmuskelphänomene, die man an einzelnen Stellen 
des Körpers durch Schlag u. s. w. hervorrufen kann (Kniephä- 
nomen, Fussphänomen) und die in einer reflektorisch durch das 
Rückenmark vermittelten passiven Dehnung bestehen. 

Myotomie (isfivui schneiden) subkutane Muskel- 
durchschneidung als Operat ionsverfahren gegen Muskel- 
kontraktur. (Besser ist die Tenotomie). 

Myotonia congenita [Strümpell] (rmw dehne) 
besser M. transiens, da sie nicht stets kongenital ist, nach ihrem 
Entdecker Tu omsex' sehe Krankheit genannt, eine nach ihren 
pathologisch-anatomischen Ursachen äusserst dunkle (die Annahme 
Leydex's, dass es sich bei der M. c. um eine essentielle muskulöse Er- 
krankung handle, ist am wahrscheinlichsten) Affektion, die durch eine 
eigentümliche Rigidität der Muskeln charakterisirt ist, welche 
eintritt, wenn sie nach einer Ruhepause in Thätigkeit treten. Die 
Rigidität ist eine vorübergehende, daher M. transiens. Sie ist in 
der Regel eine angeborene Krankheit, befällt mehrere Glieder 
einer Familie und lokalisirt sich mit Vorliebe auf die Beine. 

cf. Paramyktonia, Paramyoklonus. 

Myotonische Reaktion [Erb] die Eigenschaft der 
von Myotonie befallenen Muskeln, auf elektrische Reizung (mit 
dem konstanten Strom) mit langdauernder Kontraktion, mit wellen- 
förmigen vom negativen zum positiven Pol verlaufenden Kon- 
traktionen zu antworten. 

Myringektomie (myringa oder myrinx — .ut'Qtyt; i*t 
ungriechisch und nur verderbt aus ftfjvr/t;; Hippokrates: öigftu 
,7o6* rijv axot/y, membrana tympani — Trommelfell, fxtsuvco 
ausschneiden) die partielle oder totale Exsti rpation des 
Trommelfells. 

Myringitis Trommelf ellentzündung — tritt auf als 
M. acuta und chronica, selten für sich allein, meist neben 
Entzündungen des Gehörgangs und der Trommelhöhle. 

cf. Otitis. 

Jlyrintfoplawtik, ein von Berthold angegebenes Ver- 
fahren zur Heilung alter Trommelfellperforationen 
mittels Transplantation von Hautstückchen. 



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Naevus 323 

Myringotomie (re/«w schneiden) die Parazentese des 
Trommelfells. 

ülyrmeciasis, Myrmecismus (« tivotutf, - V xog, 
fivQftog Ameise) i. q. Formieatio. 

Mytilotoxin {Mytilus edulis Miesmuschel turvkos, ro 
t6$ov Bogen, Pfeilgift) ein aus giftigen Miesmusehein [von 
Brieger] dargestelltes Ptomai'n mit curareähnlicher Wirkung. 

Myxoedema [Hull] (franz. Cachexie pachydermtque 
[Charcot]) ein chronisches allgemeines Ödem, das mit Blässe, 
Trockenheit, Atrophie der Haut und der Schleimhäute, Temperatur- 
herabsetzung und psychischen Störungen einhergeht. 

Myxoma (>; /"'£a, mucus Schleim) s. Colloneina 

Schle imge websgcsch wu Ist. 

M. hyalinnm die reine, bloss aus Schleimgewebe bestehende 
Form. 

M. medulläre mit mehr markartigem, durch Einlagerung 
zahlreicher Zellen bedingtem Aussehen. 

M. multiplex Chorii vd. Mola hydatidosa. 

Durch Kombination mit anderen Geschwulstformen entsteht 
M. lipomatodes, fibrosum. cartilagineum. Häufiger ist 
die schleimige Metamorphose anderer Geschwülste. 

Abarten: Myxoadenom, Myxoidkystom, Myxomyoma, 
Myxosarkoma, vd. die betreffenden Neubildungen, 
cf. Degeneratio, Neoplasma. 



Naevu» (= nativus von nascor) das angeborene Mal, 
daher auch N. Maternus oder Muttermal. Man unterscheidet 
Pigment- und Gefässmal. 

N. pigmentosus das Pigment mal, angeborene zirkum- 
skripte Vermehrung des Hautpigments, entweder ohne weitere 
Veränderung der Haut: 

N. spilus s. planus, glattes Pigmentmal, Flecken- 
mal, oder mit Hypertrophie des Koriums, der Papillarschichte 
oder der Hornschient: N. verrucosus, warziges Pigment- 
nial, Linsenmal. Eine von diesem zu trennende Form, die 
sowohl als N. spilus, wie als N. verrucosus erscheinen kann, 
ist der N. neuropathicus, das Nerven pigmentmal, Naevus 
uniu8 lateris [Bärenspruxg] , Papilloma neuropathicum [Ger- 
hardt], das seinen Ursprung einer intrauterinen, trophoneuro- 
tischen Störung verdankt und genau auf das Gebiet eines oder 
mehrerer Hautnerven beschränkt ist. 

21* 



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324 



Nano 



X. vascularis s. Tclanffiektasia Gefässmal, angeborene 
rote Flecken oder blaurote Prominenzen, deren Röte auf Druck 
versch windet. Man unterscheidet : 

a) X. flammeus s. N. vascularis simplex s. Angioma 
simplex, welches in einer oberflächlichen, nur auf die Papülar- 
sehicht der Kutis beschränkten, aber oft sehr ausgedehnten Form 
vorkommt, die von der Geburt an sich nicht mehr ändert, und 
ferner in einer etwas tiefer sitzenden, aber nur stecknadelkopf- 
bis erbsengrossen, schwachen oder flach prominirenden Form, 
bisweilen auch nur in Gestalt von geschlängelt verlaufenden, ein- 
fachen und verzweigten roten Linien — letztere nicht immer 
angeboren. 

N. vasculosus tuberosus s. Angioma eavernosum 
prominens Gefässmal in Form von geschwulstartigen, mehr oder 
weniger prominirenden Gebilden, welche Tendenz zu allmählicher 
Vergrösserung zeigen. Eine besondere Form ist 

N. morus Gefässgeschwulst von dunkelroter Farbe und 
höckeriger Oberflache, emer Maulbeere (morus) ähnlich. 

Eine vollständig scharfe Trennung der verschiedenen Formen 
ist nicht möglich. 

cf. Varicoblepharon. 

\ano oder ÜNannocephalie (vd. Nanus, tj xtqmh) 
Kopf) Zwergköpfigkeit, ungewöhnliche Kleinheit des Kopfes, 
natürlich mit unentwickeltem Gehirn. 

Nanosomie (ro adtfia Leib) i. q. Mikrosomie. 

nanus (d vavo; oder vawo$ Zwerg) zwerghaft. 

Narkolepsie (vagy.öco betäuben, Xa^ißdvoi ergreifen) 
ein der Lethargie verwandter Zustand, infolge dessen der Kranke 
in einen gesunden Schlaf von mehreren Minuten Dauer verfällt, 
aus dem er von selbst wieder erwacht. 

cf. Lethargie. 

Narkomanie (rj ftavt'a Baserei) die Neigung Narkotika 
zu gebrauchen, also Morphinismus, Cocainismus etc. 

Xarkosis die Betäubung, und zwar die allgemeine, 
durch Einwirkung gewisser toxischer Mittel (Narkotica) auf das 
Gehirn hervorgerufen. 

Die Narkose findet in der internen Medizin zum Zwecke der 
Linderung sehr schmerzhafter oder mit hochgradiger Aufregung 
verbundener Leiden ihre Anwendung. Ausserdem ist dieselbe bei 
grösseren chirurgischen Operationen ein unentbehrliches Erfordernis, 
während sie bei kleineren operativen Eingriffen durch die lokale 
Anästhesiru ng mittels des Richardson 'sehen Äthersprays 
ersetzt, werden kann. 

cf. Anaesthetica, Hypnotica. 



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Nekrose 



;Y2b 



Xausea (>} rarom eigentlich Seekrankheit, v. 1) mec 
Schiff) Übelkeit oder Würgen. Die Übelkeit, der Ekel, 
ist ein dem eigentlichen Erbrechen vorangehendes Muskelgefühl, 
durch anomale Bewegungen der Pharynx- und Gaumenmuskulatur 
hervorgerufen, welche reflektorisch durch gewisse Reizungen der 
Magenschleimhaut verursacht werden. 

Das Würgen ist ein höherer Grad von unwillkürlichen 
Kontraktionen im Bereich des Schlundes, der Bauchpresse und 
der Inspirationsmuskeln [nach Leube in ZH]. 

cf. Morbus naoticue, Vomitus, Vomituritio. 

Xauseosa (sc. remedia), Mittel, welche anhaltende 
Übelkeit, ohne beabsichtigtes Erbrechen, hervorrufen, 
cf. Emetica. 

Xearthrose neu, ro äo&gov Gelenk) Neubildung 
eines Gelenkes an einer falschen Stelle — kaun bei un- 
vereinigten Knochenbrüchen (als weiter entwickelte Pseudarthrose) 
und unreponirten Luxationen, auch pathologischen, eintreten, 
indem bei andauernder Bewegung zweier Periostfläehen aufeinander, 
oder einer Gelenkfläche auf einer Periostfläche, das Periost eine 
glatte Oberfläche gewinnt und endlich sogar Knorpelsubstanz in 
seinem Gewebe bildet. 

Nekrobiose (vexgög tot, Leichnam; rj ßiuxHt Leben, 
v.ßioco, ßios) diejenige Fonn des A bsterbens, welche der käsigen 
Degeneration (Tyrose oder Tuberkuhsation) vorausgeht. 

Virohow belegte mit diesem Namen ursprünglich alle die- 
jenigen degenerativen Metamorphosen, welche die völlige Ver- 
nichtung der Zellen herbeiführen, wobei die abgestorbenen Teile 
in geschrumpftem und trockenem, der Fäulnis unzugänglichem 
Zustande im Gesunden liegen bleiben. 

Xekrodermitis (ro dtofia Haut) zur Nekrose füh- 
rende Hautentzündung vd. Helkodennatoscn. 

Nekrophilie (y yikia Liebe) vd. Sadismus. 

Nekrose (// vexgwaig Absterben, vtxgoto v. vexwk tote) 
der örtliche Gewebstod, durch äussere Schädlichkeiten oder 
Behinderung der Ernährungszufuhr hervorgerufen. 

Besondere Formen der Nekrose sind [Ziegler's Lehrbuch]: 

a) Die Koagulationsnekrose, hyaline Nekrose, 
Nekrose mit nachfolgender Gerinnung der Gewebe ; hierher 
gehört auch die sog. wachsartige Degeneration 
der Muskeln. 

b) Die Verkäsung, Tyrosis (s. d.). 

c) Die Kolliquationsnekrose, Nekrose mit Ausgang 
in Verflüssigung der Gewebe. 



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326 



Nekroskopie 



d) Nekrose mit Ausgang in Mumifikation, trockenem 
Brand, vd. Mumifikation. 

e) Feuchter Brand oder Gangrän vd. Gangraena. 

Der Ausdruck Nekrose ist eine speziell für die Modifikation 
der Knochen, Knorpel gebrauchte Bezeichnung. 

Phosphor-N. ist N. der Kieferknochen infolge Einwirkung 
der Phosphordämpfe bei Fabrikarbeitern. Ursprünglich tritt eine 
Periostitis oasificans und Osteosklerose des Kiefers ein, erst später 
tritt Eiterung hinzu, entweder subperiostal oder zwischen der 
alten Knochenoberfläche und der auf sie abgesetzten Neubildung, 
mit sekundärer N. 

Nekroskopie oder Nekropsie s. Autopsie (oxo.™» 
besichtigen; f) 6't/n; Sehen) die Leichenbesichtigung, 
imd zwar auch der inneren Teile. 

cf. Obductio, Sectio. 

Nekrotomie (i^tvco schneiden) i. q. Sequestrotomic 
oder auch gleichbedeutend mit der Lcicheneröff nuug (Sektion). 

Neoplasma (vtos neu, t6 .ikdo/ra Gebilde, v. .-r/.doow) 
Neubildung, Hcteroplasie, gewöh nlich in Form abgegrenzter 
Geschwülste. 



a) Histioidc N. sind solche, welche aus embryonalem Bil- 
dungsgewebe, dem Produkte des intermediären Ernährungsapparates 
(Blutgefäss- und Bindegewebssy stein) entstehen, woraus durch 
nachträgliche Differenzirung — nach dem Vorbilde der fötalen 
Entwicklung — hervorgeht: 

1. Bindegewebe: Fibrom und Sarkom. 

2. Gefässe: Angiom. 

3. Knorpelgewebe : Chondrom. 



5. Fettgewebe : L i p o m. 
0. Schlehngewebe : Myxom. 

7. Muskelgewebe: Myom. 

8. Nervengewebe: Neurom. 

{). Mischgeschwülste — durch Ubergänge und Kom- 
binationen der einzelnen, sowie durch sekundäre Ent- 
artungen entstehend. 

b) Pathologische N., welche abnorme Leistungen des 
Epithel Wachstums mit und ohne Beteiligung des Blutbiude- 
gewebs8ystems sind: 

Carcinom, Adenom, Cylindrom, sowie die tuber- 
kulöse, lupöse, lepröse, syphilitische, fareiminöse und ty- 
phöse Neubildung [nach Rixdfleisch]. 
cf. Tumor, Cystis (Cysto-N.). 



Einteilung der Neubildungen. 




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Nephritis 327 

Xeplielinm (™ reffthov Wölkchen) i. q. Nubecula. 

Nephralgie ('>* vr<io<k Niere, r<> a/j-o,- Schmerz) i. q. 

Kolica renalis. 

Nephrektomie (?xriftv(o ausschneiden) Exstir- 
pation einer Niere, die wegen Neubildungen, Tuberkulose etc. 
des Organs, bisweilen auch bei Ren raobilis ausgeführt wird. 

Nephritis Nierenentzündung. 

Die von Bright aufgestellte Einteilung der Nierenentzün- 
dungen in den Morbus Briyhtii L, II. und III. Stadiums lässt 
sieh mit dem gegenwärtigen Standpunkte der pathologisch -ana- 
tomischen und klinischen Forschung nicht mehr vereinigen. Mau 
spricht heutzutage nur mehr von einer akuten und einer chro- 
nischen Nephritis; die erstere ist stets eine parenchy- 
matöse, die letztere entweder eine parenchymatöse oder 
eine interstitielle. 

I. Nephritis acuta s. N. acuta parenchymatosa (desqua- 
mativa — Johnson, haemorrhagica — Traube, erstes Stadium 
der BRiGHT'schen Krankheit) die akute, diffuse parenchy- 
matöse Nierenentzündung, meist die nachweisliche Folge 
gewisser spezifischer Noxen (akute Exantheme, Diphtherie, 
Rekurrens, Erysipel, Karbunkeln und Phlegmonen, Erkältung, 
Verbrennung, Rheumatismus, Cholera, Schwangerschaft). 

Die wesentlichsten anatomischen Veränderungen bestehen 
in Erweichung und Schwellung der Kortikalis, trüber Schwellung 
und Verfettimg der Epithelien (cf. Degeneratio, Inflammatio 
parench.), Einlagerung lymphoider Zellen in den erweiterten 
Gewebsinterstitien zwischen den Hamkanälchen der Rindensub- 
stanz, und von Fibrinzylindern im Lumen der (streifenförmigen) 
Hamkanälchen, welche sich durch Gerinnung aus dem eiweiss- 
haltigen Hain bilden. Eine besondere anatomische Lokalisation 
stellt die Glomerulonephritis (s. d.) dar. Die Anurie ist 
auf die entzündliche Blutstagnation in den Nierengefässen zurück- 
zuführen. Die Dauer ist 1—8 Wochen, selten mehr. 

In neuester Zeit wird [von Mannaberg] ein Streptokokkus, 
der sich biologisch von dem des Erysipels, Eiters etc. unter- 
scheidet, in ätiologischen Zusammenhang mit der akuten Ne- 
phritis gebracht. Derselbe erwies sich an Hunden und Kaninchen 
als spezifisch pathogen für die Nieren. 

Hierher gehört : 

N. scarlatinosa die eben beschriebene Form, hervor- 
gerufen durch das bei Scharlach wirkende Blutgift — die bei 
weitem häufigste Veranlassung der N. Albuminurie fehlt dabei 
in leichteren Fällen zuweilen ganz. 

Cholera-N. die durch das Verschwinden des arteriellen 
Blutdrucks (Ischämie) im asphyktischen Stadium der Cholera 



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Nephritis 



hervorgerufene Forin der parenchymatösen Nierenentzündung, 
welche das Eigentümliche hat, dass hämorrhagische Infarkte dabei 
häufig sind, und dass sie nach Wiederherstellung der Zirkulation 
in wenigen Tagen wieder verschwindet. 

X. gravidarum die durch Schwangerschaft (besonders 
Zwillings-S.) auf nicht näher bekannte Weise, jedenfalls aber 
nicht durch Druck, häufig verursachte akute X., welche sich 
durch grosse Neigung zur Urämie (Eklampsie und maniakalische 
Aufregung) auszeichnet, doch in der Regel bald nach Beendigung 
der Schwangerschaft in Genesung übergeht. 

II. Nephritis chronica die chronische Nierenent- 
zündu n g. 

a) X. parenehymatosa chronica (die grosse, weis**» 
Niere, large white kidney, 2. Stadium der JBRlGHT'schen Krank- 
heit oder Morbus Brightii chronicus der Alteren) charakterisirt 
sich klinisch besonders durch die meist sehr bedeutende Albu- 
minurie mit sehr reichlichen Fibrinzylindern und starke Wasser- 
sucht, anatomisch durch die beträchtliche Grösse der Nieren und 
das fettähnliche Aussehen der Kortikalis, mikroskopisch durch die 
noch ausgeprägtere Entartung der Epithelien als bei N. p. a. — 
Genesung ist nach nicht zu langem Bestände noch möglich, auch 
unvollständige Genesung durch sekundäre, meist partielle Nieren- 
schrumpfung. In letzterem Falle sind die Nieren nicht kleiner 
als normal; der linke Hcrzventrikel hypertrophisch. — Meist be- 
ginnt die Krankheit schleichend, bei anhaltenden Eiterungen 
(Knochenleiden, Syphilis, Phthisis), anhaltender Einwirkung von 
Feuchtigkeit und Kälte, Malaria, sehr selten geht sie — nach 
Scharlach, Schwangerschaft, Erkältung — aus der akuten Form 
hervor. 

b) Nephritischron. interstitialis, die Schrumpf n i ere. 
Sie geht entweder aus der chronischen parenchymatösen X. 

hervor oder ist eine selbständige Bindcgewebsinduration, 
genuine Schrumpfung oder Granularatrophie der 
Xieren, Xierenc i rrhose „(»der -sklerose, 3. Stadiuni 
des Morbus Brightii der Älteren, ein Krankheitsprozess, bei 
welchem eine primäre chronische entzündliche Wucherung des* 
Bindegewebes zwischen den Harnkanälchen zur sekundären 
Schrumpfung und beträchtlichen Verkleinerung der Xieren und 
an den cirrhotischen Stellen zum Untergang der Harnkanälchen 
führt, während das erhaltene Epitel normal bleibt, wodurch die 
Oberfläche granulirt erscheint. Hydrops ist fast nur im Terminal- 
stadium vorhanden, die Albuminurie intermittirend, meist minimal 
(und nur die Folge des erhöhten Blutdruckes in den Gefäss- 
knäueln), der Verlauf sehr langsam, wenn nicht ein urämischer 
oder apoplektischer Anfall den Tod plötzlich herbeiführt; ausser- 
dem sind die auffallendsten Symptome die nächtliche Polyurie, 



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Nephrorrhaphie 329 

der charakteristisch gespannte Puls, die Hypertrophie des linkeu 
Herzventrikels und die häufige Sehstörung (Retinitis nephritica). 
Bei manchen unter dem Begriff der enronischen interstitiellen 
m Nephritis subsmnmirten Xierenaffektionen bildet den Ausgangspunkt 
des Leidens eine fibrös-hyaline Degeneration, bezw. Arterioskle- 
S rosis der Xierengefässe, die sich auch an den Gefässen des übrigen 
PH Körpers findet (Gull und Sutton's Arter io-capülary-fibrosis, 
V-3 Ziegler's arteriosklerotische Schrumpf niere). Hierher 
Q gehört: 

X. uratica („gouty kidney") partielle oder mehr diffuse inter- 
r^-K stitielle X., hervorgerufen durch Einlagerung von hamsauren Sal- 
zen bei Arthritikern. 
cf. Infarkt. 

N. saturnina die durch chronische Bleivergiftung hervor- 
gerufene Form der interstitiellen X. 

X. suppurativa X ierenabszess, zirkumskripte oder auch 
mehr diffuse Xierenentzündung mit Abszessbildung, z. B. infolge 
fVj reizender Konkremente, Venvundungen, metastatischer Embohen, 
'"^ fortgeleiteter Entzündungen (vd. Pyelitis) und aus anderen zum 
i Teil unbekannten Ursachen, von meist letalem Verlauf, falls nicht 
^3 mit Durchbruch des Eiters (nach den verschiedensten Richtungen) 
£~ Heilung erfolgt. 

X. caseosa s. Xephrophthisis käsige Degeneration der 
Xieren. gewöhnlich verbunden mit Tuberkulose anderer Teile des 
Harn- und Geschlechtsapparates, seltener anderer Organe. 

cf. Pyelonephritis, Perinephritis, Hydronephrose, Degeneratio amy- 
loides, Morbus Brightii. 

Xephrolithiiisis (6 Xt&os Stein) Konkremente — 
Sand (Gries) oder Steine (Calculi renum) in den Xieren hervor- 
gegangen aus normalen oder abnormen Harnbestandteilen, teils 
im Xierengewebe selbst, teils im Xierenbecken. Die Sandanhäu- 
fungen in den Pyramiden nennt man „Infarkte 14 . — Die Kon- 
kremente bestehen entweder aus harnsauren Salzen oder oxal- 
saurem Kalk, Cystin (Blasenoxyd), Xanthin, Fibrin, Phosphaten^ 
kohlensaurein Kalk. 

cf. Pyelitis, Pyelonephritis, Arthritis. 

Nephrolithotomie (re/wo schneiden) Extraktion 
von Xierensteinen nach vorhergehendem Lumbarschnitt, wie 
l>ei Xephrotonue. 

Xephrophthisis vd. Xephritis caseosa. 

Xephrorrhaphie (6(L-tto> nähen) Xierennaht, kommt 
bei Wanderniere zur Ausführung in der Weise [nach Ckcherelli], 
<lass die Fettkapsel der Xiere mit vier Doppelnahten an die 
zwölfte Rippe fixirt wird. 



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330 Nephrotomie 

Nephrotomie (tittvco schneiden) diejenige Operation 
bei welcher mau in der Lendengegend (wenn Geschwulst oder 
Fistel vorhanden ist) einen tiefen, bis in die Nieren oder das 
Nierenbecken dringenden Einschnitt macht, um einen in diesen 
Teilen ruhenden Stein herauszuheben oder Eiter zu entleeren. 

Nervina (sc. remedia) Mittel, welche vorzugsweise 
auf das Nervensystem einwirken. 

(N.) excitantia s. analeptica (Stimulantia, Paregoriea) 
Mittel mit erregender W 

N. antispasmodica krampfstillende Mittel. 

N. an ti neural gica Mittel gegen Neuralgien. 

Neuralgie (ro revgov Nerv [Galkx], v. vfvhv =r nutre 
nicken, quia nervi membra nutare et articulos ßectere faciuntl 
ro ä'/.yoz Schmerz) symptomatische Bezeichnung von Krankheiten 
der sensiblen Nervenapparate, deren Hauptsymptom der auf be- 
stimmte Nervenstämme oder Zweige mit ihren Ramifikationen lo- 
kalisirte Schmerz ist ; derselbe tritt augenscheinlich sj)ontan und 
in mehr oder weniger ausgesprochenen Anfällen auf. 

Je nach Ursachen, Verlauf etc. kann man von hysteri- 
schen, anämischen, dyskrasischen, rheumatischen, 
toxischen, syphilitischen, typischen, atypischen, 
akuten, chronischen etc. Neuralgien sprechen. 

cf. Hyperästhesie, Arthralgie, Ischins, Clavus, Koccygodynie, Cysto - 
spasmus, Mastodynie, Prosopalgie, Neuritis. 

Xeurasthenia (« priv., t<> o&ho* Kraft) funktionelle 
Nervenschwäche (zerebralen oder spinalen Ursprungs). 

Man unterscheidet je nach der Beschränkung oder Ausdeh- 
nung der Symptome auf das Gebiet der Gehirn- und Rücken- 
marksnerven eine N. cerebralis, spinalis, bezw. cerebrospinalis. 

cf. Cerebrasthenie, Myelasthenie, ferner: Neurasthenia retinae. 

Xeurektomie vd. Neurotomie. 

INeuridin , ungiftiges Ptomai'n, welches in grosser 
Verbreitung in faulenden und frischen Organen gefunden wird. 

Neurin, äusserst giftiges Ptomai'n, in seiner Wir- 
kung identisch dem Muskarin. 

Xenritis Entzündung der Nerven. 

Nach dem ursprünglichen Sitz der Entzündung sind zu unter- 
scheiden: 1) die Entzündung der äusseren Scheide des Nerven — 
Perineuritis (s. d.). 2) Die Entzündimg des Bindegewebes 
zwischen den einzelnen Nervenfascrbündeln — Neuritis inter- 
stitialis. 3) Die Entzündung der Nervenfasern selbst — Neu- 
ritis parenehymatosa. Diese drei Formen sind gewöhnlich 



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Neuritis 



331 



zusammen vorhanden, können aber auch mehr oder weniger für 
sich allein bestehen. 

Nach der Intensität und dem Verlauf spricht man von: 

N. acuta tritt auf mit Hyperämie imd kleinzelliger Infiltra- 
tion in das Neurilemm (Perineuritis — s.d.), weiterhin mit Zer- 
fall des Marks der Nervenfasern, fortschreitend bis zur Vereite- 
rung und totalen Erweichung. 

N. chronica ist charakterisirt durch Neubildung von Binde- 
gewebe im Neurilemm (Sklerose), zuweilen mit knotiger oder 
spindelförmiger Auftreibung (N. nodosa) mit Beteiligung der 
Nervenfasern, welche samt Achsenzylinder fettig degenerircu und 
atrophisch zu Grunde gehen können, ähnlich der degenerativen 
Atrophie der Nerven, welche sich ohne entzündliche Prozesse 
infolge einer Abtrennung von den trophischen Zentren (Ganglien- 
zellen in den grauen Vorderhörnern des Rückenmarks) oder Zer- 
störung letzterer entwickelt. 

N. hypertrophiea Verdickungen peripherer Nervenstänmic 
der gelähmten Seite im Gefolge von Gehirnblutung. 

N. in i irr aus kontinuirliche oder sprungweise (N. dissemi- 
nata) Weiter Verbreitung des Entzünduugsprozesses in zentrifugaler 
oder zentripetaler Richtung (X. descendens und ascendens, 
welche erstere zu Myositis und Muskelatrophie, letztere zu einer 
entzündlichen Mitbetciligung des Rückenmarkes führen kann). 
Diese Form ist gewöhnlich traumatisch und wird durch das Ein- 
dringen von bakteriellen Entzündungserregern bedingt. 

N. sympathiea sekundäre N. bei primärer der anderen Kör- 
perseite, ohne dass die Entzündung durch das Rückenmark fort- 
geleitet wäre. 

N. optica, N. retrobulbaris Entzündung des Sehner- 
vens tarn mes, Ursache mancher Fälle von Amblyopie und Amau- 
rose. Sie kommt in akuter Weise vor, bloss mit Ischämie der 
Netzhaut, oder mit Papillitis (s. d.), selbständig, oder sekun- 
där bei manchen fieberhaften Krankheiten, durch rheumatische 
Einflüsse, Unterdrückimg der Menstruation oder habitueller Ab- 
sonderungen, und in chronischer Form, durch Syphilis und 
zahlreiche andere Ursachen [nach Gräfe und Sämisch, Hdb.]. 

N. axialis [Förster] eine besondere Form der vorhergehen- 
den N. o., bei welcher die in der Mitte des Nervus opticus 
verlaufenden Nervenfasern erkrankt sind, welche die zentralen Par- 
tien der Retina versorgen. Die Folge dieser Affektiou ist ein 
zentrales Skotom. 

Nach den Ursachen kann man noch unterscheiden: trau- 
matische, spontane oder primäre, von benachbarten Entzündungen 
fortgeleitete oder sekundäre, toxische, lepröse etc. N. 



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Neuritis 



Als primäre Form gilt die 

Neuritis brachialis, die primäre Entzündung des Plexus 
brachialis, analog zur Ischias. Sie besteht entweder in einer 
Perineuritis oder einer Entzündung der Nervenwurzel (N. radi- 
eularis) und scheint in der Mehrzahl der Fälle unter dem Ein- 
fluss der Gicht zu entstehen; sowie die 

>\ multiplex, multiple dejrenerative Neuritis, Poly- 
neuritis bei der in vielen Nerven gleichzeitig oder rasch hinter 
einander und meist symmetrisch nach Art der Infektionskrank- 
heiten mit Fieber und Allgemeinstörungen eine akute Entzündung 
entsteht, die mit ziehenden und reissenden Schmerzen, grosser 
Empfindlichkeit der Haut und der Nerven gegen Druck beginnt 
und eine rasch fortschreitende Lähmung — meist zuerst der 
Unterextremitäten — mit Nerveu - und Muskelatrophie , Ent- 
artungsreaktion und Erlöschen der Haut- und Sehnenreflexe im 
Gefolge hat. 

P^ine erst in neuerer Zeit mehr gewürdigte toxische Form 
ist die 

Chronische N. der Alkoholiker, Pseudotabes oder 
Ataxie der Alkoholiker, eine besondere Art der vorigen 
Form, beginnt ebenfalls mit reissenden Schmerzen in den unteren 
(seltener oberen) Extremitäten, wozu sich bald früher, bald spater 
Paresen mit Muskelatrophie oder Ataxie gesellt. Gewöhnlich be- 
steht dabei Anästhesie, besonders in den Unterschenkeln. Der 
Patellarreflex ist erloschen. Im Gegensatz zur Tabes dorsalis 
(s. d.) besteht fast nie reflektorische Pupillenstarre, Blasenstörungen, 
Gürtelschmerz. 

Gowers unterscheidet folgende Formen der multipeln X.: 

I. toxische durch die Anwesenheit eines bekannten Giftes 
im Blute hervorgerufen, das sein kann ein: 

a) metallisches: Blei, Arsenik, Silber u. s. w. , b) ein 
nicht metallisches: Alkohol (chronische N. der Alkoho- 
liker (s. d.) oder durch eine mit dem Zucker verwandte Substanz 
im Blute bei Diabetes (diabetische Polyneuritis), 

II. toxikä mische : hervorgerufen durch ein unbekanntes, 
meist organisches oder chemisches Virus im Blute. Diese zer- 
fallen in zwei Klassen: primäre, bei welchen die N. eine Teil- 
erscheinung der ersten Wirkung des Virus ist, das entweder von 
aussen in den Körper gelangt (Beispiel: lepröse Neuritis) oder 
im Körper gebildet wird (Beispiel: septikämische Neuritis) 
und sekundäre, bei welcher das Virus zuerst eine bestimmte 
Krankheit hervorruft (Beispiel: diphtherische, tuberkulöse 
u. s. w. Polyneuritis), 

III. endemische: hervorgerufen durch niedere Organismen. 
Die Hauptformen sind: die Malarianeuritis (auf die Beine be- 
schränkt) und die Beri-Beri (s. d.), 



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Neuroretinitis 333 

JV. rheumatische: die multiple im Anschluss an Er- 
kältuugeu auftretende N., 

V. kaehektische und senile Formen, bei welchen dir 
Degeneration der Nerven eine Teilerscheinung einer mangelhaften 
Ernährung zu sein scheint (Beispiel: atheromatöse N.). 

Neurodermatosen [Tommasoli] (r<i Aegfia Haut) Neu- 
rosen der Haut. T. teilt sie ein in: 1) Spasmodermien, 
wozu er die Cutis anserina rechnet, 2) Aesthesiodermien 
<s. d.): Anästhesie, Parästhesie, Hyperästhesie, Neuralgie, Pruritus, 
Hitzegefühl etc. 

Neurodermitis* Ausdruck für Hautentzündung neuro- 
pathischen Ursprungs. Als solche wird von französischen Autoreu 
z. B. der Liehen circumscripta s. simplex chronicus angesehen. 

Neurogliom (vd. Gliom) i. q. Neuroma verum. 

Btenroma (v. vsvgöot anspannen) im allgemeinen: Neu- 
bildung an den Nerven. 

N. verum, N. im enteren Sinne, der Hauptsache nach aus 
Nervenfasern liestehend, mit mehr oder weniger reichlichem Binde- 
gewebe. 

a) N. myelinicum mit markhaltigen doppelt konturirten 
Fasern, mit markweissem Aussehen. 

b) N. a myelinicum mit lauter äusserst feinen markloseu 
Fasern, die gewöhnlich eine vielfach verfilzte Masse darstellen, 
von grauem Aussehen. 

N. spurium andersartige, den Nerven aufsitzende Geschwülste, 
meist Fibrome oder Myxome, Sarkome, Gummata etc. 

N. plexiforme eine besondere Form von aus einzelnen ge- 
trennten Strängen bestehenden Neuromen, die knollig gewunden 
sind, eine in der Kegel fötale Erkrankung, die mit Vorliebe ihren 
Sitz an den Zweigen des Trigeminus in der Orbita oder am oberen 
Augenlid hat. 

Neuroparalysis jtagd/.r<u; Lähmung) Nervcn- 
lähmung, Lähmungen (sowohl motorische als sensible etc.). 
welche in einer Affektion des Nervensystems ihren Grund haben. 

cf. Paralysis. 

Neuropathie (™ ™öo; Leiden) Nervenleiden i. q. 
Neurosis. 

Neuropathologie (o xoyoc Wort) Lehre von den 
Krankheiten des Nervensystems. 

Neuroretinitis vd. Papillitis. 



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334 



Neurosis 



Xeurosis (von revgow, vergor) im weiteren Sinne jede 
Erkrankung des Nervensystems ; im gewöhnlich engeren 
Sinne: funktionelle Erkrankung der Nerven, wobei ausgesprochene 
Funktionsstörungen, jedoch keine konstanten anatomischen Läsio- 
nen vorhanden sind. Sie können ihre Ursache peripher (End- 
ausbreitungen), zentral oder median (an einer Stelle der Lei- 
tungsbahn) haben. 

Trophoneurosen Erkrankungen, welche durch fortschrei- 
tende hochgradige Atrophien von Muskeln oder Körperteilen 
charakterisirt sind, die in Zusammenhang mit Affektionen der 
betreffenden trophischen Zentren gebracht werden, als welche für 
die Muskeln die multipolaren Ganglienzellen in den Vorderhörnern 
der grauen Rückenmarkssubstanz angesehen werden. Auch Affek- 
tionen des Sympathikus (vasomotorische Einflüsse, v asomo to- 
risch- trophische N.) scheinen eine Rolle bei diesen Affektionen 
zu spielen. 

cf. Paralysis glosso-pharyngo-lab. progressiva, Atrophia musc. prog.» 
Heniiatrophia facial., Pseudohypertrophia musc. 

Emotions-N. nennt Berger atrophische Lähmungen, Ner- 
venaffektionen verschiedener Art, welche durch heftige psychische 
Erregungen entstanden sind. 

Vasomotorische N. Erkrankungen, welche auf eine Affek- 
tion der vasomotorischen Nerven zurückgeführt werden. 

ct. Angina pectoris, Hemicrania, Morb. Basedowii — Ergotismas (?) 

Anästhesie, Hyperästhesie, Neuralgie, Parästhesie, Paralysis, 

Spasmus. — Neuritis. 

Eine besondere, neuerdings als selbständige Erkrankung be- 
tonte Form der Neurose ist: 

Traumatisehe Neurose charakterisirt durch im Gefolge 
irgend eines Traunia's auf dem Wege der Shock Wirkung ent- 
stehende psychische und allgemein nervöse Störungen wie Schmer- 
zen, Sensibilität«- imd Motilitätsstörungen ohne anatomisches Sub- 
strat und Veränderungen des psychischen Verhaltens. Objektiv 
wichtige Symptome derselben sollen sein: Gesichtsfeldein- 
engung, Anästhesie und die sogenannte Rumpf'sche trau- 
matische Muskel reaktion. Die Lehre von der trauma- 
tischen Neurose wird, so jung sie ist, von verschiedenen Seiten 
aufs energischste bekämpft. Während Oppenheim von dem Be- 
griff traumatische Neurose fest überzeugt ist, sieht Charcot, 
welcher vorschlägt den Namen traumatische Neurose ganz fallen zu 
lassen, in ihr eine Erscheinungsform der traumatischen Hysterie 
oder Hysteroneurasthcnie oder — Melancholie, ein Standpunkt der 
von Schtltze und Jolly im Wesentlichen geteilt wird. 

Xenrotomie (zifAvm schneide) Nervendurchschnei- 
dung, älteres Operationsverfahren bei hartnäckigen Neuralgien; 
sicherer ist die 



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Nirlus 



335 



Xeurektoinie Ausschneidung eines Stückes des 
schmerzhafte n N erve n. 
cf. Rescctio. 

Xeurotomia optieo-eiliaris (rf,«rw schneiden) die 

Durchschneidung des Nervus opticus und der Ziliarnerven, 
ein von Rheixdorff-Schöler an Stelle der Enueleatio bulbi 
gesetztes operatives Verfahren, das jedoch die Gefahr einer sym- 
pathischen Augenentzündung involvirt. Nach französischen Auto- 
ren soll dieses Verfahren von Rondeau herrühren. 

Neuro tonie {teivra spannen) die Nervendehnung, 
ein von v. NUSSBAUM an Stelle der Neurotomie angegebenes 
Verfahren, das nach dem gegenwärtigen Stande unseres Wissens 
bei Reizungszuständen der motorischen, sensiblen oder trophisehen 
Nerven indizirt erscheint, welche durch andere therapeutische Ein- 
griffe nicht beseitigt werden können. Man unterscheidet eine 
blutige Nervendehnung, wobei der zur Dehnung bestimmte 
Nerv oder Nervcnplexus durch Inzision zugänglich gemacht wird, 
und eine unblutige N., welche nur am Ischiadicus durch Hy- 
perflexion im Hüftgelenk bei gestrecktem Knie und gebeugtem 
Fussgelenk ausgeführt wird. 

\icotianisnius [Nicotin narkotisches Alkaloid in 
den Blättern von Nicotiana Tabäcum, das vom franz. 
Gesandten Nicot 1560 zuerst aus Amerika nach Europa 
gebracht wurde) Tabak Vergiftung. N. acutus verläuft 
als narkotische, in höheren Graden rasch tötliche Vergiftung mit 
Konvulsionen und intensiven Kollapserscheinungen. N. chro- 
nicus scheint bei besonderer Disposition und ungewöhnlichem 
Missbrauch in Form der „Tabaksamblyopie* zuweilen mit ner- 
vösem Herzklopfen und Gliederzittern vorzukommen. 

Xictitatio (nictare, winken, mit den Augen win- 
ken, von nictre zwinken) s. Spasmus nictitans das 
krampfhafte Blinzeln, krampfhaftes, zuweilen auch nur ge- 
wohnheitsmässiges Augenblinken, in raschem Wechsel zwischen 
Öffnen und Sehliessen der Lidspalte bestehend und bei der wirk- 
lich spastischen Form durch klonischen Krampf des Muse, orbicul. 
der Augenlider bedingt. 

cf. Blepharospasmus, Nystagmus. 

Mgrismus oder Xigritios cutis (niger nächtig, 
schwarz) vd. Melasma. 

Xigvities linguae eine seltene Äff ektion der Zunge, 
die in der Bildung grösserer oder kleinerer schwarzer Flecke be- 
steht, deren Ursache sporenförmige kleine Organismen sind. 

\irlns (?) Blatte rmaser, die sich nicht zur Pustel 
entwickelt. 



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336 Nodulodermitis 

Nodulodermitis (Barb. vd. nodulus, tö dm/ua) Haut- 
entzündung, die zur Knotenbildung fuhrt vd. Plaso- 
dermatosen. 

Nödas, Dem. Nodulus, Tubereulum Knoten oder 
Knötchen (cf. Milium, Phyina, Papula, Tophus). 

Als Affektiou der äusseren Oberfläche: solide mit 
Epidermis bedeckte rundliche Geschwulst der Haut von der Grösse 
einer Linse bis Haselnuss. 

N. arthriticus vd. Arthritis urica. 

N. gelatinosus Sulzknoten, knotige Anhäufung der 
Wharton 'sehen Sülze am Nabelstraug. Befinden sich darin Ge- 
fässschlingen, so spricht man von N. varieosus. 

Noiuä {fj vofit) die Weide, auch um sich fressender 
Schaden, von vifta> weiden) s. Cancer aquaticus Wasser- 
krebs, eine von der Gegend hinter dem Mundwinkel ausgehende, 
rapid sich ausbreitende gangränöse Zerstörung der Wange, vor- 
zugsweise bei heruntergekommenen Kindern und solchen, welche 
schon an anderen Mundkraukheitcn leiden. 

Nona ein wahrscheinlich der Influenza zugehöriger Krank- 
heitszustaud, dessen Haupterscheinung Schlafsucht, bzw. tiefes 
Koma ist, ohne nach weisbares anatomisches Substrat. 

No-restraint (engl), „Xichtzwang", die freie Behand- 
lung Geisteskranker, d. i. ohne mechanische Beschränkung. 

NoHocomiuni (lat., griech. r« voooy.ofisTov von t) röaa; die 
Krankheit u. xo/iico pflegen) das Krankenhaus. 
Adj.: nosocomialis (z. B. Gaugraena nosoc.). 

Nosographie, Nosologie (yoäq>o> schreiben, 6 ?.6yoc 
Lehre, Wissenschaft) i. q. Pathologie. 

Nostalgie (6 vootoc Heimkehr, t<> a).yog Schmerz) das 

Heimweh, in höheren Graden eine Form der Melancholie, vd. 
Melancholia nostalgiea. 
cf. Apodemialgie. 

Notalgie (« vwxog der Rücken) Rückenschmerz im 
allgemeinen. , 

Notencephalie (6 eyxeyaXos Gehirn) diejenige Form 
von An- oder Exencephalie, wobei das Gehirnrudiment des stark 
nach hinten gebeugten Kopfes bei gleichzeitiger Cranio- und Rha- 
chischisis ganz im Nacken liegt. 

Nothus (Adj. vo&og unehelich) unecht , falsch. 

Noxe (noxa von noceo schaden) die Schädlichkeit im 
allgemeinen, die krankmachende Ursache. 



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Obduktion 



337 



Kabecula s. Xeplu'lium das „Wölkchen" auf der 
Hornhaut, leichtester Grad narbiger Trübung, 
et'. Leukona. 

Kncleär (nucleus Kern), was zum Kern gehört, bes. in 
Gebrauch von der grauen (Kern-)Substanz des Rücken- und ver- 
längerten Marks, z. B. nukleare Lähmungen, d. h. solche, 
bei denen die grauen Vorderhörner, insonderheit ihre Ganglien- 
zellen lädirt (atrophisch) sind. Dagegen versteht man unter su- 
pra- und inf ranucleären Lähmungen diejenigen, bei welchen 
die Läsion in den motorischen Bahnen oberhalb der Kerne (Py- 
ramidenbahnen), bzw. unterhalb derselben, d. h. in den vorderen 
Wurzeln oder peripheren Nerven gelegen ist 

\ullipura (nullus kein, parere gebären) vd. Primipara. 

Nnmmnlosis {nummus Münze) münzenförmig. 

Xyktalopie (ij vv£, »i;xro'c Nacht, dkaog blind, 7j tay, 
o)jz6g Sehen) Tagblindheit, Hyperästhesie der Retina, ein 
Zustand, in * welchem bei gewöhnlichem Tageslicht das Sehver- 
mögen bedeutend herabgesetzt, dagegen in der Dämmerung und 
bei gedämpfter Beleuchtung besser oder normal ist. — Nicht 
ganz identisch damit ist die durch Sehueeflächen verursachte 
Blendung (Schneeblindheit), welche vorübergehend ist und nur 
ausnahmsweise auch zur bleibenden N. führt [nach Gräfe und 
Sämisch]. 

et'. Hemeralopie. 

Nymphomanie (/} vvttqp^ junges mannbares Mäd- 
chen, rj juay/a Wahnsinn), Furor uterinus, Mannstollheit, 
eine Monomanie weiblicher Individuen, wobei die krankhaften 
Ideen oder Triebe auf die Verheiratung oder Begattung ge- 
richtet sind. 

cf. Satyriasis. 

Nystagmus (gr. H. v. ward^co nicken, v. vevio, nuö), 
Instabilitas ueulorum, das Augenzittern, wobei die beiden 
Augen durch unwillkürliche, überaus rasche, kleine alternirendc 
Zusammenzichungen antagonistischer Muskelpaare in oszillatorischer 



Je nach dem Modus der Bewegung unterscheidet man N. os- 
cillatorius und rotatorius. 
ef. Nietitatio. 

Obduktion (lat. eigentl. Verhüllung, Bedeckung). 

Die jetzige Bedeutung erklärt sich aus dem Verb, obductre vor-, 
heran-, entgegenfahren oder dem spätlat, Sprachgebrauch 
von obducere, öffnen, verletzen, z. B. xtomachutn. Cael. Aur. 
chron. 3, 2, 28) Leichenöffnung, 
cf. Nekropsie, Sectio. 
Roth'* Klinische Terminologie. 4 Aufl. 22 




werden. 



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338 Obesitas 

Obesitas (v. ob-tdtre wegfressen — Syn.: Adiposita8 y 
Lipomatosis universalis, Pimelosis, Polysarkie, Polypionie, 
PhysJconie) Fettleibigkeit, übermassige Fettinfiltration de« 
Bindegewebes an allen Stellen, wo sich normalerweise Fett findet, 
besonders im Unterhautzellgewebe und im Netz, in den höchsten 
Graden (Fettsucht) auch an solchen Stellen, wo sich normal 
fast gar kein Fett befindet, wie zwischen den Muskelbündeln, am 
Endokard, wozu noch fettige Infiltrationen der Parenchymzellen 
der Organe (lieber, Niere) kommen. 

Ohl Iteration (obliterare etwas auslöschen, kassiren, 
von Uno streichen — wovon Hiera Buchstabe — oblintre 
überschmieren oder zuschmieren, verstopfen) s. Obso- 
leseenz <s. d.), von Gefässeu, Kanälen und Höhlen gebrauchte 
Bezeichnung: Vergeh Ii ess ung und Verödung, Schrumpf un g. 

Obiinbilatfto (nubes Wolke) der Verlust des Be- 
wusstseins, die Ohnmacht, 
cf. Eklyse, Lipothymic. 

Obaoleseenz (obsolesco v. ob, obs u. oleo, odor, d£co eigentl. 
also „verduften", nach und nach vergehen, sich ab- 
nützen) i. q. Obliteration. 

Obstetricius {obstetrix Hebamme, Beisteherin v. 
ob-stare dabeistehen) geburtshilflich, z. B. Ars obstetricia, 
die Geburtshilfe. 

Ob&tipatio fälschlich gebraucht für Constipatio <s. d.). 

Obstipns (v. stipes Stab, stipare drängen, neigen) 

seitwärts geneigt, z. B. Caput obstipum, vd. Torticollis. 

O hat r actio (ob-struere entgegenbauen, verrammeln, 
verstopfen) die Verstopfung, gewöhnlich nur im Sinn von 
(3. alvi die Stuhl verstopf ung, Constipatio. 
cf. Obturatio. 

Obturatio (lat. Verstopfung, z. B. aurium bei Vulg. 
eceli. 27, 15, v. obturare verstopfen = ob-staurare v. aravgog 
Stab, Steuer) Zu stopf ung — aber nicht im Sinn von Ob- 
struetio alvi. 

Obturatur ein zum Zustopfen dienender Gegenstand, ins- 
besondere die zur Okklusion von Defekten des harten Gaumens 
dienenden Metall- oder Kautschukplatten. 

Occlusio (oeclüdtre verschliessen, v. ob u. claudo) die 
Verschliessung. 

Okklusivverband zur einfachen Verschliessung oder 
Deckung dienender Verband, z. B. für das Auge, gegenüber Kom- 
pressionsverbänden u. a., für Wunden zum Abscnluss der Luft 
(anti- oder aseptischer O. -Verband — Volkmanx) etc. 



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Oedema 



339 



OclironoKis (toy.gö? = */o>ooc ockerfarbig, gelblich, 
?y voooc Krankheit) darunter versteht Virchow den (einmal 
beobachteten) farbigen Zustand der Gewebe besonders der Knorpel 
und Bandseheiben der Gelenke infolge einer vitalen Imbibition 
der Interzellularsubstanz mit löslichen Derivaten des Blutfarb- 
stoffes, eine Art „chromatischer Dyskrasie". 

cf. Melanosis. 

Ochropyra (ro .tPo Feuer) das gelbe Fieber, 
cf. Febris flava. 

Oriontalgie (6 öfiov?, Sdöno? Zahn, t6 äkyog Schmerz) 

Zahnschmerz. 

Odontinoid (Odontin, Dentin, Zahnbein, t6 f ttog Ähn- 
lichkeit) vd. Odontom. 

Odontologie (o /o><k Wort, Lehre) die Zahnheil- 
kunde. 

Odontome (v. oöovroco zahnen, od. mit Zähnen ver- 
sehen) monströse Zähne, Zahngeschwülste, welche sich von 
der Matrix aus in der Zeit der Zahnentwicklung vor der Aus- 
bildung der Dentinumhüllung der Pulpahöhle bilden, also weich 
sind. — Geschwülste, welche nach dieser Zeit in der Substanz der 
Matrix auftreten und hart sind, hat man Odontinoid e oder 
Dentinoide genannt. 

Je nachdem die Missbildung die Wurzel oder zugleich die 
Krone betrifft, unterscheidet man [Baume] Wurzel- und Kronen-O. 
(Odontomata radicularia und coronaria). 

cf. Epulis, Parnlis. 

Oedema (t<> oTHtjfia Aufschwellen, v. oiöe<o schwellen) 
die hydropische Infiltration der Parenchyme, patho- 
logische Anhäufung von Lymphe in den Lymphgefässanfäugen 
(^palträumen), sowie in anderen Gewebsspalten und innerhalb 
zelliger und faseriger Elemente. 

cf. Hydrops, Anasarka. 

0. fujrax (fugax flüchtig) ein besonders bei Chlorotischen 
wenn sie sich dem Einfluss kalter Luft aussetzen, vorübergehend 
auftretendes 0. des Gesichtes, der Augenlider, des Halses und 
oberen Brust teils. 

Akut-purulentes (oder malignes) 0., von Pirogoff einge- 
führte Bezeichnung für eine im Anschluss an tiefe Wunden, 
schwere offene Knochenbrüche, subkutane Injektionen auftretende, 
schnell fortschreitende Verjauchung der Weichteile, welcher ein 
teigiges, starkes Odem, unter reichlicher diffuser Beimischung von 
Eiterzellen und entzündlicher Rötung der Haut, sowie ausgedehntes 
Hautemphysem vorauszugehen pflegt. Es pflegt in wenigen 
Tagen den* Tod herbeizuführen. Durch Koch haben wir als eine 

22* 



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340 Oedeme blanc des hysteriques 

der Ursachen den Bacillus des malignen Odems" (vd. Bacillus) 
kennen gelernt. 

0. glottidis s. Laryngitis phlegmonosa Glottisödem ist 
nur selten ein eigentliches <hydropisehes) O., sondern gewöhnlich 
eine entzündliche serös-eiterige Infiltration und zwar weniger der 
Glottis (Stimmbänder), als der Schleimhautfalten des Larynxein- 
ganges, sowie des Kehldeckels. 

Die akuteste Form des Glottisödems, wie sie am häufigsten 
nach Eindringen von Fremdkörpern in den Larynx entsteht, 
führt oft uuter den Erscheinungen der Asphyxie in 'kürzester Zeit 
zum Tode. 

0. pulmonum Luugen-O., Flüssigkeitserguss in die Höhle 
der Lungenalveolen. O. p. inveterata, inveterirtes Lungeu-O.. 
blasse Herde der Lungen von sulziger Beschaffenheit durch er- 
gossenes Serum, aus protrahirter Atelektase hervorgegangen. 

Oedeme blanc des hysteriques [Sydexham] bei 
hysterischeu Anfällen beobachtete der hydropischen ähnliche 
»Schwellung der Haut, die gewöhnlich keinen Fiugerdruek hinterlässt. 

Oedeme bleu des hysteriques eine bei hysterischen 
Anfällen beobachtete bläuliche bis fast schwarze Verfärbung der 
geschwollenen Haut. [Charcot]. 

Oenomanie (6 o/Vo? Wein, uavia Wahnsinn) i. q. 

Delirium tremens. 

Oeaophagektomie (o otoo<päyo$ Speiseröhre, [Aristo- 
teles: to avvfx^ T<ß orofiau = continuatio oris\ v. oTo) ungebr. 
Thema für (pego) führen; «payr-tr essen, iy.refivo) heraus- 
schneiden) die Resektion des Oesophagus zur Beseitigung 
von durch Narben oder Neoplasmen bedingten Strikturen. 

et*. Oesophagotomia. 

Oesophagismus vd. Dysphagia spastiea. 

OeaophagitiH Entzündung der Speiseröhre, Dys- 
phagia inflainiiiaturia insoweit Schluck besch werden dadurch her- 
vorgerufen werden. Zenker und Ziemssex in [ZH] unterscheiden 
folgende Formen: 

0. eatarrhalls desquamativer Katarrh der Speiseröhre, 
kommt akut und chron i sch vor, mit Verdickung, Lockerung 
und Abstossung des Epithels, mit katarrhalischen Geschwüren 
und in chronischen Fällen mit hypertrophischen Verdickungen der 
Schleimhaut. 

0. follicularis Anschwellung der spärlichen Schleimdrüsen 
des Oesophagus, mitunter zu Follikulären Geschwürcheu fort- 
schreitend, von unbekannter Ätiologie. 

0. flbrinosa (crouposa) et diphtheriea seltene, meist nur 
in geringer Ausbreitung und nur sekundär bei der gleich- 



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Oesophagussteno8e 



Mi 



namigen Rachenaffekt ion oder bei Allgeineinleiden vorkommende 
krupöse und diphtherische Erkrankung der Oesophagusschleimhaut. 

0. variolosa Poekeneruption auf der Si>eiseröhrenschleimhaut. 

0. phlegmonosa eiterige Entzündimg der Submueosa von 
grösserer oder geringerer Ausdehnung, meist sekundär infolge 
Einklemmung von Fremdkörpern oder Perforation von benach- 
barten Eiterherden. 

0. corrusiva durch Verschlucken ätzender Gifte hervorge- 
rufene, mehr oder weniger tiefgreifende Entzündung und Morti- 
fikation der Oesophaguswände. 

Oesophajgonialacie (>//«axax<« Erweichung) Spcisc- 
röhrenerw eichu ng, kommt mit oder ohne die identische 
Magenerweichung stets nur in der unteren Hälfte vor, gewöhnlich 
nur als agonule oder postmortale Erscheinung, in seltenen Fällen 
wahrscheinlich auch während des Lebens, wo sie zur plötzlichen 
Ruptur der Speiseröhre führen kann. In höheren Graden findet 
sich die Schleim- und Muskelhaut pulpös oder gallertartig er- 
weicht. 

OesopliagoplaKtik (xkaaoto formen, bilden) Deckimg 
eines Schleimhautdefektes nach Exstirpation von Narben oder 
Geschwülsten durch Lappen der Halshaut. Die Operation ist bis- 
her noch ohne Erfolg versucht werden (von Ha ck KU). 

cf. Pharyngopla8tik. 

Oesophagottkop {oxoxeo schauen) ein zuerst von 
Stork konstruirtes Instrument zur Besichtigung der Schleim- 
hautfläche der Speiseröhre. Von Lkiter ist ein dem Gastroskop 
ähnlicher Beleuchtungsapparat für die Speiseröhre angegeben 
worden. 

OesophagoMtomie (t6 moua Mund) s. Oesophago- 
tomia externa (/«'/»'f» schneiden) operative Eröffnung 
der Speiseröhre von der Halsfläche aus (zur Entfernung von 
Fremdkörpern, seltener bei narbigen Strikturen oder Neoplasmen 
im oberen Teil der Speiseröhre geübt). 

Von Vacca ist zur Erleichterung der Oe. ein eigenes, der 
BELLoe'schen Röhre ähnliches Instrument erfunden worden, das 
Ektropoesophag (s. d.) durch welches die Speiseröhre in die 
äussere Hautwunde vorgetrieben wird. 

Oe. interna der innere Speiseröhrenschnitt, die Durch- 
schnciduug von Strikturen des Oesophagus mit einem eigenen in 
die Speiseröhre eingeführten Instrument, dem Oesophagotom. 

Oeeophagusektasie (f'xmV« ausspannen, aus- 
dehnen) diffuse spindelförmige Erweiterung der Speise- 
röhre, fast immer infolge von Stenose der Kardia. 

Oesophagasstenose (nm-6g eng, otev6<o engen) Ver- 
engerung der Speiseröhre. 



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342 Oidium albicans 

OTdiuni albicans (fotfiwr Eichen, Uemin. von w»V, 
albicare weissmachen) der Soorpilz, aus weisslicheu verästelten 
Fäden bestehend, die von aneinander gereihten, langgestreckten 
Zellen gebildet werden. 

et*. Stomatomykosis. 

OYdiuni lactis ein Schimmelpilz, welcher sich in 
saurer Milch und in der Butter findet; er bildet verzweigte 
radienartig augeordnete Fäden (Hyphen) ohne »Sporen. 

ölekranarthrokace (ro tb/Jxgavor, eig. o>)Jvt)g xgävov 
Kopf des Ellenbogenbeins) wenig gebräuchlich für Arthro- 
kacc (s. d.) oder Caries artieulationis eubiti. 

Oligämie (o/Jyog wenig, ro atfta Blut) relative 
Anämie, Blutarmut im Sinn von Volums Verminderung der Blut- 
menge. Eine reine (). — wobei die Zusammensetzung des Blutes 
als unverändert vorausgesetzt ist — kommt in höheren patholo- 
gischen Graden nur ganz vorübergehend vor; denn selbst bei 
akuten Blutverlusten verändert sic«h ausserordentlich rasch die 
prozentarische Zusammensetzung des Blutes, indem sogleich 
Hydrämie (Hypalbuminosc mit Oligocythämie) sich einstellt." 

Mau unterscheidet eine 

0. vera durch plötzliche Blutverluste. 

0. serosa s. Hydraemia abnormer Wassergehalt des Blutes, 
wie er erstens vorübergehend nach grossen Blutverlusten und 
dauernd bei Albuminurie (Morbus Brigntii) eintritt. 

0. slcea allgemeine Verminderung des Blutes, durch Eiu- 
dickung (Cholera asiatica). 

Oligoc hromömie (tu yoio^a Farbe) vd. Chlorosis. 

Oligocythämie {loxvzog Bläschen, hier Blutkörper- 
chen) pathologisch verminderter Gehalt des Blutes 
an roten Körperchen, gewöhnlich die Folge von Hypoplasie 
derselben in den cytogenen Organen. 

cf. Anämie, Chlorose, Leukämie, Mikrocythämie, Hypoglobulie. 

Oligotrichia (>} &gt'$ Haar) i. q. Alopecia congenita. 

Oligurie (rö ovgov Harn) abnorm geringe Harn- 
meng e. 

cf. Anurie, Polyurie. 

Olophlyetide prolabiale (o/ooV v. o?M\m verderb- 
lich, rj tpkvxtig Blase) i. q. Heri>es facialis. 

Omagra (6 wuog Schulter, t) äyga Falle) Schulter- 
gicht, Arthritis urica articulationis humeri. 

Omalgia (ro älya; Sehmerz) der Coxalgia (s. d.) ana- 
loge Erkrankung des Schultergelenks. 



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Onychia - 343 

0» rheumatica i. q. Myalgia scapularis. 

cf. Omodynie. . 

Omarthritis (r6 äodoor Gelenk) Schultergclenks- 
entzündung. 

Omarthrokace Arthrokaec |s. d.) dos Schulter- 
geleuks. 

Omodynia (>/ odvvtj Schmerz) Schulterschmerz z. B. 
O. rheumatica, ueuralgica etc. 

Omphalitis (6 ofifpa/.(k Nabel) Nabelentzündung. 

0. neonatorum Versch wärung des Nabclstumpfcs — führt 
öfters zur Bildung einer granulösen Wucherung, Fungus um- 
bilicalis, Nabelschwamm. 

Omphaloeele (fj xtjlt) Bruch) i. q. Hernia umbilicalis. 

Omplialoproptosis (™6 vor, »/ .itüok Fall, von .-rhro» 
der Vorfall der Nabelschnur. 

Omphalorrhagie (oi/vny*« bersten) Nabel blutung 
(Neu geborene r ). 

Omphalotaxis (idoo«> einrichten) Reposition der 
vorgefalleneu Na heisch n ur. 

Onanie, Onanismus (von Onan [Gen. 36, 9], der 
auf diese Weise seinen Geschlechtstrieb befriedigt 
haben soll) die Selbstbefleckung, die künstlich durch 
Reizung der äusseren Geschlechtsteile erzeugte Ejakulation de> 
Samens. O. conjugalis = Congressus interruptus. 

Onkologie (6 oyxo* Geschwulst, 6 X6yo$ Lehre) die 
Lehre von den krankhaften Geschwülsten. 

Onkotomie {xi^ivio schneiden) die Operation (Ex- 
stirpation) von Geschwülsten. 

Onomatomanie (™ dvoua Namen, rj /wr/a Wahn- 
sinn) ein psychisches Dcgene ratio ns zeichen, bestehend in 
AufäÜeu von Angst, Herzklopfen, Atemnot, Schweissausbrüchen, 
die sich bis zur Bewußtlosigkeit steigern können, beim Anblick 
eines dem Individuum neuen Wortes oder eines Buches. 

Onychanxis {6 orv$, örvyo? Nagel = unguis, >} ais?'* 
Vermehrung, v. av$(o) Nagelhypertrophie. 

Onychia Entzündung des Nagelbettes, wodurch der 
Nagel abgehoben zu werden pflegt, zuweilen mit Abszessbildung 
unter dem Nagel. 

0. maligna Nabelbetteutzüudung mit Bildung schwammiger, 
rasch zerfallender Granulationen, Abhebung und Zerfall des 
Nagels unter einer äusserst fötiden Ulzeratiou, aus nicht näher be- 
kannter Ursache. 



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344 



* 



Onychogryposis 



0. syphilitica syphilitische Erkrankung der Nägel, 
ist entweder eine O. sicca, wobei die Nägel dünn, gerifft oder 
sehr brüchig werden, so dass sie absplittern (Psoriasis unguium), 
oder eine Paronychia syphilitica (s. d.). 

0. lateralis Vd. Paronychia. 

cf. Onychomykosis. 

Onychogryposis oder Onychogryphosis (yovjiö^ 
krumm yovxda)) Curvatura unguium, krallenartige Ver- 
bildung der Nägel, oft mit Höcker- und Zapfenbildung auf 
der Rückenfläche, auf einem hyperplastischen Zustande der ge- 
samten Nagelmatrix beruhend. 

cf. Digitus hippokraticus. 

Onychomykosis {ö firxrjs Pilz) Pilzkrankheit der 
Nägel (teils Durchwucherung mit dem Favuspilz — ü. favosa, 
Favus unguium , teils mit dem Pilz des Herpes tonsurans — 
O. trichophy tina, Herpes tonsur. unguium), wobei die Nägel 
aufgelockert und verdickt erscheinen, eine schmutziggelbe Farbe 
und rissige, abblätternde Oberfläche haben. Bei Favus tritt auch 
die Skutulumform auf, d. h. die Pilze finden sich in scharf be- 
grenzten Anhäufungen in den unteren saftigen Schichten des 
Nagels, gelblich durchscheinend. 

cf. Onychia. 

Onychoais [Auspitz] eine Keratonose mit Anomalien 
der Nagelbildung. 

üypcronyeliosis (Vennehrung), Anonychosis (Verminderung), 
l'aronychosis (Nagelbildung an abnormer Stelle). 

Onyx [= Unguis], „Nagel", Eitersenkung zwischen den 
Lamellen der Kornea aus einem höher befindlichen Abszess oder 
Geschwür nach abwärts, so benannt von der Ähnlichkeit mit der 
Lunula der Nägel. 

cf. Hypopyon. 

Onyxis i. q. Onychia. 

Oophorektomie ($oq?6oo$ eiertragend, t6 oj6v Ei, 

ovum, avyov (von avis) Vogelei, (jegw tragen, exre/tno aus- 
schneiden) i. q. Ovariotomie. 

Oophoro-Hysterektomia partialis obstetricia 

PoRRo'sche Methode des Kaiserschnittes in der Entfernung 
des Uterus nach dem Kaiserschnitt bestehend, 
cf. Hy8terektomic. 



selten primär, meist Sekunda r bei puerperalen und peritonealen 
Entzündungen in einer parenchymatösen (follikulären) und 
einer interstitiellen Form, welche letztere zur Eiterung führen 
kann, vorkommend. 




Eierstocks, äusserst 



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Ophthalmometer 345 

Oophoro-Salpingotomie die operative Entfernung des 
Eierstocks und der Tube bei schweren Formen von Salpingitis. 

Operation (opus, opera Arbeit, operari) grössere 
und wichtigere chirurgische Verrichtung. 

Ophiasis (t) dq /aatg schlangenartige Glatze, v. ooV'> 
Schlange) vd. Calvities. 

Ophthalmia (o oydakfios Auge) A ugeuentzündung 
im allgemeinen. 

0. gonorrhoica s. pyorrhoica Augen t ripper, intensive, 
durch Übertragung des Gonokokkus verursachte Entzündung der 
Konjunktiva, meist auch der Kornea, zuweilen selbst der Iris. 

0. aejryptiaca s. lniütaris s. bellica s. contagiosa eine in 
der französischen Annee während des ägyptischen Feldzuges 
unter Napoleon in den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts 
aufgetretene, zuweilen noch in Kasernen, Gefangenenanstalten, 
Waisenhäusern etc. endemisch (epökisch) vorkommende kontagiöse 
Augenkrankheit, die sich als trachomatöse oder als follikulär- 
. blennorrhoisehe Conjunctivitis darstellt. 

0. neuroparalytiea eine im Gefolge von Anästhesie des 
Trigeminus bisweilen auftretende ulzeröse Hornhautentzündung, 
welche sekundär zu einer eiterigen Entzündung des ganzen Bulbus 
führen kann. 

0. migratoria s. sympathica vd. Iritis Sympathien. 

0. arthritica i. q. Glaukoma. 

0. neonatorum i. q. Blennorrhoea neonatorum. 

Ophthalmoblennorrhoea (™ ßtiwos Schleim, >J £<»/ 
v. ofco Fliessen) vd. Conjunctivitis blennorrhoica. 

Ophthal iiiomalacia (rj /mkaxtn Erweichung) s. 
Phthisis bulbi cssentialis deutliche Spannungsabn ahme 
und ausgeprägte Verkleinerung, die sich unabhängig von einer 
Entzündung an einem Augapfel entwickelt, wieder vorübergeht 
oder permanent bleibt und mit Sehstörungen verbunden ist. Eine 
besondere Form ist die O. intermittens, wobei die Erweichung 
in einzelnen Anfällen auftritt, die Stunden oder Tage lang dauern, 
um dann wieder einer normalen Beschaffenheit des Bulbus Platz 
zu machen. 

Ophthalmologie (6 h>yoc Wort, Lehre) eigentlich 
die Lehre vom Auge, gewöhnlich aber im Sinne von Augen- 
heilkunde gebraucht. 

Ophthalmometer (rd /uhgcv Mass) von Helmholtz 
erfundenes Instrument zur genauen Messung der verschiedenen 



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346 Ophthalmophakometer 

bei der Akkommodation beteiligten Krümmungsflächeu. In neuerer 
Zeit wird viel das JAVAl/sehe Ophthalmometer benutzt, 
cf. Optometer, Horopter. 

Ophthalmophakometer (« q axfk Linse) Instrument 
zur Messung der Krümmungsradien der Linse. 

Ophthalmoplegia (^b)aao) schlagen) A u gen m u ske 1 - 

lähmung (Lähmung der äussern und Innern Augenmuskeln). 
Entweder als O. totalis oder O. partialis auftretend. Ihre Ursache 
sind Erkrankungen der Kerne des III., IV. u. VI. Gehirnuerven 
(Hämorrhagien, Erweichungen, pathologische Neubildungen, akute 
Entzündung — Polioencephalitis superior [Wernicke] ). 
Zu unterscheiden : 

0. acuta, akute nukleare Paralyse. Plötzliche Läh- 
mung aller Augenmuskeln durch Hämorrhagie in die Kerne. 

0. chronica, chronische nukleare Paralyse. Hierher 
gehören: die isolirte Lähmung der Reflextätigkeit der Iris, der 
Ciliarmuskeln, die Lähmung aller äusseren Augenmuskeln: pro- 
gressive Ophthalmoplegia [v. Gräfe] s. Ophthalmo- 
plegia externa (Hutchinson 1 und die Lähmung aller inneren 
Augenmuskeln: Ophthalmoplegia interna [Hutchinson]. 
welche meist syphilitischer Natur ist und auf einer Affektion des 
Ganglion ciliare, die sich in Iridoplegie und Akkommo- 
dationsparalyse äussert, beruht. 

Ophthalmoskopie (oxoxfTv besichtigen) die Kunst, 
das Innere und den Hintergrund des Auges am Lebenden durch 
die Pupille hindurch zu beleuchten und zu besichtigen. 

Ophthalmoskop der Augenspiegel. 

Ophthalmostat (fWn^i stellen) Instrument, womit 
der Augapfel in einer gewissen Stellung ruhig erhalten (fixirti 
wird. 

Ophthalmotonometrie (o törog Spannung) Messung 
des intraokularen Dnickes, meist als digitale Tonometrie oder mit 
Instrumenten (Ophthalmotonometer). 

Opiophagie (Opium, dmor, Mohnsaft, d*6; Saft 

[HlPPOKRATES und DlOSKORIDES] = fit}X(.ortor, Laudamim, qayetr 
essen) das gewohnheitsmässige missbräuchliche Einnehmen 
grosser Dosen von Opium, 
cf. Morphinismus, Narkomanie. 

Opisthophalakrosis (o.-rio&n- hinten, ij ya/.nxooiot; 
das Kahlwerden, v. <pahk u. axoog d. i. sehr glänzend) 

Synonym von Alopecia mit Lokalisation des Leidens auf den 
Hinterkopf. 

Opisthotonus {faiodev hinten, 6 roVo,- Spannung) 
vd. Tetanus. 



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Orchitis 347 

Oppressio (lat.) die Beklemmung. 

0. pectoris Brustbeklemmung. 

cf. Depression, Dyathymie, Angina pectoris, Incubus. 

Optometer (orrw ungebr. Thema zu 6odm sehen; r/> 

ftexoov Mass) Instrument zur Bestimmung des Fernpunkt- 
abstandes, d. h. derjenigen Distanz, bis zu welcher ein deut- 
liches Sehen (z. B. mittelgrosser Druckschrift — JX«kr Nr. 10) 
möglich ist. 

Optodynamometer ein Optometer, welches zur Be- 
stimmung des Nahpunktes dient und somit die Energie des Mus- 
cularis ciliaris misst. 

cf. Ophthalmometer. 

Orcheotomie (o oo^s, -iog und fo>^ Hode, tiuw) 
schneiden) i. q. Castratio. 

Orchialgie (r<> äXyos Schmerz) die Neuralgie des 
Hodens. 

Orchichorie (6 x°qo$ Tanz) „Hodeutanz" nennt Löwkr 
das stetige Auf- und Absteigen eines oder beider Hoden im Hodeu- 
sack, welches als pathoguomonisches Zeichen bei manchen Ona- 
nisten vorkommen soll. 

Orchidomeningitis (rj unnyS Haut) i. q. Hydroeele 
testis. 

Orchidopexie (rj *rj$is Festmachen v. ^t)yvv^i) Fixation 
»des ektopirten Hodens am Skrotum oder des aus seineu Ver- 
wachsungen gelösten Samenstranges an die Pfeiler des Leisten- 
kanals durch Naht. 

Orchitis s. Testitis En t zun du ng des eigentlichen 
Hoden. 

0. acuta. Man kann eine (). a. traumatica, urethralis 
imd metastatica unterscheiden, deren Ätiologie dieselbe wie bei 
-den entsprechenden Formen der Epididymis ist. Die metas- 
tatische Form ist am häufigsten bn Parotitis, resp. beide sind von 
der gleichen epidemischen Ursache hervorgerufen. Bei der ure- 
thralen Form kann der Nebenhoden trotz Durchlei tung von der 
Entzündung frei bleiben. 

Die bindegewebige Zwischensubstanz zwischen den Samen - 
kanälchen, sowie deren Wandung infiltrirt sich stark mit Wander- 
zellen, während die Samenzellen im Lumen der trüben Schwellung 
und fettigen Entartung verfallen. 

0. ebroniea 

a) circumscripta, Hodenabszess, chromscher Er- 
weichuugsherd, 

b) diffusa bildet gleiihmässigc grosse ovale Tumoren. 
Wesentlich ist eine Bindegewebshyperplasie der Septa, gewöhnlich 



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348 Orchocele 

mit zystischer Entartung der Samenkanälchen. Meist wird auch 
der Nebenhoden mit in den Prozess hineingezogen. 

0. caseosa s. tuberculosa (vd. Epididymitis caseosa, welche 
gewöhnlich vorausgeht). Der Tuberkel erscheint im Hoden zu- 
weilen miliar, häufiger in einzelnen grösseren festen Knoten, in 
deren Mitte man zerfallene käsige Masse findet. 

0. syphilitica s. gummosa spezifische Gummenbildung im 
Hoden neben diffusen derben Bindegewebs Wucherungen im inter- 
stiellen Gewebe. Der Verlauf ist sehr chronisch, schmerzlos. 

cf. Sarkocele. 

Orchocele. Orehiocele (rj y.rjltj Bruch, Geschwulst) 

die Hodengeschwulst. 

Orcanozoen (t6 Soyavov Werkzeug, v. rgyto, t6 ±<ßov 
Tier) nennt Virchow diejenigen Entozoen, welche im 
Innern der Organe selbst vorkommen (Trichinen, Echino- 
kokken und Zystizerken), 

et'. Entozoen. 

Orgasmus (dpyäo) von Säften strotzen, 6oyi), ogyidco) 
i. q. Hyperaemia activa. 

Orrodermatosis, Orrodermitis (6 cq6$ Molken, 
also der wässerige Teil (Serum) der Milch, t6 ÖeQfw Haut) vd. 
►Serodermatosen. 

Orthopädie {oqöoc gerade, // xatöeia Erziehung, von 

.taTg) die gerad richtende Behandlung, methodische Behand- 
lung von Verkrümmungen des Rückgrates und der Glieder, haupt- 
sächlich während der Wachstumsperiode. 

Orthopnoe (v m'otj Schnaufen) höchster Grad de r 
Dyspnoe, wobei die Kranken sich aufrichten und mit den 
Händen an Gegenständen feststützen, um die Pectorales als 
Hilfsmuskeln zur Erweiterung des Thorax benutzen zu können. 

Orthotonus (6 rovos Spannung, Streckung) vd. 

Tetanus. 

Oacedo (von osetre = oscitare) das Gähnen. 

Oaeheoeele (ro üny/ov Hoden, fj xi)).t] Bruch) i. q. 
Hernia scrotalis. 

Oscitatio (Gähnen v. ös Mund, os-cus gähnend, 
oscare oscitare) i. q. Chasmus. 

Os leporinum vd. Labiiun leporinmn. 

Osmidrosis {n ooftt/ Geruch, v. otto riechen, 6 ISgok 
Schweiss) Schweiss von besonderem Geruch, im all- 
gemeinen so viel als Bromidrosis. 



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Osteomalacia 



Ossa Wormiana (ös = ootc'ov Knochen) Zw ick el- 
beine (zwischen den Schädelnähten). 

Ossificatio (oä und facto) Verknöcherung. 
Über die pathologische O. vd. Ostitis ossificans, Osteom, 
Exostose, Parostose, Gallus (Myositis und Pachymeningitis ossif.). 
cf. Petriacatio. 

Osteoarthritis (x6 dateov Knochen, to uo&qov Gelenk) 
Gelenkentzündung mit Beteiligung der Knochen. 

Osteoarthropathie (™ xäOos Leiden) gleichzeitige 
Erkrankung des Gelenks und der Knochen. 

Osteochondritis (6 yorÖQog Knorpel) Knochen- und 
Knorpelentzündung. 

Osteochondrom s. Osteoidchondrom eine Misch- 
geschwulst aus der Gruppe der Bindesubstanzgeschwülste mit 
Entwicklung von Knorpel- und Knochengewebe. 

cf. Enchondroma. 

Osteoklasie (fj xkdatc v. xldoj zerbrechen) das ge- 
waltsame Brechen der Knochen bei Difformitäten der- 
selben, krummgeheilten Frakturen (am besten nach Ausschneidung 
^ines Keils, wodurch der Osteoklast — Dysmorphosteopalin- 
klastes (s. d.) — , eine besondere Maschine zur gewaltsamen 
Brechung, überflüssig gemacht werden kann). 

cf. Brisement force\ 

Osteoma, Osteoid (Stamm ndw ähnlich sein) 

knöcherne Geschwülste, die durchweg aus Knochengewebe 
bestehen und von teilweise verknöcherten Geschwülsten, sowie 
von nicht knöchernen Geschwülsten am Knochensystem zu unter- 
scheiden sind, welche allerdings sehr leicht verknöchern (wie das 
Osteosarkom u. a.). 

Die Osteome sind meist hyperplastischer Natur, vd. Osteo- 
phyt und Exostosis. Nach ihrem Bau unterscheidet man harte 
Formen (O. durum s. eburneum) und weichere spongiöse Formen 
(O. spongiosum s. medulläre). 

cf. Ossificatio. 

Osteomalacia (ualaxog weich) Knochenerweichung, 
eine nur bei Erwachsenen vorkommende chronische Krankheit, 
welche zu einer allmählich über das ganze Skelett sich aus- 
breitenden Entkalkung der Knochen (Halisterese — s. d.) und 
infolge davon zur Erweichung und abnormen Biegsamkeit der- 
selben führt, wodurch Verkrümmungen der Glieder, des Rumpfes 
und Beckens zu stände kommen. Am häufigsten entsteht sie bei 
Frauen nach einem Wochenbett: das Wesen der Krankheit ist 
unbekannt. 



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350 



Osteomyelitis 



ö. careinomatosa diffuse krebsige Infiltration des Mark- 
gewebes, eine seltene Krankheit, bei welcher es zu ähnlichen 
Verunstaltungen des Skelettes kommt wie bei der einfachen O. 

cf. Rhachitis, Osteoporose, Osteopsathyrose. 

Osteomyelitis (6 /ire/d? Mark) Entzündung des 
Knochens und Knochenmarks, richtiger eigentlich nur 
Kuochenmarkscntzündung, da die Beteiligung des eigentlichen 
Knochengewebes wahrscheinlich nur eine passive ist, vd. Ostitis. 
Die O. kommt nie ohne gleichzeitige oder sekundäre Periostitis vor. 

Man kann unterscheiden eine zirkumskripte und dif- 
fuse, akute und chronische Form (vd. Ostitis fungosa), 
ferner : 

0. traumatica nach Kontusionen, koniplizirten Frakturen etc. 
ist in zirkumskripter Form eine unbedeutende, ja zur Heilung 
von Verwundungen notwendige, in diffuser eine sehr gefähr- 
liche Komplikation (in letzterer überhaupt selten und dann wahr- 
scheinlich mit der folgenden infektiösen Form identisch). 

0. diffusa spontanea die primäre infektiöse Knochen- 
marks- und Knochenhautentzündung [nach Lücke],. 
pseudorheumatische Knochen- und Gelenkentzündung 
des Jünglingsalters [nach Böser], Panostitis [nach 
Waldeyer], Periostitis maligna [nach Volkmann], Kno- 
chentyphus n. A. — bösartige, nur bis zur Zeit, des vollendeten 
Skelettwachstums vorkommende, den akuten Infektionskrankheiten 
sich anreihende und mit typhösen Allgemeinerscheinungen ver- 
laufende eiterige Entzündimg des Knochenmarks und des Periosts 
(bald das eine, bald das andere primär), welche häufig zu Ne- 
krosen und Ablösung der betreffenden Epiphyse oder Diaphyse, 
sekundären Phlegmonen, Gelenkentzündungen, Eitermetastasen 
und zuweilen zu Fettembolie der Lungen führt. Die Ursache der 
infektiösen O. bildet höchstwahrscheinlich ein bakterielles Gift, 
ein Mikrokokkus, welchen Becker aus osteomyelitischem Eiter 
gewonnen hat, wahrscheinlich identisch mit dem Staphylokokkus 
pyogenes aureus (s. d.). 

cf. Ostitis interna suppur. circumscr. 

Konehiolin-O. (concJia, 6 xdyxv Muschel) die meist mul- 
tiple Knochenentzündung der Perlmutterdrechsler. 
Die Hypothese von Gussenbauer (Archiv für klinische Chirurgie 
von Langenbeck XVIII) über deren Entstehung ist folgende: 
Das Konchiolin, die unlösliche organische Substanz des Perl- 
mutterstaubes, wird durch die Atmung ins Lungengewebe 
und weiter in den Kreislauf aufgenommen sammelt sich, 
wegen Verlangsamung des Blutstromes daselbst, in den Mark- 
kapillaren der Knochen an und führt so zu Infarkten, welche 
eine O. zur Folge haben, die per contiguitatem zu Ostitis, Peri- 
ostitis und Gelenkentzündung führt. 

cf. Spina ventosa. 



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Ostitis 351 

Osteoplilebitis (rj y>/Jw Ader) Entzündung der Venen 
in der Diploe des Schädels, zu Thrombose u. gewöhnlich Eiterung 
führend. 

Osteophyton (ro <pvn>v Gewächs, v. <pvo> wachsen) 

die bei entzündlichen Prozessen am Knochen aufgelagerte lockere 
junge Knochenmasse (Exostosis spongiosa — s. d.), da* 
dem Gallus ähnliehe Produkt einer entzündlichen Periostreizung. 
O. puerperale Bildung tafelförmiger Knochen platten an der 
Innenfläche des Schädeldaches bei Schwangeren infolge anhal- 
tender Kongestion nach dem Kopfe, 
cf. Pachymeuingitis. 

Osteoplastik (.7/anaw bilden, formen) Anheilung ab- 
getrennter Teile, Transplantation und Einheilung toter (elfen- 
beinerner) und lebender Fremdkörper als Ersatzstücke bei Be- 
handlung von KiKK-heudefektcu und Frakturen. 

cf. Arthroplastik. 

Osteoporose (6 .1600$ Öffnung, Pore, v. xcigio durch- 
bohren) Schwund der harten Knochensubstanz und Zunahme 
der Markräume, teils als senile, teils als entzündliche Ver- 
änderung (Ostitis rareficans). 

cf. Osteomalacie, Anostose. 

Osteopsathyrosis {yativgoco v. y>aOro<k zerbrechlich, 
v. ydoj zerreiben) Knochenbrüchigkeit. Ausser der durch 
Rhachitis, Osteomalacie und senile Knochenatrophie (Osteoporose) 
bedingten kommt noeh eine idiopathische O. vor, welche als 
angeboreuer, oder später, ohne nachweisbare Ursache er- 
worbener Zustand auftritt, dessen Wesen dunkel ist. 

Osteosarkom» Mischge schwul st mit Entwicklung 
von Knochen- und Sarkomgewebe, 
cf. Osteoms. 

Osteosklerose (ox/.tjgog hart) vd. Ostitis ossificans. 

Osteotomie (rf/nw schneiden) die Ausschneidung 
oder Ausmeisseluug von Knochens tück cn, z. B. zum 
Zweck der Geradestellung, zur Erleichterung der Osteoklasie, zur 
Vereinigung von Pseudarthrosen, zur Extraktion von Sequestern 
etc. Osteotom [von Heink] ein eigens zur (). dienendes Instru- 
ment mit Kettensäge. 

Ostitis Knochenentzündung (der Knochen als Organ,, 
vom kompakten Knochengewebe abgesehen, welches einer Ent- 
zündung nicht fähig ist) ein der interstitiellen Entzündung im 
allgemeinen analoger, doch mehr durch Bindegewebs Wucherung 
als durch Eiterbildung ausgezeichneter Vorgang, betrifft das- 
Gewebe der Markräume und HAVERs'schen Kanälchen, während 
die eigentliche kompakte Knochensubstauz bald eine Auflösung 



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352 



Ostitis 



erleidet, rarefizirt wird, bald eine Anbildung, Verdichtung er- 
fährt. Von den destruktiven (kariösen) Formen sind die mehr 
zirkumskripten, traumatischen oder der Regeneration dienenden 
Entzündungsformen zu unterscheiden, welche von kurzer Dauer 
sind und mit erneuerter Ossifikation und Heilung abschliessen. 
Histologisch besteht zwischen beiden Formen kein Unterschied. 

0. fungosa s. earnosa s. rareficans s. inalacissans s. gra- 
nulosa interna s. Myelitis hyperplastica granulosa [Hueter] 
kann als einfache entzündliche Markwucherung mit Einschmel- 
zung der kompakten Substanz erscheinen, worauf neue Ossi- 
fikation und Heilung erfolgt (s. o.), oder als fortschreitende 
destruktive chronische Entzündung: Knochenfrass, O. earnosa, 
Caries ossium (s. d.). Diese ist eine durch entzündliche 
Reizung hervorgerufene Steigerung und Beschleunigung des 
physiologischen Vorgangs der Markhöhlenerweiterung ; die Zellen 
des Fettmarks teilen sich, die Oberfläche des Markparenchyms 
bedeckt sich mit fungösen Granulationen, welche sich auf Kosten 
der kompakten Substanz nach allen Seiten hin vorschieben, den 
Knochen (und auch benachbarte Knorpel — vd. Arthrokace) 
durchwachsen, um schliesslich, an die Oberfläche gelangt, sich als 
pilzförmige sch wammige Wucherungen auszubreiten, so dass der 
Knochen in grosser Ausdehnung als fleischähnlichc Masse er- 
scheint. Pathologisch treten hierbei die sogenannten Howsmp'scheu 
Lakunen auf, eine Anzahl flacher Bogen oder tieferer halbkreis- 
förmiger Ausschnitte am Resorptionsrande der Knocheusubstanz. 
Diesen lakimären Aushöhhmgen anliegend findet man im Gra- 
nulationsgewebe häufig die sogenannten Osteoklasten, vd. 
Myeloplaxen. [Nach Rindfleisch, Path. Gewebelehre.] 

0. superficialis s. Caries Simplex torpides oberfläch- 
liches Knochengeschwür, ulzeröse Usur. gewöhnlich 
mit Molekularnekrose , d. i. Ablösung kleinster Fragmente des 
Knochengebälks, am häufigsten in Zusammenhang mit chroni- 
scher Periostitis. 

0. ossificans S. osteoplastica sklerosirende Knochen- 
entzündung, Osteosklerose. Diese Form zeichnet sich aus 
durch übermässige Absetzung neuer Knochenlamellen an der 
inneren Fläche der Markräume und Verkleinerung der letzteren 
bis auf das Lumen der Kapillargefässe, wodurch eine sehr kom- 
pakte harte Knochensubstanz entsteht, so dass der Vorgang auch 
als Eburneatio ossium oder als diffuse Knochenhypertrophie 
bezeichnet wird. Dieser Vorgang findet zirkumskript bei der 
schliesslichen Frakturheilung statt. 

cf. Exostosis eburnea, Hyperostose. 

0. interna suppurativa circumscripta Knochenabszess, 
meist als zirkumskripte primäre Osteomyelitis beginnend, mit 
Eiterbildung und Auflösung der benachbarten Knochensubstanz 
wie bei der diffusen fungösen 0. 



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Otitis 

0. caseosa (scrofulosa et tuberculosa) chronische (). 
mit Yerkäsung der entzündlichen Neubildung, hauptsächlich in 
.»pougiösen Knochen, Wirbelkörpern, den Epiphysen der Röhren- 
knochen und im Calcaueus vorkommend bei Tuberkulösen und 
Skrofulösen. 

0. inercurialis kommt nur an den Kiefern infolge ulzeröser, 
mit Quecksilbersalivationsgesehwüreu zusammenhängender Ent- 
zündungen des Periostes vor, welche auf das Knochengewebe 
übergreifen und zu Nekrose führen können. 

0. syphilitica s. gummosa ausser der gleichnamigen Perio- 
stitis, welche sekundär den Knochen zerstört, gibt es auch eine 
von den Markräumen und Gefässkanälen ausgehende Entwicklung 
von Gummageschwülsteu mit Auflösung der Kuocheusubstanz, 
wodurch besonders an den Schädelknochen grosse Zerstörungen 
) entstehen können. 

et*. Osteomyelitis. 

Otalgie (ro oh, oiTik Ohr, rd a/.yoa Schmerz) der 

^ Ohrenschmerz. 

Otaphon (SLtto) anhaften) Ohrklemme, aus einer 
^ silbernen, der hinteren Seite der Ohrmuschel angepassten. sich 
selbst haltenden Klemme bestehend, deren Zweck ist, das Ohr 
weiter vom Kopf abstehend zu machen und so das Auffangen 
^ der von vorn kommenden Schallwellen zu erleichtern [v. Tröltsch]. 

Othaematom (ro ahm Blut) s. Haeiuatoina aurieulare 

Ohrblutgeschwulst, vorwiegend bei Geisteskranken durch 
Quetschung oder spontan entstehende Blutergüsse zwischen Ohr- 
knorpel und Perichondrium im oberen Teil der Ohrmuschel mit 
häufiger sekundärer Verunstaltung derselben. 

Otiatrie (v iaxgei'a Heilkunde) die Ohrenheilkunde. 

Otitis Entzündung des Gehörorgans. 

0. externa Entzündung der den äusseren Gehörgang aus- 
kleidenden Haut mit serös-eiteriger Sekretion, selbständig 
oder auf mannigfache Reize, sekundär bei anderen Krankheiten, 
besonders akuten Exanthemen, in einer akuten oder chro- 
nischen Form auftretend, häufig das Trommelfell beteiligend 
oder zu sekundärer Periostitis des kuöchernen Gehörganges, 
Oaries des Felsenbeins etc. führend. 

O. ext. phlegmonosa nur im vorderen knorpeligen Teil 
lies Gehörgangs vorkommende phlegmonöse Entzündung mit 
Abszessbildung, öfters mit Furunkeln zusammenhängend. 

0. interna s. media Ohren katarrh, Schleimhautentzüu- 
dung des Mittelohres (Paukenhöhle und Tuben). 

Roths Klinische Terminologie. 4. Aufl. 23 



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354 



Otomykosis 



O. i. catarrhalis acuta der einfache akute Ohrenkatarrh 
mit vorwiegend schleimiger Sekretion. 

O. i. catarrh. chronica (sicca et humida) der einfache 
chronische Ohrenkatarrh, das häufigste Ohrenleiden. 

O. i. suppurativa acuta et chronica mit vorwiegend 
eiteriger Sekretion. 

Eine besondere Form der O. med. pur. ist die Otitis media 
purulenta tuberculosa, die sich durch ihren schmerzlosen 
Verlauf in Verbindung mit rasch fortschreitender Zerstörung des 
Trommelfells charakterisirt. Im Sekret der O. m. tuberculosa 
sind Tuberkelbacillen gefunden worden. 

0. intima s. labyrinthica entzündliche Affektion des inneren 
Ohrs, des häutigen Labyrinths, und überhaupt krankhafte Vor- 
gänge jenseits der Paukenhöhle „nervöse Schwerhörigkeit*. 

cf. Myringitis, Otorrhoe. 

Otomykosis (6 fivyrjg Pilz) eine Form der Otitis ex- 
terna, die mit Pilzwucherungen im äusseren Gehörgang einhergeht. 

Otopiesis (Wtw drücken, pressen) Hörstörung, 
welche bei Tuben verschluss und Luftleere der Paukenhöhle, bezw. 
bei Labyrinth-Uberdruck entsteht. 

Otorrhoe (rj (>oi), v. oho fliessen) seröser (mehr akuter) 
oder gewöhnlich mehr eiteriger chronischer Ohrenfluss, ein 
Symptom verschiedenartiger Ohrenaffektionen (Otitis externa und 
interna — mit Perforation des Trommelfells — Myringitis, Caries 
des Felsenbeins). 

Otoskop {axoxho besichtigen, untersuchen) Instru- 
ment zur Auskultation des Ohres, besteht aus einem 
Gummischlauch mit zwei konischen Ansätzen, wovon der eine in 
den Gehörgang des Patienten, der andere in den des Unter- 
suchenden gebracht wird, um den letzteren das Eindringen von 
Luft in die Trommelhöhle beim Katheterisiren der Tuba, oder 
andere entotische Geräusche vernehmen zu lassen. 

Ovarialgie, Ovarialneuralgie oderOvarie (ova- 
rium Eierstock, r« äkyog Schmerz) neuralgische vom 
Eierstock ausgehende Schmerzen in der Regio hypogastrica, 
zuweilen als hysterisches Symptom. 

cf. Kolica menstrualis et scortorum. 

Ovariocele (y yJßrj Bruch) Hernie mit einem Eier- 
stock als Inhalt. 

O. vaginalis Ausstülpung der hinteren Wand der Scheide 
mit Prolaps der letzteren durch ein langgestieltes, vergrössertes 
(anfangs nicht über hühnereigrosses) Ovarium. 

cf. Hernia ovarii iuguin., crural., abdominal., foraminis ovalis. 



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Ozaena 



355 



Ovariocentese (y.fvxt:<o durchstechen) s. Paracen- 
tesis ovarii Punktion der Ovarienzysten. 

Ovario-Epilepsie durch Erkrankungen der Eierstöcke, 
Dysmenorrhoe u. s. w. bedingte reflektorische zur Zeit der Men- 
struation eintretende Epilepsie. 

cf. Epilepsie. 

Ovarionianie Psychose im Gefolge von Eierstoeksleidcu. 

Ovariotomie {renn» schneiden) Exstirpation des 
zu einem Tumor entarteten Ovarium nach vorhergehender La- 
parotomie, seltener von der Scheide aus (O. vaginalis). 

Ovula \abothi, „NABOTH'sche Eier", die angeschwolleneu, 
halbkugelig hervorgewölbteu Schleimfollikel der Schleimhaut 
des Zervikalkanals und des Orifiziums des Uterus bei chronischer 
Endometritis. 

Oxalnrie (Oxal- oder Kleesäure, welche vorzugs- 
weise im Sauerklee enthalten ist ; rj 6$aki$ Sauerampfer, 
v. &? sauer, cigentl. spitzig, r6 ovqov Urin) Gehalt des 
Urins und der Sedimente an Oxalsäure, resp. oxalsaurcm 
Kalk, welcher die maulbeerförmigen Blasensteine bildet. 

Oxyästhesie = Hyperästhesie. 
Oxycephalus vd. Brachycephalus. 

O vyekoia (o£iV scharf, dxot'w hören) i. q. Hyperakusis. 

Ox juris vermicnlaris (rj ovgä Schwanz — das 
grössere Weibchen hat einen p friemenartig zuge- 
spitzten Schwanz) der Pfriemensehwanz, Spring- oder 
Maden wurm, ein sehr kleiner weisser Rund wurm, der haupt- 
sächlich im Cöcum des Menschen lebt, aber nur bei seiner An- 
wesenheit im Rektum lästige Störungen verursacht. 

cf. Entozoen. 

Ozaena (>? o^aiva eigentl. riechender Meerpolyp, 
Nasenpolyp, v. oC<o riechen, franz. Punaisic, von la pu- 
naise die Wanze, punais, putnais stinkend, von puteo jiv#<x>) 
Stinknase, jede mit einem stinkenden Ausfluss verbundene 
Krankheit der Nase, häufige Erscheinung bei Coryza (s. d.) xogrfc 
Rotz, Stumpfsinn, neugr. Wanze!) chronica, bald nur 
durch faulendes katarrhalisches Sekret, bald durch Zersetzung 
von Geschwürsprodukten bedingt bei 0. ulcerosa, entweder 
scrofuiosa (oberflächlich) oder syphilitica (tiefere Ver- 
geh wärungen der Schleimhaut mit sekundärer Zerstörung des 
Perichondriums, der Knorpel, des Periosts und der Knochen, wo- 
durch letztere nekrotisch werden). 

Iii 



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im 



Pachyblepharosis 



Paehyblcpharosis (to^'v dick, r« fi/Ji,«»o>> Augen- 
lid) i. q. Tylosis ciliaris (palpebralis). 

Paehycephalus vd. Braehyeephalus. 

Pachydermie (n> Arg/m Haut) i. <j. Elephantiasis 
Arabum. 

P.-ia laryngis diffusa (Yirchow) Bezeichnung für eine 
eigenartige Epithelwueherung, die sieh auf die ganze Ausdehnung 
beider Stimmbänder, bisweilen auch in den Interarv-Raum 
erstreckt. 

Paehymeningitis (>) /o/r/y^ die Haut) Entzündung 
der Dura mater cerebralis und spinalis. 

I. Paehymeningitis eerebralis. 

a) P. externa {$yn.\ Periostitis interna cranii — da 
die äusserste Schicht das Periost der innereu Schädelfläche bildet 
— , Endocranii tis , Peripachymeningitis fast immer 
sekundär nach Traumen oder Entzündungen in der Nachbarschaft 
(Caries), selten nach Erysipel, kommt als eitrige, ossif ici reude 
und gummüs-syphili tische Form vor. 

et*. Osteophyton puerperale. 

b) P. interna: eine eitrige und eine hämorrhagische Form. 
d) P. interna suppurativa meist mit P. externa ver- 
bunden und der Leptomeningitis suppurativa analog. 

ß) P. interna haemorrhagica, Haematom der 
Dura mater, meuingeale Blutgeschwulst, be- 
steht nach Virchow in einer hämorrhagischen Ent- 
zündung der Dura mater mit Bildung einer feinen mit 
Gefässen versehenen Membran, nach Hvgenix in einer 
primären Hämorrhagie. 
Das Leiden ist ebenso oft doppelseitig wie eiuseitig (in letz- 
terem Fall apoplektische Erscheinungen) entsteht entweder akut 
durch ein Trauma oder chronisch im Anschluss an progressive 
Paralyse oder chronischen Alkoholismus und führt fast immer 
zum Tode. 

II. Paehymeningitis spinalis. 

a) P. spinalis externa auch Meningitis spinalis ex- 
terna, Peripachymeningitis — , Perimeningitis spinalis 
genannt, Entzündung der Aussenfläche der Dura und 
des Bindegewebes zwischen der Membran und dem 
Knochen, in welches die nervösen Plexus eingebettet sind, analog 
zur cerebralen Form. 

b) P. spinalis interna. 

a) P. sp. int. acuta fast immer an der Pia oder Arach- 
noidea beginuend und daher Leptomeningitis ge- 
nannt vd. Meningitis. 



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Palpation ;J57 

/>*) P. spin. int. chronica kommt auch auf die Dura 
allein beschränkt vor, ist aber gewöhnlich mit Ent- 
zündung der Pia und Arachuoidca kombinirt. 
Sie hat häufig eine beschränkte Ausdehnung und führt zur 
Bildung von grossen Mengen neuen Gewebes, daher von Charcot 
und .T offroy Pach. int. hypert rophiea genannt. 

Eine besondere Form der letzteren ist : 

P. eervfcalis hypertroph ica durch auf den Halsteil des 
Rückenmarkes beschränkte Biudegewebshyjjerplasien der Dum 
mater bedingt, die unter Schmerzen am Hinterkopf, Halse, in 
den Schultern und Annen zu einer Parese der obern Extremitäten 
mit Muskelatrophic im Gebiet aller Armnerven abgesehen vom 
Nervus radialis führt, wodurch eine kontinuirliche Hyperextension 
entsteht. In seltenen Fällen findet sich der gleiche Prozess an 
der I,endenansehwellung. 

Pftdarthrokace (6 u. »* .-r«?;-, .-ratdoc Kind) vd. Arthrokace. 

Pädatrophie (vd. Atrophie) i. q. Tabes mesaraica in- 
fantum. 

Päderastie (o .-wf? Knabe, » fgaarfc Liebhaber, souo>) 
der geschlechtliche Miss brauch von Knaben durch die 
Immissio penis in anum. P. kommt übrigens auch mit Weibern vor. 

Pädiatrie (fj mrou« Heilkunde) Kinderheilkunde. 

Palatoplastik (jpülütum Gaumen, x?.aoaio bilden) 
i. q. Uianoplastik. 

Palatoschisia (nyt':<o spalten) 8. Palatino lissuui 

i. q. Uranoschisma. 

Palissadenwnrm (frz. v.palusV fahl) i. q. Strongylusgigas. 

Palliativa (palliaUvua umhüllend, bemäntelnd, 
palliuni Mantel), .sc. remedia, ungefähr so viel als symp- 
tomatische Mittel, d. i. Mittel, welche nur gegen besondere 
Krank hei tserscheinu ngen, nicht gegen die Krankheit selbst ge- 
richtet sind. 

et*. Indicatio. 

Palmogpaamus (0.W.//0V Zucken, x..-rä/M» schwingen; 
a.-raott n$ Krampf) 8 c h ü 1 1 e 1 k r a m p f , stärkere klonische Zuckungen, 
die aus ruck- und stossweisse ausgeführten Kontraktionen her- 
vorgehen. 

Elektrischer P., eine pathologische Form elektrischer 
Reaktion, hauptsächlich der progressiven Muskelatrophie zu- 
kommend. 

Palpation (v. palpare) Betastung (als Untersuchungs- 
methode). 



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358 Palpitatio cordis 

Palpitatio cordig (lat.) s. Cardiogmus s. Cardiopalmus 

^. Hyperkinesis cordis, Herzklopfen, vermehrte oder sub- 
jektiv abnorm empfundene Thätigkeit des Herzens. 

P. nervosa, das „nervöse Herzklopfen", P. infolge abnormer 
Innervation ohne naehweisbare organisehe Veränderungen de? 
Herzens. 

Paiiacee (^«r All, äxennat heilen, .mrdxFta, .-rdvax^, 
.-rävaS) Universalmitte). 

Panaritium {Panaricium, verderbt aus Paronychium. 
xaocowxi'a — Ttaod neben u. oki'I Nagel) Nagelgliedeut - 
zündung, überhaupt aber jede phlegmonöse Entzündung 
an den Fingern. 

P. subcutanem« Zellgewebsentzündung an den Fingern (oder 
Händen). 

P. cutaneuin s. subunguale, .Umlauf, wobei die Ent- 
zündung die Umgebung des Nagels oder das Nagelbett betrifft. 

P. tendinosuin spontane eiterige Sehnenscheidenentzündung, 
gewöhnlich mit Nekrose und Ausstossung der betreffenden Sehne 
endigend (volkstümlich als ein „Wurm 44 angesehen und bezeichnet). 

cf. Tendovaginitis. 

P. periostale eiterige Periostitis der Endphalanx der Finger, 
gewöhnlich mit Ausgang in Nekrose, daher auch P. necroticum 
genannt. 

P. gangraenosum s. scptlcuin. Nach einer oft ganz un- 
scheinbaren Verletzung tritt, unzweifelhaft infolge septischer In- 
fektion, rasch heisser Brand des betreffenden Fingers ein, der auf 
diesen beschränkt bleiben oder sich zentral weiter verbreiten und 
rasch zum Tode führen kann. 

cf. Onychia, Phlegmone. 

P. analgicum {xäv und äkyog) vd. Mor van 'sehe Krank- 
heit. 

Panarthritis urica (-?«*, Jtäoa, xäi> all, ganz, tu no&oor 
Gelenk, to oroov Urin) i. q. Arthritis urica. 

Pandeinie (6 dfjftog Volk) stationäre allgemein ver- 
breitete Volkskrankheit, 
cf. En- und Epidemie. 

Pankreatitis (u> ndy-xgeaz Gekrösdrüse, „lauter 
Fleisch 44 [Galen]) Entzündung der Bauchspeicheldrüse. 
Es scheint eine akute primäre, sekundäre und metastatische, eine 
chronische parenchymatöse, indurative und käsig-tuberkulöse Form 
vorzukommen, deren (äusserst seltenes) Vorhandensein indes nur 
vermutet werden kann bei epigastrischen Schmerzen, allgemeiner 
Abmagerung, Lipurie und {Stearrhoe, allenfalls neben Diabetes 



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Papilloma 359 

mellitus, womit Bich Pankreaskrankheiteu gern zu komplizircn 
scheinen [nach Friedreich in ZH]. 

Pannus {lat. Faden des Einschlages beim Weben, 
Tuch) eine von Gcfüssen durchsponncnc oberflächliche Binde- 
gewebs Wucherung mit Epithelverdickung der Kornea, Produkt 
einer vorausgegangenen Keratitis pannosa (Conjunctivitis granulosa). 

Je nach der Stärke der Trübung oder Überlagerung unter- 
scheidet man P. tenuis und P. c ras su s s. carnosus. 

cf. Pterygium. 

P. melaneus i. q. Melasma. 

Panophthalmie (o o</f)<d/uk) eine auf alle oder die 
meisten Teile des Auges ausgebreitete Entzündung, gewöhnlieh 
mit Eiterung des Uvealtraktus und Durchbrach des Eiters durch 
<lie Kornea oder Sklera. 

Panostitis (rö ooreov Knochen) vd. Osteomyelitis diffusa 
spontanea. 

Panplejjie {*h)oou> durch Schlag lähmen) die über 
den ganzen Körper ausgebreitete Lähmung, 
cf. Hemiplegie, Paraplegie. 

Papillitis [Leber] s. Neuritis intraoeularis (papilla 
eig. nur die Brustwarze, v. papula) Entzündung der 
Sehn er venpapi lle, Stauungspapille. 

Papillo-Rctinitis s. Xeuro-Retiiiitls P. mit gleichzeitiger 
Beteiligung des entsprechenden Teiles der Retina, wobei die Pa- 
pille pilzförmig geschwollen erscheint. 

cf. Neuritis optica. 

Papilloma Bl innen kohl ge wachs der Haut und 
Schleimhäute (Muttermund, Trigonum vesicae, woselbst es den 
sog. Zottenkrebs, Carcinoma villosum, darstellt) Gruppen von 
gewucherten Papillen, die nicht gemeinschaftlich wie bei den 
Warzen, sondern jede für sich von Epidermis oder Epithel be- 
deckt sind, auch seitliche Sprossen treiben, so dass ein bauni- 
förmiges, von Kapillarschlingen durchzogenes, epithelbekleidetes 
Bindegewebsstroma entsteht. 

In ihren kleineren Formen heisseu die P. der Haut Porrum 
und A kroth vmion. 

P. piae matrts ein durch papillomaUise Wucherung der Pia 
mater entstandener rundlicher weicher Gehirntumor. 

P. myxomatodes piae m. unterscheidet sich von dem ein- 
fachen P. durch die reichliche Zwischenlagcrung eines geschich- 
teten sehr voluminösen, von dem Zylindcrepithel der gewucherten 
Papillen abgesonderten Schleimes zwischen den einzelnen Papillen. 

cf. Condylom, Fibrom. 



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. 160 Papula 

Papilla (Blase v. m. .wir/v*, .-murfoXvz) Knötchen, jede 
krankhafte, hirsekorn- bis linsengrossc solide Emporhebung über 
das normale Hautniveau, welche im Innern kein Fluidum hat 
(meist ist die Umgebung des Ausführungsganges der Haarbälge 
Hitz der Exsudation). 

cf. Liehen, Strophulus, Nodus. 

Paraanästhesie (xagu an den Seiten, hier im Sinn 
von beiden Seiten, « priv. u. 1) aTmhfotc Empfindung) 

doppelseitige Herabsetzung des Gefühls (Anästhesie), 
vorzugsweise hymptom spinaler Erkrankungen. 

Paracentese (.7«o« neben, an der Seite, xmeot an- 
stechen) das Anstechen, operative Durchbohrung der Wand 
eines (mit Flüssigkeit erfüllten) Hohlraumes des Körpers. 

cf. Punctio, Trocar. 

Paracephalus vd. Acephalus. 

Parachromatosis vd. Chromatosis. 

Paracyntiti» (1) Kraus Blase) Entzündung des Zell- 
gewebes in der Nähe und Umgebung der Blase, gewöhnlich 
mit Pericystitis verbunden, meist nur sekundär bei (Zystitis, Pro- 
statitis, Peritonitis etc. 

Parfinthesie {.laad neben, vorbei, wider, daneben, 
entgegen, in der abstrakten Bedeutung des Nichtent- 
sprechens, Fehlerhaften) qualitative Sensibilitätsstö- 
rung, eigentümliche subjektive, d. i. spontane, durch innere Reize 
entstehende Empfindungen, wie z. B. Ameisenlaufen, Kricbeln, 
Pelzigsein etc., wobei es sich wahrscheinlich um Erregungszustände 
der leitenden Bahnen handelt, welche exzentrisch projizirt werden 
[nach Erb in ZH]. 

P. olfaetoria (oleo und fach) i. q. Kakosmia subjectiva. 
cf. Anästhesie, Hyperästhesie. 

Parade« nie (>/ yeroig Geschmack) Perversion der 
Geschmacksempfindung bei Neurosen , Hysterie und Geistes- 
krankheiten beobachtet. 

cf. Ageusie, Hypergeusie. 

Paragomphosis (yotupom einen Nagel [yo/^oc] ein- 
treiben) die Einkeilung des kindlichen Kopfes im weib- 
lichen Becken. 

Paragraphie (yo/iq-o schreibe) eine unvollständige Form 
von Agraphie, wobei an Stelle des bezeichnenden ein unrich- 
tiges Wort gesetzt wird. 

Parahidrosi» (idgoto schwitzen) Absonderung eines 
abnormen Schweisses. 

cf. Chroraidrosis, Bromidrosis, Haematidrosis, Uridrosis. 



- 

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Paralysis 'My[ 

Parakanthosis vd. Akanthosis. 
Parakeratosis vd. Keratonosis. 

Parakolpitis (6 xnL-roc Scheide) eiterige Entzün- 
dung des peri vaginalen Bindegewebes entweder primär 
im Puerperium naeh Verletzung mit der Zange oder sekundär 
nach Periphlebitis im DouuLAs'schen Raum. Bei der 

P. phlcffinonosa dissecans wird durch jxrivaginale Phleg- 
mone schliesslich ein aus Mucosa und Muskularis der Vagina, so- 
wie aus der Mucosa der Portio vaginalis gebildetes Rohr ausgc- 
stossen. 

Parakusis (»/ äxovoig Hören) gewöhnlich 

P. WHlisiana besser Akusis W. das Besserhören bei 
Geräuschen in der Umgebung, eine zuerst von Willi« lo'8<> 
beschriebene Eigentümlichkeit Gehörkranker [Tröltsch). 

P. loci Verlust des Urteils über die Richtung der 
Schallwellen (bei Leitungshindernissen). 

Paralalie (n Plaudern, v. /«/«») derjenige Sprach- 
fehler, l>ei dem statt eines intendirten Lautes aus äusseren me- 
chanischen Ursachen oder durch schlechte Gewöhnung ein anderer 
gebildet wird. 

et'. Alalie, Lambdacismus, Rhotacismus. 

Paralbninin (albumen Eiweiss) ein Ei weissstoff , 
welcher daran erkannt wird, dass er eine mit verdünnter Essig- 
säure gekochte Flüssigkeit immer trübe erhält, sich also nicht 
absetzt. Er findet sich regelmässig in Ovarialzysten, ist aber 
nicht beweisend für diese, da er auch in anderen Zysten, in Asci- 
tes u. a. vorkommt. 

Paralexie iwc Lesen. Myco) eine Art der Alexie, 
welche sich in Verwechslung der Worte beim I>esen äussert. 

Paralysis (»5 nagä-kvote) — gew. im Sinn von Akinesis, 
«loch spricht man auch von Gefühlsparalyse, die Lähmung, Er- 
loschensein der Motilität, d. i. der Fähigkeit, die aktiven Bewe- 
gungsorgane und zwar den ganzen motorischen Nerveuapparat 
und die Muskeln zu ihrer normalen Funktion anzuregen [Erb 
in ZH]. 

cf. Parese, Neuroparalyae , Abulie, Anchylose, Contractur. — 
Neurose. 

Man unterscheidet: 

* 

Zentrallähmungen, wenn die motorischen Zentralapparate 
leistungsunfähig geworden sind ; 

Leitungs-L., Aufhebung der Leitungsfähigkeit der moto- 
rischen Nervenbahnen (und zwar peripherische, spinale und 
zerebrale Leitungs-L.); 



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3G2 



Paralysis 



myopathischc Lähmungen durch Vernichtung der Reiz- 
barkeit und Kon trak tili tat der Muskeln; 

Reflex -L., sympathische Lähmungen, welche ohne merk- 
liche Erkrankung der Zentralorgane hei peripheren Erkrankungen 
auf dem Wege des Reflexes entstehen sollen. Die meisten der so 
benannten Lähmungen zeigten sich jedoch in sekundären Entzün- 
dungen des Rückenmarks begründet, welche von primären Affek- 
tionen (Blase — Paraplegiae urinariae — , Uterus, Dannkanal, 
periphere Verwundungen) durch Neuritis (s. d.) fortgeleitet sind; 

atrophische L., mit Atrophie (s. d). verbundene Läh- 
mungen. 

Paralysis affitaus Schüttel- oder Zitterlähmung, eine 
Neurose, die in allmählich fortschreitender Bewegungsschwäche 
der willkürlichen Muskeln mit vorausgehendem und begleitendem 
Zittern der Glieder, sowie in zunehmender Rigidität, bzw. Kon- 
traktur der Muskeln besteht. Welche zentralen Affektionen der 
Krankheit zu Grunde liegen, lässt sich bis jetzt mit Sicherheit 
nicht angeben. 

I». s. Hcmiplegia cruciata (alternans transversa) P., welche 
teilweise auf der einen, teilweise auf der anderen Körperseite etablirt 
ist (Erkrankuug in Pons und Pyramiden), vd. Hemiplegie. 

cf. Paraplcgia. 

P. glosso-ph iryngo-laryngo-labialis vd. Bulbärparalysc. 

P. spinalis spastiea vd. Spinal paralyse. 

P. spimlis acuta ascendens, LAXimY'sche Paralyse eine 
ohne prägnante anatomische Läsionen des Rückenmarkes einher- 
gehende aufsteigende Lähmung, die in den Beinen beginnt, von 
da rasch auf den Rumpf, die Arme, den Bulbus medullae und 
das Zwerchfell übergreift und fast immer in wenigen Tagen zum 
Tode führt. Die Lähmung ist eine rein motorische progressive 
und verläuft ohne Schmerzen und Sensibilitätsstörungen mit einer 
Erschlaffung der Muskeln ohne Atrophie. Die Reflexe sind er- 
loschen. Die l>ei derselben beobachtete Schwellung der Milz und 
der Lymphdrüsen und die Fiebererscheinungen lassen an eiue 
toxikämische Natu r der Erkrankung ähnlich der toxikämischen 
Neuritis denken. 

P. generalis progressiva vesanorum die fortschrei- 
tende allgemeine Paralyse der Irren ist eine Geistes- 
störung, bei welcher mit allmählichem Verfall der Geisteskräfte 
eine allmählich zunehmende allgemeine Paralyse , namentlich 
Sprach- und (Tangstörungen, verbunden sind. Man kann eine 
maniakali sehe, melancholische und eine von Anfang an 
als Blödsinn (Dementia paralytica) auftretende Form unter- 
scheiden. Eigentümlicher Grössenwahn (vd. M e g a 1 o m a n i a) und 
apoplektiforme Anfälle sind, wenn auch nicht konstante, so doch 
sehr charakteristische Symptome. 



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Paralysis 363 

P. infantum cerebralis, zerebrale Kinderlähmung, in- 
fantile M e n i n ge a 1 h ä m o r r h a g i e , pathologisch anatomisch 
durch eine während der Geburt eintretende Blutung in die Ge- 
hirnhäute (entweder an der Konvexität und dann meist doppel- 
seitig oder an der Basis des Gehirns) charakterisirt, klinisch in 
Parese und Paralyse der Extremitäten und des Rumpfes, Inkoor- 
dination der Bewegungen mit Spasmus und spontanem Auftreten 
derselben, Konvulsionen und geistigen Defekten bestehend. Zwei 
besondere Formen der zerebralen Kinderlähmung sind die: 

a) Paraplegia spastica congenitalis mit hauptsächlicher 
Affektion der Beine (vd. Paraplegia) und 

b) Chorea congenitalis, bei welcher die unwillkürlichen 
Bewegungen das hervorstechendste Symptom bilden. Die infantile 
Meningealhämorrhagie ist wohl zu unterscheiden von der 

P. infantum cerebralis acuta, Heiniplcgia infantilis spa- 
stica [Bexedikt], diffuse Lobär sklerose [Marie und Jex- 
drassik], chronische Encephalitis [Bourneville], Polio- 
cncephalitis [Strümpell], akute zerebrale Kinderläh- 
mung, klinisch als plötzlich auftretende halbseitige Lähmung im 
Kindesalter erscheinend. Die Krankheit beginnt meist mit allge- 
meinen Konvulsionen, Kopfschmerz, Erbrechen, häufig Fieber, 
worauf eine mehr oder weniger vollständige Lähmung der einen 
Gesichts- und Körperhälfte folgt. Die Reflexe sind gesteigert, die 
Sensibilität unverändert. Die gelähmten Muskeln werden der Sitz 
von Spasmus mobilis (Bewegungskrampf mit Muskelrigidität), 
woraus Hemiathetosis und Chorea (posthemiplegica) resultiren. 
Die Anschauungen über die anatomischen Grundlagen des Leidens 
gehen nach zwei Richtungen auseinander. Nach der einen An- 
schauung soll es sich um eine der Poliomyelitis aualogen Ent- 
zündung der grauen Hirnsubstanz handeln, daher der 
Ausdruck Polioencephalitis [Strümpell]. Nach der anderen wahr- 
scheinlicheren Ansicht besteht die Ursache der Läsion in Gefä ss- 
ver stopfungen (Embolie u. Thrombose) vd. Athetosis, Chorea. 

P. interinittens (selten) in den t'nterextremitäteu, hängt 
manchmal mit Epilepsie, am öftesten wahrscheinlich mit Embolien 
der Aorta oder Iliaca zusammen. 

P. inuscularis pseudohypertropliica, DutnEXXE'sche Läh- 
mung, vd. Pseudohypertrophia musculorum. 

P. nervi facialis mimische oder Bell'scIic Gesichts- 
lähmung. 

Nach den Ursachen: 

P. hysterica meist paraplegische Lähmungen, welche mit 
Hysterie zusammenhängen und welchen anatomische Läsionen 
wahrscheinlich nicht zu Grunde liegen. 

P. puerpcralis sind entweder in einer traumatischen Affek- 



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364 



Paramastitis 



tion der Nervi ischiariici begründet oder tragen den Charakter 
spinaler Lähmungen ; 

ferner: ehloroti sehe, apoplck t i sehe , syph i Ii tische, 
geburtshilfliche der Kinder an den Annen (bei Wendungen) 
und toxische, von letzteren z. B. 

F. snturnina, „Blei lähm ung", wohl eharakterisirt durch 
Lähmung der Kxtensoren bes. der Hände und Finger bei Frei- 
bleiben des Supinator und der Beuger, nebst Atrophie der be- 
fallenen Muskeln. 

cf. Tendovnginitis hypertrophica. 

Paralyse der Taucher eine funktionelle, durch den 
verminderten Atmosphä rendruck herbeigeführte Lähmung des 
Rückenmarks. Sic besteht in einer plötzlichen Lähmung der 
Beine (manchmal auch Hemiplegie) mit Verlust der Sensibilität 
und Paralyse der Sphinkteren, die einige Zeit, nachdem die davon 
Betroffenen an die Oberfläche aus dem erhöhten Druck zurück- 
gekehrt sind, erfolgt und ist wahrscheinlich durch eine Entweichuug 
von Gasen aus dem Blute bedingt (Kohlensäure und Sauerstoff). 
Die Krankheit befällt nur Taucher und Bergleute. 

Paramastitis (« //aoro'c weibliche Brust) Entzün- 
dung des die Mamma umgebenden Bindegewebes, 
cf. Mastitis. 

Parametriti* V, Gebärmutter) Entzündung 

des das Vaginalgewölbe und die Cervix uteri umgebenden und 
des in den sakrouterinen und breiten Mutterbändern befindlichen 
Becke n zoll gewe bes, entweder in akuter phlegmonöser Form 
durch Infektion von Genitalwunden aus oder im Puerperium als 

I*. puerperal is auftretend, hervorgerufen durch Resorption 
septischer Stoffe, anfangs meist in dem reichlichen Bindegewebe 
der Ligamenta lata ablaufend ; 

cf. Fcbris puerperalis. 
oiler als 

P. chronica atrophicans [Freund], bestehend in einer ent- 
zündliehen Hypertrophie des Beckenbindegewebes mit Ausgang in 
narbige (Schrumpfung. 

F. chronica posterior [B. Schiltze] ist ein häufig isolirter 
chronischer Entzündungsprozess in den DorciLAs'schen Falten, die 
den Uterus in der Höhe des inneren Muttermundes fixiren und 
deren entzündliche Verkürzung stabile pathologische Anteflcxion, 
bei einseitiger Verkürzung zugleich mit Torsion, verursacht. Da- 
gegen bewirkt die 

P. exsudativa anterior eine Rotroflexion durch Fixation der 
Vagina und der Cervix gegen die vordere Beckenwand. 

Paramyoklonns multiplex [Fried reich) s. Myo- 
klonie [Seeligmüller] (rf /<tc Muskel, 6 xkövog heftige Be- 
wegung) klonische Krämpfe in einer Anzahl von (häufig 
symmetrischen) Muskeln, welche im Schlafe zessiren und die grobe 



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Faraphimösis 3155 

motorische Kraft, wie die Koordination, in keiner Wei.se beein- 
trächtigen. Bezüglich ihrer Ernährung, sowie ihrer direkten 
mechanischen und elektrischen Erregbarkeit entsprechen die 
affizirten Muskeln den normalen Verhältnissen, während eine er- 
höhte Reflexerregbarkeit derselben bei auf die äussere Haut 
applizirten Reizen, sowie eine eminente Steigerung der Patellar- 
sehnenreflexc hervortritt [nach Skkligmüller]. 

Paramyotonia congenita [Eulenburu] detveo 
spanne, congenita angeboren) eine der Thomsen 'scheu Krank- 
heit ähnliche familiäre Affektion, die sich in oft stundenlangem 
tonischen Spasmus der Gesichts-, Arm- und (weniger) der Bein- 
inuskeln äussert, der durch Kälte hervorgerufen wird. E Ulenburg 
hält den Spasmus für einen reflektorisch-vasomotorischen. 

P. atactiea vorläufige Bezeichnung für einen acquirirteu in 
•den Beinen beginnenden und später auf die Anne übergehenden 
andauernden Muskelspasmus, der mit Schwäche und Anästhesie 
•einhergeht. Vielleicht durch eine Rückenmarksaffektion bedingt. 

Paramnsie vd. Amusie. 

Parangi eine auf Ceylon herrschende kontagiöse Krank- 
heit, die mit Bildung eines Geschwüre an irgend einer Körper- 
stelle beginnt, dem ein wochen- bis monatelanges, mit Gelenk- 
schmerzen verbundenes Fieber nachfolgt. Die Krankheit endet 
in Genesung, aber es kommt zur Entwicklung von weiteren 
Ulzerationen. Wahrscheinlich identisch mit Frambösie. 

Paranoia (fj jragdvoin v. .-rag« u. 6 vors) der Irrsinn, 
Geistesstörung jeder Art. 
Adj. parauoicus. 
cf. Psychosis. 

Paraparesis (.tagd an den Seiten, hier im Sinn 
von beiden Seiten; f) .-rdgeois Erschlaffung, ,iaoh^t 
herunter- oder nachlassen) doppelseitige unvollstän- 
dige Lähmung, der Paraplegie analog. 

Paraphasie {nagd wider, im Sinn des Nichtent- 
sprechens; t) (pdoig Rede v. q. rjui) diejenige Sprachstörung, 
wobei einzelne unrichtige Worte an Stelle der bezeichnenden ge- 
braucht werden, und zwar unter denselben Umständen wie bei 
der Aphasie. 

cf. Paraphrasie. 

Paraphimüsis (xaoä darüber hinaus, r'/ to ' w schnü- 
ren, qtfi(k Maulkorb), „spanischer Kragen", Einschnürung 
und ödematöse Anschwellung des hinter die Eichel zurückge- 
schobenen Präputium. 

cf. Phimose. 



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Paraphonia 



Paraphonia (/} jkovi) Stimme) Rauhigkeit der 
St im ine mit plötzlichem Überschnappen aus dem Basse in den 
Diskant iP. puberum). 

cf. Aphonie, Diphthongie. 

l*araphrasia (»5 7-0001; Beden) das Versprechen; je 
nachdem dasselbe nur einzelne Worte oder den Gedankengang be- 
trifft, unterscheidet man P. verbalis und thematica, oder 
P. vesana s. paranoica, wenn von Wahnsinnigen den Worten 
ein fremder Sinn untergelegt oder ganz neue Worte für ihre 
Wahnideen geschaffen werden. 

cf. Paraphasie. 

qgijv, o'ofro; Zwerchfell) ist ent- 
weder Pleuritis oder Peritonitis diaphragmatica, Entzündung 
des im Brustraum oder in der Bauchhöhle gelegenen serösen. 
Z we r c h f e 1 1 ü be rz u ge s. 

Paraplegia (1) xlvyt) Schlag v. .y/Sjaoto) doppelseitige- 
gewöhnlich spinale Lähmung. 

cf. Hemiplegia, Hemiparaplegie, Paralysis (cruciata). 

P. ataetica, kombinirte Seitcu- und Hinterstrang- 
sklcrose anatomisch bestehend in einer Degeneration der Seiten- 
und Hiuterstränge (wobei jedoch zum Unterschied von der Tabes 
die Wurzelzone der Hinterstränge weniger affizirt ist und der 
Prozess in der Lendengegend nicht stärker ist als im Brustteile 
des Markes). Klinisch zeigt die P. a. dieselben Symptome wie 
die Latefalsklerose. nur gesellt sich zu der Paralyse noch die 
Ataxie. Die Sensibilität ist nicht gestört, die Reflexe sind ge- 
steigert (cf. Lateralsklerose). 

Eine besondere Form der ataktischen P. ist die hereditäre 
Ataxie vd. Ataxia. 

P. dolorosa Bezeichnung Ckuyeilhier's für die im Gefolge 
von Geschwülsten an der Wirbelsäule auftretende äusserst schmerz- 
hafte spinale Lähmung. 



achteten Fälle betrafen die Motilität und Sensibilität zugleich. 

P. Simplex senilis eine auf einer Ernährungsstörung der 
Hirnrinde (Beincentrum) beruhende im höheren Alter vorkommende 
Lähmung der Beine ohne Muskelatrophie, sensible Störungen und 
Keflexerscheinungen [GoweksJ. 

P. spastiea congenitalis vd. Paralysis infantum cere- 
bralis. 

P. spastiea primaria vd. Lateralsklerose. 

P. urinaria s. urogenitalis vd. Paralysis (Reflexparalysis)». 

P. inephitiea (mephitis die pestilenzialische Aus- 
dünstung der Erde) i. q. Beriberi. 




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Paronychia 31)7 

Paranephritis (« if</o6$ Niere) vd. Perinephritis. 
Paraproktitis i. q. Periproktitis. 

Pararhotaciamus (vom Buchstaben rho) Ver- 
tauschung der R-Laute mit anderen, 
cf. Rhotacismus. 

Parasit (o aUo; Speise) Schmarotzer, eigentlich /Mit- 
esser", tierische oder pflanzliche. Zu den ersteren gehören die 
Darmschmarotzer (Helminthen), verschiedene Hautparasiten (Aca- 
rus folliculonmi und A. scabiei — s. d.). Parasitische Bakterien 
(pflanzliche Parasiten) stellt man den saprophytischen gegen übcr 
(vd. unter Bakterien). 

cf. Comedo, Helminthiasis. 

Parasteatosis vd. Htcatosis. 
Parasynovitis i. q. Synovitis fuugosa. 
Paratrichosis vd. Trichosis. 

Paratrophia (vd. Atrophia) s. Dystrophia (s. d.) Er- 
nährungsstörung der Muskeln, welche weder als A trophie 
noch als Hypertrophie bezeichnet werden können. St/n.: Pseudo- 
hypertrophie. 

Paratyphlitia (™ tj^/oV, sc. fvtfoov Blinddarm) 
Phlegmone des retroeökalcn Bindegewebes, welches das 
Coccum und Colon ascendens an die Fascia iliaca heftet. Obwohl 
diese Entzündimg anfänglich einen retroperitonealen Sitz hat, 
pflegt sie doch gewöhnlich das Peritoneum in Mitleidenschaft zu 
ziehen und ist überhaupt klinisch von der Perityphlitis nicht zu 
unterscheiden. 

cf. Psoitis, Perityphlitis. 

Paregorica (xaQtjyogeo}, äyooFvo) zureden, beschwich- 
tigen) i. q. Sedativa. 

Parese AäoFots Erschlaffung v. .-rao-hjfu nachlassen) 

unvollständige Lähmung, verminderte Funktionsfähigkeit 
von Muskeln oder motorischen Nerven (doch spricht man auch 
von Gefühls-P.). 

Parcsis uteri vd. Hcmiparesis. 
cf. Paralysis, Paraparesis. 

Paridrosis vd. Parahidrosis. 

Parietalthrombose (partes Wand, 6 &o6ußos Klum- 
pen) die Bildung „wandständiger Thromben" (Blutge- 
rinnsel) im Herzen oder in den Gefässen. 

cf. Thrombus. 

Par Onychia (6orvc Nagel) s. Onychia lateralis Ent- 
zündung, Wucherung und Vereiterung der den Nagel- 



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3(38 Paronychosis 

falz bildenden Hautpartie und deren Umgebung, entweder infolge 
von Incarnatio unguis (s. d.) oder als 

P. syphilitica, durch Effloreszenzen oder feuchte Pa^ln her- 
vorgerufen, welche an den Nagelrändern sitzen, 
cf. Panaritium. 

Paronychosis vd. Onyehosis. 

Parostosis (ro omioy Knochen) K uochenbildung 
ausserhalb des Periosts. Vikchow hat nachgewiesen, dass 
sich im Anschluss an sehr prononcirte Fälle von Periostitis ossifi- 
cans die Neigung und Fähigkeit, Kuochensubstanz zu bilden, auch 
auf das benachbarte, mit dem Periost in kontinuirlicheni Zu- 
sammenhang stehende Bindegewebe z. B. der Muskeln und der 
Gefäss- und Nervenscheiden fortsetzt (bei Diastase von Bruchen- 
den eine wichtige Rolle spielend). 

Parotitis (rö o»\-, <»Ws Ohr) Entzündung der Ohr- 
speicheldrüse, tritt sporadisch nach Erkältungen, Traumen, 
oder metastatisch (s. u.) oder in einer koutagiösen Form 
auf als 

P. epidemica s. polymorplia (Murnps, Ziegenpeter, Bauern- 
wetzcl, Wochentölpel, Ohrenklamm etc.) wobei es sich um eine 
vorwiegend katarrhalische Entzündung der Driisenschläuche handelt, 
während das Drüsenbindegewebe nur sekundär durch ödematöse 
und zellige Infiltration sien mitbeteiligt. 

P. epidemica ist häufig von einer Orchitis oder Mastitis ge- 
folgt. Es handelt sich hierbei jedoch nicht lun eine Metastase, 
sondern um die spätere Entwicklung eines und desselben Krank- 
heitsstoffes im Hoden oder in der Brustdrüse. 

Die im Anschluss an verschiedene Infektionskrankheiten auf- 
tretende 

P. inetastatica (z. B. scarlatinosa, typhosa) ist wahr- 
scheinlich eine Lokalisation des spezifischen Krankheitsgiftes, 
dessen Einfluss eine parenchymatöse Entzündung (Degeneration) 
der Drüsenzelleu und häufig eine eiterige Schmelzung der Drüsen- 
acini hervorruft. 

Paroxysmus (gr. H. von .-ragozvvco verschärfen) die 

anfallsweise hochgradige Steigerung der Symptome, 
cf. Akine, lnsultus, Raptus. 

Partus {lat. Geburt). 

P. conduplicato corpore Ausstossung des Kindes mit zu- 
sammengedrücktem Körper. 

P. hninaturus Geburt zu einer Zeit, in welcher der Fötus 
noch nicht lebensfähig, die Plazenta aber ausgebildet ist (10. bis 
2H. Woche). 



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Pathogenese 



F. pracmat urus Frühgeburt, Unterbrechung der Schwanger- 
schaft zu einer Zeit, in welcher der Fötus noch nicht auege- 
tragen ist, aber bereits einen Grad der Entwicklung erlangt 
hat, der ihm ein extrauterines Fortleben gestattet (28. bis 
38. Woche). 

cf. Abortus. 

P. scroti aus (sero spät, ttnus sich erstreckend, v. 

tetvo)) Spätgeburt — nach erheblich längerer, als 2C>8tägiger 
Schwangerschaft. 

F. praeeipitatus Sturzgeburt, abnorm rascher Geburts- 
verlauf. 

P. sieeus Geburt bei abnormer Trockenheit der Genitalien. 

Pariiiis (nagd neben, an, rj ovkig Zahnfleisch) Zahn- 
geschwür, subperiostaler Kiefcrabszess infolge Fortleitung einer 
Zahnwurzelhautentzündung durch das Bindegewebe der Knochen- 
kanälchen, zuweilen mit eiteriger Schmelzung der Alveolen wand, 
so dass eine Kommunikation zwischen Alveole und Abszess statt- 
findet. 

cf. Epulis, Periodontitis. 

Paschachurda (persisch = fressende Flechte) oder 
Jaman DsHtaegau (böses Geschwür) die Sartenkrank- 
heit, das Taschkentgeschwür, ein endemisches Hautleiden 
der Bewohner von Taschkent, bestehend in derben, in das Korium 
eingelagerten Granulomen, die zum Unterschied von Lupus über 
die ganze Haut verbreitet sind und niemals auf die Schleimhäute 
übergreifen. 

pastös (itaL pastoso teigartig, v. pasta Teig, lat pastus 
Nahrung, pas-cor weide, fresse) gedunsen, aufge- 
schwemmt, vom Aussehen lymphatischer Individuen, welche 
weite Saftkanäle der Haut und Überschuss von Lymphe besitzen. 

Patellarsehnenreflex (patella Dem. v. patera 
Schüssel, Platte) [Erb] oder Kniephilnomen [Westphal] un- 
willkürliche Kontraktion des Quadriceps beim Beklopfen 
des Ligamentum patellae, ein für die Diagnose gewisser Rücken- 
markskrankheiten äusserst wichtiger Sehnen refiex , der unter 
pathologischen Verhältnissen bald gesteigert, bald herabgesetzt 
oder aufgehoben ist. 

Pathogenese {t6 naftog Leiden, rj yhsaig) die Krank- 
heitsentstehung. Während die Ätiologie nur die Krankheits- 
ursachen berücksichtigt, beschäftigt sich die P., als Doktrin, mit 
dem Wesen der Krankheit, der genaueren Art und Weise, wie die 
Krankheit und deren Symptome zu stände kommen. Als „pathogen" 
bezeichnet man diejenigen Spaltpilze (vd. Bakterien), welche als 
Krankheitserreger wirken. 

Roth'a Klinische Terminologie. 4. Aufl. 24 



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370 



Pathognomisch 



Pathognomisch, richtiger pathognomoniBeh, 
auch pathognoatisch (.iadc-yvw^ov(x6; t yiyvwoxro erkennen) 
nennt man Symptome, deren Vorhandensein mit aller Sicher- 
heit auf einen bestimmten Zustand hinweist (oder denselben aus- 
schliesst: negativ-p.). 

Pathologie (6 jiovoc Lehre) Krankheitslehre, die 
Wissenschaft von den krankhaften Vorgängen im Körper. 

Pathophobie (6 yoßos Furcht) i. q. Hypochondrie. 

Pavor nocturna» (engl, night terrors, das nächtliche 
Aufschrecken der Kinder) dessen Hauptmerkmale sind: 
plötzliches Auffahren aus tiefem Schlaf unter Angstempfindungen 
unter deutlichem Bezug auf ein vorschwebendes Wahngebilde, 
Störung des Bewusstseins, mit dessen Rückkehr auch der Schlaf 
wiederkehrt, Mangel an Rückerinnerung an das Vorgefallene 
[Wertheimber]. 

Pectoriloquie (löquor sprechen) eine sehr deutliche, 
gut artikulirte B ronchophonie. 

Pectus carinatum s. galllnaceum, „Hühner- 
brust" (pectus Brust, carina Nuss schale, v. xdgvor Nuss, 
Schiffskiel), schif fsk ielartiges Hervorstehen des 
Brustbeins bei Rhachitischen. Das Brustbein ist weiter 
als normal von der Wirbelsäule entfernt, während die Seitenteile 
des Brustkorbes abgeflacht und eingeknickt sind, und die Rippen 
in stumpfem Winkel an das Brustbein sich ansetzen. 

Pediculua (L&uschen v. pedis Laus, Lauftier). 

P. capitis die Kopflaus. 

P. pubis die Filzlaus. 

P. vcstiinenti die Kleiderlaus, 
cf. Phthiriasis, Epizoen, Dermatozoen. 

Pelioma typhonum (z6 xeklotfia v. .teXtog schwarz- 
blau) bläulich-rote, kleiuere oder grössere Flecke am Rumpf 
und den Extremitäten, die in allen Stadien des Typhus, aber 
auch bei anderen Krankheiten vorkommen können. 

Poliosis {rj xtktcootg Blutunterlaufung v. .-tfaiom) vd. 
Purpura. 

Pellagra (v. pelle Haut u. ngro herbe, scharf, rauh) 
Pellis aegra, Elephantiasis iraliea, Risipola loinbarda. Mai 

rosso, Mal del sole der lomba rdische Aussatz, eine in Pie- 
mont und dem südlichen Frankreich im Zusammenhang mit 
Maisgenuss stehende endemische Krankheit die durch ein 
recidivirendes erythematöses Exanthem, chronische Diarrhöen, 
Marasmus und Psychose charakterisirt ist. Die Krankheit befällt 



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Polvis 



'611 



sehr häufig das Rückenmark (Seiten- und Hinterstränge) und 
verläuft dann unter dem Bilde der ataktischen Paraplegie. Ihr 
Verlauf ist ein chronischer, ihr akutes rasch zum Tode führendes 
Stadium wird als Typhus pellagrosus bezeichnet und ver- 
läuft unter den Erscheinungen einer spinalen Meningitis mit 
Schwellung der intestinalen Lymphdrüsen und Enteritis. Ihre 
Ursache ist höchst wahrscheinlich ein Pilz des Mais (Sporisorium 
Maidis). 

cf. Akrodynie, Ergotismus. 

Pellentia (pelltre treiben) i. q. Abortiva. 

Pelote (franz. la pelote Ballen, lat. pila v. jräMa>) der 
ballenf örmige Teil der Bruchbänder, der auf die Bruch- 
pforte zu hegen kommt. 

Pelveoperitonitif* (vd. pelvis) die sehr häufige 
Entzündung des Bauchfellüberzugs aller Beckenorgane, 
also Perimetritis, Perisalpingitis, Perioophoritis, Pericystitis und 
Periproktitis (s. d.). 

cf. Peritonitis. 

Pelvimeter (ro fthgov Mass) Instrument zur un- 
mittelbaren Messung der Conjugata vera unter teil weiser Ein- 
führung in die Vagina [Vanhuevel'scIics P.]. 

Pelvis (peluis v. plere fallen) das Becken. 
Zweifel teilt die Beckenanomalien folgendermassen ein: 

A. Das allgemeine gleichmässig verengte Becken, 
Pelvis aequabiliter justo minor. 

B. Das partiell verengte Becken. 

I. Im geraden Durchmesser verengt: 

1) Das gewöhnlich oder einfach platte Becken (Pel- 
vis plana Deventeri) mit Annäherung des Promontorium 
an die Symphyse ohne auffallende Flachheit der Dann- 
beinschaufeln, wahrscheinlich durch zu starke Belastung der 
Kreuzbeinligamente während der Pubertät bedingt. 

2) Das rhachitisch platte Becken (Pelvis plana 
rhachitica) von 1 durch die charakteristischen Ver- 
änderungen der Rhachitis unterschieden. 

Ii) Das allseitig verengte platte Becken (P. nimis 
parva et plana) allseitig verengtes Becken mit zu starker 
Annäherung des Promontorium an die Symphyse. 

4) Das spondyl-olisthe tische Becken (axovdvAoe Wirbel, 
SXiofraivuy ausgleiten) durch Abwärtsgleiten des ersten 
Lendenwirbels entstehend. 

5) Das durch beiderseitige Hüf tgelenksluxation 
abgeplattete Becken (P. plana per luxationem 
coxorum). 

ti) Das lumbo-lordotische Becken durch Lordosc des 
Kreuzbeins hervorgerufen. 

24* 



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Pemphigus chronicus 



II. Hauptsächlich im queren Durchmesser verengt: 
J) Das osteomalacische Becken mit schnabelförmigem 

Vortreten der {"Schambeine, da sich die Knochenerweichung 
zuerst au den Schambeinen und dem Kreuzbein geltend 
macht. 

2) Das RoBERT'sche und das ankylotisch quer ver- 
engte Becken (Pelvis transverse sc, per defectttm 
vel per ankylosin angusta) entweder durch kongenitales 
Fehlen der beiden Kreuzbeinflügel (RoBERT'sches Becken) 
oder durch Ankylose der Hüftkreuzbein-Synchondroee ent- 
stehend. 

3) Das kyphotisch quer verengte Becken; das Pro- 
montorium ist nach hinten unten gedrängt, die Hüftbeine 
oben auseinander, im Beckenausgang gegen einander ge- 
trieben. 

III. Hauptsächlich im schrägen Durchmesser ver- 
engt: 

1) Das ankylotisch schräg verengte Becken (P. 
per ankylosin oblique angusta) mit Verkümmerung 
oder Mangel eines Kreuzbeinflügels. 

2) Das coxalgisch schräg verengte Becken durch un- 
gleichmässige Unterstützung des Beckens durch die untern 
Extremitäten (bei Coxitis) bedingt. 

3) Das skoliotisch schräg verengte Becken. 

Zu der I. und II. Kategorie gehört noch das pseudo- 
osteomalacische Becken durch hochgradige Rhachitis bedingt, 
zu der II. das trichterförmig verengte Becken. Endlich 
ist noch zu erwähnen das unregelmässig verengte Becken 
(durch Kuochen- oder Knorpelgcsehwülste). 

Pemphigus chronicus*) (n xentftS, -tyoc, v. qvoa 
= papula Blase) s. Pompholix Blasenfieber, Schäl- 
blattern, eine Hautkrankheit, welche sieh durch wiederholte, 
unter fieberhaften Erscheinungen zu stände kommende Entwick- 
lung von Blasen auszeichnet, die mit klarer oder gelblich seröser 
Flüssigkeit gefüllt sind. Sie tritt in folgenden Formen auf: 

P. vulgaris durch prall gefüllte, später eintrocknende Blasen 
charakterisirt, welche in völlige Genesung enden können (P. v. 
benignus). Eine andere Form (P. v. malignus s. kachec- 
ticus) hat wegen der Menge, Dauer und häufigen Nachschübe 
der Effloreszenzcn eine sehr üble Prognose. 

P. foliaceus durch lockere, matsche Blasen charakterisirt, 
unter deren Schorf eine rote, nässende Fläche bleibt, welche keine 
Tendenz zur Uberhäutimg zeigt. Der Prozess breitet sich per 
continuum über die ganze Hautt'läche aus und endet immer tötlich. 

*) Das Vorkommen von P. acutus contagiosus wird von 
HEBRA in Abrede gestellt. 



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I 



Peptotoxin 



373 



P. vegetans s. frainbosioides von P. vulgaris dadurch 
unterschieden, dass nach dem Platzen der Blasen auf dem ex- 
koriirten Grunde anfänglich mattweisse, später fleischrote, drüsig 
unebene, warzenartige (papillomatöse) Wucherungen auftreten. 
Akuter tötlicher Verlauf [J. Neumann]. 

P. syphiliticus, Varicella syphilitica eonflitens [Zeisbl] 
selten bei Erwachsenen , häufig bei hereditär - syphilitischen 
Kindern (P. s. neonatorum) sehr bald nach der Geburt auf- 
tretende, wenn nicht schon bei der Geburt vorhandene pem- 
phigusartige Blasen, bei letzteren immer tötlich. 

P. Jenrosufi vereinzelte P.-Blasen als Prodrom der Lepra 
oder Teilerscheinung derselben. 

P. scorbuticiis bei Skorbut, besonders an den unteren Ex- 
tremitäten auftretende, mit blutigem Inhalt gefüllte grössere 
Blasen. 

Penieillinm (penicillus Pinsel, v. peniculus, penis) der 
Pinselschimmel, ein Schimmelpilz mit geraden gegliederten 
Fruchtfäden (Hyphen), welche sich gabelig teilen und dichte 
pinselartige Büschel, die sog. Basidien bilden, auf denen die 
Sporen aufsitzen. Der gemeinste, überall (auch in der Luft) an- 
wesende Schimmelpilz ist das Pen i eil Ii um glaucum. 

Pentastomnm taenioide* (nh>xe fünf, on^aMund, 
raivia Binde, eiöog Gestalt, xaivioeidk) (die Larve heisst P. 
<Unticulatum) ein zur Familie der Pentastomiden gehöriger 
Parasit, der sich hauptsächlich bei Tieren in der Nasenhöhle 
findet, aber auch beim Menschen vorkommt. 

Pepsin {jt£m(o kochen) das im Magen ausgeschiedene 
Ferment, welches im Verein mit Salzsaure Eiweisskörper löslich 
macht, d. h. in Peptone umwandelt. Seine ausreichende Gegen- 
wart wird im ausgeheberten Magensaft daran erkannt, dass dieser 
bei vorhandener Salzsäure einen kleinen Eiweisswürfel innerhalb 
einer Stunde verdaut (löst). Den Vorgang der Peptonisirung be- 
zeichnet man als Proteolyse. 

Peptonurie Ausscheidung von Pepton im Harn, 
konstante Erscheinung bei normalen Wöchnerinnen (Fischer], 
krankhaftes Symptom bei Eiterungen und Degenerationen der 
Organe aus verschiedenen Ursachen, auch bei Neubildungen, 
Geisteskrankheiten. Das Vorkommen der P. wird neuerdings be- 
stritten; es soll sich vielmehr um Albumosen -Ausscheidung 
handeln (cf. Albumosurie). Nur das unter Umgehung des Darm- 
kanals eingeführte Pepton soll als solches im Harn wieder er- 
scheinen. 

Peptotoxin {t6 roEov Bogen, Geschoss, Pfeilgift) 

ein Ptomain [Brieger], derjenige Körper, welcher die giftige 



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374 



Peracidität 



Wirkung subkutan eingespritzter Peptonlösuugeu bedingt. Er wird 
bei der Peptonisiruug im Magen aus Eiweiss gebildet. Die Wir- 
kung auf Frösche und Kaninchen ist ähnlich der des Curare. 

Peracidität (per-acidus sehr sauer, besser als der 
häufiger gebrauchte Ausdruck „Hyperacidität") gesteigerter 
Säuregehalt sc. des Magensaftes, gewöhnlich für den 
Gehalt an freier aktiv wirksamer Salzsäure gebraucht, welche auf 
der Höhe der Verdauung unter normalen Verhältnissen etwa 
1,5 — 2,5°/ 00 betragen soll. Das Symptom findet sich besonders 
häufig bei Ulcus ventric, ferner bisweilen bei Magenerweiterung, 
hie und da bei chronischen Magenkatarrhen, sowie bei Neur- 
asthenie. Bisweilen ist P. verbunden mit Hyperkrinie (Hyper- 
sekretion). 

cf. Hyperchlorhydrie. 

Percussio (per-cutere erschüttern, v. quatio schlagen) 
die Kunst, durch Beklopfen der Körperoberfläche einen 
Schall zu erzeugen und aus dessen Eigentümlichkeit einen Schluss 
zu ziehen auf die Beschaffenheit der dem Auge verborgenen 
Gebilde, namentlich der Brust- und Unterleibsorgane. 

PalpatorischeP. gleichzeitige Berücksichtigung der Resistenz 
der perkutirten Teile. 

cf. Succussio, Palpation, Auskultation, Mensuration. 

Per t Oratorium (perförö) Instrument zur Durch- 
bohrung des kindlichen Schädels als Voroperation zur 
Cephalotripsie. Es sind scheeren- und trepanf örmige in 
Gebrauch. 

Perforation die Durchbohrung. 

Periadeniti* (xegi um — herum, 6 ädijv Drüse) die 
Entzündung des Gewebes um die Drüsen herum, eine Teil- 
erscheinung der Adenitis. 

cf. Bubo. 

Periarteriitis (Arteriitis — s. d.) s. Arteriitis ex- 
terna s. Exarteriitis Entzündung der äusseren Arterien- 
haut (Adventitia) in gewöhnlich sekundärer Weise durch Traumen 
oder fortgeleitete Entzündungen mit Ausgang in bindegewebige 
Verdickung oder Abszedirung. 

cf. Perivasculitis. 

Peribronchitis (m ßgoyxta Luftröhrenäste) Ent- 
zündung der Gewebe in der Umgebung der (feineren) 
Bronchien. 

Buhl (Zwölf Briefe) unterscheidet die folgenden Formen: 

P. fibrosa schwielige P., Entwicklung eines meist pig- 
mentirten, in dichten konzentrischen Lagen um die Bronchien 
gelagerten Bindegewebes, welches von der Adventitia seinen Aus- 



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Perichondritis 



375 



3 

tu 



nimmt, doch auch ins benachbarte interalveoläre und inter- 
lobuläre Bindegewebe sich fortsetzt. 

P. nodosa (tubereu Iusa) Tuberkulose der Bronchial wand, 
gewöhnlich gleichzeitig mit tuberkulöser Verschwärung der 
~J, Schleimhaut (nach Rindfleisch handelt es sich hierbei im 
wesentlichen um Tuberkulose der peribronchialen Lymphgefässe 
3 mit diffuser schwieliger Infiltration und Induration der adveu- 
^ titiellen Scheide der feinsten und feineren knorpelloscn Bronchial- 
zweige [P. fibrosa], die hauptsächlichste Grundlage der laug- 
sam fortschreitenden chronischen Tuberkulose, die Fortsetzung 
der primären Tuberkelgranulation). 

cf. Broncho-Pneumonia tuberculosa, Pueumonia chron., Cirrhos. 
pulm. tuberculosa. 

P. purulenta eiterige Infiltration, welche an den feineren 
Bronchien die ganze Bronchialwand durchgreift, mit sekundärer 
eiteriger Erweichung des Bronchialrohres, Geschwürs- uud 
Kavernenbildung, am häufigsten als Komplikation schon vor- 
P handener Luugenerkrankungen, seltener als eine selbständige un- 
r-r^ vermischte Affektion. 

Peribrosis (^Qi-ßißQ<oax<o rings umnagen) ge- 

schwürige Entartung der Kommissur der Augenlider. 

$ Pericarditis (xeyi-xdpdiog Adj. um das Herz, 16 nsgiyAo- 

*H dtov Herzbeutel) Entzündung des Herzbeutels. Sie ist 
PH selten eine zirkumskripte, meist eine diffuse, entweder in 
akuter oder chronischer Weise auftretend, nach dem Ver- 
halten des Exsudates eine fibrinöse, serof ibriuöse, hä- 
morrhagische oder purulente, selten idiopathisch, meist 
sekundär bei Polyarthritis, chronischen Nierenkrankheiten, 
Tuberkulose (P. tuberculosa), Pyämie, hämorrhagischer Diathese 
uud durch Fortleitung benachbarter Entzündungen entstehend. 

P. adhaesiva eine chronische Form der P., welche zur teil- 
weisen oder vollständigen Verwachsung der Herzbeutelblätter 
(Obliteration oder Obsoleszenz des Herzbeutels, Cou- 
cretio pericardii) führt. 

P. externa Entzündung an der Aussenfläche des Herz- 
beutels, gewöhnlich verbunden mit Entzündung des mediastinalen 
Bindegewebes — Mediastiuo-P. (vd. Mediastinitis) und der be- 
nachbarten Pleura — Pleuro-P. 

cf. Cor villoaum. 

Perichondritis (6 jröVdgoc Knorpel) Entzündung 
der — dem Periost analogen — Knorpelhaut, ist entweder 
idiopathisch 'akut oder chronisch) oder sekundär bei 
Phthisis, Syphilis, Typhus, Variola, und führt zum perichondri- 
tischen Abszess mit "seinen vor allem im Kehlkopf bedeutenden 
Folgen. 

P. laryngea P. der Kehlkopfknorpel, ist entweder P. ary- 
taenoidea, cricoidea oder thyreoidea. 



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376 Fericolitis 

Perieolitis {t6 xtoiw Grimmdana) Entzündung der 
Umgebung (des serösen Überzuges) des Dickdarms. 

Perieranitis (x6 xgaviov Schädel) Entzündung der 
Schädeldecken. 

Pericystitis (fj xvang Blase) Entzündung des die 
Blase überziehenden Bauchfellteiles, 
cf. Pju-acystitis, Peritonitis, Pehoperitonitu. 

Peridektomie (ixxenvw ausschneiden) Operation zur 
Heilung des Pannus: Ein dem Hornhautrande paralleler 2 mm 
breiter Streifen der Bindehaut wird entfernt, die freigelegte Schicht 
skarifizirt und zur Vernarbung gebracht (cf. Peritomie). 

Perifollicnlitis (follicultis Dem. v. foüis lederner 
Schlauch) eine Entzündungeform, die mit Gefässerweiterung 
und ZeUeninfütration der Lederhaut in der Umgebung der 
Talgdrüsen, resp. der Haarbälge einhergeht 

Perigastritis Entzündung des Bauchfellüber- 
zuges des Magens. 

Perihepatitis Entzüudung des Bauehf ellüber- 
zuges der Leber. 

cf. Hepatitis, Peritonitis. 

Perilymphe ngitis vd. Lymphangitis. 

Perimeningitis (spinalis acuta und chronica ? i. q. 
Pachymeningitis (spinalis externa). 

Perimeter (t6 ftexgov Mass) Instrument zur genauen 
Untersuchung der Peripherie des Gesichtsfeldes, von 
Förster angegeben. 

cf. Horopter. 

Perimetritis i>5 /itjxga Gebärmutter) umschriebene 
Peritonitis des Bauchfellabschnittes in der Umgebung 
des Uterus (bei mehr diffuser, aber auf den Beckenteil be- 
schränkter Ausdehnung alsPelveoperitonitis bezeichnet) infolge 
verschiedener Ursachen. 

cf. Pararaetritis, Pelveoperitonitis. 

Perimetroaalpingitis von Pozzi vorgeschlagener 
Sammelname für die periuterinen Entzündungen: Perimetritis 
(s. d.), Paramctritis fs. d.), Pelveo-peritonitis (s. d.) u. s. w., die 
sich nach dem heutigen Stande der Wissenschaft nicht mehr so 
strenge trennen lassen und in den allermeisten Fällen von einer 
Salpingitis ihren Ausgangspunkt nehmen. 

Pozzi rechnet hierher: 

1) Perimetroaalpingitis a) serosa b) purulenta. 

2) Beckenabszess. 

vi) Phlegmone des Lig. latum. 

4) Diffuse Beckencellulitis (Beckenzellgewebsentzüudung). 



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Periostitis 



377 



Perineanxesis (avsdvo vermehren) eine von Martin 
empfohlene Form der Kolpoperineorrhapie zur Schonung 
der hintern Vaginahvand. 

cf. Kolpoperineorrhaphic. 

Perineorhaphie oder Perineoplastik (6 ntgirroe 
Mittelfleisch, päjiTw nähen, xkaooco bilden) plastische 
Operation veralteter Dammrisse. 

cf. Kol poper ineoplnstik. 

Perineosynthesis (von oiwidinu zusammenstellen) 

operative Wiederherstellung des Dammes bei kleinen 
partiellen Defekten nach verschiedenen Methoden. 

Perineotomie {ihivw schneiden) von Hegar vor- 
geschlagene Operation der Beckenabszesse vom Damme aus. 

Perinephritis (6 veygoc Niere) Entzündung in dem 
die Nieren umgebenden Biude- und Fettgewebe und 
dem damit in Zusammenhang stehenden retroperitonealen Binde- 
gewebe < Paranephri tis). Die Krankheit tritt auf entweder 
im Gefolge von Kontusionen mit Erguss von Blut und Harn, 
oder von Typhus, Variola, Erkältung oder fortgeleitet von be- 
nachbarten Entzündungen und Eiterungen (Pyelonephritis, Para- 
metritis, Psoitis) als Per in. oder Paran. suppurativa, wobei 
sich der Eiter gewöhnlich nach hinten und aussen in die Lenden- 
gegend, seltener in den Darm oder nach der Regio inguin. ergiesst. 

Perineuritis (ro vevoov Nerv) Entzündung der 
bindegewebigen Hüllen (Scheiden) der Nerven, klinisch- 
symptomatisch der Neuritis ähnlich. 

P. chronica leprosa vd. Lepra. 

Periodontitis (<> 66ovg y ovrog Zahn) Zahnwurzel- 
hautentzündung, eine gern zur Parulis (s. d.) führende ent- 
zündliche Hyperämie und Infiltration der Zahnwurzelhaut. 

Perioophoritis eine Entzündung um das Gewebe 
des Eierstocks herum, eine zirkumskripte Peritonitis meist mit 
Oophoritis zusammen. 

cf. Pelveopcritonitis. 

Periorchitis (6 Sqx^ Hode) vd. Hydrocele. 

Periostitis (ro ooxiov Knochen) Beinhautent- 
zündung, kommt teils primär, teils sekundär, von der 
erkrankten Nachbarschaft fortgeleitet, am häufigsten traumatisch 
vor, und wird entweder wieder durch Resorption rückgängig, oder 
führt zu Osteophytenbildung (P. ossificans) oder zur Bildung 
fibröser Schwarten (P. fibrosa) oder zur Eiterung (P. puru- 
lenta). Ergiesst sich der Eiter zwischen Periost und Knochen, 
so dass ersteres von letzterem abgehoben wird, so bezeichnet man 
diesen Vorgang als P. purulenta dissecans. Ollier unter- 



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378 Periostose 

scheidet noch eine Knochenhautentzündung mit serösem Exsudat 
als P. albuminosa, deren Abgrenzung als besondere Form aber 
nach W. Roser unzweckmässig ist. 

P. interna eranii i. q. Paehyrueningitis externa. 

P. maligna (infeetiosa, phlegmonosa) vd. Osteomyelitis 
diffusa spontanen. 

P. seorbutica durch skorbutische Blutung unter das Periost 
hervorgerufene P. 

P. syphilitica s. gummosa ist durch Einlagerung gummöser 
Wucherungen (8yphilome) verursacht, welche vom Periost in 
den Knochen hineinwachsen und denselben oberflächlich zer- 
stören. 

cf. Dolores osteocopi. 

Periostose vd. Exostose. 

Periostreflexe unwillkürliche Muskelkontraktionen, 
welche durch Beklopfen gewisser Extremitäteuknochen ausgelöst 
werden, unter pathologischen Verhältnissen häufig gesteigert. 

Peripaehymeningitis vd. Pachymeningitis externa. 
Meningitis spinalis. 

Periphlebitis (17 <p/Ji/>, q>l?ft6z Ader) Entzündung 
der äusseren Venen haut (T. adventitia) Teilerscheinung der 
Phlebitis. 

cf. Perivaaculitis, Periarteriitis. 

Peripleuritis (rj xirvod Brust- oder Rippenfell) 

Entzündung mit dem Ausgang in Abszedirung in dem Biude- 
gewebe zwischen Pleura costalis und Rippenwand, 
unabhängig von jeder traumatischen Einwirkung und von vor- 
gängiger Pleuritis [Wunderlich]. 

Peripnenmonie (>? xvevpovia Lungenentzündung! 

vd. Pleuritis. 

Periproktitis (6 jrowxro»- After, Mastdarm) Ent- 
zündung des lockeren Zellgewebes, das den Mast- 
darm umgibt, häufig zu periproktitischen Abszessen und Mast- 
dannfisteln führend, kann sich zur Proktitis hinzugesellen oder 
von anderen benachbarten Entzündungsprozessen her fortgeleitet 
werden oder idiopathisch entstehen, letzteres häufig bei Tuber- 
kulösen. 

cf. Pelveoperitonitis. 

Peripsoitis vd. Psoitis. 

Peripylephlebitis syphilitica (>/ Mq Pforte, 
V fi^H>, <pXsß6; Ader, also Pfortaderentzündung) Gumma- 
entwicklung in der Gegend der Leberpforte, häufige 
Affektion bei kongenitaler Syphilis. 



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Peritonitis 



379 



Perisalpingitis (>/ oalmy* Trompete, i. e. Tube) 

vd. Pelveoperitonitis. 

Periskopische Gläser vd. Menisken. 

Perispermatitis vd. Hydrocele funiculi spermatici. 

Perisplenitis (o onXrjv Milz) Entzündung des 
peritonealen Milzüberzuges. 

Peritomie {xroi-rhivu) umschneiden) s. Syndektomie 

operative Behandlung des Pannus durch Abtragung eine* 
3 — 5 mm breiten konjunktivalen Streifens rings um die Kornea, 
um den pannösen Gefässen die Zufuhr abzuschneiden (cf. Peri- 
-dektomie). 

Peritonitis (ro jiegt-zovatov u. -eiov von xegi-reivw um- 
spannen, xixXrjxai ye /uqv xeoirovatov, oljiotov xsotieraodat 
naai roig oxldyxvoig [Galen de uat. facult. 0, 4]) Baue hf eil - 
Entzündung. Es gibt eine akute und eine chronische, 
zirkumskripte und diffuse, (seltene) primäre und (ge- 
^ wohnlich) sekundäre, eine adhäsive (mit mehr trockenem, 
^ fibrinösem, zur Verklebung führenden Exsudate) und eine ex- 
sudative Form mit mehr oder weniger kopiösem Exsudat. 
Das letztere ist serös oder sero-fibriuös, hämorrhagisch, 
purulent oder jauchig (wobei sich durch Zersetzung Gas ent- 
wickelt: Pneumoperitonitis, Meteorismus peritonealis). 
Von untergeordneter Bedeutung gegenüber dem ursächlichen 
.Leiden ist die tuberkulöse, carcinomatöse, sarkomatöse 
rj P. — Als weitere besondere Formen sind anzuführen: 

^ P. deformans [Klebs], Clrrhosis peritonei chronische P.. 

besonders über das Mesenterium verbreitet, mit Verdickungen 
• und Verkürzungen des letzteren und anderer Teile des Peritonäum, 
findet sich im Gefolge langwieriger Stauungszustände bei Herz- 
CD kranken, exquisit zuweilen bei Lebercirrhose und atrophischer 
Muskatnussleber, sowie mitunter bei Nierencirrhose. 

P. ex perforatione Perforati v-P., die bei Perforation 
vom Magendarmkanal oder anderen Nachbarorganen infolge von 
Geschwüren oder anderen Ursachen und durch Eiutretcu von 
-festen, flüssigen oder gasförmigen Contentis jener Organe in den 
Peritonealsack verursachte perniziöse Form. 

P. puerperales vd. Febris puerperalis, Perimetritis. 

P. septiea metastatische P. bei septischer oder pyämischcr 
Blutvergiftung. 

P. infantum die nicht selten in der ersten Zeit nach der 
•Geburt vorkommende, mit Omphalitis, pyämischer (puerperaler) 
oder erysipelatöser Infektion oder mit Nabelhernien in Zusammen- 
hang stehende P. 

cf. Pericystiti8, Perihepatitis, Perimetritis, Perisplenitis, Perityphlitis. 



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360 Peritonsillarabszess 

PeritonsillarabHy.es*, bezw. RetretonsUlarasszes» 

Entzündung des peri- bezw. retrotou Biliaren Binde- 
gewebes mit Ausgang in Eiterung. 

Perityphlitis (t6 rv<pk6v, sc, tttegov, Blinddarm) um- 
schriebene Entzündung des Bauchfells, das den Blinddarm 
und Wurmfortsatz überzieht, entweder zu Erkrankungen der 
letzteren sich hinzugesellend, oder von einer Paratyphlitis aus- 
gehendj häufig mit Eiterdurchbruch nach dem Darm oder nach 
aussen. 

cf. Peritonitis, TyphlitU, Paratyphlitis, Appendicitis. 

Periurethritis (fj ovgrjfrga Harnröhre) Entzündung 
des die Harnröhre umgebenden Bindegewebes, ent- 
weder infolge von Traumen oder heftigen Trippern; die entzünd- 
liche Infiltration kann in Verteilung oder Eiterung und Durch- 
bruch nach innen oder aussen endigen. 

cf. Chorda venerea, Cavernitis. 

Perivaffinitis i. q. Parakolpitis. 

Perivasenlitis (vasculum, Dem. v. va$ Gefäss) Ent- 
zündung der Adventitia der Gefässe, häufig als 

P. nodosa oder tuberkulöse P. 
cf. Periarteriitis, Periphlebitis. 

Pernio (lat. von negva Ferse, Hinterbein) Frost- 
beule, durch die Einwirkung der Külte entstandene blaurote 
juckende Anschwellungen der Haut besonders an Händen und 
Füssen, auf denen sich häufig Geschwüre bilden. Sie sind bedingt 
durch Stasen infolge Gefässparalyse mit seröser Exsudation in 
das Gewebe der Kutis. 

cf. Congelatio. 

Perobrachios (xt/oo* verstümmelt, v. neigto, .Tegau 
durchbohre, 6 ^o«/<W der Arm) angeborene verküm- 
merte Bildung beider Arme. 

cf. Abrachius. 

Peroehirns (i? z fi ° Hand) verkümmerte Bildung 
beider Hände oder Füsse. 

Per ow eins (t6 /<t?/.o? Glied) Missgeburt, deren 
sämtliche Extremitäten in irgend einer Weise defekt 
oder missgestaltet sind. 

cf. Amelus, Mikromelus, Phokomelus. 

Peropns (6 novs Fuss) angeborene verkümmerte 
Bildung oder abnorme Kleinheit beider Unteres- 
treini täten. 

cf. Perochirus, Monopus. 



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Pes 381 

Perturbatio critica (perturbare verwirren) nennt 
man die in typischen Kraukheiteu zuweilen vor der Krise ein- 
tretende nochmalige Steigerung der Erscheinungen, in- 
sonderheit des Fiebers. 

Pertiissis i. q. Tussis convulsiva. 

Pervigilium (lat. vigil wach, munter, von vig-ere 
und per) i. q. Agrypnia. 

Pes der Fuss. 

P. varus (= curvu8 vd. Geuu varuiu) Klumpfuss, der 
Fuss „zu einem Klump zusammengezogen", abnorme Abduktion 
<Tibialflexion) des Fusses mit Rotation desselben nach innen, also 
mit Erhebung des inneren Fussrandes. Die Affektion ist embryo- 
nalen Ursprungs, eine pathologische Steigerung der normalen 
Form des fötalen Fusses. 

P. v. hystericus vd. Contractu» hysterica. 

P. Valens (von vergere, valgum est proprie intortum [Noxirs 
p. 16. G.] cf. Genu valgum) Plattfuss, abnorme Abduktion 
(Fibularflexion) des Fusses mit Rotation nach aussen, wobei das 
Fusswurzelgewölbe herabsinkt, der innere Fussrand dick und 
breit wird, so dass der Kranke mit der vollen Planta auftritt, 
während der äussere Fussrand sich mehr oder weniger vom Boden 
abhebt. Am häufigsten ist Rhachitis die Ursache (P. v. rha- 
chiticus), seltener Paralyse der Adduktoren (P. valgus oder 
piano -valg us paralyticus). Bei den kongenitalen Formen 
findet sich meist zugleich eine Dorsalflexion (P. calcaneo- 
valgus). 

. Beschränkt sich die Deformität nur auf die Senkung des 
Fiiss wurzelgewölbes, so entsteht der 

P. planus Flachfuss, die einfachste Form des Plattfusses 
•ohne stärkere Erhebung des äusseren Fussrandes, wobei die Sohle 
von der Ferse bis zum Zehenballen eine ganz ebene Fläche bildet. 

P. planus inf lammatorius, der entzündliche Platt- 
oder Flachfuss, eine besonders bei jungen Mädchen, am 
häufigsten kurz vor der Pubertätszeit rasch und unter heftigen 
Schmerzen (Tarsalgie) auftretende Form infolge vielen Gehens 
und Stehens, Belastung des Körpers, harter Arbeit, weshalb mau 
diese Form auch als P. valgus staticus bezeichnet. 

P. ealeaneus (calx Ferse) s. Talipes (talus Knöchel) 
der Hakenfuss, abnorme Dorsalstreckuug des Fusses, der 
Gegensatz des P. equinus, wobei der Vorderfuss in die Höhe 
gezogen ist und der Kranke nur mit der Ferse auftritt. Neigt 
-der Fuss dabei zur Valgusstellung, so entsteht der P. calcaneo- 
v a 1 g u s. 



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382 



Pessarium 



P. equinus Spitzfuss, abnorme Plautarflexiou des Fusses v 
so dass derselbe Ähnlichkeit mit einem Pferdehuf bekommt, in- 
dem der Fussrücken in derselben Richtung wie der UnterschenkeL 
steht und der Körper sich nur auf Ballen und Zehen stützt. — 
Eine noch weitere Steigerung dieses /.ustandes ist der 

P. excavatus, Hohlfuss, wobei auch die Zehen flektirt 
sind und der Stutzpunkt auf das vordere Ende des Fifes- 
rückens fällt. 

P. equino-varus Klumpfuss in Verbindung mit Plantar- 
flexion. 

P. equino-valgus Plantarflexion mit Abduktion. 
[Grösstenteils nach König, Spez. Chir.] 

P. ffigas, Makropodie, angeborener Riesenwuchs des Fusses. 
<xler einzelner Teile desselben, 
et'. Talipomanus. 

Pesftariiim (6 waos der länglich runde Stein im 
Brettspiel, und. von der Ähnlichkeit, die Wicke zum 
Einlegen in After oder Scheide, pessum [Apul. herb. 121]) 
Mutterzäpfchen oder Mutterkranz, direkt aus konsisten- 
teren Medikamenten geformte rundliche oder aus gewissen Stoffen 
gefertigte ringförmige Körper, womit entweder Medikamente in 
längere Berührung mit dem Cervix uteri gebracht werden, oder 
welche dem in seiner Lage veränderten Uterus mechanisch eine 
Stütze geben (H ysterophor). 

cf. Tampon. 

Pestis (lat), Pestilentia (von perdere verderben) 
Pest hiess im Mittelalter jede epidemische Krankheit mit grosser 
Mortalität. Jetzt versteht man darunter ausschliesslich die 
eigentliche 

Bubonenpest, welche im westeuropäischen Kontinent im 
Jahre 1720, in Europa überhaupt im Janre 1841 zum letzten- 
mal (1871) kam eine kleinere Epidemie in Russland vor) vor- 
gekommen ist. Sie gehört wahrscheinlich zu den miasmatisch- 
kontagiösen Infektionskrankheiten und besteht in einer äusserst 
akut verlaufenden, schwer fieberhaften Krankheit mit grosser 
Mortalität, welche sich lokalisirt in Form von Karbunkeln und 
besonders Leistendrüsenbubonen , welche häufig in jauchige 
Eiterung übergehen mit Zerstörung der Weichteile in der Um- 
gebung. 

Petechiae (von pittacium, xirraxiov Lederstückchen 
mit Salbe zum Auflegen auf die Haut [Celstjs 3, 10],. 
ital. petechie rote Flecken auf der Haut in bösen Fiebern, 
woher auch unser petesche) rundliche kleine bis finger- 
nagelgrosse Purpuraf lecke. 

Petit mal (franz.) leichte Anfälle von Schwindel oder 



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Phakomalacia 



383 



Bewußtlosigkeit, im Zusammenhang mit Epilepsie, aber ohne epi- 
leptische Krämpfe, 
cf. Epilepsie. 

Petechialtyphus i. q. Typhus exanthematicus. 

Petrlficatio (petra — jrhoa — der Quader, Stein; 

facere) Verkalkung oder Verirdung, die ! Infiltration von Ge- 
weben, Sekreten oder Fremdkörpern etc. mit phosphorsaurem und 
kohlensaurem Kalk in fester Form, 
cf. Ossificatio, Incrustatio. 

Petrissage vd. Massage. 

Phagedaena (fj q>ayedatva von (payelv und eadiio, St f<5 
fressen) eine Form des Brandes, speziell für die gangränöse 
Zerstörung von Geschwüren gebraucht, wobei dieselben, periphe- 
risch fortschreitend, naeh vorausgehender Infiltration Schicht für 
Schieht rasch zerfallen. 

Phajredaenisnuis tropieus ist nach Aude u. A. der gemein- 
schaftliche Name für eine Reihe von Krankheitsformen, welche 
bisher unter verschiedenen, zumeist der Ortliehkcit ihres Vor- 
herrschens entnommenen Bezeichnungen (als „Geschwür von Co- 
chinchina, von Mozambique, Wunde von Yemen* etc.) beschrieben 
wurden, aber eine so grosse Übereinstimmung erkennen lassen, 
dass sie als der Ausdruck eines nur durch lokale Einflüsse modi- 
fizirten Krankheitsprozesses aufgefasst werden müssen. Sie ent- 
wickeln sich aus geringfügigen Verletzungen zu jauchenden oder 
gangräueszirenden Geschwüren. 

Phagocyten [Metschnikoff] (qpaynt essen, verzehren, 
6 xrroc Bläschen, hier Zelle) Fresszellen, d. h. Zellen des 
tierischen Organismus, welche die Fähigkeit besitzen, Bakterien zu 
fressen, d. h. aktiv in sich aufnehmen. Nach Metschnikoff 
sind es zwei Zellarten, Epithelzellen, die sog. Makrophagen 
und vor Allem Leukocyten, die sog. Mikrophagen. Die Fällig- 
keit der Phagocyten, Bakterien unschädlich zu machen, welche 
M.'s Theorie annimmt, wird von den meisten neueren Autoren ge- 
läugnct, indem diese eine Aufname der Bakterien in Körperzellen 
nur dann für möglich halten, wenn erstere bereits abgestorben 
oder erheblich geschwächt sind. 

Phakitia (6 yaxoq Linse) Linsenentzündung; da 
hierbei nur die innere Epithelschicht der Kapsel in eine entzünd- 
liche Wucherung (Zelleneinlagerung) gerät, deren häufigste Ur- 
sache der Zerfall eines überreifen Kerastares oder die operative 
Entfernung der Linse (selten anderes Trauma) ist, so fällt Ph. fast 
ganz mit dem Begriff Cataracta capsularis und secundaria, 
Nachstar, zusammen. 

Phakomalacia (na?.ax6$ weich) vd. Cataracta. 



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384 



Phakoskleroma 



Phakoskleroma (axXtjodi hart) vd. Cataracta. 

Phalakrosis (>J q-akaxgcoaig v. yakaxoo;, tpaXog glän- 
zend, von rpaivw u. äxga Scheitel) vd. Calvities. 

Phalangitis syphilitica vd. Daktylitis. 

Pharoiakokoiiiantron (ro qpd^ftaxov Arzneimittel, 
xavio) bestäuben, 16 ävtgor Höhle) Vorrichtung zur Zerstäu- 
bung von Medikamenten in der Paukenhöhle unter Einführung 
des Tubenkatheters. 

Pharmakologie (ro <paofiaxov Arzneimittel) Arz- 
neimittellehre. 

Pharyngitis (o ydovy*, -vyyog Schlund) Entzündung 
der Rachenschleimhaut. 

Ph. acuta ist entweder catarrhalis (erythematosa — ober- 



und submuköse Gewebe dringende Entzündung, oder crouposa 
oder diphtherica (vd. Croup und Diphtherie). 

Ph. chronica der chronische Rachenkatarrh. Eine 
besondere Form desselben ist 

Ph. granulosa, wobei die Schleimhaut mit erhabenen roteu 
Punkten besetzt, granulirt erscheint Nach Stork handelt es 
sich dabei um stellenweise Abstossung der obersten festeren Epi- 
thelialschieht und Hervorquellen der tieferen sukkulenteren Zellen- 
schicht, welche wegen Mangel der schützenden Decke die bei 
dieser Form auffallende Empfindlichkeit zeigt. 

Weitere Formen vd. unter Angina, als Teilerscheinungen dieser. 

Pharyngeale (y xr)h } Bruch) Einstülpung eines 
Oesophagusdivertikels in Form einer Schleimhauthernie zwischeu 
die Muskelfasern des Constrictor pharyngis inferior. 

Pharynffoplastik (.-rXdaoco bilden, formen) Deckimg 
eines Schlei mhautdefekts im Rachen durch Lappen der Halshaut, 
cf. Oesophagoplastik. 

Pharyngotomia sahhyoidea s. Ph. media (von 
Malgaigne erfunden und Laryngotomie soushyoidienne genannte 
Eröffnung des Pharynx zwischen Zungenbein und 
Kehlkopf als Voroperation zur Entfernung von Fremdkörpern 
und Geschwülsten am Kehlkopfeingang, welche sich nicht vom 
Munde her entfernen lassen. 

Ph. lateralis die seitliche Eröffnung des Pharynx, von 
Laxgenbeck angegeben, mit Schnittführung von der Mitte des 
Unterkieferrandes über das grosse Horn des Zungenbeins bis zur 
Höhe des RingknorpeU. 

Phimose (gr. H. v. 6 <pt,u6s Maulkorb, ytftoco zu- 



flächlich) oder phl 




eine tiefer in das Schlei mhaut- 



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Phlebosklerosis 385 

schnüren) Verengerung und ungenügende Dehnbarkeit 
der Mündung des Präputium, infolge deren dasselbe nicht 
hinter die Eichel zurückgebracht, und selbst die Urinentleerung 
behindert werden kann. 

et*. Blepharophimose, Stenose, Striktur. 

Phlebarteriektasia spontanea extreniitatum 

ff /.ei/', rpkeßög Ader, v. tpkic*, flat re fliessen; tj dortfgi'a Ar- 
terie, t] fxraöis Ausdehnung) fortschreitende Angiektasie 
der Arterien und Venen einer Extremität, von einer cirsoideu 
Erkrankung der Anastomosensysteme der Hohlhand oder der 
Fusssohle ausgehend, analog dem Aneurysma racemosuin der 
Schädelschwarte jugendlicher ludividuen (Langexbeck, Arch. 18). 

Phlebektasia ». Varicoaitas sackförmige Ve- 
nenerwei teru ng, mechanische Dilatation durch lokal gestei- 
gerten Blutdruck, am häufigsten im Gebiet des Plexus haemor- 
rhoidalis und der Vena saphena magna. 

Ph. haemorrhoidalis i. q. Haemorrhois. 
cf. Varix. 

Phlebitis Venenentzündung, in plastischer Infiltration, 
Verdickimg und häufig Vereiterung der Gefässwände bestehend. 

Ph. acuta ist selten primär und dann gewöhnlich Folge 
von Trauma, zuweilen von Gicht, meist sekundär, indem ein 
Entzündungsprozess aus der Umgebung auf die Adventitia (Peri- 
phlebitis) und weiter auf die Vene selbst sich fortsetzt und im 
Lumen derselben eine Thrombenbilduug veranlasst, — oder die 
Ph. gesellt sich, an der Intima beginnend, zu einer primären 
Thrombose oder einer Embolie, gegen welche die Veränderungen 
der Gefässwand, welche das gleiche Geschick wie der Thrombus 
und das umgebende erkrankte Gewebe zu haben pflegt, als neben- 
sächlich erscheinen. 

Ph. chronica Verdickung der äusseren Wand, während die 
Intima intakt bleibt; kommt bei dauernder Erweiterung, Variceu 
und primärer Thrombose vor. 

cf. Eadophlebitis. 

Eine besondere Form der Phlebitis ist die kongenitale oder 
erworbene, fast immer zum Tode führende, Entzündung und Throm- 
bose der Nabel venc bei Neugeborenen, Phlebitis umbilicalis. 

Phlebolith (6 Udos Stein) Venenstein, verkalkte 
Faserstoffgerinnsel, am häufigsten in varikösen Erweiterungen der 
Unterextremitäten vorkommend. 

cf. Calculi. 

Phlebosklerosis (oxbjgos hart) Hyperplasie des 
Bindegewebes der Venen waudung, eine der Arteriosklerose 
(s. d.) analoge, aber viel seltenere Affektion. 

Rotk's Klinische Terminologie. 4 Aufl. 9\ 



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386 Phlebothrombosi8 

Phlebothrombosis (vd. Thrombophlebitis) Blutgerin- 
nung in den Venen. 

Phlebotomie {t^ivo> schneide) i. q. Venaesectio. 

Phlegmasia (17 tpXsytiaota v. ipAeynatvto, (pkeyo) brenne) 

i. q. Phlegmone, nur gebräuchlich in der Zusammensetzung: 

Ph. alba dolens puerperaruin, wörtlich: die weisse 
schmerzhafte Zellgewebsentzünd ung der Kindbette- 
rinnen, weisse Schenkelgeschwulst, septische puerpe- 
rale Thrombose der Schenkel venen, eine Teilerscheinung man- 
cher Puerperalfieber (vd. Febris puerper.), welche durch Fortleitung 
einer parametritischen (infektiösen) Entzündung auf das Unter- 
hautzellgewebe des Oberschenkels, sowie das um die grossen Ge- 
fäss- und Nervenstämme der Unterextremität gelegene Bindegewebe 
entsteht, Thrombose der Schenkelvene und Lymphgefässe im Ge- 
folge hat, aber auch ohne dieselbe verlaufen kann, und wobei die 
Haut durch die Spannung ein weisses oder livides Aussehen be- 
kommt. Die Venenthrombose kann auch das Primäre sein, #> und 
die Geschwulst durch Periphlebitis mit Blutstauung und Ödem 
bewirkt werden. 

Phlegmone (>; <pXey/xovt} Zellgewebsentzündung, von 
(f Xtym brenne) akute, zur Eiterung und zur diffusen Verbreitung 
tendirende Entzündung des Zellgewebes. 

Phlegmorrhoe (r6 <pXey/*a Schleim — als Produkt 
der Entzündung v. q>Xeyw t y $otj Fliessen) i. q. Blennorrhoe. 

Phlogogen (yovfvco erzeugen, yövos das Erzeugte, 

Adj, yovtxog), entzündungserregend, nennt man Substanzen, 
welche die Eigenschaft haben, Entzündung der mit ihnen in Be- 
rührung kommenden Gewebe hervorzurufen. 

Phlogogen ((pXoyoyrvtjg) würde bedeuten durch Entzün- 
dung entstanden, doch wird im gewöhnlichen Sprachgebrauch 
nicht streng auf diese Unterscheidung geachtet. 

Phlogosis (v (pXoycoots Entzündung, v. <pXoy6o>) i. q. 
Inflammatio. 

Phlyktaena {$ ylvxtatva Blase, v. <plv<*> aufwallen) 

i. q. Vesicula. 

Phlyktunosen (t) vooo? Krankheit) durch Bildung 
von Bläschen oder Blasen charakterisirte Hautkrank- 
heiten. 

IMilyzacium (r6 q>Xv£dxtov v. <pXt%u>, qpXvto, fluo) vd. 
Pustula. 

Phokomelus (fj <pd>xt] Robbe, Seehund, 16 fieXo* 
Glied) Missgeburt, bei welcher die wohlgebildeten Hände und 
Füsse unmittelbar an Schultern und Hüften sitzen. 



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Phrenopathie 387 

Phoneentallaxis [Schmalz] (»J ytovrj Stimme, htog 
innen, dXXdaaco vertauschen) Vertauschung von Vokalen 
und Diphthongen mit einander. 

cf. Symphonallaxis. 

Phonometer (>? <pwvt) Stimme, r6 ftizgov Mass) 
Sprachmessapparat [v. Lucae] zum Nachweis der Intensität 
des Sprechens bei Hörprüfungen. 

Fhonometrie (fistgeü) messen) die von Baas einge- 
führte Methode, durch Aufsetzen einer schwingenden Stimm- 
gabel auf gewisse Körperteile dieResonanz derselben zu prüfen. 

Phonoskop (axoxeü> besichtigen) ein von Ladendorp 
und Stein angegebenes Instrument zur Verstärkung der Töne bei 
der Auskultation. Dasselbe besteht aus einem Sthetoskop, in des- 
sen Ohröffnung ein Mikrophon eingelegt ist. 

Phorometer (17 <pogd Bewegung, Lauf, v. (pigw) In- 
strument zur Messung der Deviation der Sehaxen nach unten, 
oben und der Seite. 

Phosphaturie (ro ovgov Urin) reichlicher Gehalt 
des Urins an phosphorsauren Salzen (phosphorsaurem 
Kalk, Ammoniakmagnesia). 

Phosphene (jo <pä>g Licht, <paiv<o erscheinen lassen, 

beide von <pdw leuchten) die subjektiven Lichterschei- 
nungen bei Photopsie, 
cf. Chromopsie. 

Phosphor nek rose vd. Nekrose. 

Photophobie (6 <p6ß<K Furcht, Scheu) Lichtscheu, 
der Ausdruck hyperästhetischer Affektionen in verschiedenen 
Nervenbezirken des Auges mit reflektorischem Krampf des Lid- 
schliessmuskels (Blepharospasmus — s. d.). 

Photopsie (rj oyug Sehen) s. Spintherismns subjektive 
Lichtempfindung höheren Grades infolge abnorm hoher Er- 
regung des lichtempfindenden Apparates. 

cf. Phosphene. 

Phrenasthenie (r) <pgtjt>, <pgev6$ Zwerchfell, weil das 
Zwerchfell von den Alten als Sitz aller geistigen Re- 
gungen betrachtet wurde, so bedeutet y <pgr}v auch 
Seele, Geist, fj do&heia Schwäche — [Finkelnburg]) besser 
komponirter Ausdruck für C crebrasthenie (s. d.). 

Phrenitis Zwerchfellentzündung, sekundär bei Pa- 
raphrenitis und in solchen Fällen anzunehmen, wo Entzündungen 
durch das Zwerchfell hindurchgeleitet werden. 

Phrenopathie (to xddo? Leiden) i. q. Psychosis. 

25* 



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388 



Phthiriasis 



Phthiriasis (>} tp&rigiaois v. r/Oein Laus, als ver- 
meintliches Produkt der Säfteverderbnis, 
verderben) „Läusesucht". Eine Ph. in dem Sinuc, dass die 
Läuse (Pedieuli vestimenti) in durch sie verursachten Geschwüren 
der Haut, sog. „überdeckten Läusegeschwüren*, sich finden, gibt 
es nach Herra nicht. Sie verursachen nur Ekzeme und Ex- 
koriationen. 

Fhthisi* (*) yihois Schwindsucht, v. q QU» schwin- 
den, verzehren; lat. Consumtio) gegenüber Atrophie, Tabes, 
Marasmus diejenige Form des Körpers ch wundes, bei welcher 
eine abnorme Stoffausgabe, l>ei nicht notwendig verringerter Zu- 
fuhr, stattfindet. 

Klinisch bezeichnet man mit Ph. schlechtweg die mehr oder 
weniger chronisch verlaufende Lungenphthise. Durch die Ent- 
deckung des Tnberkelpilzes ( vd. Bacillus tubereulosis) von Koch ist 
die Ph. zu einer Infektionskrankheit geworden. Sie unterscheidet 
sich jedoch wesentlich von anderen Infektionskrankheiten, da das 
Virus derselben, der Tuberkelbacillus, nur dann als Infektions- 
träger wirkt, wenn entweder eine hereditäre Disposition oder eine 
durch Krankheiten (so das Auftreten der Phthise bei Diabetes, 
Leukämie u. s. w.) oder mangelhafte Ernährung geschwächte Kon- 
stitution vorhanden ist, während gesunde Individuen immuu gegen 
dasselbe sind. Ausserdem handelt es sich bei der gewöhnlichen 
Phthise (eine Generalisation des Giftes findet sich nur bei der 
akuten Miliartuberkulose) um ein lokalisirtes Gift, das zu- 
nächst nur auf die Lungen einwirkt, während bei den gewöhn- 
lichen Infektionskrankheiten das Gift ein generelles ist, d. h. 
auf dem Wege der Blutbahn sich rasch durch den ganzen Körper 
verbreitet. Endlich gibt es auch zweifellos phthisische Prozesse 
in der Lunge, deren Ursache nicht der Tuberkelpilz ist. Virchow 
hat deshalb vorgeschlagen, die Phthise einzuteilen in eine „ba- 
cilläre" Ph. und eine „nicht bacilläre". Zu ersterer zählt 
er die Tuberkulose und die käsige Pneumonie, zu letzterer die sy- 
philitische und die bronchiektatische Ph. 

Ph. florida s. grallopicans (ital. galoppare, yaloppo) akute 
Ph. ist nicht akute Miliartuberkulose, sondern sehr akut verlau- 
fende, hoch febrile Formen von käsiger Pneumonie. 

Bei Ph. fl. finden sich konstant Tuberkelbacillen in grossen 
Mengen im Sputum, während dieselben bei der chronischen Phthise 
in viel geringerer Zahl vorhanden sind oder auch vorübergehend 
ganz fehlen können. 

Ph. bronchialis tuberkidöse Entartung und Verkäsung der 
intrathorazi sehen Lymphdrüsengruppen, insbesondere der Glandulae 
bronchiales. 

Ph. calculosa(v. calx Kalk, Steinchen) Lunge uphthise, 
wobei käsig-pneumonisch verdichtete und abgestorbene Lungenteile 



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Picae s. Malaeiae 389 

von Hirsekorn- bis über Erbsengroße in verkalktem Zustand (zu- 
weilen auch schon, ehe es zur Verkalkung gekommen ist — vd. 
Corpuscula oryzoidea) expektorirt werden. 

Ph. larynjrea Kehlkopfschwindsucht, mit der skro- 
fidös-tuberkulösen Diathese in Zusammenhang stehende Schleim- 
hau tverschwärung mit ihren Folgen, tritt am seltensten mit wirk- 
lichen Miliartuberkeln auf, häufiger mit follikulären, tief trichter- 
förmigen Ulzerationen oder mit verschieden gestalteten Geschwüren, 
welche sich aus einer spezifischen Zellen- und Kerninfiltration der 
subepithelialen Schleimhau techicht entwickeln, oder in Form ober- 
flächlicher sogen, aphthöser oder Erosionsgeschwüre von oft sehr 
grosser, durch Konfluenz bewirkter Flächenausdehnung (besonders 
auch in der Trachea). Sie tritt sekundär bei Lungenphthise auf, 
ihr primäres Vorkommen ist zweifelhaft [ZH]. 

cf. Pericbondritis laryngea. 

Ph. bulbi s. Atrophia b. atrophischer »Schwund des 
Augapfels ist gewöhnlich der Ausgang verschiedener bösartiger 
innerer Augenentzündungen, doch gibt es auch eine 

Ph. b. essentialis vd. Ophthalmomalacia. 

cf. Tuberculosis, Scrofulosis, Nekrobiose, Pneumonie (Broncho- 
und Desquamativ-P.) , Nephrophthisis , Orchitis und Epidi- 
tlymitis caseosa. 

Phyma (™ < f vpa Geschwulst, v. yVw erzeugen, 
wachsen machen) der Knollen, wallnuss- bis faustgrosse, 
mit Epidermis bedeckte feste Geschwulst in den tieferen Schichten 
der Haut, durch Extravasate oder Neubildungen im Chorion- und 
subkutanen Bindegewebe bedingt. 

cf. Nodus, Tophus. 

Physkonie Fettleibigkeit so benannt nach Ptole- 
maeus V., 175 a. Chr., mit dem Beinamen Physkon (d ffvoxtov 
Dickbauch, v. q-vaxa Wurst, Wanst, 7*1*00, tfvoaot auf- 
blasen) dem klassischen Vorgänger von Baxtix«. 

cf. Obesitas. 

Physocephalus (7 vodeo blasen, aufblasen, >/ xeqab) 
Kopf) i. q. Pneumatocephalus. 

Phywometra (f) 9 f-oo Blasebalg, Wind, 1) /n/jrga Ge- 
bärmutter) Luf tansammlung in derGebärmutterhohle, 
entweder durch mechanisches Eindringen von Luft oder durch 
gasige Zersetzung angesammelten Sekretes bei Hydrometra oder 
Pyometra. 

Picacismus (pix Pech) vd. Epiliren. 

Picae ». Malaeiae, (iustus depravatus (pica Elster, 
Specht, Baumhacker) absonderliche Appetenzen Kranker 



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390 Pigmentinduration 

(Chlorotischer, Hysterischer, Schwangeier) nach pikanten oder 
selbst ungeniessbareu Substanzen. 

Pigmentinduration (pigmentum Färbestoff v. pingo 
malen) Bildung von schwieligem Bindegewebe (in den 
Lungen) mit Einlagerung von Pigment. 

Pigmentodermien (™ deg f ta Haut) vd. Chronioder- 
matosen. 

Pilimictio (püus Haar, mingere pissen), Triehiasis 
vesicae, Gegenwart von Haaren in de r Harnblase, bezw. 
im Urin, welche, wenn sie nicht von aussen eingeführt sind, 
wahrscheinlich von Dermoidzysten herrühren, welche sich in die 
Blase geöffnet haben. 

Pimelosig (v. m/trion, >; .tt{te/.ti Fett, V. nitov) i. q. 
Obesitas. 

Pincette (franz. von pincer) Zängelchen mit geraden 
federnden Branchen mit oder ohne Haken. 

Pinguecula (pinguis fett) Lidspaltenfleck, eine 
Neubildung im Lidspaltenteil der Skleralbindehaut, aus hirsekorn- 
t artigen, platt-rundlichen, bisweilen gelappten Klümpchen einer 

weissgelblichen Masse, welche äusserlich viel Ähnlichkeit mit Fett 
hat, aber aus embryonalem Bindegewebe besteht, 
cf. Xanthelasma. 

Piqueur (franz. v. piquer) ein Individuum, welches aus 
krankhaftem Trieb seine geschlechtliche Befriedigung in der blutigen 
Verletzung jugendlicher Frauenzimmer sucht. 

Pityriasis (»/ niivglamg Kleiengrind, v. r6 .-h'tvqov 
Kleie, v. ,™o«a> enthülsen, schroten, pinso). 

P. Simplex s. vulgaris Sprödigkeit und Abschilferung der 
Haut infolge verminderter Talgtlrüsensekretion. Hierher gehört: 

P. tabescentium, die genannte Erscheinung bei Phthisi- 
kern und Marantischen. 

P. versieülor (eig. die Farbe ändernd, überhaupt ge- 
färbt) s. Dermatouiykosis furfuracea Kleienflechte, eine 
durch einen mikroskopischen Pilz (Mikrosporon furfur) ver- 
ursachte Hautkrankheit, in leicht juckenden, hell- bis dunkel- 
brauneu, glatten oder massig schilfernden, verschieden grossen, 
meist ziemlich scharf begrenzten, flachen Flecken bestehend, welche 
nur an gewöhnlich bedeckten Körperstellen, besonders bei kachek- 
tischeu, namentlich phthisisch disponirten Personen vorkommen. 

P. rubra rote Kleien flechte, eine dem Ekzema squa- 
mosura ähnliche chronische, hartnäckige, mit geringem Jucken 
verbundene Hautkrankheit von meist grösserer, selbst universeller 



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Placentitis 



391 



Ausbreitung, welche jedoch während ihres ganzen Verlaufes von 
keinen anderen Erscheinungen begleitet wird als von einer an- 
dauernden intensiv roten Färbung mit feinen weissen, lose an- 



Epidermisschichten. 

Die chronische Form der P. r. endigt nach Hebra meist 
letal; die akute, meist benigne Form derselben heist Dermatitis 
exfoliativa acuta. 

P. furfuraeea i. q. Seborrhoea sicca. 

Pityriasis rosea [Gibert] , rubra maculata 
[Bazin], circinata [Horand] (xioxtvog Zirkel) charakterisirt 
sich durch kleine rote, kaum erhabene Flecke, die in der Mitte 
Schuppen tragen und sich konzentrisch ausbreitend allmählich 
über den ganzen Körper ausdehnen. 

P. nigra vd. Melasma. 

P. pilaris vd. Liehen pilaris. 

P. capitis vd. Seborrhoea capillitii. 

Placenta (lat. Kuchen, ,-ikaxovs, xkaxoetc, .t/«£. davon 
placunta [seit Columbus 1559 Res anatomica) bei Aristoteles 
und Hippokrates noch odo£, carol). 

P. praevia (praevia* vorausgehend) vorgelagerter 
Mutterkuchen, Fälle, in denen die Nachgeburt auf dem in- 
neren Muttermund aufsitzt und denselben entweder ganz (P. p. 
centralis) oder teilweise (P. p. lateralis) bedeckt. 

Placentae suecenturiatae (succ. vd. unter Lien) Neben- 
plazenten, durch Teihmg der P. in kleinere (neben der Haupt- 
plazenta). 

P. febrilis vd. Crusta inflammatoria. 

Placentitis Fruchtkuchenentzündung, in Zusam- 
menhang mit rCndometritis (auch Syphilis) stehende Bindegeweb*- 
wuchenmg mit Ausgang in Schrumpfung und Verödung, die in 
höheren Graden Abortus zur Folge haben kann. 

P. decidualis, die Erkrankung beginnt mit fibröser Ver- 
dickung der Decidua serot. und beteiligt sekundär das Plazentar- 
gewebe, entweder in einer diffusen oder in einer knotigen 
Form. 

Eine andere Form uimmt ihren Ausgang von der Adveutitia 
der Gefässe in Form umschriebener Knoten (Periarteriitis 
placentaris nodosa) oder in diffuser Form (Periart. plac. 
diffusa), wobei den Verästelungen der Nabel arterie entsprechend 
die Plazenta mit dicken weissen Strängen durchsetzt ist [nach 

BlRCH-H IRSCH FELD], 




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392 Plagiocephalus 

Plagioeephalns (.T/a;-/o,- = obliquus) vd. Brachycephalus. 

IManam inclinatam schiefe Ebene, ein auf einer 
Unterlage ruhendes, am unteren Ende erhöhtes Brett zur Hoch- 
lagerung einer Unterextreinität. 

P. bis-inclinatuui s. inelin. duplex dieselbe Vorrichtung 
zur Hochlagerung nur des Oberschenkels, während eine zweite 
Fläche, der Stelle des Kniegelenks entsprechend, im stumpfen 
Winkel nach abwärts gerichtet, an das Ende der ersten ange- 
fügt ist. 

Plaque (franz. Fleck, .ikd£ Platte). 

Plaques o pal in es (opalus Opal) Milchflecke der Schleim- 
häute, besonders des Mundes, in zirkumskripten, flächenhaften 
leichten Verdickungen durch anomale Bildung und Anhäufung 
von Epithel bestehend, von grösster Ähnlichkeit mit einer ober- 
flächlichen Atzung der Schleimhaut mit Höllenstein, gewöhnlich 
Symptom von Syphilis. 

Plaques inuqueuses Sehl eimpapeln , vd. Condylomata lata. 

Plasmodien der Miliaria (xXtiafia), kleine rundliche 
oder unregelmässig geformte Mikroo rg anisinen (Protozoen), 
welche Marchiafava und Celli im Blute von Wechselfieber- 
kranken und zwar im Innern der roten Blutkörperchen entdeckten. 
Künstliche Züchtung des P. ist nicht gelungen, wohl aber erfolg- 
reiche Impfung mit dem Blute von Malariakranken. Nach Golgi 
sollen den verschiedenen Fieberstadien ganz bestimmte Entwicke- 
lungs- bzw. Teilungsformen, der Tertiana und Quartana sogar 
morphologisch verschiedene Unterarten des (zu den Sporozoen oder 
Gregarinen zu rechnenden) Mikroben angehören. 

cf. Malaria. 

Plasodermatosen [Tommasoli] (to Segfta Haut) mit 
Wucherung bzw. Neubildung verbundene Hautkrank- 
heiten. Die ganze Klasse teilt T. ein in: 1. Nodulodermi ten 
(s. dort), wozu gehören : Aktinomykosis cutan., Malleus, Granuloma 
fungoides, Lymphodennia pernic. [Kaposi] , Syphilom, Lepra, 
Scrophuloderma, Tuberculosis verrucosa, T. cutis, Lupus, und 
2. P lasodermiten , wozu die zahlreichen benignen und malignen 
epithelialen und Bindegewebsneubildungen gehören. 

IMastlk (v. x/.äooo) formen, bilden) plastische Ope- 
ration, die Verpflanzung von freien oder gestielten Hautstücken 
auf defekte Partien der Körperoberfläche. 

Platycephalns (.T/arrc flach) vd. Brachycephalus. 

Platymorphia (t) nogffij Gestalt), sc. bulbl, Flach- 
bau des Auges, Verkürzung des geraden Durchmessers, häufige 
Ursache von Hypermetropie. 

cf. Bathyraorphie. KROVT — — 

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Plegaphonie [Sehrwald] (»/ .-ibjyi'i Schlag, *} ytovy 
Stimme, bezw. t) aywvia Stimmlosigkeit) neue diagnostische 
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